Kategorie: Mama Talk

  • Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Die Geburt meines zweiten Kindes: Der erste Geburtstag unserer „Babys“ ist noch nicht so lange her. Da kamen so manche Erinnerungen hoch. Ein Jahr ist die Maus schon bei uns. Dabei kam es mir vor, als wäre ich erst gestern im Krankenhaus gewesen und so ließen wir diese in einen Geburtsbericht einfließen.

    Michael war vor Ort, als Begleiter, als Stütze, als Hilfe. In rund 90 Prozent der Fälle haben Frauen ihre Partner (bzw. die Väter) im Kreißsaal dabei. Vor 40 Jahren wäre das noch nicht so gewesen. Denn erst in den 70er Jahren begannen sich die Kreißsäle auch für Väter zu öffnen.

    Vorher waren sie den Schwangeren, Ärzten und Hebammen vorbehalten. Ich kann mir kaum vorstellen – umgeben von fremden Menschen und unter großen Schmerzen – mein Kind zu gebären. Wie stark müssen diese Frauen gewesen sein …

    Die Idee eines Kreißsaals selbst ist übrigens auch noch gar nicht so alt. Erst vor knapp 250 Jahren wurden diese eingeführt, zuvor gab es die typischen Hausgeburten (die aktuell aber auch wieder im Kommen sind). Doch jetzt zu unserem Geburtsbericht.

    Ein Geburtsbericht – als Dialog zwischen Vater und Mutter

    Mit meinem Mann habe ich ihren besonderen Tag nochmal Revue passieren lassen und unser Gespräch in eine Art Geburtsbericht niedergeschrieben.

    Yasmin: Erinnerst du dich noch an den Tag? Ich hatte den Haushalt gemacht und plötzlich dieses regelmäßige Ziehen bemerkt. Auf Facebook habe ich dir geschrieben, dass ich wohl Wehen habe, aber die Abstände noch zu groß sind.

    Michael: Ohja! Nach deiner Nachricht saß ich wie auf heißen Kohlen. An Arbeiten war gar nicht mehr zu denken. Und nachdem und meintest, die Abstände werden nun kürzer habe ich es aufgegeben produktiv zu sein. Ich habe meinem Chef Bescheid gegeben und mich direkt auf den Heimweg gemacht und…

    Yasmin: … mich in der Badewanne vorgefunden. Die Wehen kamen da schon rund alle 5 Minuten. Trotzdem wollte ich nicht überstürzt aufbrechen und erst noch ein Wurstbrot essen. Ich war echt gechillt.

    Immerhin wollten wir Claire auch noch aus der Kita abholen. Sie musste zu Freunden, um später von der Oma abgeholt werden zu können.

    Angst vor dem Platzen der Fruchtblase

    In der Kita habe ich Wehen auf der Kindercouch veratmet. Ich glaube sie hatten ein bisschen Angst, dass meine Fruchtblase vor den Kindern platzt.

    Michael: Zum Glück ist das nicht passiert, obwohl Claire sich mal wieder ewig Zeit gelassen hat.

    Yasmin: Naja, ganz so dramatisch sollte es ja gar nicht werden. Eigentlich war ich auf der Fahrt ins Krankenhaus noch richtig guter Dinge und hab die Wehen locker weggeatmet.

    Michael: Wäre da nicht die Hebamme gewesen. Oh man, ich hatte ihr den Kopf abreißen können, als sie meinte du hast gar keine Wehen und dich wegschicken wollte. Du lagst da und hast sichtbar Schmerzen veratmet.

    Oarr, weil das olle CTG absolut nichts aufgezeichnet hat… Wie schon damals bei Claire. Zum Glück kam bald darauf schon die Ärztin und hat dich ernst genommen. Nachdem der Zugang lag und alles ausgefüllt war, ging es mir schon etwas besser.

    Yasmin: Im Gegensatz zu mir, da die Wehen durch unseren Spaziergang immer heftiger wurden. Uff. Mein Muttermund hat auf Hochtouren gearbeitet.

    Michael: Japp. Darum sind wir a auch eher um das Krankenhaus herumgeschlichen, weil du quasi alle drei Schritte stehen bleiben musstet…

    Zum Glück warst du unter der Geburt bei mir

    Yasmin: Zum Glück warst du mit dabei und konntest mich stützen, als mich die Welle überkommen hat.

    Michael: Mehr konnte ich ja leider nicht tun.

    Yasmin: Ach was, du hast mir damit so sehr geholfen! Zumal die Hebamme ja immer noch keine Wehen auf dem CTG gesehen hatte und mir nicht ganz glauben wollte, dass da welche sind. Es tat gut, dass du zu mir gehalten und mir geglaubt hast. Das war in der Situation einfach völlig richtig und wichtig.

    Michael: Zum Glück hat sich der Muttermund nach unserer zweiten Runde entsprechend geweitet. Aber die neue super nette Hebamme schien ohnehin entspannter und hat nicht gezweifelt.

    Yasmin: Ach, das war mir aber auch egal. Wichtig war nur, dass du nicht gezweifelt hast und mich voll supported hast. Vor allem als ich in die Badewanne sollte und  es nicht einmal mehr geschafft habe mich ordentlich umzuziehen.

    Ich lag da auch bestimmt wie ein gestrandeter Blauwal drin. Aber es tat so gut, dass du die ganze Zeit dabei warst und mir den Handrücken gestreichelt hast. Du hast mich echt gut aufgebaut und von den Schmerzen ablenken können.

    Ich habe mich so hilflos gefühlt

    Michael: Es fühlte sich allerdings ganz anders an. Zum Glück schienst du entspannter. Du hast  nicht so sehr gelitten. Richtig schlimm gelitten. Ich habe mich da blöd gefühlt. Richtig hilflos, vor allem als du eigentlich auf die Toilette wolltest und dann plötzlich geblutet hast. Da wurde ich auch verdammt nevös.

    Yasmin: Ohje, der Auftakt zu den Presswehen. Plötzlich dachte ich, ich müsse ganz ganz dringend pinkeln, aber es kam und kam nichts. Stattdessen wurden die Schmerzen immer heftiger.

    Mit jeder neuen Welle tat es mehr weh. So als würden Rasierklingen an meiner Vagina entlangstreifen und sie Stück für Stück aufschneiden. Brrrr, ein schlimmer Gedanke.

    Michael: Das hat man dir auch im Gesicht angesehen. Wir [Anmerkung: Hebamme und Michael] wollten dir gern dabei helfen, aber Anfassen war in der Wehe ja völlig tabu.

    Yasmin: Wie du der Hebamme zum Glück klargemacht hast, als sie mein Becken umfasst hat. In dem Moment hätte ich sie fast getreten, weil es so unangenehm war. Zum Glück hast du das sofort bemerkt und sie intuitiv weggeschickt. Mit Worten konnte ich mich einfach gar nicht mehr ausdrücken. Total Crazy.

    Geburtsbericht … und dann habe ich den „Einlauf“ meines Lebens von dir bekommen.

    Michael: Ach, ein ziemlich rüdes „Fass mich nicht an du Arschloch!“ hast du dennoch über die Lippen gebracht, als ich dich ganz leicht aus Versehen am Daumen gestreift habe. Kurz vorher sagtest du noch, „Fass mich jetzt nicht an“. Ich bin extra weggegangen und hab dich dann doch ganz dezent berührt – und dann den Einlauf meines Lebens von dir gekriegt.

    Yasmin: Darüber muss ich heute noch lachen. Ich erinnere mich nicht einmal das gesagt zu haben. Aber daran, wie belustigt du mir das erzählt hast. Zum Glück können wir heute darüber lachen.

    Meine vergebliche Vorgabe zum Geburtsbericht: Was im Kreißsaal passiert, bleibt im Kreißsaal! Wobei mir in den letzten Minuten nicht so sehr zum Lachen zu Mute war. Ich klang sicher wie ein großer Bergorilla, als die letzten Presswehen kamen.

    Michael: Du warst jedenfalls lauter, als ich dich bisher je gehört habe. Und das will was heißen mit deiner Piepsstimme. Ich hatte mich ja dann vor dich gestellt, als du im Vierfüßler warst. Und dann bei der Atmung geholfen.

    Yasmin: Stimmt. Du hast mich immer wieder daran erinnert, wie ich atmen muss und es vorgemacht. Sonst hätte ich manchmal wohl auch vergessen zu atmen.

    Michael: Stimmt. Und ich habe dich auch brav gefüttert. Mit BiFi und RedBull.

    Weißt du noch wie es dir während der Geburt ging?

    Yasmin: Wie ging es dir dabei? Weißt du das noch?

    Michael: Ich war nervös, ich hab mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, weil du Schmerzen hattest. Aber ich wusste, dass du in guten Händen bist. Die Hebamme war ja die ganze Zeit bei dir und hat sich sehr gut gekümmert.

    Yasmin: Ja, ich war auch überrascht, dass sie mich quasi die ganze Zeit begleitet hast. Wir hatten echt Glück, dass keine weitere Geburt gelaufen ist. Der Endspurt war allerdings auch recht zügig. Maximal eine Stunde lag ich in den Presswehen und dann war sie da.

    Michael: Das kam total überraschend. Also, nicht, dass Marie dann herauskam. Die hat sich ja angekündigt. Aber du hattest stundenlang gelitten. Man hat dir das total angesehen und als du Marie dann bei der Geburt aufgefangen hattest, war da nichts mehr.

    Keine Schmerzen in deinem Gesicht. Auf einmal hast du den Eindruck gemacht, als ob nichts gewesen ist. Wirklich gar nichts. Das war für mich auch beeindruckend, denn es war der absolut glücklichste Moment den ich jemals bei dir gesehen habe. Du hast sie auch direkt in den Arm genommen und an dich gedrückt.

    Yasmin: Wie war das denn für dich, als du sie gesehen hast?

    Ich war so glücklich nach der Geburt

    Michael: Ich war auch glücklich! Ich wollte dir das Baby aber in dem Moment auch nicht „wegnehmen“. Das hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt. Du hattest die letzten Stunden geackert, da hast du die erste Zeit mit Marie auch verdient.

    Als ich sie das erste Mal im Arm hatte, war ich überrascht wie winzig sie ist. So unglaublich winzig. Unbeholfen. Ein kleiner Fleischklumpen der einfach noch nichts kann. Voll süß! Die Äuglein noch geschlossen. Sie war schon echt süß.

    Yasmin: Wie würdest du eine Geburt allgemein beschreiben jetzt im Nachhinein?

    Michael: Eklig?! Auf jeden Fall nichts Schönes. Ich sehe, dass du leidest und Schmerzen hast. Das ist scheiße. Aber der Moment der nach der Geburt kommt, der ist wunderschön.

    Yasmin: Das verstehe ich. Trotzdem war es für mich irgendwie eine Geburt wie aus dem Lehrbuch. Und sehr viel schöner als die erste. Sie war so selbstbestimmt. Ich habe meinem Körper und meinem Gefühl vertrauen können. Ganz anders, als bei Claire…

    Michael: Die sich übrigens total gefreut hat, endlich das Baby zu sehen. Und mittlerweile lieben sich die beiden ja abgöttisch.

    Yasmin: Ja, allerdings. Es war eine gute Entscheidung den Höllentrip hinter uns zu lassen und es drauf ankommen zu lassen.

    … und dann könnte ich dich auch gut im Krankenhaus lassen

    Michael: Das ist richtig. Darum konnte ich dich auch entspannt im Krankenhaus lassen. Weil ich wusste es ist jetzt vorbei, du leidest nicht mehr, du bist glücklich…

    Yasmin: Ich hatte die Zeit auch ehrlich gesagt genossen. Drei Tage für mich und Marie allein, ehe sie die Aufmerksamkeit mit ihrer Schwestern teilen musste. Das war für uns beide sehr wichtig und schön. So würde ich es jederzeit wieder machen. Alles. Und hiermit mit endet unser gemeinsamer Geburtsbericht.

    Eure Yasmin und Mann (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Gorodenkoff / shutterstock
  • Podcast und Buchtipp: „Alle Antennen auf Empfang“ von Mira und Deva

    Podcast und Buchtipp: „Alle Antennen auf Empfang“ von Mira und Deva

    Hallo Ihr Lieben,
    wir wollen EUCH an unserem Autorenglück teilhaben lassen. Unser Buch „Alle Antennen auf Empfang“ ist Ende August 2018 erschienen. Es ist der perfekte Ratgeber für Eltern von hochsensible Kinder.

    Wir haben es vollgepackt mit vielen typischen Situationen, Tipps, Anleitungen und Kopiervorlagen. Diese könnt ihr an Lehrer oder Erzieher eurer Kinder als Infoblatt aushändigen.

    Es gibt eine Vielzahl leichter Yogaübungen, die euren hochsensiblen Kinder helfen, reizüberflutete Tage gut zu überstehen. Zudem enthält es Tipps  für euch, eigene Strategien für denn Alltag zu entwickeln.

    Damit ihr eine Ahnung davon bekommt, wie unser Buch „klingt“ hat Mira ein Kapitel für euch vorgelesen.

    Podcast zum Thema „Schreibaby“

    In diesem Kapitel geht es um das „Schreibaby“ und die Frage, ob Hochsensibilität plus unangenehme Reize ein Grund für vermehrtes Schreien sein können:

    Und wer sich oder sein Kind wieder erkennt, kann das Buch direkt über den folgenden Link: https://amzn.to/2OvmaYU bestellen. Den süßen Drachen gibt es übrigens bei Weltbild.

    HochsensiblesKind.org ist unsere eigenständige Seite zu diesem Buch.

    Liebe Grüße und viel Glück!

    Eure Mira und Deva

  • Expertenrat: Plötzlicher Kindstod – Morgen früh, wenn Gott will … Tipps von unserer Hebamme

    Expertenrat: Plötzlicher Kindstod – Morgen früh, wenn Gott will … Tipps von unserer Hebamme

    Enthält Werbung

    Die ist eine Zeile aus einem der beliebtesten Kinderlieder. Was aber wenn Mutter oder Vater zum Bett ihres Kindes kommen und es dort leblos liegt? Wenn das Kind unbemerkt und still, scheinbar kerngesund – einfach so verstorben ist. Dann erhält diese Zeile eine ganz neue Bedeutung.

    Plötzlicher Kindstod oder Sudden Infant Death Syndrom (SIDS) lautet jedes Jahr  in ca. 160 Fällen in Deutschland die Diagnose für den Tod des Kindes.

    Damit bleib der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr der Kinder und lässt Eltern verstört mit den Fragen „warum unser Kind“ und „was haben wir falsch gemacht“ zurück.

    Einen Höhepunkt der Sterberate der Kinder wird zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat verzeichnet, dabei sind Jungs etwas häufiger betroffen als Mädchen. Die Diagnose SIDS kann erst nach einer Obduktion des Kindes gestellt werden, denn auch andere Todesursachen können eine Rolle spielen.

    Bis heute sind die genauen Ursachen des Plötzlichen Kindstodes ungeklärt. Forschungsergebnisse zeigen allerdings potentielle vermeidbare Risikofaktoren, die ein Auftreten des SIDS wahrscheinlicher machen.

    Dazu gehören:

    • Die Bauchlage des Kindes zum Schlafen
    • Die Schlafumgebung (kein Nestchen, keine Kopfkissen, keine Decke, kein Fell)
    • Das Rauchen in der Nähe des Kindes / auch passiv
    • Das Verzichten auf das Stillen
    • Überwärmung
    • Ungenügende Luftzirkulation

    Was kann ich aktiv tun?

    Große Aufklärungskampagnen, initiiert durch die Elterninitative GEPS  in den 1990 Jahren, konnten die Sterberate um 90% (1997 – 1300 Kinder) senken.

    Vor allem durch die folgenden Punkte:

    • Stillt euer Kind
    • Verwendet einen Babyschlafsack anstelle von Bettdecken. Bei Jako-O findet ihr eine große Auswahl an Babyschlafsäcken (Werbung)
    • Achtet darauf eine feste und atmungsaktive neue Babymatratze zu verwenden, die frei von Schadstoffen ist
    • Zudem sollte sie einen abnehmbaren und bei 60°C waschbaren Bezug haben sowie im Idealfall über feste Trittkanten verfügen
    • Euer Baby sollte im eigenen Babybett, jedoch im Elternschlafzimmer schlafen
    • Verzichtet unter anderem auf Kissen, Stofftiere oder Schaffelle im Babybett
    • Achtet auf eine passende Raumtemperatur und verhindert eine mögliche Überhitzung
    • Raumtemperatur zum Schlafen zwischen 16 – 18 Grad
    • Rauchen gilt als Hauptrisiko – sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Umgebung des Kindes!
    • Geht mit eurem Kind regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen

    TIPP

    Es ist für Eltern daher sehr empfehlenswert einen Erste – Hilfe – Kurs für Babys und Kinder zu besuchen. Hier lernet ihr die korrekte Wiederbelebung durch Fachkräfte.

    Der plötzliche Kindstod ist schon in der Bibel beschrieben und wird immer ein Schicksalsschlag für alle betroffenen Eltern bedeuten. Dazu kommt die große Schuldfrage und die Ermittlungen der Kriminalpolizei.

    Geschulte Notfallseelsorger mit einem Paket an Hilfsmaßnahmen sollten vor Ort immer tätig werden. Der sensible Umgang der Gesellschaft und Unterstützungsangebote müssen zügig greifen, denn die Eltern müssen Ihre Zukunft zu Grabe tragen.

    Plötzlicher Kindstod – Weiterführende Links

    Eure Anja (Babytalk – Autorin)

    Hinweis der Redaktion: Wir finden das obengenannte Schlaflied, auch wenn es höchstwahrscheinlich einen wahren Kern beinhaltet, nicht für Babys oder Kinder geeignet ist. Es könnte ihnen Angst machen.

    Beitragsfoto: ChameleonsEye / shutterstock
  • Einsam und Alleinerziehend

    Einsam und Alleinerziehend

    Alleinerziehend – ein wichtiges Thema, welches öfter thematisiert werden sollte. Leider, aber auch verständlicherweise neigen Eltern, die ihr Kind alleine aufziehen, automatisch dazu, sich von der Außenwelt abzukapseln. Die einen mehr, die anderen weniger.

    Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass man sich erst einmal auf die eigenen Baustellen fokussiert. Auch ich kenne dieses Thema, wo vorher der Partner oder Ehemann war, ist jetzt ein Loch.

    Niemand der einen mal die Kinder für einen Abend abnehmen kann. Niemand mehr der einem hilft, wenn man selber mal krank ist, oder einfach mal eine kleine Pause braucht. Etwas mit Freundinnen machen, ist zwar noch möglich, aber umständlich und wird dadurch viel zu selten organisiert.

    Eine Kinderbetreuung, für einen Kinoabend muss erstmal gefunden werden. Genau diese Dinge können Mütter, genauso wie alleinerziehende Väter in die Einsamkeit treiben. Denn oft haben Freunde nicht das nötige Verständnis für die neue Situation.

    In aller erster Linie ist es erstmal wichtig, das Alleinerziehende sich nach der Trennung, Zeit zum Verarbeiten nehmen. Sei es alleine oder mit den besten Freunden. Ich für meinen Teil, stand nach der Trennung von meinem Mann, ziemlich isoliert da.

    Viele Freunde entschieden sich für eine „Seite“ und somit blieben mir nur eine handvoll Freunde. Aber genau für diese bin ich rückblickend sehr dankbar. Die erste Zeit war wirklich hart. Das Leben was ich vorher hatte, war nicht mehr da.

    Alles kommt einen so kompliziert und anstrengend vor, zumindest ging es mir so. Ich fühlte mich wie der letzte Mensch auf dieser Welt. Aber nun gute 8 Monate später kann ich sagen, es tut gut, eine alleinerziehende Mama zu sein.

    Mit der neuen Situation kommen wir alle gut zurecht. Trotzdem gibt es natürlich Momente, wo ich mich trotzdem noch einsam fühle. Wo einfach der Partner oder die Schulter zum Anlehnen fehlt.

    Einsamkeit ist (k)ein Arschloch!

    Ja, auch ich bin natürlich ab und zu einsam, und das ist auch normal. Aber, wie mit anderen Emotionen, die einen während einer Trennung begleiten, habe ich auch gelernt mit der Einsamkeit umzugehen. Hier habe ich einige Tipps für euch, die auch ich angewendet habe und die mir sehr gut taten.

    Allem voran, ihr müsst nicht einsam sein. Es gibt so viele tolle Single Mamas da draußen. Also suche sie, vernetze dich. Dies geht am besten im Internet. Ich habe bei Kleinanzeigen oder eben in regionalen Facebookgruppen nach Anschluss gesucht.

    Hängt Flyer bei Kinderärzten oder Krabbelgruppen auf. Eben dort wo viele Mamas sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Mamas dankbar waren, diesen Aufruf gelesen zu haben.

    Ich für meinen Teil, habe da nur tolle Erfahrungen gemacht, ich habe Mamas getroffen, denen es genauso ging. Wir konnten uns austauschen und uns gegenseitig stützen, wenn es mal schwer war.

    Als Zweites habe ich mir ein Hobby gesucht. Einfach um auch etwas Zeit für mich zu bekommen. Denn wenn die Kinder abends im Bett waren, hatte ich oft keine Lust auf das TV Programm, also suchte ich etwas Kreatives und entdeckte die Näherei für mich.

    Nicht allein in der Mamarolle versinken

    Dadurch lernte ich auch ganz viele tolle Mamas kennen. Was ich besonders toll fand, dass wir uns auch über andere Sachen als Kinder und Haushalt austauschten. Denn genau das ist wichtig, um nicht nur komplett in der Mamarolle zu versinken. Zeit für sich selber, gerade wenn diese als Alleinerziehende noch knapper ist.

    Als letztes habe ich mir vorgenommen, die Zeit mit den Kindern so intensiv wie möglich zu genießen. Denn diese Momente werden nie wieder kommen. Aktuell können wir 3 tun und lassen, was wir möchten. Wir können Sonntags bis um 12 mit Schlafzeug im Bett liegen oder auch mal nur romantische Schnulzen auf Netflix gucken.

    Unser Mädelshaushalt ist aktuell für uns wirklich perfekt.Was nicht heißt, das da kein Mann Platz hätte. Aber diese Zeit ist für mich wirklich ganz besonders. Wir drei sind so fest zusammen gewachsen und ich denke, dass auch meine Mädchen die Zeit sehr genießen.

    Wir sind gespannt, was die Zeit bringt und auch wenn sich vieles negativ anhört, ich bin froh diesen Schritt der Scheidung gegangen zu sein. Wie ihr seht, gibt es auch einige positive Aspekte, alleinerziehend zu sein. Haltet euch am besten immer vor Augen „IHR SEID NICHT ALLEINE“.

    Sucht euch notfalls Hilfe und Unterstützung, denn um Hilfe zu fragen, ist wirklich keine Schande. Manchmal kommen wir einfach an unsere Grenzen und dann ist es wichtig, jemanden zu haben, der einen auffängt.

    Eure Nicole (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Liderina / shutterstock
  • Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Liebe auf den ersten Blick – Erst kürzlich habe ich darüber berichtet, dass ich meine beiden Mädchen nicht gleich lieben würde – was auch völlig normal sei. Dabei meine ich nicht die Intensität, sondern vielmehr die Art zu lieben.

    Ich habe zwei völlig unterschiedliche, einzigartige Menschen geboren und ebenso einzigartig ist die Liebe zu ihnen. Doch wo lag der Ursprung dieser Liebe? Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es anders ist? Nun, ich denke, der Grundstein wurde im Kreißsaal gelegt.

    Bei Claire war ich eine unerfahrene „Erstlingsmama“. Die erste Schwangerschaft, die erste Geburt, die ersten Fehler. Ich nahm die Geburt auf die leichte Schulter und hatte nicht damit gerechnet, dass es Probleme geben könnte.

    Immerhin war meine Schwangerschaft tadellos. Meine Mutter hat fünf Kinder zur Welt gebracht, warum sollte ich das nicht schaffen? Dementsprechend war ich etwas unvorbereitet und das Unglück nahm seinen Lauf.

    Mehrtägige Einleitung unter Wehen

    Leider hatte „ich“ den Entbindungstermin deutlich überschritten. Am zehnten Tag wurde entschieden, dass man nun einleiten werde. Ich habe den Ärzten vertraut und einen richtigen Höllentrip erlebt. Diese Erfahrung wünsche ich keiner Frau, denn sie endete nach drei Tagen Wehen mit einem Kaiserschnitt.

    Damit möchte ich nicht andeuten, dass der Kaiserschnitt per se schlecht sei! Für mich kam er nur unvorbereitet und mit voller Wucht. Ich hatte mich nicht informiert und der Ablauf hat mich völlig überwältigt: Die Herztöne wurden schlechter, meine PDA wurde hochgedreht und ich kam in den OP. Alles binnen weniger Minuten.

    Dort schnallte man meine Arme am Tisch fest, ich war umgeben von Weißkitteln und grünen Masken. Dann wurde ein Tuch aufgehängt, damit ich meinen Bauch nicht mehr sehen konnte. Ich fühlte mich – Pardon – wie eine Sau auf der Schlachtbank und war mir sicher, ein Kaiserschnitt kann auch anders sein.

    Doch in diesem Moment fühlte ich mich nur hilflos, ausgeliefert und traurig. Ich hatte versagt als Mutter. Ich hatte mein Kind nicht selbstständig gebären können. Diese Gedanken hingen mir noch lange nach, stürzten mich in Depressionen. Es war wahrlich keine schöne Zeit.

    Geburt – Kaiserschnitt – Wie in Trance

    Während ich auf dem OP-Tisch festgeschnallt war, wurden mir ein paar Dinge erklärt, aber ich konnte die Informationen nicht verarbeiten. Ich wollte einfach nur, dass das aufhört und einfach mein Baby im Arm halten. Ich spürte, wie an meinem Bauch etwas passierte, dann einen seltsamen Unterdruck. Und schon sah ich, dass mein Baby aus dem Bauch herausgehoben wurde.

    Eine Schwester hat sich mein Baby geschnappt und in ein Handtuch gewickelt. Erst nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren und nach gefühlten etlichen Stunden Schmerzen und Leid – konnte ich endlich in die Augen meines Babys blicken. Dazu wurde ein Arm vom OP-Tisch gelöst.

    Ich lag noch immer da, einarmig festgeschnallt. Mein Baby wurde mir im Handtuch an den Kopf gehalten, ich konnte es mit einem Arm kurz berühren und habe mein Baby ganz benommen angesehen.

    Ich war wie in Trance, war nicht ganz bei Sinnen und fühlte nur Erleichterung und – Müdigkeit. Fühlte mich unendlich müde von der Tortour, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Ganz kurz flackerte Freude in meinem Herzen auf. Dann wurde sie von meiner Erschöpfung im Keim erstickt.

    Von Liebe auf den ersten Blick konnte …

    Von Liebe auf dem ersten Blick konnte keine Rede sein. Der erste Blick war nicht so romantisch schön, wie man ihn vielleicht aus anderen Erzählungen her kennt. Er wurde überschattet von vielen negativen Erinnerungen und getrübten Sinnen. Als ich im Kreißsaal ankam, wurde mir mein Baby in den Arm gelegt und wir schliefen gemeinsam kuschelnd ein.

    Ich habe sie in den nächsten Tagen nur zum Wickeln und Wiegen aus dem Arm gegeben. Sie schlief und kuschelte die ersten Tage in meinem Arm. Und wir fingen an gemeinsam die Geburt zu verdauen.

    Dies war lange Zeit meine Art ihr Liebe zu zeigen. Nähe, Körperkontakt und Geduld. Während ich sie anblickte, fühlte ich oft Schuld. Es tat mir so Leid, dass ich ihr keinen guten Start ins Leben ermöglichen konnte. Ich war zerfressen von Schuldgefühlen und Angst, eine schlechte Mutter zu sein. Das aktive „lieben“ kam leider erst sehr viel später.

    Der Weg zur selbstbestimmten Geburt

    Völlig anders war es bei Marie. Nach dem schlechten Erlebnis, stellte ich mir die Frage, ob ich es nochmal auf eine natürliche Geburt ankommen lassen wollte oder direkt einen Wunschkaiserschnitt in Betracht ziehen sollte. Hier findet ihr einen Beitrag von Dayo, einer tollen Hebamme, zu dieser Geburtswahl (Hinweis der Redaktion).

    Ich haderte stark, hatte Angst erneut zu versagen. Doch dann las ich – zum Glück – das Geburtsbuch von Nora. Ich hatte das Buch schon früher rezensiert und in der Schwangerschaft mit Marie erneut zur Hand genommen.

    Darin habe ich viel über die selbstbestimmte Geburt gelesen, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten von Geburtsorten vertraut gemacht und letztlich entschieden, dass ich es nochmal versuchen wollte. Zum Glück! Denn bestärkt durch Noras Buch habe ich somit den wohl bisher schönsten Tag meines Lebens erleben können.

    Ein Traum von einer Geburt

    Maries Geburt war wie aus dem Bilderbuch. Sachte Wehen zu Anfang, die ich wegatmen konnte. Stärkere Wehen habe ich in der Badewanne zu Hause und später auch im Krankenhaus durchgestanden.

    Ich habe zuvor bestimmt, dass ich keine PDA möchte und während der Geburt gezeigt, was ich will – und was nicht. Und es lief super. Mein Mann war dabei und hat die Geburt mit mir durchlebt. Die Hebamme hielt sich im Hintergrund und war in den richtigen Momenten voll da: Pressen!

    Erst merkte ich, wie weich und flauschig es zwischen meinen Beinen wurde, mit der nächsten Presswehe habe ich Marie dann aus eigener Kraft geboren und konnte sie sofort auf meine Brust legen. Ich habe sie angesehen und war wie vom Donner gerührt: Sie war wunderschön und ich habe mich sofort tief mit ihr verbunden gefühlt.

    Es ist… Liebe

    Während der Geburt habe ich mit meiner inneren Stimme immer wieder zu ihr gesagt, dass wir ein tolles Team seien und das zusammen hinbekommen. In meinem Arm liegend habe ich dann eine tiefe Verbundenheit, wie nie zuvor gespürt. Und ich wusste: Wir haben das gemeinsam geschaffen. Diese Art der Liebe, die es kein zweites Mal auf der Welt gibt.

    „Du siehst so unglaublich glücklich aus!“, sagte mein Mann direkt nach der Geburt zu mir. Und er hatte Recht. Ich war glücklich, Marie hatte all meine Wunden der ersten Geburt verödet. Es ist Liebe. Bedingungslose, unendliche, reine Liebe. Dies wurde mir sofort klar als ich sie an sah. Für sie wollte ich alles sein und alles werden, was sie jemals brauchen wird. Ich war endlich wieder im Reinen mit mir.

    Und Ja, es gibt die Liebe auf den „ersten“ Blick

    In diesem Moment konnte ich endlich all die glücklichen Mamas verstehen, die sich mit Freude an die Geburt ihrer Babys erinnern, denn trotz der Schmerzen, bleibt letztlich nur das Hochgefühl, einem wunderbaren Menschen in das Leben begleitet zu haben.

    Ich bin so glücklich den Schritt gewagt zu haben und diese leichte, beschwingte Art der Liebe kennengelernt zu haben. Die Liebe auf den ersten Blick, es gibt es ihn wirklich. Mit Marie habe ich sie tatsächlich erlebt und ich bin mir sicher, dass es eine endlose Liebesgeschichte sein wird.

    Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

    Wir würden uns sehr freuen, etwas über Eure Erfahrungen in Bezug auf die „Liebe auf den ersten Blick“ zu erfahren. Ging es Euch genauso oder war es eher ein längerer Weg (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: LittleDogKorat / shutterstock

  • Der erste Blick meines Babys – Magie des Moments

    Der erste Blick meines Babys – Magie des Moments

    Magie des Moments bzw. der erste Blick zwischen Mutter und Kind. Wenn wir einen Menschen zum ersten Mal wahrnehmen, konzentrieren wir uns häufig auf die Augenpartie. Wir halten diese im Fokus und sammeln Informationen. Der durchschnittliche Augenkontakt beträgt dabei ungefähr 3,3 sec.

    Eine kurze Zeit, die sehr entscheidend für unsere Reaktion sein kann. Ganz anders der erste Blick der Mutter, kurz nach der Geburt zum Neugeborenen. Es ist ein sehr sensibler Mutter – Kind – Interaktionsprozess.

    Die Pupillen der Mutter sind nach der Geburt durch das im Körper anwesende Bindungshormon Oxytocin, weitgestellt. Sie sucht sofort nach der Geburt den direkten Augenkontakt zum Neugeborenen, ruft manchmal den Namen des Kindes oder fordert es auf die Augen zu öffnen.

    Irgendwann öffnet das Neugeborene, die noch häufig verquollenen Augen und schaut mit ebenfalls großen Augen in das liebevolle Gesicht der Mutter. Diesem magischen Moment, der erste Blick, wohnt ein besonderer Zauber inne. Als wäre es eine Bestätigung für die Mutter – das ist mein Kind, ich habe es geschafft.

    Liebe auf den ersten Blick

    Es ist bedingungslose Liebe. Ein prägender Moment für beide. Besonders bei einer Wassergeburt ist das auch für die Beobachter ein magischer Moment.

    Die Kinder drehen sich auf den Rücken, schauen mit großen Augen unter Wasser die Mutter an und werden von ihr an Land gehoben.

    Das Neugeborene reagiert meist mit einem natürlichen Instinkt und robbt sich zur Brust. Damit kommt es dem Gesicht der Mutter näher, denn in einem Abstand von rund 30 cm kann schon das Neugeborene gut sehen.

    Es kann erkennen, wer da gerade mit ihm spricht. Es ist ein weiterer dicker Faden eines dicken Bandes, das nun für immer zwischen beiden geflochten wird. Eine Bindung, die länger als ein Leben andauert.

    Es ist so schwierig für mich und vermutlich ist es auch nicht möglich, die richtigen Worten für diesen Moment zu finden. Oder?

    Wie ist es Euch Eltern / Lesern in diesem Moment ergangen, der erste Blick, könnt ihr diesen Moment in Worte fassen und sie mit uns teilen?

    Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

    Beitragsfoto: Chattapat / shutterstock
  • Geburtseinleitung – Der Prozess der Geburt ist bedingt steuerbar

    Geburtseinleitung – Der Prozess der Geburt ist bedingt steuerbar

    Eine Geburt einleiten?

    Geburtseinleitung – Es gibt absolut Indikationen eine Geburt einzuleiten, das ist unumstritten. In diesen Fällen ist es medizinisch notwendig, von diesen Fällen möchte ich auch im folgendem nicht sprechen. Mir geht es um die medizinisch weichen Indikationen bis hin zur Einleitung auf Wunsch.

    Beachtet: Jeder Eingriff in den Verlauf einer Geburt hat zur Folge, dass der natürliche Ablauf gestört wird. Dies kann zu Komplikationen führen und ggf. weitere Interventionen nötig machen oder gar zu Notfällen führen.

    Doch fangen wir ganz von vorne an. Bisher ist die wahre Tragzeit der Menschen nicht auf den Tag genau berechenbar, die Auslöser einer Geburt nicht abschließend erforscht. Der natürliche Geburtsprozess ist nur bedingt bis zu einem gewissen Punkt steuerbar.

    Es bleibt also ein gewisser dunkler, unerforschter Fleck im Werden eines Menschen. Ein Mysterium. Das ist auch gut so aber scheinbar für mache Menschen, insbesondere unter Medizinern schwer zu ertragen. Es fällt vielen schwer, nicht alles kontrollieren und somit steuern zu können.

    Eine Schwangerschaft dauert bis zu 42 SSW. Jede Frau und jede Schwangerschaft hat ihre individuelle Tragzeit. Nur 3% aller Kinder werden am Termin geboren.

    Schauen wir, wie es die Natur macht

    Keine Samenmischung keimt gleich, kein Baum hat sein Obst zur gleichen Zeit reif, keine Staude verblüht zur gleichen Zeit. Die Natur ist sehr individuell ausgerichtet. Warum unterliegen wir Menschen dann immer wieder dem Uniformitätsgedanken?

    Warum meinen wir Menschen die Natur überlisten zu können, obwohl wir aus so vielen Bereichen wissen, dass dies meistens schief geht. Die Ungeduld der werdenden Mütter hin zur Geburt ist heute, häufig untermauert von Vorhersagen der behandelnden Ärzte/Ärztinnen, deutlich spürbar. Dadurch wächst der Druck die individuelle Tragzeit, zu vereinheitlichen.

    Warum aber, bei optimalen Werten, ein Kind am ET+10 auf die Welt nötigen und damit seine Mutter mit einer Geburtseinleitung in einen nicht physiologischen Geburtsverlauf stürzen. Die Folgen sind wissenschaftlich schon häufig belegt, erhöhter Schmerzmittelverbrauch, höhere weitere Interventionsrate, höhere Kaiserschnittrate.

    Eine gute Übung für die Vorbereitung auf die Geburt und das Leben mit einem Kind wäre die Achtsamkeitsübung. „Ich übe mich in Geduld!“ Gesteht Euch Eure Individualität zu. Nicht nur im Sein, sondern auch im Werden braucht alles seine Zeit. Üben wir uns in Geduld!

    Eure Anja (Babytalk-Hebamme)

    In diesem Zusammenhang könnte Euch auch der Beitrag von einer weiteren Hebamme empfehlen, in dem sie auf „nicht medizinische Faktoren“ einer „natürlichen Geburtseinleitung“ eingeht (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: titans / shutterstock

  • Die Crux bei der Geschlechterbestimmung mittels Ultraschalluntersuchung

    Die Crux bei der Geschlechterbestimmung mittels Ultraschalluntersuchung

    Geschlechterbestimmung: Das Geschlecht ist aktuell ein heißes Thema. Gefühlt dreht sich alles um Gendermarketing, RosaBlauFalle und die Frage danach, wann endlich das veraltete „zwei Geschlechter-System“ aufgebrochen und revolutioniert wird.

    Im krassen Gegensatz dazu gibt es auf der anderen Seite eben Menschen, für die alles noch ganz einfach ist: Entweder das Baby gehört zu #TeamRosa oder #TeamBlau. Junge oder Mädchen. Kaum ist das Geschlecht bekannt, gibt es Freudentränen. Oder eben auch nicht.

    So wie bei mir. Da war nämlich kurzzeitig das blanke Entsetzen. Der reinste Schock.

    Im Traum sah ich ein Mädchen

    Warum? Angefangen hatte es schon bei meiner ersten Tochter. Nachdem überraschenderweise bekannt wurde, dass ich schwanger war, wurde ich mit den üblichen Fragen konfrontiert: Wie weit bist du schon? Ist es geplant? Junge oder Mädchen?

    Interessanterweise war ich mir bei meiner Großen direkt sicher: Das ist ein Mädchen. Es gibt eine Nacht, da habe ich von einem Mädchen mit wunderschönen, langen Haaren in einem Kleid geträumt, dass über eine Wiese getanzt ist.

    Nach dem Aufwachen war mir sofort klar: Das war meine Tochter. Mein Baby wird ein Mädchen.

    Geschlechterbestimmung: Besser als 85 Prozent wird es nicht

    Die Frauenärztin jedoch war sich nie sicher. Nach dem ersten großen Ultraschall hatte sie eine Tendenz: „Das Baby ist zu 60 Prozent ein Mädchen, aber ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen“. Musste sie auch nicht.

    Mein Bauchgefühl wusste ja bereits Bescheid. Es wird ein Mädchen. Ende. Gegen Ende der Schwangerschaft wurden die Schätzungen zwar zielsicherer, aber niemals klar. Am Tag der Geburt war meine Tochter zu „85 Prozent ein Mädchen“.

    Im Kreißsaal war die Spannung für alle Anwesenden groß. Ich wusste, dass mein Bauch mich nicht täuschen würde. Als der Arzt sie in den Händen hielt, hat er mich kurz geschockt: „Ah wie schön, Sie haben ja einen Jungen erwartet, oder? – Kleiner Spaß, es ist ein Mädchen!“. Uff, die zwei heftigsten Sekunden meines Lebens.

    Immerhin war das komplette Kinderzimmer rosa und sämtliche Klamotten hatten Hello Kitty und Co. aufgedruckt. Das wäre schon recht amüsant geworden. Meine Große ist übrigens mittlerweile knapp 5 Jahre alt, hat Haare bis zum Po, trägt nur Kleider und tanzt für ihr Leben gern…

    Geschlechterbestimmung – Bauch vs. Ultraschall

    Als ich dann mit meiner jüngeren Tochter schwanger war, wusste mein Bauch Bescheid: Mädchen. Diesmal habe ich von einer recht schnellen, fast schmerzfreien Geburt geträumt. Im Arm hielt ich anschließend mein süßes MÄDCHEN.

    Mir war klar, dass mein Bauch wieder die korrekte Prognose abgegeben hatte. Allerdings war die Frauenärztin da anderer Meinung. Nachdem ich im Kopf bereits meine beiden Mädchen gemeinsam spielen, kuscheln und toben sah, hieß es: „Es wird ein Junge!“.

    Ich war platt. Sollte mein Bauch sich diesmal so heftig geirrt haben? Sind die Bilder in meinem Kopf, meine Träume alle falsch? Uff, ich musste schlucken. Für mich war das Baby in meinem Bauch ein Mädchen.

    Junge oder doch Mädchen: Ich hatte nur einen Mädchen-Namen. Im Kopf war ich nicht bereit für „Junge“. Mein Kopf hat blockiert, da mein Bauch weiterhin „Mädchen“ ausgestrahlt hat.

    Ich war verwirrt. Traurig. Enttäuscht von meinem Bauchgefühl, dass mich scheinbar betrogen hatte. Was war mit meinem Bauch los? Warum hatte ich all diese Bilder im Kopf?

    Irgendwie konnte ich mein Bauchgefühl aber nicht loslassen. Statt nach Jungennamen zu suchen und neue Klamotten zu shoppen, habe ich meinem Mann gesagt, wir warten ab. Das Gefühl ließ mich nicht los.

    Und dann war der Schniepel plötzlich weg

    Nach einigen Wochen des Wartens stand die nächste, große Untersuchung an. Der 3D-Ultraschall. Und dann sprach die Ärztin ganz selbstverständlich von einem Mädchen.

    Ich musste nochmal nachfragen: Es wird ein Mädchen? Ja.

    Sie sah mich fragend an. Scheinbar ist es nicht üblich, sich über ein zweites Mädchen zu freuen. Ich muss in dem Moment wohl ziemlich verrückt ausgesehen haben, weil ich fast vom Stuhl getanzt wäre.

    Die Prognose Mädchen hielt sich in der restlichen Zeit. Doch was war mit dem Schniepel passiert? Das Stummelchen, was sie wohl mit einem Penis verwechselt hatte, schien ein Teil der Nabelschnur gewesen zu sein, was sich in den Ultraschall gemogelt hatte.

    Egal. Ich war einfach froh, dass mein Bauch mich nicht im Stich gelassen hatte und erneut richtig lag. In ALLEN Punkten. Die Geburt verlief relativ schnell:

    Die Schmerzen waren ohne PDA erträglich und vor allem, war ICH dieses mal die erste, die mein Baby im Arm hatte. Ich konnte im aufrechten Vierfüßler gebären und mein Baby direkt auf mich legen.

    Es war das schönste Gefühl, was ich jemals hatte. „Du siehst so glücklich aus“, waren die ersten Worte meines Mannes. Und das war ich. Glücklich über das wunderbar perfekte Baby. Und vergessen war das hin und her der Geschlechterbestimmung.

    Glücklich, dass ich mich auf mein Bauchgefühl einfach wieder verlassen konnte.

    Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Dragon Images / shutterstock
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  • Wassergeburt – Ein Trend unserer Zeit?

    Wassergeburt – Ein Trend unserer Zeit?

    Wassergeburt: Kinder kommen an vielen verschiedenen Orten auf viele verschiedene Arten zur Welt. Einer davon ist im Wasser. Man könnte meinen, dies sei ein moderner Trend unserer Zeit. Aber wenn man ein bisschen Recherche betreibt, gibt es Hinweise, dass es schon im alten Ägypten und in der Antike Wassergeburten gab. Bei den Griechen hat es anscheinend sogar Tempel mit Wasserbecken gegeben, wo die Frauen zum Gebären hingingen.

    Weiter wird angenommen, dass auf den Hawaii-Inseln hunderte von Generationen im Wasser geboren wurden. Historisch gesehen, erscheint also die Wassergeburt als keine innovative Praxis, sondern eher als eine traditionelle. Das Aufkommen der modernen Medizin brachte einen Tiefpunkt in die Geschichte der Wassergeburten. Erst seit den 70er Jahren geniesst die Wassergeburt in der westlichen Welt wieder an Ansehen.

    Wanne in der Eröffnungsphase des Geburtsprozesses

    Es gibt Frauen die nutzen die Wanne nur in der Eröffnungsphase des Geburtsprozesses und gehen dann für die eigentliche Geburt wieder an „Land“. Andere Frauen möchten auch die Austreibungsphase und die eigentliche Geburt im Wasser erleben. Wenn ein Kind tatsächlich im Wasser geboren wird, spricht man von einer Wassergeburt. Aber warum überhaupt soll man im Wasser gebären oder ein Teil der Geburt im Wasser verbringen? Es gibt mehrere Gründe die dafür sprechen.

    Das warme Wasser scheint wie ein Schmerzmittel zu wirken. Es gibt bereits viele Studien, die deutlich aufzeigen, dass Frauen die in der Eröffnungsphase in der Badewanne sind, deutlich weniger Schmerzmittel benötigen. Vor allem bei den Erst-Gebärenden zeigt sich ein großer Unterschied bezüglich des Einsatzes von Schmerzmitteln.

    Das Gleiten durch das Element Wasser ist für die meisten Menschen etwas Entspannendes, manchmal schon fast etwas Spirituelles. Während der Geburt scheinen für viele Frauen genau diese Attribute des Wassers wichtig zu sein.

    Wegen des entspannenden Effekts des Wassers ist es für sie einfacher die Ruhe zwischen den Wehen zu finden. Zudem hat man im Wasser eine deutlich größere Bewegungsfreiheit. Die Gebärende kann fließend von einer Geburtsposition in die nächste wechseln. Auch dies hilft der Entspannung und fördert den Geburtsfortschritt.

    Geringeres Dammschnitt-/riss – Risiko bei Wassergeburt

    Ein weiterer Grund für eine Wassergeburt ist die deutlich niedrigere Rate an Dammschnitten und -rissen. Das warme Wasser fördert die Elastizität des Dammes und senkt somit das Risiko einer Geburtsverletzung.

    Auch für das Kind scheint die Wassergeburt sanfter zu sein. Das Baby hat im Geburtskanal einen starken Druck auf den Kopf. Kinder die im Wasser geboren werden, haben durch das Gewicht des Wassers einen deutlich schonenderen Druckabbau. Zudem werden Licht und Geräusche zu Beginn nur gedämpft wahrgenommen.

    Das Kind wird ganz langsam aus dem Wasser gehoben. Dies kann bis zu einer Minute dauern. Da das Kind noch via Nabelschnur mit Sauerstoff angereichertem Blut versorgt ist, besteht keine Erstickungsgefahr für das Neugeborene.

    Und Dank des Tauch-Reflexes bekommt das Neugeborene erst dann den Impuls Luft zu holen, wenn das Gesicht mit der Luft in Kontakt kommt. Aufgrund all dieser Gründe spricht meiner Meinung nach sehr viel für eine Wassergeburt oder ein Entspannungsbad. Ich gehöre selber auch zu den Hebammen die sehr gerne Wassergeburten betreuen.

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto:  Vladimir Mucibabic / shutterstock
  • Woran man beim Kind Borreliose erkennt

    Woran man beim Kind Borreliose erkennt

    Mit diesem Beitrag über Borreliose möchten wir die Chance nutzen, möglichst viele Eltern zu erreichen. Denn immer wieder wird derzeit von Zecken im Übermaß berichtet. Hinzu kommt ein Irrglaube, was diese Tiere betrifft, den wir unbedingt aufklären möchten.

    Zunächst einmal ein Erfahrungsbericht: Vor knapp zwei Jahren wurde meine Tochter von einer Zecke gebissen.

    Zunächst dachten wir uns nichts weiter dabei, aber nach wenigen Tagen entwickelte sich dieser typische „Ausschlag“: An der Stelle, an der die Zecke saß, bildete sich ein roter Ausschlag, der einen Kreis bildete, der wiederum innen weiß blieb. Dieser Kreis breitete sich vom Ohr ausgehend (da saß die Zecke) über den Tag über das Gesicht aus. Der Kranz wanderte und verblasste gleichzeitig.

    Am Tag drauf begann es wieder von vorne: Ein neuer Kranz bildete sich an immer der selben Stelle und wanderte über den Tag verteilt, bis er wieder verblasst war. Daher kommt auch der Name „Wanderröte“, mit dem man unter anderem diesen typischen Verlauf des Ausschlages bezeichnet.

    (Anmerkung der Autorin: Leider sind meine Fotos von damals qualitativ nicht so gut, dass wir sie hier als Beitragsfotos einstellen wollen. Wer gerne zwei verschiedene Stadien der Wanderröte sehen möchte, kann dies mit jeweils einem Klick HIER und HIER)

    Unwissende Krankenhäuser

    Wir waren mit unserem Kind in drei Krankenhäusern. Eines davon war die Uniklinik Homburg. In allen Krankenhäusern wurde der Kleinen Blut abgenommen, um die Antikörper im Blut zu messen. Und ich bekam drei Mal die Aussage:

    „Ihr Kind hat nichts. Da ist nichts im Blut, also hat sie auch keine Borreliose. Machen Sie mal locker, dass ist nur ein Ausschlag, wie ihn Kinder eben haben …“

    Heute weiß ich: Unsere Tochter hatte damals in der Tat eine akute Borreliose!

    Glaubt den Ärzten nicht, wenn sie Euer Bauchgefühl belächeln und behaupten, Euer Kind hätte nichts, wenn euer Kind dieses Hautbild aufweist!!!

    Eine Mutter hat nicht ohne Grund eine haarscharfe Intuition (und ich will einfach mal behaupten, Papas auch)!

    Der einzige Arzt, der das richtig erkannte, war mein Frauenarzt, der mit ganzheitlichen Methoden auch Kinder und sogar Männer behandelt.

    Er sah den Ausschlag und schickte mich UMGEHEND zu einem bestimmten Arzt, der mich dann endlich ernst nahm. Das war in einem Borreliosezentrum. Fast 300 km von unserer Heimat entfernt.

    Dort erklärte man mir, dass die Antikörper erst nach einigen Wochen im Blut vorzufinden sind, und der Ausschlag DAS INDIKATIONSSYMPTOM schlechthin ist. Also nochmal ganz deutlich:

    Hat ein Mensch diesen Ausschlag (roter Ring, innen weiß, siehe Beitragsbilder) irgendwo am Körper, HAT ER BORRELIOSE!

    Borreliose behandeln

    Und die muss SOFORT mit einem Antibiotikum behandelt werden, um die Spätfolgen zu reduzieren.

    Wir konnten erst nach neun Wochen mit der Therapie beginnen, wodurch sich die gefährlichen Bakterien bereits im gesamten Körper ausgebreitet hatten …

    Das Kind musste vier Monate lang eine ganze Flasche Antibiotikum am Tag einnehmen, was nicht nötig gewesen wäre, wenn man die Borreliose gleich entsprechend therapiert hätte.

    Nehmt also eure Füße in die Hand, wenn euer Bauchgefühl, egal bei welcher Erkrankung, Alarm schlägt. Denn die Natur hat es uns nicht grundlos geschenkt.

    Noch ein Irrglaube kursiert im Lande, dieses mal eher bei den Eltern selber:

    Viele sagen „Mein Kind ist ja geimpft, es kann also gar nicht Borreliose bekommen.“

    Das ist falsch! Geimpft werden kann bisher nur gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), welche auch von Zecken übertragen wird. Wohlgemerkt eine sehr schlimme Krankheit, umso besser, dass dies möglich ist. Borreliose ist mit dieser „Zeckenimpfung“ aber nicht abgedeckt!

    Also: FSME ist NICHT Borreliose. Gegen Borreliose kann nicht geimpft werden!

    Eure Mira (Babytalk – Redaktion)

    Beitragsfoto:  AnastasiaKopa / shutterstock