Schlagwort: Geburt

  • Was ist ein Geburtstrauma und wie kann man es bearbeiten / heilen?

    Was ist ein Geburtstrauma und wie kann man es bearbeiten / heilen?

    Der Begriff „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie „Wunde“, genau genommen seelische Wunde bzw. Verletzung. Von einer traumatischen Erfahrung spricht man, wenn sich ein Mensch in einer lebensbedrohlichen Situation befindet bzw. empfindet, in der er keinen Ausweg mehr sieht durch Kampf oder Flucht zu entkommen. Dabei kann es zu einer extremen Belastung des Gefühlsleben kommen. Nicht selten endet diese in einer Überforderung, da das Gehirn alles daransetzt, die verletzende Erfahrung zu verarbeiten. Daraufhin fällt das Gehirn in eine Art „Starre“. 

    Unser inneres Kind – dieser ursprüngliche unschuldige und schutzlose Teil von uns bleibt, erstarrt, sprachlos und verletzt tief verborgen in uns zurück.

    Alle Lebendigkeit und Fähigkeit zu fühlen und uns mitzuteilen scheint verloren gegangen. Unser Nervenenden arbeiten stehen in Flammen auf Hochtouren.

    Wir funktionieren nur noch im Automodus.

    Geburtstrauma entstehen in den seltensten Fällen allein durch starke körperliche Schmerzen unter der Geburt. In der großen Mehrzahl entsteht ein Trauma, wenn es während der Geburt zu einer Situation kommt, in der die Gebärende sich ausgeliefert und nicht in der Lage fühlt die „Kontrolle“ über den Prozess zurückzugewinnen. Dabei spielen fast immer andere Menschen, in aller Regel unbeabsichtigt, eine maßgebliche Rolle. Wobei in vielen Fällen eine Überforderung des Klinikpersonals eine Rolle spielt.

    Ursachen eines Geburtstrauma

    Der Rahmen bzw. die Atmosphäre in der die Geburt von statten geht, trägt entscheidend zur der Verletzlichkeit der Gebärenden bei. Und so fühlen sich sehr viele Frauen vor allem bei einem weiterfortgeschrittenen Geburtsprozess und der damit verbundenen „Nacktheit“ in diesem fremden Rahmen extrem verletzlich.

    Typische Auslöser sind nicht klar kommunizierte Interventionen, wie zum Beispiel das Setzen einer Injektion/Tropfs, eine nicht selten unter Stress unsanft ausgeführte vaginale Untersichungen oder fehlerhaft ausgeführte Kristeller-Handgriffe, etc.

    Sich unter der Geburt einem „schmerzhaften“ Angst verursachendem Geschehen hilflos ausgeliefert zu fühlen.

    Auch wenn sich womöglich viele dieser betroffenen Frauen bei durch mangelnde Kommunikation in einer weniger von Hormonen beeinflussten Situation nicht so ausgeliefert gefühlt hätten, fühlen sie sich unter der Geburt häufig schneller hilflos.

    Angst ist das prägende Gefühl. Diese kann durch Unwissenheit, Schmerz oder Hilflosigkeit bedingt sein. Angst bedeutet für unser Stammhirn, welches auf unsere tierischen Vorfahren zurückgeht, immer gleich Todesangst.

    Die typischen Verhaltensmuster bei Angst bestehen in Weglaufen, Angreifen und Erstarrung, wobei unter der Geburt aufgrund der Umstände vor allem die Erstarrung auftritt. Hauptkennzeichen der Erstarrung ist ein stockender Atem. Die Hilflosigkeit ohne eine Idee, wie man sich aus dieser Situation „befreien“ kann, lässt einen Verzweifeln und die Luft anhalten. Dabei werden unsere Muskeln mit weniger Sauerstoff versorgt, die daraufhin immer mehr fest werden.

    „Die Zeit heilt alle Wunden“, auch wenn der Spruch sehr populär ist, entspricht er nicht der Wahrheit. Die Zeit lässt die Wunden bestenfalls „vergessen“, doch nichtsdestotrotz schlummert sie weiterhin im Verborgenen unserer Seele und können durch verschiede Vorkommnisse wieder „erweckt“ werden.

    Phasen nach einem Geburtstrauma

    Auch wenn das Erleben nach einem traumatischen Erlebnis recht individuell ist, lassen sich bei den meisten traumatisierten Müttern folgende drei Phasen beobachten:

    1. Die betroffene Mutter ist häufig verwirrt, vergesslich und wirkt benommen. Diese sogenannte Schockphase dauert bei vielen traumatisierenden Erlebnissen bis zu einer Woche. Durch die Besonderheit, dass eine traumatisierte Mutter sich in dieser Zeit nicht allein um sich kümmern kann, sondern sich noch für ihr hilfloses Baby sorgen muss, durch welches sie zudem immer wieder an das traumatisierende Erlebnis erinnert wird, kann diese Phase auch bis zu mehreren Wochen andauern. Hierdurch verschieben sich die folgenden Phasen nach hinten.
    2. In der darauffolgenden Einwirkungsphase, welche sich bis zu 2 Wochen hinzieht, haben viele Betroffene das Verlangen, immer wieder über das traumatische Geburtserlebnis zu sprechen. Häufig wird dieses Verhalten von Selbstzweifeln und -vorwürfen, Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühlen und Depressionen begleitet. Zudem leiden viele unter Einschlaf- und Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Albträume.
    3. Auf die Einwirkungsphase folgt die Erholungsphase, die typischerweise vier bis acht Wochen nach der Geburt beginnt. In dieser Phase beginnt die Mutter wiederInteresse am normalen Leben und ihren Mitmenschen zurückzugewinnen. Die Mutter beginnt wieder an eine positivere an Zukunft zu glauben.

    Folgestörungen eines Traumas bzw. Geburtstraumas

    Die Folgestörungen eines Geburtstraumas können sehr verschieden und auch unterschiedlich belastend sein. Nachfolgend findet ihr die am häufigsten auftretenden Störungen aufgelistet:

    Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, verbunden mit erhöhter Wachsamkeit, Alpträume, Flashbacks (wiederkehrende traumatische Bilder); Ängstlichkeit bis hin zu Panikzustände, extreme Wut sowohl auf sich, wie auch auf andere; Anflüge von Depressionen, bzw. von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Lebensmüdigkeit.

    Schwerwiegende posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) in Folge von besonders schweren Traumatisierungen schränken das Erleben, Fühlen, Denken sowie das Zusammenleben mit anderen Menschen ein.

    Der schwierige Umgang mit den eigenen unangenehmen Gefühlen, vor allem mit Wut und Trauer *, kann sowohl zu starken Wutausbrüchen, sowie zu Selbstverletzungen und / oder Drogenkonsum führen, mit dem Ziel sich „wegzubeamen“, den Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen.

    Aufgrund von Schuld- und Schamgefühlen kann es aber auch ebenso in einem Einigeln bzw. Rückzug von der „Welt“ enden.

    Da die Verantwortung in den meisten Fällen nicht nur einem selber zugeschrieben wird, bringt es in vielen Fällen ein Misstrauen gegenüber (fremden) Menschen mit sich, welches unter Umständen ein lebenslang anhält. Wie bei vielen psychisch nicht behandelten „Erkrankungen“ kann auch ein nicht bearbeitetes Geburtstrauma körperliche Beschwerden nach sich ziehen, für die es keine organischen Erklärungen gibt. Hierzu zählen z.B. Schwindel, Erschöpfung, Herz- und Atembeschwerden.

    Geburtstrauma heilen

    Wenn die „Heilung“ eines Geburtstraumas erst spät angegangen wird, kann es sein, dass sich die Folgestörungen so stark ausgeprägt haben, dass sie auch „therapiert“ werden müssen.

    Ohne professionelle Hilfe zurück ins Leben zu finden

    Viel Ruhe, Verständnis und Zeit ermöglicht es vielen Betroffenen ins Leben zurück zu finden, doch das Trauma bleibt weiter im Verborgenen. Sobald der Körper der Mutter es zulässt, kann Bewegung, insbesondere in der Natur, helfen aus der Starre und / oder depressiven Stimmung herauszukommen. Auch Yoga, Meditation und Sport können je nach persönlicher Vorliebe den „Heilungsprozess“ unterstützen. Viele Betroffene von traumatischen Erlebnissen finden Entspannung im Aufschreiben ihrer Erfahrungen und aktuellen Empfindungen.

    Doch gerade Mütter mit einer traumatischen Geburt fällt dies besonders schwer. Sie fühlen sich nach der Geburt ihres Kindes nicht in der Lage ihrem Kind, neben der Versorgung, die Liebe zu schenken, die vom Trauma überdeckt in ihnen schlummert. Auch wenn sie nichts dafür können, verurteilen sie sich dafür. Deshalb ist es wichtig, dass sie vor allem in der Zeit des Wochenbetts viel Unterstützung im Haushalt und rund um das Baby erhält.

    Die durch das Trauma verursachte Wunde vernarbt zwar mit der Zeit, bleibt aber immer „sichtbar“, zumindest für die Traumatisierten. Ähnlich einer schlecht verheilten Narbe ist es auch bei einem nicht geheilten Trauma notwendig es wieder „aufzureißen“, damit es heilen kann. Dies sollte, wie bei einer körperlichen Narbe, von einer dafür ausgebildeten Person vorgenommen werden, sobald die Mutter sich dazu in der Lage fühlt.

    Auch wenn manche betroffene Mütter und ihre Kinder mit einem Geburtstrauma später ein glückliches Leben führen können, erschwert ihnen diese besonders prägende Zeit einen guten Start in ihre lebenslange Beziehung.

    Geburtserfahrung aufschreiben

    Wenn die betroffene Mutter den „Mut“ hat sich ihren Ängsten zu stellen, zeigt es sich als heilsam, ihre schmerzhafte Erfahrung aufzuschreiben. Verstärkt wird dieses Heilung, wenn im Anschluss die Geburt, so aufgeschrieben wird, wie sie sich die Geburt ihres Kindes gewünscht hätte. Dies ist in vielen professionellen Heilungsmethoden ein essenzieller Bestandteil.

    Vielen betroffenen Müttern gelingt es ihr Trauma zu überwinden, indem sie sich während einer folgenden Schwangerschaft bewusst umfassend auf die bevorstehende Geburt vorbereiten und mit klaren Vorstellungen in diese hineingehen. Nicht wenige finden anschließend ihre Berufung darin andere Mütter eine vor einer traumatischen Geburt zu bewahren und bilden sich zur Doula (Geburtsbegleiterin) aus oder werden sogar Hebamme.

    Bearbeitung mit professioneller Hilfe

    Bei stärkeren Traumata ist die Chance ohne professionelle Hilfe das Trauma zu heilen, eher gering und die Unterstützung eines Psychotherapeuten angeraten. In der Behandlung eines Geburtstraumas geht es vornehmlich darum der Betroffenen ihre „Selbstwirksamkeit“ zurückzuerstatten. Das bedeutet, das sie die Sicherheit zurückgewinnt, dass sie nicht machtlos, sondern in der Lage ist, für ihre Grenzen, sowie Bedürfnisse und Wünsche einzustehen.

    Eine sehr wirkungsvolle professionelle Traumabearbeitung besteht darin, die traumatisierte Mutter über einen verbundenen Atem in die Geburtssituation zurück zu begleiten. Um zu schauen, worin die Hilflosigkeit begründet lag und zu schauen, wen oder was sie gebraucht hätte, um sich nicht hilflos zu fühlen. Der verbundene Atem unterstützt die Mutter dabei nicht in den auftretenden „Schmerz“ feststecken zu bleiben. Und anschließend den Geburtsprozess anschließend mit dem, was die Mutter gebraucht hätte, noch einmal „neu“ und selbstbestimmt zu erleben. Diese Unterstützung liegt z.B. in Mut, im Vertrauen in sich, einer vertrauensvollen Person, den Geburtsprozess oder das Leben. Da diese Ressourcen unter der Geburt nicht „greifbar“ waren, wird in der Sitzung geschaut, in welcher Lebenssituation sie vorhanden waren oder von wem sie sie erhalten können.

    Um innerhalb dieser Rückerinnerung nicht in Schmerz zu verharren,  ist es wichtig die gesamte Zeit über, so gut es geht, immer wieder bewusst einzuatmen.

    Die schmerzhafte Erinnerung verschwindet danach zwar nicht, doch es gibt neben ihr nun eine positive Geburtserinnerung. Wann immer das traumatische Geburtserlebnis erinnert wird, hat es durch die Verarbeitung seine Kraft verloren, die betroffene Mutter in Schmerz, Trauer, Wut und Hilflosigkeit gefangen zu halten.

    Telefonseelsorge

    Wer in einer akuten Krise steckt, kann und sollte sich bei der bundesweiten Telefonseelsorge (0800 111 oder 0800 222) rund um die Uhr von kompetenten Ansprechpartnern Rat holen. Dieser Anruf ist kostenlos. Unter www.telefonseelsorge.de besteht die Möglichkeit seine Sorgen auch anonym per E-Mail zu beschreiben und erhält zeitnah eine  Antwort. 

    Beiträge unserer Leserinnen zur Gewalt unter der Geburt:

    Erfahrungsbericht 1

    Erfahrungsbericht 2

    Euer Deva (Persönlichkeitsentwickler und Atemtherapeut)

     

    Erklärung

    * Die Gefühle Wut und Trauer treten bei Schmerz im Allgemeinen auf. Meistens besteht ein Urteil auf eines dieser Gefühle, so dass nur eines zugelassen wird. Wut wird häufig eher gezeigt, da es mit körperlicher „Stärke“ einhergeht, wobei Trauer eher mit Hilflosigkeit und „Schwäche“ assoziiert wird.

  • Mutterschaft – eine besondere Herausforderung und die Entwicklung des Gehirns der Mutter

    Mutterschaft – eine besondere Herausforderung und die Entwicklung des Gehirns der Mutter

    Für die, die es noch nicht wussten, was die typischen Herausforderungen einer Mutterschaft sind, ein Blick in einen ganz normalen Tag einer Mutter.

    Eine Textnachricht am Handy, das Baby schreit und der Postbote klingelt an der Tür. Wofür soll sie sich entscheiden? Wie auch immer sie sich entscheidet, sie bekommt diese Aufgaben gut auf der Reihe. Vermutlich wird sie sich das Baby schnappen, zur Tür eilen und die Textnachricht erstmal ignorieren. – „Der ganz normale Wahnsinn halt.“

    Doch wie soll eine Frau, die schon genug damit zu tun, dass ihr Körper und ihr Körpergefühl sich dermaßen verändern, sowie mit der Menge an aufkommenden Gefühle zurecht zu kommen. Welche in der Schwangerschaft wie aus dem nichts heraus plötzlich auftauchen?

    Erfahrene Mütter und Väter wissen, dass man sich nicht wirklich gut auf eine Elternschaft vorbereitet kann. Da kann man und bzw. frau Bücher über Bücher lesen oder das Internet bis zum letzten Tropfen ausquetschen. Denn Elternschaft hat viel mehr mit dem Kennenlernen des eigenen Ich´s und den damit verbundenen Glaubenssätzen und Emotionen zu tun, als mit der Frage, wie man ein Baby wickelt.

    Was den meisten bisher nicht bekannt ist, das die Natur sich etwas geniales ausgedacht hat, um dem neuen Menschenkind eine möglichst sichere und geborgene Kindheit zu gewährleisten. Das Gehirn der werdenden Mutter wird durch eine fortschreitende Weiterentwicklung ihres Gehirns auf die Herausforderungen ihrer bevorstehenden Mutterschaft und den damit verbundenen Aufgaben vorbereitet.

    Studie über die Entwicklung des Gehirns einer werdenden Mutter

    Eine Studie von Forscher des Institute of Mental Health* sollte und hat es geschafft Licht ins Dunkle zu bringen. Um die Veränderungen des Gehirns von Frauen nach der Geburt aufzuspüren, wurden Gehirnscans von zahlreichen Müttern auf diese Veränderungen hin untersucht.

    Es zeigte sich eine Zunahme der grauen Hirnsubstanz in einigen Arealen der untersuchten Gehirne. Betroffen sind vor allem die Teile des Gehirns, welche für das frühzeitige Erkennen von Gefahren, die Regulation von Gefühlen sowie für die Lösung von Problemen und den damit verbunden Entscheidungen zuständig sind. Diese Veränderungen ermöglichen es den Müttern ihr Baby besser zu verstehen und zu erkennen, was es in jeder Situation braucht.

    Eine Zunahme der Produktion körpereigener Glückshormone sorgt dabei bereits während der Schwangerschaft für eine tiefe Zufriedenheit der schwangeren Frauen. Ein Cocktail aus Endorphinen und dem Kuschelhormon Oxytocin rundet diese Zufriedenheit mit dem Hervorbringen des ganz besonderen Mutterschaftsgefühl ab.

    Wir freuen uns, wenn dieser Beitrag unseren schwangeren Leserinnen zumindest etwas mehr Gelassenheit und Vertrauen in Hinblick auf die Geburt und ihr Muttersein verleiht.

    Euer Babytalk-Team

    *Pilyoung Kim, National Institute of Health, 9000 Rockville Pike, Bethesda, MD 20892‐2670, USA

  • Die Rückbildung der Beckenbodenmuskulatur

    Die Rückbildung der Beckenbodenmuskulatur

    Viele Schwangere und „junge“ Mütter machen sich Gedanken, wie ihr Körper nach der Geburt ihres Kindes wieder genauso aussieht und anfühlt wie vor der Schwangerschaft. In diesem Kontext hat die Rückbildung des Beckenbodens vor allem die Aufgabe die durch die Belastungen der Schwangerschaft „ausgeleierte“ Beckenbodenmuskulatur wieder zu kräftigen.

    Er setzt sich aus einem dreischichtigen Gewebe aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe zusammen, das wie eine „Hängematter“ unter dem Becken gespannt ist. Die Muskulatur des Beckenbodens hat vor allem die Funktionen, die Organe zu stützen und den Schließmuskel von Darm und Blase zu überwachen.

    Eine gut trainierte Beckenbodenmuskulatur erleichtert es der Schwangeren das Gewicht des Babys und der Gebärmutter zu tragen.

    Der Beckenboden in der Schwangerschaft

    Über die Dauer der Schwangerschaft wird das Bindegewebe der Beckenbodenmuskulatur immer schwächer und so profitieren vor allem Schwangere von einem gut trainierten und elastischen Beckenboden. Denn je kräftiger er ist, umso sicherer und leichter wird die Gebärmutter und das heranwachsende Kind durch die Schwangerschaft getragen.

    Die Beckenbodenmuskulatur kann jede Schwangere einerseits durch ein ausgewogenes Training wie auch durch einfache Übungen zuhause positiv beeinflussen, in dem sie beispielsweise immer wieder die Beckenbodenmuskulatur zusammenzieht und kurz hält. So als ob man Pipi oder einen Stuhlgang zurückhalten möchte.

    Der Beckenboden bei der Geburt

    Auch bei der Geburt hat der Beckenboden eine wichtige Funktion. Frauen mit einer starken und dehnbaren Beckenbodenmuskulatur tun sich unter den Wehen leichter und tragen ein geringeres Risiko für einen Dammriss oder -schnitt.

    Woran merke ich, dass ich einen schwachen Beckenboden habe?

    Es gibt ein paar deutliche Anzeichen, an denen du erkennen kannst, dass deine Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist und du deinen Beckenboden trainieren solltest.

    Anzeichen für einen schwachen Beckenboden

    • Beim Hüpfen, Husten oder Niesen spritzen ein paar Tropfen Urin ins Höschen.
    • Der Harndrang kann nicht mehr solange zurückgehalten werden.
    • Häufige Rückenschmerzen, besonders im Lendenwirbel Bereich.
    • Kaum noch Lust auf Sex.
    • Die Gebärmutter sinkt immer tiefer Richtung Scheide (Gebärmuttersenkung).

    Wie jeder andere Muskel kann auch die Beckenbodenmuskulatur trainiert und so wieder stark werden. Durch regelmäßiges Beckenbodentraining kann eine Ermüdung des Beckenbodens abgemildert werden oder auch ganz vermieden werden. Ein kontinuierliches Beckenbodentraining ist auf jeden Fall eine gute Investition in die Funktionsfähigkeit deines Körpers, vor allem für die Schwangerschaft und Geburt!

    Rückbildung der Beckenbodenmuskulatur

    Durch gezielte Übungen kann die Rückbildung der Beckenbodenmuskulatur effektiv und ohne großen Aufwand beschleunigt werden, so dass er die wichtigen Organe nach der Geburt wieder an Ort und Stelle halten kann. Dies zeigt sich vor allem am Darm und der Blase indem es Inkontinenz verhindert.

    Solange wie die Schwangerschaft den Beckenboden belastet hat, sollte man diesem auch zugestehen, mit Rückbildungstraining wieder in Form zu kommen. Also keine Panik, wenn sich nicht direkt Resultate zeigen. Eine bekannte Aussage von Hebammen, der Körper braucht solange bzw. 9 Monate sich wieder zurückzubilden, wie er sich zuvor verändert hat.

    Rückbildung des Beckenbodens

    Drei einfache Rückbildungsübungen für zuhause

    Mit diesen drei einfachen Übungen kann der Beckenboden auch zuhause trainiert werden – unabhängig davon, ob in der Schwangerschaft oder als Rückbildung nach der Geburt.

    Übung: Der Katzenbuckel

    Gehe in den Vierfüßlerstand und achte dabei vor allem auf einen stabilen Stand. Strecke den Rücken rund zu einem Katzenbuckel und lege dabei das Kinn soweit wie möglich auf die Brust. Danach lasse deinen Rücken langsam Wirbel für Wirbel durchhängen. Gleichzeitig sollte dein Blick leicht nach oben wandern. Diese Übung kannst du, sofern es dein Atem zulässt gut im Tempo deines Atemrhythmus wiederholen.

    Übung: Der Po-Heber

    Lege dich flach auf den Boden und deine Arme bequem neben deinem Körper ab. Stelle deine Füße parallel auf und spanne deine Gesäßmuskulatur an und strecke dabei deinen Po und Oberkörper nach oben. Achte darauf, dass deine Schultern auf dem Boden liegen bleiben. Deine Gesäßmuskulatur sollte während der Übung immer gut angespannt bleiben. Deine Knie sollten nicht nach innen kippen. Anschließend lege deinen Po und Oberkörper wieder ab.  Anschließend wiederhole die Übung.

    Übung: Der Rückenstrecker

    Knie dich auf den Boden und spreize deine Beine leicht nach außen. Nun lehne dich soweit es geht nach vorne und strecke deine Arme aus. Ziehe oder schiebe nun noch deinen Po soweit wie möglich nach oben ohne dein Gleichgewicht zu verlieren.

    Fazit zur Rückbildung der Beckenbodenmuskulatur

    Denkt bitte daran, dass es sich bei der Rückbildung nicht um Hochleistungssport handelt. Wir empfehlen euch dabei immer gut „in Kontakt mit eurem Körper“ zu bleiben und seine bzw. eure Belastungsgrenzen einzuhalten. Vor allem, wenn ihr einen Rückbildungskurs besucht.

    Wenn ihr mit dem Training bereits während der Schwangerschaft beginnt, hilft es euch bei der Geburt gut auf euren Körper und Bedürfnisse zu achten und umso schneller fühlt sich zumindest die Vagina beim Geschlechtsverkehr wieder wie gewohnt an. Doch dies hat nur einen geringeren Einfluss auf das Aufkommen an sexuelle Lust. In diesem Zusammenhang spielt die nicht selten extreme Nähe der Mutter zu ihrem Baby und der damit verbundenen Rolle als Mutter eine vorrangige Rolle.

    Das Muttersein ist eine sehr spannende, herausfordernde und glücklicherweise häufig auch sehr erfüllende Rolle, das viele Mütter in dieser Zeit vorübergehend den Kontakt zu ihrer sexuellen Seite und ihrer Rolle als Partnerin verlieren. Dabei hilft es, wenn der Vater bzw. Partner dafür Verständnis aufbringen kann. Je verständnisvoller er ist, umso weniger fühlt sich seine Partnerin gedrängt und so leichter findet sie den Kontakt zu dieser Seite wieder.

    Wenn es dazu kommt, hat es nichts mit mangelndem Interesse an ihm als Sexualpartner zu tun. Das Muttersein will erstmal gelernt und ausgekostet werden. Die Kinder werden so schnell groß und man bzw. frau möchte diese für sich und ihr Baby bewusst erleben. Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag „Eine kleine Auszeit vom Elternsein„.

    Eure Deva (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Kzenon / Getty Images Pro
    Foto2: Kzenon / Getty Images Pro

     

  • Geburtsverletzungen – Ursachen und Tipps zum Vorbeugen und Behandeln

    Geburtsverletzungen – Ursachen und Tipps zum Vorbeugen und Behandeln

    Vorfreude und Ängste vor der Geburt

    Die Vorfreude auf das unbekannte und doch seltsam vertraute neue Familienmitglied ist groß und doch wird diese nicht selten von Ängsten vor der Geburt und möglichen Geburtsverletzungen getrübt.

    Doch keine Sorge mit den passenden Verhaltensweisen und einigen sanften Maßnahmen können die allermeisten Geburtsverletzungen wie Dammschnitt oder Dammriss auf einfache und natürliche Weise in der Heilung unterstützt werden.

    Geburtsverletzungen bei einer vaginalen Geburt

    Auf dem Weg des Babys durch den Geburtskanal kann zu Verletzungen im Bereich der Schamlippen, der Klitoris, des Muttermundes, des Schießmuskels und in der tieferliegenden Beckenmuskulatur kommen.

    Häufig auftretende aber weniger schmerzhafte Verletzungen sind kleine Risse und Schürfungen, die von der Gebärenden in den allermeisten Fällen gar nicht wahrgenommen werden auch schnell wieder abheilen. Am häufigsten treten Geburtsverletzungen im Damm- und Scheidenbereich auf.

    Mögliche Geburtsverletzungen:

    Hämatome

    Hämatome entstehen, wenn das durch kleine Risse freiwerdende Blut nicht nach außen dringen kann und sich so im Gewebe anreichert. Diese Risse entstehen durch das starke Pressen unter der Geburt. Diese Hämatome heilen in der Regel von selbst ab. Falls diese doch mal von extremen Schmerzen begleitet werden sollten, kann auch eine Operation unvermeidbar sein.

    Dammriss

    Der Damm befindet sich zwischen Scheide und Darmausgang und besteht aus Muskelgewebe, dass während der Geburt extrem gedehnt wird. Zum Riss kommt es, wenn das Gewebe zwischen Scheide und After diesen Druck nicht mehr aushält und reißt. Der Dammriss zählt zu den am häufigsten vorkommenden Geburtsverletzung. Typische Ursachen sind ein zu frühes und zu starkes Pressen sowie die Größe und Gewicht des Babys. Größere Dammrisse werden meistens genäht, kleine oberflächlichere Risse verheilen von allein.

    Dammrisse werden je nach Ausdehnung in vier Grade unterteilt:

    1. Grad. Bei einem Dammriss ersten Grades sind nicht das Dammgewebe selbst, sondern „nur“ die Haut von Scheide und Damm leicht verletzt.

    2. Grad. Wenn die Muskulatur des Damms bis höchstens zum äußeren Schließmuskel reißt, spricht man von einem Dammriss zweiten Grades. In diesem Fall bleibt der Schließmuskel unversehrt.

    3. Grad. Reißt auch der äußere Schließmuskel des Darmausgangs, spricht vom dritten Grad.

    4. Grad. Bei einem Dammriss vierten Grades ist sowohl die Darmschleimhaut und die vordere Wand des Enddarms gerissen.

    Dammschnitt

    Bei Komplikationen unter der Geburt kann es nötig werden den Geburtskanal zu vergrößern, um die Gebärende und das Baby durch einen ggf. kürzeren Geburtsverlauf zu entlasten. Dies vor allem, wenn Geburtszange und Saugglocke zum Einsatz gekommen sind. Bei einem Dammschnitt wird der Damm von einem Geburtshelfer mit einer Dammschere eingeschnitten. Der Dammschnitt wird heutzutage allerdings nur noch sehr selten vorgenommen, da er wesentlich schlechter verheilt als ein von „allein“ auftretender Dammriss. Sowohl der Dammriss wie auch der Dammschnitt werden ggf. mit einer selbstlösenden Naht versehen.

    Der Dammschnitt wird auf dem Höhepunkt einer Wehe, wenn der Spannungsschmerz am größten ist, ausgeführt. In der Regel bekommen die Frauen ihn gar nicht mit.

    Analfissur

    Eine Analfissur kann im Gegensatz zu den anderen Geburtsverletzungen sowohl vor als auch nach einer Geburt in der frühen Stillzeit auftreten. In diesem Fall vor allem durch die veränderten Stuhlgewohnheiten und dadurch auftretenden Hämorrhoiden. Unter der Geburt ist der Grund häufig ein zu starkes Pressen oder ein schwaches Bindegewebe, wodurch die Haut am After einreißt. Bei einer Analfissur reißt die Darmschleimhaut im Bereich des Enddarms ein. Die in diesem Bereich häufig vertretenden Keime und Bakterien können eine Heilung extrem erschweren.

    Zur Behandlung bzw. Linderung werden von Ärzten oft Zäpfchen, Cremes oder Salben verschrieben. Bei Hämorrhoiden helfen häufig auch Nasensprays, bei Schwangeren und stillenden Müttern sollte aber auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden.

    Scheidenriss

    Vom Scheidenriss oder Labienriss redet man, wenn die Schamlippen und/oder die Vagina eingerissen sind. Ein Scheidenriss tritt vor allem nach Gebrauch einer Geburtszange oder Saugglocke auf und wird von Blutungen begleitet. Kleine Scheidenrisse treten bei fast jeder vaginalen Geburt auf. Glücklicherweise werden sie von den Gebärenden selten bemerkt. Ein längerer oder tieferer Scheidenriss wird im Normalfall genäht.

    Der Scheidenriss wird nicht selten erst bei einer nachgeburtlichen Untersuchung erkannt. Er kann einerseits extrem als auch weniger schmerzhaft sein. Ein Riss der Schamlippen ist dagegen fast immer sehr schmerzhaft. Dies liegt vor allem an den vielen Nervenenden, die sich in den Schamlippen befinden. Wenn ein Scheidenriss beim Kopfaustritts des Babys entsteht, ist im Nacken des Neugeborenen häufig ein sogenannten Blutkragen sichtbar.

    Zervixriss

    Bei einem Zervixriss kommt es zu einem Riss des Gebärmutterhalses. In der Regel sind diese sehr klein und zu dem eher weniger schmerzhaft. Ebenso wie ein kleiner Dammriss heilen sie meistens von allein. Bei einem großen Zervixriss wird die Gebärmutterarterie (Arteria uterina) verletzt, die anschließend sofort genäht werden muss, um größere Blutverluste zu vermeiden. Ein größeres Risiko, dass es bei einer weiteren Geburt zu einem erneuten Zervixriss kommt, soll nicht bestehen.

    Uterusruptur

     Als Uterusruptur bzw. der Gebärmutterriss wird ein Riss bzw. ein Zerreißen der Gebärmutterwand bezeichnet. Dabei wird zwischen einem kompletten Riss durch alle Schichten, einschließlich der glatten Auskleidung der Bauchhöhle und einem kleinen Riss in der glatten Muskulatur der Gebärmutterwand unterschieden.

    Sollte es zu einem Gebärmutterriss kommen, machen sich sofort starke Schmerzen bemerkbar, die sich über die Gebärmutter hinaus auf den gesamten Bauch ausweiten. Gebärende haben oft das Gefühl, von innen zu zerreißen. Ein Gebärmutterriss führt zu starken Blutungen und kann nur durch einen Kaiserschnitt genäht werden.

    Die typischen Ursachen sind eine Vorschädigung der Gebärmutter, eine überdehnte Muskulatur, ein enges bzw. eine wenig dehnbare Beckenmuskulatur sowie die Querlage des Babys.

    Eine Uterusruptur kündigt sich häufig bereits während der Schwangerschaft an. Betroffene äußern sich häufig sehr besorgt und klagen über starke Schmerzen an der Gebärmutter. Insbesondere der so genannte Wehensturm weist auf Komplikationen bei der Geburt hin. Die Frequenz der Wehen erhöht sich dann im Vorfeld der Geburt ständig.

    Eine Spontanruptur kann dagegen durch eine Endometriose oder einem Blutschwamm (Hämangiom) verursacht werden.

    Die Uterusruptur zählt zu den schwerwiegendsten Geburtsverletzungen, die bei einer Geburt auftreten können. Glücklicherweise treten sie nur sehr selten auf.

    Wie kann man Geburtsverletzungen vorbeugen?

    Himbeerblättertee

    Dem Himbeerblättertee wird nachgesagt, dass er eine Geburt sowohl erleichtern und auch verkürzen kann, indem er den Dammbereich und die Muskulatur des Beckenbodens entspannt und elastischer macht. Wegen seiner wehenfördernden Wirkung sollte er allerdings nicht vor der 34. Schwangerschaftswoche getrunken werden.

    Die Dosierung sollte immer mit der eigenen Hebamme besprochen werden. Vor allem weil Himbeerblättertee bei schwachem Bindegewebe sich sogar schädlich auswirken kann. Mehr dazu in unserem Artikel „Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Dammmassage

    Regelmäßige Dammmassage in der Schwangerschaft und vor allem tägliche in den letzten 6 Wochen vor der Geburt verringern die Notwendigkeit eines Dammschnitts und das Risiko anderer Geburtsverletzungen. Die Dammmassage dehnt das Dammgewebe und bereitet es so auf das Dehnungsgefühl bei der Geburt vor.

    Selbst ein späterer Beginn kann sich noch positiv auf den Geburtsverlauf auswirken.

    Weil eine Dammmassage eine ziemlich intime Angelegenheit ist und sich manche Frauen dabei besonders am Anfang unwohl fühlen, ist es wichtig es sich so gemütlich wie möglich zu machen.

    Ganz wichtig: sich vor Beginn die Hände und Fingernägel gründlich zu reinigen.

    Ein angenehm duftendes Massage-Öl erleichtert es vielen Schwangeren sich auf die Massage einzulassen und zu entspannen.

    Eine halbsitzende Position wird von vielen Schwangeren bevorzugt, am besten mit einem dicken Kissen im Rücken. Alternativ im Stehen, mit einem Bein erhöht.

    Durchführung der Massage

    Das Öl sanft zwischen den Fingerspitzen verreiben, bis es sich angenehm warm anfühlt. Anschließend einen Daumen in die Scheide einführen und den Zeigefinger auf den Damm legen. Mit kreisenden Bewegungen massiert der Daumen die Scheidewände, der Zeigefinger unterstützt ihn von außen.

    Wenn ihr euch euren Intimbereich als Uhr vorstellt, kommt es vor allem auf den Bereich unterhalb von 3 und 9 Uhr an.

    Alternativ kann man auch einen oder mehrere Finger in die Scheide einführen und den Damm langsam Richtung After dehnen.

    Heublumen-Dampfbäder

    Ein Heublumenbad ist ein einfacher und unkomplizierter Weg, sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Neben einer Auflockerung der Muskulatur kann ein Sitzbad mit Heublumen die Durchblutung anregen und mögliche Verspannungen lösen.

    Ab der 38. Schwangerschaftswoche und selbst während der Wehen können Heublumen noch helfen den Beckenboden weich und geschmeidig zu machen.

    Um den Beckenboden elastischer zu machen, die Durchblutung anzuregen und mögliche Verspannungen zu lösen, empfehlen viele Hebammen ein Heublumenbad. Entweder als Dampfbad oder Sitzbad durchgeführt. Ab der 38. Schwangerschaftswoche kann mit ein- bis zwei Sitzungen pro Woche begonnen werden.

    Für ein Heublumen-Sitzbad gibt man einen Esslöffel getrocknete Heublumen in eine Schüssel und übergießt sie mit einem Liter heißem Wasser, alternativ kann man auch ein Heublumenextrakt nehmen. Die Schüssel stellt man anschließend in die Toilette, klappt den Klodeckel herunter und lässt das Heublumenbad etwas ziehen. Vorsicht! Sich erst daraufsetzen, wenn die Hitze gut auszuhalten ist, dies kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Am besten legt man sich dabei ein Handtuch über die Beine. Als Richtwert kann man 10 Minuten pro Sitzung ansetzen ansonsten bleibt man solange sitzen, wie die Wärme guttut. Ein schönes Buch kann die entspannende Wirkung des Sitzbades verstärken.

    Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Heublumen-Sitzbad in einer Badewanne zu machen. Ein Vollbad mit könnte zu belastend für den Kreislauf sein. Um die Heublumen anschließend nicht aus dem Wasser sammeln zu müssen, kann man sie zuvor in eine Musselintuch knoten. Alternativ kann man die getrockneten Heublumen auch in einem passenden Sieb in die Wanne legen.

    Das Wasser darf zum Aufgießen ruhig heiß sein und der Sud ruhig eine Weile ziehen ohne dass das Sitzbad zu kalt wird. Vor dem Einsteigen in die Wanne unbedingt die Temperatur prüfen.

    Beckenbodentraining

    Gezielte Übungen des Beckenboden können dazu beitragen seine Muskulatur zu stärken und elastischer zu machen. Dies verringert das Risiko einer Geburtsverletzung vor allem die eines Dammrisses bzw. -schnittes. Nähere Informationen zu den Übungen findet ihr hier.

    Die richtige Geburtsposition

    Die richtige Geburtsposition hilft einer Geburtsverletzung vorzubeugen, in dem die Schwerkraft genutzt wird, das Baby aus dem Geburtskanal zu bringen. Die Position auf dem Rücken liegend mit auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen ist für den Damm belastend und nutzt die Schwerkraft nicht ausreichend. Das kann eine Geburtsverletzung begünstigen.

    In unserem Artikel „Geburtspositionen – hockend, auf allen vieren oder doch lieber liegend? „ findet ihr einen Überblick über alle Geburtspositionen mit ihren Vor- und Nachteilen.

    Kalte Kompressen während der Geburt

    Kalte Kompressen zwischen den Wehen auf dem Dammbereich kühlen und entspannen das Gewebe und wirken durchblutungsfördernd.

    Die richtige Einstellung

    Während des Geburtsverlaufs ist es extrem hilfreich seinem Körper und dem Baby zu vertrauen. Sie wissen wie Geburten „funktionieren“. Dies hilft entspannt zu bleiben und sich von seinem Körper führen zu lassen. Sorgenvolle oder ängstliche Gedanken lassen den Körper, vor allem den Kiefer und den Beckenboden verkrampfen. Diese Verkrampfungen fördern die Risiken einer Verkrampfung.

    Auch wenn Geburtsverletzungen sich generell nicht verhindern lassen, so sich die Schwangere auch auf die Geburt vorbereitet, hilft eine gute Vorbereitung sein Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess zu stärken.

    Weitere Informationen dazu findet ihr bei familienplanung.de einer unabhängigen und wissenschaftlichen Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    Wie werden Geburtsverletzungen behandelt?

    Die am häufigsten auftretenden Geburtsverletzungen sollten kein Grund sein, sich das Mutterglück und die vielleicht wichtigste und kostbarste Zeit mit dem neuen Familienmitglied trüben zu lassen.  

    Geburtsverletzungen - Mutter mit Baby beim Kuscheln

    Die meisten Verletzungen müssen nicht von einem Arzt behandelt werden und können mit recht einfachen und sanften Maßnahmen unterstützt werden. Sie können mit Schonung, Cremes und Kühlpads behandelt werden. Schwerere Verletzungen müssen dagegen in der Regel von einer Hebamme oder einem Arzt genäht werden.

    Frauen die eine PDA (Periduralanästhesie) erhalten haben, können direkt genäht werden, die Frauen ohne PDA erhalten eine örtliche Betäubung.

    Bei schwerwiegenden Geburtsverletzungen kann gegebenenfalls eine Operation unter Vollnarkose nötig werden. Dies kann trifft zum Beispiel bei einem Dammriss 4. Grades zu (siehe oben).

    Behandlung eines Dammschnitts und -risses

    Sehr häufig wird der „jungen“ Mutter nach einem Dammschnitt eine schmerzstillende Creme verschrieben. Die vor allem die Schmerzen abmildern. Bei geringeren Schmerzen wird von Hebammen die homöopathische Traumeel Salbe oder gleichnamige Tabletten empfohlen. Diese sollen den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Zudem ist es sowohl hilfreich auch als wohltuend den geschwollenen Damm ausreichend und regelmäßig zu kühlen. Dazu bieten sich Kühlkompressen, Quark- oder Topfenwickel an.

    Diese Kompressen oder Wickel alle 4 bis 6 Stunden für etwas 5 Minuten in ein Handtuch oder Waschlappen auf die Wunde legen. Eine zu häufige Verwendung und zu kalte Kompressen kann die Heilung verzögern, da dies die Stoffwechselprozesse verlangsamen kann.

    Alternativ können zur sanften Unterstützung des Heilungsprozesses Kompressen mit Hamamelis-Extrakt verwendet werden. Das Hamamelis-Extrakt wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch kühlend, reinigend und entzündungshemmend. Zur Anwendung nimmt man einen Teelöffel des Extrakts und verrührt diese in 100 ml handwarmen Wasser. Anschließend wird ein Tuch ins Wasser hineingelegt und dieses bis zu 3-mal täglich 20 Minuten lang auf die Naht und den Schambereich gelegt.

    Sitzbäder zur Behandlung von Geburtsverletzungen

    Auch Sitzbäder mit Arnika, Calendula und Kamille helfen beim Abschwellen von Blutergüssen. Die Sitzbäder sollten täglich für ca. 15 Minuten bei einer Wassertemperatur von 35° C angewendet werden.

    Ein schonendes, antibakterielles Öl eignet sich gut. Am besten fragst du hier deinen Arzt, deine Hebamme oder eine Apothekerin. Eine Massage solltest du nur an verheilten Stellen anwenden – es geht hier um die Narbenpflege!

    Ein mildes und rein pflanzliches Öl kann sehr hilfreich bei der Pflege und zum Schutz eines Hämatoms, eines Dammrisses oder -schnitts sein. Dies gilt insbesondere für die Verwendung im empfindlichen Anal- bzw. Intimbereich. Aus diesem Grund sollte es am besten mit einem Arzt oder Hebamme abgeklärt werden. Unser Ansicht nach gehört es in jede Kliniktasche und kann zudem während der Geburt zur Massage verwenden werden.

    Weil viele Frauen nach einem Dammschnitt bzw. -riss befürchten, dass sich die Naht durch den Druck beim Stuhlgang aufreißen könnte, ist es wichtig nach der Geburt und insbesondere nach einer Geburtsverletzung viel Wasser zu trinken. Durch das viele Trinken und eine gut verdauliche Ernährung kann die Konsistenz des Stuhlgang positiv beeinflusst werden.

    Ruhe und Sauberkeit beschleunigen die Heilung

    Auch wenn in den Medien gerne suggeriert wird, dass ein perfekter After-Baby-Body schon wenige Wochen nach der Geburt normal oder zumindest möglich ist, sollten die ersten Tagen und am besten Wochen nach der Geburt im Zeichen von Ruhe, Schonung und Bonding mit dem Baby stehen.

    Dies wirkt entlastend auf jedwede Verletzung im Dammbereich. Deshalb empfehlen wir in den ersten Wochen auch viel zu liegen und möglichst wenig zu laufen, sitzen oder zu stehen. Nicht umsonst heißt diese Zeit „Wochenbett“.

    Am besten setzt man sich mit Geburtsverletzungen auf eine weiche Unterlage. Ebenso kann das Tragen einer Miederhose in den ersten Tagen und Wochen schmerzlindernd wirken.

    Den gleichen Stellenwert sollte die richtige Hygiene im Intimbereich haben. Dazu gehört, dass vermeiden von „scharfen“ Produkten, wie handelsübliche Feuchtigkeitstücher. Lauwarmes oder kaltes Wasser ist in diesem Fall die bessere Alternative. Häufig beschleunigt die Zugabe von Calendula-Essenzen (1 bis 2 Teelöffel auf ca. ¼ Liter Wasser) denn Heilungsprozess.

    Bei Geburtsverletzungen ist der Dammbereich nach dem Stuhlgang vorsichtig von vorn nach hinten zu gereinigen. Alternativ kann für eine gründlichere Hygiene auch eine Intimdusche und/oder ein Reinigungsmittel für den Intimbereich verwendet werden.

    Euer Babytalk-Team

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  • Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt: Welcher Geburtsort soll es sein?

    Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt: Welcher Geburtsort soll es sein?

    Spätestens mit dem fortschreiten eurer Schwangerschaft stellt ihr euch die Frage nach dem Geburtsort für eine sichere Geburt. Dabei ist es vor allem wichtig, dass ihr Eltern euch wohl fühlt und was ihr denkt, wo euer Baby am liebsten die Welt erblicken würde? Diese beiden Fragen können euch werdenden Eltern und insbesondere euch werdenden Müttern helfen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wo ihr euch am sichersten fühlt.

    Nachfolgend stellen wir euch die verschiedenen Geburtsorte mit ihren Eigenheiten, sowie Vor- und Nachteilen vor.

    Geburtsort: Klinik

    Vor allem Erstgebärende wünschen sich eine Klinik als Geburtsort, da die Unsicherheit groß ist, wie eine Geburt abläuft und was dabei auf sie zu kommt. Dort fühlen sie sich sicher. Nicht zuletzt spricht die schnelle Bereitschaft der Ärzte bei größeren Schwierigkeiten während der Geburt sowie beim Neugeborenen dafür.

    Nachteilig bei länger dauernden schichtübergreifenden Geburten ist es, dass die werdenden Eltern gegebenenfalls von mehreren Geburtshelfern begleitet werden. Einige Kliniken haben Verträge mit sogenannten Beleghebammen, so dass die Eltern über die gesamte Dauer der Geburt von einer von ihnen persönlich ausgewählten Hebamme begleiten werden können.

    Bei einer Steiß- oder Querlage des Babys oder schwerwiegenden Erkrankungen bei Mutter oder Kind ist eine Klinikgeburt nahezu unausweichlich bzw. angezeigt.

    Mittlerweile bieten viele Geburtskliniken Alternativen neben den konventionellen Methoden der Geburtsintervention, wie Wehentropf oder PDA (Periduralanästhesie) an.

    Betreuung durch eine Doula

    Eine Doula ist eine mit dem Verlauf einer Geburt vertrauten Person, die die werdende Mutter bzw. Eltern während der Geburt durchgehend im Kreißsaal betreut.

    Sie kümmert sich um das Wohlergehen Eltern und hilft der Mutter mit Massagegriffen zu entspannen. Auf Wunsch übernimmt sie auch die Kommunikation mit den Geburtshelfern des Krankenhauses, z.B. um den Eltern, den von ihnen gewünschten Geburtsverlauf soweit es die Gesundheit von Mutter und Kind zulässt, zu gewährleisten.

    Ist ein einladender Geburtsraum vorhanden?

    Geburtsort

    Bei der Auswahl der Geburtsklinik, sofern eine Auswahl überhaupt zur Verfügung steht, sollte die Ausstattung der Kreißsäle berücksichtigt werden. Handelt es sich um kalte sterile Klinikräume oder sind sie eher „gemütlich“ eingerichtete Gebärzimmer.

    Wie sieht das Bett aus, ist es ein typisches Kranken Bett oder schon ein rundes Bett, welches zum „Verweilen“ einlädt. Möglicherweise ist es schon mit einem flexibel „aufstellbaren“ für alle Geburtspositionen geeigneten Bett ausgestattet.

    Gibt es einen großen Sitzball, Gebärschemel oder ein Seil bzw. Tuch, an denen sich die Gebärende während der Wehen festhalten kann?

    Ist eine Wanne zur Entspannung oder Wassergeburt vorhanden?

    Nicht zu vergessen ist die Einrichtung der Wochenbettstation. Ist das Bad direkt angegliedert und für wie viele Mütter ist es vorgesehen.

    Um all diese Punkte zu beachten, ist es wichtig, sich frühzeitig nach einer passenden Klinik umzuschauen und vorzustellen. Wenn die Kreißsäle und Arbeitsweise zusagen, ist es sinnvoll sich voran anzumelden, damit dies, wenn es soweit ist, weniger Zeit in Anspruch nimmt.

    Geburtsort: Die ambulante Geburt im Krankenhaus

    Eltern, die nicht auf die Sicherheit einer Geburtsklinik verzichten und nach einer natürlichen Geburt so schnell wie möglich wieder nach Hause wollen, können dies nach einer ambulanten Geburt nach 24 Stunden. Vorausgesetzt Mutter und Kind geht es gut und die Geburt verlief ohne größere Komplikationen.

    Für die Betreuung nach einer ambulanten Geburt muss für eine Hebamme organisiert werden. Für die U2 Untersuchung nach dem dritten Lebenstag muss in diesem Fall ein Kinderarzt aufgesucht werden. Der Termin sollte soweit möglich bereits vor der Geburt ausgemacht werden.

    Geburtsort: Geburtshaus

    Geburtsort - Das Geburtshaus

    Geburtshäuser verzichten im Gegensatz zu Kliniken ganz auf den Einsatz von der PDA als von außen einwirkende Hilfe. Sie stehen für einen natürlichen Geburtsprozess, der so nicht in jeder Geburtsklinik umsetzbar ist oder verfolgt wird. Dies liegt nicht zuletzt an der Unrentabilität einer länger dauernden natürlichen Geburt.

    Die hier tätigen Hebammen setzen mehr auf ganzheitliche Mittel wie Homöopathie, Bachblüten-Essenzen, Aromatherapie sowie Akupressur oder Akupunktur. Als von außenwirkenden Geburtshilfen schwören viele Geburtshäuser auf Anwendungen in warmen Wasser.

    Leider werden die Betriebskostenpauschalen in der Höhe von ca. 300 Euro nicht von den Krankenkassen übernommen Unserer Ansicht nach eine sehr sinnvolle Investition. Auch wenn man für die anschließende Betreuung durch eine Hebamme und der U2 durch einen Kinderarzt, wie bei einer Hausgeburt selber verantwortlich ist. Die U1 wird in der Regen noch von der Hebamme übernommen.

    Der Kontakt zur Hebamme

    In einem Geburtshaus beginnt der Kontakt zur Hebamme häufig bereits in den von ihnen angebotenen Geburtsvorbereitungskursen. Und da die Anzahl der dort tätigen Hebammen sehr überschaubar ist, ist die Voraussetzung für einen vertrauensvollen Kontakt gegeben.

    Ausstattung der Geburtsräume

    Nach der Gesundheit von Mutter und Kind sind Entspannung und Vertrauen die wichtigsten Voraussetzungen für eine schöne Geburt. Dementsprechend sind die Räume heimelig eingerichtet. Damit es nicht zu größeren Schwierigkeiten kommt, sind Geburtshäuser mit Herzwehen-Schreiber und Notfall-Sauerstoffgeräten ausgestattet. Falls es während der Geburt zu größeren Schwierigkeiten kommt, kann die werdende Mutter zeitnah in eine Klinik verlegt werden. Denn Geburtshäuser müssen immer in der Nähe einer Klinik angesiedelt sein.  

    Wer kümmert sich um Mutter und Kind nach der Geburt?

    Wünschenswert wäre in den meisten Fällen bestimmt die liebevolle Versorgung der jungen Mutter und ggf. der älteren Geschwister durch den Vater. Sofern dieser sich freinehmen kann. Des weiteren könnte die eigene Mutter, Schwester und oder Freundin die Familie in den ersten Tagen nach der Geburt beim Einkaufen, Essen kochen, Putzen etc. unterstützten.

    Zudem besteht die Möglichkeit eine Familienhelferin bzw. Mütterpflegerin zu beauftragen. Die Kosten werden größtenteils von der Krankenkasse übernommen.

    Geburtsort: Zu Hause

    Für die Mütter bzw. Eltern, die sich in der eher sterilen Umgebung einer Klinik nicht wohl fühlen und für die auch das Geburtshaus nicht in Frage kommt, besteht ggf. die Möglichkeit das Kind zu Hause zur Welt zu bringen. Gegebenenfalls unter anderem deshalb weil kaum noch Hebammen Hausgeburten begleiten. Was neben an den hohen Versicherungsbeiträgen vermutlich vor allem an dem gestiegenen Risiko bei Komplikationen verklagt zu werden, liegt.

    Bevor eine Hausgeburt angegangen werden kann, muss am besten direkt nach Bekanntwerden der Schwangerschaft eine Hebamme gesucht werden. Später ist die Chance eine hausgeburtbegleitende Hebamme zu finden schon fast aussichtslos.

    Die Zahl der Hausgeburten ist in den letzten Jahrzehnten extrem gesunken und so kommen derzeit in Deutschland gerade noch zwei Prozent aller Kinder nicht in einer Klinik zur Welt. Nach Abzug der Geburten in einem Geburtshaus bleiben vermutlich weniger als ein Prozent der Babys, die zu Hause zur Welt kommen.

    Hebammen, die eine Hausgeburt begleiten setzen eine Rufbereitschaftspauschale in Rechnung. Diese wird derzeit je nach Krankenkasse in Höhe von ca. 250 Euro übernommen.

    Die Voraussetzungen für eine Hausgeburt sind überschaubar. So muss im Notfall der Zugang des Geburtsraumes mit einer Trage sowie die Anfahrt durch einen Krankenwagen ans Haus bzw. eine zeitnahe Erreichbarkeit einer Geburtsklinik gewährleistet sein. Eine Wärmelampe ist wünschenswert.

    In der Mehrheit handelt es sich bei Hausgeburten nicht um Erstgebärende. Diese Eltern wünschen sich häufig eine selbstbestimmte Geburt innerhalb des familiären Umfelds. Diese Eltern haben sich in der Regel sehr gut über die Geburt und deren Risiken informiert. Zudem haben sie ein großes Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess und in das Können der sie begleitenden Hebamme. Diese haben sie in der Regel bereits im Geburtsvorbereitungskurs näher kennengelernt.

    Inwieweit ist eine Notfallversorgung bei einer Hausgeburt gewährleistet?

    Viele Mediziner haben eher kein Verständnis bei dem Wunsch von werdenden Eltern zu Hause zu gebären. Nichtsdestotrotz sind Hausgeburts-Hebammen heutzutage auch notfalltechnisch besser ausgerüstet. Sie haben sie ein mobiles Überwachungsgerät und ein Notfall-Sauerstoffgerät dabei.

    Zu beachten ist, dass die werdenden Eltern sich vor der Geburt bei einer Klinik zwecks der Versorgung und Erreichbarkeit im Notfall melden sollten. Dies erspart im Ernstfall das zeitraubende und nervtötende Klären von Formalitäten.

    Fazit

    Wir empfehlen euch werdenden Eltern, euch genau über den Geburtsverlauf sowie über die in fragekommenden Geburtsorte und Geburtspositionen zu informieren. Am besten solltet ihr diese zuvor besichtigen und euch nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden geben! Die Geburt ist häufig nicht nur für die Neugeborenen eine traumatische Erfahrung. Sie beeinflusst vor allem deren Überzeugungen über die Welt, in die sie hineingeboren werden. Egal was eure eigenen oder Schwiegereltern sagen, vor allem die werdende Mutter muss sich sicher und gut in dem ausgewählten Geburtsort fühlen.

    Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

    Beitragsfoto: SimpleFoto / Canva Pro
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  • Die wichtigsten Funktionen der Plazenta während der Schwangerschaft

    Die wichtigsten Funktionen der Plazenta während der Schwangerschaft

    Die Plazenta oder auch Mutterkuchen genannt, beginnt sich nach der Nidation bzw. der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut zu entwickeln.

    Plazentaaufbau und Aussehen

    Für die Versorgung des Embryos mit Nährstoffen für dessen Zellwachstum, wachsen Chorionzotten auf der äußeren Eihaut des Embryos. Sie stellen die erste Verbindung zwischen der Mutter und Embryo dar. Später bilden sie mit ihrem dichten und weitverzweigten Netz von Blutgefäßen die Plazenta.

    Sie besteht aus dunkelrotem, schwammigem Gewebe mit baumartig verzweigten kleinen und großen Blutgefäßen. In dem Raum zwischen der mütterlichen und kindlichen Seite befinden sich viele Zotten mit Verästelungen, an deren Oberfläche der Austausch zwischen mütterlichem und kindlichem Blut stattfindet.

    Der Mutterkuchen wächst mit dem heranwachsen des Fetus und hat bis zur Geburt die Form einer ca. 2-4 cm dicken und im Durchmesser ca. 20 cm großen Scheibe und wiegt durchschnittlich 500 Gramm.

    Sie bildet während der Schwangerschaft ein extrem leistungsfähiges Organ und übernimmt die Aufgaben der Lunge, Niere, Leber und Darm etc. des Fetus. Mit deren zunehmenden Leistungsfähigkeit überlässt sie den Organen des Fetus immer mehr Aufgaben, bleibt aber für diesen bis zur Geburt ein lebensnotwendiges Organ.

    Eine gesunde Plazenta sieht ein wenig wie eine frische Leber aus. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Der Mutterkuchen kann löchrig sein und Verkalkungen aufweisen. Diese Fälle sind jedoch ungefährlich für das ungeborene Baby.

    Funktionen und Aufgaben der Plazenta

    Die Plazenta übernimmt während der Schwangerschaft die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff, Nährstoffen und Hormonen (Östrogen und Progesteron), die die Schwangerschaft aufrechterhalten. Dies sind Stoffe, die der Fetus für den Aufbau seines Körpers und für seine Energieversorgung braucht.

    Hierbei handelt es sich vor allem um Glukose, Proteine, Fette, Aminosäuren, Elektrolyte und Vitamine. Diese Stoffe werden über die Plazenta vom mütterlichen in den Blutkreislauf des Kindes übergeben.

    Gleichzeitig schützt die Plazenta den Fetus vor Bakterien, Viren und andere schädliche Stoffe und indem es ihn mit selbsterstellten Immunstoffen zur Infektionsabwehr versorgt. Unteranderem durch diese Immunglobuline und weitere Antikörper ist das Baby im ersten Lebensjahr gegen viele Infektionserkrankungen geschützt, was auch als Nestschutz bezeichnet wird.

    Da das heranwachsende Baby selbst noch keine Darm- und Lungenfunktion sowie keine soweit entwickelte Nierenfunktion besitzt, übernimmt die Plazenta die Aufgabe der Entsorgung von Abfallprodukten, die der Kreislauf des Fetus hervorbringt Dabei handelt es sich um Kohlendioxid, Harnstoff, Harnsäure, Milchsäure und Wasser.

    Über die Plazenta können allerdings auch Medikamente und Gifte, wie Alkohol und Nikotin in den Blutkreislauf des Fetus gelangen. Aus diesem Grund sollte sich jede Schwangere sehr gesundheitsbewusst ernähren, bestimmte Medikamente und schädliche Stoffe vermeiden, sowie sich vor umweltbedingten Risiken schützen.

    Die Nabelschnur

    Die Nabelschnur beginnt in der Regel ab der 7. Woche der Schwangerschaft mittig aus der Plazenta hervor zu wachsen. Mit der Größe des Fetus wächst auch die Nabelschnur mit, wobei die Bewegungen des Fetus das Wachstum zusätzlich anregen. Damit passt sich die Nabelschnur immer der Größe und dem Bewegungsdrang des heranwachsenden Babys an.

    Die Nabelschnur ist von einem geleeartigen Bindegewebe umgeben, welches die enthaltenden Blutgefäße vor einem Abknicken schützt, was sie zudem besonders elastisch macht und das Überleben des Fetus sichert. Ihre Spiralform verdankt die Nabelschnur den beiden Nabelarterien, die sich spiralförmig um die Nabelvene windet.

    Austauschfunktion

    Über die beiden Nabelschnurarterien des Fetus gelangt dessen sauerstoffarmes und mit Stoffwechsel-Abbaustoffen belastete Blut in die Plazenta. Die Auffrischung des sauerstoffarmen Blutes erfolgt, in dem dieses langsam auf der kindlichen Seite an der Stoffwechselmembran (Plazentaschranke) zwischen den Zotten hindurchsickert.

    Der mütterliche (Blut-) Kreislauf steuert diesen Austauschprozess und hält ihn zusammen mit dem „eigenen Pulsschlag“ der Zotten sowie das regelmäßige Zusammenziehen der Gebärmutter am Laufen.

    Frisches und mit viel Sauerstoff und Nährstoffen beladenes Blut der Mutter rinnt durch die Zotten der Membran von der mütterlichen zur kindlichen Seite.

    Da die Membran in der Plazenta für Blutkörperchen zu dicht ist, bleibt der Blutkreislauf der Mutter von dem des Fetus getrennt.

    Ort der Plazenta in der Gebärmutter

    Der Platz, an dem sich die Plazenta niederlässt, hängt vor allem von dem Ort der Einnistung ab. In der Regel wächst sie an der oberen Hälfte der Gebärmutter an. Nichts destotrotz kann es auch vorkommen, dass sie an der Vorder- oder Hinterwand der Gebärmutter festwächst, was in den allermeisten Fällen aber keine Probleme nach sich zieht.

    Wenn sich die Plazenta an der Vorderwand niedergelassen hat, kann es vorkommen, dass die Herztöne des Babys nicht so gut zu hören sind. Dagegen ist bei einer Hinterwandplazenta die Entnahme von Plazentagewebe problematischer.

    In wenigen Fällen kommt es vor, dass die Plazenta teilweise oder vollständig den Muttermund verdeckt, was bei der anstehenden Geburt zu Komplikationen führen kann. In der Regel wird dies schon frühzeitig im Ultraschall entdeckt.

    Plazentainsuffizienz

    Jede Störung der vielfältigen Aufgaben der Plazenta gefährdet die gesunde Entwicklung des Babys. Dies zeigt sich bei einer Ultraschalluntersuchung häufig durch eine Wachstumsstörung oder -verzögerung beim Fetus. Durch weitergehende Ultraschalluntersuchungen werden die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ermittelt. In den meisten Fällen ist sowohl eine Stressreduzierung als auch körperliche Schonung erfolgreich, die Plazenta wieder ausreichend mit Blut versorgt.

    Die Nachgeburt

    Im Anschluss auf die Geburt erfolgt die sogenannte Nachgeburt, in der die Plazenta „geboren“ wird.

    Um die Plazenta von der Gebärmutter zu lösen, werden von ihr Gewebehormone bzw. Prostaglandine ausgeschüttet, die die sogenannten Nachwehen fördern. Das Anlegen des Neugeborene nach der Geburt verstärkt die Nachwehen, wenn nicht wird der Mutter das wehenfördernde Hormon Oxytocin verabreicht.

    Die Nachwehen, die normalerweise zwischen. 10 und 30 Minuten dauern, sind zwar schmerzhaft, aber lange nicht mehr so schlimm wie die Geburtswehen.

    Kontraktionen der Gebärmutter verkleinern die Oberfläche an der die Plazenta an der Gebärmutter sitzt und führt dazu, dass sie sich abzulösen beginnt. Sie wird dann mit ungefähr 300 ml Blut ausgeschieden. Die starken Kontraktionen der Gebärmutter fördern zudem die Stillung der Blutung, indem sie die Gefäße abklemmen. Freigesetzte Gerinnungsfaktoren tragen zusätzlich zur Blutungsstillung bei.

    Erst nach der Geburt des Mutterkuchens ist die eigentliche Geburt abgeschlossen.

    Vorzeitige Plazentaablösung und deren Ursachen

    Eine vorzeitige Plazentalösung kann je nach Ausmaß der Ablösung eine akut lebensbedrohliche Situation darstellen. In sehr wenigen Fällen wird notfalls eine Geburt eingeleitet oder ein Kaiserschnitt vorgenommen. Glücklicherweise ist dies ein sehr seltenes, aber leider auch sehr tragisches Ereignis. Denn häufig kann das Leben des Kindes nicht gerettet werden kann.

    Ein vorzeitige Plazentalösung hat häufig folgende Ursachen:

    • hohes Alter der Schwangeren
    • zu starker Zug an der Plazenta durch eine zu kurze Nabelschnur oder eine Nabelschnurumschlingung
    • plötzlich auftretende Druckveränderungen innerhalb der Gebärmutter (z.B. nach einem Blasensprung)
    • Mangelhafte Versorgung der Plazenta mit Sauerstoff
    • Gefäßveränderungen, die zu einer verminderten Haftung führen (
    • körperliches oder psychisches Trauma (z.B. Sturz auf den Bauch, Unfall, Todesfälle)
    • Bluthochdruck
    • Blutgerinnungsstörung
    • zu viel Fruchtwasser
    • Tabak- und Kokainkonsum
    • Gefäßerkrankungen der Schwangeren
    • Infektion des den Fetus umgebenes Gewebe

    Nachgeburtsprüfung

    Die Nachgeburt wird sehr sorgfältig Form, Gewicht und das Aussehen (Plazenta, Häute der Fruchtblase, Nabelschnur) untersucht, um ausschließen zu können, dass Teile der Plazenta in der Gebärmutter verblieben sind.

    Falls Reste der Plazenta noch in der Gebärmutter verblieben sind (sog. Placenta accreta), wird der Arzt eine Ausschabung vornehmen, die in einer Kurznarkose durchgeführt wird, da diese Reste sonst zu gefährlichen Blutungen, Wucherungen und Infektionen führen können. die teilweise erst Tage nach der Geburt auftreten, aber für die Mutter lebensbedrohlich sein können.

    Zudem wird der Mutterkuchen auf Verkalkungen untersucht, die auf eine verminderte Funktion der Plazenta hinweisen können, was häufig bei Raucherinnen der Fall ist.

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: Jean-Patrick Godbout / Getty Images
  • Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Für viele Schwangere ist die Vorfreude auf das Baby auch mit Angst vor möglichen Geburtsschmerzen, sowie Sorge um das Wohlergehen des Babys verbunden. In einer solch angespannten Situationen ist es normal, dass die Atmung flacher und schneller wird. Mit dieser aufsteigenden Angst ziehen sich die Schultern häufig nach oben (Schutzhaltung) und der Kopf sinkt immer weiter runter Richtung Brustkorb. Als Konsequenz verspannen sich die Nackenmuskeln.

    Falls die Gebärende in einem solchen Moment nicht an das regelmäßige Atmen erinnert wird, kann sich die Angst bis hin zur Panik steigern. Der damit verbundene Sauerstoffmangel hat eine zunehmende Muskelkontraktion (Zusammenziehen der Muskulatur) zur Folge.

    Am besten ist es, die richtigen Atemtechniken für die Wehen bereits frühzeitig mit seinem Partner in einem Geburtsvorbereitungskurs zu erlernen. In denen meist verschiedene, auf die einzelnen Geburtsphasen oder Wehenstadien zugeschnittene Atemtechniken vorgestellt werden.

    Während der Schwangerschaft sollten diese am besten jeden Abend geübt werden, so dass sie bis zur Geburt ganz selbstverständlich werden.

    Die „richtige“ Atmung ist eine sehr wichtige Voraussetzung dafür, dass ihr die Geburt so entspannt und schmerzfrei, wie möglich erleben könnt.

    Vorteile der richtigen Atmung während der Geburt

    Die wichtigsten Vorteile sind:

    • Euer Baby wird unter der Geburt mit ausreichend Sauerstoff versorgt, damit es dieses traumatische Ereignis und seine Strapazen gut übersteht.
    • Sie gibt euch Kraft für den Geburtsprozess, der sich über Stunden oder manchmal auch über Tage hinstrecken kann.
    • Die Konzentration auf die Atmung und die damit verbundene Sauerstoffversorgung, hilft euren Muskeln sich zu entspannen und somit leichter zu dehnen.
    • Der bewusste (kontrollierte) Atemrhythmus stärkt euer Gefühl von Kontrolle und mindert Ängste.
    • Das Tönen beim Ausatmen, besonders bei öffnenden A-Lauten, fördert sowohl die Öffnung eures Muttermunds als auch die eures Beckenbodens. Dies erleichtert euch und eurem Kind die Geburt.
    • Das bewusste Atmen hilft den Wehenschmerz zu lindern und Verletzungen unter Geburt zu vermeiden. Darunter zählen der Dammschnitt, der Damm- und Scheidenriss sowie die Analfissur.

    So gelingt der Umgang mit den Geburtsschmerzen

    Unser Körper hat die erlernbare Fähigkeit, sich willentlich zu entspannen. Die Fähigkeit sich zu entspannen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten und störungsfreien Geburtsverlauf. Durch die Fokussierung auf die natürlichen Körperfunktionen können Schmerzen ausgeblendet bzw. vermindert werden.

    Geburtsschmerzen sind Hinweis auf eine „Blockade“

    Schmerzen während des Geburtsprozesses sind immer ein Hinweis, dass etwas gerade nicht passt. Die meisten Schmerzen entstehen durch extremen Druck des Babykopfes auf seinem Weg durch den Geburtskanal. Häufig ist die Position des Beckens gerade nicht optimal und der Kopf stößt gegen einen Knochen oder empfindsames Gewebe, wie z.B. den Damm. Wenn kein medizinischer Befund vorliegt, sollte geschaut werden, ob die Position der Gebärenden angepasst werden kann. Vor allem handelt es sich hierbei um Bewegungen, die auf das Becken einwirken.

    Weitere wirkungsvolle Entspannungstechniken, wie z.B. sie auch von der Lamaze-Organisation empfohlenen werden, helfen Spannungen und Verkrampfungen zu lösen und verhindern die Kontraktion der Muskulatur. Nur einer entspannten Muskulatur ist weich und fällt es leicht sich zu dehnen .

    Dabei ist es hilfreich bewusst ruhig in den Schmerz hinein zu atmen. Eine stockende Atmung wirkt krampffördernd, was die Geburtsschmerzen verstärken würde. Nicht weiter zu atmen bedeutet im Schmerz stecken zu bleiben und kann ohne Intervention durch einen Partner, Hebamme oder Doula leicht in einer Panik enden.

    Unsere Atmung hat einen Einfluss auf unsere Körperchemie und ist in der Lage uns in einen tiefen und ruhigen Bewusstseinszustand zu versetzen. Aus diesem Grund stellen wir euch nachfolgend die hilfreichsten Atemtechniken für die verschiedenen Geburtsphasen vor.

    Die Latenzphase – Beginn der ersten Vor-Wehen

    Diese Phase, die bis zu zwei Nächste dauern kann, wird von vielen noch nicht zu den Geburtsphasen gezählt. Sie ist gekennzeichnet durch das erstes Wehen-Ziehen im Bauch, wobei der Körper beginnt, seine Muskeln für die Geburt zu trainieren. Diese Wehen, werden Vor-Wehen genannt und dauern in der Regel weniger als 30 Sekunden und kommen noch sehr unregelmäßig.

    In dieser Phase ist es wichtig Ruhe zu bewahren, sich ablenken und am besten eine entspannte und krafttankende Zeit in der gewohnten Umgebung zu gönnen. Auf keinen Fall sollte die werdende Mutter sich in die Wehen hineinsteigern.“ Schwangere, die in der Latenzphase ins Krankenhaus kommen, werden in der Regel wieder nach Hause geschickt.

    Ein sicheres Startsignal, dass nun die Eröffnungsphase beginnt, ist, wenn die Schwangere mit den Wehen nicht mehr allein sein möchte. Jetzt ist ggf. der Zeitpunkt ins Geburtshaus oder Geburtsklinik zu fahren.

    Die Eröffnungsphase: Atemtechniken für die Wehen:

    Die Dauer der Eröffnungsphase kann sehr unterschiedlich lang sein. Beim ersten Kind beträgt sie durchschnittlich zehn Stunden. Sie kann aber auch bis zu 24 Stunden oder länger dauern. Dabei ist es wichtig, die Gebärende so weit wie möglich in Ruhe zu lassen, sodass sie in eine Art Trance-Zustand kommt und das Geburtsgeschehen an ihren Körper abgeben kann.

    Während des gesamten Geburtsprozesses ist das gleichmäßige und tiefe Atmen wichtig. Es vermeidet bzw. korrigiert immer wieder hektisches oder das Anhalten eures Atems.

    In der Eröffnungsphase kommen die Wellen in noch relativ großen Zeitabständen. Sie werden aber abgesehen von Unterbrechungen stetig kürzer und dauern zur Geburt hin ca. 1 bis 1,5 Minuten.

    Es gilt die Faustregel „Dreimal länger ausatmen als einatmen“ bzw. solange bis sich die Lungen „leer“ anfühlen.

    Wenn ihr also eine Welle anrollen spürt, holt tief Luft und atmet mit der Vorstellung in die Welle und euren Bauch hinein und lasst euren Ausatem durch euren locker und leicht geöffneten Mund sanft und ruhig fließend entweichen. Das Atmen in den Bauch weitet den Platz für euer Baby mehr als man denkt und macht es ihm leichter auf seinem Weg durch euer Becken.

    Manche Frauen empfinden das Tönen beim Ausatmen als mit Lauten wie einem „Ahhhh“ oder „Jaaaaa“ als sehr wohltuend. Probiert mit der Ausatmung sämtliche Anspannungen im Körper bewusst loszulassen. Legt dabei den Fokus vor allem auf euer ausatmen. Das Einatmen geschieht von allein.

    Heute empfiehlt man anders als früher kein Hecheln, da es zur Hyperventilation und somit zu Muskelkontraktionen führen kann.

    In der Wehenpause trägt eine lange und tiefe Atmung dazu bei, den Teufelskreis aus Muskelanspannung, Angst und Schmerz zu durchbrechen.

    Die Übergangsphase der Geburt: tiefe und ruhige Atemzüge helfen

    Viele Gebärende empfinden die Übergangsphase für sehr anstrengend, weil sie einen starken Druck auf ihrem Beckenboden spüren und dem Drang zu Pressen noch nicht nachgeben dürfen.

    In dieser Phase erfordert das Atmen eine große Konzentration.

    Atmet zu Beginn einer Wehe tief ein- und dann in vielen kleinen Stößen aus. Diese Atemtechnik solltet ihr bis zum Ende der Wehe fortsetzen. Nach dem Ende der Wehe ist es hilfreich, wenn ihr über euren geöffneten Mund einmal ganz tief ein- und ausatmet.

    Die Austreibungsphase: Atemtechniken für die Presswehen

    Sobald der Muttermund sich vollständig geöffnet hat, was bei ca. 10 cm der Fall ist, spricht man vom Beginn der Austreibungsphase. Mit der Austreibungsphase beginnt der letzte Abschnitt der Entbindung. Jetzt setzen die schmerzhaften Press- bzw. Austreibungswehen ein und die werdende Mutter beginnt, reflexartig zu pressen.

    Nun darf dem Pressdrang nachgeben werden und das empfinden die allermeisten Frauen als absolute Erleichterung.

    Dabei atmet die Frau zu Beginn einer Wehe tief ein, hält die Luft an und dann schiebt Richtung Beckenboden. So wird das Kind immer tiefer in den Geburtskanal geschoben.

    Allerdings sollte die Frau auch nicht zu lange die Luft anhalten, weil sonst die ausreichende Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind gefährdet wird. In diesem Fall sollte die Gebärende wieder tief Luft holen und den Prozess wiederholen.

    Als Daumenregel gilt, dass man etwa dreimal pro Wehe tief Luft holt und schiebt. Ist die Wehe vorbei, atmet man ruhig ein und aus. Die Wehenpausen muss man auf jeden Fall zum Verschnaufen und Kräftesammeln nutzen.

    Wichtig ist es bei der Atmung darauf zu achten, dass man nicht zu schnell ein- und ausatmet, denn sonst kann dies zu Kreislaufproblemen und Hyperventilation führen.

    Achtet beim Pressen bzw. beim Schieben darauf nach unten in Richtung euer Beckenboden zu schieben. Dabei ist es hilfreich, wenn ihr euch dies beim Atmen bildlich vorstellt.

    Geburtsschmerzen und -verletzungen vermeiden

    Sobald eine Wehe beginnt, atmet ihr tief ein. Mit eurem Ausatem schiebt ihr unterstützt durch ein Tönen, egal ob mit einem langgezogenen „Aaaah“, „Jaaaaa“ oder einem langen und sanften „Ffffff“ (bei dem ihr eure Lippen leicht vibrieren lasst“) euer Baby immer weiter aus euch heraus. So wird euer Damm entlastet und mögliche Geburtsverletzungen vermieden.

    Während einer Welle schiebt ihr so oft, wie es sich für euch gut anfühlt, was vermutlich drei- bis fünfmal sein wird, euer Kind Richtung Ausgang.

    Zwischen den Wellen hilft es euch auf ein tiefes Ein- und langes Ausatmen zu konzentrieren. Dies ist erholsam und verhindert, dass eure Muskulatur fest wird.

    Pausen beim Pressen

    Hinweis: In dem Moment, wo eure Hebamme euch auffordert, mit dem Pressen aufzuhören, vertraut ihr, hört auf mit dem Pressen und atmet weiter.

    Wenn ihr länger oder stärker als von eurer Hebamme empfohlen, presst, kann sich euer Damm nicht langsam dehnen, was leicht in einer Geburtsverletzung endet. In dieser Phase ist bereits das Köpfchen eures Babys sichtbar und ein zusätzlicher Druck auf den Damm gefährlich. Atmet in dieser Situation etwas flacher ein und aus, ohne es aber ganz zu vergessen.

    Euer Partner bzw. Begleitung sollten euch immer wieder liebevoll und bestimmt daran erinnern, tief Luft zu holen und lang und gedehnt auszuatmen.

    Auch wenn es euch schwerfällt und die Schmerzen schon sehr groß sind, widersteht dem Impuls die Luft anzuhalten. In der Regel ist die Angst unten zu zerreißen der Grund.

    Nutzt die Wirkung eines lockeren Kiefers auf eure Beckenmuskulatur.

    Das Tönen von öffnenden A-Lauten unterstützt die Weitung eures Beckens und hat somit einen unterstützenden Einfluss auf den Geburtsverlauf und lindert die Geburtsschmerzen.

    Macht euch immer wieder bewusst, „Euer Körper weiß, was zu tun ist! Vertraut dem natürlichen Prozess der Geburt. Euer Baby wird den Weg durch euer Becken finden. Eine liebevolle und mutmachende Begleitung wird euch dabei unterstützen, eure letzten Kräfte zu mobilisieren. Genauso wie die folgenden Atemübungen;

    Die Luftballon-Übung

    Atmet nach jeder Wehe einmal tief in den Bauch als wolltet ihr einen inneren Luftballon aufblasen. So bekommt euer Baby mehr Platz und eine Extraportion Sauerstoff.

    Die Eisenbahn-Übung

    Falls der Muttermund noch nicht weitgenug geöffnet ist, atmet wie eine Lokomotive auf tsch, tsch, tsch, tsch – Laute aus, um den Pressdrang zu unterdrücken.

    Die Zählmethode

    Das Zählen beim Einatmen und Ausatmen hilft euch ganz auf eure Atmung zu konzentrieren. Mit dem Effekt, dass ihr nicht gleichzeitig Grübeln und euch in Angst schürenden Gedanken verlieren könnt. Ängste lassen uns Verspannen und das ist etwas, was wir unter der Geburt absolut nicht gebrauchen können.

    Anspannungen und Ängste führten dazu, dass wir den Kiefer und damit gleichzeitig das Becken zusammenpressen.

    Übt gemeinsam die Zählatmung, in dem ihr dreimal so lange ausatmet, wie ihr einatmet. Zählt: „1, 2, 3“ beim Einatmen und „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9“ beim Ausatmen. Diese Methode nennt man Zählmethode und wird u.a. beim Hypnobirthing praktiziert.

    Geburtsmantras einsetzen

    Das „Aufsagen“ von oder Meditieren mit Mantras hilft sich zu fokussieren und alle anderen Gedanken immer wieder, wie bei einem Film, vorbeilaufen zu lassen. Das laute oder stille Aufsagen von Geburtsmantras hilft euch neben der Konzentration auf die Geburt sich durch ihre enthaltenden „Bilder“ zu öffnen. Ihr könnt die untenstehenden Mantras verwenden oder euch von ihnen inspirieren lassen und eigene formulieren.

    Geburtsschmerzen lindern - Geburtsmantras
    Geburtsmantras

     

    Massage und Reflexzonenmassage bei der Geburt

    Alles was während des Geburtsprozesses zur Entspannung der werdenden Mutter beiträgt ist willkommen. Alle sanften Berührungen und vor allem Massagen sind eine hervorragende Methode zur Entspannung und Schmerzlinderung, so kann sich die Muskulatur viel leichter und somit weniger schmerzhaft dehnen. Voraussetzung ist eine gute bzw. ausreichende Sauerstoffversorgung der Muskeln.

    Am besten immer wieder probieren, welche Körperstellen gerade als berührungsbedürftig empfunden werden.

    Es gibt aber auch Frauen, die zeitweise während der Schwangerschaft und vor allem während der Geburt nicht berührt werden möchten. Auch wenn es manchmal schwer verständlich ist, es sollte nicht als Zurückweisung aufgefasst und so von ihrem Partner respektiert werden.

    Als besonders wohltunend werden Druckmassagen im Bereich des Kreuz-bzw. Steißbeins empfunden. Auch das Rollen von sauberen Tennisbällen, Igelbällen sowie Massagestäben wirkt sehr entspannend.

    Zusätzliche Tipps

    Entspannungsübungen während der Schwangerschaft können euch dabei unterstützen, der Geburt mit Freude entgegenzusehen und bei den ersten Wehen ruhig zu reagieren.

    Viele Frauen verspüren bereits vor der notwendigen Öffnung des Muttermunds den Drang zu pressen, obwohl es dafür noch zu früh ist. In diesen Fällen kann es helfen, wenn ihr in den Vierfüßlerstand geht, dabei das Gesäß in die Höhe streckt und eine Wange auf den Boden ablegt. Und sobald eine Welle ankommt, atmen ihr immer wieder viermal stoßweise kurz aus und anschließend schnell wieder ein. Zwischen den Wehen atmen ihr wieder normal.

    Trotz möglichen Übens ist es völlig normal, dass es während der Geburt dennoch mal dazu kommt, dass ihr euch verkrampft. Dann ist es wichtig, dass ihr von eurem Partner und oder Doula dabei unterstützt werdet, euch wieder auf eure Atmung und euren Atemrhythmus zu konzentrieren.

    Falls ihr das Bedürfnis habt lauter zu atmen, zu tönen oder zu schreien, gibt eurem Bedürfnis nach. Für eure Geburtshelfer ist dies völlig verständlich und normal.

    Sie erleben dies tagtäglich. Euer Partner sollte zuvor, z.B. in einem Geburtsvorbereitungskurs darauf vorbereiten werden. Damit dieser sich nicht erschreckt und Angst bekommt. Denn dies könnte zur Folge haben, dass ihr dann den Wunsch verspürt euren Partner zu beruhigen und den Fokus auf eure Geburt verliert. Oder dass seine Angst auf euch überschwappt und ihr euch immer mehr verspannt.

    Auch in der Nachgeburtsphase kann die Atmung schmerzlindernd wirken, wenn es darum geht, die Plazenta abzustoßen. In dieser Phase hilft die Atmung aus der Eröffnungsphase: Tief durch die Nase ein- und lange durch den Mund wieder auszuatmen.

    Euer Deva (Atemtherapeut und Autor)

    Beitragsfoto: gorodenkoff / Getty Images Pro
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  • Schwangerschaften in Zeiten von Corona und anderen Krisen

    Schwangerschaften in Zeiten von Corona und anderen Krisen

    und wie man diese begegnen sollte

    In den aktuellen Zeiten der Corona – Pandemie ist eine Schwangerschaft alles andere als unbeschwerlich. Auch wenn Schwangere und Babys nicht zur Risikogruppe dieses Virus gehören, ist diese Zeit mit vielen Ängsten und Unannehmlichkeiten verbunden.

    In der Schwangerschaft spielen bzw. fahren die Hormone und somit die Gefühle der werdenden Mutter eh schon Achterbahn. Dies in Kombination mit den Kontaktsperren, insbesondere den begrenzten Kontakt mit dem Vater unter der Geburt bzw. nach der Geburt, die Angst vor dem Verlust von Angehörigen (Eltern) und Zukunftsängsten, wie jetzt in der Zeit der Corona Pandemie, sind ein eher unbekömmlicher (wenn auch alkoholfreier) Cocktail.

    Nach den Gesetzen der Natur werden in Zeiten von Gefahr und Nahrungsmangel eher keine Nachkommen gezeugt und ich bin gespannt, ob sich dies in der Geburtenrate im nächsten Jahr 2021 zeigt.

    Ängste in der Schwangerschaft

    Da Embryos die Gefühle der werdenden Mutter und nicht selten auch die des Vaters wahrnehmen, werden sie wohl viel Angst fühlen. Ängste führen immer zu Verspannungen und dies kann in den letzten Wochen der Schwangerschaft dazu führen, so dass es dem Baby erschwert wird sich kopfüber ins Becken zu drehen.

    Wie umgehen mit Ängsten in der Schwangerschaft?

    Auch wenn es sowieso wichtig ist mit dem werdenden Baby zu sprechen, ist es bei ängstlichen Gefühlen umso wichtiger. Auf keinen Fall sollte die schwangere Frau probieren ihre Ängste und Sorgen wegzudrücken oder zu überspielen. Denn diese werden vom Embryo trotzdem wahrgenommen. Viel hilfreicher ist es diese auszudrücken, ganz nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“.

    Sich seine Ängste einzugestehen, beinhaltet zumindest teilweise schon das Vertrauen diese bewältigen zu können. Sowie jeder bewusst genommener tiefer Atemzug bei Angst ein Ja zum Leben bzw. ein sich größer machen als die Angst beinhaltet.

    So kann die werdende Mutter, dass Kind in ihrem Bauch sagen, dass es gerade eine schwierige Zeit ist und sie ab und zu immer wieder Angst bekommt. Doch dass sie nicht allein ist und sich freut, es in ihre Arme zu nehmen und ihr bestes geben wird es zu schützen und zu nähren. Und dass sie diese Zeit gemeinsam gut überstehen werden und es dann auch wieder leichter werden wird. Dabei hilft es sich diese gemeinsame Zeit so schön und plastisch wie möglich vorzustellen.

    Umso stärker wird es das Gefühl von Verbunden- und Geborgenheit mit jedem Austausch stärken.

    Um diese Ängste nicht immer wieder zu schüren, sollte man sich nicht jeden Tag die neuesten Nachrichten anhören und es sich stattdessen so „gemütlich“ wie möglich in dieser Zeit zu machen und wenn schon kein persönlicher Kontakt mit Freunden und Eltern möglich ist, sich per Telefon oder Internet auszutauschen. Und wenn immer möglich Spaziergänge in einem nahe gelegenen Wald machen!!! Bewegung ist das Heilmittel gegen Depressionen schlechthin und zu dem die beste Vorbereitung für die Geburt.

    Wir wünschen allen Schwangeren trotz Corona eine wunderschöne Kugelzeit und eine sichere und schöne Geburt!

    Euer Deva Babytalk-Team

    Beitragsfoto: AntonioGuillem / Getty Images Pro
  • Die Basis der Persönlichkeit wird in Schwangerschaft gelegt

    Die Basis der Persönlichkeit wird in Schwangerschaft gelegt

    Basis der Persönlichkeit: Nach Erkenntnissen des bekannten Neurobiologen Gerald Hüther haben bereits die Vorstellungen und Erwartungen der Eltern von ihrem zukünftigen Kind Einfluss auf die Persönlichkeit des Kindes.

    Die werdende Mutter und ihr Embryo bilden während der Schwangerschaft eine sprichwörtliche Symbiose. Denn auch wenn die Blutkreisläufe voneinander getrennt sind, bleiben Mutter und Kind über die Plazenta verbunden.

    Die vertraute Stimme der Mutter hat eine sehr beruhigende Wirkung auf das Kind. Dies schenkt dem Kind in der Schwangerschaft, so wie auch während und nach der Geburt, ein Gefühl der Verbunden- und Geborgenheit. Dies kann durch die Nahrung, Musik und andere schöne Gewohnheiten noch verstärkt werden.

    Das Baby übernimmt viele Überzeugungen über sich und die Welt, über die Emotionen der Mutter und die damit verbundenen Gedanken in Bezug auf ihre Vorlieben bzw. Abneigungen.

    Befindet sich die werdende Mutter in einer starken Stresssituation, kann man im Ultraschall beobachten, wie das Embryo eine Schutzhaltung einnimmt und erstarrt.

    Die Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle der werdenden Mutter prägen das Gehirndes Embryos und somit die Basis seiner Persönlichkeit.

    Die ersten 3 Jahre und deren Einfluss auf die Persönlichkeit

    Die wesentlichsten Prägungen von Kindern finden in den ersten drei Lebensjahren statt. Diese bleiben bis ins hohe Alter, in der Regel unbewusst, bestehen und prägen unsere Wahrnehmung und unser Verhalten. In den ersten Äußerungen und Gesprächen mit eurem Kind ist es hilfreich, wenn ihr euch immer wieder aufmerksam selber zuhört. Vermutlich werdet ihr dann immer wieder mit erschrecken feststellen, was ihr da von euch gegeben habt. Von dem ihr zuvor nicht mal wusstet, dass ihr diese Worte schon mal selber „zu hören bekommen habt oder das sie überhaupt in eurem Kopf verborgen waren.

    Kinder können Kritik an ihrem Verhalten nicht von ihrer Person trennen!

    Das bedeutet, dass sie mit jeder „lauten“, kritischen Äußerung und auch Verneinung sich mit ihrem Verhalten als nicht ok und somit als nicht liebevoll“ von euch bewertet“ fühlen. Auch wenn solche vereinzelte Bewertungen bei gleichzeitig vielen liebevollen Äußerungen keine dauerhafte Prägung verursachen, verstärken sie diese nicht liebevollen Überzeugungen über sich.

    In Stresssituationen, wenn jemand bzw. euer Kind eines eurer “Knöpfe” drückt, könnt ihr euch eurer unbewussten Gedanken gewahr werden. Denn in diesen Situationen werden häufig unbewusst übernommene Verhaltensmuster von euch abgespult.

    Der Einfluss unserer Gene wird in Hinsicht deren Prägung unserer Persönlichkeit häufig überbewertet.

    Euer Deva (Persönlichkeitsentwickler und Familientherapeut)

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    Beitragsfoto: janulla / Getty Images Pro
  • Doula aus Berufung

    Doula aus Berufung

    Ich freue mich sehr auf Einladung von Mira und Deva Euch von meiner Arbeit als Doula berichten zu dürfen.

    Doula zu sein erschien mir als etwas Wunderbares und doch sehr weit entferntes. Ich hatte gerade mein viertes Kind geboren, als ich das erste Mal von dieser Möglichkeit der Unterstützung von Gebärenden hörte. Ich fand diese Form der Begleitung sofort außerordentlich wertschätzend und sinnhaft.

    Mit dem Erkennen, dass mit dem Doula sein eine rund um die Uhr Rufbereitschaft verbunden ist, parkte ich den Gedanken mit der Option auf „später gerne“. Nicht zuletzt, da das aktuell letzte meiner vier geborenen Kinder zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr alt war.

    Wie so oft im Leben entwickeln sich die Wege unverhofft und doch vollendet anders.

    Hospitationen bei einer Doula

    Für eines meiner Zertifikate musste ich eine Hospitation zu Geburten vorlegen. Ein kleines Klinikum in einem Landkreis bei Stuttgart nahm mich an und so durfte ich zu Pfingsten diese Hospitation antreten.  Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und durfte bei allen Arbeiten dabei sein, die von Hebammen ausgeführt wurden. Ich profitierte auch von den geburtenfreien Tagen, da ich mit vielen Hebammen wie Assistenzärztinnen Gespräche führen konnte, aus denen ich sehr viel Erfahrung mitnahm.

    Am vierten Tag meiner Hospitation nahmen wir eine Frau mit Verdacht auf akutem HELLP Syndrom auf. Als der Befund schließlich vorlag, fiel die Entscheidung für einen Notkaiserschnitt umgehend. Die Frau fragte mich, ob ich bei ihr bleiben kann, was ich natürlich von Herzen gerne machte. Ich streichelte ihre Hand und ließ sie nicht allein.

    Es gab einen kurzen Moment der Unsicherheit, ob ich das schaffe und im nächsten Moment stand ich aber auch schon im OP und streichelte weiter den Arm der Mutter. Ich erklärte ihre diverse Vorgänge und konnte sehen, wie ihr Blutdruck sich im Zaum hielt. Während ich ihr über ihren Kopf streichelte und ihr versicherte sie nicht allein zu lassen.

    Wie bei einem Kaiserschnitt üblich ging es sehr schnell und schon lag das kleine Mädchen auf der Mama. Die Hebamme half es zu halten und so konnten Mama und Baby sich beschnuppern. Und ich ihr zu ihrem wunderbaren kleinen Kind gratulieren.

    In der Zwischenzeit erreichte auch endlich der Vater die Klinik und die Familie war endlich vereint.

    Diverse Anpassungsschwierigkeiten und Danksagungen

    Nach der Versorgung der Bauchwunde und Verlegung ins Kreiszimmer hielt ich mich im Hintergrund und ließ der Familie ihren Raum. Durch diverse Anpassungsschwierigkeiten wurde das Baby spezieller untersucht. Es wurde die Entscheidung getroffen, dass das Kindlein in eine andere Klinik mit Kinderstation verlegt werden sollte.

    Der Vater stand versteinert neben dem Bett der Mutter. Die Mutter regte sich mit jedem Wort mehr auf, was man ihrem Blutdruck erkennen konnte. So gab ich dem Vater, der von den Ereignissen völlig überrumpelt und paralysiert war einen kleinen Hinweis, dass er ruhig die Hand seiner Frau halten darf. Er war sehr erleichtert und griff sofort zu. Der Blutdruck senkte sich und ein erleichtertes Ausatmen war zu hören.

    Immer wieder, wenn ich mit der Mutter später über die Geburt sprach, bedankte sie sich für drei Dinge:

    • Danke, dass Du die ganze Zeit so ruhig und positiv an meiner Seite warst
    • Danke, dass Du mir zu meinem Kleinen Mädchen gratuliert und Dich mit mir gefreut hast und
    • das Du meinem Mann den kleinen Schubs gegeben hast meine Hand zu halten

    Ich erinnere mich noch gut an den Adrenalinspiegel, mit dem ich um ein Uhr nachts heimfuhr und noch lange nicht einschlafen konnte. Aufgewühlt und zugleich beseelt von diesem Erlebnis.

    Als Doula – Ruhe in den Geburtsprozess bringen

    Am nächsten Morgen kam ein Anruf, dass zwei wehende Frauen in der Klinik angekommen sind. Nach Ankunft durfte ich eine junge Frau und ihren Partner begleiten, die zum ersten Mal Eltern wurden. Die Mutter war guter Dinge hatte einen sehr guten Fokus auf ihre Pausen. Die Geburt schritt flott voran und es ging allen Beteiligten gut. Intuitiv wusste ich auch in dieser Situation, welchen Handgriff die Mutter brauchte. Die sie mit fortschreitendem Verlauf auch zunehmend einforderte.

    Durch eine unklare CTG Interpretation stand plötzlich das Thema Kaiserschnitt im Raum. Die Mutter war der Überzeugung, dass es dem Baby gut geht und hatte eine sehr positive Einstellung zum Verlauf. Der Vater fühlte sich sehr überrumpelt von den Informationen. Beide waren daraufhin vehement aus ihrer klaren und positiven Geburtsarbeit gerissen.

    Alternativen zum Kaiserschnitt erfragen

    Intuitiv kam es mir über die Lippen die Eltern anzuregen nach Alternativen zum Kaiserschnitt zu fragen.

    Die Eltern besprachen sich mit der Assistenzärztin und diese schlug eine Untersuchung zur Messung des ph-Wertes vor. Dies wurde von den Eltern dankbar angenommen.

    Die nun eingenommene Rückenlage und damit verbundenen extremen Schmerzen für die Mutter zeigten sich durch Übertragung der Aufregung auf das Baby, das nun stärkere Ausschläge produzierte. Der Vater stoppte nach dem dritten Versuch das Prozedere (*), weil seine Frau sehr litt. Da das CTG ja nun „besser“ aussah, verwarf man den OP Gedanken und die Frau gebar flotte 90 Minuten später einen gesunden Jungen.

    Diese Mutter bedankte sich nach der Geburt ebenfalls bei mir:

    • „Du hast so viel Ruhe reingebracht und mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. Vor allem als das Thema Kaiserschnitt im Raum stand und
    • dass Du meinen Mann an die Hand genommen hast – das war eine enorme Hilfe.“

    Eine Stunde nachdem der kleine Junge geboren war, wurde ich in das Nachbarzimmer gerufen und durfte meine dritte Geburt innerhalb von 18 Stunden erleben.

    Berufung zur Doula

    Nach diesen drei Geburten sprach mich die Hebamme an, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Doula zu arbeiten. Sie erklärte mir, dass ohne meine Begleitung vermutlich beide Geburten im Kaiserschnitt geendet hätten.

    Im ersten Moment war ich von dieser Frage überrumpelt. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, dass eine Doula eine Ausbildung und verliehene Befähigung braucht.

    Mit dem Reflektieren über diese und in Folge noch weitere Geburten wurde mir jedoch klar, dass Doula sein eine Berufung ist. Sie verlangt Fähigkeiten, die man nicht trainieren kann oder muss. Diese Fähigkeiten sind Empathie, Ruhe, Geduld, Vertrauen in die Kraft und Fähigkeit einer Gebärenden, Intuition und Liebe.

    In diesen Tagen meiner Hospitation spürte ich, mit all dem was ich bin und vertrete, am richtigen Ort und angekommen zu sein. Seit diesem Tag begleite ich Frauen in der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Elternzeit als Doula.

    Wie es für mich als Doula weiterging, welche Lektionen ich lernen musste, wie ich an meine Grenzen stieß, was das Doula sein im Alltag bedeutet, warum ich selbst eine Erweiterungsfortbildung ins Leben gerufen habe und welche unglaublichen Geburten ich erleben durfte, darf ich ab nun für Euch in regelmäßigen Abständen hier beschreiben.

    Ich freue mich Euch meine Arbeit näher zu bringen und verabschiede mich bis zum nächsten Mal,

    Eure Doula Sylvia

    Erklärung

    (*) mbu – Mikroblutuntersuchung. Dazu wird eine ein Blutstropfen aus der Kopfschwarte des Kindes durch Anritzen entnommen, um den pH-Wert im Blut zu messen. Das Blut darf nicht durch Fruchtwasser „verunreinigt“ sein, da das Messgerät den Wert dann nicht korrekt bestimmen kann. Ab einem p-Wert von unter 7.10 muss die Geburt, zum Schutz des Kindes, umgehend zügig beendet werden.

    Beitragsfoto: Kzenon / shutterstock