Kategorie: Geburt

  • Das HELLP-Syndrom: Mit unerkannter Erkrankung in und durch die Geburt

    Das HELLP-Syndrom: Mit unerkannter Erkrankung in und durch die Geburt

    Nach langer Überlegung haben wir uns dazu entschieden diesen Beitrag einer engagierten Leserin zu veröffentlichen. Auch wenn ein sehr alter und weiser Grundsatz der Hebammenheilkunde besagt, „keine schlechten Nachrichten an die werdende Mutter“, wollen wir euch zwei nicht ganz ungefährliche Schwangerschaftserkrankungen, wie das HELLP-Syndrom und Postpartale Cardyomyopathie (kurz PPCM) vorstellen.

    Beim HELLP-Syndrom handelt es sich um eine Herzschwäche, welche eine besondere Behandlung erfordert, um im besten Fall wieder ganz gesund zu werden. Es sollte mindestens ein Jahr lang medikamentiert werden und es darf auf keinen Fall gestillt werden, weil sich das milchbildende Hormon Prolactin negativ auf die Herzfunktion auswirkt. (Stand Hannover Deutschland; die Amerikaner – darunter Dr. James Fett – sehen das mit dem Stillen etwas anders). Auf folgender Seite gibts mehr dazu; ist jedoch alles auf Englisch.

    Symptome können einige Wochen vor der Geburt oder bis zu 6 Monate nach der Schwangerschaft auftreten: meist betrifft es gesunde, junge Frauen. Kurzatmigkeit, extreme Gewichtszunahme in der Schwangerschaft in kürzester Zeit wegen Ödemen, Ödeme allgemein, Abgeschlagenheit, schlechte Blutgerinnung, erhöhter NT-proBNP Wert. 

    Das HELLP-Syndrom

    Das HELLPSyndrom ist durch folgende Symptome gekennzeichnet: extreme Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit/Erbrechen, Durchfall, erhöhter Blutdruck, erhöhter Eiweißgehalt im Urin, schlechte Blut- und Leberwerte, wobei nicht alle auftreten müssen.

    Meine Gedanken:
    Auf dem Foto (welches ich hier nicht posten kann) war ich in der 10. Woche schwanger. Damals wusste ich nichts von irgendwelchen Schwangerschaftsvergiftungen oder anderen schwangerschaftsbedingten Krankheiten. Ich konnte es da schon nicht abwarten, mein Baby kennenzulernen und hatte die Vorstellung einer „normalen“ Geburt ohne Komplikationen, wie sie sich wohl alle Mütter wünschen.

    In meiner Schwangerschaft ist es mir eigentlich von Anfang an nicht so gut gegangen, doch zum Ende hin wurde es dann immer schlimmer. Alle Ärzte meinten, dass es nun so sei in der Schwangerschaft. Die Müdigkeit, die enormen Schmerzen, das Wasser in den Beinen und Händen sowie im Gesicht.

    Das Karpaltunnelsyndrom

    Das Karpaltunnelsyndrom wird durch folgende Symptome beschrieben: Ausschlag, Nervenschmerz im linken Arm. Schlaflose Nächte und um es nochmals zu betonen: enorme Schmerzen. In der letzten Woche hatte ich solche enormen Schmerzen, dass ich nicht mal mehr schlafen konnte und nicht wusste, wohin mit mir.

    Aufgrund der Aussagen der Ärzte, dass dies dazu gehöre, machte ich mir keine Sorgen. Doch jetzt, im Nachhinein wäre ich froh, wenn ich damals schon gewusst hätte, was wirklich los war.

    Doch ich wusste nichts vom HELLP-Syndrom oder von einer schwangerschaftsbedingten Herzinsuffizienz. Hätte ich davon gewusst, wäre wahrscheinlich vieles anders gelaufen, weil ich selbst viel hellhöriger gewesen wäre.

    An sich selber zweifeln

    All diese Symptome hätte ich nochmals hinterfragt und nicht einfach als Schwangerschaftsbeschwerden hingenommen. Vor allem spürte ich damals schon, dass ich Wasser in der Lunge hatte. Ich zweifelte da aber schon so an mir, dass ich glaubte schon völlig verrückt zu sein. Deshalb ging ich später nicht mehr zum Arzt, weil ich wusste, dass es laut denen sowieso „nur normale Schwangerschaftsbeschwerden“ seien.

    Wenn ich jetzt einem für mich neuen Arzt sage, dass ich ppcm habe, fragt der mich erst mal, was denn das überhaupt ist. Und das ist für mich das Tragischste an der ganzen Sache. Denn nicht mal die Ärzte wissen von dieser Krankheit. Wie soll dann bitte jemals eine richtige Diagnose gestellt werden, wenn eine schwangere Frau mit Symptomen wie meinen in die Ordination kommt?

    Ich habe zu den Ärzten gesagt, dass ich es gut fände, wenn jede Frau von diesen möglichen Krankheiten wüsste. Daraufhin meinten sie, dass das keine gute Idee sei, weil das dann noch mehr psychischen Stress für eine Schwangere geben würde. Wenn ich mir als Betroffene so etwas anhören muss, stellen sich mir die Haare zu Berge! Das macht mich richtig wütend.

    Denn hätte ich in meiner Schwangerschaft schon davon gewusst, hätte ich wenigstens selbst eine Diagnose stellen und den Ärzten sagen können, dass es sich wahrscheinlich um das HELLP-Syndrom handelt. Dann wäre dies wenigstens überprüft worden. Wenn schon die Ärzte nicht mal davon wissen, sollen wenigstens die Schwangeren bescheid wissen, um so etwas wie es bei mir passiert ist, zu vermeiden! Die Symptome waren bei mir ja schon lange vorhanden …

    Der Tag der Geburt

    Am Tag der Geburt (17.12.17 – 39. ssw) waren die Schmerzen so extrem, dass wir dann doch ins KH gefahren sind. Dort nahmen sie Blut ab und schickten mich wieder nach Hause. Nach einer Weile riefen sie mich an und baten mich, nochmal ins KH zu kommen, weil irgendetwas im Blut nicht passte und sie nochmal Blut abnehmen müssten, um es noch mal von einem Speziallabor untersuchen zu lassen. Obwohl sie da schon wussten, dass etwas nichts passte, schickten sie mich trotzdem wieder nach Hause, was jeweils 15 Minuten Fahrt unter Schmerzen bedeutete.

    Dann nach ca. 2 Stunden kontaktierten sie mich wieder telefonisch und sagten ich soll schnellstmöglich wieder kommen, es müsste höchstwahrscheinlich ein Kaiserschnitt gemacht werden. Ich hatte immer noch die Hoffnung auf eine normale Geburt.

    Denn der Ernst der Lage war mir noch immer nicht bewusst, weil die Ärztin mich nicht informierte. Erst der Primar ließ uns wissen, wie tragisch unsere Situation wirklich ist – ein Notkaiserschnitt stand an.

    Warum genau wussten wir aber zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht. Im Warteraum vor dem OP lag ich dann nochmals ca 15 (!) Minuten, weil sie zuerst alles vorbereiten mussten. Im OP selbst ging, glaube ich, alles ganz schnell. Kreuzstich, Schnitt, Ruckeln, die Kleine rausdrücken. Ein Schrei. Dann nichts mehr.

    Mir wurde Schwarz vor Augen. Ich konnte nichts mehr hören. Heute weiß ich, dass dies der erste Moment war, in dem ich fast gestorben wäre. Mein Blutdruck war bei 20. Meine Blutgerinnung war total schlecht.

    Ich verlor einiges an Blut und die Angst um mein Baby, weil sie nicht mehr schrie, machte alles noch schlimmer. Schwer zu beschreiben, aber ich war oder fühlte mich zumindest für kurze Zeit nicht mehr in meinem Körper.

    Ich weiß nicht warum oder wie, aber es ging mir schön langsam wieder etwas besser. Kurz durfte ich die kleine berühren. Dann wurde sie zu meinem Freund/also ihrem Papa gebracht.

    Nach der Geburt

    Ich kam in den Aufwachraum, wo ich die nächste Tragödie durchleben musste. Ich vertrug das Beruhigungsmittel Alodan nicht und in diesem Moment dachte ich, es sei endgültig vorbei mit mir. Wieder dieses Gefühl, wo meine Seele nicht mehr so richtig mit meinem Körper verbunden war. Ich dachte nur an mein Baby und klammerte mich an mein Leben.

    Nach etwa 2 Stunden brachten sie mich zu meiner Maus. Ich war jedoch noch nicht bereit dazu. Dies wurde aber ignoriert. Ich fühlte mich wie ein betäubtes Stück Fleisch. Hatte keine Kraft. Ich betonte das mehrmals. Doch es schien ihnen egal. Ich fühlte mich hilflos, verloren und ausgeliefert.

    Nun ja. Ich erholte mich etwas, jedoch ging es mir am nächsten Tag immer noch sehr schlecht. In der Nacht bakam ich dann keine Luft mehr. Musste mich aufsetzen. Bekam Sauerstoff, weil mein Sauerstoffgehalt im Blut zu wenig war. Und ich bekam Angst. Extreme Angst. Angst zu sterben. Ich merkte dass irgendetwas gewaltig schief lief. Die Ärzte zum Glück auf. In dieser Nacht wurde meine Lunge geröngt, ein Herzultraschall gemacht und Blut aus meiner Arterie(!) genommen.

    Das war eine der schlimmsten Nächte in meinem Leben. Ich war ohne jemanden aus meiner Familie. Ich hatte wirklich riesige Angst.

    In meiner Schwangerschaft habe ich in kurzer Zeit 10 kg zugenommen nur durch Wassereinlagerungen. Durch das Lungenröntgen fanden sie raus, dass auch diese mit Wasser voll war. Daher auch die Atemnot und der geringe Sauerstoffgehalt. Ich hatte also in meiner Schwangerschaft recht gehabt. Ich konnte da schon das Wasser spüren, glaubte und hörte aber nicht mehr auf meinen Körper. Nachdem ich Lasix zu Entwässern bekam, ging es mir nach zwei Tagen schon viel besser.

    PPCM – schwangerschaftsbedingte Herzinsuffizienz

    Die peri- oder auch postpartale Kardiomyopathie, abgekürzt mit PPCM (für die englische Bezeichnung Peripartum cardiomyopathy), ist eine seltene, lebensgefährliche Herzerkrankung bei vorher gesunden Frauen, die innerhalb der letzten Schwangerschaftswochen bis sechs Monate nach der Geburt auftritt. *Näheres unter „Die-postpartale-Kardiomyopathie

    Sie fanden dann raus, dass ich PPCM habe, was ich bis zu meiner Entlassung 11 Tage danach nicht wusste, weil niemand sich die Zeit nahm, zu erklären was genau denn los war. Erst da erfragte ich dann beim Entlassungsgespräch, was denn nun alles los war. Der Primar soll angeblich zu den Ärzten gesagt haben, dass er noch nie erlebt habe, dass es beim Kaiserschnitt aus allen Poren und Gefäßen so blutet, wie es bei mir war.

    Er habe sich schwer getan, die Blutung zu stoppen. Er betonte dann noch mehrmals, dass es „arschknapp“ war. Erst da wurde mir so richtig bewusst, was da eigentlich alles passiert ist. Dass ich fast Bekanntschaft mit dem Tod machen durfte.

    Die Geschichte ging noch etwas weiter, jedoch habe ich nicht die Kraft, da noch etwas zu schreiben. Kurz: ich musste Abstillen und das brach mir das Herz.

    Achja. Und der Kaiserschnitt war währenddessen harmlos, jedoch nach der Geburt die absolute Hölle für mich. Ich hatte irrsinnige Schmerzen. Wünschte mir so sehr eine Geburt auf normalem Wege.

    Es war jedoch zu spät. Die Schmerzen vergingen mit der Zeit, aber die Narbe macht mit heute noch zu schaffen, weil ich damals an der inneren Naht einen Bluterguss erlitt.

    8 Monate nach der Geburt

    Naja. Heute. Fast acht Monate später nehme ich meine Tabletten noch immer, jedoch ist mein Herz wieder auf normaler Pumpleistung, sprich 65%. Zu Beginn war ich bei etwa 35%. Das was mir am meisten zu schaffen macht, ist die posttraumatische Belastungsstörung, welche ohne Therapie nicht weggehen würde. Daher mache ich eine Traumatherapie, welche mir extrem hilft. Aber es gibt noch einiges Aufzuarbeiten.

    Am schlimmsten ist die Angst, wieder eine schwache Pumpleistung zu haben und zu sterben. Zu verpassen, wie mein Mädchen aufwächst. Zu wissen, dass eine weitere Schwangerschaft mein Leben beenden KANN, aber nicht muss setzt mir sehr zu, denn ich wollte immer mindestens 2 Kinder. Ich bin gerade 24 Jahre alt geworden. Mein Leben steht vor mir. Ist aber jetzt eingeschränkter.

    Was ich in meiner Situation aber immer wieder merke ist, wie sehr die Psyche den Körper beeinflussen kann. Es gibt Tage, da falle ich in meine Depression hinein und da gehts mir dann körperlich auch schlechter. Dann kommt die Angst und der Teufelskreis beginnt.
    Mit Hilfe von meinem Freund und meiner Familie finde ich irgendwie immer wieder raus. Aber manche Tage sind einfach scheiße (Sorry).

    Ich sage immer wenn mich jemand fragt, wie es mir geht: ich überlebe. Denn das beschreibt genau meinen derzeitigen SEELISCHEN Zustand.

    Mein Anliegen:

    Letzten Endes geht es mir nur darum, dass die Frauen, welche schwanger sind und werden wollen, wissen dass es eine Krankheit namens „Postpartale Kardyomyopathie“ gibt, welche im schlimmsten Fall tödlich enden kann, sollte nicht schnell genug gehandelt oder die Symptome gar ignoriert und fehldiagnostiziert werden. Denn wie gesagt: die meisten Ärzte wissen anscheinend nichts von PPCM, was der Grund dafür ist, dass bei vielen Frauen manchmal etwas gewaltig schief läuft.

    Bitte lasst euch nicht von den Ärzten unterkriegen und fragt zehntausend mal nach! Und klärt so viele Ärzte, Hebammen und Schwestern wie möglich über diese Krankheit auf. Scheinbar muss das der Laie tun, weil es die eigentlichen dafür zuständigen Personen nicht schaffen!

    Eure Sabrina (Babytalk-Leserin)

    Beitragsfoto: Gorodenkoff / shutterstock
  • Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Himbeerblättertee ein verbreiteter Hebammentipp

    Himbeerblättertee ist ein „Alleskönner“. Er wird von vielen Hebammen zur sanften Geburtsvorbereitung empfohlen. Er wirkt entspannend auf die Beckenmuskulatur und entgiftet den Körper. Zudem übt er einen positiven Einfluss auf die Wehentätigkeit aus.

    Wie wirkt Himbeerblättertee?

    In der Schwangerschaft

    • Der Tee hat eine entspannende und ausgleichende Wirkung auf Körper und Geist.
    • Dadurch wirkt er krampf- und schmerzlindernd, aus diesem Grund wird er bei Regel- und Unterleibsschmerzen empfohlen.
    • Bei Schwangerschaftsübelkeit soll er morgens getrunken Linderung bringen.
    • Die Blätter der Himbeere enthalten Östrogen ähnliche Hormone. Diese fördern die Eizellreifung, als Tee wirkt er zusätzlich regulierend auf den Monatszyklus der Frau.
    • Der Himbeerblättertee bewirkt eine bessere Durchblutung der Gebärmutter und des Beckens, wodurch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut positiv beeinflusst wird.
    • Viele Erfahrungsberichte in entsprechenden Foren berichten über positive Auswirkungen auf den Kinderwunsch.

    Unter der Geburt

    • Der Tee kann Wehen auslösen, zudem fördert er eine kürzere Geburt und lockert die Muskulatur des Beckens und des Muttermundes.
    • Er ermöglicht eine kürzere, zweite Wehenphase.
    • Wenn die ersten Wehen einsetzen, kann er wahlweise heiß getrunken oder als Eiswürfel gelutscht werden.
    • Sein entspannender und ausgleichender Einfluss unterstützt die Gebärende auch mental.

    Im Wochenbett

    • Über die Anregung der Darmtätigkeit wirkt der Himbeerblättertee entgiftend und entschlackend.
    • Durch seine antibakteriellen Eigenschaften unterstützt er das Immunsystem bei Infektionen.
    • Seine enthaltenen Vitamine und Mineralien stärken das Immunsystem der Mutter.

    Wie wird Himbeerblättertee verwendet?

    Ihr solltet den Himbeerblättertee nicht vor der 34-ten Schwangerschaftswoche trinken, da er Wehen fördernd wirken kann.

    Wie sollte Himbeerblättertee dosiert werden?

    Um eine Überdosierung zu vermeiden, solltet ihr den Tee in Absprache mit eurer Hebamme oder eurem Frauenarzt trinken. Für die 37. Schwangerschaftswoche gilt wieder täglich eine Tasse Himbeerblättertee zu trinken. In der darauffolgenden 38-ten Woche solltet ihr pausieren und dann in der 39-ten Woche wieder 7 Tage lang täglich vier Tassen trinken. Nun kann die Geburt jederzeit losgehen.

    Wie wird Himbeerblättertee zubereitet?

    Ihr nehmt 25g getrocknete Himbeerblätter und übergießt sie mit 600 ml kochendem Wasser. Den Aufguss lasst ihr anschließend 15 Minuten lang ziehen. Als Faustformel gilt einen Teelöffel Himbeerblätter pro Tasse.

    Wenn ihr möchtet, könnt ihr ihn bei Bedarf mit etwas Honig süßen.

    Wo könnt ihr Himbeerblätter(tee) kaufen?

    Getrocknete Himbeerblätter könnt ihr in Apotheken und in Reformhäusern kaufen. Aber auch viele Bio- und Kräuterläden haben sie im Sortiment.

    Ihr könnt Himbeerblättertee mit anderen Teepflanzen kombinieren:

    Dafür mischt ihr ihn je zu gleichen Teilen mit:

    • Johanniskraut
    • Melissenblättern
    • Frauenmantel
    • Zinnkraut
    • Brennnessel und Schafgarbe mischen.

    Wir wünschen allen Schwangeren eine schöne Kugelzeit und eine selbstbestimmte Geburt

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: HeikeRau / Getty Images
  • Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Für viele Schwangere ist die Vorfreude auf das Baby auch mit Angst vor möglichen Geburtsschmerzen, sowie Sorge um das Wohlergehen des Babys verbunden. In einer solch angespannten Situationen ist es normal, dass die Atmung flacher und schneller wird. Mit dieser aufsteigenden Angst ziehen sich die Schultern häufig nach oben (Schutzhaltung) und der Kopf sinkt immer weiter runter Richtung Brustkorb. Als Konsequenz verspannen sich die Nackenmuskeln.

    Falls die Gebärende in einem solchen Moment nicht an das regelmäßige Atmen erinnert wird, kann sich die Angst bis hin zur Panik steigern. Der damit verbundene Sauerstoffmangel hat eine zunehmende Muskelkontraktion (Zusammenziehen der Muskulatur) zur Folge.

    Am besten ist es, die richtigen Atemtechniken für die Wehen bereits frühzeitig mit seinem Partner in einem Geburtsvorbereitungskurs zu erlernen. In denen meist verschiedene, auf die einzelnen Geburtsphasen oder Wehenstadien zugeschnittene Atemtechniken vorgestellt werden.

    Während der Schwangerschaft sollten diese am besten jeden Abend geübt werden, so dass sie bis zur Geburt ganz selbstverständlich werden.

    Die „richtige“ Atmung ist eine sehr wichtige Voraussetzung dafür, dass ihr die Geburt so entspannt und schmerzfrei, wie möglich erleben könnt.

    Vorteile der richtigen Atmung während der Geburt

    Die wichtigsten Vorteile sind:

    • Euer Baby wird unter der Geburt mit ausreichend Sauerstoff versorgt, damit es dieses traumatische Ereignis und seine Strapazen gut übersteht.
    • Sie gibt euch Kraft für den Geburtsprozess, der sich über Stunden oder manchmal auch über Tage hinstrecken kann.
    • Die Konzentration auf die Atmung und die damit verbundene Sauerstoffversorgung, hilft euren Muskeln sich zu entspannen und somit leichter zu dehnen.
    • Der bewusste (kontrollierte) Atemrhythmus stärkt euer Gefühl von Kontrolle und mindert Ängste.
    • Das Tönen beim Ausatmen, besonders bei öffnenden A-Lauten, fördert sowohl die Öffnung eures Muttermunds als auch die eures Beckenbodens. Dies erleichtert euch und eurem Kind die Geburt.
    • Das bewusste Atmen hilft den Wehenschmerz zu lindern und Verletzungen unter Geburt zu vermeiden. Darunter zählen der Dammschnitt, der Damm- und Scheidenriss sowie die Analfissur.

    So gelingt der Umgang mit den Geburtsschmerzen

    Unser Körper hat die erlernbare Fähigkeit, sich willentlich zu entspannen. Die Fähigkeit sich zu entspannen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten und störungsfreien Geburtsverlauf. Durch die Fokussierung auf die natürlichen Körperfunktionen können Schmerzen ausgeblendet bzw. vermindert werden.

    Geburtsschmerzen sind Hinweis auf eine „Blockade“

    Schmerzen während des Geburtsprozesses sind immer ein Hinweis, dass etwas gerade nicht passt. Die meisten Schmerzen entstehen durch extremen Druck des Babykopfes auf seinem Weg durch den Geburtskanal. Häufig ist die Position des Beckens gerade nicht optimal und der Kopf stößt gegen einen Knochen oder empfindsames Gewebe, wie z.B. den Damm. Wenn kein medizinischer Befund vorliegt, sollte geschaut werden, ob die Position der Gebärenden angepasst werden kann. Vor allem handelt es sich hierbei um Bewegungen, die auf das Becken einwirken.

    Weitere wirkungsvolle Entspannungstechniken, wie z.B. sie auch von der Lamaze-Organisation empfohlenen werden, helfen Spannungen und Verkrampfungen zu lösen und verhindern die Kontraktion der Muskulatur. Nur einer entspannten Muskulatur ist weich und fällt es leicht sich zu dehnen .

    Dabei ist es hilfreich bewusst ruhig in den Schmerz hinein zu atmen. Eine stockende Atmung wirkt krampffördernd, was die Geburtsschmerzen verstärken würde. Nicht weiter zu atmen bedeutet im Schmerz stecken zu bleiben und kann ohne Intervention durch einen Partner, Hebamme oder Doula leicht in einer Panik enden.

    Unsere Atmung hat einen Einfluss auf unsere Körperchemie und ist in der Lage uns in einen tiefen und ruhigen Bewusstseinszustand zu versetzen. Aus diesem Grund stellen wir euch nachfolgend die hilfreichsten Atemtechniken für die verschiedenen Geburtsphasen vor.

    Die Latenzphase – Beginn der ersten Vor-Wehen

    Diese Phase, die bis zu zwei Nächste dauern kann, wird von vielen noch nicht zu den Geburtsphasen gezählt. Sie ist gekennzeichnet durch das erstes Wehen-Ziehen im Bauch, wobei der Körper beginnt, seine Muskeln für die Geburt zu trainieren. Diese Wehen, werden Vor-Wehen genannt und dauern in der Regel weniger als 30 Sekunden und kommen noch sehr unregelmäßig.

    In dieser Phase ist es wichtig Ruhe zu bewahren, sich ablenken und am besten eine entspannte und krafttankende Zeit in der gewohnten Umgebung zu gönnen. Auf keinen Fall sollte die werdende Mutter sich in die Wehen hineinsteigern.“ Schwangere, die in der Latenzphase ins Krankenhaus kommen, werden in der Regel wieder nach Hause geschickt.

    Ein sicheres Startsignal, dass nun die Eröffnungsphase beginnt, ist, wenn die Schwangere mit den Wehen nicht mehr allein sein möchte. Jetzt ist ggf. der Zeitpunkt ins Geburtshaus oder Geburtsklinik zu fahren.

    Die Eröffnungsphase: Atemtechniken für die Wehen:

    Die Dauer der Eröffnungsphase kann sehr unterschiedlich lang sein. Beim ersten Kind beträgt sie durchschnittlich zehn Stunden. Sie kann aber auch bis zu 24 Stunden oder länger dauern. Dabei ist es wichtig, die Gebärende so weit wie möglich in Ruhe zu lassen, sodass sie in eine Art Trance-Zustand kommt und das Geburtsgeschehen an ihren Körper abgeben kann.

    Während des gesamten Geburtsprozesses ist das gleichmäßige und tiefe Atmen wichtig. Es vermeidet bzw. korrigiert immer wieder hektisches oder das Anhalten eures Atems.

    In der Eröffnungsphase kommen die Wellen in noch relativ großen Zeitabständen. Sie werden aber abgesehen von Unterbrechungen stetig kürzer und dauern zur Geburt hin ca. 1 bis 1,5 Minuten.

    Es gilt die Faustregel „Dreimal länger ausatmen als einatmen“ bzw. solange bis sich die Lungen „leer“ anfühlen.

    Wenn ihr also eine Welle anrollen spürt, holt tief Luft und atmet mit der Vorstellung in die Welle und euren Bauch hinein und lasst euren Ausatem durch euren locker und leicht geöffneten Mund sanft und ruhig fließend entweichen. Das Atmen in den Bauch weitet den Platz für euer Baby mehr als man denkt und macht es ihm leichter auf seinem Weg durch euer Becken.

    Manche Frauen empfinden das Tönen beim Ausatmen als mit Lauten wie einem „Ahhhh“ oder „Jaaaaa“ als sehr wohltuend. Probiert mit der Ausatmung sämtliche Anspannungen im Körper bewusst loszulassen. Legt dabei den Fokus vor allem auf euer ausatmen. Das Einatmen geschieht von allein.

    Heute empfiehlt man anders als früher kein Hecheln, da es zur Hyperventilation und somit zu Muskelkontraktionen führen kann.

    In der Wehenpause trägt eine lange und tiefe Atmung dazu bei, den Teufelskreis aus Muskelanspannung, Angst und Schmerz zu durchbrechen.

    Die Übergangsphase der Geburt: tiefe und ruhige Atemzüge helfen

    Viele Gebärende empfinden die Übergangsphase für sehr anstrengend, weil sie einen starken Druck auf ihrem Beckenboden spüren und dem Drang zu Pressen noch nicht nachgeben dürfen.

    In dieser Phase erfordert das Atmen eine große Konzentration.

    Atmet zu Beginn einer Wehe tief ein- und dann in vielen kleinen Stößen aus. Diese Atemtechnik solltet ihr bis zum Ende der Wehe fortsetzen. Nach dem Ende der Wehe ist es hilfreich, wenn ihr über euren geöffneten Mund einmal ganz tief ein- und ausatmet.

    Die Austreibungsphase: Atemtechniken für die Presswehen

    Sobald der Muttermund sich vollständig geöffnet hat, was bei ca. 10 cm der Fall ist, spricht man vom Beginn der Austreibungsphase. Mit der Austreibungsphase beginnt der letzte Abschnitt der Entbindung. Jetzt setzen die schmerzhaften Press- bzw. Austreibungswehen ein und die werdende Mutter beginnt, reflexartig zu pressen.

    Nun darf dem Pressdrang nachgeben werden und das empfinden die allermeisten Frauen als absolute Erleichterung.

    Dabei atmet die Frau zu Beginn einer Wehe tief ein, hält die Luft an und dann schiebt Richtung Beckenboden. So wird das Kind immer tiefer in den Geburtskanal geschoben.

    Allerdings sollte die Frau auch nicht zu lange die Luft anhalten, weil sonst die ausreichende Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind gefährdet wird. In diesem Fall sollte die Gebärende wieder tief Luft holen und den Prozess wiederholen.

    Als Daumenregel gilt, dass man etwa dreimal pro Wehe tief Luft holt und schiebt. Ist die Wehe vorbei, atmet man ruhig ein und aus. Die Wehenpausen muss man auf jeden Fall zum Verschnaufen und Kräftesammeln nutzen.

    Wichtig ist es bei der Atmung darauf zu achten, dass man nicht zu schnell ein- und ausatmet, denn sonst kann dies zu Kreislaufproblemen und Hyperventilation führen.

    Achtet beim Pressen bzw. beim Schieben darauf nach unten in Richtung euer Beckenboden zu schieben. Dabei ist es hilfreich, wenn ihr euch dies beim Atmen bildlich vorstellt.

    Geburtsschmerzen und -verletzungen vermeiden

    Sobald eine Wehe beginnt, atmet ihr tief ein. Mit eurem Ausatem schiebt ihr unterstützt durch ein Tönen, egal ob mit einem langgezogenen „Aaaah“, „Jaaaaa“ oder einem langen und sanften „Ffffff“ (bei dem ihr eure Lippen leicht vibrieren lasst“) euer Baby immer weiter aus euch heraus. So wird euer Damm entlastet und mögliche Geburtsverletzungen vermieden.

    Während einer Welle schiebt ihr so oft, wie es sich für euch gut anfühlt, was vermutlich drei- bis fünfmal sein wird, euer Kind Richtung Ausgang.

    Zwischen den Wellen hilft es euch auf ein tiefes Ein- und langes Ausatmen zu konzentrieren. Dies ist erholsam und verhindert, dass eure Muskulatur fest wird.

    Pausen beim Pressen

    Hinweis: In dem Moment, wo eure Hebamme euch auffordert, mit dem Pressen aufzuhören, vertraut ihr, hört auf mit dem Pressen und atmet weiter.

    Wenn ihr länger oder stärker als von eurer Hebamme empfohlen, presst, kann sich euer Damm nicht langsam dehnen, was leicht in einer Geburtsverletzung endet. In dieser Phase ist bereits das Köpfchen eures Babys sichtbar und ein zusätzlicher Druck auf den Damm gefährlich. Atmet in dieser Situation etwas flacher ein und aus, ohne es aber ganz zu vergessen.

    Euer Partner bzw. Begleitung sollten euch immer wieder liebevoll und bestimmt daran erinnern, tief Luft zu holen und lang und gedehnt auszuatmen.

    Auch wenn es euch schwerfällt und die Schmerzen schon sehr groß sind, widersteht dem Impuls die Luft anzuhalten. In der Regel ist die Angst unten zu zerreißen der Grund.

    Nutzt die Wirkung eines lockeren Kiefers auf eure Beckenmuskulatur.

    Das Tönen von öffnenden A-Lauten unterstützt die Weitung eures Beckens und hat somit einen unterstützenden Einfluss auf den Geburtsverlauf und lindert die Geburtsschmerzen.

    Macht euch immer wieder bewusst, „Euer Körper weiß, was zu tun ist! Vertraut dem natürlichen Prozess der Geburt. Euer Baby wird den Weg durch euer Becken finden. Eine liebevolle und mutmachende Begleitung wird euch dabei unterstützen, eure letzten Kräfte zu mobilisieren. Genauso wie die folgenden Atemübungen;

    Die Luftballon-Übung

    Atmet nach jeder Wehe einmal tief in den Bauch als wolltet ihr einen inneren Luftballon aufblasen. So bekommt euer Baby mehr Platz und eine Extraportion Sauerstoff.

    Die Eisenbahn-Übung

    Falls der Muttermund noch nicht weitgenug geöffnet ist, atmet wie eine Lokomotive auf tsch, tsch, tsch, tsch – Laute aus, um den Pressdrang zu unterdrücken.

    Die Zählmethode

    Das Zählen beim Einatmen und Ausatmen hilft euch ganz auf eure Atmung zu konzentrieren. Mit dem Effekt, dass ihr nicht gleichzeitig Grübeln und euch in Angst schürenden Gedanken verlieren könnt. Ängste lassen uns Verspannen und das ist etwas, was wir unter der Geburt absolut nicht gebrauchen können.

    Anspannungen und Ängste führten dazu, dass wir den Kiefer und damit gleichzeitig das Becken zusammenpressen.

    Übt gemeinsam die Zählatmung, in dem ihr dreimal so lange ausatmet, wie ihr einatmet. Zählt: „1, 2, 3“ beim Einatmen und „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9“ beim Ausatmen. Diese Methode nennt man Zählmethode und wird u.a. beim Hypnobirthing praktiziert.

    Geburtsmantras einsetzen

    Das „Aufsagen“ von oder Meditieren mit Mantras hilft sich zu fokussieren und alle anderen Gedanken immer wieder, wie bei einem Film, vorbeilaufen zu lassen. Das laute oder stille Aufsagen von Geburtsmantras hilft euch neben der Konzentration auf die Geburt sich durch ihre enthaltenden „Bilder“ zu öffnen. Ihr könnt die untenstehenden Mantras verwenden oder euch von ihnen inspirieren lassen und eigene formulieren.

    Geburtsschmerzen lindern - Geburtsmantras
    Geburtsmantras

     

    Massage und Reflexzonenmassage bei der Geburt

    Alles was während des Geburtsprozesses zur Entspannung der werdenden Mutter beiträgt ist willkommen. Alle sanften Berührungen und vor allem Massagen sind eine hervorragende Methode zur Entspannung und Schmerzlinderung, so kann sich die Muskulatur viel leichter und somit weniger schmerzhaft dehnen. Voraussetzung ist eine gute bzw. ausreichende Sauerstoffversorgung der Muskeln.

    Am besten immer wieder probieren, welche Körperstellen gerade als berührungsbedürftig empfunden werden.

    Es gibt aber auch Frauen, die zeitweise während der Schwangerschaft und vor allem während der Geburt nicht berührt werden möchten. Auch wenn es manchmal schwer verständlich ist, es sollte nicht als Zurückweisung aufgefasst und so von ihrem Partner respektiert werden.

    Als besonders wohltunend werden Druckmassagen im Bereich des Kreuz-bzw. Steißbeins empfunden. Auch das Rollen von sauberen Tennisbällen, Igelbällen sowie Massagestäben wirkt sehr entspannend.

    Zusätzliche Tipps

    Entspannungsübungen während der Schwangerschaft können euch dabei unterstützen, der Geburt mit Freude entgegenzusehen und bei den ersten Wehen ruhig zu reagieren.

    Viele Frauen verspüren bereits vor der notwendigen Öffnung des Muttermunds den Drang zu pressen, obwohl es dafür noch zu früh ist. In diesen Fällen kann es helfen, wenn ihr in den Vierfüßlerstand geht, dabei das Gesäß in die Höhe streckt und eine Wange auf den Boden ablegt. Und sobald eine Welle ankommt, atmen ihr immer wieder viermal stoßweise kurz aus und anschließend schnell wieder ein. Zwischen den Wehen atmen ihr wieder normal.

    Trotz möglichen Übens ist es völlig normal, dass es während der Geburt dennoch mal dazu kommt, dass ihr euch verkrampft. Dann ist es wichtig, dass ihr von eurem Partner und oder Doula dabei unterstützt werdet, euch wieder auf eure Atmung und euren Atemrhythmus zu konzentrieren.

    Falls ihr das Bedürfnis habt lauter zu atmen, zu tönen oder zu schreien, gibt eurem Bedürfnis nach. Für eure Geburtshelfer ist dies völlig verständlich und normal.

    Sie erleben dies tagtäglich. Euer Partner sollte zuvor, z.B. in einem Geburtsvorbereitungskurs darauf vorbereiten werden. Damit dieser sich nicht erschreckt und Angst bekommt. Denn dies könnte zur Folge haben, dass ihr dann den Wunsch verspürt euren Partner zu beruhigen und den Fokus auf eure Geburt verliert. Oder dass seine Angst auf euch überschwappt und ihr euch immer mehr verspannt.

    Auch in der Nachgeburtsphase kann die Atmung schmerzlindernd wirken, wenn es darum geht, die Plazenta abzustoßen. In dieser Phase hilft die Atmung aus der Eröffnungsphase: Tief durch die Nase ein- und lange durch den Mund wieder auszuatmen.

    Euer Deva (Atemtherapeut und Autor)

    Beitragsfoto: gorodenkoff / Getty Images Pro
    Foto2: inarik / Getty Images Pro
  • Schwangerschaften in Zeiten von Corona und anderen Krisen

    Schwangerschaften in Zeiten von Corona und anderen Krisen

    und wie man diese begegnen sollte

    In den aktuellen Zeiten der Corona – Pandemie ist eine Schwangerschaft alles andere als unbeschwerlich. Auch wenn Schwangere und Babys nicht zur Risikogruppe dieses Virus gehören, ist diese Zeit mit vielen Ängsten und Unannehmlichkeiten verbunden.

    In der Schwangerschaft spielen bzw. fahren die Hormone und somit die Gefühle der werdenden Mutter eh schon Achterbahn. Dies in Kombination mit den Kontaktsperren, insbesondere den begrenzten Kontakt mit dem Vater unter der Geburt bzw. nach der Geburt, die Angst vor dem Verlust von Angehörigen (Eltern) und Zukunftsängsten, wie jetzt in der Zeit der Corona Pandemie, sind ein eher unbekömmlicher (wenn auch alkoholfreier) Cocktail.

    Nach den Gesetzen der Natur werden in Zeiten von Gefahr und Nahrungsmangel eher keine Nachkommen gezeugt und ich bin gespannt, ob sich dies in der Geburtenrate im nächsten Jahr 2021 zeigt.

    Ängste in der Schwangerschaft

    Da Embryos die Gefühle der werdenden Mutter und nicht selten auch die des Vaters wahrnehmen, werden sie wohl viel Angst fühlen. Ängste führen immer zu Verspannungen und dies kann in den letzten Wochen der Schwangerschaft dazu führen, so dass es dem Baby erschwert wird sich kopfüber ins Becken zu drehen.

    Wie umgehen mit Ängsten in der Schwangerschaft?

    Auch wenn es sowieso wichtig ist mit dem werdenden Baby zu sprechen, ist es bei ängstlichen Gefühlen umso wichtiger. Auf keinen Fall sollte die schwangere Frau probieren ihre Ängste und Sorgen wegzudrücken oder zu überspielen. Denn diese werden vom Embryo trotzdem wahrgenommen. Viel hilfreicher ist es diese auszudrücken, ganz nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“.

    Sich seine Ängste einzugestehen, beinhaltet zumindest teilweise schon das Vertrauen diese bewältigen zu können. Sowie jeder bewusst genommener tiefer Atemzug bei Angst ein Ja zum Leben bzw. ein sich größer machen als die Angst beinhaltet.

    So kann die werdende Mutter, dass Kind in ihrem Bauch sagen, dass es gerade eine schwierige Zeit ist und sie ab und zu immer wieder Angst bekommt. Doch dass sie nicht allein ist und sich freut, es in ihre Arme zu nehmen und ihr bestes geben wird es zu schützen und zu nähren. Und dass sie diese Zeit gemeinsam gut überstehen werden und es dann auch wieder leichter werden wird. Dabei hilft es sich diese gemeinsame Zeit so schön und plastisch wie möglich vorzustellen.

    Umso stärker wird es das Gefühl von Verbunden- und Geborgenheit mit jedem Austausch stärken.

    Um diese Ängste nicht immer wieder zu schüren, sollte man sich nicht jeden Tag die neuesten Nachrichten anhören und es sich stattdessen so „gemütlich“ wie möglich in dieser Zeit zu machen und wenn schon kein persönlicher Kontakt mit Freunden und Eltern möglich ist, sich per Telefon oder Internet auszutauschen. Und wenn immer möglich Spaziergänge in einem nahe gelegenen Wald machen!!! Bewegung ist das Heilmittel gegen Depressionen schlechthin und zu dem die beste Vorbereitung für die Geburt.

    Wir wünschen allen Schwangeren trotz Corona eine wunderschöne Kugelzeit und eine sichere und schöne Geburt!

    Euer Deva Babytalk-Team

    Beitragsfoto: AntonioGuillem / Getty Images Pro
  • Ina May Gaskin: Die selbstbestimmte Geburt / Buchempfehlung

    Ina May Gaskin: Die selbstbestimmte Geburt / Buchempfehlung

    Es gibt so Bücher. So Bücher, die ALLE, also wirklich ABSOLUT ALLE werdenden Eltern lesen sollten.

    Ich nenne diese Bücher immer gerne „die Bibeln“ des Elternseins.

    Und stelle euch heute eine dieser „Must Read!“-Bücher vor:

    Von Ina May Gaskin:

    Die selbstbestimmte Geburt

    Das Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ vermittelt genau das, was der Titel verrät: Die wichtigsten Infos für Eltern rund um die Geburt.

    Wie eine Geburt funktioniert. Was eine Geburt stört. Wie eine Geburt selbstbestimmt wird.

    Das Wissen, welches man hier erhält stammt von der berühmtesten Hebamme der Welt: Ina May Gaskin.

    Ina May Gaskin ist Hebamme in Amerika und hat eine sog. Geburtsfarm gegründet. Eine Farm, auf der die Eltern bereits Tage vor dem Geburtstermin einquartiert werden, damit das Baby entspannt, sicher und selbstbestimmt zur Welt kommt.

    Ein Hartes Urteil fällt die Autorin zum Beispiel über den Einsatz von Oxytocin, welcher viel zu oft in Kliniken unbedacht und aus Zeitdruck heraus entsteht. Sie erklärt aber auch, dass es Situationen gibt, in denen eine gut ausgebildete Hebamme in einer Klinik damit wirklich helfen kann.

    Zuerst 100 Seiten Geburtsberichte

    Erst dachte ich: Oh nee, ich will nicht lesen, wie andere Leute ihre Babys bekommen. Aber dann erkannte ich schnell: Das sind nicht einfach nur „Berichte“!

    Hier werden besondere Geburtssituationen betrachtet und erläutert, was die Hebammen der Farm entschieden haben.

    Alle Geburtsberichte sind absolut rührend, man fühlt wirklich mit den Eltern mit und man lernt auch hier bereits eine Menge über Geburten!

    Ina May Gaskin’s Hauptanliegen ist die Erinnerung an die Geduld unter der Geburt

    Geduld ist etwas, was die meisten Geburtsabteilungen heute nicht mehr aushalten / kennen.

    Kreißsäle sind überfüllt, die Hebammen betreuen oft zu viele Eltern auf einmal und dann gibt es auch noch vorgeschriebene Maximalzeiten für Geburten.

    Diesen und viele andere „Systemfehler“ zeigt Ina May Gaskin auf. Was bedeutet, dass die Eltern, die dieses Buch gelesen haben darauf nicht mehr herein fallen werden:)

    Wir empfehlen dieses Buch wirklich unbedingt allen Schwangeren und deren Partnern.

    Hier findet ihr das Buch auf Amazon: (per Affiliatelink: solltet ihr das Buch bestellen, bekommen wir eine Mini „Vermittlergebühr“, die ihr aber nicht zu spüren bekommt^^).

    Liebe Grüße,

    Eure Mira

  • Buchempfehlung: Dr. Shri Balaji També Glückliche Schwangerschaft – glückliche Babys

    Buchempfehlung: Dr. Shri Balaji També Glückliche Schwangerschaft – glückliche Babys

    Du bist schwanger und suchst einen schönen und gleichzeitig umfangreichen Ratgeber rund um die Kugelzeit und das Wochenbett? Dann können wir dir dieses Buch, welches wir rezensieren dürfen, sehr ans Herz legen:

    „Glückliche Schwangerschaft – glückliche Babys“ von Dr. Shri Balaji També ist ein ayurvedisch geleitetes Buch für die Seele der werdenden und frisch gebackenen Mama.

    Es ist nicht nur ein Begleiter durch diese spannende Zeit sondern wirklich ein umfassendes Komplettpaket, denn es sind viele Yogaübungen, ayurvedische Rezepte und tolle Alltagshelfer enthalten, die wirklich zauberhaft sind. Auch Rituale und Tipps für die Kinderwunsch-Zeit sind enthalten.

    Glückliche Schwangerschaft - glückliche Babys

    Dieses komplexe Wissen haben der renommierte Ayurveda-Experte Shri Balaji També und die Gynäkologin Yasmin Khushbu Varandani-Gogia zu diesem wunderschönen Buch zusammen gefasst. Somit bekommt man das Wissen von Experten hier als Ratgeber nach Hause und kann die Schwangerschaft und Babyzeit vollkommen ganzheitlich angehen.

    Hier findet ihr das Buch „Glückliche Schwangerschaft – glückliche Babys“ auf Amazon: (per Affiliatelink: solltet ihr das Buch bestellen, bekommen wir eine Mini „Vermittlergebühr“, die ihr aber nicht zu spüren bekommt^^).

    Liebe Grüße

    Eure Babytalk-Redaktion

  • Buchempfehlung: „Es war eine schwere Geburt“ von Viresha J. Bloemeke

    Buchempfehlung: „Es war eine schwere Geburt“ von Viresha J. Bloemeke

    Heute möchten wir euch dieses Buch empfehlen, welches sowohl für Eltern mit traumatischen Geburtserfahrungen als auch für Fachleute (Hebammen, Doulas, Frauenärzte etc.) super geeignet ist:

    Wie schmerzliche Erfahrungen heilen

    Wenn die Geburt anders verläuft als wie die Eltern es sich vorgestellt haben, ist das oft schon schwer anzunehmen. Wenn dann auch noch traumatische Situationen hinzukommen, die aus dem schönsten Tag im Leben eine so negativ prägende Erfahrung gemacht haben, dass es einen nicht mehr los lässt, dann brauchen die Eltern Hilfe.

    Und Wissen. Denn wer mehr weiß, kann sich selber besser helfen.

    In diesem Buch ist erklärt, wie man einem Geburtstrauma begegnet. Wie man sich aus der Schockstarre befreien kann. Welche Menschen einem dabei wie helfen können.

    Und es sind sehr viele tolle Tipps beschrieben, wie die Eltern auch dem Baby helfen können, das Geburtserlebnis zu verarbeiten.

    Auch der Frage, wie man Ängsten begegnet, wenn man ein weiteres Baby bekommt und die vorherige Geburt noch in den Knochen liegt, wird hier dankenswerterweise betrachtet.

    Selbsthilfemethoden zur Heilung

    Ein Kapitel fanden wir besonders hilfreich: Die Selbsthilfemethoden.

    Von Imaginationen über Schreibtherapie bis hin zu Bewegungsübungen sind viele verschiedene Methoden vorgestellt, so dass jeder die eine oder andere passende Idee finden sollte.

    Wo bekommt ihr das Buch?

    Das Buch bekommt ihr selbstredend in jeder Buchhandlung.

    Hier findet ihr das Buch auf Amazon: (per Affiliatelink: solltet ihr das Buch bestellen, bekommen wir eine Mini „Vermittlergebühr“, die ihr aber nicht zu spüren bekommt^^).

    Wir wünschen allen, die das Buch kaufen, weil sie selber eine schwere Geburt erleben mussten, dass ihr die passende Hilfe findet und euer Weg wieder leichter und befreiter wird!

    Eure

    Mira und Deva

  • Buchempfehlung: „Deine selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus“

    Buchempfehlung: „Deine selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus“

    Eltern fragen uns immer wieder von Eltern, wie man sich am besten auf die Geburt vorbereiten sollte. Wir sind selbst in verschiedensten Geburtsvorbereitungskursen als Kursleiter unterwegs (FlowBirthing, die bewegte Geburt etc.) und empfehlen insbesondere:

    Wählt mit Bedacht euren Geburtsort aus!

    Wer sich für das Krankenhaus entscheidet, was auch manchmal mangels Alternativen die einzige Auswahl ist, sollte sich im Vornherein gut mit den Rechten und Möglichkeiten im Kreißsaal auseinandersetzen.

    Denn nur informierte Eltern können aus allem das beste machen. Letztlich hängt viel von diesem Elternwissen ab.

    Um eine möglichst selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus zu erleben sollten die Eltern:

    • die Abläufe im Krankenhaus kennen
    • Interventionen kennen, die oft vorkommen und damit verbunden Wahlmöglichkeiten
    • Möglichkeiten, selbst die Atmosphäre zu beeinflussen
    • Die eigenen Rechte unter der Geburt

    Diesen Ratgeber können wir allen Eltern ans Herz legen, die in einer Klinik entbinden, um sich bestens vorzubereiten:

    „Deine selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus“

    Wie du für ein gutes Geburtserlebnis sorgen kannst. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. med. Sven Hildebrandt

    In diesem Buch wird die Geburt als natürlicher Prozess geschildert, nicht schlimmer und nicht schöner als sie ist. Geburt heißt: ein Baby zur Welt bringen, Vertrauen, Geborgenheit und wundervolle Naturgewalt. Und Frauen sind von Natur aus genau richtig gebaut, um das zu schaffen. Nur die Interventionen im Klinikalltag können dieses Wunder stören und eine Kette von nötigen Interventionen auslösen.

    Hier findet ihr das Buch auf Amazon: (per Affiliatelink: solltet ihr das Buch bestellen, bekommen wir eine Mini „Vermittlergebühr“, die ihr aber nicht zu spüren bekommt^^).

    Liebe Grüße

    Eure Mira

  • Die Basis der Persönlichkeit wird in Schwangerschaft gelegt

    Die Basis der Persönlichkeit wird in Schwangerschaft gelegt

    Basis der Persönlichkeit: Nach Erkenntnissen des bekannten Neurobiologen Gerald Hüther haben bereits die Vorstellungen und Erwartungen der Eltern von ihrem zukünftigen Kind Einfluss auf die Persönlichkeit des Kindes.

    Die werdende Mutter und ihr Embryo bilden während der Schwangerschaft eine sprichwörtliche Symbiose. Denn auch wenn die Blutkreisläufe voneinander getrennt sind, bleiben Mutter und Kind über die Plazenta verbunden.

    Die vertraute Stimme der Mutter hat eine sehr beruhigende Wirkung auf das Kind. Dies schenkt dem Kind in der Schwangerschaft, so wie auch während und nach der Geburt, ein Gefühl der Verbunden- und Geborgenheit. Dies kann durch die Nahrung, Musik und andere schöne Gewohnheiten noch verstärkt werden.

    Das Baby übernimmt viele Überzeugungen über sich und die Welt, über die Emotionen der Mutter und die damit verbundenen Gedanken in Bezug auf ihre Vorlieben bzw. Abneigungen.

    Befindet sich die werdende Mutter in einer starken Stresssituation, kann man im Ultraschall beobachten, wie das Embryo eine Schutzhaltung einnimmt und erstarrt.

    Die Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle der werdenden Mutter prägen das Gehirndes Embryos und somit die Basis seiner Persönlichkeit.

    Die ersten 3 Jahre und deren Einfluss auf die Persönlichkeit

    Die wesentlichsten Prägungen von Kindern finden in den ersten drei Lebensjahren statt. Diese bleiben bis ins hohe Alter, in der Regel unbewusst, bestehen und prägen unsere Wahrnehmung und unser Verhalten. In den ersten Äußerungen und Gesprächen mit eurem Kind ist es hilfreich, wenn ihr euch immer wieder aufmerksam selber zuhört. Vermutlich werdet ihr dann immer wieder mit erschrecken feststellen, was ihr da von euch gegeben habt. Von dem ihr zuvor nicht mal wusstet, dass ihr diese Worte schon mal selber „zu hören bekommen habt oder das sie überhaupt in eurem Kopf verborgen waren.

    Kinder können Kritik an ihrem Verhalten nicht von ihrer Person trennen!

    Das bedeutet, dass sie mit jeder „lauten“, kritischen Äußerung und auch Verneinung sich mit ihrem Verhalten als nicht ok und somit als nicht liebevoll“ von euch bewertet“ fühlen. Auch wenn solche vereinzelte Bewertungen bei gleichzeitig vielen liebevollen Äußerungen keine dauerhafte Prägung verursachen, verstärken sie diese nicht liebevollen Überzeugungen über sich.

    In Stresssituationen, wenn jemand bzw. euer Kind eines eurer “Knöpfe” drückt, könnt ihr euch eurer unbewussten Gedanken gewahr werden. Denn in diesen Situationen werden häufig unbewusst übernommene Verhaltensmuster von euch abgespult.

    Der Einfluss unserer Gene wird in Hinsicht deren Prägung unserer Persönlichkeit häufig überbewertet.

    Euer Deva (Persönlichkeitsentwickler und Familientherapeut)

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    Beitragsfoto: janulla / Getty Images Pro
  • Doula aus Berufung

    Doula aus Berufung

    Ich freue mich sehr auf Einladung von Mira und Deva Euch von meiner Arbeit als Doula berichten zu dürfen.

    Doula zu sein erschien mir als etwas Wunderbares und doch sehr weit entferntes. Ich hatte gerade mein viertes Kind geboren, als ich das erste Mal von dieser Möglichkeit der Unterstützung von Gebärenden hörte. Ich fand diese Form der Begleitung sofort außerordentlich wertschätzend und sinnhaft.

    Mit dem Erkennen, dass mit dem Doula sein eine rund um die Uhr Rufbereitschaft verbunden ist, parkte ich den Gedanken mit der Option auf „später gerne“. Nicht zuletzt, da das aktuell letzte meiner vier geborenen Kinder zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr alt war.

    Wie so oft im Leben entwickeln sich die Wege unverhofft und doch vollendet anders.

    Hospitationen bei einer Doula

    Für eines meiner Zertifikate musste ich eine Hospitation zu Geburten vorlegen. Ein kleines Klinikum in einem Landkreis bei Stuttgart nahm mich an und so durfte ich zu Pfingsten diese Hospitation antreten.  Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und durfte bei allen Arbeiten dabei sein, die von Hebammen ausgeführt wurden. Ich profitierte auch von den geburtenfreien Tagen, da ich mit vielen Hebammen wie Assistenzärztinnen Gespräche führen konnte, aus denen ich sehr viel Erfahrung mitnahm.

    Am vierten Tag meiner Hospitation nahmen wir eine Frau mit Verdacht auf akutem HELLP Syndrom auf. Als der Befund schließlich vorlag, fiel die Entscheidung für einen Notkaiserschnitt umgehend. Die Frau fragte mich, ob ich bei ihr bleiben kann, was ich natürlich von Herzen gerne machte. Ich streichelte ihre Hand und ließ sie nicht allein.

    Es gab einen kurzen Moment der Unsicherheit, ob ich das schaffe und im nächsten Moment stand ich aber auch schon im OP und streichelte weiter den Arm der Mutter. Ich erklärte ihre diverse Vorgänge und konnte sehen, wie ihr Blutdruck sich im Zaum hielt. Während ich ihr über ihren Kopf streichelte und ihr versicherte sie nicht allein zu lassen.

    Wie bei einem Kaiserschnitt üblich ging es sehr schnell und schon lag das kleine Mädchen auf der Mama. Die Hebamme half es zu halten und so konnten Mama und Baby sich beschnuppern. Und ich ihr zu ihrem wunderbaren kleinen Kind gratulieren.

    In der Zwischenzeit erreichte auch endlich der Vater die Klinik und die Familie war endlich vereint.

    Diverse Anpassungsschwierigkeiten und Danksagungen

    Nach der Versorgung der Bauchwunde und Verlegung ins Kreiszimmer hielt ich mich im Hintergrund und ließ der Familie ihren Raum. Durch diverse Anpassungsschwierigkeiten wurde das Baby spezieller untersucht. Es wurde die Entscheidung getroffen, dass das Kindlein in eine andere Klinik mit Kinderstation verlegt werden sollte.

    Der Vater stand versteinert neben dem Bett der Mutter. Die Mutter regte sich mit jedem Wort mehr auf, was man ihrem Blutdruck erkennen konnte. So gab ich dem Vater, der von den Ereignissen völlig überrumpelt und paralysiert war einen kleinen Hinweis, dass er ruhig die Hand seiner Frau halten darf. Er war sehr erleichtert und griff sofort zu. Der Blutdruck senkte sich und ein erleichtertes Ausatmen war zu hören.

    Immer wieder, wenn ich mit der Mutter später über die Geburt sprach, bedankte sie sich für drei Dinge:

    • Danke, dass Du die ganze Zeit so ruhig und positiv an meiner Seite warst
    • Danke, dass Du mir zu meinem Kleinen Mädchen gratuliert und Dich mit mir gefreut hast und
    • das Du meinem Mann den kleinen Schubs gegeben hast meine Hand zu halten

    Ich erinnere mich noch gut an den Adrenalinspiegel, mit dem ich um ein Uhr nachts heimfuhr und noch lange nicht einschlafen konnte. Aufgewühlt und zugleich beseelt von diesem Erlebnis.

    Als Doula – Ruhe in den Geburtsprozess bringen

    Am nächsten Morgen kam ein Anruf, dass zwei wehende Frauen in der Klinik angekommen sind. Nach Ankunft durfte ich eine junge Frau und ihren Partner begleiten, die zum ersten Mal Eltern wurden. Die Mutter war guter Dinge hatte einen sehr guten Fokus auf ihre Pausen. Die Geburt schritt flott voran und es ging allen Beteiligten gut. Intuitiv wusste ich auch in dieser Situation, welchen Handgriff die Mutter brauchte. Die sie mit fortschreitendem Verlauf auch zunehmend einforderte.

    Durch eine unklare CTG Interpretation stand plötzlich das Thema Kaiserschnitt im Raum. Die Mutter war der Überzeugung, dass es dem Baby gut geht und hatte eine sehr positive Einstellung zum Verlauf. Der Vater fühlte sich sehr überrumpelt von den Informationen. Beide waren daraufhin vehement aus ihrer klaren und positiven Geburtsarbeit gerissen.

    Alternativen zum Kaiserschnitt erfragen

    Intuitiv kam es mir über die Lippen die Eltern anzuregen nach Alternativen zum Kaiserschnitt zu fragen.

    Die Eltern besprachen sich mit der Assistenzärztin und diese schlug eine Untersuchung zur Messung des ph-Wertes vor. Dies wurde von den Eltern dankbar angenommen.

    Die nun eingenommene Rückenlage und damit verbundenen extremen Schmerzen für die Mutter zeigten sich durch Übertragung der Aufregung auf das Baby, das nun stärkere Ausschläge produzierte. Der Vater stoppte nach dem dritten Versuch das Prozedere (*), weil seine Frau sehr litt. Da das CTG ja nun „besser“ aussah, verwarf man den OP Gedanken und die Frau gebar flotte 90 Minuten später einen gesunden Jungen.

    Diese Mutter bedankte sich nach der Geburt ebenfalls bei mir:

    • „Du hast so viel Ruhe reingebracht und mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. Vor allem als das Thema Kaiserschnitt im Raum stand und
    • dass Du meinen Mann an die Hand genommen hast – das war eine enorme Hilfe.“

    Eine Stunde nachdem der kleine Junge geboren war, wurde ich in das Nachbarzimmer gerufen und durfte meine dritte Geburt innerhalb von 18 Stunden erleben.

    Berufung zur Doula

    Nach diesen drei Geburten sprach mich die Hebamme an, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Doula zu arbeiten. Sie erklärte mir, dass ohne meine Begleitung vermutlich beide Geburten im Kaiserschnitt geendet hätten.

    Im ersten Moment war ich von dieser Frage überrumpelt. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, dass eine Doula eine Ausbildung und verliehene Befähigung braucht.

    Mit dem Reflektieren über diese und in Folge noch weitere Geburten wurde mir jedoch klar, dass Doula sein eine Berufung ist. Sie verlangt Fähigkeiten, die man nicht trainieren kann oder muss. Diese Fähigkeiten sind Empathie, Ruhe, Geduld, Vertrauen in die Kraft und Fähigkeit einer Gebärenden, Intuition und Liebe.

    In diesen Tagen meiner Hospitation spürte ich, mit all dem was ich bin und vertrete, am richtigen Ort und angekommen zu sein. Seit diesem Tag begleite ich Frauen in der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Elternzeit als Doula.

    Wie es für mich als Doula weiterging, welche Lektionen ich lernen musste, wie ich an meine Grenzen stieß, was das Doula sein im Alltag bedeutet, warum ich selbst eine Erweiterungsfortbildung ins Leben gerufen habe und welche unglaublichen Geburten ich erleben durfte, darf ich ab nun für Euch in regelmäßigen Abständen hier beschreiben.

    Ich freue mich Euch meine Arbeit näher zu bringen und verabschiede mich bis zum nächsten Mal,

    Eure Doula Sylvia

    Erklärung

    (*) mbu – Mikroblutuntersuchung. Dazu wird eine ein Blutstropfen aus der Kopfschwarte des Kindes durch Anritzen entnommen, um den pH-Wert im Blut zu messen. Das Blut darf nicht durch Fruchtwasser „verunreinigt“ sein, da das Messgerät den Wert dann nicht korrekt bestimmen kann. Ab einem p-Wert von unter 7.10 muss die Geburt, zum Schutz des Kindes, umgehend zügig beendet werden.

    Beitragsfoto: Kzenon / shutterstock