Kategorie: Familienleben

  • Nachtschreck – Erfahrungsbericht einer Leserin

    Nachtschreck – Erfahrungsbericht einer Leserin

    Hallo, wir freuen uns Euch mal wieder einen sehr interessanten Erfahrungsbericht einer unserer Leserinnen vorstellen zu dürfen. Diesmal geht es um das Phänomen, welches unten den Begriff „Nachtschreck“ bekannt ist.


    Wir haben auch die Erfahrung und Bekanntschaft mit dem Nachtschreck gemacht und zwar durch unsere ältere Tochter Luzia.

    Sie war als Baby schon ein sehr unruhiges und aktives Kind, tagsüber weinte sie kaum. Mir als Mama und Person war ein sehr geregelter Tagesablauf stets wichtig und das versuche ich selbst heute noch umzusetzen.

    Mit einigen Monaten fing es an, kaum wurde es Abend und wir legten sie zum Schlafen in ihr Bettchen, dauerte es 30 min. und sie weinte das erste Mal. Aufstoßen und Nuki geben reichten, dann schlief sie weiter.

    Danach im 30 min. Takt ( wenn nicht kürzer) wurde sie wach, weinte. So stand ich laaaangeeee Zeit bis zu 20 Mal in der Nacht auf. Es war wirklich eine sehr anstrengende Zeit.

    Mit ca. einem Jahr fing es an, das sie im Bettchen oder auch mal bei mir im Bett sass und fürchterlich schrie, sie ließ sich da von mir nicht anfassen und schien „hysterisch“ …….

    Ich zweifelte in dieser Zeit an mir selbst und war schockiert, da es den Anschein hatte mein Kind hätte vor mir Angst.

    In diesem Alter, soweit ich mich erinnere, gab diese Situationen nicht so oft. Den genauen Zeitraum weiß ich leider nicht mehr, ich glaube mit 3 Jahren wurde es immer mehr.

    Als „Nachtschreck“ war sie nicht zu beruhigen

    Ich weiß noch von einschneidenden Situationen, wenn sie wach wurde und so schrie, dass mein Mann und ich sie nicht beruhigen konnten. Da unser Nervenkostüm von dem ständigen Schlafunterbrechungen (in diesem Alter mussten wir auch noch um die 8 mal aufstehen) sehr angeschlagen war.

    So versuchten wir sie die ersten Male zu schütteln und haben sie auch des öfteren sehr scharf und etwas lauter angeredet, wenn nicht sogar das ein oder andere mal “ angeschrien“. Wir glaubten, sie mache das mit Absicht.

    Uns wurde aber bald klar, es ist nicht normal, was sie da tut. Durch eine Nachbarin wurden wir dann auf den Nachtschreck aufmerksam. Somit begannen wir zu googeln. Was unsere Vermutung bestätigte, dass es wirklich der Nachtschreck war.

    Danach waren die Situationen dann für uns entspannter und wir blieben nur in ihrer Nähe, beobachteten sie passten auf, dass sie sich und uns nicht weh oder verletzen konnte.

    Ab und zu haben wir versucht sie anzufassen und zu beruhigen. Und manchmal hatten wir damit sogar Erfolg und sie legte sich hin und schlief weiter, als wenn nieeeeeee etwas gewesen wäre.

    Bei uns kam es eine zeitlang zu unser aller Leidwesen sehr häufig vor. 5 Nächte hintereinander war keine Seltenheit. Meistens dauerten diese zwischen 10 min. und 1 Stunde. Wobei die kurzen Zeiten für uns schon etwas von einem „angenehmen“ Spaziergang hatten. Die längeren kamen uns dagegen wie eine  kleine Ewigkeit vor.

    Manchmal hatte ich richtig gehend Angst vor meiner Tochter

    Es gab Situationen, da hatte ich direkt Angst vor meiner Tochter. Ich hatte das Gefühl, sie sah irgendwelche unschönen Gestalten im Raum.

    Oft zeigte sie panisch in eine Richtung, die Augen weit aufgerissen, die Pupillen riesen gross und ein starrer Blick. Es schien, als versuchte sie vor lauter Angst zu flüchten. Da kam mein Mann auf die Idee  „diese Gestalten aus dem Zimmer zu bringen oder zu verjagen“.

    Oft mit Worten; „aber schnell verschwindet, hier ist kein Platz für euch, lasst Luzia in Ruh“, … . Oder etwas lustiger „ich werd euch gleich kitzeln, damit ihr flüchtet“ … .

    Keine Ahnung warum, aber manchmal hat sie sich danach beruhigt hingelegt und weitergeschlafen oder gar gelacht.

    Trotzdem war dies keine angenehme Zeit, sondern sehr beängstigend für uns.

    Nachtschreck? – Diagnose durch eine Ärztin

    Als es akut war, ging ich mit ihr zu einer Ärztin, die uns ins SMZ – OST überwies, da sie den Verdacht hatte, es könnte auch Epilepsie in Kombination mit dem Nachtschreck (, welchen es tatsächlich gibt) sein.

    Nach einer Nacht dort mit EEG und Videoüberwachung im Raum, wo sie natürlich diese gegebene Nacht sehr ruhig und ohne Vorfall schlief, wurden wir von einer Oberärztin aufgeklärt, dass es “ nur“ der Nachtschreck sei und hat uns sehr gut über dieses Phänomen informiert.

    Ab da waren wir wirklich entspannter.

    Da wir in einer Wohnungssiedlung wohnen, machten wir im Sommer bei den Schreiattaken die Fenster zu. Ich fuhr grundsätzlich in dieser Zeit ungern in den Urlaub, oder zu Bekannte. Ich Angst hatte, dass sie das dort auch hätte und sie dadurch alle in ihrem Schlaf stören oder auch verunsichern könnte.

    Die einzige, die das wirklich von klein an mitbekommen hat und in diesen Situationen mit uns hineinwuchs und sich sehr dafür interessierte, war eine Oma von Luzia.

    Komischerweise konnte diese auch Luzia schneller wieder in die Schlafposition bringen und beruhigen. Luzia hat zu dieser Oma ein sehr inniges Verhältnis.

    Meinem Mann und mich hat es immer verwundert, dass sich in unserer Siedlung nie jemand aufgeregt hat oder mal nachgefragt hat, was bei uns nachts los ist.

    Einmal hat mein Mann einen Nachtschreck von Luzia gefilmt – einfach als Beweis, was da los war. Den haben wir aber nie gebraucht.

    Reaktionen von Bekannten

    Sonst gab es in unserer Umgebung NUR die Kindergärtnerin, die den Nachtschreck kannte, da ihre Tochter auch betroffen war.

    Ansonsten kannte den Nachtschreck niemand und so mussten wir uns des öfteren von Bekannten anhören, „ahhhh die tanzt euch auf der Nase rum“, „Einbildung sowas gibt es nicht“ oder „Ein paar aufn Hintern und Ruh ist“ … . Dies Reaktionen machten es nicht gerade leichter, doch wir wussten, was es war und hielten zusammen.

    Das ganze hat bei uns ca. 5 Jahre gedauert. Vor der Einschulung war es Gott sei Dank vorüber – was angeblich typisch ist für den Verlauf.

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    Manchmal hatte Luzia in den letzten zwei Jahren in der Nacht Momente, wo sie plötzlich aufrecht im Bett sass. Ich ging dann zu ihr. Sie fixierte mich, berührte mein Gesicht und  fing dann an zu lachen.  Ich bekam dann jedesmal einen Lach-Anfall (diese Situationen waren echt lustig).

    Da ihre Pupillen, in diesen Momenten stets gross waren und sie einen starren Blick hatte, wußte ich, sie ist nicht anwesend. Von ein auf die andere Minute legte sie sich dann hin und schlief weiter. Und ich hatte noch weiter mit meinem Lachkrampf zu kämpfen.

    Luzia ist besonders

    Luzia ist heute aber sehr wohl unser „Sorgenkind“ bzw. besonders. Als Kleinkind war sie immer sehr aktiv, konnte kaum ruhig sitzen, war ständig in Bewegung, obwohl wir immer einen geregelten Tagesablauf hatten und noch immer haben (soweit es möglich ist).

    Im Kindergartenalter war es auch extrem, nie war sie müde zu bekommen. Ausdauer beim Basteln, Singen oder Spielen ect. war kaum vorhanden. In der Schule hatte sie bald Konzentrationsschwierigkeiten und war mit vielen Situationen überfordert.

    Mittlerweile ist ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom), Legasthenie bzw. eine LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) diagnostiziert worden.

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    Ob das mit Nachtschreck irgendwie zusammen hängt, kann man nicht feststellen. Nichtsdestotrotz ist sie ein sehr fröhliches und hilfsbereites Kind, was uns natürlich sehr glücklich macht und wir froh sind sie zu haben. Durch Kinder wächst und lernt man. Ich hoffe nur, daß unser drittes Kind (5 Wochen alt) ruhigere Nächte haben wird.

    Es würde mich freuen, wenn ich mit meinem Bericht betroffene Eltern helfen kann, entspannter durch diese Phasen zu kommen.

    Liebe Grüße Martina (Babytalk – Leserin)

    Beitragsfoto: Irina Kozorog / shutterstock
  • So lernt dein Kind, sich allein zu beschäftigen

    So lernt dein Kind, sich allein zu beschäftigen

    „Mama spielst du mit mir ? “ Jede Mama hört diesen Satz bestimmt mehrmals täglich. Oft in Situationen wo es gerade überhaupt nicht passt. Denn gerade nach dem Einkaufen, dem Kochen oder beim Putzen brauchen Eltern mal kurz ihre Ruhe. Dann ist es natürlich ein Segen, wenn die Kinder sich alleine beschäftigen können.

    Aber die Frage, die sich stellt ist, will das Kind sich nicht alleine beschäftigen, oder kann es dies nicht? Denn immerhin können sich schon Babys von ganz alleine auf etwas konzentrieren und sich Minutenweise alleine beschäftigen. Somit entdecken schon Babys ihr Umfeld mit allen Sinnen und gewinnen so neue Eindrücke.

    Diese Fähigkeit sich alleine beschäftigen zu können, können wir als Eltern unserem Kind allerdings auch abtrainieren. Indem wir es einfach zu gut meinen und unser Kind pausenlos beschäftigen. Ich habe diesen Fehler teilweise auch gemacht. Gerade wo meine Große noch ein Einzelkind war.

    Ich dachte, ich muss sie ständig beschäftigen, ihr immer wieder neue Dinge zum Spielen anbieten, dabei hatte sie eigentlich gerade mehr Spaß die Fliege an der Wand zu beobachten. Denn sie beschäftigte sich schon alleine, nur ich sah dies nicht als Beschäftigung, sondern dachte es wäre Langeweile.

    Wenn unsere Kleinen es dann lernen, sich unabhängig von uns Eltern zu beschäftigen und zu konzentrieren, stärkt es ihr Selbstwertgefühl. Aber wie könnt ihr euer Kind beim alleinigen spielen unterstützen? Diese Frage habe ich mir auch damals gestellt, meine Hebamme gab mir  wirklich tolle Tipps, die ich jetzt gerne an euch weiter gebe.

    Eine aufregende Umgebung schaffen

    Beispielsweise liegt euer Kind gerade auf der Krabbeldecke. Legt ihm einfach mal Spielzeug in greifbare Nähe, nicht zu viel, ein klein wenig Auswahl reicht schon. Wichtig ist, dass euer Kind dieses Spielzeug nur bekommt, wenn es sich alleine damit beschäftigt. Dies erhöht den Anreiz und fördert die Kreativität.

    Doch es muss nicht immer Spielzeug sein, womit euer Kind spielen kann. Auch Alltagsgegenstände wie Tücher, Töpfe, kleine Dosen oder Zeitungen, lassen sich gut zur Beschäftigung nutzen. Wichtig ist, dass sobald das Kind alleine spielt, es nicht gestört wird.

    Schreitet also nur ein, wenn es absolut notwendig ist. Dies kostete mich am Anfang auch viel Überwindung. Ich hatte immer das Gefühl eingreifen zu müssen, aber durch meine Zurückhaltung, erfand meine Tochter ganz eigene Spielwege, die sie so mit mir, vielleicht sonst nicht entdeckt hätte.

    Die meisten Babys und Kleinkinder liegen beispielsweise nach dem Aufwachen erst einmal ruhig in ihrem Bett. Sie spielen mit Händen und Füßen oder plappern vor sich hin. Diese Momente, in denen sich das Kind selbst genug ist, sind der Beginn des selbstständigen Spiels.

    Natürlich könnt ihr diese Phase ganz toll erweitern, in dem ihr Spielzeug an den Gittern befestigt, womit sich das Kind dann noch selbst beschäftigen an.

    Allein Spielzeiten sind wichtig

    Am besten lernen Kinder sich alleine zu beschäftigen wenn, es Alltag wird. Übt dies am besten 2-3 x am Tag für eine kurze Zeit. Bietet ihm Spielzeug an und lasst es sich kurz, für den Anfang werden je nach Alter  5-10 Minuten empfohlen, alleine damit spielen. Sollte euer Kind am Anfang nicht gewillt sein dies alleine zu tun, setzt euch dazu.

    Spielt neben eurem Kind aber nicht mit ihm. Sobald es in seinem eigenen Spiel abgetaucht ist, macht ihr andere Tätigkeiten. Zum Alleinspielen gehört, dass euer Kind weiterspielt, auch wenn ihr es einige Minuten allein im Raum lasst. Dies übt ihr am besten ab einem Alter von 4-5 Monaten.

    Wählt einen Moment, wo euer Kind total im Spiel ist, wenn es abgelenkt ist und gar nicht mitbekommt, dass ihr geht. So könnt ihr die Zeiten nach und nach verlängern. Sollte es am Anfang so überhaupt nicht klappen, erklärt eurem Kind, wohin ihr geht. Kündigt eurem Kind, an das ihr kurz auf die Toilette geht, oder etwas in der Küche machen müsst.

    Nicht zuviel auf einmal erwarten

    Ganz wichtig, wie bei allem in der Kindererziehung, ist es nicht zuviel zu erwarten. Im Alter von 1-3 Jahren ist es ganz normal das nicht Kinder nicht länger als 15-30 Minuten alleine und selbstständig spielen. Natürlich ist dies auch von Kind zu Kind unterschiedlich.

    Es gibt Kinder, die lieber für sich sind und sich ganz in ein spiel vertiefen können. Es gibt aber auch Kinder, die lieber in Gesellschaft spielen, oder sich eben schwer auf das Alleinspiel einlassen können.

    So oder so macht Übung den Meister und ihr als Eltern könnt euch zumindest eine kleine Auszeit gönnen, aber vor allem das Selbstwertgefühl eures Kindes stärken.

    Eure Nicole (Babytalk – Autorin)

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    Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:

    Beitragsfoto: Oksana Kuzmina / shutterstock
  • Mein Kind spricht nicht – Was tun?

    Mein Kind spricht nicht – Was tun?

    Hilfe, mein Kind spricht nicht. Viele Eltern kennen das, man sehnt sich so sehr nach den ersten Worten von seinem Kind. Ein erstes Brabbeln und natürlich das magische erste Wort. Egal ob es Mama oder Papa ist. Das erste Wort wird zelebriert und gefeiert.

    Dies ist der nächste große Entwicklungsschritt vom Baby zum Kleinkind. Die meisten Kinder bilden ihre ersten Wörter ab einem Alter von ungefähr einem Jahr. Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren erweitert sich der Wortschatz, dann sehr schnell. Mit drei Jahren liegt er häufig zwischen 300 und 500 Wörter.

    Zwischen dem 18. und 30. Monat lernen die Kleinen oft bis zu zehn Wörter und mehr am Tag zu verstehen. Am Ende dieser Zeitspanne beginnen die Kinder bereits die ersten kleinen Sätze aus 2 bis 3 Wörtern wie selbstverständlich zu bilden.

    Natürlich hat jedes Kind dabei seine eigene Geschwindigkeit. Genauso wie beim Laufen, krabbeln oder sauber werden und so sind manche Kinder schneller oder langsamer. Daher ist Geduld gefragt. Denn bis zu einem Alter von 2 Jahren braucht man sich noch gar keine Sorgen machen, dass etwas nicht stimmt.

    Das Kind spricht nicht, wann sollte man handeln?

    Grundsätzlich sollten alle Eltern auf ihr Bauchgefühl hören. Habt ihr das Gefühl, es ist alles noch im Rahmen oder es ist in Ordnung so, gibt es erstmal keinen Grund zur Sorge.

    Spätestens beim Eintritt in die Kita oder den Kindergarten haben auch Erzieher ein Auge darauf und werden euch ggf. eine Empfehlung zur Vorstellung bei einem Arzt geben.

    Bei unserer Tochter war es damals so, dass wir recht schnell gemerkt haben, dass ihre Altersgenossen, sprachlich sehr viel weiter sind.

    Da sie unser erstes Kind war und wir wussten, dass alle Kinder sich unterschiedlich schnell entwickeln, haben wir uns erstmal keine großen Sorgen gemacht. Denn der Hörtest beim Arzt war stets unauffällig und wir wussten auch das sie gut hören kann, da sie auf Fragen richtig reagierte.

    Im Alter von 2 Jahren sind wir dann doch mal zu einem Arzt, aber auch dieser beruhigte uns und sagte, dass jedes Kind, sollte keine körperliche Störung vorliegen, irgendwann das Sprechen anfangen würde. Unsere Tochter sprach bis zu dieser Zeit, nur wenige Wörter.

    Er sagte uns, dass es eben diese „Late Talker“, also Kinder die spät das sprechen beginnen, gibt und dies kein Grund zur Sorge ist. Denn körperlich war alles in Ordnung.

    Er sagte uns, dass Kinder mit dieser Diagnose, bis zum dritten Lebensjahr, diesen Rückstand zu anderen Altersgenossen normalerweise aufgeholt haben.

    Trotzdem ist es sinnvoll euch beraten zu lassen, wenn euer Kind mit zwei Jahren noch nicht spricht.

    Was gibt es für Ursachen?

    Wenn euer Kind nicht spricht, kann das unzählige Ursachen haben. Dabei spielt natürlich auch immer das Alter eine große Rolle. Denn die Sprachentwicklung verläuft in verschiedenen Stufen und ist Alters abhängig. Mögliche Ursachen, warum euer Kind nicht spricht, sind:

    • LATE TALKER, der Sprachbeginn erfolgt hier später, normalisiert sich dann aber recht schnell, sobald das Kind erstmal zu sprechen beginnt.
    • Hörschädigung bzw. Gehörlosigkeit, dies kann nur ein Arzt überprüfen. Der erste Hörtest erfolgt schon kurz nach der Geburt, sodass diese Ursache relativ früh erkannt werden kann. Eine Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist daher sehr wichtig.
    • Sprachentwicklungsstörung: Wenn euer Kind nicht spricht, kann auch eine Sprachentwicklungsstörung der Grund dafür sein. Falls es Anzeichen dazu gibt, bespricht dies am besten mit eurem Kinderarzt.
    • Angeborene Stummheit, dies kann auf einem genetischen Defekt zurückzuführen sein. Die Stummheit ist auf eine Schädigung im Gehirn zurückzuführen, bei der das ansonsten normal entwickelte und intelligente Kind nicht spricht, weil es seine Sprechorgane nicht steuern kann.
    • Mutismus, wenn euer Kind unter Mutismus leidet, dann spricht es aufgrund von psychischen Ursachen nicht. Dies ist auch die Ursache für die Stummheit unserer Tochter.

    Behandlungsmöglichkeiten, wenn das Kind nicht spricht

    Wenn die eigentliche Ursache für die Stummheit eures Kindes geklärt ist, dann kann die passende Therapie beginnen. Diese übernimmt entweder ein Logopäde, ein Sprachheilpädagoge oder ein Psychologe.

    Je nach Ursache gibt es wirklich gute Heilungs- und Genesungschancen. Denn Kinder können, mit der richtigen Hilfe, ganz viel aufarbeiten und kompensieren. Außerdem könnt ihr als Eltern eurem Kind helfen, aktiver Sprechen zu lernen.

    Denn oft, wenn so eine Sprachstörung vorliegt, übernehmen die Eltern das Sprechen für das Kind. Die Eltern dienen somit als Sprachrohr und das Kind „muss“ gar nicht sprechen. Auch wir haben diesen Fehler gemacht.

    Ich habe mich oft dabei ertappt, dass wenn jemand nach dem Namen meiner Tochter gefragt hat, ich automatisch geantwortet habe. Einfach weil ich wusste, dass sie nicht antworten wird.

    Dies war natürlich nicht richtig, denn heute antwortet sie ganz selbstverständlich. Einfach weil wir es nicht mehr für sie tun. Dies sind so kleine Übungen, die viel bewirken können.

    Denn wenn ein Kind „gezwungen“ ist zu sprechen, überwindet es sich meistens doch. Genauso verhält es sich, wenn euer Kind etwas möchte. Lasst ihm etwas Zeit, um zu formulieren, was es genau möchte, beispielsweise: Apfel, Milch etc.

    Nur kleine Wörter, keine Sätze. Aber auch euer Kind wird dieses Erfolgserlebnis positiv verknüpfen und merken, dass es leichter etwas bekommt, wenn es die Dinge benennt.

    Dies erfordert natürlich Ausdauer und viel Geduld. Aber es lohnt sich. Abschließend kann ich nur sagen, hört immer auf euer Bauchgefühl, lasst euch nicht verunsichern. Denn wir als Eltern spüren am Stärksten, ob etwas nicht stimmt.

    Eure Nicole (Babytalk – Autorin)

    Unter dem Link Knetfeder Kleinkindpädagogik findet ihr nähere Hinweise zur Sprachentwicklung von Kindern (Hinweis der Redaktion).

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  • Warum jede Trotzphase so wichtig ist und ich ihnen dennoch keine Träne nachweine

    Warum jede Trotzphase so wichtig ist und ich ihnen dennoch keine Träne nachweine

    Was ich so gar nicht gut hingekriegt habe, war die so genannte Trotzphase, als die Kinder so zwei bis drei Jahre alt waren. In dieser Zeit gab es immer wieder Wut- und Schreialarm – für mich völlig unbegründet. Das Schlimmste daran war für mich, dass ich es ihnen gar nicht recht machen konnte.

    Was ich auch sagte oder tat, es war mit Sicherheit das Verkehrte. Mit Grauen denke ich an das Frühstücken in dieser Zeit zurück – mit drei Kindern so ungefähr im selben Alter war die Chance recht hoch, dass einem der lieben Kleinen irgendetwas nicht passte.

    Mal Butter aufs Brot, mal Brot pur, dann wieder Corn Flakes oder Müsli, und neiiiiiinnnn Mama wie kannst Du da nur Milch reinschütten. Was wochenlang gut war, ist plötzlich einem gewaschenen Wutanfall würdig. Am Besten war ich diesen Schreiattacken und Zornestränen gewappnet, wenn es mir gelang, dieser Trotzattacke mit Gleichmut zu begegnen.

    Kühlschranktür auf, komplettes Sortiment raus und hübsch um den Kinderplatz drapiert. Bitte, wertes Kind, wähle selbst aus. Da in dieser Trotzphase Kindern sowieso nichts recht zu machen ist, funktioniert es immer noch am besten, das Kind so zu überraschen, das es sein Programm „Ich lehne alles ab“ schlagartig vergisst.

    Phantasiegeschichten lenken ab

    Mein Mann konnte das immer besonders gut. Er hat sie einfach auf den Arm genommen, ist mit ihnen weggehopst und hat sie mit einer unglaublichen Geschichte aus seiner Phantasie auf andere Gedanken gebracht.

    Aber bei mir hat das so nie funktioniert, dazu war ich einfach zu eingefahren darin, mein Programm abzuspulen. Wahrscheinlich ist das das wahre Problem. Kinder entdecken in jeder Trotzphase immer mehr ihr eigenes Ich, ihren Willen, ihre freie Entscheidungskraft und bemerken, dass sie plötzlich dem Programm der Eltern etwas entgegen zu setzen haben.

    Kind möchte heute lieber Sandalen anziehen als Winterstiefel. Argumente der Vernunft, wie der Hinweis, dass draußen Schnee liegt, helfen da recht wenig. Auch wenn es schwerfällt, machen lassen, hilft immer noch am Besten.

    Mein Sohn hat sich eine zeitlang regelmäßig die Schuhe im Auto ausgezogen und wollte sie zum Aussteigen partout nicht wieder anziehen. Schließlich, als alles bitten und betteln nichts half und mir gerade der Kragen platzte, ließ ich ihn strumpfsockig durch den Schnee gehen.

    Und das war das letzte Mal, dass er sich seine Schuhe nicht wieder von selbst angezogen hat. Es war ihm wohl zu kalt gewesen – grrr.

    Trotzphase – Den eigenen Willen entdecken

    Meine Tochter entdeckte schon sehr früh ihren eigenen Kleiderschrank. Maria Montessori gemäß hatten wir es so eingerichtet, dass die Kinder selbst an ihre Klamotten herankommen können.

    Während sich die Jungs bis ins Vorschulalter überhaupt nicht selbst anzogen und ich ihnen eigentlich immer etwas überstülpte, begann meine  Tochter schon mit drei Jahren sich ihre Garderobe selbst zusammen zu stellen.

    Die Kombinationen sagten mir nicht immer zu. Sie bevorzugte z.B. wochenlang Rüschenrock über Jeans. Es sah komisch aus, aber ich überwand mich sie so in den Kindergarten gehen zu lassen. Hätte ich sie dazu gezwungen sich meiner Norm entsprechend umzukleiden, hätte ich mit einem Wutanfall rechnen können.

    Es gibt Situationen, da muss ein Kind einfach das tun, was die Großen für richtig halten, wie etwa der Fahrradhelm zum Radfahren. Wenn es aber um Kleidung und andere Vorlieben geht, lasst Eure Kleinen doch einfach machen.

    Ihr schont Eure Nerven und belohnt Eure Kinder auch noch mit dem guten Gefühl, etwas ganz alleine und selbständig entschieden und erledigt zu haben.

    Trotzphasen – Is this drama really necessary?

    Wo man den heftigen Reaktionen in einer Trotzphase so einfach entgehen kann, sollte man sich die Energie für schwerer aufsparen. Pullis falsch herum, im Schlafanzug in die Kita gehen, zwei Unterhosen übereinander und keine Lust sich noch einmal umzuziehen, ok Kind, es entspricht nicht ganz meinem Idealbild, aber es gibt Schlimmeres.

    Beim Essen fällt mir dieses Gelassensein schon etwas schwerer. Ich lege großen Wert darauf, dass sich meine Kinder gesund ernähren und nicht dauernd Fertigprodukte, Wurst und Zuckerzeug essen.

    Wenn ich aber mit Menschen rede, die schon länger Eltern sind, hat mir das immer sehr gut getan. Solche Gespräche relativieren diese stressige Zeit einer Trotzphase ein wenig.

    Und wenn sie nun heute Lust auf Pudding mit Ketchup haben, ommmmm. Gelassenheit hilft viel und mein Mantra: Es ist alles nur eine, wenn auch von mehreren Phasen!

    Trotzphase – Wutanfälle in der Öffentlichkeit

    Komischerweise bin ich immer ziemlich gelassen geblieben, wenn es sich um Wutattacken in der Öffentlichkeit handelte. Irgendwie war ich da resoluter. Wenn ein Kind sich auf den Boden legte und schrie, habe ich es einfach in den Arm genommen und bin mit ihm zum Auto gegangen.

    Irgendwie war mir klar, dass das Kind sich nicht so aufführt, um mich bloß zu stellen oder zu ärgern. Es ging dabei nie um meine Person, also soll man so einen Trotzanfall auch nie persönlich nehmen.

    Oft passieren diese berühmt-berüchtigten Supermarktszenen, in die wohl jede Mutter und jeder Vater einmal kommt, am Ende anstrengender Tage mit übermüdeten Kindern, die eigentlich nur heim wollen und gar nicht mehr können.

    Und in solchen Situationen kriegt ein Kind auch schon mal einen Lutscher von mir oder ein kleines Pixi-Buch. Warum ein erzieherisches Exempel statuieren, wenn jemand gerade am Ende seiner Leistungsfähigkeit ist.

    Manchmal jedoch habe ich das Kind auch einfach ins Auto gesetzt und ihm gesagt, ich habe noch zwei andere Kinder, die ich jetzt zusammen mit den Einkäufen bei der freundlichen Kassiererin abholen muss und dass ich gleich wieder da bin.

    Solche Wutanfälle im Supermarkt kamen bei uns zum Glück so gut wie nie vor. Lag es daran, dass ich sie am liebsten alleine erledigte oder an meinen geschickten Bestechungsversuchen? Oder aber an der Schläue meiner Kinder?

    Eine Situation, die mir besonders in Erinnerung blieb

    Ich erinnere mich noch gut daran wie sie laut johlend mit den kleinen Wägelchen durch die Gänge brausten bis sie Ärger mit dem Supermarktpersonal bekamen.

    Mir war das egal, denn immer noch besser glücklich johlende Kinder, die ein bisschen über die Stränge schlagen, indem sie mit ihren Wägelchen Wettrennen machten, als zornige Kinder gefangen im eigenen Wagen.

    Das Lustigste was mir je beim Einkaufen passiert ist: Eines meiner Kinder kam gar nicht auf die Idee sich zu grämen, wütend zu werden oder zu heulen, dass ich beim Süßigkeitenregal mit einem definitivem Nein vorbei gestürmt war:

    Er holte sich einfach zwei der netten lila Hasen – die großen, klar – und schälte sie aus dem Silberpapier. Da die Ohren schon abgebissen waren, musste Mama die Osterhasen zähneknirschend kaufen. Die Kinder waren entzückt. Danach wussten sie, wie das ging mit der Kaufentscheidung.

    Einen Orden für Eltern

    Das Erlebnis aus dieser Trotzphase, das ich nie vergessen werde, war aber folgendes: Wir waren im Herbst spazieren an einem Gebirgssee zu dessen Ufern steile Böschungen hinabgingen.

    Die Kinder fanden es wunderbar im raschelnden Laub zu spielen. Doch irgendwann wurde es kalt und wir wollten weitergehen. Töchterchen wollte das nicht.

    Als wir den Hang hinaufgestampft waren, legte sie sich wieder hin und rollte alles wieder hinab. Ich ging sie holen. Das Spiel ging etliche Male so weiter. Irgendwann konnte ich nicht mehr und ich habe sie energisch in ihren Kinderwagen verfrachtet.

    Die Antwort war lautes Brüllen. Dieses hielt die ganze Heimfahrt über an. Mein Wunsch nach einem Schläfchen im Auto wurde nicht erhört. Zuhause setzte sich das Kind schmollend hinters Sofa. In dieser unbequemen Lage schlief sie doch tatsächlich ein!

    Mein Kind, das sonst immer nur im Kindersitz, Wagen oder Bett einschlafen konnte. Erleichtert atmete ich auf, doch zu früh gefreut. Als das Kind erwachte, schaute es aus seinem Versteck heraus und als es mich erblickte, begann das Wutgebrüll sofort in unverminderter Lautstärke erneut.

    Warum ich Euch dieses Erlebnis erzähle? Es war keineswegs besonders lustig für mich, obwohl meine Tanten, die dabei waren, bis heute darüber lachen wie lustig es gewesen wäre, als das Kind immer wieder durchs Laub gekugelt sei. Das Kind jedenfalls erinnert sich da schon lange nicht mehr dran und schaut nur leicht ungläubig, wenn wir so etwas erzählen.

    Wie es für sie war, weiß ich bis heute nicht, nur wie es für mich war. Und deshalb möchte ich allen Mamas und Papas an dieser Stelle mal einen Orden verleihen. Ihr macht das richtig super, bleibt gelassen, versucht zu lachen und denkt immer daran, wenn es ganz schlimm wird: „Es ist alles nur eine Phase!“

    Eure Verena Wagner (Babytalk – Autorin)

    Und wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem zweiten Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ viele praktische Beispiele und Hilfestellungen und Hintergrundinformationen dazu.

    Beitragsfoto: Mark Umbrella / shutterstock
  • Mein Kind beißt, tritt und haut. Was tun?

    Mein Kind beißt, tritt und haut. Was tun?

    Was tun, wenn das eigene Kind seine Freunde oder Fremde tritt und haut?

    Mein Kind beißt: Der beste Tipp ist, kein Drama draus zu machen, ignorieren geht allerdings auch nicht. Es ist eine Grad Wanderung in solchen Situationen das Richtige zu tun. Dass Kinder Aggressionen zeigen, ist nicht ungewöhnlich.

    Gerade im Kindergartenalter testen Kinder gerne ihre Grenzen aus und gehen vielleicht auch mal mit ihren Freunden zu weit. Aber wenn euer Kind dies tut, ist es eher ein Ausdruck von Wut, Hilflosigkeit oder Frustration.

    Dem beißenden Kind beispielsweise geht es in der Regel nicht darum, das andere zu verletzen. Vielmehr zeigt sich ­darin der Wunsch nach Beachtung.

    Teilweise sind Kleinkinder aggressiv, weil sie noch nicht gelernthaben, wie sie mit anderen Kontakt aufnehmen können.

    Ihr Kind kann seine Gefühle noch nicht anders ausdrücken und reagiert deshalb mit Wut.

    Deshalbhaut es wahrscheinlich ein anderes Kind, um ihm zu signalisieren: Hallo komm beachte mich, ich möchte mit dir spielen. Auslöser für solche Aggressionen gibt es viele:

    • Der Turm aus Bausteinen ist zusammengestürzt
    • Beim Abendessen steht der falsche Becher auf dem Tisch
    • Das Lieblingskleid ist gerade in der Wäsche
    • Ein anderes Kind spielt gerade mit dem Spielzeug der Begierde … .

    Was tun, wenn mein Kind schlägt oder beißt? 

    Sobald euer Kind schlägt, haut oder beißt, greift ihr ein und erklärt ihm am Besten auf Augenhöhe deutlich, dass das nicht in Ordnung ist. Seht euer Kind entschlossen an und weist es darauf hin, dass es dem anderen Kind weh getan hat. Ein bestimmtes Nein kann dort schon helfen.

    Zeigt eurem Kind, dass es auch anders geht, das es das andere Kind beispielsweise auch streicheln kann, um Beachtung zu bekommen. Wenn euer Kind schon gut sprechen kann, ermutigt es, zu einem anderen Kind hinzugehen und Hallo zu sagen, wenn es Kontakt aufnehmen möchte.

    So lernt es, dass es nicht aggressiv sein muss um Aufmerksamkeit zu bekommen. Anders verhält es sich in Streit Situationen. Wenn euer Kind beispielsweise einem anderem Kind ein Spielzeug gewaltsam entrissen hat, geht direkt dazwischen.

    Am besten ist es hier, eurem Kind zu erklären, dass es entweder warten muss bis dieses Spielzeug frei ist, oder dass es ein Tauschgeschäft gegen ein anderes Spielzeug anbieten kann.

    Je öfter diese Situationen geübt werden umso sicherer wird auch euer Kind.

    Wenn das Verhalten nicht besser wird 

    Sollte sich das Verhalten trotz liebevoller und verständnisvoller Bemühungen nicht bessern, hilft nur noch Konsequenz.

    Sollte euer Kind also weiterhin auf dem Spielplatz beißen oder hauen, geht ihr nach Hause.

    Oder wenn euer Kind euch haut oder tritt, verlasst ihr sofort den Raum. So merkt es, dass es das Gegenteil von dem erreicht, was es eigentlich möchte, nämlich eure Aufmerksamkeit.

    Außerdem kann es helfen die Wut körperlich abzubauen. Dafür gibt es einige Tricks:

    • Aufstampfen, wie das Wort es schon erklärt, kann dein Kind deine Wut direkt in den Boden stampfen. Rumpelstilzchen machte es im Märchen ja schon vor. Diese Methode ist simpel und überall durchführbar.
    • Boxsack oder Wutpolster: Diese Methode kann auch vorbeugend eingesetzt werden. Denn so wird eure Kind seine Aggressionen los, ohne ein anderes zu verletzen.
    • Zeitungen zerreißen: Einfach die Wut mit dem zerreißen der Zeitungen rauslassen. Dies kann auch bei älteren Kindern noch wahre Wunder bewirken.
    • Schreien: Geht in den Wald oder irgendwo, wo euch niemand hört und schreit, was das Zeug hält. Dies kann auch uns Eltern helfen Emotionen, die sich aufgestaut haben, abzubauen. Somit sind wir ein tolles Vorbild für unsere Kinder, denn sie sehen, auch wir sind manchmal wütend oder traurig.

    Ist diese Beißphase allerdings, im Kindergartenalter noch nicht vorbei, solltet ihr Euch Hilfe suchen. Oft haben Erzieher hilfeiche Tipps. Erzieher und Kinderärzte können bei einer intensiveren Ursachenforschung helfen.

    Gegebenenfalls ist es ratsam, einen Psychologen hinzuzuziehen. Aber in den meisten Fällen regelt sich dieses Verhalten von ganz alleine.

    Eure Nicole (Babytalk-Autorin)

    Die Frage, ab wann ein Kind bereit ist in die Krippe / Kita zu gehen, stellen sich wohl die meisten Eltern. Selbst wenn es – etwa berufsbedingt – nicht möglich ist, den Zeitpunkt zu bestimmen. Die Mehrheit macht sich viele Gedanken oder fühlt sich vielleicht gar als Rabenmütter, wenn sie ihre Kinder bereits im ersten Lebensjahr Fremdbetreuen lassen.

    Vom Loslassen und Bereitsein

    Dass das jeder für sich selbst entscheiden muss, ist natürlich klar. Leider ist es nun so, dass sich fast niemand seiner Umgebung entziehen kann. Es gibt unweigerlich viele Meinungen und nicht immer nett gemeinte Kommentare, Urteile und sogar implizite Vorwürfe. Wie so oft, weiß jeder um uns herum am besten, was gut für uns ist.

    Davon soll sich aber keiner Bange machen lassen, sondern auch hier wieder schlicht auf sein Bauchgefühl hören. Es geht nämlich in erster Linie um folgende Frage: Bin ICH selbst bereit, mein Kind an andere Personen, die erst einmal Fremde sind, abzugeben?

    Ein Kind passt sich den Gegebenheiten an, die es vorfindet. Über diesen Satz lohnt es sich, einmal ganz wertfrei nachzudenken. Genauso spürt ein Kind aber, wenn sich seine engste Bezugsperson nicht von ihm lösen kann, es eigentlich nicht weggeben mag.

    Mit dieser Grundanspannung klappt die Außer-Hausbetreuung auch mit drei Jahren oder mit vier Jahren nur mit Mühe.

    Das Alter spielt hier keine Rolle: Wenn die Mutter bzw. die Eltern nicht bereit sind, dass Kind im wörtlichen Sinne abzugeben, auch nur für einen Zeitraum von einigen wenigen Stunden, wird das Kind auch nicht bereit sein, sich von sich aus frei zu fühlen, neue Bindungen einzugehen.

    Dies muss es ja tun, wenn es sich in einem neuen Umfeld, wie es die Krippe eines ist, zu etablieren. Es muss die Gelegenheit haben, sich an dem neuen Ort wohlfühlen zu dürfen und Vertrauen aufzubauen. Wenn es das Gefühl hat, die Mama will mich eigentlich gar nicht hier lassen, möchte es auch nicht bleiben.

    Schlechtes Gewissen der Mutter

    Auch wenn die Mutter dieses Gefühl nicht bewusst auf das Kind überträgt, kann sie trotzdem so etwas ausstrahlen. Ein Klassiker ist hier das schlechte Gewissen, das die Mutter hat. Dabei sind wir wieder beim Gefühl der Rabenmutter angekommen.

    Es ist ganz wichtig, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sich eine Mutter dazu entscheidet, ihr Kind in die Krippe zu geben. Das hört sich so altmodisch an, aber es leiden leider viele Mütter unter diesem Syndrom – mich eingeschlossen. Liebe Mütter, quält Euch bitte nicht so. Ihr leidet darunter und ebenso Euer Kind.

    Meine persönliche Erfahrung

    Aufgrund unserer umzugsbedingten Wechsel habe ich mit meinen Kindern mehrere Eingewöhnungen durchlebt.

    Der Große ist mit 2,5 Jahren direkt in den Kindergarten gekommen. Wir wollten ihn nicht in die „Babygruppe“ mit seinen Zwillingsgeschwistern – damals 13 Monate alt – geben, weil wir dachten er wäre dafür schon zu groß.

    Im Nachhinein war unser Erstling in diesem Alter im Kindergarten ganz schön gefordert, wenn nicht auch anfangs überfordert. Da ist eine Krippe doch viel behüteter mit weniger Kindern in den Gruppen und mehr Erzieherinnen.

    Die Zwillinge mit ihren 13 Monaten haben es von Anfang an genossen, den vormittag außer Haus zu verbringen. Ich war mir wirklich unsicher, sie – vom Standpunkt meines Umfelds aus gesehen so früh – wegzugeben.

    Natürlich verunsicherten mich die Ansichten um mich herum noch zusätzlich. Doch mit meiner besonderen Situation mit 3 Kindern unter zwei Jahren brauchte ich einfach eine Pause: Ich war am Ende meiner Kräfte.

    Komisch – nicht vermisst zu werden

    Durch einen Zufall musste ich bereits in der ersten Woche der Eingewöhnung die Krippe verlassen, um meinen Mann zur Bahn zu bringen.

    Als ich an diesem zweiten oder dritten Krippentag voll schlechten Gewissens wiederkam, um meinen Kindern in der fremden Umgebung beizustehen, winkte die Kindergärtnerin ab: „Die beiden fühlen sich bestens – gucken Sie mal, wie die schön spielen, Sie brauchen erst in einer Stunde wiederzukommen!“

    Irgendwie komisch gar nicht vermisst zu werden, aber irgendwie wunderschön und erleichternd. Da wusste ich, die Kinder sind bereit und haben richtig Lust darauf, Neues zu entdecken. Ohne diesen Zufall hätte ich mich und damit auch meine Kinder sich wahrscheinlich viel schwerer getan mit dem Loslassen.

    Bei der zweiten Eingewöhnung nach einem Umzug etwa ein Jahr später – also mit knapp zwei Jahren, haben wir etwas ganz anderes erlebt. Lag es an meinem schlechten Gewissen, die Kinder nach dem stressigen Umzug erneut in eine unbekannte Umgebung zu geben. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie sich gerade mitten in einer Trotzphase befanden?

    Kein Bock auf eine neue Krippe

    Jedenfalls hatten die Kinder keinen Bock auf diese neue Krippe und haben sich immer wieder gegenseitig daran erinnert, es schrecklich zu finden. Wenn einer mal anfing zu spielen, brüllte der andere umso lauter bis sein Partner wieder mit einstimmte.

    Die Lösung war dann zum einen von Seiten der Krippe her getrennt mit den Kindern etwas zu unternehmen, etwa ein kleiner Spaziergang, um sich besser kennenzulernen. Zum anderen hat der Papa übernommen und indem ich raus war, lief alles bedeutend leichter.

    Die Phase der Eingewöhnung hängt von vielen Faktoren ab und ist daher kein wirklich guter Indikator, ob ein Kind das richtige Alter für die Krippe hat.

    Meinen Beobachtungen und Erfahrungen zufolge ist es aber schon so, dass die Kids mit 13 Monaten einfach in einem Alter waren, indem sie viel Spaß daran hatten, die Welt um sich herum zu entdecken. Da faszinierte sie jedes neue Spielzeug ebenso wie liebe Menschen.

    In der sogenannten Trotzphase, die verstärkt im dritten Lebensjahr auftritt, treten andere Dinge in den Vordergrund, etwa der eigene Willen. Das kann – wie in unserem Fall – mit der Eingewöhnung in die Krippe kollidieren, muss aber natürlich nicht.

    Fremdbetreuung im ersten Lebensjahr?

    Meiner persönlichen Meinung nach und entsprechend der Erfahrungen mit meinen eigenen Kindern und der befreundeter Mütter finde ich das Alter um 12 Monate herum perfekt für den Krippenstart. Früher hätte ich es nicht geschafft, meine Babys abzugeben.

    Zum einen wäre ich nicht gewillt oder bereit dazu gewesen, solange meine Stillbeziehung noch so intensiv war wie im ersten Lebensjahr. Mit dem Abstillen um den ersten Geburtstag herum, konnte ich dann auch loslassen. Die sehr innige Symbiose im ersten Lebensjahr zwischen Mutter und Kind lockerte sich und ich war bereit für Veränderung.

    Es gibt bestimmt Mütter, die das anders sehen und erleben und das ist auch gut so. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen: Nicht jeder Weg passt für jeden.

    Jede Mutter soll sich aber überlegen, ob sie sich eine Fremdbetreuung tatsächlich vorstellen kann und wenn ja, genau darüber nachdenken, wieviel Zeit in der Woche gut für sie und das Kind wäre. Es gibt ja sehr viele individuelle Lösungen, die im Einzelnen mit der Einrichtung abgesprochen werden können.

    Es ist auch sehr wichtig, genügend Zeit zum Ausprobieren und Eingewöhnen einzuplanen. Ohne Druck und Stress und mit dem Gefühl, zu wissen, was gut für einen ist, klappt der Übergang in diese neue Lebensphase bestimmt ganz wunderbar.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

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    Und wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem zweiten Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ viele praktische Beispiele und Hilfestellungen und Hintergrundinformationen dazu.

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  • Schlafprobleme mit Baby: Warum uns die Federwiege gerettet hat

    Schlafprobleme mit Baby: Warum uns die Federwiege gerettet hat

    Federwiege: An Schlaf war im ersten Jahr mit unserer großen Tochter nicht zu denken. Sie war ein „Schreibaby“ und schrie von 18-23 Uhr in einer Tour durch. Tagsüber schlief sie nie länger als 20 Minuten – es sei denn, ich habe sie abgelegt, dann gar nicht mehr. Über Monate hinweg. Anfangs hatten wir noch versucht das Problem zu bekämpfen: Tragen, Osteopathie, Massage, Zäpfchen…

    Wir haben gefühlt alles ausprobiert und letztlich half einfach akzeptieren und durchhalten. In diesem Jahr habe ich schier meine Lebenslust und Ehe verloren. Aber wir haben es geschafft, zusammengehalten und mittlerweile ist die Große 4 Jahre alt und ein guter Schläfer.

    Und dann fing sie an zu schreien…

    Warum ich das erzähle? Weil das helfen wird unsere Ängste zu verstehen. Vor einigen Monaten hat unsere zweite Tochter die Familie komplett gemacht. Die Geburt war ein Traum, der Aufenthalt im Krankenhaus entspannt und die ersten Nächte zu Hause ganz angenehm.

    Und dann fing es an: Unsere Baby Erbse fing ebenfalls an zu schreien. Mitten in der Nacht, ohne sichtbaren Grund. In dem Moment stürzten alle Bilder wieder auf mich ein: Tränen, Geschrei, Wut auf den Partner. Ich wurde getriggert und hatte Angst davor, dass es nun wieder so werden würde – nein, schlimmer. Immerhin hatte ich noch ein großes Kind zu versorgen und konnte dann nicht einfach in den Standby-Modus gehen.

    Ich versuchte Ruhe zu bewahren, denn mir war auch klar, dass Babys die Unruhe der Eltern merken würden. Wie das aber immer so ist, wenn man versucht an etwas bestimmtes nicht zu denken… Ein kleiner Teufelskreis bahnte sich an.

    Ein Tipp aus heiterem Himmel

    Doch zum Glück hatte ich bereits einen Platz im Pekip-Kurs und von meinen Problemen erzählt. Mir wurde direkt eine Federwiege vorgeschlagen. Bei unserer Großen hatten wir damals eine elektrische Wippe, die vom Kind nicht akzeptiert wurde und ich war skeptisch.

    Also habe ich zunächst in einer regionalen Facebook-Gruppe gefragt, ob mir jemand eine Federwiege testweise ausleihen könnte. Und siehe da: Wir bekamen eine Wiege inklusive Motor zum Ausprobieren. Damit ist die Wiege immer in Bewegung und muss nicht extra angestubst werden.

    Schon in der ersten Nacht zeichnete sich ein Erfolg ab –  scheinbar behalten die Forscher der Universität in Genf Recht: Sie fanden heraus, dass Schaukeln dafür sorgt, dass Menschen schneller und tiefer einschlafen können. Die Hirnforscher Sophie Schwartz und Michel Mühlethaler fragten sich, warum Babys eigentlich gewiegt werden und haben aufgrund dieser Beobachtung ihre Studie zum menschlichen Schlafverhalten aufgebaut.

    Mittlerweile ist die Wiege mehrmals täglich im Einsatz und beschert mir Luft zum atmen und sanften Schlaf für´s Baby. Die Erbse hat die Wiege sofort akzeptiert und verbringt dort ihren Mittagsschlaf sowie die erste Schlafphase in den Abendstunden. Anschließend wandert sie mit uns ins Familienbett. Alles total entspannt!

    Im Alltag, bei Freunden und im Urlaub – Immer dabei

    Mittlerweile nehmen wir unsere Fedewiege überall hin mit, wenn wir eingeladen sind. Durch die Türhalterung können wir sie an jedem Türrahmen anbringen. Selbst im Urlaub im Familienhotel war es kein Thema die Wiege einfach im Aufenthaltsraum anzubringen.

    Es gibt aber auch Halterungen für die Deck und freistehende Gestelle für den Indoor- und Outdoor Bereich. Wir nutzen allerdings nur die Türklammer, da sie sich als sehr flexibel herausgestellt hat.

    Wie funktioniert die Federwiege?

    Das sanfte Schaukeln einer Federwiege soll an den Mutterleib erinnern: Hier befand sich das Baby in einer Art Schwerelosigkeit und wurde stets geschunkelt. Das Baby fühlt sich geborgen und sicher und kann so sanft einschlafen. Durch den Hängemattenstoff wird zudem der Rundrücken des Babys unterstützt.

    Viele Hebammen sind von der Funktionalität der Ferderwiegen überzeugt und empfehlen sie an ihre Schützlinge weiter. Dazu gehören auch Hebamme Rania Neinert aus der Hebammenpraxis Friedrichsdorf, sowie die Hebammen der Praxis Absdorf.

    Die meisten Federwiegen werden allein durch die Bewegungen des Kindes in leichte Schwingungen versetzt. Es gibt aber Babys, die stetige Bewegung brauchen und ansonsten aufwachen (wie unsere Baby Erbse). Da bietet sich ein Motor wie der Kemaly swing2sleep-Motor sehr gut an.

    Aber nicht nur in puncto Schlaf kann die Federwiege unterstützend wirken. Leidet das Baby beispielsweise unter starken Krämpfen, weil es einen schwierigen Start ins Leben hatte, können die sanften Schwingungen dazu beitragen, das Baby zu entkrampfen.

    Wem kann eine Federwiege helfen?

    Plump gesagt allen Eltern. Insbesondere aber Eltern, die einfach gestresst sind, weil sie vielleicht ein „Schreibaby“ haben, welches stetig in Bewegung sein muss. Gerade, wenn ältere Geschwisterkinder im Spiel sind, kann eine Federwiege entlastend wirken.

    Babys, die unter den „Dreimonatskoliken“ leiden, können laut Hebamme Jule Tilgner beruhigt werden und sich spürbar besser fühlen. Auch Frühgeborene sollen von den Wiegen profitieren, um Anpassungsschwierigkeiten zu vermeiden.

    Was kostet eine Federwiege?

    Der Preisrahmen ist groß. Je nach Model, Stoffart und Befestigungsmöglichkeit kosten die Federwiegen zwischen 170 bis 450 Euro.  Einige Anbieter bieten allerdings auch Miet-Konzepte an. So können die Wiegen – zu vergleichsweise kleinem Geld – monatsweise ausgeliehen werden. Alternativ finden sich auf dem Gebrauchtmarkt auch schon etliche Federwiegen inklusive praktischem Zubehör.

    Wer jetzt noch damit hadert eine Federwiege zu kaufen, verdeutliche ich nochmals zusammengefasst die Vorteile dieser Investition:

    Vorteile einer Federwiege auf einen Blick:

    • Unterstützt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
    • Beruhigt Schreibabys/Babys mit Dreimonatskoliken
    • Vermindert Anpassungsschwierigkeiten von Frühgeborenen
    • Positiver Einfluss auf Gleichgewichtssinn und motorische Entwicklung
    • Große Flexibilität, da viele Federwiegen verschiedene Montagemöglichkeiten mitbringen
    • Kann krampflösend wirken
    • Rückenschonend, durch gekrümmtes Liegen (Rundrücken)
    • Geringere Gefahr eines „Plattkopfes“
    • Je nach Wiege und Ausstattung geringe Anschaffungskosten (oder Möglichkeit probeweise für kleine Geld zu mieten)
    • Kein Stubenwagen notwendig

    Unsere Federwiege ist aktuell bis 15 Kilogramm einsetzbar. Es gibt aber auch noch Versionen für ältere Kinder. Je nachdem wie gut die Erbse die Federwiege dann noch annimmt, werden wir dann nochmals in unseren Lebensretter investieren! Für mich gehört die Federwiege zu den klaren „Must-Haves“ junger Eltern – direkt neben Reboardern und Tragesystemen.

    Liebe Grüße Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

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    Federwiege von Memola

    Mit dem Gutscheincode FAMAG2019 erhaltet ihr im Memola-Shop einen Rabatt von 40 Euro auf die 3in1 Federwiege.

    Beitragsfoto: Yasmin Neese
  • Gibt es Grenzen beim Kuscheln mit Kindern?

    Gibt es Grenzen beim Kuscheln mit Kindern?

    Wann ist ein Kuss nur ein Kuss?

    In den letzten Jahrzehnten ist die Verunsicherung, vor allem der Väter, immer größer geworden, wo die Grenzen beim Kuscheln mit dem Baby bzw. Kind liegen.

    Aus meiner Praxis als Therapeut habe ich mehr Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch und vielen anderen Arten von Grenzüberschreitungen gemacht, als ich es mir vorher hätte vorstellen können. Und diese geschahen (bei meinen Klienten) fast ausnahmslos in der Kindheit.

    In fast allen Fällen handelt es sich hierbei um eine klare Grenzüberschreitung, so dass Eltern und Verwandte nur sehr selten ungewollt eine Grenzüberschreitung begehen. Das bedeutet, dass man als Eltern ausgiebig entspannt und unbedenklich mit seinen Kleinen Kuscheln kann! Kinder brauchen und genießen sie. Für Babys ist die körperliche Nähe für ihre Entwicklung nach neuesten Forschungen wichtiger als die Nahrungsaufnahme. Nichtsdestotrotz ist es mir wichtig, näher auf die verschiedene Arten der Grenzüberschreitung einzugehen.

    Wo liegen die Grenzen zwischen Kuscheln und einer Grenzüberschreitung?

    Grob kann man als Richtung die „Energie“ und /oder den Vorsatz des Erwachsenen bzw. Älteren nennen, denn nicht selten sind es ältere Brüder. Wenn man beispielsweise als Elternteil mit den Kleinen tobt und dabei unbeabsichtigt die Geschlechtsteile der Kinder berührt, ist dies für das Baby/Kind vollkommen unproblematisch.

    Dabei wird eine scheinbar leichtfertige Berührung an einem aus sexueller Sicht unbedenklichen Körperteil aus dem Bedürfnis nach sexueller Befriedigung sehr wahrscheinlich als grenzüberschreitend empfunden.

    So kann das Hoppe Hoppe Reiter spielen ein Spaß für beide Beteiligten sein, was es meistens auch ist, und es kann als vermeintlich unverfängliches Spiel, missbraucht werden. Wenn ihr verunsichert seid, achtet auf die Blicke und Laute,  welches eurer Kind dabei von sich gibt.

    Nicht selten werden sogar sexuelle Phantasien Älterer von Kindern als verunsichernd und auf Dauer traumatisch empfunden auch ganz ohne körperliche Übergriffe.

    Und was an einem Tag ok ist, kann schon an einem anderen Tag nicht mehr ok sein.

    Das bedeutet, dass es als Erwachsener wichtig ist, achtsam für solche Änderungen beim Kuscheln und Toben zu bleiben. Beim Toben ist es dazu hilfreich ein Gespür zu entwickeln kurz vorher aufzuhören, bevor es dem Kind zu viel wird. Doch spätestens wenn es STOP sagt, sollte man aufhören. Dadurch wird gleichzeitig das Vertrauen zwischen Kind und Elternteil sowie ihr Selbstwertgefühl gestärkt.

    Gilt der Kuss auf den Mund noch als Kuscheln?

    Ein Kuss auf den Mund kann genauso gut ok, wie grenzüberschreitend sein. Auch hier liegt es an der „Motivation“ des Erwachsenen, der Dauer UND zudem an dem Einverständnis des Kindes. Wiederum nicht selten sind Kinder nicht in der Lage ihr Unbehagen zu äußern, da sie mit der Verarbeitung dessen, was gerade mit ihnen passiert überfordert sind. Und da es meistens Vertraute Personen sind, meinen sie, dass es wohl ok sein muss, auch wenn es sich für sie nicht so anfühlt. Mit der Zeit, wächst dieses Unbehagen immer mehr und der Gedanke, dass es nicht ok ist, wird immer stärker.

    Babys fällt es dagegen häufig noch leichter ihr Unbehagen zu äußern. Ihr Einverständnis können sie dagegen nicht geben.

    Verständnis für Scham

    Das empfinden von Scham gehört zumindest in unserer Gesellschaft zum Erwachsen werden dazu. Es hat etwas mit der Veränderung des Verständnisses von sich selbst und seinen Grenzen zu tun.

    Mögliche Folgen einer bzw. regelmäßiger Grenzüberschreitungen

    Das Trauma einer Grenzüberschreitung wächst mit dem Vertrauensverhältnis zu der Person, das heißt, je näher die Person zu dem Kind steht und der Häufigkeit. Was nicht heißt, das einzelne Grenzüberschreitungen für das Kind ok sein könnten! Schon nach einem Missbrauch ist das Vertrauen zu der Person und sich selbst gestört. Da Missbrauchsopfer sich vor allem als Kinder für die „Tat“ verantwortlich fühlen. Das kann zu folgenden Überzeugungen führen wie:

    Ich bin

    • nicht ok, da ich es nicht mag.
    • nicht liebenswert, da mir so etwas angetan wurde.
    • muss etwas falsch gemacht haben, sonst hätte man mir so etwas nicht angetan.
    • muss schuldig sein und dies ist wohl meine Strafe.

    Kinder verlieren das Vertrauen zu sich und in ihre Familie/Umwelt.

    Ein dauerndes schlecht reden und kleinmachen eines Kindes stellt ebenso einen Missbrauch (psychischer Missbrauch) da, wie ein körperlicher Missbrauch. Unser „Gehirn“ unterscheidet nicht zwischen Vorstellung und Realität und bei verbalem Missbrauch laufen nicht selten „Filme“ im Kopf des Kindes bzw. Betroffenen ab.

    Menschen die Missbrauchserfahrungen gemacht haben, tragen häufig ein Leben lang ein Misstrauen anderen Menschen gegenüber mit sich und es ist sehr wichtig für sie, dass sie von ihrem Partner und anderen ihr nahestehenden Menschen Verständnis dafür erhalten.

    Berührungen des Babys bzw. Kindes

    Vor allem im ersten Lebensjahr kann der neue Erdenmensch Dinge besser über den Mund als mit den Händen wahrnehmen, was zu „verfänglichen“ Situationen insbesondere zwischen Papa und Baby führen kann. Nicht zuletzt beim Kuscheln und in der Badewanne.

    Dabei ist es am besten ganz ruhig und so entspannt wie möglich zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass es reine unschuldige Neugierde ist, die Welt zu erkunden und absolut nichts mit SEX zu tun hat! Die dabei möglicherweise auftretende körperliche Reaktion ist völlig normal.

    So entspannter wir bleiben, umso unverfänglicher und schneller wird das Baby diese Situation erleben und seine Aufmerksamkeit anderen spannenden Dingen widmen.

    Fazit zum Kuscheln mit Babys/Kindern

    Schaut nicht weg, doch macht Euch auch nicht unnötig viele Gedanken.

    Weniger ist mehr, manchmal sind Kinder langsamer im Ausdruck von etwas was ihnen unangenehm ist oder wissen nicht, was sie von einer neuen Erfahrung oder Gefühlen halten sollen, so dass es hilfreich sein kann, aufzuhören, wenn es am Schönsten ist. Zum Beispiel ist es für das Kind angenehmer, wenn wir mit dem Kitzeln aufhören, bevor es selber stopp sagt. Und wenn es Stopp sagt, unbedingt innehalten, nachfragen und dann aufhören.

    Wichtig ist als Erwachsener wachsam zu sein 

    doch auch keinen leichtfertigen General-Verdacht gegenüber Partnern, Großeltern, sowie Onkeln und Tanten zu äußern.

    Kinder wollen keinen Sex mit anderen! Was nicht heißt, dass sie schon früh gefallen daran finden können an ihren Geschlechtsteilen rumzuspielen. Und dies sollte man ihnen auch nicht nehmen oder kritisieren. Es ist ein Weg sich und seinen eigenen Körper kennen- und anzunehmen lernen.

    Euer Deva (Trauma- und Familientherapeut)

    Beitragsfoto: Creativa Images / shutterstock
    Pinterest: natalie_board von G Images Pro & Creatas von Photo Images (über Canva)
  • Kinderspielzeug aus Naturmaterialien

    Kinderspielzeug aus Naturmaterialien

    Wenn Eltern das erste Spielzeug für ihre Kleinen kaufen, ist das eine wundervoll aufregende Sache: Es wird recherchiert, abgewogen und überlegt, was denn das Allerbeste für das Kind ist.

    Gerade bei den ganz Kleinen ist es ja auch in der Tat sehr wichtig, aus welchem Material das Kinderspielzeug besteht und wie groß oder scharfkantig es ist.

    Babys ertasten die Welt nun einmal zuerst mit dem Mund und der Zunge. Da möchte man schon genau wissen, was Baby sich da in den Mund steckt. Unsere allerersten Spielzeuge, wenn man das überhaupt schon so nennen kann, waren Seidenpüppchen.

    Die sind besonders wertvoll, wenn die Zähne vor dem Durchbruch zu drücken beginnen. Denn Seide ist nicht nur schön anzufassen, sie hat sogar entzündungshemmende und kühlende Eigenschaften.

    Auch die kleinen und als erste Geschenke sehr beliebten Schmusetücher gibt es nicht nur aus Plastikplüsch, sondern auch aus unbehandelter Bio-Baumwolle und biozertifizierter Naturwolle. Daraus gibt es übrigens auch tolle Teddys, Stoffpuppen und erste Bücher zum Be – Greifen.

    Plastik versus Holz

    Das billige Chinaproduktionen nicht ins Kinderzimmer gehören, ist eigentlich schon länger bekannt. Aus dem Plastik lösen sich gefährliche Weichmacher und andere Schadstoffe. Auch lackiertes Holzspielzeug ist mit Vorsicht zu genießen. Besser sich gleich für unbehandeltes Holz entscheiden oder eben genau nachfragen und nachlesen.

    Wenn das möglich ist, passt häufig allerdings auch die Qualität. Es sind eher die Hersteller, die sich ohnehin durch Intransparenz auszeichnen, die Stoffe verarbeiten, die mit Vorsicht zu genießen sind. Aber auch Markenhersteller schneiden in Tests nicht immer gut ab und ganz ehrlich, wenn ich so einen Beipackzettel über die verwendeten Lacke und Kunststoffe durchlese, verstehe ich auf Anhieb nur „Bahnhof“.

    Oft hört sich harmlos an, was nicht harmlos ist. Zum Glück gibt es unabhängige Testinstitute, die immer wieder Baby- und Kinderspielzeug testen.

    „Dass die Bedenken der Eltern oft nicht unbegründet sind, zeigen die Untersuchungsergebnisse der vergangenen Jahre. Von 2011 bis 2015 waren insgesamt 100 Plüschtiere, Puppen, Holz- und Plastikspielsachen im Test (siehe Themenseite Spielzeug von test.de, dem Online-Auftritt von Stiftung Warentest).

    Erschreckende 35 von ihnen bekamen wegen Schadstoffen oder anderen Sicherheitsmängeln das Qualitätsurteil mangelhaft. Zum Beispiel enthielten Holzspielzeuge oft gefährliche Substanzen im Lack“.

    Der aktuelle Test vom 22.1. 2017 zeigt da eine Verbesserung: Bei 30 getesteten Produkten haben immerhin 23 Produkte mit gut oder sehr gut abgeschnitten. Aber wieder gab es Spielsachen, mit denen Eltern ihre Kinder nicht unbesorgt spielen lassen können. Zwei schnitten mit ausreichend und vier mit mangelhaft ab.

    Holz- oder Plastikspielzeug

    Kind spiel mti Kastanien

    Eine klare Entscheidung für Holz oder Plastik kann anhand der Tests nicht getroffen werden, denn schwarze Schafe gibt es in beiden Lagern. Interessanterweise müssen dies nicht unbedingt Billigspielzeughersteller sein, wie dieses Testergebnis zeigt:

    Die Kinderwagenkette Nixe von Hess Natur war aufgrund einer großen hölzernen Schwanzflosse, mit der sich das Baby im Rachen stoßen und verletzen könnte, nicht nur gefährlich. Auch wegen gesundheitsschädlicher Substanzen erhielt sie mangelhaft, ebenso der Greifling Space von Selecta.

    „Die gefundenen Stoffe sind nicht akut giftig, wirken jedoch langfristig im Organismus.

    Aus dem grünen Lack der Hess-Wagenkette lösen sich mehr Organozinnverbindungen als die Spielzeug-Richtlinie erlaubt. Einige dieser Verbindungen können das Immunsystem schädigen sowie die Fortpflanzungsfähigkeit oder ein Kind im Mutterleib.“ lautet das Urteil.

    Bei oben genanntem Produkt von Selecta hieß es: „In der Gummischnur des Selecta-Greiflings fanden die Prüfer zu hohe Mengen nitrosierbarer Stoffe. Lutscht ein Baby an ihr, können sich die Substanzen lösen, in den Magen gelangen und stark krebserzeugende Nitrosamine bilden. Selbst in kleinsten Mengen sind diese gefährlich. Die Stoffe können vor allem bei der Herstellung von Gummi entstehen, lassen sich aber technisch vermeiden.“

    Es gibt offenbar nicht nur Hersteller, die mit minderwertigem Plastik produzieren, sondern auch namhafte Hersteller mit qualitativ hochwertigen Produkten, die nicht immer den Sicherheits- und Schadstoffbestimmungen entsprechen.

    Gesunder Menschenverstand

    Wer etwas Neues kauft, sollte sich schon beim Kauf einfach einmal durch Anfühlen, Nachdenken und – ganz wichtig – daran Riechen schlau machen. Wenn ein neues Produkt extrem giftig oder abstoßend riecht, würde ich es schlichtweg nicht meinem Kind geben. Zudem habe ich in der Babyzeit alles erst einmal gewaschen.

    Natürlich gibt es auch in unserem Kinderzimmer Plastik, meist in Form von Lego und Playmobil. Dieses Plastikspielzeug kann auch gebraucht erworben werden und es sieht dann immer noch genauso aus wie neu. Somit gehören diese Produkte auch sicher nicht zu jenen, die unnötig viel Plastikmüll verursachen – im Gegenteil, sie zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit aus und werden oft von Generation zu Generation weitergereicht.

    Dennoch empfehle ich für die ganz Kleinen schon einige tolle Greiflinge und große Autos aus unbehandeltem Holz. Wer einmal ein solches Plastikteil in die Hand nimmt und es mit einem hölzernen Äquivalent vergleicht – Hand aufs Herz, welches Gefühl überzeugt Euch?

    Der haptische Eindruck ist einfach so viel wert. Ein Kind soll die Natur auch in seinem Spielzeugkorb vorfinden. Neben unbehandelten Bauklötzen können dies bald auch Kastanien, Eicheln und Stöcke aus dem Wald sein.

    Steine und Tücher eignen sich ebenso zum Spielen wie Schachteln und eine Verkleidungskiste aus lustigen, alten Klamotten vom Flohmarkt. Apropos Second Hand – wisst ihr, dass die Schadstoffe mit der Zeit aus Stoffen herausgewaschen werden, wenn man sie nur oft genug wäscht. Deshalb ist Second Hand auch von diesem Aspekt her eine richtig gute Entscheidung.

    Waldorf und Montessori

    Ganz tolle Holzspielzeuge aus unbehandeltem Holz gibt es entsprechend der Waldorf-Pädagogik. Dazu gehören auch Puppen aus weichen, textilen Naturmaterialien, farbige Tücher und jede Menge Gegenstände aus der Natur (seht oben).

    Ein Grundsatz der Anthroposophie nach Rudolf Steiner ist der vom Grad der Bearbeitung eines Spiels. Je stärker es ausgearbeitet ist, desto weniger bleibt für die Phantasie des Kindes übrig. Stelle ich einem Kind aber eine Kiste mit rohen, unbehauenen Holzklötzen hin, wachsen deren Phantasie regelecht Flügel.

    Die Klötze sind nicht mehr nur Klötze, sondern werden zur Stadt, zum Flughafen, zum Bauernhof oder zu etwas ganz anderem, was mit unseren erwachsenen Spielideen oft gar nichts zu tun hat. Von Waldorf inspiriert gibt es im Handel auch Bausätze, Geburtstagskränze, Holzautos und Fahrzeuge sowie Holzbuchstaben.

    Weitere schöne Holzspielsachen sind Kaufladen und Puppenhaus, Bauernhof und Arche Noah, Kugelbahnen, Spielzeug für Rollenspiele, Watschelenten und Holzeisenbahnen. Auch von der Montessori-Pädagogik inspiriertes Spielzeug ist empfehlenswert.

    Hier heißt einer der Grundsätze „Hilf mir es selbst zu tun“ und dazu passen Spielsachen, die im Kleinen die Welt der großen nachahmen. Montessori bietet aber für größere Kinder ab dem Kita-Alter jede Menge tolle Lernspielsachen aus Holz.

    Wer ein bisschen nachforscht findet alle möglichen Spielzeuge auch aus unbehandeltem Holz. Aber wie bereits geschrieben, spricht auch nichts gegen Plastikspielzeug, aber es muss nicht immer alles Klingbing machen, blinken und lautstark tröten. Wer weiß, was Euer Kleinkind sich für ein Spiel mit ein paar Hölzern ausdenkt, welche Freude, wenn es ein Spielzeug plötzlich mit einem anderen kombiniert und etwas ganz neues entstehen lässt – das ist Kreativität.

    Für mehr Phantasie im Kinderzimmer – denn alle Kinder haben sie verdient.

    Liebe Grüße Verena (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: FamVeld / shutterstock
    Foto 2: Switlana Symonenko / shutterstock
  • Ab wann kann mein Kind in die Krippe

    Ab wann kann mein Kind in die Krippe

    Die Frage, ab wann ein Kind bereit ist in die Krippe / Kita zu gehen, stellen sich wohl die meisten Eltern. Selbst wenn es – etwa berufsbedingt – nicht möglich ist, den Zeitpunkt zu bestimmen. Die Mehrheit macht sich viele Gedanken oder fühlt sich vielleicht gar als Rabenmütter, wenn sie ihre Kinder bereits im ersten Lebensjahr Fremdbetreuen lassen.

    Vom Loslassen und Bereitsein

    Dass das jeder für sich selbst entscheiden muss, ist natürlich klar. Leider ist es nun so, dass sich fast niemand seiner Umgebung entziehen kann. Es gibt unweigerlich viele Meinungen und nicht immer nett gemeinte Kommentare, Urteile und sogar implizite Vorwürfe. Wie so oft, weiß jeder um uns herum am besten, was gut für uns ist.

    Davon soll sich aber keiner Bange machen lassen, sondern auch hier wieder schlicht auf sein Bauchgefühl hören. Es geht nämlich in erster Linie um folgende Frage: Bin ICH selbst bereit, mein Kind an andere Personen, die erst einmal Fremde sind, abzugeben?

    Ein Kind passt sich den Gegebenheiten an, die es vorfindet. Über diesen Satz lohnt es sich, einmal ganz wertfrei nachzudenken. Genauso spürt ein Kind aber, wenn sich seine engste Bezugsperson nicht von ihm lösen kann, es eigentlich nicht weggeben mag.

    Mit dieser Grundanspannung klappt die Außer-Hausbetreuung auch mit drei Jahren oder mit vier Jahren nur mit Mühe.

    Das Alter spielt hier keine Rolle: Wenn die Mutter bzw. die Eltern nicht bereit sind, dass Kind im wörtlichen Sinne abzugeben, auch nur für einen Zeitraum von einigen wenigen Stunden, wird das Kind auch nicht bereit sein, sich von sich aus frei zu fühlen, neue Bindungen einzugehen.

    Dies muss es ja tun, wenn es sich in einem neuen Umfeld, wie es die Krippe eines ist, zu etablieren. Es muss die Gelegenheit haben, sich an dem neuen Ort wohlfühlen zu dürfen und Vertrauen aufzubauen. Wenn es das Gefühl hat, die Mama will mich eigentlich gar nicht hier lassen, möchte es auch nicht bleiben.

    Schlechtes Gewissen der Mutter

    Auch wenn die Mutter dieses Gefühl nicht bewusst auf das Kind überträgt, kann sie trotzdem so etwas ausstrahlen. Ein Klassiker ist hier das schlechte Gewissen, das die Mutter hat. Dabei sind wir wieder beim Gefühl der Rabenmutter angekommen.

    Es ist ganz wichtig, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sich eine Mutter dazu entscheidet, ihr Kind in die Krippe zu geben. Das hört sich so altmodisch an, aber es leiden leider viele Mütter unter diesem Syndrom – mich eingeschlossen. Liebe Mütter, quält Euch bitte nicht so. Ihr leidet darunter und ebenso Euer Kind.

    Meine persönliche Erfahrung

    Aufgrund unserer umzugsbedingten Wechsel habe ich mit meinen Kindern mehrere Eingewöhnungen durchlebt.

    Der Große ist mit 2,5 Jahren direkt in den Kindergarten gekommen. Wir wollten ihn nicht in die „Babygruppe“ mit seinen Zwillingsgeschwistern – damals 13 Monate alt – geben, weil wir dachten er wäre dafür schon zu groß.

    Im Nachhinein war unser Erstling in diesem Alter im Kindergarten ganz schön gefordert, wenn nicht auch anfangs überfordert. Da ist eine Krippe doch viel behüteter mit weniger Kindern in den Gruppen und mehr Erzieherinnen.

    Die Zwillinge mit ihren 13 Monaten haben es von Anfang an genossen, den vormittag außer Haus zu verbringen. Ich war mir wirklich unsicher, sie – vom Standpunkt meines Umfelds aus gesehen so früh – wegzugeben.

    Natürlich verunsicherten mich die Ansichten um mich herum noch zusätzlich. Doch mit meiner besonderen Situation mit 3 Kindern unter zwei Jahren brauchte ich einfach eine Pause: Ich war am Ende meiner Kräfte.

    Komisch – nicht vermisst zu werden

    Durch einen Zufall musste ich bereits in der ersten Woche der Eingewöhnung die Krippe verlassen, um meinen Mann zur Bahn zu bringen.

    Als ich an diesem zweiten oder dritten Krippentag voll schlechten Gewissens wiederkam, um meinen Kindern in der fremden Umgebung beizustehen, winkte die Kindergärtnerin ab: „Die beiden fühlen sich bestens – gucken Sie mal, wie die schön spielen, Sie brauchen erst in einer Stunde wiederzukommen!“

    Irgendwie komisch gar nicht vermisst zu werden, aber irgendwie wunderschön und erleichternd. Da wusste ich, die Kinder sind bereit und haben richtig Lust darauf, Neues zu entdecken. Ohne diesen Zufall hätte ich mich und damit auch meine Kinder sich wahrscheinlich viel schwerer getan mit dem Loslassen.

    Bei der zweiten Eingewöhnung nach einem Umzug etwa ein Jahr später – also mit knapp zwei Jahren, haben wir etwas ganz anderes erlebt. Lag es an meinem schlechten Gewissen, die Kinder nach dem stressigen Umzug erneut in eine unbekannte Umgebung zu geben. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie sich gerade mitten in einer Trotzphase befanden?

    Kein Bock auf eine neue Krippe

    Jedenfalls hatten die Kinder keinen Bock auf diese neue Krippe und haben sich immer wieder gegenseitig daran erinnert, es schrecklich zu finden. Wenn einer mal anfing zu spielen, brüllte der andere umso lauter bis sein Partner wieder mit einstimmte.

    Die Lösung war dann zum einen von Seiten der Krippe her getrennt mit den Kindern etwas zu unternehmen, etwa ein kleiner Spaziergang, um sich besser kennenzulernen. Zum anderen hat der Papa übernommen und indem ich raus war, lief alles bedeutend leichter.

    Die Phase der Eingewöhnung hängt von vielen Faktoren ab und ist daher kein wirklich guter Indikator, ob ein Kind das richtige Alter für die Krippe hat.

    Meinen Beobachtungen und Erfahrungen zufolge ist es aber schon so, dass die Kids mit 13 Monaten einfach in einem Alter waren, indem sie viel Spaß daran hatten, die Welt um sich herum zu entdecken. Da faszinierte sie jedes neue Spielzeug ebenso wie liebe Menschen.

    In der sogenannten Trotzphase, die verstärkt im dritten Lebensjahr auftritt, treten andere Dinge in den Vordergrund, etwa der eigene Willen. Das kann – wie in unserem Fall – mit der Eingewöhnung in die Krippe kollidieren, muss aber natürlich nicht.

    Fremdbetreuung im ersten Lebensjahr?

    Meiner persönlichen Meinung nach und entsprechend der Erfahrungen mit meinen eigenen Kindern und der befreundeter Mütter finde ich das Alter um 12 Monate herum perfekt für den Krippenstart. Früher hätte ich es nicht geschafft, meine Babys abzugeben.

    Zum einen wäre ich nicht gewillt oder bereit dazu gewesen, solange meine Stillbeziehung noch so intensiv war wie im ersten Lebensjahr. Mit dem Abstillen um den ersten Geburtstag herum, konnte ich dann auch loslassen. Die sehr innige Symbiose im ersten Lebensjahr zwischen Mutter und Kind lockerte sich und ich war bereit für Veränderung.

    Es gibt bestimmt Mütter, die das anders sehen und erleben und das ist auch gut so. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen: Nicht jeder Weg passt für jeden.

    Jede Mutter soll sich aber überlegen, ob sie sich eine Fremdbetreuung tatsächlich vorstellen kann und wenn ja, genau darüber nachdenken, wieviel Zeit in der Woche gut für sie und das Kind wäre. Es gibt ja sehr viele individuelle Lösungen, die im Einzelnen mit der Einrichtung abgesprochen werden können.

    Es ist auch sehr wichtig, genügend Zeit zum Ausprobieren und Eingewöhnen einzuplanen. Ohne Druck und Stress und mit dem Gefühl, zu wissen, was gut für einen ist, klappt der Übergang in diese neue Lebensphase bestimmt ganz wunderbar.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Andrey_Kuzmin / shutterstock
  • Die Magie der Weihnachtsbräuche

    Die Magie der Weihnachtsbräuche

    Weihnachten ist das Fest der Liebe. Wir feiern es gemeinsam mit unseren liebsten Menschen. Doch warum geht so ein besonderer Glanz von diesem Fest zum Jahresende aus?

    Natürlich, es liegt in der dunkelsten Zeit des Jahres: Erinnern wir uns deshalb seit Kindertagen an den Lichterschein, der diese Zeit im kalten Winter unsere Augen glänzen und unsere Herzen erwärmen lässt?

    Dabei ist es ganz gleich, ob eine Familie dieses Fest als Heilige Nacht der Geburt Christi begeht oder eher ein paganes Lichterfest mit keltischen Wurzeln feiert.

    Die Rückkehr des Lichts zur Wintersonnenwende um den 21. Dezember verschmilzt zum Teil mit den christlichen Bräuchen.

    Was habt ihr für Kindheitserinnerungen an die Advents- und Weihnachtszeit? Ist es der Duft aus der Weihnachtsbäckerei, die frischen, grünen Tannenzweige im Adventskranz oder als Dekoration im Hausflur?

    Habt ihr früher Märchen gehört von den Weihnachtswichteln und vom Weihnachtsmann oder eher vom Christkind, seinen Englein und dem Nikolaus, der mit seinem finsteren Kumpan, dem Krampus (in Östrreich, entspricht in Deutschland dem Knecht Ruprecht und in der Schweiz dem Schmutzli, oder Düsseli), um die Häuser zieht?

    Egal, welche Traditionen ihr als Kinder kennengelernt habt, sie sind es, die Eltern nun auch an ihre Kinder weitergeben möchten.

    Und was, wenn Deine eigene Mutter nie Zeit hatte mit Dir welche zu backen, oder wenn Du Dich mehr an die Streitereien Deiner Familie in dieser Zeit erinnerst als an alles andere, an das Schöne, dass es sicher auch gab?

    Möchtest du nicht gerade dann mit Deinen Kinder wundervolle Weihnachten feiern? Und das kann jeder, denn schöne Erinnerungen werden stets von Neuem geboren.

    Zauberhafte Vorweihnachtszeit

    Weihnachten / Weihnachtsbräuche - Weihnachtsplätzchen backen

    Es ist einfach den Zauber dieser Zeit für Kinder so zugänglich zu machen, dass sie ihr ganzes Leben lang mit Freude an diese besondere Zeit im Jahr zurückdenken. Die wichtigsten Zutaten für diesen Zaubertrank sind Zeit zusammen zu verbringen, Lichterglanz, Weihnachtsduft, Musik und Gesang, Geschichten und gemeinsame Aktivitäten.

    Zusammen Backen ist eine schöne Sache, die schon mit ganz kleinen Kindern viel Spaß macht. Sobald das Baby sitzen kann, darf es im Hochstuhl platznehmen und hat einen abwechslungsreichen Spaß beim Zugucken, mit den Förmchen spielen, ein bisschen im Teig drücken und bohren, und ein wenig probieren natürlich auch.

    Auch das Teig kneten macht Kindern ab 2,5 Jahren großen Spaß. In dem Alter halten sie es vielleicht noch nicht ganz bis zum Ende durch und die Mama muss dann helfen, aber Weihnachtsbäcker entfalten ungeahnte Kräfte.

    Zwischen Teig kneten, ausstechen und verzieren können die Kinder sich mit etwas anderem beschäftigen und haben anschließend wieder neue Energie zum Mitmachen.

    Das Weihnachtsplätzchen backen ist eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen an die Adventszeit und meine Kinder lieben sie genauso.

    Ich kenne auch Mütter, deren Mütter nie gebacken haben und die das jetzt mit ihren Kindern zelebrieren: Denn Kekse backen ist eine absolut sinnliche Erfahrung.

    Es sind gerade die an den Sinnen orientierten Unternehmungen, die uns dauerhaft in Erinnerung bleiben.

    Das sehnlichst erwartete Klingeln des Christkindes mit silbernem Glöckchen, Wochen davor schon das Poltern vom Nikolaus an der Haustüre, sein geheimnisvolles Verschwinden und das Auffinden der mit Nüssen und Mandarinen gefüllten Stiefel.

    Wer gerne bastelt, kann gemeinsam etwas für die Weihnachtszeit dekorieren. Doch das ist überhaupt kein Muss für schöne Weihnachtserinnerungen.

    Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

    Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, mit der ganzen Familie, ein Bratapfel aus dem Ofen, ein selbst gefüllter Adventskalender oder ein gekaufter mit Schokolade – all dies erfüllt seinen Zweck und die Wiederholung macht auch hier das Ritual aus.

    Je größer die Kinder werden, desto schöner wird das Ganze: Von Jahr zu Jahr erinnern sie sich besser und ihre Vorfreude auf die einzelnen Bräuche wird immer größer.

    Am 4. Dezember, dem Barbaratag gehen wir etwa in den Wald und schneiden zwei bis drei große Zweige ab. Diese erblühen in warmes Wasser gestellt um den Heiligabend herum.

    Traditionell nimmt man dafür Obstgehölz oder Zweige der Forsythie. Ein weiteres Ritual ist das Wunschzettel „schreiben“: Diese lassen sich wunderschön malen oder mit aus dem Spielzeugkatalog ausgeschnittenen Bildern bekleben.

    Waldweihnacht

    Eine wunderbare Tradition ist es, auch den Tieren im Wald eine schöne Weihnacht zu bescheren. Diesen Brauch haben wir bei uns in der Kita und im Kindergarten kennengelernt und führen ihn seitdem fort.

    Dazu suchen wir jedes Jahr einen besonderen Platz im Wald. Für die Tiere binden wir Karotten und Äpfel an Schnüre. Außerdem bringen wir Vogelfutter (lässt sich auch toll selbst machen) zum Aufhängen mit.

    Wir packen für uns selbst heißen Kinderpunsch und eine Dose selbst gebackener Kekse ein. Außerdem dürfen Sternwerfer und ein paar Stumpenkerzen nicht fehlen.

    Diese bekommen einen schönen Platz in der Mitte. Die Gaben für die Tiere werden in die Äste gehängt. Außerdem schmücken wir diese mit bunten Bändern und allerlei von den Kindern für die Tiere Gebasteltem.

    Gemeinsam singen wir unsere liebsten Weihnachtslieder. Reihum dürfen die Kinder eins vorschlagen. (Ich kann zwar nicht wirklich singen, aber das ist nicht wichtig – habe ich gelernt.)

    Dann trinken wir Punsch und essen die Kekse, bevor wir mit unseren Taschenlampen durch den dämmrigen Wald heimwärts wandern. Das ist mein allerliebstes Ritual mit den Kindern geworden.

    Obwohl ich es als Kind nicht kannte, haben wir es für uns zu einem Brauch gemacht. Es ist also nicht nur wichtig, was unsere eigenen Kindheitserinnerungen sind.

    Ganz nach dem Motto: Gutes und Schönes soll weitergegeben und jede Menge Neues ausgedacht werden.

    Weihnachten: Was mir daran so gut gefällt?

    Das unsere Kinder so lernen, worum es bei Weihnachten wirklich geht. Da es sind nicht die vielen großen Geschenke sind, auch wenn diese Weihnachten für die Kinder natürlich auch zu einem großen Event machen, vor dem sie wirklich wochenlang schon aufgeregt sind und auf die Stunde der Bescherung geradezu entgegenfiebern.

    Sondern, dass es bei diesem Fest um Nächstenliebe und Achtsamkeit geht. Darum Freude zu schenken und Liebe unter die Menschen und zu den Tieren zu bringen. Das ist es doch, wofür das Jesuskind ein Symbol ist.

    Einfaches Mürbeteigrezept für Plätzchen mit wenig Zucker

    • 500 g Mehl
    • 1 Paket weiche Butter
    • 2-3 Eier
    • 1/2 Päckchen Backpulver
    • 40-50 g Rohrzucker, ca.
    • 1-2 Päckchen Vanillezucker
    • optional 150 – 200 g gemahlene Haselnüsse, Mandeln, Erdnüsse, Kakao oder Kokosflocken

    Rezepttipp für Weihnachten:

    Bei den meisten Rezepten genügt es völlig, die Hälfte der angegebenen Menge Zucker zu verwenden: Es schmeckt dann immer noch süß genug. Und es kommt ja auch noch jede Menge Verzierung aus Zucker dazu.

    Jetzt alles gut mit den Händen verkneten bis ein kompakter Teigklumpen entsteht. Dann ca. 30 Minuten kühl stellen. Ist der Teig zu klebrig geworden, Arbeitsfläche und Nudelholz mit Mehl bestäuben. Ist der Teig sehr bröselig geworden, können daraus Kugeln geformt werden – mit Zahnstocher werden Lollies draus. Oder Fantasiegebäcke kneten und rollen lassen. Alles in den Ofen und ca. 15 Minuten backen lassen.

    Zum Verzieren nehme ich am liebsten Schokostreusel, Schoko-Raspeln, Mandeln, Rosinen, Cranberries oder bunte Bio-Streusel. In den knallbunten Streuseln ist meistens leider jede Menge Farbstoff drin.

    Eine sinnliche Weihnachtszeit wünscht Euch

    Verena Wagner (Babytalk-Autorin)

    Falls ihr noch nicht mitbekommen habt, dass wir in diesem Jahr wieder einen tollen Adventskalender für euch „auf die Beine gestellt haben“, auf diesem Weg gehts ganz schnell hin zu ihm: Adventskalender

    Welche Magie hat bzw. übt das Weihnachtsfest für euch immer noch oder wieder aus?

    Ps. Habt ihr heute schon in unserem Adventskalender geschaut?

    Beitragsfoto: Yuganov Konstantin / shutterstock
    Foto 2: Lucky Business / shutterstock