Kategorie: Geburt

  • Hebamme meets Doc – bzw. wie eine Zusammenarbeit nicht aussehen sollte

    Hebamme meets Doc – bzw. wie eine Zusammenarbeit nicht aussehen sollte

    Bericht unserer Hebamme Anja zum Internationalen Hebammentag

    Ich, Anja, bin eine Befürworterin der Zusammenarbeit auf Augenhöhe von ärztlichen Geburtshelfern und Hebammen. In den letzten Tagen musste ich mich aber des öfteren, über das despektierliche Verhalten einiger Vertreter der ärztlichen Geburtshelfer in Bezug auf unseren Berufstand der Hebamme, aufregen.

    Nachfolgend findet ihr ein leider nicht allzu seltenes Beispiel, wie diese „Zusammenarbeit“ aus ärztlicher Sicht aussieht.

    Hier ein Praxisbeispiel

    Eine Hebamme hat einen verzweifelten Mann am Telefon, der bereits rund 60zig andere Hebammen vergeblich angerufen hat, um für seine Freundin eine Wochenbettbegleitung mitten im Sommer zu finden.

    Ich lasse mich breitschlagen und schiebe die Betreuung doch noch ein, mit dem Hinweis, dass wir hier und da zeitliche und örtliche Kompromisse finden müssen.

    Der Mann ist einfach nur dankbar, dass sich

    • jemand zurückgemeldet hat
    • der Wohnort mich nicht abschreckt und
    • das ich wenigstens einen Kompromiss anbieten kann.

    Dann folgt der Erstkontakt

    Auf der Hinfahrt muss ich noch über mich selber grinsen. Da ich mich nicht wirklich hier in der Umgebung auskenne, liegt der Wohnort nicht nur weit ab vom Routenplan der meisten Kolleginnen, sondern eigentlich auch von meinem. Ich ärgere mich, das ich nicht vorher geschaut habe. Naja, denke ich noch, wir werden einen Kompromiss finden.

    Etwas verwundert war ich im Vorfeld über die ausschließliche Kommunikation über den Mann. Gut, aber auch das kenne ich aus meiner Arbeit als Hebamme. Mal sehen was mich erwartet.

    Schon in den ersten 2 Minuten wird mir klar, hier kann ich keine Kompromiss -Wochenbettbetreuung anbieten. Hier ist irgendwas worauf ich achten muss, aber was? Ist es die dominate Art, wie der Ehemann uns am Tisch platziert oder die sehr ruhige Art der jungen Schwangeren?

    Bei der Durchsicht des Mutterpasses zeigt sich nichts außergewöhnliches. Junge Erstgebärende ohne Kreuze im Risikokatalog. Laut Mutterpass sitzt eine völlig physiologische (heißt: ohne körperliche oder psychologische Beeinträchtigungen) Schwangere vor mir. Aber trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.

    Hebamme-  Mutterpassauszug
    Auszug aus einem Mutterpass

    Ich erhebe meine eigene Anamnese. Viel zu oft habe ich schon erlebt, dass die Einträge im Mutterpass unvollständig oder fehlerhaft sind. Wir Hebammen arbeiten nach der Salutogenese und erheben eine Anamnese die in alle Richtungen fragt, alles miteinbezieht und hoffentlich alles bedenkt.

    Ergebnis (ein kleiner Auszug)

    Eine junge, arbeitslose Schwangere mit einer chronischen, schweren psychischen Erkrankung, Klinikaufenthalt über ein Jahr in der Vergangenheit, Medikamente abgesetzt, das Rauchen aufgegeben, ab und an suizidale Gedanken, soziale Isolation durch den Wohnort, aktuell in therapeutischer Behandlung. Psychische Erkrankungen in der Familie bekannt. Gelder der Mutter – Kind Stiftung genehmigt.

    Ressourcen (nur ein Teil)

    Oma und Opa des Kindsvater wohnen in der Nähe, der Mann unterstützt sie nach Kräften, Therapeut ist offen für Schweigepflichtentbindung für mich als Hebamme, usw…

    Und jetzt platzt mir der Kragen. Natürlich nicht vor dem Paar, aber im Auto auf der langen Rückfahrt.
    Diese Frau steht vor einer großen Krise und befindet sich mitten in einer, denn das ist die Schwangerschaft, Geburt und erst Recht das Wochenbett.

    Allein der Schlafentzug wird sie vielleicht schnell an den Rand ihrer eigenen Ressourcen bringen und da reicht dann auch kein Therapeut. 
    Laut Mutterpass ist sie eine völlig physiologische Schwangere. Was ist denn dann eine nicht physiologische Schwangere?

    Diese Familie braucht ein Netzwerk, den doppelten Boden für Krisensituationen. Da sollte ich doch als behandelnder Arzt einen Blick für haben und mich aktiv drum kümmern. Warum ist der Mutterpass fehlerhaft ausgefüllt? Ein Dokument das uns auf den ersten Blick einen Eindruck verschaffen soll. hier ist es ein fatal falscher.

    Ich stecke jetzt als Hebamme mittendrin und habe gefühlt eigentliche genau für so eine Klientin keine Zeit. Nicht der Gynäkologe wird Abends oder am Wochenende angerufen, wenn eine akute Überforderung droht, das bin ich. Und ich bin die, die jetzt zügig alles ins Rollen bringen, die sich Gedanken machen muss, was kommen könnte und den Worstcase durchgehen muss.

    Keine Sorge ich mache das gerne und mit großer Sorgfalt. Doch was wäre aber, wenn ich nicht die 60zigste Hebamme gewesen wäre, die endlich zugesagt hat? Warum ist es so schwer von ärztlicher Seite aus, eine Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Hebamme und dem Netzwerk (Jugendamt, Familienhebamme, Therapeuten, Familie) für solche Familien anzustreben?

    Unsere Pflicht als Hebamme ist es, jedem Kind einen guten Start zu ermöglichen und besonders bei einer psychisch erkrankten Mutter.
    Das ist manchmal unser Alltag – „die Kuh vom Eis zu holen“.

    Eure Anja (BabytalkHebamme)

    Beitragsfoto: Kzenon / Canva
  • Warum sollte jede Kreißsaalgeburt von einer Doula begleitet werden?

    Warum sollte jede Kreißsaalgeburt von einer Doula begleitet werden?

    Eine Mama erzählt im Rückbildungskurs von ihrer Geburt mit einer Doula. Und trifft damit einen Nerv. Denn die meisten anderen Mütter, die ebenfalls im Krankenhaus entbunden haben, wünschten sich nun, sie hätten VOR der Geburt ihres Kindes gewusst, was eine Doula ist.

    Damit Ihr dieses Wissen nun bereits vor der Geburt habt, erklären wir Euch, was eine Doula macht und warum sie gerade in der heutigen Zeit eine große Hilfe ist.

    Vorab: Eine Doula ersetzt keine Hebamme! Sie kommt mit zur Geburt und begleitet Euch auf einer viel persönlicheren Ebene als Eure Hebamme.

    Wie wird man Doula?

    Es gibt eine Handvoll qualifizierter Ausbildungen, deren Absolventen aufgrund ihrer guten Vernetzung mit den jeweiligen Verbänden leicht zu finden sind.

    Diese Ausbildung ist ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg, eine Doula zu werden. Hinzu kommen viele Praktika. Doulas berichten, dass insbesondere auf das Wissen rund um die Abläufe der Geburt als auch das Erlernen Kommunikation unter enormen Stress, wichtige Einheiten sind.

    Denn die Doula wird, wenn man sie bucht, eine wichtige Rolle als Geburtsbegleiterin übernehmen und muss sehr gut kommunizieren können. Außerdem bringt sie viele Fertigkeiten mit, die der werdenden Mutter und somit auch ihrem Baby dabei helfen, zu entspannen. Und Entspannung ist ja nun mal eine Grundvoraussetzung für eine sichere Geburt.

    Wo liegen die Grenzen in der Arbeit einer Doula bzw. was unterscheidet eine Doula von einer Hebamme?

    Doulas durchlaufen keine medizinische Ausbildung, sondern eine Ausbildung, die in etwa der eines Coaches entspricht. Wobei natürlich auch das Wissen rund um die Physiologie der Geburt nicht zu kurz kommt.
    Viele Eltern, die eine Doula unter der Geburt hatten, beschreiben ihre Anwesenheit wie eine „helfende Elfe“, die auf die nicht selten hektische Atmosphäre harmonisierend einwirkt.

    Entspannungstechniken, Massagetechniken, Atemübungen, schmerzlindernde Bewegungen sowie Bewegungen, die die Geburt positiv beeinflussen, sind ebenfalls Bestandteil der Ausbildung.

    Was sagen Hebammen über Doulas?

    Eine nicht unbegründete Sorge werdender Eltern, die eine Doula buchen möchten, ist die, was die Hebamme, die die Geburt begleiten wird, über deren Anwesenheit sagen wird. Man hört sogar Gerüchte Doulas aus Kreissälen rausgeworfen bzw. gar nicht erst zu den Eltern gelassen wurden.

    Woher kommt diese Kritik?

    Hebammen haben es derzeit aus bekannten Gründen (INTERNER LINK ZU EINEM BEITRAG) schon nicht leicht mit ihrem Stand. Sie müssen sich immer wieder aufs Neue behaupten und oft gegenüber Ärzten durchsetzen, um nicht von ihrer Verantwortung und Führungsrolle für die Geburt „entbunden“ zu werden.

    Da ist es gut nachvollziehbar, dass sie zunächst einmal argwöhnisch einer Menschengruppe gegenüberstehen, die vermeintlich in der Königsdisziplin „Geburt“ mitmischen möchte.

    Hebammen erkennen den Vorteil von Doulas

    Hebammen, die bereits eine Doula erlebt haben, sind dagegen sogar hoch erfreut über ihre Anwesenheit und ihren entspannenden Einfluss auf die Gebärende, die mentale Arbeit leistet und sich ihrer Rolle im Kreißsaal sehr bewusst ist.

    Ein Satz der wirklich oft von Hebammen ausgesprochen wird lautet: „Das schlechte Gewissen, wenn man zu einer anderen Mutter eilen muss, wird gleich viel kleiner, wenn man weiß, dass sie die Eltern nicht alleine lassen!“

    Welche Vorteile erleben Eltern unter der Geburt mit einer Doula?

    Die Frage kann man nicht in einem Satz beantworten, aber eine Statistik gibt klare Signale:
    Eltern, die eine Doula buchen, laufen wesentlich weniger Gefahr, die Kontrolle über die Geschehnisse zu verlieren. Interventionen werden nachweislich, um die Hälfte reduziert und die Eltern fühlen sich selbst bei der „besten Hebamme der Welt“ (die leider einfach selten die ganze Zeit bei den Eltern bleiben kann, selbst wenn sie es wollte) noch sicherer.

    Eltern, die eine Doula buchen, laufen wesentlich weniger Gefahr, die Kontrolle über die Geschehnisse zu verlieren. Interventionen werden nachweislich, um die Hälfte reduziert und die Eltern fühlen sich selbst bei der „besten Hebamme der Welt“ (die leider einfach selten die ganze Zeit bei den Eltern bleiben kann, selbst wenn sie es wollte) noch sicherer.

    Die Doula bringt ein gewisses Portfolio an Techniken mit, die zur Entspannung beitragen, Ängste nehmen und Schmerzen lindern. Sie kann „dolmetschen“, also Formulierungen, mit denen Hebammen und Ärzte kommunizieren, übersetzen, dass sie zum einen verständlich werden und zum anderen nicht mehr beängstigen. Oft sind es gerade die unbedacht „reingeworfenen“ Fachausdrücke, die furchteinflößend klingen, obwohl sie keine akute „Gefahr“ beschreiben.

    Eine Doula bietet eine durchgehende Betreuung während der Geburt

    Eine Doula hat Zeit und steht der Gebärenden die ganze Zeit Seite bzw. zur Verfügung. Sie zieht sich in den Hintergrund zurück, wenn sie merkt, dass das Paar gerade Ruhe braucht. Doch sie kommt durch ihre empathische Art auch schnell wieder zum Vorschein, wenn sie spürt, dass sie wieder gebraucht wird.

    Dadurch fühlen sich übrigens auch die Väter wesentlich wohler, da sie selber auch mental aufgefangen werden. Und einen kompetenten „Partner“ an ihrer und der Seite ihrer Frau wissen. Man darf nicht vergessen: Auch die werdenden Väter fühlen sich schnell ihrer Kontrolle beraubt, wenn sie nicht mehr verstehen, was um sie herum passiert. Und vor allem, wie sie ihrer Liebsten nicht helfen können.

    Und was, wenn es dann doch ein ungeplanter Kaiserschnitt wird? Waren die Kosten für die Doula dann „umsonst“?

    Nein. Ganz im Gegenteil. Die Doula ist auch im Operationssaal eine wundervolle Begleitung. Spätestens nach der OP, wenn die Mutter nicht alleine aufstehen kann, spüren Kaiserschnitt-Eltern die Anwesenheit einer Doula sehr deutlich: Sie reduziert das Aufkommen eines Geburtstraumas bei MUTTER und KIND merklich.

    Eine Doula kann man sich aussuchen. Eine Hebamme inzwischen nur noch selten

    Insbesondere Geburten in einem Kreißsaal sind derzeit menschlich gesehen nicht immer glücklich besetzt. Dies muss nicht unbedingt an einer unsympathischen Hebamme liegen. Auch die Tatsache, dass man nicht selten zu einem Zeitpunkt in die Klinik kommt, an dem viele Geburten zeitgleich stattfinden. Nicht selten wirkt sich dies so aus, dass die arbeitenden Hebammen sehr gestresst sind.

    Dies hat zur Folge, dass sie nur wenig Zeit für ein Elternpaar haben. Und sollte dann wirklich im „Worst-Case-Fall“ die Chemie zwischen werdender Mutter und Hebamme nicht stimmen, ist zum Glück eine Doula anwesend. Eine, die man sich selber ausgesucht hat und der man bzw. frau vertraut.
    Sie bleibt auch nach der Geburt noch einige Zeit bei der Mutter bzw. den Eltern.

    Auf Wunsch kann sie den „neuen“ Eltern bei den ersten Handgriffen / Schritten als Eltern helfen.  Denn häufig kann die Hebamme nicht mehr lange nach der Geburt dabei sein. Und dann hilft die Doula, wenn das Baby schreit und die Eltern unsicher sind.

    Was kostet eine Doula?

    Die Kosten einer Geburtsbegleitung durch eine Doula liegen etwa zwischen 500,- und 800,- Euro. Sie beinhaltet eine Rufbereitschaft in den zwei Wochen vor und nach dem Entbindungstermin. Dazu kommen mindestens zwei Gesprächen, einen Geburtsbericht (auf Wunsch) und das Verbrauchsmaterial unter der Geburt.

    Bisher werden die Kosten noch nicht von den Krankenkassen übernommen, allerdings kann man mit vielen Doulas Ratenzahlungen vereinbaren. Der Mehrwert einer Doula ist einfach unbezahlbar!

    Fazit: Eine Doula ist eine Bereicherung im Alltagsgeschehen der Kreißsäle, vor allem durch ihre 1:1 Betreuung. Und dies nicht nur mental, sondern nachweislich auch für eine leichtere Geburt.

    Eure Mira (Babytalk – Redaktion)

    Bist Du an dieser wundervollen Arbeit einer Doula interessiert? Wir bilden Doulas nach internationalen Standards aus. Nähere Informationen zu dieser sehr fundierten Ausbildung findest Du hier. Falls Du mindestens 15 Stunden pro Woche beschäftigt bist, hast Du die Chance auf  eine Bildungsprämie/-scheck im Wert von 500 Euro. (Hinweis der Redaktion)

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  • Meine erste selbstbestimmte Geburt

    Meine erste selbstbestimmte Geburt

    Selbstbestimmte Geburt trotz „Risikoschwangerschaft“?

    43 Jahre alt, chronische Erkrankung, Zustand nach Kaiserschnitt, Mehrgebärende, großes Kind und viel Fruchtwasser, ET+8 – rein Geburtsmedizinisch eine Risikoschwangerschaft. So fühlten sich auch die ersten Monate, durch die starke Hyperemesis bzw. Schwangerschaftsübelkeit an. Dieses kleine Wesen überraschte uns mit seinem Ankommen. War unter diesen Umständen eine selbstbestimmte Geburt möglich?

    Sofort war mir bewusst ich wollte dieses Mal keinen Kompromiss unter der Geburt weder im Geburtsort, der Geburtsform, noch in der Betreuung eingehen. Bei allen vorherigen Geburten war dies der Fall.

    Kein Kompromiss hieß für mich die Hebamme meines Vertrauens bei einer geplanten Hausgeburt. Leider musste die Hebamme aus persönlichen Gründen ihre Zusage widerrufen. Was nun?  Neu orientieren? Nein, das erschien mir alles zu anstrengend. Mein Partner und ich redeten viel in den nächsten Wochen. Er bestärkte meinen Wunsch der Geburt im Kreise meiner Familie und zur Not auch ohne anwesende Hebamme.

    Beunruhigende Probleme

    Plötzlich dann medizinische Probleme. Querlage der Kleinen (was mich nicht so beunruhigte, da ich Mehrgebärende war), eine erhöhte Menge Fruchtwasser und ein plötzlicher Perzentilen Sprung im Geburtsgewicht (diese beiden Dinge beunruhigten mich dann schon). „Schaffe ich die Geburt eines 4000g Kindes? Habe ich einen unentdeckten Schwangerschaftsdiabetes, der dann meine Geburt zu Hause im Kreis der Familie kosten würde?“

    Da war ich nun, wo ich dieses Mal nicht hinkommen wollte. Fremdgesteuert, nachdenklich, weit ab von meinen ureigenen Wünschen. Kurz kam ich von meinem Weg ab, Tränen flossen. Ich wollte dieses Menschenkind so unbedingt zu Hause willkommen heißen.

    Zurück ins Vertrauen kommen

    Ich musste mich fangen, wieder in mein Vertrauen in mich, dem Menschenkind und meinen Körper kommen. Was mir half war die Natur, der Wald und das Element Wasser. Ich spürte, dass das beobachten eines Bachlaufes mich mir wieder näher brachte. Und auch mein Partner bestärkte mich in meinem Wesen.

    Die kommenden, wehenden Nächte verbrachte ich mit meiner Hündin zu den Füssen am Kamin. Ich lud mir eine Wehenapp runter, um in meinen Geburtsvorbereitungskursen irgendwann mitreden zu können. Am ET passierte nichts – obwohl es doch immer hieß, die Kleine wäre 2 Wochen voraus.

    Unzählige Tassen Himbeerblättertee, Heublumendampfsitzbäder, Datteln (nie verzehrt), Nelkenöltampons, Leinsamen, meine Hypnose CD, den dicken Bauch anmalen, Bauchfotos und einen Bauchabdruck versüßten mir das warten.

    Dann am ET+7 die CTG Kontrolle in der Klinik. Die Klinik in der ich mich widerwillig zur Geburt angemeldet hatte. Die Klinik konnte nichts für meine Nichtakzeptanz. Ich wollte dort einfach nicht hin, nicht diskutieren über Oxytocingaben, Braunülen, Geburtspositionen usw. Vielleicht hätte ich diese dort nie gehabt, aber das Wissen, dass es unter der Geburt so kommen könnte, reichte aus. Prompt war das CTG mit Wehen durch Brustwarzenstimulation nicht 100%ig. Stunden später dann die erneute Fahrt zur CTG Kontrolle in die Klinik. Genau diese Unruhe wollte ich nicht.

    ET + 8 mit der Geduld am Ende

    Geburt - Schangerschaftsbauch mit Herzchen

    ET+8 war meine Geduld am Ende. Leichte Wehen, aber keine Regelmäßigkeit trotz Wehenapp zu erkennen. Sonnenschein. Am späten Nachmittag gönnte ich mir einen Spaziergang mit meiner Tochter Fee im Wald. Mitten im Wald dann eine Wehe, die mich nichts mehr halten ließ.

    Ich musste so etwas von lachen. Da stand ich mitten im Wald mit völlig nasser Hose. Für alle Leser – es war kein Blasensprung. Zu Hause bekochte ich noch meine Lieben. Mitten drinnen dann die erste Wehe, die mich doch sehr an die 4 anderen Geburten erinnerte. Die erste echte Wehe. Ich freute mich – Jetzt geht es los.

    Ähm und wie!!! Vielleicht doch lieber jetzt noch nicht. Wir informierten die Geburtsfotografin und das Kamerateam. Eine Hebamme hatten wir keine mehr gefunden.

    Ein kraftvoller Wehensturm

    Die Geburt begann mit einem Wehensturm, kraftvoll, überrumpelt, kaum Pausen, Druck wie verrückt, peinliche Situationen, der Schrei nach einer Pause – nur einer Pause. Für alle Fachleser – ich schrie nach Partusisten ;). Diese unfassbar starken Rückenschmerzen, dieses Becken was gefühlt zerbrach, kurz der Gedanke – „wie geht es wohl Ida mit diesem Wehensturm?“

    Ich versuchte die Herztöne zu finden, die für eine Sekunde gefundenen Herztöne 133 spm, beruhigten mich. Mein Freund drückte wie verrückt gegen mein Becken, um mir den Schmerz zu erleichtern. Er war meine Rettung, seine Arme zitterten. Die Kinder, die um mich rum waren, nahm ich kaum wahr.

    Mehr als kurze Wehenpausen

    In den mehr als kurzen Wehenpausen, kurze klare Gedanken. Wie sollte man mich jetzt verlegen? Schreiend mit diesen Wehen? Unmöglich, dass würde nie gehen. Es musste alles klappen. „Ob der Muttermund wohl auf geht?“ Ich sah kurz unter mich. Zeichenblutung und Druck. Der Muttermund ging auf. Ich verschrie die Wehen im Stehen am Seil. „Aber passt auch der Kopf ins Becken?“

    „In die Wanne, ich will jetzt in die Wanne.“ In der Wanne brachte selbst das Wasser keine Ruhe. Druck, Druck und noch mehr Druck. Dieser Druck. „Auaaah“. Irgendwas kam da. Der Schmerz des Fire Ring, die Glückshaube war geboren, dann der Kopf und dann schwamm sie dort vor mir. Ich griff nach ihr und nahm sie hoch.

    Eine glückselige Geburt

    Ida – geboren nach nur 60 min ab der ersten Wehe. Glückseligkeit im Raum mit allen Familienmitgliedern. Für einen großen Moment stand die Zeit still.

    Meine erste (Allein-) Geburt, in der ich mich so gar nicht alleine fühlte. Ich war noch nie so nahe bei der Kraft meines Körpers. Diese 60 Minuten waren die Versöhnung für alle Kompromisse der vorherigen Geburten. Sie waren nicht risikoreich oder verantwortungslos. Sie waren der Geburtsweg den ich mir für uns gewünscht und erseht hatte.

    In tiefer Dankbarkeit Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

    Ein sehr persönliches, aber zu wundervolles Video der Geburt von Ida, um es nicht zu zeigen.

    Cerstin Jütte – Video: Doula & Geburtsfotografie Cerstin Juette

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  • Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Eine Doula ist eine Person – meistens eine Frau – die eine Gebärende vor, während und nach der Geburt seelisch, moralisch sowie körperlich unterstützt. Sie ist keine medizinische Fachperson im eigentlichen Sinne, hat aber mehrere entsprechende Kurse besucht und wird mit einem Diplom ausgezeichnet.

    Ein ganz großer Vorteil ist, dass die Frauen ihre Betreuerin lange vor der Geburt auswählen, kennenlernen und somit eine weitere, vertraute Person als zusätzliche Unterstützung im Gebärsaal haben, auf die sie sich verlassen und deren Hand sie unter den Wehen getrost ordentlich quetschen kann.

    Diese «Fremd-Unterstützung» während der Geburt hat sich nicht nur bewährt, sondern senkt nachweislich das Risiko für Mutter und Kind. Die Sterblichkeitsrate, das Risiko einer instrumentell unterstützten Geburt oder eines Kaiserschnitts, die Schmerzmittelgabe sowie die Anzahl der Wehenstunden sind bei Geburten mit Doula-Begleitung deutlich geringer.

    Ich unterstütze die Doula-Arbeit, denn eine kontinuierliche, positive, emotionale Unterstützung während der Geburt ist unglaublich wichtig. Zudem berichten Frauen, die mit Doulas gebären, von weniger negativen Geburtserfahrungen.

    Seit wann gibt es eigentlich Doulas?

    Der Begriff stammt aus dem Griechischen, bedeutet soviel wie «Dienerin» und ist seit ca. 1969 gebräuchlich. Früher war Gebären reine Frauensache und außer einer Hebamme war noch eine weitere Person zur Unterstützung dabei.

    In der westlichen Welt hat sich das in letzten 50 Jahren stark verändert, auch der Mann ist nun mit dabei. Grundsätzlich finde ich es gut und wichtig, dass Väter bei der Geburt ihrer Kinder dabei sind.

    Leider erstarren aber viele Männer wie hypnotisierte Kaninchen, sobald Blut oder andere Körperflüssigkeiten sichtbar werden und sind gar nicht mehr fähig, ihren Frauen beizustehen. Dann kommt die Doula zum Zug, was auch viele Männer begrüssen, lastet so die Verantwortung nicht allein auf ihren Schultern.

    Ich habe eine Doula gefragt, warum sie sich zur Doula ausbilden ließ. Sie erzählte mir, sie habe sich bei ihrer ersten Geburt allein gefühlt, da die Hebamme nicht so viel Zeit hatte, ihr Mann wie gelähmt war und sie kaum unterstützen konnte. Er wollte es zwar, doch der Anblick seiner leidenden Frau machte ihn komplett hilflos.

    Sie mache ihm keine Vorwürfe, habe aber gemerkt, dass sie beim nächsten Mal eine zusätzliche Unterstützung möchte und bräuchte. Und so war bei ihrer zweiten Geburt eine Doula dabei. Ein riesiger Unterschied: Sie erlebte die Geburt als sehr positiv, trotz relativ langer Dauer.

    Und nach dieser positiven Erfahrung habe sie sich dazu entschieden, selber Doula zu werden. Mittlerweile hat sie vier Kinder und begleitet 5-7 Frauen pro Jahr durch die Geburt.

    Eine Doula bietet moralische Unterstützung im Kreissaal

    Ich persönlich schätze die Arbeit von Doulas im Gebärsaal sehr. Die moralische Unterstützung, die sie der Gebärenden bietet, ist in den meisten Fällen deutlich größer, als wenn sie alleine von ihrem Partner begleitet wird. Zudem integrieren Doulas meist auch den Mann besser in den Geburtsprozess.

    Noch nie hat mir eine Doula bei meiner Arbeit reingeredet. Ich nehme sie stets als positiv unterstützender Faktor für die Gebärende wahr und finde die Zusammenarbeit sehr spannend. Vor allem, wenn viel los ist und ich mehrere Frauen gleichzeitig bei der Geburt begleite, schätze ich eine Doula umso mehr.

    Eine Geburt ist ein extremes Ereignis und wenn eine Frau entsprechend adäquate, fachliche und emotionale Hilfe erhält, geht das meistens gut aus und bleibt als positives, schönes Erlebnis in aller Erinnerung.

    Eure Dayo  (Hebamme)

    Bist Du interessierst an dieser wundervollen Arbeit einer Geburtsbegleiterin? Wir bilden Doulas nach internationalen Standards aus. Nähere Informationen zu dieser sehr fundierten Ausbildung findest Du hier. Falls Du mindestens 15 Stunden pro Woche beschäftigt bist (und/oder gerade in Elternzeit), hast Du die Chance auf  eine Bildungsprämie/-scheck im Wert von 500 Euro. (Hinweis der Redaktion)

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  • Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen sind die einzigen Schmerzen, die wirklich Sinn machen, sagt der Volksmund. Er wird sehr individuell wahrgenommen. Aber warum ist das so und warum tut Kinderkriegen überhaupt weh? Wie kann die Frau mit den Schmerzen unter der Geburt umgehen und wie kann man sie lindern?

    Dieser besondere, einzigartige Schmerz entsteht, wenn sich die Gebärmutter sehr stark zusammenzieht (Kontraktion). Sie wird durch Bänder stabilisiert, die wiederum mit der Wirbelsäule verbunden sind.

    Deshalb beschreiben fast alle Frauen, dass unter den Wehen auch ihr Kreuz schmerzt.

    Die Wehen

    Wehen kommen in Wellen und ebben wieder ab. Am Anfang der Geburt fühlen sie sich meistens wie ziehende Menstruationsschmerzen an und werden im Fortschreiten der Geburt immer stärker.

    Steht eine Frau unter der Geburt, hat sie ca. alle drei Minuten eine Wehe. Eine Minute davon ist die eigentliche Kontraktion, zwei Minuten ruht die Gebärmutter.

    Diese Pause ist extrem wichtig, damit sich die Gebärende erholen und vor der nächsten Kontraktion wieder einen normalen Atem-Rhythmus finden kann.

    Es gibt verschiedene Methoden, mit dem Schmerz umzugehen. Wir Hebammen sind unter anderem dafür da, den Frauen dabei zu helfen. Wir unterstützen sie auch beim Entspannen zwischen den Kontraktionen.

    Denn je verspannter eine Gebärende ist, umso schmerzhafter empfindet sie die Wehen. Viele Frauen gelangen irgendwann an den Punkt, wo der Schmerz allen Raum einnimmt und sie nicht mehr mit ihm umgehen können.

    Dann kommen meistens Schmerzmittel zum Zug. Opiate bringen Linderung, eine Rückenmarksanästhesie (PDA) schaltet den Schmerz fast komplett aus.

    Es gibt nicht wenige Frauen, die ihr Kind ganz ohne Schmerzmittel zur Welt bringen.

    Warum gelingt dies den einen, den anderen aber nicht?

    Das Schmerzempfinden ist sehr individuell. Als Hebamme kann ich bestätigen, dass es große Unterschiede in der Schmerzempfindung bei Gebärenden gibt.

    Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Ist die Frau erholt? Hat sie Erfahrung mit Schmerzen? Fühlt sie sich sicher und gut aufgehoben? Je nachdem variiert auch das Schmerzempfinden.

    Studien haben gezeigt, dass Frauen, die über den Geburtsprozess gut informiert sind und wissen, was mit ihrem Körper passiert, besser mit dem Schmerz umgehen können.

    Dies ist absolut logisch. Denn wer Angst hat vor dem Unbekannten, verspannt sich. Und Verspannungen führen zu mehr Schmerz.

    Dieses Prinzip der Angst-Spannung-Schmerz-Spirale ist in der Geburtshilfe ein bekanntes Phänomen. Sie zu durchbrechen gelingt nicht immer und endet meist im Wunsch nach starken Schmerzmitteln oder einer PDA.

    Die sogenannte sanfte Geburt

    Die sogenannte sanfte Geburt, auch Hypnobirthing genannt, ist ein „neuer Trend“ bzw. eine Rückkehr zur natürlichen Geburt. Hier versetzt sich die Gebärende in eine tiefe Entspannung bzw. eine Art Selbsthypnose und nimmt dadurch die Geburtsschmerzen (fast) nicht mehr wahr.

    Diese Frauen gehen mit einer positiven Einstellung in Bezug auf den Schmerz in die Geburt. Dies allein ist meiner Meinung nach schon das halbe Ticket.

    Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Frauen, die diese Methode in der Frühschwangerschaft zu trainieren beginnen, deutlich besser mit ihren Wehen umgehen und meist natürlich und ohne Schmerzmittel gebären können.

    Wichtig ist mir, dass eine Frau selber entscheiden kann und soll, wie sie gebären will und welche Schmerzmittel sie wann haben möchte.

    Oft erlebe ich, dass Männer nach einer PDA fragen, weil es ihnen sehr schwerfällt, ihre Liebste leiden zu sehen.

    Ja, eine Geburt ist ein schmerzhaftes Ereignis! Aber wir Frauen sind dafür gemacht, diesen Prozess durchzustehen. Dank der modernen Medizin kann das auch fast schmerzfrei geschehen.

    Kaiserschnitt versus Geburtsschmerzen

    Immer wieder entscheiden sich Schwangere aus Angst vor den möglichen Geburtsschmerzen für einen Kaiserschnitt. Trugschluss!

    Denn ein Kaiserschnitt ist eine Operation. Die Schmerzen folgen unmittelbar nach dem Ereignis und sind oft mehrere Wochen nach der Geburt noch spürbar.

    Solange es Mutter und Kind gut geht, lohnt es sich meiner Meinung nach immer, eine natürliche Geburt anzustreben. Wenn die Schmerzen zu groß werden, kann jederzeit auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden.

    Nach einer Spontangeburt erholt man sich schneller und hat nicht mehrere Wochen lang Schmerzen.

    Das Schöne am Geburtsschmerz ist, dass sein Ende absehbar ist. In den allermeisten Fällen wird man mit einer der größten Freuden des Lebens belohnt: Einem Kind.

    Viele Frauen vergessen zudem vor lauter Freude über das Baby ihre Schmerzen sehr schnell und erleben nicht selten nach wenigen Monaten oder Jahren dasselbe ein weiteres Mal.

    Zusammenfassend: Faktoren, die das Empfinden der Geburtsschmerzen beeinflussen

    • „ausgeruht“ und vorbereitet bzw. gut informiert über den Geburtsverlauf
    • eine positive Einstellung Schmerzen und der Geburt gegenüber
    • fühlt sich sicher, informiert und vertraut den sie begleitenden Personen

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: PixieMe / shutterstock
  • Osteopathie beim Baby – Geburtsberichte einer Mutter

    Osteopathie beim Baby – Geburtsberichte einer Mutter

    Osteopathie beim Baby: Im folgenden Beitrag berichtet eine Leserin von ihren komplikationsreichen Schwangerschaften und Geburten und wie ihren Kindern Osteopathie Behandlungen halfen.

    Die Geburt meiner Tochter

    Meine  Tochter wurde im Oktober 2013 bei 40+6 per Kaiserschntt geholt. Warum? Makrosomie und Verdacht auf einen Wasserkopf. Zudem hatte ich noch eine schwere Symphysenlockerung und eine Stauniere.

    Die Geburt wurde montags eingeleitet, doch es haben sich keine wehen gebildet. So wurde der KS Termin für Donnerstagmorgen geplant.

    Mittwochnachmittags fingen die Wehen dann aber an und man hat den KS auf Mittwoch vorverlegt bzw. der Arzt kam um 16:30 und meinte sofort in den OP .

    Um 17:07 kam meine Tochter mit 4380g, 56 cm und 37,5 cm Kopfumfang auf die Welt. Ein Wasserkopf wurde nicht bestätigt.

    Circa um die 6. Lebenswoche meiner Tochter wurde festgestellt, dass sie sich kaum bewegt und den Kopf nur auf der linken Seite abliegt. (Dies kann ein Hinweis auf das KISS-SYNDROM sein, Hinweis der Redaktion.) Meine Hebamme meinte dann, wir sollten Mal einen Osteopathen aufsuchen.

    Haben wir dann auch sofort gemacht. Eine Sitzung und das Kind konnte sich bewegen und den Kopf endlich drehen. Seit dem war sie wie ausgewechselt, fing an neugierig zu werden und zu reagieren, wenn wir sie angesprochen haben.

    Die Geburt meines Sohnes

    Mein Sohn wurde im Mai 2018 per eilige Sectio in der 34+2 Schwangerschaftswoche geholt. Geplant war dieser KS allerdering bei 38+1 wegen meinem Geburtstrauma im letzten Jahr (Zwillingstotgeburt in der 23+4. aufgrund eines Fetofetales Transfusionsyndrom.

    (Abgekürzt FFTS, Synonym Zwillings-Syndrom; englisch twin-to-twin transfusion syndrome, ist eine vergleichsweise seltene, aber in ihren Auswirkungen in der Regel sehr schwerwiegende Durchblutungs- und Ernährungsstörung von eineiigen Zwillingen.

    Sie tritt speziell bei Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen auf, die sich einen Mutterkuchen (Plazenta) teilen. Hinweis der Redaktion, Quelle). 

    Dies war einer der Gründe, warum mein Sohn so früh geholt wurde.

    Der Grund warum mein Sohn in der 34+2 geholt wurde, war eine angehende Plazentaablösung und ein Fetomaternales Transfusionsyndrom (FMT).

    (Blutübertritt vom Fetus in den Kreislauf der Mutter; meist infolge Verletzung der Blutkapillaren der Mutterkuchenzotten (z.B. bei Placenta praevia, anlässlich geburtshilflicher operativer Eingriffe, bei vorzeitiger Plazentalösung; kann zu einer lebensgefährlichen Anämie des Kindes führen, aber auch zur Sensibilisierung der Mutter i.S. einer Rhesus-Inkompatibilität, Hinweis der Redaktion, Quelle.)

    Mein Sohn wurde mit 3260g, 49cm und 34,5 cm Kopfumfang um 22:10 geboren.

    12 Tage auf der Intensivstation

    Er lag anschließend 12 Tage wegen Blutarmut (HB von 5), eingefallener Lunge und Bildung eines Stresshormones (welches zu Organversagen führen kann) auf der Intensivstation.

    Er wurde 48 Stunden mit Morphin „stillgelegt“ und wir mussten bangen, dass er es überlebt und nicht zu seinen Brüdern geht. Gott sei Dank hat er sich super gemacht und ist jetzt 10 Wochen alt.

    Wir haben relativ schnell fest gestellt, dass er auch nur zu einer Seite guckt, diesmal nach links, dadurch hatte sich auch schon sein Kopf verformt. Er konnte die Arme nicht an den Körper anlegen und hatte die Beinchen immer am Körper angezogen. Sie waren auch alle sehr steif, was man beim Umziehen immer wieder merkte.

    Er überstreckt sich enorm. Teilweise fand er nicht mehr in den geraden Zustand zurück, so dass ich ihn beruhigen und helfen musste. Er war nachts sehr unruhig, weinte sobald man ihn ablegte und war ruhig, sobald ich ihn auf dem Arm hatte.

    Er spuckte sehr viel, ist aber kein Speikind. Dafür kam alles sehr viel später nach dem Trinken wieder hoch und lief einfach nur raus.

    Osteopathie bei Säuglingen - Die 5 häufigsten Gründe mit Säuglingen zu einem Osteopathen zu gehen

    Osteopathie beim Baby – Besuch beim Osteopathen

    Die Behandlungsmöglichenkeiten sind vielfältig und nach einer Geburt „immer“ sinnvoll, da die Kräfte, die auf den Körper der Mutter und des Babys  einwirken extrem sind.

    In der 8. Lebenswoche waren wir auf Anraten von seinem Kinderarzt bei einem Osteopathen. Mein Sohn hatte diverse Dornfortsätze ausgerenkt, durch das schnelle rausheben beim Kaiserschnitt.

    Zudem hatte er ein verdicktes Zwerchfell, was auf seinen Magen drückte und Sodbrennen auslöste. Daher kam sein Schreien im Liegen.

    Einer seine Dornfortsätze war direkt in der Mitte der Wirbelsäule verschoben, wodurch er seine Ärmchen und Beinchen nicht frei bewegen konnte.

    Dieser klappte ihn quasi einmal in der Mitte zusammen. Beim Einrenken stöhnte er auf und seine Arme und Beine fielen an den Seiten „runter“.

    Verbessert durch den Besuch hat sich auch sein Verhalten. Er schläft auch Mal im Laufstall, trinkt besser, stößt auf ohne zu spucken und ohne es später Retour zu geben.

    Er hat nun auch regelmäßig Stuhlgang, bewegt seine Arme und Beine, und Überstreckt sich nicht mehr so arg. Ende September haben wir noch einen Termin. Ich kann nur jeder Mutter „Osteopathie beim Baby“ empfehlen.

    Meine Empfehlung an KS Mütter

    Ich kann jeder KS Mutter nur dazu raten, selber mindestens einmal einen Osteopathen aufzusuchen.

    Während und nach den Schwangerschaften war ich jeweils einmal da. Und mindestens einmal habe ich ihm die Kinder vorgestellt.

    Mein Sohn hat so schrecklich geschrien, dass mir ganz mulmig war. Was ja eigentlich auch klar war. Er hatte Schmerzen, seit dem Termin nur noch „Gemecker“ bei Hunger oder wenn ein Pups quer saß.

    Ich bereue beide Kaiserschnitte absolut nicht. Erstens, weil mir der erste ein gesundes Kind und zweitens der nachfolgende ein lebendes Kind geschenkt hat.

    Glücklicherweise stelle ich mir auch nie vor, wie man mir die Kinder aus dem Körper zerrte oder ich irgendwas verpasst habe.

    Die Geburt ist bzw. war für mich nur ein relativ kleines Erlebnis, was ich mit meinen Kindern hatte. Für mich zählt es, sie aufwachsen zu sehen, nicht wie sie zur Welt kamen.

    Ich würde alle Geburten wieder so machen, auch die Zwillinge auf natürlichem Weg.

    Eine Babytalk-Leserin

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  • Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Liebe auf den ersten Blick – Erst kürzlich habe ich darüber berichtet, dass ich meine beiden Mädchen nicht gleich lieben würde – was auch völlig normal sei. Dabei meine ich nicht die Intensität, sondern vielmehr die Art zu lieben.

    Ich habe zwei völlig unterschiedliche, einzigartige Menschen geboren und ebenso einzigartig ist die Liebe zu ihnen. Doch wo lag der Ursprung dieser Liebe? Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es anders ist? Nun, ich denke, der Grundstein wurde im Kreißsaal gelegt.

    Bei Claire war ich eine unerfahrene „Erstlingsmama“. Die erste Schwangerschaft, die erste Geburt, die ersten Fehler. Ich nahm die Geburt auf die leichte Schulter und hatte nicht damit gerechnet, dass es Probleme geben könnte.

    Immerhin war meine Schwangerschaft tadellos. Meine Mutter hat fünf Kinder zur Welt gebracht, warum sollte ich das nicht schaffen? Dementsprechend war ich etwas unvorbereitet und das Unglück nahm seinen Lauf.

    Mehrtägige Einleitung unter Wehen

    Leider hatte „ich“ den Entbindungstermin deutlich überschritten. Am zehnten Tag wurde entschieden, dass man nun einleiten werde. Ich habe den Ärzten vertraut und einen richtigen Höllentrip erlebt. Diese Erfahrung wünsche ich keiner Frau, denn sie endete nach drei Tagen Wehen mit einem Kaiserschnitt.

    Damit möchte ich nicht andeuten, dass der Kaiserschnitt per se schlecht sei! Für mich kam er nur unvorbereitet und mit voller Wucht. Ich hatte mich nicht informiert und der Ablauf hat mich völlig überwältigt: Die Herztöne wurden schlechter, meine PDA wurde hochgedreht und ich kam in den OP. Alles binnen weniger Minuten.

    Dort schnallte man meine Arme am Tisch fest, ich war umgeben von Weißkitteln und grünen Masken. Dann wurde ein Tuch aufgehängt, damit ich meinen Bauch nicht mehr sehen konnte. Ich fühlte mich – Pardon – wie eine Sau auf der Schlachtbank und war mir sicher, ein Kaiserschnitt kann auch anders sein.

    Doch in diesem Moment fühlte ich mich nur hilflos, ausgeliefert und traurig. Ich hatte versagt als Mutter. Ich hatte mein Kind nicht selbstständig gebären können. Diese Gedanken hingen mir noch lange nach, stürzten mich in Depressionen. Es war wahrlich keine schöne Zeit.

    Geburt – Kaiserschnitt – Wie in Trance

    Während ich auf dem OP-Tisch festgeschnallt war, wurden mir ein paar Dinge erklärt, aber ich konnte die Informationen nicht verarbeiten. Ich wollte einfach nur, dass das aufhört und einfach mein Baby im Arm halten. Ich spürte, wie an meinem Bauch etwas passierte, dann einen seltsamen Unterdruck. Und schon sah ich, dass mein Baby aus dem Bauch herausgehoben wurde.

    Eine Schwester hat sich mein Baby geschnappt und in ein Handtuch gewickelt. Erst nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren und nach gefühlten etlichen Stunden Schmerzen und Leid – konnte ich endlich in die Augen meines Babys blicken. Dazu wurde ein Arm vom OP-Tisch gelöst.

    Ich lag noch immer da, einarmig festgeschnallt. Mein Baby wurde mir im Handtuch an den Kopf gehalten, ich konnte es mit einem Arm kurz berühren und habe mein Baby ganz benommen angesehen.

    Ich war wie in Trance, war nicht ganz bei Sinnen und fühlte nur Erleichterung und – Müdigkeit. Fühlte mich unendlich müde von der Tortour, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Ganz kurz flackerte Freude in meinem Herzen auf. Dann wurde sie von meiner Erschöpfung im Keim erstickt.

    Von Liebe auf den ersten Blick konnte …

    Von Liebe auf dem ersten Blick konnte keine Rede sein. Der erste Blick war nicht so romantisch schön, wie man ihn vielleicht aus anderen Erzählungen her kennt. Er wurde überschattet von vielen negativen Erinnerungen und getrübten Sinnen. Als ich im Kreißsaal ankam, wurde mir mein Baby in den Arm gelegt und wir schliefen gemeinsam kuschelnd ein.

    Ich habe sie in den nächsten Tagen nur zum Wickeln und Wiegen aus dem Arm gegeben. Sie schlief und kuschelte die ersten Tage in meinem Arm. Und wir fingen an gemeinsam die Geburt zu verdauen.

    Dies war lange Zeit meine Art ihr Liebe zu zeigen. Nähe, Körperkontakt und Geduld. Während ich sie anblickte, fühlte ich oft Schuld. Es tat mir so Leid, dass ich ihr keinen guten Start ins Leben ermöglichen konnte. Ich war zerfressen von Schuldgefühlen und Angst, eine schlechte Mutter zu sein. Das aktive „lieben“ kam leider erst sehr viel später.

    Der Weg zur selbstbestimmten Geburt

    Völlig anders war es bei Marie. Nach dem schlechten Erlebnis, stellte ich mir die Frage, ob ich es nochmal auf eine natürliche Geburt ankommen lassen wollte oder direkt einen Wunschkaiserschnitt in Betracht ziehen sollte. Hier findet ihr einen Beitrag von Dayo, einer tollen Hebamme, zu dieser Geburtswahl (Hinweis der Redaktion).

    Ich haderte stark, hatte Angst erneut zu versagen. Doch dann las ich – zum Glück – das Geburtsbuch von Nora. Ich hatte das Buch schon früher rezensiert und in der Schwangerschaft mit Marie erneut zur Hand genommen.

    Darin habe ich viel über die selbstbestimmte Geburt gelesen, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten von Geburtsorten vertraut gemacht und letztlich entschieden, dass ich es nochmal versuchen wollte. Zum Glück! Denn bestärkt durch Noras Buch habe ich somit den wohl bisher schönsten Tag meines Lebens erleben können.

    Ein Traum von einer Geburt

    Maries Geburt war wie aus dem Bilderbuch. Sachte Wehen zu Anfang, die ich wegatmen konnte. Stärkere Wehen habe ich in der Badewanne zu Hause und später auch im Krankenhaus durchgestanden.

    Ich habe zuvor bestimmt, dass ich keine PDA möchte und während der Geburt gezeigt, was ich will – und was nicht. Und es lief super. Mein Mann war dabei und hat die Geburt mit mir durchlebt. Die Hebamme hielt sich im Hintergrund und war in den richtigen Momenten voll da: Pressen!

    Erst merkte ich, wie weich und flauschig es zwischen meinen Beinen wurde, mit der nächsten Presswehe habe ich Marie dann aus eigener Kraft geboren und konnte sie sofort auf meine Brust legen. Ich habe sie angesehen und war wie vom Donner gerührt: Sie war wunderschön und ich habe mich sofort tief mit ihr verbunden gefühlt.

    Es ist… Liebe

    Während der Geburt habe ich mit meiner inneren Stimme immer wieder zu ihr gesagt, dass wir ein tolles Team seien und das zusammen hinbekommen. In meinem Arm liegend habe ich dann eine tiefe Verbundenheit, wie nie zuvor gespürt. Und ich wusste: Wir haben das gemeinsam geschaffen. Diese Art der Liebe, die es kein zweites Mal auf der Welt gibt.

    „Du siehst so unglaublich glücklich aus!“, sagte mein Mann direkt nach der Geburt zu mir. Und er hatte Recht. Ich war glücklich, Marie hatte all meine Wunden der ersten Geburt verödet. Es ist Liebe. Bedingungslose, unendliche, reine Liebe. Dies wurde mir sofort klar als ich sie an sah. Für sie wollte ich alles sein und alles werden, was sie jemals brauchen wird. Ich war endlich wieder im Reinen mit mir.

    Und Ja, es gibt die Liebe auf den „ersten“ Blick

    In diesem Moment konnte ich endlich all die glücklichen Mamas verstehen, die sich mit Freude an die Geburt ihrer Babys erinnern, denn trotz der Schmerzen, bleibt letztlich nur das Hochgefühl, einem wunderbaren Menschen in das Leben begleitet zu haben.

    Ich bin so glücklich den Schritt gewagt zu haben und diese leichte, beschwingte Art der Liebe kennengelernt zu haben. Die Liebe auf den ersten Blick, es gibt es ihn wirklich. Mit Marie habe ich sie tatsächlich erlebt und ich bin mir sicher, dass es eine endlose Liebesgeschichte sein wird.

    Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

    Wir würden uns sehr freuen, etwas über Eure Erfahrungen in Bezug auf die „Liebe auf den ersten Blick“ zu erfahren. Ging es Euch genauso oder war es eher ein längerer Weg (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: LittleDogKorat / shutterstock

  • Der erste Blick meines Babys – Magie des Moments

    Der erste Blick meines Babys – Magie des Moments

    Magie des Moments bzw. der erste Blick zwischen Mutter und Kind. Wenn wir einen Menschen zum ersten Mal wahrnehmen, konzentrieren wir uns häufig auf die Augenpartie. Wir halten diese im Fokus und sammeln Informationen. Der durchschnittliche Augenkontakt beträgt dabei ungefähr 3,3 sec.

    Eine kurze Zeit, die sehr entscheidend für unsere Reaktion sein kann. Ganz anders der erste Blick der Mutter, kurz nach der Geburt zum Neugeborenen. Es ist ein sehr sensibler Mutter – Kind – Interaktionsprozess.

    Die Pupillen der Mutter sind nach der Geburt durch das im Körper anwesende Bindungshormon Oxytocin, weitgestellt. Sie sucht sofort nach der Geburt den direkten Augenkontakt zum Neugeborenen, ruft manchmal den Namen des Kindes oder fordert es auf die Augen zu öffnen.

    Irgendwann öffnet das Neugeborene, die noch häufig verquollenen Augen und schaut mit ebenfalls großen Augen in das liebevolle Gesicht der Mutter. Diesem magischen Moment, der erste Blick, wohnt ein besonderer Zauber inne. Als wäre es eine Bestätigung für die Mutter – das ist mein Kind, ich habe es geschafft.

    Liebe auf den ersten Blick

    Es ist bedingungslose Liebe. Ein prägender Moment für beide. Besonders bei einer Wassergeburt ist das auch für die Beobachter ein magischer Moment.

    Die Kinder drehen sich auf den Rücken, schauen mit großen Augen unter Wasser die Mutter an und werden von ihr an Land gehoben.

    Das Neugeborene reagiert meist mit einem natürlichen Instinkt und robbt sich zur Brust. Damit kommt es dem Gesicht der Mutter näher, denn in einem Abstand von rund 30 cm kann schon das Neugeborene gut sehen.

    Es kann erkennen, wer da gerade mit ihm spricht. Es ist ein weiterer dicker Faden eines dicken Bandes, das nun für immer zwischen beiden geflochten wird. Eine Bindung, die länger als ein Leben andauert.

    Es ist so schwierig für mich und vermutlich ist es auch nicht möglich, die richtigen Worten für diesen Moment zu finden. Oder?

    Wie ist es Euch Eltern / Lesern in diesem Moment ergangen, der erste Blick, könnt ihr diesen Moment in Worte fassen und sie mit uns teilen?

    Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

    Beitragsfoto: Chattapat / shutterstock
  • Als werdender Vater bei der Geburt

    Als werdender Vater bei der Geburt

    Als werdender Vater bei der Geburt – Wie geht es Vätern während der Geburt des Kindes? Eine Antwort auf diese Frage will ich nachfolgend aus meiner immer noch sehr präsenten Erinnerung erzählen?

    Es ist mittlerweile 20 Jahre her, dass meine/unsere Tochter zu Hause in unserem Schlafzimmer, dass Licht der Welt erblickte.

    Wir bzw. meine Frau hatte sich auf meine Idee unser Kind zu Hause auf die Welt zu bringen angeschlossen, was nicht zuletzt an unserer sehr vertrauenswürdige und kompetenten Hebamme Raphaela Hoyer lag. Denn als wir dies unseren Eltern erzählten, ernteten wir sehr viel Kopfschütteln und Warnungen.

    Die ersten Wehen

    Morgens gegen halb 5 Uhr begannen die Wehen meiner Frau. Was sie mir aber erst zwei Stunden später mitteilte, als mein Wecker klingelte. Ich hatte als Dozent eine Klausur in einem 100 km entfernten Institut zu stellen.

    Kurz vor acht rief ich im Institut an, um mitzuteilen, dass ich die Klausur nicht persönlich stellen könnte. Ich sollte sie dann faxen. Das war damals leichter gesagt als getan. Faxe gehörten damals noch nicht zur Standardausstattung von Privathaushalten.

    Wir wohnten damals in einem kleinen Vorort von Münster und so fuhr über eine Stunde lang verschiedene Läden in der Umgebung ab, bis ich in einem Supermarkt fündig wurde und ein „öffentliches Faxgerät“ vorfand. Internet gab es noch nicht (kaum zu glauben).

    Erste Untersuchung durch unsere Hebamme

    Gegen 9 Uhr rief meine Frau ihre Hebamme an, die kurz darauf vorbei kam, den Abstand der Wehen und die Öffnung des Muttermundes prüfte. Es waren ca. 2 cm.

    Sie beruhigte uns und teilte uns mit, dass es wohl noch etwas dauern und wie ich meine Frau unterstützen könnte die Wehen zu veratmen. Dann fuhr sie wieder mit der Auskunft, dass sie in ca. 2 Stunden wieder vorbei kommen würde.

    Wir riefen meine Schwägerin an. Die kam direkt aus Hamburg angefahren und unterstützte uns am „Geburtstag“ unserer Tochter.

    Am frühen Nachmittag kam Raphaela wieder. Die Öffnung betrug nun 5 cm. „Warten“ bzw. Durchstehen der Wehen war angesagt. Denn die Wehen meiner Frau waren mittlerweile schon sehr schmerzhaft.

    Abwechseln machte ich mit meiner Schwägerin einen Buckel in gebeugter Haltung an dem meine Frau sich „entspannen“ und die in immer kürzer werdenden Abständen kommenden Wehen veratmen sollte.

    Hilflos als Vater bei der Geburt

    Zu diesem Zeitpunkt war es schon sehr arg für mich, „hilflos“ als Vater bei der Geburt mit ansehen zu müssen, wie sehr meine Frau „leidet“ ohne wirklich etwas tun zu können. Dies wurde mit dem Näherrücken der Geburt immer ärger. 

    Auch wenn es ein nicht ganz passender Vergleich ist. Stellt euch vor, euer Kind hat sich verletzt, schreit und weint unerbittlich und ihr könnt nichts tun, um ihren Schmerz zu lindern.

    Mit ihrer Souveränität nahm mir Raphaela zumindest die Angst vor der Geburt. Wenn sie mir auch nicht das Leiden meiner geliebten Frau leichter machen konnte. Sie schlug meiner Frau vor, erstmal noch in die Wanne zu gehen, was diese machte, wenn sie auch wieder recht schnell draußen war.

    Dann ging es für die letzten nicht enden wollenden „25 Minuten“ aufs Bett. Ich saß am Bettrand mit leicht gespreizten Beinen, meine Frau hockte halb auf meinen Beinen und halb dazwischen. Raphaela vor uns am Boden.

    Das Zimmer war abgedunkelt und es lief „Que sera“ von Doris Day, was wir gefühlt die gesamte Schwangerschaft durch hörten und womit wir unsere Tochter begrüßen wollten.

    Als die Geburtswehen begannen, war es für mich kaum noch auszuhalten. Meine Beinen wollten nicht mehr und meine Hilflosigkeit zerriss mich fast.

    Ich konnte ihr den Schmerz nicht nehmen noch lindern. Immer wieder meinte sie, sie wolle und könnte nicht mehr und wolle das es aufhört. Abgesehen davon war ich ja auch nicht ganz unbeteiligt bzw. „unschuldig“ an ihrer Situation.

    Zum Schluss musste es dann ganz schnell gehen, da unsere Tochter die Nabelschnur um ihren Hals gewickelt hatte. Die letzten Geburtswehen waren der Horror für meine Frau. Aber auch für ihre Schwester und mir.

    Wenn ich mich nur zweiteilen könnte

    In diesem Moment wusste ich einfach nicht, um wen oder was ich mich gerade als erstes kümmern sollte.

    Ich war hin und hergerissen zwischen das Wunder des Lebens, wie da ein lebensfähiger, vollständiger Mensch aus den Bauch kommt und den Schmerzen meiner Frau.

    Doch zum Glück hatte Raphaela alles im Griff, legte unsere Tochter auf den Bauch ihrer Mutter und nähte ihren kleinen Riss. Nachdem ihre Nabelschnur auspulsiert war, durfte ich sie durchschneiden.

    Gerne hätte ich dieses überwältigende und freudige Gefühl länger ausgekostet. Dieses wunderschöne und allein lebensfähige Menschenskind (alle Eltern finden ihre Babys wunderschön) einfach nur auf dem Bauch ihrer zu „bestaunen“.

    Anschließend badete ich sie mit Raphaela zusammen, die sie gleichzeitig untersuchte. Während meine Frau sich etwas von ihren Strapazen und Schmerzen ausruhte.

    Wie schlafen?

    Wir wollten unsere Kleine Maus unbedingt in unserer Nähe haben. Doch da meine Frau Angst hatte sich versehentlich auf sie zu legen, nahm ich sie auf meinen Bauch. Dort schlief sie ihre erste Nacht auf dieser Erde.

    Ich konnte in dieser Nacht „kein Auge zu machen“, da ich meinen Blick nicht von diesem wunderschönen Menschenkind lassen konnte und eh nicht auf dem Rücken einschlafen kann.

    (Ps. Wenn sie auch später (bis ca. 10 Jahre) nicht einschlafen konnte und ich mich zu ihr legte, legte sie ihren Kopf auf meinen Brustkorb und weg war sie).

    Am nächsten Tag als meine beiden Frauen schliefen, bin ich einkaufen gefahren und habe für die nächsten Tage vorgekocht. Auch wenn es viel Theater von Seiten der lieben Verwandten gab, haben wir für die erste Woche ein Besuchsverbot durchgesetzt, was wir nicht bereut haben.

    Zum Glück konnte ich mir für die ersten vier Wochen unbezahlten Urlaub nehmen (ich war damals schon freiberuflich tätig). Das war das Beste, was ich damals machen konnte und nie bereut habe. Es wäre wünschenswert alle Väter bzw. Eltern hätten diese Wahl und könnten es „finanzieren“.

    Es ist als Vater schon so schwer genug sich in der neuen Rolle und Familienkonstellation zurecht zu finden. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter lässt häufig erstmal keinen Platz für einen Vater.

    Viele frisch gebackene Mütter haben erstmal kein Bedürfnis nach Sex und/oder Nähe zu ihrem Partner. Die Nähe zu ihrem Kind füllt sie häufig ganz aus. Hierzu empfehlen wir euch den Beitrag „Eine kleine Auszeit vom Elternsein“ (Hinweis der Redaktion).

    Damit will ich nicht sagen, dass es für die junge Mutter nicht auch schwer ist, sich in die neue Rolle einzufinden, doch dies wird ihr zumindest in den ersten Wochen von ihrem Baby „gezeigt“.

    Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

    Ps: Wie freuen uns sehr zu erfahren, wie eure Männern die Situation als Vater bei der Geburt erlebt haben.

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  • Geburtseinleitung – Der Prozess der Geburt ist bedingt steuerbar

    Geburtseinleitung – Der Prozess der Geburt ist bedingt steuerbar

    Eine Geburt einleiten?

    Geburtseinleitung – Es gibt absolut Indikationen eine Geburt einzuleiten, das ist unumstritten. In diesen Fällen ist es medizinisch notwendig, von diesen Fällen möchte ich auch im folgendem nicht sprechen. Mir geht es um die medizinisch weichen Indikationen bis hin zur Einleitung auf Wunsch.

    Beachtet: Jeder Eingriff in den Verlauf einer Geburt hat zur Folge, dass der natürliche Ablauf gestört wird. Dies kann zu Komplikationen führen und ggf. weitere Interventionen nötig machen oder gar zu Notfällen führen.

    Doch fangen wir ganz von vorne an. Bisher ist die wahre Tragzeit der Menschen nicht auf den Tag genau berechenbar, die Auslöser einer Geburt nicht abschließend erforscht. Der natürliche Geburtsprozess ist nur bedingt bis zu einem gewissen Punkt steuerbar.

    Es bleibt also ein gewisser dunkler, unerforschter Fleck im Werden eines Menschen. Ein Mysterium. Das ist auch gut so aber scheinbar für mache Menschen, insbesondere unter Medizinern schwer zu ertragen. Es fällt vielen schwer, nicht alles kontrollieren und somit steuern zu können.

    Eine Schwangerschaft dauert bis zu 42 SSW. Jede Frau und jede Schwangerschaft hat ihre individuelle Tragzeit. Nur 3% aller Kinder werden am Termin geboren.

    Schauen wir, wie es die Natur macht

    Keine Samenmischung keimt gleich, kein Baum hat sein Obst zur gleichen Zeit reif, keine Staude verblüht zur gleichen Zeit. Die Natur ist sehr individuell ausgerichtet. Warum unterliegen wir Menschen dann immer wieder dem Uniformitätsgedanken?

    Warum meinen wir Menschen die Natur überlisten zu können, obwohl wir aus so vielen Bereichen wissen, dass dies meistens schief geht. Die Ungeduld der werdenden Mütter hin zur Geburt ist heute, häufig untermauert von Vorhersagen der behandelnden Ärzte/Ärztinnen, deutlich spürbar. Dadurch wächst der Druck die individuelle Tragzeit, zu vereinheitlichen.

    Warum aber, bei optimalen Werten, ein Kind am ET+10 auf die Welt nötigen und damit seine Mutter mit einer Geburtseinleitung in einen nicht physiologischen Geburtsverlauf stürzen. Die Folgen sind wissenschaftlich schon häufig belegt, erhöhter Schmerzmittelverbrauch, höhere weitere Interventionsrate, höhere Kaiserschnittrate.

    Eine gute Übung für die Vorbereitung auf die Geburt und das Leben mit einem Kind wäre die Achtsamkeitsübung. „Ich übe mich in Geduld!“ Gesteht Euch Eure Individualität zu. Nicht nur im Sein, sondern auch im Werden braucht alles seine Zeit. Üben wir uns in Geduld!

    Eure Anja (Babytalk-Hebamme)

    In diesem Zusammenhang könnte Euch auch der Beitrag von einer weiteren Hebamme empfehlen, in dem sie auf „nicht medizinische Faktoren“ einer „natürlichen Geburtseinleitung“ eingeht (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: titans / shutterstock