nun ist es soweit: Ich bin jetzt, wenn man es mit der klassischen Ausbildung vergleicht, im Oberkurs angekommen! Das letzte „Lehrjahr“ wäre nun angebrochen, bei mir ist es das fünfte Semester.
Das letzte Semester war rasant vollgepackt mit ganz viel Pathologie und Notfalltrainings. Und vielen Prüfungen… Eine große Mündliche Prüfung in Hebammenkunde, eine schriftliche Prüfung im Gesundheitspolitik und zwei wissenschaftliche Arbeiten, eine davon ein Review.
Die gute Nachricht: In der Mündlichen habe ich eine 1,0 geschrieben!:)
Die anderen Ergebnisse lassen noch auf sich warten.
Das Gefühl, dass in etwa einem Jahr die Examensvorbereitungen starten, lassen die Knie schlottern.
Aber erst einmal geht es nun nonstop für sechs Monate in die Klinik: Vier Wochen Neonatoligie, OP-Saal, Station und natürlich drei Monate Kreißsaal warten auf mich in einem Level 1 Krankenhaus.
Ich bin sehr gespannt, aber auch sehr froh, wenn dieses halbe Jahr vorbei ist. Denn viele freie Tage habe ich leider nicht…
Und man darf nicht vergessen: Wir Hebammenstudenten bekommen kein Gehalt für alles….
Spätestens mit dem fortschreiten eurer Schwangerschaft stellt ihr euch die Frage nach dem Geburtsort für eine sichere Geburt. Dabei ist es vor allem wichtig, dass ihr Eltern euch wohl fühlt und was ihr denkt, wo euer Baby am liebsten die Welt erblicken würde? Diese beiden Fragen können euch werdenden Eltern und insbesondere euch werdenden Müttern helfen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wo ihr euch am sichersten fühlt.
Nachfolgend stellen wir euch die verschiedenen Geburtsorte mit ihren Eigenheiten, sowie Vor- und Nachteilen vor.
Geburtsort: Klinik
Vor allem Erstgebärende wünschen sich eine Klinik als Geburtsort, da die Unsicherheit groß ist, wie eine Geburt abläuft und was dabei auf sie zu kommt. Dort fühlen sie sich sicher. Nicht zuletzt spricht die schnelle Bereitschaft der Ärzte bei größeren Schwierigkeiten während der Geburt sowie beim Neugeborenen dafür.
Nachteilig bei länger dauernden schichtübergreifenden Geburten ist es, dass die werdenden Eltern gegebenenfalls von mehreren Geburtshelfern begleitet werden. Einige Kliniken haben Verträge mit sogenannten Beleghebammen, so dass die Eltern über die gesamte Dauer der Geburt von einer von ihnen persönlich ausgewählten Hebamme begleiten werden können.
Bei einer Steiß- oder Querlage des Babys oder schwerwiegenden Erkrankungen bei Mutter oder Kind ist eine Klinikgeburt nahezu unausweichlich bzw. angezeigt.
Mittlerweile bieten viele Geburtskliniken Alternativen neben den konventionellen Methoden der Geburtsintervention, wie Wehentropf oder PDA (Periduralanästhesie) an.
Betreuung durch eine Doula
Eine Doula ist eine mit dem Verlauf einer Geburt vertrauten Person, die die werdende Mutter bzw. Eltern während der Geburt durchgehend im Kreißsaal betreut.
Sie kümmert sich um das Wohlergehen Eltern und hilft der Mutter mit Massagegriffen zu entspannen. Auf Wunsch übernimmt sie auch die Kommunikation mit den Geburtshelfern des Krankenhauses, z.B. um den Eltern, den von ihnen gewünschten Geburtsverlauf soweit es die Gesundheit von Mutter und Kind zulässt, zu gewährleisten.
Ist ein einladender Geburtsraum vorhanden?
Bei der Auswahl der Geburtsklinik, sofern eine Auswahl überhaupt zur Verfügung steht, sollte die Ausstattung der Kreißsäle berücksichtigt werden. Handelt es sich um kalte sterile Klinikräume oder sind sie eher „gemütlich“ eingerichtete Gebärzimmer.
Wie sieht das Bett aus, ist es ein typisches Kranken Bett oder schon ein rundes Bett, welches zum „Verweilen“ einlädt. Möglicherweise ist es schon mit einem flexibel „aufstellbaren“ für alle Geburtspositionen geeigneten Bett ausgestattet.
Gibt es einen großen Sitzball, Gebärschemel oder ein Seil bzw. Tuch, an denen sich die Gebärende während der Wehen festhalten kann?
Ist eine Wanne zur Entspannung oder Wassergeburt vorhanden?
Nicht zu vergessen ist die Einrichtung der Wochenbettstation. Ist das Bad direkt angegliedert und für wie viele Mütter ist es vorgesehen.
Um all diese Punkte zu beachten, ist es wichtig, sich frühzeitig nach einer passenden Klinik umzuschauen und vorzustellen. Wenn die Kreißsäle und Arbeitsweise zusagen, ist es sinnvoll sich voran anzumelden, damit dies, wenn es soweit ist, weniger Zeit in Anspruch nimmt.
Geburtsort: Die ambulante Geburt im Krankenhaus
Eltern, die nicht auf die Sicherheit einer Geburtsklinik verzichten und nach einer natürlichen Geburt so schnell wie möglich wieder nach Hause wollen, können dies nach einer ambulanten Geburt nach 24 Stunden. Vorausgesetzt Mutter und Kind geht es gut und die Geburt verlief ohne größere Komplikationen.
Für die Betreuung nach einer ambulanten Geburt muss für eine Hebamme organisiert werden. Für die U2 Untersuchung nach dem dritten Lebenstag muss in diesem Fall ein Kinderarzt aufgesucht werden. Der Termin sollte soweit möglich bereits vor der Geburt ausgemacht werden.
Geburtsort: Geburtshaus
Geburtshäuser verzichten im Gegensatz zu Kliniken ganz auf den Einsatz von der PDA als von außen einwirkende Hilfe. Sie stehen für einen natürlichen Geburtsprozess, der so nicht in jeder Geburtsklinik umsetzbar ist oder verfolgt wird. Dies liegt nicht zuletzt an der Unrentabilität einer länger dauernden natürlichen Geburt.
Die hier tätigen Hebammen setzen mehr auf ganzheitliche Mittel wie Homöopathie, Bachblüten-Essenzen, Aromatherapie sowie Akupressur oder Akupunktur. Als von außenwirkenden Geburtshilfen schwören viele Geburtshäuser auf Anwendungen in warmen Wasser.
Leider werden die Betriebskostenpauschalen in der Höhe von ca. 300 Euro nicht von den Krankenkassen übernommen Unserer Ansicht nach eine sehr sinnvolle Investition. Auch wenn man für die anschließende Betreuung durch eine Hebamme und der U2 durch einen Kinderarzt, wie bei einer Hausgeburt selber verantwortlich ist. Die U1 wird in der Regen noch von der Hebamme übernommen.
Der Kontakt zur Hebamme
In einem Geburtshaus beginnt der Kontakt zur Hebamme häufig bereits in den von ihnen angebotenen Geburtsvorbereitungskursen. Und da die Anzahl der dort tätigen Hebammen sehr überschaubar ist, ist die Voraussetzung für einen vertrauensvollen Kontakt gegeben.
Ausstattung der Geburtsräume
Nach der Gesundheit von Mutter und Kind sind Entspannung und Vertrauen die wichtigsten Voraussetzungen für eine schöne Geburt. Dementsprechend sind die Räume heimelig eingerichtet. Damit es nicht zu größeren Schwierigkeiten kommt, sind Geburtshäuser mit Herzwehen-Schreiber und Notfall-Sauerstoffgeräten ausgestattet. Falls es während der Geburt zu größeren Schwierigkeiten kommt, kann die werdende Mutter zeitnah in eine Klinik verlegt werden. Denn Geburtshäuser müssen immer in der Nähe einer Klinik angesiedelt sein.
Wer kümmert sich um Mutter und Kind nach der Geburt?
Wünschenswert wäre in den meisten Fällen bestimmt die liebevolle Versorgung der jungen Mutter und ggf. der älteren Geschwister durch den Vater. Sofern dieser sich freinehmen kann. Des weiteren könnte die eigene Mutter, Schwester und oder Freundin die Familie in den ersten Tagen nach der Geburt beim Einkaufen, Essen kochen, Putzen etc. unterstützten.
Zudem besteht die Möglichkeit eine Familienhelferin bzw. Mütterpflegerin zu beauftragen. Die Kosten werden größtenteils von der Krankenkasse übernommen.
Geburtsort: Zu Hause
Für die Mütter bzw. Eltern, die sich in der eher sterilen Umgebung einer Klinik nicht wohl fühlen und für die auch das Geburtshaus nicht in Frage kommt, besteht ggf. die Möglichkeit das Kind zu Hause zur Welt zu bringen. Gegebenenfalls unter anderem deshalb weil kaum noch Hebammen Hausgeburten begleiten. Was neben an den hohen Versicherungsbeiträgen vermutlich vor allem an dem gestiegenen Risiko bei Komplikationen verklagt zu werden, liegt.
Bevor eine Hausgeburt angegangen werden kann, muss am besten direkt nach Bekanntwerden der Schwangerschaft eine Hebamme gesucht werden. Später ist die Chance eine hausgeburtbegleitende Hebamme zu finden schon fast aussichtslos.
Die Zahl der Hausgeburten ist in den letzten Jahrzehnten extrem gesunken und so kommen derzeit in Deutschland gerade noch zwei Prozent aller Kinder nicht in einer Klinik zur Welt. Nach Abzug der Geburten in einem Geburtshaus bleiben vermutlich weniger als ein Prozent der Babys, die zu Hause zur Welt kommen.
Hebammen, die eine Hausgeburt begleiten setzen eine Rufbereitschaftspauschale in Rechnung. Diese wird derzeit je nach Krankenkasse in Höhe von ca. 250 Euro übernommen.
Die Voraussetzungen für eine Hausgeburt sind überschaubar. So muss im Notfall der Zugang des Geburtsraumes mit einer Trage sowie die Anfahrt durch einen Krankenwagen ans Haus bzw. eine zeitnahe Erreichbarkeit einer Geburtsklinik gewährleistet sein. Eine Wärmelampe ist wünschenswert.
In der Mehrheit handelt es sich bei Hausgeburten nicht um Erstgebärende. Diese Eltern wünschen sich häufig eine selbstbestimmte Geburt innerhalb des familiären Umfelds. Diese Eltern haben sich in der Regel sehr gut über die Geburt und deren Risiken informiert. Zudem haben sie ein großes Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess und in das Können der sie begleitenden Hebamme. Diese haben sie in der Regel bereits im Geburtsvorbereitungskurs näher kennengelernt.
Inwieweit ist eine Notfallversorgung bei einer Hausgeburt gewährleistet?
Viele Mediziner haben eher kein Verständnis bei dem Wunsch von werdenden Eltern zu Hause zu gebären. Nichtsdestotrotz sind Hausgeburts-Hebammen heutzutage auch notfalltechnisch besser ausgerüstet. Sie haben sie ein mobiles Überwachungsgerät und ein Notfall-Sauerstoffgerät dabei.
Zu beachten ist, dass die werdenden Eltern sich vor der Geburt bei einer Klinik zwecks der Versorgung und Erreichbarkeit im Notfall melden sollten. Dies erspart im Ernstfall das zeitraubende und nervtötende Klären von Formalitäten.
Fazit
Wir empfehlen euch werdenden Eltern, euch genau über den Geburtsverlauf sowie über die in fragekommenden Geburtsorte und Geburtspositionen zu informieren. Am besten solltet ihr diese zuvor besichtigen und euch nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden geben! Die Geburt ist häufig nicht nur für die Neugeborenen eine traumatische Erfahrung. Sie beeinflusst vor allem deren Überzeugungen über die Welt, in die sie hineingeboren werden. Egal was eure eigenen oder Schwiegereltern sagen, vor allem die werdende Mutter muss sich sicher und gut in dem ausgewählten Geburtsort fühlen.
Euer Deva (Babytalk – Redaktion)
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Hallo, ich denke es ist Zeit mich vorzustellen. Wer ist diese Frau bzw. die Hebammenschülerin, die ab sofort regelmäßig über ihre Ausbildung berichten wird?
Ich bin Kati, 29,12 Jahre alt und wollte als Kind eigentlich Sängerin werden. Ja, Sängerin, inspiriert von der Mini Playback Show habe ich Zuhause einen Auftritt nach dem anderen hingelegt. Das es den Beruf der Hebamme gibt, war mir damals gar nicht bewusst.
Letztendlich habe ich dann meinen Abschluss gemacht, wurde Mutter und habe eine Ausbildung im grafischen Bereich gemacht. Das hatte so gar nichts mit singen zu tun und schon während der Ausbildung habe ich gemerkt – ne, das ist nichts für dich Kati.
Attachment Parenting – ein Alien auf einem fremden Planeten
Dann kam mein zweites Kind und ich fühlte mich wie ein Alien auf einem fremden Planeten. Wisst ihr, damals gab es den Begriff „Attachment Parenting“ und „Bindungs- bzw. Bedürfnisorientiertes Familienleben“ nicht. Mein Kind wurde getragen, mit Stoff gewickelt und hat im Familienbett geschlafen. Familienbett – noch so etwas wovon 2012 noch kaum einer von sprach.
Vielleicht sollte ich erwähnen, das ich auf dem Land lebe. Ihr könnt euch mich also als Alien vorstellen, mit Baby im Tragetuch gebunden, mitten auf der Kuhweide stehend. Genauso habe ich mich gefühlt. Auf dem Land wurde 2012 kaum ein Baby getragen. Ab und zu sah man eine Manduca oder auch mal eine Baby Björn- oh oder!!!! den Glückskäfer Rucksack. Kennt ihr den? Ein Urrrrralter Tragesack! Heute würde man nicht mal seine Baby Born damit tragen.
Jedenfalls war ich da nun, dieser Alien, mit diesen außergewöhnlichen Vorstellungen von der Eltern-Kind-Beziehung. Und ich wollte nicht länger der einzige Alien auf der Kuhwiese sein. Ich wollte allen zeigen, wie cool es ist, ein Alien zu sein. Wie wunderbar unsere Sicht auf die Welt ist und das „anders sein“ nichts schlimmes ist, sondern etwas wunderschönes.
Schritt in die Selbstständigkeit
Ich besuchte die ersten Fortbildungen. Schnell kamen weitere dazu. Und noch mehr, und mehr. Und schon war ich selbstständig. Als Trageberaterin, prä- und postnatale Fitnesstrainerin, Kinderyoga Lehrerin, Kursleiterin für bindungsorientierte Krabbelgruppen, Elternberaterin… und und und.
Sechs Jahre lang habe ich als meine eigene Chefin gearbeitet, Kurse geleitet und stand am Ende mit hunderten von weiteren Aliens Hand in Hand auf meiner Kuhwiese.
Die Jahre waren hart. Ich musste, um mich und meine Existenz kämpfen und habe jahrelang eher draufgezahlt, als Geld verdient. Aber ich war glücklich. Glücklich über meine Arbeit, die ganzen zufriedenen Schwangeren und Eltern und über all die strahlenden Kinderaugen.
Hebammenschülerin – meine Ausbildung
Es gab jedoch etwas, was mich überhaupt nicht glücklich gemacht hat. Und das war die Geburtshilfe in unserer Umgebung. In den Jahren durfte ich einige Geburten als moralische Unterstützung begleiten. In dieser Zeit bin ich auch zum dritten Mal Mutter geworden und in meinen Kursen gab es immer wieder Frauen, die von ihren fürchterlichen Erlebnissen in den Kliniken berichtet haben.
Viele der Frauen hatten zudem keine Hebamme. Denn obwohl sie sich bereits ab der 9. Schwangerschaftswoche auf die Suche machten, konnten sie einfach keine mehr finden. Vor 2 Jahren, bei einer Geburt einer Kursteilnehmerin, die mittlerweile eine Freundin geworden ist, kam dann der entscheidende Moment. Dieses Klicken, dieser eine Satz: Warum bist du keine Hebamme? Du bist so unglaublich gut und jede Frau dieser Welt bräuchte eine Geburtsbegleiterin wie dich!!! – Und direkt dazu kam auch schon die Antwort: Ja, warum eigentlich nicht?!!
Ich habe 2 Bewerbungen geschrieben für 2 Hebammenschulen. Und an beiden wurde ich händeküssend angenommen. Ich habe mich für die größere Klinik entschieden und bin nun seit dem 01.04. tatsächlich Hebammenschülerin. Schülerin. Mit 29,12 Jahren und drei Kindern.
Es war nicht einfach, meine Firma abzugeben. Aber ich weiß, ich gehe als Hebammenschülerin den richtigen Weg. Ich möchte einen neuen Grundstein in der Geburtshilfe in unserer Region setzen. Jede Frau soll das Recht auf IHRE Geburt haben. Eine Geburt, die nicht nur auf dem Rücken liegend im Kreißbett stattfindet. Eine Geburt mit wenig so wenig Interventionen wie möglich und soviel wie nötig! Und eine 1:1 Betreuung, egal ob im Krankenhaus, Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt.
Hebammenschülerin – ich nehme euch mit
Vor mir liegen nun fast 3 Jahre Ausbildung und ich reiche euch die Hand. Begleitet mich auf diesem Weg. Er wird gepflastert sein mit Tränen der Freude und Trauer, Wut, Enttäuschung und sicher auch einigen Niederlagen. Aber ich verspreche euch, wir gehen ihn gemeinsam. Bis zum Schluss – bis zum Examen!!!
Eure Kati (Babytalk – Hebammenschülerin)
Hierüber werdet ihr demnächst weitere Beiträge von Kati und ihre Ausbildung zur Hebamme erfahren, Hinweis der Redaktion.
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Bericht unserer Hebamme Anja zum Internationalen Hebammentag
Ich, Anja, bin eine Befürworterin der Zusammenarbeit auf Augenhöhe von ärztlichen Geburtshelfern und Hebammen. In den letzten Tagen musste ich mich aber des öfteren, über das despektierliche Verhalten einiger Vertreter der ärztlichen Geburtshelfer in Bezug auf unseren Berufstand der Hebamme, aufregen.
Nachfolgend findet ihr ein leider nicht allzu seltenes Beispiel, wie diese „Zusammenarbeit“ aus ärztlicher Sicht aussieht.
Hier ein Praxisbeispiel
Eine Hebamme hat einen verzweifelten Mann am Telefon, der bereits rund 60zig andere Hebammen vergeblich angerufen hat, um für seine Freundin eine Wochenbettbegleitung mitten im Sommer zu finden.
Ich lasse mich breitschlagen und schiebe die Betreuung doch noch ein, mit dem Hinweis, dass wir hier und da zeitliche und örtliche Kompromisse finden müssen.
Der Mann ist einfach nur dankbar, dass sich
jemand zurückgemeldet hat
der Wohnort mich nicht abschreckt und
das ich wenigstens einen Kompromiss anbieten kann.
Dann folgt der Erstkontakt
Auf der Hinfahrt muss ich noch über mich selber grinsen. Da ich mich nicht wirklich hier in der Umgebung auskenne, liegt der Wohnort nicht nur weit ab vom Routenplan der meisten Kolleginnen, sondern eigentlich auch von meinem. Ich ärgere mich, das ich nicht vorher geschaut habe. Naja, denke ich noch, wir werden einen Kompromiss finden.
Etwas verwundert war ich im Vorfeld über die ausschließliche Kommunikation über den Mann. Gut, aber auch das kenne ich aus meiner Arbeit als Hebamme. Mal sehen was mich erwartet.
Schon in den ersten 2 Minuten wird mir klar, hier kann ich keine Kompromiss -Wochenbettbetreuung anbieten. Hier ist irgendwas worauf ich achten muss, aber was? Ist es die dominate Art, wie der Ehemann uns am Tisch platziert oder die sehr ruhige Art der jungen Schwangeren?
Bei der Durchsicht des Mutterpasses zeigt sich nichts außergewöhnliches. Junge Erstgebärende ohne Kreuze im Risikokatalog. Laut Mutterpass sitzt eine völlig physiologische (heißt: ohne körperliche oder psychologische Beeinträchtigungen) Schwangere vor mir. Aber trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.
Auszug aus einem Mutterpass
Ich erhebe meine eigene Anamnese. Viel zu oft habe ich schon erlebt, dass die Einträge im Mutterpass unvollständig oder fehlerhaft sind. Wir Hebammen arbeiten nach der Salutogenese und erheben eine Anamnese die in alle Richtungen fragt, alles miteinbezieht und hoffentlich alles bedenkt.
Ergebnis (ein kleiner Auszug)
Eine junge, arbeitslose Schwangere mit einer chronischen, schweren psychischen Erkrankung, Klinikaufenthalt über ein Jahr in der Vergangenheit, Medikamente abgesetzt, das Rauchen aufgegeben, ab und an suizidale Gedanken, soziale Isolation durch den Wohnort, aktuell in therapeutischer Behandlung. Psychische Erkrankungen in der Familie bekannt. Gelder der Mutter – Kind Stiftung genehmigt.
Ressourcen (nur ein Teil)
Oma und Opa des Kindsvater wohnen in der Nähe, der Mann unterstützt sie nach Kräften, Therapeut ist offen für Schweigepflichtentbindung für mich als Hebamme, usw…
Und jetzt platzt mir der Kragen. Natürlich nicht vor dem Paar, aber im Auto auf der langen Rückfahrt. Diese Frau steht vor einer großen Krise und befindet sich mitten in einer, denn das ist die Schwangerschaft, Geburt und erst Recht das Wochenbett.
Allein der Schlafentzug wird sie vielleicht schnell an den Rand ihrer eigenen Ressourcen bringen und da reicht dann auch kein Therapeut. Laut Mutterpass ist sie eine völlig physiologische Schwangere. Was ist denn dann eine nicht physiologische Schwangere?
Diese Familie braucht ein Netzwerk, den doppelten Boden für Krisensituationen. Da sollte ich doch als behandelnder Arzt einen Blick für haben und mich aktiv drum kümmern. Warum ist der Mutterpass fehlerhaft ausgefüllt? Ein Dokument das uns auf den ersten Blick einen Eindruck verschaffen soll. hier ist es ein fatal falscher.
Ich stecke jetzt als Hebamme mittendrin und habe gefühlt eigentliche genau für so eine Klientin keine Zeit. Nicht der Gynäkologe wird Abends oder am Wochenende angerufen, wenn eine akute Überforderung droht, das bin ich. Und ich bin die, die jetzt zügig alles ins Rollen bringen, die sich Gedanken machen muss, was kommen könnte und den Worstcase durchgehen muss.
Keine Sorge ich mache das gerne und mit großer Sorgfalt. Doch was wäre aber, wenn ich nicht die 60zigste Hebamme gewesen wäre, die endlich zugesagt hat? Warum ist es so schwer von ärztlicher Seite aus, eine Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Hebamme und dem Netzwerk (Jugendamt, Familienhebamme, Therapeuten, Familie) für solche Familien anzustreben?
Unsere Pflicht als Hebamme ist es, jedem Kind einen guten Start zu ermöglichen und besonders bei einer psychisch erkrankten Mutter. Das ist manchmal unser Alltag – „die Kuh vom Eis zu holen“.
Hebammensuche: Wir freuen uns, Euch einen Beitrag von Katharina (natuerlich-geliebt.blog) über ihre Suche und Wahl nach einer Hebamme, vorstellen zu können. Sie gibt Euch zudem ein paar Ratschläge an die Hand, wie ihr die für Euch passende Hebamme findet.
Hebammen gibt es seit der frühen Menschheitsgeschichte. Zu Beginn wurde die Geburtshilfe als solidarische Hilfe geleistet, die Frauen untereinander gaben, um sich unter der Geburt zu unterstützen. Nach und nach entwickelte sich der Begriff der professionellen Hebamme, die durch ihr Wissen den Geburtsverlauf unterstützen konnte und der Gebärenden Hilfe leistete.
Kein Berufsstand steht aktuell präsenter im Rampenlicht als der der Hebamme. Warum ist das so? Warum ist eine Hebamme so unverzichtbar und ihr Dasein derzeit doch so gefährdet? Hier findest du alle aktuellen Informationen und Herausforderungen rund um diesen alten und wichtigen Beruf.
Hurra, ich bin schwanger! Und nun?
Gerade hältst du mit zitternden Fingern deinen Schwangerschaftstest fest, auf dem sich langsam zwei rosa Linien abzeichnen: Positiv! Endlich hat es geklappt. Du bist schwanger! Die Freude ist groß und gleichzeitig tauchen erstmals so viele Fragen in deinem Kopf auf.
Was darf ich essen und was sollte ich meiden? Darf ich jetzt noch Sport machen, mit dem Hund Gassi gehen, in meinem Beruf weiter arbeiten? Für die Beantwortung vieler Fragen steht dir schon in der Schwangerschaft eine Hebamme zu.
Hebammensuche: Die Wahl der richtigen Hebamme
Sobald du weißt, dass du schwanger bist, solltest du dich mit der Hebammensuche und um Termine mit verschiedenen Hebammen bemühen. Dabei geht es beim ersten gemeinsamen Treffen vor allem darum, sich kennen zu lernen und zu überprüfen, ob man zusammen passt. Denn deine Hebamme soll dich einen langen und sehr wichtigen Weg begleiten:
In der Schwangerschaft, möglicherweise unter der Geburt und im Wochenbett. Dabei ist es wichtig, dass ihr euch sympathisch seid und euch ein tiefes Vertrauensverhältnis vorstellen könnt. Denn einerseits wirst du ihr möglicherweise Fragen stellen wollen, die dir vor anderen Menschen unangenehm wären und andererseits wird Du ihr Vertrauen müssen, wenn sie dir während der Geburt Anweisungen gibt, die du dir gerade nicht vorstellen kannst.
Fragen, die Euch die Wahl erleichtern
Bei der Auswahl einer für dich geeigneten Hebamme kannst du dir anfangs folgende Fragen stellen: Möchte ich eine Hebamme, die mich bei der Geburt begleitet? Will ich eine Hausgeburt oder eine Geburtshaus-Geburt?
Wenn du weißt, wo du entbinden möchtest, musst du gezielt nach Hebammen suchen, die dies unterstützen. Nur noch wenige Hebammen bieten die Betreuung von Hausgeburten an, sodass du dich sehr zeitig um eine bemühen solltest.
Wenn du im Geburtshaus entbinden möchtest, werden dir hierüber Hebammen für eine intensive Betreuung zur Seite gestellt. Wenn du weißt, dass du im Krankenhaus entbinden möchtest, aber deine eigene Hebamme mitnehmen möchtest, so schau dich nach einer Beleghebamme um und erfrage, mit welchem Krankenhaus sie zusammenarbeitet.
Viele Hebammen bieten zudem homöopathische Behandlungen und Akupunktur an. Auch nach diesen Kriterien kannst du die Wahl bei deiner Hebammensuche einschränken.
Schwangerschaftsvorsorge und Geburtsvorbereitung
Die Betreuung durch eine Hebamme steht dir schon während der Schwangerschaft zu. Die meisten Schwangeren sehen ihre Hebamme erst im Geburtsvorbereitungskurs regelmäßig, doch es kann sich für die Einzelne lohnen, auch die generelle Schwangerschaftsvorsorge bei der eigenen Hebamme machen zu lassen.
Was die Wenigsten wissen: Bis auf die drei regulären Ultraschall-Untersuchungen darf auch die Hebamme die Schwangerschaftsvorsorge übernehmen. Ein Vorteil kann dabei sein, dass deine Hebamme dich besser kennenlernt, du eventuell mehr Vertrauen zu ihr hast als zu deinem Arzt/deiner Ärztin oder dass sie sich für deine Fragen mehr Zeit nimmt.
Geburtsvorbereitung
Jeder Schwangeren steht die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs zu. Häufig findet ein solcher Kurs abendlich statt und beinhaltet Informationen rund um die Schwangerschaft und mögliche Schwangerschaftsbeschwerden.
Außerdem wird die Schwangere durch die leitende Hebamme auf die Geburt und mögliche Komplikationen sowie Interventionen aufgeklärt. Ebenfalls werden Entspannungs- und Atemtechniken vermittelt, um die Wehen erträglicher zu machen und den Geburtsverlauf durch eine tiefere Entspannung positiv zu beeinflussen.
Schließlich werden noch wichtige Fragen bezüglich des Wochenbetts und der ersten, aufregenden Zeit mit Baby geklärt. Oftmals gibt es einen oder mehrere Partnersitzungen, an denen der Partner aktiv in den Geburtsvorbereitungskurs einbezogen wird.
Anders als bei der Schwangeren trägt die Krankenkasse nicht grundsätzlich die Kosten für die Begleitung durch den Partner. Nachfragen kann sich aber trotzdem lohnen, besonders wenn beide Partner Mitglied derselben Krankenkasse sind.
Hebammenbetreuung während der Geburt
Wenn du dich entschieden hast, dein Kind in einem Krankenhaus zur Welt zu bringen, wird dir im Kreißsaal eine Hebamme zugeteilt, die dich bei der Geburt unterstützen soll. Nicht immer behältst du über die gesamte Geburt die gleiche Hebamme, denn es kann zum Beispiel zu Schichtwechseln kommen.
Solltest du im Geburtshaus oder Zuhause dein Kind bekommen, so ist dir die Hebamme schon sehr vertraut und sie weiß bereits, was dir guttut und hilft.
Während der Geburt wird die Hebamme dich eventuell dazu ermutigen, deine Position zu ändern oder andere Atemtechniken auszuprobieren, um den Geburtsverlauf positiv zu beeinflussen. Vielleicht zeigt sie deinem Partner, wie er dich unterstützen kann oder sie bietet dir Schmerzmittel an.
Die Hebamme ist die Fachkraft für Geburten und kann dich bei Bedarf in vielerlei Hinsicht unterstützen. Wichtig ist hier eine offene Kommunikation über das, was du brauchst und was dir gut tut. Es gilt als bewiesen, dass eine gute Unterstützung bei der Geburt die Komplikationen und damit notwendige Interventionen verringern kann.
Was die Wenigsten wissen: Auch wenn du eine Fehlgeburt oder eine stille Geburt hast, hast du ein Anrecht auf Hebammenbetreuung, unabhängig davon, in welcher Schwangerschaftswoche du dein Kind verloren hast. Deine Hebamme kann dich bei der ersten Trauerarbeit unterstützen und dir weitere Hilfe vermitteln.
Die Wochenbettbetreuung
Nach der Entbindung steht dir und deinem Baby die Betreuung durch eine Hebamme zu. Im sogenannten Wochenbett darf die Hebamme dann in den ersten zehn Tagen täglich einmal oder in besonderen Fällen sogar zweimal zu dir kommen. Sie unterstützt dich bei der Pflege deines Säuglings, bei Stillproblemen und beim Bindungsaufbau zu deinem Baby.
Außerdem ist sie die erste Ansprechpartnerin für das körperliche und seelische Wohlbefinden von Mutter und Kind. Nach den ersten zehn Tagen kann die Hebamme im Laufe der ersten 8 Wochen nach der Geburt noch weitere 16 Termine mit dir vereinbaren. Für Still- und Abstillfragen steht dir ihre Unterstützung außerdem noch bis zu viermal zu.
Nach dem Wochenbett findet die Rückbildungsgymnastik statt, die meist von der eigenen Hebamme angeboten wird. Die Rückbildung ist wichtig, damit der gesamte Körper der Frau sich von den Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt erholen kann und alle Muskelgruppen neu trainiert werden.
Besonders wichtig ist ein intensives Training für die Stärkung des Beckenbodens, der durch Schwangerschaft und Geburt sehr weich geworden ist. Anerkannte Rückbildungskurse werden komplett von deiner Krankenkasse übernommen.
Aktuelles zum Hebammen-Beruf
Zur Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Geburtshilfe und verlagerte sich zunehmend in die Kliniken. Die Geburt wurde von medizinischer Sicht aus als riskantes Ereignis eingeschätzt, deren Risiken es zu minimieren galt. Daraus resultierte eine technisierte Geburtsmedizin sowie ein engmaschiges Risikokonzept.
Mittlerweile werden nur noch wenige Kreißsäle durch Hebammen geleitet, die Leitung übernehmen meist die Ärzte. Deren Sicht auf den Geburtsprozess ist aber, im Gegensatz zur Sicht der Hebamme, eher auf die Vermeidung von Komplikationen gerichtet. Hebammen hingegen betrachten die Geburt als natürlichen Prozess, den es mit Ruhe und Wissen zu unterstützen gilt.
Außerdem steigen in Deutschland seit einigen Jahren die Prämien für die Berufshaftpflicht der Hebammen, was bereits viele freiberuflich tätige Hebammen dazu gebracht hat, ihren Beruf aufzugeben oder auf die Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung zu reduzieren. In einigen Regionen Deutschlands ist eine erfolgreiche Hebammensuche besonders schwierig. Und vor allem, wenn es darum geht eine Hebamme für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettbetreuung zu finden.
Fazit zur Hebammensuche in Deutschland
Eine Hebamme kann dich in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett optimal betreuen. Sie ist die Fachfrau und Expertin für Geburten, deshalb ist ihr Beruf so wichtig und schützenswert. Setze dich früh in der Schwangerschaft mit der Hebammensuche und vor allem nach einer für dich passenden Hebamme auseinander und du findest eine vertrauensvolle Unterstützung für die erste und häufig auch wichtigste Zeit mit deinem Baby.
In diesem Beitrag schildert unsere Gastautorin Yasmin ihre problematische Hebammensuche. Dies ist ja leider für viele werdenden Eltern ein großes Problem, doch wie ihr hier lesen könnt, gibt es Anlaufstellen, die Euch helfen:
Hebammensuche: Was ich anders gemacht habe!
Aktuell wird in meiner FB-Mummy-Gruppe folgende Frage immer und immer wieder gestellt: Ab wann habt ihr eure Hebamme gesucht? Beziehungsweise Ab wann sollte man die Hebamme suchen?
Für beide Fragen kenne ich nur eine gute Antwort: Sobald man von der Schwangerschaft erfährt.Bei mir war das dann quasi in Woche 6. Bestätigt vom Arzt war die SSW eine Woche später.
Sofort habe ich bei verschiedenen Hebammen-Praxen angerufen bzw. sie angemailt, weil ich unbedingt eine Beleghebamme wollte. Leider hatte ich damit keinen Erfolg, weswegen ich mich an die „Hebammenzentrum Rhein-Sieg/Bonn e.V.“ gewandt habe.
Diese Stelle hat einen Überblick über alle freien Hebamme aus der Region. Ich habe angerufen und meine Daten hinterlassen – ebenso meinen Wunsch, nach einer Beleghebamme.
Das Hebammen-Zentrum Bonn unterstützt bei der Suche
Das Zentrum hat sich dann für mich auf die Suche gemacht und bei verschiedenen Hebammen angefragt. Diese haben sich dann auch zurückgemeldet. Allerdings waren es „nur“ normale Hebammen.
Also keine Beleghebamme, die mich in der Schwangerschaft, der Geburt und danach begleiten würde. Das war ziemlich niederschmetternd für mich, da ich sehr große Angst vor der Geburt habe und mir so sehr eine Hebamme in den Kreissaal wünsche, der ich vertrauen kann…
Daher habe ich die ersten Rückmeldungen auch abgesagt und darauf verwiesen, dass ich aufgrund eines Geburtstrauma unbedingt eine Beleghebamme möchte.
Diese Hoffnung wurde mir dann genommen. Dafür sei es einfach zu spät. Tatsächlichen arbeiten hier manche Hebammen nur monatsweise als Beleghebamme.
So wie Tina (*), für die ich mich letztlich entschieden habe. Sie bietet Beleggeburten nur bis Mai an. Zu blöd für mich… Aber da ich Angst hatte bei meiner Hebammensuche zu scheitern, wollte ich zugreifen.
Auch, weil Tina sehr sympathisch herüberkam. Ein Eindruck der sich beim Kennenlernen bestätigt hatte.
Das Kennenlernen nach der Hebammensuche
Bevor ich zu meiner neuen Hebamme komme, möchte ich euch schnell über meine ehemalige Hebamme berichten. Ich habe sie quasi gewählt, weil sie damals direkt neben meiner Frauenarztpraxis gearbeitet hatte.
Das hat einfach gut gepasst. Ich wurde direkt von der Frauenärztin in die Hebammenpraxis geschickt und hatte Glück. Mir ging es bei meiner Hebammensuche nicht um Sympathie oder Vertrauen, sondern schlicht weg um die Nachsorge und ein paar Geburtsvorbereitende Maßnahmen.
Dementsprechend kühl war unsere Verbindung zueinander. Es war nicht unbedingt unangenehm, aber eben distanziert-professionell.
Nie wurde über mich gesprochen
Womöglich ein Grund weswegen meine Wochenbettdepression nie zur Sprache kam – wir haben nie von mir gesprochen, sondern einfach immer nur über das Baby.
Diesmal wollte ich das nicht. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht wieder so werden muss: Tina nahm sich gut anderthalb Stunden Zeit für unser Erstgespräch. Sie hat meine Daten aufgenommen, aber auch Fragen zu mir und die erste Geburt gestellt.
Sie hat sich die gesamte Geschichte angehört. Dann haben wir über meine Wunschvorstellung der Geburt gesprochen: Der hebammenbegleitete Kreißsaal in Bonn.
Das ist ein Kreissaal in dem die Hebammen „das Sagen“ haben und Ärzte nur im Notfall dazu stoßen. Es gibt in ganz Deutschland nicht mal zehn solcher Kreißsäle. Und hier in Bonn haben wir einen!
Ich war happy und hatte Hoffnung, dass die selbstbestimmte Geburt – wenn schon nicht mit Beleghebamme – so klappen würde.
Meine Hebamme herzlich und ehrlich
Leider nahm mir Tina diese Hoffnung. So herzlich wie sie zu sein scheint, so ehrlich ist sie:
„Mit deiner Vorgeschichte und der daraus resultierenden Risikoschwangerschaft, wird es wohl nichts werden, leider“.
Mittlerweile sollte ich daran gewöhnt sein, dass meine Träume verpuffen. Aber irgendwie war das dennoch ziemlich belastend…
Bei meiner ersten Schwangerschaft war ich 10 Tage drüber, wurde 3 Tage eingeleitet und erhielt einen Kaiserschnitt nach Geburtsstop. Dieses Risiko würde der Kreißsaal nicht eingehen, um sich „die Quoten“ nicht zu versauen.
Irgendwie einleuchtend, wenn auch ziemlich wirtschaftlich und unmenschlich. Tina hat mich ermutigt, es dennoch zu versuchen. Sie wollte mich nur darauf vorbereiten, dass mein Wunsch wahrscheinlich eine herbe Enttäuschung erfahren würde.
Verstanden werden ist sehr wichtig
Ich bin ihr sehr dankbar für ihre Offenheit. Tina versucht nichts zu umschreiben, sie ist sehr direkt und ehrlich. Etwas, was ich an einem Menschen schätze. Sie sagt, was sie denkt – wie ich.
Das macht sie sehr sympathisch für mich. Sobald es so weit ist, werde ich mich um einen Termin bemühen, werde aber auch nach Alternativen suchen.
Beispielsweise auch, wo man einen geplanten Kaiserschnitt machen kann. Tina meinte ganz klar: „Nach deiner Geschichte kann ich deinen Wunsch total nachvollziehen, einen geplanten Kaiserschnitt zu machen.
Ich stehe da voll hinter dir – egal wofür du dich entscheidest.“ Ich hatte das Gefühl sie meint es ernst. Das war mir sehr wichtig und ich wusste: Die nimmste, die ist cool und akzeptiert dich.
Regelmäßiges Durchchecken
Tja und nun komme ich also bei Tina unter und lasse mich im Wechsel zum Frauenarzt alle 4 Wochen von ihr durchchecken. So habe ich alle 2 Wochen eine Vorsorge für´s Baby, was mir nochmal mehr Sicherheit gibt. Das ist ja sehr wichtig für mich.
Sie weiß auch von meiner Depression und daher bin ich zuversichtlich, dass sie mich bei den ersten Anzeichen zur Brust nimmt und mir den Kopf zurechtrücken wird. Das nimmt mir auch die Angst nochmal in so ein Loch zu stürzen wie nach Claires Geburt.
Liebe Schwangere: Die Hebammen-Situation – gerade bei Beleghebammen – ist sehr angespannt. Immer wieder lese ich von Frauen, die gar keine Hebamme mehr gefunden haben. Daher mein Rat an euch:
Sucht frühzeitig, am Besten mit Bekanntwerden der Schwangerschaft nach einer Hebamme und nehmt nicht die Erstbeste, die euch über den Weg läuft. Hört auf euer Gefühl, immerhin erlebt sie viele intime Momente und Gedanken mit euch.
Was ist mit euch? Seid ihr noch auf Hebammensuche oder habt ihr eine bekommen oder bewusst darauf verzichtet? Gibt es bei euch in der Region auch einen akuten HebammenMangel?
Kennt ihr übrigens schon unsere Hebammenschülerin Kati? Sie berichtet Euch von ihrer Ausbildung.
Übrigens engagiert sich das Babytalk-Team mit dem Weltrekord für Hebammen für eine von der Wirtschaftlichkeit entkoppelten Geburtshilfe in Deutschland. Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, findet ihr nähere Informationen unter dem Link Strochenfonds.org, Hinweise der Redaktion.