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  • Geburtsverletzungen – Ursachen und Tipps zum Vorbeugen und Behandeln

    Geburtsverletzungen – Ursachen und Tipps zum Vorbeugen und Behandeln

    Vorfreude und Ängste vor der Geburt

    Die Vorfreude auf das unbekannte und doch seltsam vertraute neue Familienmitglied ist groß und doch wird diese nicht selten von Ängsten vor der Geburt und möglichen Geburtsverletzungen getrübt.

    Doch keine Sorge mit den passenden Verhaltensweisen und einigen sanften Maßnahmen können die allermeisten Geburtsverletzungen wie Dammschnitt oder Dammriss auf einfache und natürliche Weise in der Heilung unterstützt werden.

    Geburtsverletzungen bei einer vaginalen Geburt

    Auf dem Weg des Babys durch den Geburtskanal kann zu Verletzungen im Bereich der Schamlippen, der Klitoris, des Muttermundes, des Schießmuskels und in der tieferliegenden Beckenmuskulatur kommen.

    Häufig auftretende aber weniger schmerzhafte Verletzungen sind kleine Risse und Schürfungen, die von der Gebärenden in den allermeisten Fällen gar nicht wahrgenommen werden auch schnell wieder abheilen. Am häufigsten treten Geburtsverletzungen im Damm- und Scheidenbereich auf.

    Mögliche Geburtsverletzungen:

    Hämatome

    Hämatome entstehen, wenn das durch kleine Risse freiwerdende Blut nicht nach außen dringen kann und sich so im Gewebe anreichert. Diese Risse entstehen durch das starke Pressen unter der Geburt. Diese Hämatome heilen in der Regel von selbst ab. Falls diese doch mal von extremen Schmerzen begleitet werden sollten, kann auch eine Operation unvermeidbar sein.

    Dammriss

    Der Damm befindet sich zwischen Scheide und Darmausgang und besteht aus Muskelgewebe, dass während der Geburt extrem gedehnt wird. Zum Riss kommt es, wenn das Gewebe zwischen Scheide und After diesen Druck nicht mehr aushält und reißt. Der Dammriss zählt zu den am häufigsten vorkommenden Geburtsverletzung. Typische Ursachen sind ein zu frühes und zu starkes Pressen sowie die Größe und Gewicht des Babys. Größere Dammrisse werden meistens genäht, kleine oberflächlichere Risse verheilen von allein.

    Dammrisse werden je nach Ausdehnung in vier Grade unterteilt:

    1. Grad. Bei einem Dammriss ersten Grades sind nicht das Dammgewebe selbst, sondern „nur“ die Haut von Scheide und Damm leicht verletzt.

    2. Grad. Wenn die Muskulatur des Damms bis höchstens zum äußeren Schließmuskel reißt, spricht man von einem Dammriss zweiten Grades. In diesem Fall bleibt der Schließmuskel unversehrt.

    3. Grad. Reißt auch der äußere Schließmuskel des Darmausgangs, spricht vom dritten Grad.

    4. Grad. Bei einem Dammriss vierten Grades ist sowohl die Darmschleimhaut und die vordere Wand des Enddarms gerissen.

    Dammschnitt

    Bei Komplikationen unter der Geburt kann es nötig werden den Geburtskanal zu vergrößern, um die Gebärende und das Baby durch einen ggf. kürzeren Geburtsverlauf zu entlasten. Dies vor allem, wenn Geburtszange und Saugglocke zum Einsatz gekommen sind. Bei einem Dammschnitt wird der Damm von einem Geburtshelfer mit einer Dammschere eingeschnitten. Der Dammschnitt wird heutzutage allerdings nur noch sehr selten vorgenommen, da er wesentlich schlechter verheilt als ein von „allein“ auftretender Dammriss. Sowohl der Dammriss wie auch der Dammschnitt werden ggf. mit einer selbstlösenden Naht versehen.

    Der Dammschnitt wird auf dem Höhepunkt einer Wehe, wenn der Spannungsschmerz am größten ist, ausgeführt. In der Regel bekommen die Frauen ihn gar nicht mit.

    Analfissur

    Eine Analfissur kann im Gegensatz zu den anderen Geburtsverletzungen sowohl vor als auch nach einer Geburt in der frühen Stillzeit auftreten. In diesem Fall vor allem durch die veränderten Stuhlgewohnheiten und dadurch auftretenden Hämorrhoiden. Unter der Geburt ist der Grund häufig ein zu starkes Pressen oder ein schwaches Bindegewebe, wodurch die Haut am After einreißt. Bei einer Analfissur reißt die Darmschleimhaut im Bereich des Enddarms ein. Die in diesem Bereich häufig vertretenden Keime und Bakterien können eine Heilung extrem erschweren.

    Zur Behandlung bzw. Linderung werden von Ärzten oft Zäpfchen, Cremes oder Salben verschrieben. Bei Hämorrhoiden helfen häufig auch Nasensprays, bei Schwangeren und stillenden Müttern sollte aber auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden.

    Scheidenriss

    Vom Scheidenriss oder Labienriss redet man, wenn die Schamlippen und/oder die Vagina eingerissen sind. Ein Scheidenriss tritt vor allem nach Gebrauch einer Geburtszange oder Saugglocke auf und wird von Blutungen begleitet. Kleine Scheidenrisse treten bei fast jeder vaginalen Geburt auf. Glücklicherweise werden sie von den Gebärenden selten bemerkt. Ein längerer oder tieferer Scheidenriss wird im Normalfall genäht.

    Der Scheidenriss wird nicht selten erst bei einer nachgeburtlichen Untersuchung erkannt. Er kann einerseits extrem als auch weniger schmerzhaft sein. Ein Riss der Schamlippen ist dagegen fast immer sehr schmerzhaft. Dies liegt vor allem an den vielen Nervenenden, die sich in den Schamlippen befinden. Wenn ein Scheidenriss beim Kopfaustritts des Babys entsteht, ist im Nacken des Neugeborenen häufig ein sogenannten Blutkragen sichtbar.

    Zervixriss

    Bei einem Zervixriss kommt es zu einem Riss des Gebärmutterhalses. In der Regel sind diese sehr klein und zu dem eher weniger schmerzhaft. Ebenso wie ein kleiner Dammriss heilen sie meistens von allein. Bei einem großen Zervixriss wird die Gebärmutterarterie (Arteria uterina) verletzt, die anschließend sofort genäht werden muss, um größere Blutverluste zu vermeiden. Ein größeres Risiko, dass es bei einer weiteren Geburt zu einem erneuten Zervixriss kommt, soll nicht bestehen.

    Uterusruptur

     Als Uterusruptur bzw. der Gebärmutterriss wird ein Riss bzw. ein Zerreißen der Gebärmutterwand bezeichnet. Dabei wird zwischen einem kompletten Riss durch alle Schichten, einschließlich der glatten Auskleidung der Bauchhöhle und einem kleinen Riss in der glatten Muskulatur der Gebärmutterwand unterschieden.

    Sollte es zu einem Gebärmutterriss kommen, machen sich sofort starke Schmerzen bemerkbar, die sich über die Gebärmutter hinaus auf den gesamten Bauch ausweiten. Gebärende haben oft das Gefühl, von innen zu zerreißen. Ein Gebärmutterriss führt zu starken Blutungen und kann nur durch einen Kaiserschnitt genäht werden.

    Die typischen Ursachen sind eine Vorschädigung der Gebärmutter, eine überdehnte Muskulatur, ein enges bzw. eine wenig dehnbare Beckenmuskulatur sowie die Querlage des Babys.

    Eine Uterusruptur kündigt sich häufig bereits während der Schwangerschaft an. Betroffene äußern sich häufig sehr besorgt und klagen über starke Schmerzen an der Gebärmutter. Insbesondere der so genannte Wehensturm weist auf Komplikationen bei der Geburt hin. Die Frequenz der Wehen erhöht sich dann im Vorfeld der Geburt ständig.

    Eine Spontanruptur kann dagegen durch eine Endometriose oder einem Blutschwamm (Hämangiom) verursacht werden.

    Die Uterusruptur zählt zu den schwerwiegendsten Geburtsverletzungen, die bei einer Geburt auftreten können. Glücklicherweise treten sie nur sehr selten auf.

    Wie kann man Geburtsverletzungen vorbeugen?

    Himbeerblättertee

    Dem Himbeerblättertee wird nachgesagt, dass er eine Geburt sowohl erleichtern und auch verkürzen kann, indem er den Dammbereich und die Muskulatur des Beckenbodens entspannt und elastischer macht. Wegen seiner wehenfördernden Wirkung sollte er allerdings nicht vor der 34. Schwangerschaftswoche getrunken werden.

    Die Dosierung sollte immer mit der eigenen Hebamme besprochen werden. Vor allem weil Himbeerblättertee bei schwachem Bindegewebe sich sogar schädlich auswirken kann. Mehr dazu in unserem Artikel „Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Dammmassage

    Regelmäßige Dammmassage in der Schwangerschaft und vor allem tägliche in den letzten 6 Wochen vor der Geburt verringern die Notwendigkeit eines Dammschnitts und das Risiko anderer Geburtsverletzungen. Die Dammmassage dehnt das Dammgewebe und bereitet es so auf das Dehnungsgefühl bei der Geburt vor.

    Selbst ein späterer Beginn kann sich noch positiv auf den Geburtsverlauf auswirken.

    Weil eine Dammmassage eine ziemlich intime Angelegenheit ist und sich manche Frauen dabei besonders am Anfang unwohl fühlen, ist es wichtig es sich so gemütlich wie möglich zu machen.

    Ganz wichtig: sich vor Beginn die Hände und Fingernägel gründlich zu reinigen.

    Ein angenehm duftendes Massage-Öl erleichtert es vielen Schwangeren sich auf die Massage einzulassen und zu entspannen.

    Eine halbsitzende Position wird von vielen Schwangeren bevorzugt, am besten mit einem dicken Kissen im Rücken. Alternativ im Stehen, mit einem Bein erhöht.

    Durchführung der Massage

    Das Öl sanft zwischen den Fingerspitzen verreiben, bis es sich angenehm warm anfühlt. Anschließend einen Daumen in die Scheide einführen und den Zeigefinger auf den Damm legen. Mit kreisenden Bewegungen massiert der Daumen die Scheidewände, der Zeigefinger unterstützt ihn von außen.

    Wenn ihr euch euren Intimbereich als Uhr vorstellt, kommt es vor allem auf den Bereich unterhalb von 3 und 9 Uhr an.

    Alternativ kann man auch einen oder mehrere Finger in die Scheide einführen und den Damm langsam Richtung After dehnen.

    Heublumen-Dampfbäder

    Ein Heublumenbad ist ein einfacher und unkomplizierter Weg, sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Neben einer Auflockerung der Muskulatur kann ein Sitzbad mit Heublumen die Durchblutung anregen und mögliche Verspannungen lösen.

    Ab der 38. Schwangerschaftswoche und selbst während der Wehen können Heublumen noch helfen den Beckenboden weich und geschmeidig zu machen.

    Um den Beckenboden elastischer zu machen, die Durchblutung anzuregen und mögliche Verspannungen zu lösen, empfehlen viele Hebammen ein Heublumenbad. Entweder als Dampfbad oder Sitzbad durchgeführt. Ab der 38. Schwangerschaftswoche kann mit ein- bis zwei Sitzungen pro Woche begonnen werden.

    Für ein Heublumen-Sitzbad gibt man einen Esslöffel getrocknete Heublumen in eine Schüssel und übergießt sie mit einem Liter heißem Wasser, alternativ kann man auch ein Heublumenextrakt nehmen. Die Schüssel stellt man anschließend in die Toilette, klappt den Klodeckel herunter und lässt das Heublumenbad etwas ziehen. Vorsicht! Sich erst daraufsetzen, wenn die Hitze gut auszuhalten ist, dies kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Am besten legt man sich dabei ein Handtuch über die Beine. Als Richtwert kann man 10 Minuten pro Sitzung ansetzen ansonsten bleibt man solange sitzen, wie die Wärme guttut. Ein schönes Buch kann die entspannende Wirkung des Sitzbades verstärken.

    Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Heublumen-Sitzbad in einer Badewanne zu machen. Ein Vollbad mit könnte zu belastend für den Kreislauf sein. Um die Heublumen anschließend nicht aus dem Wasser sammeln zu müssen, kann man sie zuvor in eine Musselintuch knoten. Alternativ kann man die getrockneten Heublumen auch in einem passenden Sieb in die Wanne legen.

    Das Wasser darf zum Aufgießen ruhig heiß sein und der Sud ruhig eine Weile ziehen ohne dass das Sitzbad zu kalt wird. Vor dem Einsteigen in die Wanne unbedingt die Temperatur prüfen.

    Beckenbodentraining

    Gezielte Übungen des Beckenboden können dazu beitragen seine Muskulatur zu stärken und elastischer zu machen. Dies verringert das Risiko einer Geburtsverletzung vor allem die eines Dammrisses bzw. -schnittes. Nähere Informationen zu den Übungen findet ihr hier.

    Die richtige Geburtsposition

    Die richtige Geburtsposition hilft einer Geburtsverletzung vorzubeugen, in dem die Schwerkraft genutzt wird, das Baby aus dem Geburtskanal zu bringen. Die Position auf dem Rücken liegend mit auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen ist für den Damm belastend und nutzt die Schwerkraft nicht ausreichend. Das kann eine Geburtsverletzung begünstigen.

    In unserem Artikel „Geburtspositionen – hockend, auf allen vieren oder doch lieber liegend? „ findet ihr einen Überblick über alle Geburtspositionen mit ihren Vor- und Nachteilen.

    Kalte Kompressen während der Geburt

    Kalte Kompressen zwischen den Wehen auf dem Dammbereich kühlen und entspannen das Gewebe und wirken durchblutungsfördernd.

    Die richtige Einstellung

    Während des Geburtsverlaufs ist es extrem hilfreich seinem Körper und dem Baby zu vertrauen. Sie wissen wie Geburten „funktionieren“. Dies hilft entspannt zu bleiben und sich von seinem Körper führen zu lassen. Sorgenvolle oder ängstliche Gedanken lassen den Körper, vor allem den Kiefer und den Beckenboden verkrampfen. Diese Verkrampfungen fördern die Risiken einer Verkrampfung.

    Auch wenn Geburtsverletzungen sich generell nicht verhindern lassen, so sich die Schwangere auch auf die Geburt vorbereitet, hilft eine gute Vorbereitung sein Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess zu stärken.

    Weitere Informationen dazu findet ihr bei familienplanung.de einer unabhängigen und wissenschaftlichen Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    Wie werden Geburtsverletzungen behandelt?

    Die am häufigsten auftretenden Geburtsverletzungen sollten kein Grund sein, sich das Mutterglück und die vielleicht wichtigste und kostbarste Zeit mit dem neuen Familienmitglied trüben zu lassen.  

    Geburtsverletzungen - Mutter mit Baby beim Kuscheln

    Die meisten Verletzungen müssen nicht von einem Arzt behandelt werden und können mit recht einfachen und sanften Maßnahmen unterstützt werden. Sie können mit Schonung, Cremes und Kühlpads behandelt werden. Schwerere Verletzungen müssen dagegen in der Regel von einer Hebamme oder einem Arzt genäht werden.

    Frauen die eine PDA (Periduralanästhesie) erhalten haben, können direkt genäht werden, die Frauen ohne PDA erhalten eine örtliche Betäubung.

    Bei schwerwiegenden Geburtsverletzungen kann gegebenenfalls eine Operation unter Vollnarkose nötig werden. Dies kann trifft zum Beispiel bei einem Dammriss 4. Grades zu (siehe oben).

    Behandlung eines Dammschnitts und -risses

    Sehr häufig wird der „jungen“ Mutter nach einem Dammschnitt eine schmerzstillende Creme verschrieben. Die vor allem die Schmerzen abmildern. Bei geringeren Schmerzen wird von Hebammen die homöopathische Traumeel Salbe oder gleichnamige Tabletten empfohlen. Diese sollen den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Zudem ist es sowohl hilfreich auch als wohltuend den geschwollenen Damm ausreichend und regelmäßig zu kühlen. Dazu bieten sich Kühlkompressen, Quark- oder Topfenwickel an.

    Diese Kompressen oder Wickel alle 4 bis 6 Stunden für etwas 5 Minuten in ein Handtuch oder Waschlappen auf die Wunde legen. Eine zu häufige Verwendung und zu kalte Kompressen kann die Heilung verzögern, da dies die Stoffwechselprozesse verlangsamen kann.

    Alternativ können zur sanften Unterstützung des Heilungsprozesses Kompressen mit Hamamelis-Extrakt verwendet werden. Das Hamamelis-Extrakt wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch kühlend, reinigend und entzündungshemmend. Zur Anwendung nimmt man einen Teelöffel des Extrakts und verrührt diese in 100 ml handwarmen Wasser. Anschließend wird ein Tuch ins Wasser hineingelegt und dieses bis zu 3-mal täglich 20 Minuten lang auf die Naht und den Schambereich gelegt.

    Sitzbäder zur Behandlung von Geburtsverletzungen

    Auch Sitzbäder mit Arnika, Calendula und Kamille helfen beim Abschwellen von Blutergüssen. Die Sitzbäder sollten täglich für ca. 15 Minuten bei einer Wassertemperatur von 35° C angewendet werden.

    Ein schonendes, antibakterielles Öl eignet sich gut. Am besten fragst du hier deinen Arzt, deine Hebamme oder eine Apothekerin. Eine Massage solltest du nur an verheilten Stellen anwenden – es geht hier um die Narbenpflege!

    Ein mildes und rein pflanzliches Öl kann sehr hilfreich bei der Pflege und zum Schutz eines Hämatoms, eines Dammrisses oder -schnitts sein. Dies gilt insbesondere für die Verwendung im empfindlichen Anal- bzw. Intimbereich. Aus diesem Grund sollte es am besten mit einem Arzt oder Hebamme abgeklärt werden. Unser Ansicht nach gehört es in jede Kliniktasche und kann zudem während der Geburt zur Massage verwenden werden.

    Weil viele Frauen nach einem Dammschnitt bzw. -riss befürchten, dass sich die Naht durch den Druck beim Stuhlgang aufreißen könnte, ist es wichtig nach der Geburt und insbesondere nach einer Geburtsverletzung viel Wasser zu trinken. Durch das viele Trinken und eine gut verdauliche Ernährung kann die Konsistenz des Stuhlgang positiv beeinflusst werden.

    Ruhe und Sauberkeit beschleunigen die Heilung

    Auch wenn in den Medien gerne suggeriert wird, dass ein perfekter After-Baby-Body schon wenige Wochen nach der Geburt normal oder zumindest möglich ist, sollten die ersten Tagen und am besten Wochen nach der Geburt im Zeichen von Ruhe, Schonung und Bonding mit dem Baby stehen.

    Dies wirkt entlastend auf jedwede Verletzung im Dammbereich. Deshalb empfehlen wir in den ersten Wochen auch viel zu liegen und möglichst wenig zu laufen, sitzen oder zu stehen. Nicht umsonst heißt diese Zeit „Wochenbett“.

    Am besten setzt man sich mit Geburtsverletzungen auf eine weiche Unterlage. Ebenso kann das Tragen einer Miederhose in den ersten Tagen und Wochen schmerzlindernd wirken.

    Den gleichen Stellenwert sollte die richtige Hygiene im Intimbereich haben. Dazu gehört, dass vermeiden von „scharfen“ Produkten, wie handelsübliche Feuchtigkeitstücher. Lauwarmes oder kaltes Wasser ist in diesem Fall die bessere Alternative. Häufig beschleunigt die Zugabe von Calendula-Essenzen (1 bis 2 Teelöffel auf ca. ¼ Liter Wasser) denn Heilungsprozess.

    Bei Geburtsverletzungen ist der Dammbereich nach dem Stuhlgang vorsichtig von vorn nach hinten zu gereinigen. Alternativ kann für eine gründlichere Hygiene auch eine Intimdusche und/oder ein Reinigungsmittel für den Intimbereich verwendet werden.

    Euer Babytalk-Team

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  • Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen sind die einzigen Schmerzen, die wirklich Sinn machen, sagt der Volksmund. Er wird sehr individuell wahrgenommen. Aber warum ist das so und warum tut Kinderkriegen überhaupt weh? Wie kann die Frau mit den Schmerzen unter der Geburt umgehen und wie kann man sie lindern?

    Dieser besondere, einzigartige Schmerz entsteht, wenn sich die Gebärmutter sehr stark zusammenzieht (Kontraktion). Sie wird durch Bänder stabilisiert, die wiederum mit der Wirbelsäule verbunden sind.

    Deshalb beschreiben fast alle Frauen, dass unter den Wehen auch ihr Kreuz schmerzt.

    Die Wehen

    Wehen kommen in Wellen und ebben wieder ab. Am Anfang der Geburt fühlen sie sich meistens wie ziehende Menstruationsschmerzen an und werden im Fortschreiten der Geburt immer stärker.

    Steht eine Frau unter der Geburt, hat sie ca. alle drei Minuten eine Wehe. Eine Minute davon ist die eigentliche Kontraktion, zwei Minuten ruht die Gebärmutter.

    Diese Pause ist extrem wichtig, damit sich die Gebärende erholen und vor der nächsten Kontraktion wieder einen normalen Atem-Rhythmus finden kann.

    Es gibt verschiedene Methoden, mit dem Schmerz umzugehen. Wir Hebammen sind unter anderem dafür da, den Frauen dabei zu helfen. Wir unterstützen sie auch beim Entspannen zwischen den Kontraktionen.

    Denn je verspannter eine Gebärende ist, umso schmerzhafter empfindet sie die Wehen. Viele Frauen gelangen irgendwann an den Punkt, wo der Schmerz allen Raum einnimmt und sie nicht mehr mit ihm umgehen können.

    Dann kommen meistens Schmerzmittel zum Zug. Opiate bringen Linderung, eine Rückenmarksanästhesie (PDA) schaltet den Schmerz fast komplett aus.

    Es gibt nicht wenige Frauen, die ihr Kind ganz ohne Schmerzmittel zur Welt bringen.

    Warum gelingt dies den einen, den anderen aber nicht?

    Das Schmerzempfinden ist sehr individuell. Als Hebamme kann ich bestätigen, dass es große Unterschiede in der Schmerzempfindung bei Gebärenden gibt.

    Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Ist die Frau erholt? Hat sie Erfahrung mit Schmerzen? Fühlt sie sich sicher und gut aufgehoben? Je nachdem variiert auch das Schmerzempfinden.

    Studien haben gezeigt, dass Frauen, die über den Geburtsprozess gut informiert sind und wissen, was mit ihrem Körper passiert, besser mit dem Schmerz umgehen können.

    Dies ist absolut logisch. Denn wer Angst hat vor dem Unbekannten, verspannt sich. Und Verspannungen führen zu mehr Schmerz.

    Dieses Prinzip der Angst-Spannung-Schmerz-Spirale ist in der Geburtshilfe ein bekanntes Phänomen. Sie zu durchbrechen gelingt nicht immer und endet meist im Wunsch nach starken Schmerzmitteln oder einer PDA.

    Die sogenannte sanfte Geburt

    Die sogenannte sanfte Geburt, auch Hypnobirthing genannt, ist ein „neuer Trend“ bzw. eine Rückkehr zur natürlichen Geburt. Hier versetzt sich die Gebärende in eine tiefe Entspannung bzw. eine Art Selbsthypnose und nimmt dadurch die Geburtsschmerzen (fast) nicht mehr wahr.

    Diese Frauen gehen mit einer positiven Einstellung in Bezug auf den Schmerz in die Geburt. Dies allein ist meiner Meinung nach schon das halbe Ticket.

    Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Frauen, die diese Methode in der Frühschwangerschaft zu trainieren beginnen, deutlich besser mit ihren Wehen umgehen und meist natürlich und ohne Schmerzmittel gebären können.

    Wichtig ist mir, dass eine Frau selber entscheiden kann und soll, wie sie gebären will und welche Schmerzmittel sie wann haben möchte.

    Oft erlebe ich, dass Männer nach einer PDA fragen, weil es ihnen sehr schwerfällt, ihre Liebste leiden zu sehen.

    Ja, eine Geburt ist ein schmerzhaftes Ereignis! Aber wir Frauen sind dafür gemacht, diesen Prozess durchzustehen. Dank der modernen Medizin kann das auch fast schmerzfrei geschehen.

    Kaiserschnitt versus Geburtsschmerzen

    Immer wieder entscheiden sich Schwangere aus Angst vor den möglichen Geburtsschmerzen für einen Kaiserschnitt. Trugschluss!

    Denn ein Kaiserschnitt ist eine Operation. Die Schmerzen folgen unmittelbar nach dem Ereignis und sind oft mehrere Wochen nach der Geburt noch spürbar.

    Solange es Mutter und Kind gut geht, lohnt es sich meiner Meinung nach immer, eine natürliche Geburt anzustreben. Wenn die Schmerzen zu groß werden, kann jederzeit auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden.

    Nach einer Spontangeburt erholt man sich schneller und hat nicht mehrere Wochen lang Schmerzen.

    Das Schöne am Geburtsschmerz ist, dass sein Ende absehbar ist. In den allermeisten Fällen wird man mit einer der größten Freuden des Lebens belohnt: Einem Kind.

    Viele Frauen vergessen zudem vor lauter Freude über das Baby ihre Schmerzen sehr schnell und erleben nicht selten nach wenigen Monaten oder Jahren dasselbe ein weiteres Mal.

    Zusammenfassend: Faktoren, die das Empfinden der Geburtsschmerzen beeinflussen

    • „ausgeruht“ und vorbereitet bzw. gut informiert über den Geburtsverlauf
    • eine positive Einstellung Schmerzen und der Geburt gegenüber
    • fühlt sich sicher, informiert und vertraut den sie begleitenden Personen

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: PixieMe / shutterstock