Kategorie: Allgemein

  • Milchstau – Symptome, Ursachen und Tipps

    Milchstau – Symptome, Ursachen und Tipps

    Die Freude ist groß, dass Kind ist gesund zur Welt gekommen. Alles könnte so gut sein. Das Wochenbett hat so gut begonnen. Doch dann tauchen plötzlich Stillprobleme auf. Die Brust beginnt zu schmerzen. wird hart und heiß: Ein Milchstau.

    Dies ist übrigens nichts ungewöhnliches, etwa ein Drittel aller stillenden Mütter bekommt in den ersten Wochen zumindest einmal wunde und schmerzende Brustwarzen.

    Damit es nicht schlimmer wird und sich wohlmöglich noch zu einer Brustentzündung entwickelt, lies nachfolgend unseren Beitrag:

    Was ist ein Milchstau?

    Während der Schwangerschaft wird der Körper vor allem auf die Geburt vorbereitet. Auch wenn er in dieser Zeit schon mit den Vorkehrungen für die Milchbildung beginnt, muss sich die Brust erst an das regelmäßige Saugen gewöhnen.

    Bei einem Milchstau fließt die Milch nicht richtig aus der Brust ab, wodurch sich das Gewebe verhärten und die Brust sehr empfindlich auf Druck reagieren kann. Es können sich auch rote Flecken oder ein harter Knubbel bilden, der dann bis nach der nächs­­ten Stillmahlzeit bleiben kann.

    Der Übergang von einem Milchstau zu einer Brustentzündung, die auch Mastitis genannt wird, ist fließend. Die beschriebenen Symptome sind identisch. Bei einer Mastitis steigt das Fieber jedoch höher und häufig kommt noch Schüttelfrost dazu. Es fühlt sich wie eine Grippe an und du fühlst dich müde und abgeschlagen.

    Zudem wollen die verhärtete Stellen einfach nicht abschwellen. In einigen Fällen tritt ein eitriges Sekret aus der Brustwarze. Bei einer Mastitis wird dir dein Arzt ein stillverträgliches Antibiotika verschreiben, so das du dein Kind weiterhin stillen kannst.

    Wie kommt es zu einem Milchstau?

    Die Brustdrüse besteht aus mehreren Drüsenlappen, in denen sich die milchproduzierenden Bläschen befinden. Durch weitvernetzte Milchgänge wird die Milch von den Bläschen zur Brustwarze transportiert.

    Ein Milchstau entsteht, wenn diese Milchgänge blockiert sind, weil sie nicht komplett geleert wurden bzw. geleert werden konnten und der Druck in den Milchgängen ansteigt.

    Für einen Milchstau können folgende Punkte verantwortlich sein:

    • Eine übermäßige Milchproduktion oder
    • ein fehlender Milchspendereflex oder
    • mechanisch bedingter Milchstau.

    Übermäßige Milchproduktion: Es kommt immer wieder mal vor, dass die Brust mehr Milch produziert, als das Baby gerade trinken möchte. Gerade in der Phase, in der das Kind beginnt, länger oder gar durchzuschlafen, kommt es immer häufiger vor, dass das Kind nachts nicht mehr an der Brust trinken will.

    Oder wenn Brei zu gefüttert wird und so eine Stillmahlzeit ausfällt, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Diese Ungleichgewichte können in einem Milchstau enden, zumal die „Brust“ bis zu zwei Tage brauchen kann, um sich an die neue Menge anzupassen.

    Der fehlende Milchspendereflex: Die für alle Beteiligten neue herausfordernde Situation löst Spannungen bis hin zu Stress aus. Häufige Stressauslöser sind Schlafmangel, eine traumatische Geburt, zu viel Besuch, Beziehungsstreitigkeiten. Stress fördert die Produktion von Adrenalin und Cortisol mit der Folge, dass das milchbildende Kuschelhormon Oxytocin vom Stresshormon Cortisol überlagert wird und den sogenannte Milchspendereflex behindert. Mit dem Resultat, das die Milch nicht abfließt und sich stattdessen in den Milchgängen staut.

    Mechanisch bedingter Milchstau: In den meisten Fällen ist ein Milchstau jedoch mechanisch bedingt. Dieser kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. das falsche Anlegen oder Saugen des Babys, sowie zu kurze oder zu wenige Stillzeiten. Diese Ursachen haben zur Folge, dass die Brust der stillenden Mutter nicht vollständig entleert wird. Des Weiteren kann das Abfließen der Milch durch zu kleine BHs, zu enge Kleidung oder falsch angelegte Tragehilfen gestört werden.

    An welchen Symptomen erkenne ich einen Milchstau?

    • Die Brust schmerzt, ist berührungsempfindlich und gerötet.
    • Sie ist übermäßig prall und warm bis heiß.
    • Es haben sich harte Stellen oder Knoten gebildet, die sehr weh tun.
    • Auch ein leichtes Fieber kann dazukommen.

    Zur Beruhigung: So schmerzhaft das Ganze für dich auch ist, dein Kind hat keine negativen Auswirkungen dadurch.

    Was hilft gegen einen Milchstau und wie kann ich vorbeugen?

    Der ultimativ beste Tipp einen Milchstau aufzulösen, besteht in der funktionsfremden Nutzung eines Vibrators! und wird mittlerweile selbst von Hebammen empfohlen.

    Stressabbau

    Stress gehört mit zu den häufigsten Auslösern eines Milchstaus und so sollte aus diesem Grund mit als erstes hinterfragt und ggf. abgebaut werden. So solltest du, sofern du betroffen bist, immer wieder probieren dich mit deinem Baby ins Bett oder auf eine Couch zu legen. Im Wochenbett ist Kuscheln, Schlafen und Stillen und Stillen, Schlafen und Kuscheln angesagt.

    Falls Du eine schmerzhafte und oder traumatische Geburt erlebt hattest, solltest Du dich, wenn möglich, um eine professionelle Begleitung zur Aufarbeitung kümmern.

    Bespreche am besten vor der Geburt mit deiner Familie bzw. Verwandtschaft eine Besuchsregelung, wie sie dir zusagt. Wenn du erschöpft und extrem emotionalisiert von der Geburt nach Hause kommst, fällt es dir vermutlich viel schwerer für deine Bedürfnisse einzustehen.

    Schau, ob dein Partner Urlaub nehmen kann oder du ggf. eine gute Freundin oder deine Mutter/Schwiegermutter bitten kannst, dir soviel wie möglich im Haushalt unter die Arme zu greifen.

    Stillanpassungen bei Milchstau oder zum Vorbeugen

    Sanfte Wärme hilft die Blutgefäße und Milchgänge deiner Brust zu weiten und erleichtert es so deinem Kind die Milch abzutrinken. Dies erreichst du indem du deine Brust vor dem Stillen mit warmen Tüchern, einem Kirschkernkissen oder einer Wärmflasche anwärmst.

    Stillen hilft am besten einen Milchstau aufzulösen, auch wenn das Stillen sehr weh tut und Überwindung kostet. Lege dein Kind an, so oft wie es danach verlangt.

    Ein Festhalten an Stillzeiten ist nicht hilfreich, sondern schädlich!

    Erleichtern kannst du dein Stillen, indem du eine Stillposition auswählst, bei der der Unterkiefer deines Babys zur schmerzenden Stelle zeigt. So wird die Saugwirkung auf den verstopften Milchgang verstärkt.

    Gestaute Milch wird nicht alt und kann immer unbedenklich getrunken werden.

    Probiere dein Kind bei jedem Stillen abwechselnd an beide Brüste anzulegen und ihm genügend Zeit zu geben, jede Brust leer zu trinken.

    Ein absoluter Geheimtipp ist übrigens: Der Vibrator! Nicht ohne Grund sind die Hersteller auf Hebammenkongressen vertreten. Das Vibrieren „schüttelt“ den Stau frei. Alternativ kannst du ein Gerät mit ähnlicher Wirkung (elektrische Zahnbürste…) nutzen.

    Falls Du keinen Vibrator oder ähnliches zur Hand hast und nach dem Stillen noch immer Knötchen in einer Brust fühlst, streiche deine Milch nach dem Stillen selbst weiter aus. Dabei umfasst du deine Brust mit Daumen und Zeigefinger (C-Griff), wobei beide Finge jeweils ca. 3 cm Abstand zur Brustwarze haben sollten. Hebe dann die Brust leicht an und drücke sie sanft mit Daumen und Finger in Richtung Brustkorb.

    Anschließend schiebe jetzt gleichzeitig deinen Daumen und Zeigefinger mit leichtem Druck in Richtung Brustwarze zusammen ohne dass die Finger dabei über die Haut rutschen.

    Du kannst Dir auch eine Milchpumpe von deinem Arzt verschreiben lassen und kostenlos in einer Apotheke ausleihen. So kannst Du die ggf. Muttermilch für später aufbewahren.

    Es bietet sich an, deine Brustwarze nach dem Stillen mit etwas Muttermilch einzureiben. Dies kann die Heilung beschleunigen.

    Stillpositionen bei Milchstau

    • Die Wiegeposition oder Footballhaltung ist hilfreich, wenn sich die empfindsamen und harten Stellen seitlich der Brust befinden.
    • Wenn die schmerzende Stelle unterhalb der Brustwarze liegt, stillst du am einfachsten im Liegen.
    • Falls der Milchstau oberhalb deiner Brustwarze vorliegt, legst du dein Kind am besten auf ein dickes Kissen und hockst dich im Vierfüßlerstand verkehrt herum über dein Baby. So dass dein Gesicht über den Füßen deines Kindes schaut.

    Nach kurzer Zeit solltest du eine Erleichterung in deiner Brust spüren.

    Kühlen

    Du kannst deine Milchproduktion verringern, in dem du deine Brüste nach dem Stillen kühlst. Dies lindert den Schmerz und lässt die Schwellung in deiner Brust etwas abklingen. Zur Kühlung kannst du Brust-Kompressen kaufen, Quarkwickel oder Weißkohlblätter-Umschläge verwenden, die du 20 Minuten auf deine Brust legst. Diese passen sich zudem noch besser an deine Brust an.

    Quark- oder Weikohlblätter-Wickel machen

    Sowohl Weißkohlblättern als auch Quark wird eine entzündungshemmende Wirkung zugesprochen. Hier erfährst du, wie du sie vorbereiten kannst.

    Für jede Brust nimmst du zwei Blätter von der Küchenrolle oder ein einfach zwei dünne Tücher. Dann schneide in der Mitte je ein Loch für deine Brustwarzen. Wickle oder lege das erste Blatt bzw. Tuch um deine Brust und bestreiche es mit 20%-igen gekühlten Quark, dann bedecke den Quark mit dem zweiten Blatt/Tuch. Anschließend drücke die beiden Blätter/Tücher leicht zusammen. Danach legst du dich am besten hin und entspannst.

    Wenn du gekühlte Weißkohl­blätter statt Quark nimmst, ritze diese zuvor mehrfach mit einem Messer ein. So kann der Saft besser austreten. Die harte Rippe der Blätter walzt du mit einem Nudel­holz flach. Anschließend drapierst du das oder die Blätter um deine schmerzende Brust, wobei du wie beim Quarkwickel die Brustwarze aussparst. Danach lege ein Küchentuch oder Blatt von der Küchenrolle darüber.

    Gegebenenfalls kann dein Partner, dir die Quarkwickel oder Weißkohlwickel vorbereiten und im Kühlschrank für die nächste Brustkühlung lagern. Dabei darf der Quark ruhig zwischen den beiden Lagen Küchenrolle einweichen. Um das Zusammenkleben der Quarkwickel zu verhindern, kannst du zwischen den Quarkwickel Frischhaltefolie legen. Um zwischendurch auch mal aufstehen zu können, kannst du die vorbereiteten Wickel auch in deinen BH stecken.

    Stillpositionen

    • Wenn sich die schmerzenden und harten Stellen seitlich von der Brust befinden, kannst du die Wiegehaltung oder die Footballhaltung als Stillposition wählen.
    • Wenn die schmerzende Stelle unterhalb der Brustwarze liegt, ist es am einfachsten, du stillst im Liegen.
    • Oberhalb der Brustwarze löst du den Milchstau am besten im Vierfüßlerstand. Dafür legst du dein Baby vorher auf ein dickes Kissen und stellst dich dann im Vierfüßlerstand über dein Baby, so dass dein Gesicht auf die Füße deines Kindes schaut.

    Das Anlegen kann besonders schmerzhaft sein, aber schon nach wenigen Minuten solltest du Erleichterung in den betroffenen Stellen spüren. Je nachdem, wie viel dein Kind schon trinkt, kann es helfen, die Milch weiter auszustreichen.

    Tees

    Wenn dein Körper zu viel Milch produziert, kannst du deine Milchmenge durch stillhemmenden Pfefferminz- oder Salbeitee verringern. Da deren Wirkung stark ausfallen kann, solltest du dich vorab auf jeden Fall von einer Stillberaterin und deiner Hebamme beraten lassen.

    Kleidung

    Versuch deine Kleidung so zu wählen, dass du nichts trägst was im Brustbereich eng anliegt.

    Wann muss ich zum Arzt?

    Wenn du die oben genannten Tipps anwendest, sollte sich innerhalb von 24 Stunden eine deutliche Besserung einstellen. Auch wenn die Rötung und die Knoten es länger brauchen könnten, sollten zumindest deine Schmerzen und dein Fieber deutlich nachlassen. Wenn dem nicht so ist, suche unbedingt deinen Arzt auf, um eine Mastitis auszuschließen oder ggf. behandeln zu lassen.

    Eure Mira (Stillberaterin nach AfS)

    Beitragsfoto: IT Stock Free / Photo Images

     

  • Die wichtigsten Fakten über Muttermilch und die Vorteile des Stillens

    Die wichtigsten Fakten über Muttermilch und die Vorteile des Stillens

    Die Bildung der Muttermilch

    Für die Bildung der Muttermilch ist das Hormon Prolaktin verantwortlich. Es wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert und ist zusammen mit weiteren Hormonen für die Produktion der Muttermilch in der Brustdrüse der Mütter nach der Geburt verantwortlich. Zusätzlich stärkt es den Mutterinstinkt und sorgt dafür, dass eine Mutter die Bedürfnisse ihres Neugeborenen schnell und selbst im Schlaf wahrnimmt.

    Sobald das Baby zu saugen beginnt, aktiviert das das Hormon Oxytocin den Milchflussreflex. Es wird auch als Bindungshormon bezeichnet, weil es die Bindung zwischen Mutter und Kind fördert. Nicht selten wird es von Frauen als ein unangenehmes Ziehen und Drücken wahrgenommen. Alle für die Produktion der Milch zuständigen Stoffe nehmen die Zellen in den Milchbläschen aus dem Blutkreislauf der Mutter.

    Die allererste Milch, die nach der Entbindung dem Baby zur Verfügung steht, nennt man Vormilch oder Kolostrum. Für den Fall, dass das Baby, wie z.B. bei einer Frühgeburt vor dem geplanten Geburtstermin zur Welt kommt, stellt der Körper die Vormilch schon mehrere Wochen vor dem geplanten Termin zur Verfügung.

    Damit es mit dem Milcheinschuss nach der Geburt gut klappt, ist es wichtig, dass das Baby innerhalb der ersten zwei Stunden nach Geburt, die Chance hat an die Brust der Mutter zu saugen. Legt man das Baby mit direktem Körperkontakt umgehend auf den Bauch der Mutter, wird es selbstständig den Weg zur Brust finden. Diese Vorgehensweise ist am natürlichsten und fördert die Milchbildung.

    Die Vormilch (Kolostrum)

    Die Vormilch hilft dem Baby, den Darmtrakt vom Säuglingspech zu reinigen, das sich vor der Geburt im Darm angesammelt hat. Wenn das Baby Kolostrum trinkt, werden gleichzeitig die milchproduzierenden Drüsen der Mutter und der Milchflussreflex stimuliert und der Körper des Kindes für die Verdauung vorbereitet.

    Das Kolostrum besteht aus einem wertvollen Mix aus Wachstums-, Immun- und Heilungsstoffen und nicht zuletzt aus wertvollen Darmbakterien. Zumindest dieses flüssige Gold sollte jedes Baby erhalten, selbst wenn es später abgestillt werden sollte.

    Das Kolostrum bieten dem Baby zukünftig einen größtmöglichen Schutz vor Krankheitserregern, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Je häufiger das Baby angelegt und stillt wird, desto schneller wird die Übergangsmilch gebildet. Der anschließende Übergang zur „reifen“ Muttermilch kann bis zu 2 Wochen dauern.

    Viele Mütter machen sich Sorgen, dass sie zu wenig Vormilch haben, weil die Menge des Kolostrums gerade mal einem Teelöffel entspricht. Sie ist jedoch genau der Aufnahmefähigkeit, des noch nicht fertig „ausgebildeten“ Magens angepasst. Zudem setzt sie die Verdauung des Babys in Gang. In Folge kann das Kindspech, als erster Stuhlgang, ausgeschieden werden.

    So ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn ein Baby in den ersten Lebenstagen an Gewicht verliert. Das Kolostrum enthält doppelt so viel Kalorien wie die spätere Muttermilch und ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

    Sogar für die bessere Bewältigung vom Geburtserlebnis ist durch das Kolostrum gesorgt, indem es Beta-Endorphine beinhaltet, die dem Kind helfen, die schmerzhaften Erlebnisse unter der Geburt zu vergessen.

    Milcheinschuss

    Zwei bis sechs Tage nach der Entbindung schießt die Milch ein. Der Körper der Mutter stellt von der Vormilch (Kolostrum) auf die „normale“ Muttermilch um. Diese Umstellung kann bis zu 14 Tagen dauern. Die Brust der Mutter verändert sich dabei, sie wird groß und spannt häufig. Was nicht selten unangenehm für die „junge“ Mutter ist.

    In der Zeit des Milcheinschusses und auch danach sollte die Stillende sich bewusst sein, dass die Milchbildung zusätzliche Energie von ihr abverlangt. D.h. sie wird vermutlich mehr Hunger haben und auch wesentlich mehr Schlaf und Ruhe brauchen als sonst.

    Wenn die Mutter und ihr Baby nicht von Anfang an und rund um die Uhr beisammen sind, wie z.B. häufig nach einem Kaiserschnitt und anderen Notfallsituationen, schießt die Milch erst etwas später als sonst ein.

    Zu viel Muttermilch

    In den ersten Tagen oder auch danach kann es vorkommen, dass die Brust zu viel Milch gebildet. Das macht es dem Baby häufig schwer, die pralle Brustwarze anzusaugen. Zudem fällt es ihm dann schwer, die schneller fließende Milch zu schlucken.

    Durch das Auflegen von kalten Kompressen nach dem Stillen, kann die Milchbildung etwas gedrosselt werden. Es ist auch möglich vor dem Stillen eine kleine Milch ausstreichen oder abzupumpen. Normalerweise pegelt sich die Milchmenge aber mit der Zeit auf den Bedarf des Babys ein. Die Größe der Brust geht damit auch zurück.

    Zu wenig Muttermilch

    Wenn vermutet wird zu wenig Milch zu haben, sollte das Baby möglichst häufig, am besten nach Bedarf, angelegt werden.

    Das heißt, dass das Baby immer direkt anlegt werden sollte, sobald es anzeigt, dass es Hunger hat. Diesen signalisiert ein Baby nicht erst, wenn es weint oder zu schreien beginnt.

    Es ist bereits vorher erkennbar, wenn es unruhig wird, mit seinem Mund nach der Brustwarze seiner Mutter sucht oder mit dem Gesicht seine Haut berührt.

    Die Menge der produzierten Milch orientiert sich immer an der Nachfrage, d.h. wieviel Milch ausgestrichen, abgepumpt oder getrunken wird.

    Die Nachfrage bestimmt die Menge der zur Verfügung stehenden Muttermilch

    Der Bedarf an Muttermilch ändert sich gemäß der Nachfrage durch das Baby. Die Anpassung der Milchmenge an den veränderten Bedarf kann bis zu 2 Tage dauern. Dies kommt z.B. bei einem Wachstumsschub, wenn weniger Milch benötigt wird oder wenn die Mutter abstillt vor.

    Der gesunde Körper einer Mutter ist problemlos in der Lage genug Milch für Zwillinge oder auch Drillinge zu produzieren.

    Die wichtigsten Fakten über Muttermilch

    Muttermilch enthält immer die perfekte Zusammensetzung

    Die Muttermilch enthält die wichtigsten Inhaltsstoffe für die Entwicklung eines Kindes, wobei die Anzahl und Aufteilung der Anteile sich immer zeitnah an die Anforderungen des Babys anpasst .

    Die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich, sowohl über die gesamten Stillzeit hinweg, wie auch im Verlauf eines Tages und selbst während einer einzigen Stillmahlzeit.

    Die Muttermilch passt sich dem Alter des Babys an, den Jahreszeiten, dem aktuellen Bedarf des Kindes und auch der Tageszeit an. Das ist schon unglaublich genial von der Natur vorgesehen, doch noch nicht alles. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist selbst in den beiden Brüsten einer Frau unterschiedlich.

    Und manchmal entscheiden sich Babys nur für eine Seite der Brust, selbst wenn sie weniger prall ist. Vielleicht weil sie ihm gerade besser schmeckt oder aber gerade die Inhalte vorhält, die es gerade braucht.

    Muttermilch wirkt je nach Tageszeit einschläfernd oder aufmunternd

    Die Muttermilch enthält zum Abend hin mehr Seretonin, was das Baby ruhig und schläfrig macht. Einschlafstillen ist also etwas ganz normales und von der Natur genial eingerichtet. Gibt es etwas schöneres als am Busen des wichtigsten Menschen im Leben sanft und satt in den Schlaf zu gleiten? Angenehmer und wirkungsvoller als jedes Schlaftraining.

    Über den Tag enthält die Muttermilch dagegen mehr anregende Stoffe. Diese helfen dem Baby wach zu werden und durch den Tag zu kommen.

    Jungs erhalten mehr Fett als Mädchen

    Die Muttermilch unterscheidet bei ihrer Zusammensetzung zwischen Jungs und Mädchen. Und so wächst der Busen der Schwangeren stärker, wenn sie einen Jungen als wenn sie ein Mädchen erwartet. Zudem ist ihre Energiezufuhr ist höher. Studien zeigen, dass die Muttermilch für Jungs allein ein Viertel mehr Fett beinhaltet und reicher an Proteinen und Milchzucker ist als die für die Mädchen.  

    Es wird zwar vermutet, dass der Körper der Mutter während der Schwangerschaft das Geschlecht bereits kennt und sich auf die entsprechende Zusammensetzung vorbereitet, doch warum die Jungen mehr Energie erhalten ist noch unklar.

    Optimale Verteilung von Fett, Proteine und Kohlenhydrate

    Die vielen Diskussionen und Hypes der Erwachsenen um Kohlenhydrate, Proteine und Fette, lassen Babys kalt. Denn sie bekommen bereits die perfekte Mischung in Form der Muttermilch.

    Diese perfekte Zusammensetzung der Muttermilch besteht aus durchschnittlich 3,5% Fett, 1-1,5% Protein und 7,0 % Kohlenhydrate und ist perfekt auf die Entwicklung des Babys abgestimmt. Wobei die Entwicklung des Gehirns in den ersten Monaten nach der Geburt im Mittelpunkt steht.

    Die Kohlenhydrate bestehen größtenteils aus Laktose und sind u.a. für die Süße der Milch verantwortlich. Einfluss auf die Fettzusammensetzung hat dabei die Ernährung der Mutter, die Stilldauer und wie oben erwähnt das Geschlecht des Kindes.

    Das perfekte Mischverhältnis von Kasein und Laktalbumin (Eiweiße) in der Muttermilch sorgt dafür, dass sie vom Baby gut verdaut werden kann.

    Die Muttermilch ist auf die Verdauung des Babys ausgelegt

    Wichtige Bakterien in der Muttermilch bereiten den Verdauungstrakt auf feste Nahrung vor, da er nach der Geburt noch nicht ausgereift ist. Aus diesem Grund sollte das Baby in den ersten 6 Monaten nur an der Brust gestillt werden und die Muttermilch über das erste Lebensjahr hinaus dem Kind zur Verfügung stehen.

    Im Gegensatz zur Ersatzmilch und fester Nahrung ist die Muttermilch sehr leicht verdaulich und optimal auf den unreifen Verdauungstrakt ausgelegt.

    Da die Muttermilch in den ersten Wochen noch kaum verdaut werden kann und nur kurz im Verdauungstrakt verweilt, kann das Baby zu Beginn nach jedem Stillen Stuhlgang haben.

    Neben den extrem wichtigen Darmbakterien liefert die Muttermilch die zusätzlich notwendige Nahrung (Humanmilch-Oligosaccharide) für diese gleich mit. Die so nur in der Muttermilch vorkommen.

    Darmbakterien wirken präbiotisch und liefern Ballaststoffe, die für das Wachstum von Bakterienstämmen und für die Verdauung wichtig sind. Zudem sorgen sie für die Stärkung der Darmflora. und verhindern Anheftung krankhafter Bakterien an die Darmwand. Das ist umso wichtiger, da sich das Immunsystem im Darm befindet.

    Muttermilch – die perfekte Nahrung für das Gehirn

    Menschen sind Traglinge, das heißt, sie werden zwar unfertig geboren (ähnlich wie Nesthocker) werden aber, wie bei den Affen, von Anfang an getragen.

    Und so ist die Muttermilch nicht vorrangig auf Wachstum, sondern auf die optimale Entwicklung des Gehirns ausgelegt. Kuhmilch ist daher keine optimale Alternative zur Muttermilch.

    Neueste Forschungen zeigen, dass gestillten Babys über 20 bis 30% mehr weiße Substanz im Gehirn hervorbringen als Babys, die mit Ersatzmilch gefüttert werden.

    Die weiße Substanz im Gehirn ist Teil des zentralen Nervensystems und besteht aus Leitungsbahnen (Nervenfasern), die für die Vernetzung der verschiedenen Gehirnregionen genutzt wird.

    Muttermilch ist lebendig

    Ein Teelöffel Muttermilch enthält 3 Millionen lebende mütterliche Zellen, die für die Bekämpfung von Krankheitserreger zuständig sind.

    Diese Zellen setzen sich unter anderem aus Leukozyten, Lymphozyten und Makrophagen zusammen und hemmen das Wachstum von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Sie sind sogar in der Lage Krebszellen zu zerstören. So gesehen ist jede Stillmahlzeit eine kleine Spritze für die Immunabwehr des Babys.

    Die Muttermilch enthält Stammzellen

    Muttermilch enthält zwischen 10.000 und 13.000.000 lebende Stammzellen pro Milliliter, die sich in beliebige Körperzellen wie z.B. Gehirnzellen oder Darmzellen entwickeln können.

    Über die Muttermilch nimmt das Baby Stammzellen auf, die sich im Blut, im Magen, in der Bauchspeicheldrüse, im Thymus, in der Milz, in der Leber, und sogar im Gehirn wiederfinden.

    Die Muttermilch, die Apotheke des Babys

    Muttermilch wirkt wie ein hochwirksames und spezifisches Medikament. Sie schützt vor Krankheitserregern, ist entzündungshemmend und fördert die Wundheilung. Dabei nimmt der Körper der Mutter über den Speichel des Babys wahr, was ihm fehlt und produziert in der „hauseigenen Apotheke der Mutter“, die dafür notwendigen Abwehrstoffe.

    Doch auch bei der Mutter kann sie heilend wirken, zum Beispiel bei wunden Brustwarzen, indem man einfach etwas Muttermilch auf die Brustwarzen streicht. Auch ein wunder Babypopo heilt schneller, wenn man ihn mit ein paar Tropfen Muttermilch bestreicht.

    Muttermilch kann durchaus als Wundermittel bezeichnet werden, da sie bei den verschiedensten Wehwehchen wirkt und das völlig natürlich, kostenlos und ohne Nebenwirkungen.

    Muttermilch kann Gene verändern

    In einer Studie, die Stuhlproben von drei Monate alten (gestillte und nicht gestillte) Babys untersuchte, konnte nachgewiesen werden, das bestimmte Inhalte der Muttermilch gesundheitsfördernde Gene eines Babys einschaltet.

    Diese Gene betreffen vor allem das Verdauungssystem und somit in Folge sehr wahrscheinlich auch das Immunsystem. Die Auswirkungen dieser Genveränderung ist sehr wahrscheinlich bis in das Erwachsenenalter spürbar.

    Zusammenfassend – die Vorteile von Muttermilch

    Die erste Milch nach der Geburt wird Kolostrum genannt. Sie erleichtert dem Säugling den Start ins Leben und ist mit einer Vielzahl an wichtigen Nährstoffen angereichert. Dies hat ihr den Beinamen „Flüssiges Gold“ verschafft.

    Das Kolostrum enthält vor allem Vitamine, Proteine, Natrium, Chlorid, Kalium und einen bunten Cocktail an Abwehrstoffen, die wie eine erste Impfung auf das Neugeborene wirkt.

    Sie hat immer die richtige Temperatur und steht „jederzeit“ und überall frisch und wohltemperiert zur Verfügung. Da die Muttermilch arm an Keimen ist, erkranken gestillte Babys viel seltener und wenn dann nur weniger extrem an Atemwegs- und Durchfallerkrankungen. Zudem leiden sie auch viel seltener an Allergien.

    Die Muttermilch enthält viele wertvolle Abwehrstoffe und bieten dem Baby so einen großen Schutz vor bakteriellen und viralen Erkrankungen. Lange und voll gestillte Kinder besitzen ein besseres Immunsystem.

    Unteranderem aus diesem Grund empfiehlt , die WHO Babys in den ersten 6 Monaten ausschließlich zu stillen und nach der Einführung von Beikost parallel weiter zu Stillen .

    Ausblick

    Die Forschung hat, was die Muttermilch und das Stillen betrifft, vermutlich gerade erst die Spitze des Eisbergs erreicht. Wir können gespannt sein, welche faszinierenden Ergebnisse sie in den nächsten Jahren noch entdeckt.

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: oksanashufrych / canva
  • Die wichtigsten Wachstumsschübe eures Babys

    Die wichtigsten Wachstumsschübe eures Babys

    Geborgenheit lässt dein Kind sicherer „wachsen“

    In den ersten Monaten seines Lebens macht euer Baby viele Wachstumsschübe durch. Dabei lernt es seinen Körper immer besser unter Kontrolle zu bringen, Greifen, Rollen, Sitzen, Rutschen, Krabbeln und nicht zu vergessen zu laufen. Doch bei den Wachstumsschüben geht es vor allem um die Entwicklung des Gehirns und der damit verbundenen Möglichkeit neue Zusammenhänge zu verstehen. Die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen, erlernten Fähigkeiten und vor allem die daraus gezogenen „Schlüsse“ bestimmen ihren späteren Blick auf sich und die Welt.

    Euer Kind macht fast jeden Tag neue Erfahrungen. Anders ausgedrückt, seine ersten Lebensmonate bestehen aus einer Vielzahl an Veränderungen. Und wie ihr vermutlich von euch kennt, bereiten Veränderungen Angst. Deshalb ist es so wichtig, dass euer Baby sich in dieser Zeit sicher und geborgen fühlt, am besten durch ganz viel Körperkontakt bzw. getragen werden.

    Wie könnt ihr einen weiteren Wachstumsschub eures Babys erkennen?

    Auch wenn Kinder sehr unterschiedlich auf Veränderungen und neue Fähigkeiten reagiert, gibt es einige sehr typische Erkennungsmerkmale:

    • euer Kind verhält sich auffällig
    • probiert, ob es etwas Neues kann
    • sucht verstärkt eure Nähe oder
    • weint mehr als sonst.
    Wachstumsschübe

    Vorsicht beim Betrachten von Wachstumstabellen

    Es gibt eine Vielzahl an Wachstumstabellen, die beschreiben, was ein Kind, wann können sollte. Wir werden nachfolgend auch die wichtigsten 8 Wachstumsschübe, der ersten 14 Monate vorstellen. Sie sollen euch aufzeigen, welche Entwicklungsschübe euch mit eurem Baby bevorstehen, so dass ihr ihnen gelassener begegnen könnt. Wir finden, dass man diese Tabellen mit Vorsicht betrachten sollte. Denn jedes Kind ist anders und grundsätzlich gibt es in der Natur kein Timing, was wann gekonnt oder gemacht werden muss.

    Wichtig ist, dass sie alle Wachstumsschübe durchlaufen, denn so ist gewährleistet, dass zumindest die wichtigsten Reflexe integriert werden. Voraussetzung dafür ist, dass wir unseren Kindern die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und ihre Grenzen in gesicherten Rahmen auszuweiten. Wir hindern unsere Kinder ja auch nicht laufen zu lernen, aus Angst sie könnten hinfallen.

    8 Wachstums-/Entwicklungsschübe – eine kurze Übersicht

    Erster Wachstumsschub

    Um die 5. Woche herum nimmt euer Baby seine die Umwelt immer stärken wahr und kann immer mehr Gegenstände erkennen. Vor allem die, die sich bewegen. Seine Welt wird immer eindrucksvoller, aufregender und bunter.

    Zweiter Wachstumsschub – hier weitermachen

    Um die 8. Woche reift die Funktionsfähigkeit der Sinne heran: Euer Baby beginnt vermutlich mit viel Freude seine ersten Grimassen zu ziehen und mit seinen Händchen, die eigenen Füße erreichen. Da der Hörsinn nun fast ausgebildet ist, kann euer Baby nun Geräusche besser hören, was ggf. aber auch zu Reizüberflutungen und viel Weinen / Schreien führen kann.

    Dritter Wachstumsschub

    Um die Woche 12 herum ist es vorbei mit der Ruhe. Die Motorik verbessert sich und euer Baby will diese auch gleich trainieren. Ab nun stehen tägliche “Strampelübungen” begleitet von einem endlosen plappern und kreischen auf dem Programm. Die Daumen und Finger schmecken ihm besonders gut. Nichts ist mehr vor den Händen eures Babys sicher. Zumindest, wenn ihr es nicht niet und nagelfest befestig habt.

    Vierter Wachstumsschub

    Um die 19. Woche wird alles gegriffen und mit dem Mund erkundet. In den nächsten Wochen könnte sich die Beikostreife einstellen (bitte beachtet, ob euer Kind die Beikostreifezeichen alle erfüllt). Hier findet ihr mehr zur Beikosteinführung. Da nicht wenige Babys ab diesem Zeitpunkt mit dem Zahnen beginnen, kann es durchaus eine anstrengende Zeit werden. Auch wenn sie noch nicht unbedingt von Erfolg gekrönt werden, beginnen die ersten Drehversuche eures Babys.

    Fünfter Wachstumsschub

    Um die Woche 26 beginnt euer Baby seine Gefühlen sichtbar auszudrücken. Es zeigt seine Freude, lächelt bewusst und zeigt seinen Unmut. Einen großen Schuss Gelassenheit schenken wir euch. Es beginnt zu fremdeln und spielt mit euch das Heb-Auf-Spiel. Und herzlichen Glückwunsch: „bestimmt schafft es jetzt bald seine erste Drehung“. Ab nun erkundet es seine Welt aus der Bauchlage.

    Sechster Wachstumsschub

    Um die Woche 37 herum ist kein Gegenstand in der Wohnung mehr sicher vor eurem Kind. Freude kommt auf, wenn es nun die ersten erkennbaren Worte spricht. Wetten können aufgenommen werden, ob es zu erst Mama oder Papa sagen wird. Das Löffeln wird fleißig geübt und ab und zu findet es auch sein Ziel. Wenn ihr bis jetzt noch nicht eure Schränke und Treppen gesichert habt, wird es Zeit.

    Siebter Wachstumsschub Baby

    Um die Woche 46 finden eure Babys Spaß daran, euch alles nach zu machen. Sie ziehen sich an allen möglichen Möbeln hoch und laufen die ersten Schritte an der Hand. Es sitzt immer sicherer und beginnt im Sitzen zu spielen.

    Achter Wachstumsschub

    Um die Woche 55 herum wird euer Baby vermutlich beginnen alleine zu essen. Vielleicht läuft es bereits sicher und es macht ihm Spaß Dinge durch die Gegend zu werfen und ihren eigenen Willen durchzusetzen. Manche nennen diese Phase auch die erste Trotzphase, denn es entwickelt sich ein kleiner Mensch mit schönen und anstrengenden Seiten.

    Detaillierte Informationen zu den einzelnen Wachstumsschüben eures Babys findet ihr in dem Buch “Oje ich wachse” von Dr. Hetty van de Rijt und Dr. Frans X. Plooij, welches wir euch sehr ans Herz legen.

    Mit Ruhe und Gelassenheit …

    Es ist gerade in diesen ersten sehr anspruchsvollen und anstrengenden Monaten gut auf euch zu achten. Schau, ob euch regelmäßig jemand unter die Arme greift und organisiert euch am besten einen vertrauten Babysitter, damit ihr euch als Paar nicht verliert und eure Bedürfnisse nicht vollständig hinten anstellt.

    Das ist wichtig, damit ihr während den bevorstehenden Entwicklungsschüben nicht die Nerven verliert. Denn je entspannter ihr seid, desto gelassener reagiert ihr in diesen stressigen Zeiten. Und selbst, wenn ihr manchmal gestresst und ausgebrannt zu sein scheint, macht euch keine Vorwürfe, das ist völlig normal. Eltern werden, ist mindestens eine, wenn nicht die anspruchsvollste Herausforderung im Leben.

    Eure Mira (BellyBasics- und BabySteps- Kursleiterin)

    Beitragsfoto: Billion Photos / Canva
    Foto2: Nejron Photo / shutterstock
  • Die Zykluslänge einer Frau berechnen

    Die Zykluslänge einer Frau berechnen

    Sobald der Wunsch nach einem eigenen Kind aufkommt, ersehnt sich das Paar nichts dringlicher als endlich schwanger zu werden. Und wenn es nicht direkt klappt mit dem Schwanger werden, wird der Kinderwunsch zum größten gemeinsamen Projekt eines Paares zu werden. Dann gilt es die Zykluslänge zu berechnen um herauszufinden, welche Tage im Zyklus der Frau, die fruchtbarsten sind bzw. an welchen die Chance Schwanger zu werden am größten sind.

    Zykluslänge berechnen: Wie viele Tage dauert der Zyklus einer Frau?

    Vorab was versteht man genau unter dem Zyklus und wie berechnet man ihn? Dieser Zeitraum beginnt am ersten Tag der Menstruation und endet einen Tag vor Beginn der folgenden Monatsblutung. Die Dauer eines Zyklus schwankt nicht nur von Frau zu Frau, sondern ist auch bei einer Frau häufig nicht immer konstant.

    Der Zeitraum bewegt sich heutzutage nicht selten zwischen 22 und 35 Tage. Ursprünglich war orientierte er sich am Verlauf des Mondes, weshalb er auch Monatsblutung genannt wird und dauerte ca. 28 Tage. Früher wurde das Jahr in 13 Mondzyklen (Monate) unterteilt. Tatsächlich kann man den Eisprung einer Frau nur dann verlässlich berechnen bzw. eingrenzen, wenn man bestimmte Eisprungsignale des Körpers dokumentiert und mit in die Berechnung einbezieht.

    Ihr könnt euch auf einfach eine Zyklusrechner euer Handy herunterladen. Es gibt verschiedene einfach zu bedienende Apps.

    Was passiert während eines Zyklus im Körper einer Frau?

    In der ersten Hälfte des Zyklus, ca. 14 Tage, reift eine Eizelle im Eierstock heran. In der zweiten Hälfte löst sich die Eierzelle vom Eierstock, was als Eisprung bezeichnet wird.

    Während dessen bereitet sich die Gebärmutter auf eine mögliche Einnistung einer von einem männlichen Sperma befruchteten Eizelle vor.

    Falls es nicht zu einer Befruchtung kommt, stirbt die Eizelle ab und die Gebärmutterschleimhaut bildet sich wieder zurück. Anschließend wird ihre Oberschicht vom Körper abgestoßen und mit der Monatsblutung ausgeschieden, womit der nächste Zyklus beginnt.

    Wann besteht die größte Chance einer Befruchtung?

    Die Chance schwanger zu werden, ist während eines Zyklus nicht an allen Tagen gleich groß. Die größte Wahrscheinlichkeit, dass eine Eizelle befruchtet wird, besteht kurz vor und am Tag des Eissprungs und somit ca.  14 Tage vor der nächsten Blutung. Nach dem Eisprung kann das Ei in den folgenden 12 bis 18 Stunden vom Sperma des Mannes befruchtet werden. Die männlichen Samenzellen können in der Gebärmutter zwischen 2 und 3 Tage und unter besonders günstigen Voraussetzungen gar bis zu 6 Tage überleben.

    Die Bedeutung des Zyklus für den Kinderwunsch

    Die größte Chance auf eine Schwangerschaft besteht, wenn das Paar ein bis zwei Tage vor dem Eisprung Geschlechtsverkehr hat. Um möglichst viele Samenzellen im Sperma zu haben, sollte während dieser Zeit ein starker Sexualtrieb etwas gezügelt werden. Vor allem ist es sehr hilfreich, so gelassen wie es einem möglich ist, mit dem Kinderwunsch umzugehen. Zudem verringert Stress die Chance einer Schwangerschaft und gefährdet zudem eure Beziehung.

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: golubovy / Getty Images
  • Gewichtszunahme in der Schwangerschaft – Wie viel Pfunde dürfen es sein?

    Gewichtszunahme in der Schwangerschaft – Wie viel Pfunde dürfen es sein?

    Ein Baby wiegt am Ende der Schwangerschaft ca. 3500 Gramm mehr. Eine Mutter nimmt dagegen bis zu 14 Kilogramm zu.

    Wie viel Gewicht nimmt eine Frau in der Schwangerschaft zu?

    Wie verteilt sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft? Ein Baby wiegt am Ende einer Schwangerschaft ca. 3 bis 4 Kilogramm, doch eine Schwangere nimmt zusätzlich zwischen 8 bis 9 Kilo zu. Wo kommen die zusätzlichen Pfunde her?

    Es verteilt sich auf die Gebärmutter und die dazugehörige Plazenta und das in ihr befindliche Fruchtwasser. Dazu kommt das zusätzliche Gewicht der Brüste und ein größeres Wasser- und Blutvolumen. In der untenstehenden Tabelle findet ihr eine genauere Aufteilung.

    Doch ab wann kann man den Bauch sehen?

    Der Bauch wird typischerweise im zweiten Trimester sichtbar, da sich in diesem Zeitraum die zusätzlichen Kilos ansammeln. Das liegt vor allem an dem gesteigerten Kalorienbedarf der werdenden Mutter. Eine Gewichtszunahme von 1 ½ bis 2 Kilo pro Monat ist ab Beginn des zweiten Trimesters „normal‘“.

    Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

    Wo verteilen sich die zusätzlichen Pfunde auf den Körper?

    Der größte Teil der Gewichtszunahme macht das Baby mit 3,5 bis 4 Kilogramm aus. Des Weiteren macht die Gebärmutter und das Fruchtwasser je 1 Kilogramm aus, die Plazenta ca. 750 Gramm. Die Zunahme des Blut- und Wasservolumen ist für die werdende Mutter und für das heranwachsende Baby extrem wichtig.

    Die Natur bereitet sich durch die zusätzlich aufgebauten Wasserreserven auf mögliche Notfälle vor. Dies kann z.B. ein größerer Blutverlust bei der Geburt oder ein Wassermangel nach der Geburt sein. Durch das gesteigerte Wasservolumen kann die junge Mutter auch bei Wassermangel stillen.

    Was ist, wenn man zwischendurch an Gewicht verliert?

    Bei einer Schwangerschaftsübelkeit oder auch Hyperemesis genannt mit zusätzlichem Erbrechen ist ein Gewichtsverlust normal und in der Regel unproblematisch. Bei Gewichtsverlust ohne diese Symptome sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

    Gewichtszunahme in der Schwangerschaft – Wie viel darf es sein?

    Es bietet sich an, das Gewicht einmal in der Woche zu Hause zu kontrollieren. Hier ist es möglich, immer zur gleichen Zeit und mit der gleichen oder ohne Kleidung zu wiegen. Wieviel Kilogramm Gewichtszunahme im Rahmen liegt, hängt vor allem von dem Ausgangsgewicht ab. Hierzu nimmt man den Body-Mass-Index zur Hilfe. Der BMI wird berechnet, indem man sein Gewicht durch das Quadrat der Körpergröße dividiert. Wenn er vor Beginn der Schwangerschaft gemessen wird, fällt es leichter die Veränderungen des Körpers zu beurteilen.

    Die nachfolgende Übersicht bietet einen ersten Eindruck, wie viel Gewichtszunahme in der Schwangerschaft unbedenklich für Mutter und Kind ist. Die Zunahme des Körpergewichts während der Schwangerschaft zudem mit der Hebamme und/oder dem Frauenarzt besprochen werden.

    Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

    Welches Risiko besteht für Frauen mit Untergewicht?

    Ein zu geringer Reserveaufbau kann zu Entwicklungsstörungen beim Baby führen und steigert zudem das Risiko einer Frühgeburt. Aus diesem Grunde sollten Frauen mit Untergewicht noch mehr auf eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung achten. Betroffene sollten ihre Gewichtszunahme regelmäßig kontrollieren und bei zu geringer Zunahme am besten ihren Frauenarzt. Eine notwendige Ernährungsumstellung sollte mit einer speziellen und professionellen Ernährungsberatung einhergehen und auf keinen Fall im Alleingang umgestellt werden.

    Welches Risiko besteht bei Frauen mit Übergewicht?

    Bei Übergewichtigen, die während der Schwangerschaft überdurchschnittlich an Gewicht zunehmen, steigen die Risiken für Mutter und Kind. Häufig kommt ein überhöhter Blutdruck dazu. Betroffene sollten unbedingt einen (Frauen-) Arzt aufsuchen.

    Risiken bei einer aufkommenden Schwangerschaftsdiabetes

    Vor allem Übergewichtige sind häufig von einer Schwangerschaftsdiabetes betroffen. Auch wenn der Zuckerhalt sich nach der Geburt normalerweise wieder einpendelt, kann er die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel der werdenden Mutter führt zu einem schnellen Wachstum des Babys. Nicht selten kommt die Entwicklung des Herzen und der Lunge nicht mit. Dies birgt ebenso wie ein zu großes Baby ein zusätzliches Risiko.

    Eine Schwangerschaftsdiabetes lässt in vielen Fällen durch viel Bewegung und einer Ernährungsumstellung gut in den Griff bekommen. Die Ernährungsumstellung sollte vor allem in diesen Fällen mit einem Arzt und/oder Ernährungsberater vorgenommen werden.

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: FtLaudGirl / Getty Images
  • Das HELLP-Syndrom: Mit unerkannter Erkrankung in und durch die Geburt

    Das HELLP-Syndrom: Mit unerkannter Erkrankung in und durch die Geburt

    Nach langer Überlegung haben wir uns dazu entschieden diesen Beitrag einer engagierten Leserin zu veröffentlichen. Auch wenn ein sehr alter und weiser Grundsatz der Hebammenheilkunde besagt, „keine schlechten Nachrichten an die werdende Mutter“, wollen wir euch zwei nicht ganz ungefährliche Schwangerschaftserkrankungen, wie das HELLP-Syndrom und Postpartale Cardyomyopathie (kurz PPCM) vorstellen.

    Beim HELLP-Syndrom handelt es sich um eine Herzschwäche, welche eine besondere Behandlung erfordert, um im besten Fall wieder ganz gesund zu werden. Es sollte mindestens ein Jahr lang medikamentiert werden und es darf auf keinen Fall gestillt werden, weil sich das milchbildende Hormon Prolactin negativ auf die Herzfunktion auswirkt. (Stand Hannover Deutschland; die Amerikaner – darunter Dr. James Fett – sehen das mit dem Stillen etwas anders). Auf folgender Seite gibts mehr dazu; ist jedoch alles auf Englisch.

    Symptome können einige Wochen vor der Geburt oder bis zu 6 Monate nach der Schwangerschaft auftreten: meist betrifft es gesunde, junge Frauen. Kurzatmigkeit, extreme Gewichtszunahme in der Schwangerschaft in kürzester Zeit wegen Ödemen, Ödeme allgemein, Abgeschlagenheit, schlechte Blutgerinnung, erhöhter NT-proBNP Wert. 

    Das HELLP-Syndrom

    Das HELLPSyndrom ist durch folgende Symptome gekennzeichnet: extreme Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit/Erbrechen, Durchfall, erhöhter Blutdruck, erhöhter Eiweißgehalt im Urin, schlechte Blut- und Leberwerte, wobei nicht alle auftreten müssen.

    Meine Gedanken:
    Auf dem Foto (welches ich hier nicht posten kann) war ich in der 10. Woche schwanger. Damals wusste ich nichts von irgendwelchen Schwangerschaftsvergiftungen oder anderen schwangerschaftsbedingten Krankheiten. Ich konnte es da schon nicht abwarten, mein Baby kennenzulernen und hatte die Vorstellung einer „normalen“ Geburt ohne Komplikationen, wie sie sich wohl alle Mütter wünschen.

    In meiner Schwangerschaft ist es mir eigentlich von Anfang an nicht so gut gegangen, doch zum Ende hin wurde es dann immer schlimmer. Alle Ärzte meinten, dass es nun so sei in der Schwangerschaft. Die Müdigkeit, die enormen Schmerzen, das Wasser in den Beinen und Händen sowie im Gesicht.

    Das Karpaltunnelsyndrom

    Das Karpaltunnelsyndrom wird durch folgende Symptome beschrieben: Ausschlag, Nervenschmerz im linken Arm. Schlaflose Nächte und um es nochmals zu betonen: enorme Schmerzen. In der letzten Woche hatte ich solche enormen Schmerzen, dass ich nicht mal mehr schlafen konnte und nicht wusste, wohin mit mir.

    Aufgrund der Aussagen der Ärzte, dass dies dazu gehöre, machte ich mir keine Sorgen. Doch jetzt, im Nachhinein wäre ich froh, wenn ich damals schon gewusst hätte, was wirklich los war.

    Doch ich wusste nichts vom HELLP-Syndrom oder von einer schwangerschaftsbedingten Herzinsuffizienz. Hätte ich davon gewusst, wäre wahrscheinlich vieles anders gelaufen, weil ich selbst viel hellhöriger gewesen wäre.

    An sich selber zweifeln

    All diese Symptome hätte ich nochmals hinterfragt und nicht einfach als Schwangerschaftsbeschwerden hingenommen. Vor allem spürte ich damals schon, dass ich Wasser in der Lunge hatte. Ich zweifelte da aber schon so an mir, dass ich glaubte schon völlig verrückt zu sein. Deshalb ging ich später nicht mehr zum Arzt, weil ich wusste, dass es laut denen sowieso „nur normale Schwangerschaftsbeschwerden“ seien.

    Wenn ich jetzt einem für mich neuen Arzt sage, dass ich ppcm habe, fragt der mich erst mal, was denn das überhaupt ist. Und das ist für mich das Tragischste an der ganzen Sache. Denn nicht mal die Ärzte wissen von dieser Krankheit. Wie soll dann bitte jemals eine richtige Diagnose gestellt werden, wenn eine schwangere Frau mit Symptomen wie meinen in die Ordination kommt?

    Ich habe zu den Ärzten gesagt, dass ich es gut fände, wenn jede Frau von diesen möglichen Krankheiten wüsste. Daraufhin meinten sie, dass das keine gute Idee sei, weil das dann noch mehr psychischen Stress für eine Schwangere geben würde. Wenn ich mir als Betroffene so etwas anhören muss, stellen sich mir die Haare zu Berge! Das macht mich richtig wütend.

    Denn hätte ich in meiner Schwangerschaft schon davon gewusst, hätte ich wenigstens selbst eine Diagnose stellen und den Ärzten sagen können, dass es sich wahrscheinlich um das HELLP-Syndrom handelt. Dann wäre dies wenigstens überprüft worden. Wenn schon die Ärzte nicht mal davon wissen, sollen wenigstens die Schwangeren bescheid wissen, um so etwas wie es bei mir passiert ist, zu vermeiden! Die Symptome waren bei mir ja schon lange vorhanden …

    Der Tag der Geburt

    Am Tag der Geburt (17.12.17 – 39. ssw) waren die Schmerzen so extrem, dass wir dann doch ins KH gefahren sind. Dort nahmen sie Blut ab und schickten mich wieder nach Hause. Nach einer Weile riefen sie mich an und baten mich, nochmal ins KH zu kommen, weil irgendetwas im Blut nicht passte und sie nochmal Blut abnehmen müssten, um es noch mal von einem Speziallabor untersuchen zu lassen. Obwohl sie da schon wussten, dass etwas nichts passte, schickten sie mich trotzdem wieder nach Hause, was jeweils 15 Minuten Fahrt unter Schmerzen bedeutete.

    Dann nach ca. 2 Stunden kontaktierten sie mich wieder telefonisch und sagten ich soll schnellstmöglich wieder kommen, es müsste höchstwahrscheinlich ein Kaiserschnitt gemacht werden. Ich hatte immer noch die Hoffnung auf eine normale Geburt.

    Denn der Ernst der Lage war mir noch immer nicht bewusst, weil die Ärztin mich nicht informierte. Erst der Primar ließ uns wissen, wie tragisch unsere Situation wirklich ist – ein Notkaiserschnitt stand an.

    Warum genau wussten wir aber zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht. Im Warteraum vor dem OP lag ich dann nochmals ca 15 (!) Minuten, weil sie zuerst alles vorbereiten mussten. Im OP selbst ging, glaube ich, alles ganz schnell. Kreuzstich, Schnitt, Ruckeln, die Kleine rausdrücken. Ein Schrei. Dann nichts mehr.

    Mir wurde Schwarz vor Augen. Ich konnte nichts mehr hören. Heute weiß ich, dass dies der erste Moment war, in dem ich fast gestorben wäre. Mein Blutdruck war bei 20. Meine Blutgerinnung war total schlecht.

    Ich verlor einiges an Blut und die Angst um mein Baby, weil sie nicht mehr schrie, machte alles noch schlimmer. Schwer zu beschreiben, aber ich war oder fühlte mich zumindest für kurze Zeit nicht mehr in meinem Körper.

    Ich weiß nicht warum oder wie, aber es ging mir schön langsam wieder etwas besser. Kurz durfte ich die kleine berühren. Dann wurde sie zu meinem Freund/also ihrem Papa gebracht.

    Nach der Geburt

    Ich kam in den Aufwachraum, wo ich die nächste Tragödie durchleben musste. Ich vertrug das Beruhigungsmittel Alodan nicht und in diesem Moment dachte ich, es sei endgültig vorbei mit mir. Wieder dieses Gefühl, wo meine Seele nicht mehr so richtig mit meinem Körper verbunden war. Ich dachte nur an mein Baby und klammerte mich an mein Leben.

    Nach etwa 2 Stunden brachten sie mich zu meiner Maus. Ich war jedoch noch nicht bereit dazu. Dies wurde aber ignoriert. Ich fühlte mich wie ein betäubtes Stück Fleisch. Hatte keine Kraft. Ich betonte das mehrmals. Doch es schien ihnen egal. Ich fühlte mich hilflos, verloren und ausgeliefert.

    Nun ja. Ich erholte mich etwas, jedoch ging es mir am nächsten Tag immer noch sehr schlecht. In der Nacht bakam ich dann keine Luft mehr. Musste mich aufsetzen. Bekam Sauerstoff, weil mein Sauerstoffgehalt im Blut zu wenig war. Und ich bekam Angst. Extreme Angst. Angst zu sterben. Ich merkte dass irgendetwas gewaltig schief lief. Die Ärzte zum Glück auf. In dieser Nacht wurde meine Lunge geröngt, ein Herzultraschall gemacht und Blut aus meiner Arterie(!) genommen.

    Das war eine der schlimmsten Nächte in meinem Leben. Ich war ohne jemanden aus meiner Familie. Ich hatte wirklich riesige Angst.

    In meiner Schwangerschaft habe ich in kurzer Zeit 10 kg zugenommen nur durch Wassereinlagerungen. Durch das Lungenröntgen fanden sie raus, dass auch diese mit Wasser voll war. Daher auch die Atemnot und der geringe Sauerstoffgehalt. Ich hatte also in meiner Schwangerschaft recht gehabt. Ich konnte da schon das Wasser spüren, glaubte und hörte aber nicht mehr auf meinen Körper. Nachdem ich Lasix zu Entwässern bekam, ging es mir nach zwei Tagen schon viel besser.

    PPCM – schwangerschaftsbedingte Herzinsuffizienz

    Die peri- oder auch postpartale Kardiomyopathie, abgekürzt mit PPCM (für die englische Bezeichnung Peripartum cardiomyopathy), ist eine seltene, lebensgefährliche Herzerkrankung bei vorher gesunden Frauen, die innerhalb der letzten Schwangerschaftswochen bis sechs Monate nach der Geburt auftritt. *Näheres unter „Die-postpartale-Kardiomyopathie

    Sie fanden dann raus, dass ich PPCM habe, was ich bis zu meiner Entlassung 11 Tage danach nicht wusste, weil niemand sich die Zeit nahm, zu erklären was genau denn los war. Erst da erfragte ich dann beim Entlassungsgespräch, was denn nun alles los war. Der Primar soll angeblich zu den Ärzten gesagt haben, dass er noch nie erlebt habe, dass es beim Kaiserschnitt aus allen Poren und Gefäßen so blutet, wie es bei mir war.

    Er habe sich schwer getan, die Blutung zu stoppen. Er betonte dann noch mehrmals, dass es „arschknapp“ war. Erst da wurde mir so richtig bewusst, was da eigentlich alles passiert ist. Dass ich fast Bekanntschaft mit dem Tod machen durfte.

    Die Geschichte ging noch etwas weiter, jedoch habe ich nicht die Kraft, da noch etwas zu schreiben. Kurz: ich musste Abstillen und das brach mir das Herz.

    Achja. Und der Kaiserschnitt war währenddessen harmlos, jedoch nach der Geburt die absolute Hölle für mich. Ich hatte irrsinnige Schmerzen. Wünschte mir so sehr eine Geburt auf normalem Wege.

    Es war jedoch zu spät. Die Schmerzen vergingen mit der Zeit, aber die Narbe macht mit heute noch zu schaffen, weil ich damals an der inneren Naht einen Bluterguss erlitt.

    8 Monate nach der Geburt

    Naja. Heute. Fast acht Monate später nehme ich meine Tabletten noch immer, jedoch ist mein Herz wieder auf normaler Pumpleistung, sprich 65%. Zu Beginn war ich bei etwa 35%. Das was mir am meisten zu schaffen macht, ist die posttraumatische Belastungsstörung, welche ohne Therapie nicht weggehen würde. Daher mache ich eine Traumatherapie, welche mir extrem hilft. Aber es gibt noch einiges Aufzuarbeiten.

    Am schlimmsten ist die Angst, wieder eine schwache Pumpleistung zu haben und zu sterben. Zu verpassen, wie mein Mädchen aufwächst. Zu wissen, dass eine weitere Schwangerschaft mein Leben beenden KANN, aber nicht muss setzt mir sehr zu, denn ich wollte immer mindestens 2 Kinder. Ich bin gerade 24 Jahre alt geworden. Mein Leben steht vor mir. Ist aber jetzt eingeschränkter.

    Was ich in meiner Situation aber immer wieder merke ist, wie sehr die Psyche den Körper beeinflussen kann. Es gibt Tage, da falle ich in meine Depression hinein und da gehts mir dann körperlich auch schlechter. Dann kommt die Angst und der Teufelskreis beginnt.
    Mit Hilfe von meinem Freund und meiner Familie finde ich irgendwie immer wieder raus. Aber manche Tage sind einfach scheiße (Sorry).

    Ich sage immer wenn mich jemand fragt, wie es mir geht: ich überlebe. Denn das beschreibt genau meinen derzeitigen SEELISCHEN Zustand.

    Mein Anliegen:

    Letzten Endes geht es mir nur darum, dass die Frauen, welche schwanger sind und werden wollen, wissen dass es eine Krankheit namens „Postpartale Kardyomyopathie“ gibt, welche im schlimmsten Fall tödlich enden kann, sollte nicht schnell genug gehandelt oder die Symptome gar ignoriert und fehldiagnostiziert werden. Denn wie gesagt: die meisten Ärzte wissen anscheinend nichts von PPCM, was der Grund dafür ist, dass bei vielen Frauen manchmal etwas gewaltig schief läuft.

    Bitte lasst euch nicht von den Ärzten unterkriegen und fragt zehntausend mal nach! Und klärt so viele Ärzte, Hebammen und Schwestern wie möglich über diese Krankheit auf. Scheinbar muss das der Laie tun, weil es die eigentlichen dafür zuständigen Personen nicht schaffen!

    Eure Sabrina (Babytalk-Leserin)

    Beitragsfoto: Gorodenkoff / shutterstock
  • Kann ich meinen Kindern gleichermaßen gerecht werden?

    Kann ich meinen Kindern gleichermaßen gerecht werden?

    Wie schaffe ich es, meine Kinder gleich zu lieben?

    Die Frage, ob ich meinen Kindern gerecht werden kann, stellen sich bestimmt viele Eltern. In der Praxis zeigt sich, dass sich durchschnittlich mehr Mütter mit dieser Frage konfrontiert fühlen als Väter.

    Das sich mehr Mütter diese Frage stellen, ist verständlich. da sie häufig auch mehr mit den Kindern zusammen sind als die Väter.

    Im Alltag taucht diese Frage meist dann auf, wenn wir als Eltern merken, dass wir ein Kind anders anstrengend als das andere empfinden.

    Warum empfinden wir unsere Kinder als unterschiedlich anstrengend?

    Kinder haben das außergewöhnliche Talent unsere empfindsamen Druckknöpfe zu drücken. Wenn diese betätigt werden, laufen automatisch mehrere kleine dahinter gespeicherte Programme ab. Das eine sorgt dafür, dass unsere Stimme hoch geht. Das andere dafür, dass wir zudem lauter werden. Manchmal haken diese Programme und starten mit zeitlicher Verzögerung.

    Das Hauptprogramm bestimmt den Inhalt unserer „Kommunikation“. Von Kommunikation kann man dann zwar eigentlich nicht mehr reden, da es sich eher um einen immer „gleichen“ Monolog handelt.

    Typische Inhalte sind „Kannst Du denn nicht aufpassen“, „Musst Du immer so schreien“, „Warum hörst Du nicht auf mich“ „Musst Du die Tür immer so laut zu knallen“ …

    Diese Monologe beinhalten die von unseren Eltern (oder anderen Bezugspersonen) übernommenen Urteile auf bestimmtes Verhalten. Wie z.B. den ungeschickten Umgang mit vollen Tellern und Gläsern, die dann eindrucksvoll auf dem Boden landen oder auf kunstvoll beschmierte Zimmerwände …

    Urteile auf unser kindliches Verhalten

    Diese Urteile wollen von unserem inneren, verletzten Kind (welches wir mal waren) wahrgenommen und revidiert werden. Warum? Weil sie hinter den Urteilen auf ihr Verhalten vor allem eines verstanden haben, „Ich bin nicht ok“ bzw. „Ich bin nicht liebenswert“.

    Und da unsere Kinder nun mal Individuen sind und schon mit ihren eigenen Glaubenssätzen über diese Welt heranwachsen, drücken sie nicht alle die gleichen Knöpfe.

    Das Kind, welches die schmerzhaftesten Knöpfe bedient und häufig auch als uns sehr ähnlich wahrgenommen wird, wird daraufhin schnell als nicht so „liebenswert“ empfunden. Dabei erfüllt es eine sehr wichtige (und undankbare) Aufgabe: Uns auf unsere eigenen Glaubensmuster aufmerksam machen!

    Aus der Sicht des Persönlichkeitsentwicklers in mir sind es die Aufgaben unser Kinder, wie auch unserer Partner, die damals übernommenen Urteile unserer Eltern über unser Verhalten zu heilen bzw. zu revidieren. Um uns immer mehr so zu liebe wie wir sind!

    Geschlechterfrage: Junge oder Mädchen, was soll es werden?

    Durch unsere Erfahrungen mit unseren Geschwistern, Freunden und Mitschülern haben wir uns bestimmte Meinungen darüber gebildet, mit wem wir bestimmte Unternehmungen besser machen können und mit wem wir uns besser verstehen. Diese Urteile (und vor allem die von unseren Eltern gelebten Rollen) prägen unbewusst unsere Gedanken bzw. Urteile über die Geschlechterrollen. Und auch diese „Urteile“ fließen häufig in unsere Wünsche in Bezug auf das Geschlecht unseres Kindes mit ein.

    Weitere Aspekte die bei der Frage „ob bzw. wie wir unseren Kindern gerecht werden können“ mit einfließen

    Dazu kommen die unterschiedlichen Talente, das Aussehen und die Charaktereigenschaften unserer Kinder. Manche hätten wir selber gerne und „stufen“ sie dadurch schon mal schnell, wenn auch unbewusst höher ein.

    Nicht zu letzt gibt es die typischen „Mütter-„ und „Väter-Kinder“, deren „Zuordnung“ nicht selten mit den oben stehenden Aspekten zusammenhängt. Manche Kinder fordern auch mehr Aufmerksamkeit ein oder erhalten einfach mehr, egal, ob durch „Erfolge“, Krankheiten oder andere Besonderheiten. 

    Alle diese Beurteilungen fließen ebenso unbewusst in unsere Wahrnehmung mit ein, wie lieb wir unsere Kinder haben.

    Fazit und Tipp

    Diese Urteile haben absolut nichts damit zu tun, wie unendlich lieb wir ALLE unsere Kinder haben und wir notfalls auch bereit wären unser Leben für sie zu geben.

    Kindern gleichermaßen gerecht zu werden, könnte man fälschlicherweise so verstehen, als ob alle Kinder immer gleich behandelt werden müssten. Doch das ist weder durchgängig möglich noch sinnvoll. Warum? Weil unsere Kinder unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche haben. M

    Stattdessen geht es darum, seine Liebsten unvoreingenommen wahrzunehmen und sie in ihrer Unterschiedlichkeit zu sehen und anzunehmen.

    Und wenn du dir immer wieder Zeit nimmst, dein vermeintlich weniger geliebtes Kind liebevoll mit all seinen Fähigkeiten und Eigenschaften zu betrachten, wird es sich deiner Liebe immer mehr bewusst werden, auch wenn es ggf. nicht seine Passion ist, sie durch Knuddeln und Spaßen zu erfahren.

    Euer Deva (Familientherapeut, Persönlichkeitsentwickler und Autor)

    Werbung: Unser Erziehungsratgeber

    Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist.

    Beitragsfoto: Argument / Getty Images
  • Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Himbeerblättertee, der Alleskönner vor, unter und nach der Geburt

    Himbeerblättertee ein verbreiteter Hebammentipp

    Himbeerblättertee ist ein „Alleskönner“. Er wird von vielen Hebammen zur sanften Geburtsvorbereitung empfohlen. Er wirkt entspannend auf die Beckenmuskulatur und entgiftet den Körper. Zudem übt er einen positiven Einfluss auf die Wehentätigkeit aus.

    Wie wirkt Himbeerblättertee?

    In der Schwangerschaft

    • Der Tee hat eine entspannende und ausgleichende Wirkung auf Körper und Geist.
    • Dadurch wirkt er krampf- und schmerzlindernd, aus diesem Grund wird er bei Regel- und Unterleibsschmerzen empfohlen.
    • Bei Schwangerschaftsübelkeit soll er morgens getrunken Linderung bringen.
    • Die Blätter der Himbeere enthalten Östrogen ähnliche Hormone. Diese fördern die Eizellreifung, als Tee wirkt er zusätzlich regulierend auf den Monatszyklus der Frau.
    • Der Himbeerblättertee bewirkt eine bessere Durchblutung der Gebärmutter und des Beckens, wodurch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut positiv beeinflusst wird.
    • Viele Erfahrungsberichte in entsprechenden Foren berichten über positive Auswirkungen auf den Kinderwunsch.

    Unter der Geburt

    • Der Tee kann Wehen auslösen, zudem fördert er eine kürzere Geburt und lockert die Muskulatur des Beckens und des Muttermundes.
    • Er ermöglicht eine kürzere, zweite Wehenphase.
    • Wenn die ersten Wehen einsetzen, kann er wahlweise heiß getrunken oder als Eiswürfel gelutscht werden.
    • Sein entspannender und ausgleichender Einfluss unterstützt die Gebärende auch mental.

    Im Wochenbett

    • Über die Anregung der Darmtätigkeit wirkt der Himbeerblättertee entgiftend und entschlackend.
    • Durch seine antibakteriellen Eigenschaften unterstützt er das Immunsystem bei Infektionen.
    • Seine enthaltenen Vitamine und Mineralien stärken das Immunsystem der Mutter.

    Wie wird Himbeerblättertee verwendet?

    Ihr solltet den Himbeerblättertee nicht vor der 34-ten Schwangerschaftswoche trinken, da er Wehen fördernd wirken kann.

    Wie sollte Himbeerblättertee dosiert werden?

    Um eine Überdosierung zu vermeiden, solltet ihr den Tee in Absprache mit eurer Hebamme oder eurem Frauenarzt trinken. Für die 37. Schwangerschaftswoche gilt wieder täglich eine Tasse Himbeerblättertee zu trinken. In der darauffolgenden 38-ten Woche solltet ihr pausieren und dann in der 39-ten Woche wieder 7 Tage lang täglich vier Tassen trinken. Nun kann die Geburt jederzeit losgehen.

    Wie wird Himbeerblättertee zubereitet?

    Ihr nehmt 25g getrocknete Himbeerblätter und übergießt sie mit 600 ml kochendem Wasser. Den Aufguss lasst ihr anschließend 15 Minuten lang ziehen. Als Faustformel gilt einen Teelöffel Himbeerblätter pro Tasse.

    Wenn ihr möchtet, könnt ihr ihn bei Bedarf mit etwas Honig süßen.

    Wo könnt ihr Himbeerblätter(tee) kaufen?

    Getrocknete Himbeerblätter könnt ihr in Apotheken und in Reformhäusern kaufen. Aber auch viele Bio- und Kräuterläden haben sie im Sortiment.

    Ihr könnt Himbeerblättertee mit anderen Teepflanzen kombinieren:

    Dafür mischt ihr ihn je zu gleichen Teilen mit:

    • Johanniskraut
    • Melissenblättern
    • Frauenmantel
    • Zinnkraut
    • Brennnessel und Schafgarbe mischen.

    Wir wünschen allen Schwangeren eine schöne Kugelzeit und eine selbstbestimmte Geburt

    Euer Babytalk-Team

    Beitragsfoto: HeikeRau / Getty Images
  • Kreidezähne – Ein Interview mit dem Zahnarzt Dr. Dr. Andreas Dorow

    Kreidezähne – Ein Interview mit dem Zahnarzt Dr. Dr. Andreas Dorow

    Kreidezähne – ein Thema, welches nicht nur schmerzhaft für betroffene Kinder ist, sondern auch viele Eltern verunsichert. Viele fragen sich, was sie als Eltern falsch gemacht haben.  Hätte man Kreidezähne durch mehr Putzen oder mehr Anmahnen verhindern können?

    Die vielen Informationen über BPA (Bisphenol A) in Babyflaschen und Schnullern lassen zudem die besorgte Frage aufkommen, ob man vielleicht beim Kauf der Erstausstattung hätte Fehler vermeiden können.

    Wir haben zu diesen und den grundsätzlichen Fragen rund um das Thema „Kreidezähne“ einem Zahnarzt sprichwörtlich auf den Zahn gefühlt. Dr. Dr. Andreas Dorow ist nämlich sowohl Dr. der Zahnmedizin als auch Dr. der Humanmedizin, was ihm eine fachübergreifende Reflexion ermöglicht.

    Hier nun unser Interview rund um Kreidezähne:

    Was sind Kreidezähne?

    Grundsätzlich gehören Kreidezähne zu den Zahnschmelzdefekten.

    Es gibt verschiedene angeborene Zahnschmelzdefekte, die schon länger bekannt sind und auf eine genetische Schwächung des Zahnschmelzes zurückzuführen sind. Wodurch diese Zähne nicht ihre typische Stabilität erhalten. Diese Erkrankungen sind jedoch sehr selten.

    Das Aufkommen der Kreidezähne scheint dagegen etwas ganz Neues zu sein, was zudem noch sehr verbreitet ist. Es gibt Zahlen, die auf eine Verbreitung bis zu 30 Prozent betroffener Kinder hindeuten.

    Abgrenzung: Kreidezähne und häufigere Erscheinungen mit ähnlichen Symptomen

    Viel präsenter als Kreidezähne an sich sind zwei Erscheinungen:

    • Einerseits gibt es die sog. Fluorose: Das sind weißen Flecken auf den Zähnen (Fluorideinlagerungen), die aber harmlos sind, weil sie die Stabilität des Zahnschmelzes nicht beeinträchtigen. Diese, treten auf, wenn die Kinder während der Mineralisierung der Zähne zu viel Fluorid bekamen. 
    • Des Weiteren gibt es häufig weiße Verfärbungen, die auf eine zu saure Ernährung zurückgeführt werden können und eine Demineralisierung, eine Vorstufe von Karies, darstellen.

    Wann entstehen Kreidezähne?

    Kreidezähne bei Kindern sind eine Schmelzbildungsstörung, die bereits auftritt, bevor die Zähne durchbrechen. Das heißt also: Während die Zähne in der Tiefe im Kieferknochen angelegt werden, kommt es dazu, dass der Zahnschmelz nicht richtig ausgebildet wird. Und das vor allem bei den Backen- und Schneidezähnen. Die Eckzähne und kleinen Backenzähne scheinen weniger betroffen zu sein.

    Dies kann sowohl bei den Milch- wie auch bei den bleibenden Zähnen auftreten, wobei es bei den Milchzähnen nicht so schlimm ist.

    Da die Kreidezähne ja bereits vor dem Austritt der Zähne aus dem Zahnfleisch entstehen, können die Kreidezähne auch nicht vorher erkannt bzw. geheilt oder verhindert werden.

    Woran erkennt man Kreidezähne?

    Wenn die Kreidezähne nur schwach ausgeprägt sind, haben sie weißliche Verfärbungen. Stärkere Zahnschmelzstörungen sind dagegen durch gelbliche Verfärbungen gekennzeichnet. Diese sind durch den Zahnarzt sehr gut zu diagnostizieren, da es sich nicht nur um großflächigere gelbliche Verfärbungen handelt, sondern der Zahnschmelz an diesen Stellen zudem dünner ist oder ganz fehlt.

    Man erkennt es bereits beim Durchbrechen des Zahnes durch den Kiefer, da er bereits dann recht weich uns bröselig ist.

    Handelt es sich bei den Kreidezähnen um eine Art Modeerscheinung oder gab es sie schon immer?

    Ob es sie schon immer gab, ist nicht eindeutig zu beantworten. Bis 2004 wurden sie im den Zahnstudiengängen zumindest nicht thematisiert. Sicher ist, dass sie in den letzten Jahren verstärkt diagnostiziert werden.

    Was verursacht die Entstehung von Kreidezähnen?

    Es gibt keine aktuellen Forschungsergebnisse. Es wird immer noch vermutet, dass Weichmacher, chronischer Erkrankungen oder Medikamente, wie Antibiotika, die die Kinder bekommen, die Entstehung fördern. Auch Atemwegserkrankungen bei Kindern werden immer wieder als eine mögliche Ursache erwähnt. Doch all diese Vermutungen sind noch sehr nebulös und in keiner Weise wissenschaftlich belegt.

    Es ist seit mindestens 20 Jahren bekannt, dass Kinder unter 8 Jahren keine Tetracycline (Antibiotika wie zum Beispiel Doxycyclin) bekommen dürfen, da diese bei der Entwicklung der Zähne in den Zahnschmelz gelangen und zu weniger Härte führen.  

    Da die Ursache für die Entstehung der Kreidezähne nicht bekannt ist, gibt es auch keine Möglichkeit für die Eltern, ihre Kinder davor zu schützen. Das ist sehr bedauernswert, da die Zähne aufgrund ihrer Empfindlichkeit viel eher und häufiger schmerzen.

    Wie werden Kreidezähne behandelt?

    Da Kreidezähne bereits tief im Knochen angelegt werden, kann man ab dem Zeitpunkt der Anlegung prophylaktisch nichts mehr dagegen tun. Die einzige Möglichkeit der Prophylaxe besteht darin, sich spätestens ab der Schwangerschaft gesünder zu ernähren. Was generell beinhaltet in dieser Zeit nicht zu rauchen, keinen Alkohol zu trinken und sicherheitshalber Weichmacher, soweit wie möglich zu vermeiden.

    Die Therapie besteht derzeit vor allem in verstärkten Vorbeugungsregeln, die eh zur Schonung der Zähne, wie bei Karies, eingehalten werden sollten. So sollten zum Beispiel Saftschorlen, wegen ihrer starken Konzentration von Zucker und Kohlensäure sowie Süßigkeiten, die lange im Mund „kleben“, vermieden werden.

    Wichtig sind vor allem regelmäßige intensive Kontrolltermine beim und die Intensivfluoridierung durch den Zahnarzt, viel Zähneputzen und die Verwendung eines hoch fluoridhaltige Zahngels. Durch diese Maßnahmen kann der geringe Zahnschmelz geschützt und somit länger erhalten werden.

    Die Behandlung von Kreidezähnen selber besteht je nach Schweregrad bzw. der Schädigung der Zähne durch eine Fissuren-Versiegelung, ein ersetzen der brösligen Stellen durch Füllungen. Und ggf. die Entfernung der befallenen Stellen um den Zahnkern herum mit anschließender Überkronung. Die heutigen Kronen halten durch die neuen Klebstoffe auch wesentlich besser als früher und sind nun zudem auch für Kinder und Jugendliche geeignet.

    Der vollständige Ersatz der Kreidezähne ist nur in den seltensten Fällen notwendig. Was häufiger gemacht wird, ist wenn ein Backenzahn gezogen werden muss, dass man den dahinterkommenden Weisheitszahn kieferorthopädisch nach „vorne zieht“.

    Was tun, wenn Kinder Angst vor einer Zahnarztbehandlung haben?

    Hilfreich ist es schon früh mit den regelmäßigen Zahnarztbesuchen zu beginnen. Diese laufen dann auch eher sanft ab und die Kinder so ein Vertrauen zu ihrem Zahnarzt aufbauen und weniger Angst entwickeln. In Fällen von starker Angst vor einem Zahnarztbesuch (die nicht selten von einem Elternteil übernommen wird) ist eine Vollnarkose sinnvoll und am wenigsten traumatisierend für das Kind. Diese Vollnarkosen sind heutzutage so schonend, dass sie für Kinder keine Probleme darstellen.

    Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

    • Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die beste Prophylaxe. Auch wenn nicht sicher ist, ob dadurch die Entstehung von Kreidezähne vermieden werden kann.
    • Kreidezähne können Eltern nicht verhindern. Man kann das Kind jedoch dabei unterstützen, die sehr anfälligen Zähne vor weiteren Erkrankungen zu schonen.
    • Kreidezähne erkennt man recht schnell: Sie sind verfärbt, weich und oft durch einen bröckelnden Zahnschmelz gekennzeichnet
    • Die Behandlung erfolgt meist durch das „Ausbessern“ der kaputten Zahnschmelz-Stellen. Was unter Umständen auch bedeuten kann, dass ein Zahn komplett überkront werden muss.
    • Sehr ängstliche Kinder / größere Eingriffe können dank sehr schonender Vollnarkosen sehr gut bei Kindern durchgeführt werden

    Wir danken Dr. Dr. Andreas Dorow für diese wirklich ausführlichen und verständlichen Erklärungen zu einem nicht ganz einfachen Thema. Wir freuen uns, wenn wir möglichst vielen Eltern mit diesem Interview einige Fragezeichen über den Köpfen beseitigen konnten.

    Wenn ihr einen Bericht zum Thema Kreidezahn lesen möchtet, findet ihr hier den Bericht über die Kreidezahn-OP von Miras Tochter Viktoria.

    Liebe Grüße

    Eure Babytalk-Redaktion

    Beitragsbild: Zurijeta / Canva.com
  • Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Geburtsschmerzen lindern: Mit Atemtechniken durch die Wehen

    Für viele Schwangere ist die Vorfreude auf das Baby auch mit Angst vor möglichen Geburtsschmerzen, sowie Sorge um das Wohlergehen des Babys verbunden. In einer solch angespannten Situationen ist es normal, dass die Atmung flacher und schneller wird. Mit dieser aufsteigenden Angst ziehen sich die Schultern häufig nach oben (Schutzhaltung) und der Kopf sinkt immer weiter runter Richtung Brustkorb. Als Konsequenz verspannen sich die Nackenmuskeln.

    Falls die Gebärende in einem solchen Moment nicht an das regelmäßige Atmen erinnert wird, kann sich die Angst bis hin zur Panik steigern. Der damit verbundene Sauerstoffmangel hat eine zunehmende Muskelkontraktion (Zusammenziehen der Muskulatur) zur Folge.

    Am besten ist es, die richtigen Atemtechniken für die Wehen bereits frühzeitig mit seinem Partner in einem Geburtsvorbereitungskurs zu erlernen. In denen meist verschiedene, auf die einzelnen Geburtsphasen oder Wehenstadien zugeschnittene Atemtechniken vorgestellt werden.

    Während der Schwangerschaft sollten diese am besten jeden Abend geübt werden, so dass sie bis zur Geburt ganz selbstverständlich werden.

    Die „richtige“ Atmung ist eine sehr wichtige Voraussetzung dafür, dass ihr die Geburt so entspannt und schmerzfrei, wie möglich erleben könnt.

    Vorteile der richtigen Atmung während der Geburt

    Die wichtigsten Vorteile sind:

    • Euer Baby wird unter der Geburt mit ausreichend Sauerstoff versorgt, damit es dieses traumatische Ereignis und seine Strapazen gut übersteht.
    • Sie gibt euch Kraft für den Geburtsprozess, der sich über Stunden oder manchmal auch über Tage hinstrecken kann.
    • Die Konzentration auf die Atmung und die damit verbundene Sauerstoffversorgung, hilft euren Muskeln sich zu entspannen und somit leichter zu dehnen.
    • Der bewusste (kontrollierte) Atemrhythmus stärkt euer Gefühl von Kontrolle und mindert Ängste.
    • Das Tönen beim Ausatmen, besonders bei öffnenden A-Lauten, fördert sowohl die Öffnung eures Muttermunds als auch die eures Beckenbodens. Dies erleichtert euch und eurem Kind die Geburt.
    • Das bewusste Atmen hilft den Wehenschmerz zu lindern und Verletzungen unter Geburt zu vermeiden. Darunter zählen der Dammschnitt, der Damm- und Scheidenriss sowie die Analfissur.

    So gelingt der Umgang mit den Geburtsschmerzen

    Unser Körper hat die erlernbare Fähigkeit, sich willentlich zu entspannen. Die Fähigkeit sich zu entspannen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten und störungsfreien Geburtsverlauf. Durch die Fokussierung auf die natürlichen Körperfunktionen können Schmerzen ausgeblendet bzw. vermindert werden.

    Geburtsschmerzen sind Hinweis auf eine „Blockade“

    Schmerzen während des Geburtsprozesses sind immer ein Hinweis, dass etwas gerade nicht passt. Die meisten Schmerzen entstehen durch extremen Druck des Babykopfes auf seinem Weg durch den Geburtskanal. Häufig ist die Position des Beckens gerade nicht optimal und der Kopf stößt gegen einen Knochen oder empfindsames Gewebe, wie z.B. den Damm. Wenn kein medizinischer Befund vorliegt, sollte geschaut werden, ob die Position der Gebärenden angepasst werden kann. Vor allem handelt es sich hierbei um Bewegungen, die auf das Becken einwirken.

    Weitere wirkungsvolle Entspannungstechniken, wie z.B. sie auch von der Lamaze-Organisation empfohlenen werden, helfen Spannungen und Verkrampfungen zu lösen und verhindern die Kontraktion der Muskulatur. Nur einer entspannten Muskulatur ist weich und fällt es leicht sich zu dehnen .

    Dabei ist es hilfreich bewusst ruhig in den Schmerz hinein zu atmen. Eine stockende Atmung wirkt krampffördernd, was die Geburtsschmerzen verstärken würde. Nicht weiter zu atmen bedeutet im Schmerz stecken zu bleiben und kann ohne Intervention durch einen Partner, Hebamme oder Doula leicht in einer Panik enden.

    Unsere Atmung hat einen Einfluss auf unsere Körperchemie und ist in der Lage uns in einen tiefen und ruhigen Bewusstseinszustand zu versetzen. Aus diesem Grund stellen wir euch nachfolgend die hilfreichsten Atemtechniken für die verschiedenen Geburtsphasen vor.

    Die Latenzphase – Beginn der ersten Vor-Wehen

    Diese Phase, die bis zu zwei Nächste dauern kann, wird von vielen noch nicht zu den Geburtsphasen gezählt. Sie ist gekennzeichnet durch das erstes Wehen-Ziehen im Bauch, wobei der Körper beginnt, seine Muskeln für die Geburt zu trainieren. Diese Wehen, werden Vor-Wehen genannt und dauern in der Regel weniger als 30 Sekunden und kommen noch sehr unregelmäßig.

    In dieser Phase ist es wichtig Ruhe zu bewahren, sich ablenken und am besten eine entspannte und krafttankende Zeit in der gewohnten Umgebung zu gönnen. Auf keinen Fall sollte die werdende Mutter sich in die Wehen hineinsteigern.“ Schwangere, die in der Latenzphase ins Krankenhaus kommen, werden in der Regel wieder nach Hause geschickt.

    Ein sicheres Startsignal, dass nun die Eröffnungsphase beginnt, ist, wenn die Schwangere mit den Wehen nicht mehr allein sein möchte. Jetzt ist ggf. der Zeitpunkt ins Geburtshaus oder Geburtsklinik zu fahren.

    Die Eröffnungsphase: Atemtechniken für die Wehen:

    Die Dauer der Eröffnungsphase kann sehr unterschiedlich lang sein. Beim ersten Kind beträgt sie durchschnittlich zehn Stunden. Sie kann aber auch bis zu 24 Stunden oder länger dauern. Dabei ist es wichtig, die Gebärende so weit wie möglich in Ruhe zu lassen, sodass sie in eine Art Trance-Zustand kommt und das Geburtsgeschehen an ihren Körper abgeben kann.

    Während des gesamten Geburtsprozesses ist das gleichmäßige und tiefe Atmen wichtig. Es vermeidet bzw. korrigiert immer wieder hektisches oder das Anhalten eures Atems.

    In der Eröffnungsphase kommen die Wellen in noch relativ großen Zeitabständen. Sie werden aber abgesehen von Unterbrechungen stetig kürzer und dauern zur Geburt hin ca. 1 bis 1,5 Minuten.

    Es gilt die Faustregel „Dreimal länger ausatmen als einatmen“ bzw. solange bis sich die Lungen „leer“ anfühlen.

    Wenn ihr also eine Welle anrollen spürt, holt tief Luft und atmet mit der Vorstellung in die Welle und euren Bauch hinein und lasst euren Ausatem durch euren locker und leicht geöffneten Mund sanft und ruhig fließend entweichen. Das Atmen in den Bauch weitet den Platz für euer Baby mehr als man denkt und macht es ihm leichter auf seinem Weg durch euer Becken.

    Manche Frauen empfinden das Tönen beim Ausatmen als mit Lauten wie einem „Ahhhh“ oder „Jaaaaa“ als sehr wohltuend. Probiert mit der Ausatmung sämtliche Anspannungen im Körper bewusst loszulassen. Legt dabei den Fokus vor allem auf euer ausatmen. Das Einatmen geschieht von allein.

    Heute empfiehlt man anders als früher kein Hecheln, da es zur Hyperventilation und somit zu Muskelkontraktionen führen kann.

    In der Wehenpause trägt eine lange und tiefe Atmung dazu bei, den Teufelskreis aus Muskelanspannung, Angst und Schmerz zu durchbrechen.

    Die Übergangsphase der Geburt: tiefe und ruhige Atemzüge helfen

    Viele Gebärende empfinden die Übergangsphase für sehr anstrengend, weil sie einen starken Druck auf ihrem Beckenboden spüren und dem Drang zu Pressen noch nicht nachgeben dürfen.

    In dieser Phase erfordert das Atmen eine große Konzentration.

    Atmet zu Beginn einer Wehe tief ein- und dann in vielen kleinen Stößen aus. Diese Atemtechnik solltet ihr bis zum Ende der Wehe fortsetzen. Nach dem Ende der Wehe ist es hilfreich, wenn ihr über euren geöffneten Mund einmal ganz tief ein- und ausatmet.

    Die Austreibungsphase: Atemtechniken für die Presswehen

    Sobald der Muttermund sich vollständig geöffnet hat, was bei ca. 10 cm der Fall ist, spricht man vom Beginn der Austreibungsphase. Mit der Austreibungsphase beginnt der letzte Abschnitt der Entbindung. Jetzt setzen die schmerzhaften Press- bzw. Austreibungswehen ein und die werdende Mutter beginnt, reflexartig zu pressen.

    Nun darf dem Pressdrang nachgeben werden und das empfinden die allermeisten Frauen als absolute Erleichterung.

    Dabei atmet die Frau zu Beginn einer Wehe tief ein, hält die Luft an und dann schiebt Richtung Beckenboden. So wird das Kind immer tiefer in den Geburtskanal geschoben.

    Allerdings sollte die Frau auch nicht zu lange die Luft anhalten, weil sonst die ausreichende Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind gefährdet wird. In diesem Fall sollte die Gebärende wieder tief Luft holen und den Prozess wiederholen.

    Als Daumenregel gilt, dass man etwa dreimal pro Wehe tief Luft holt und schiebt. Ist die Wehe vorbei, atmet man ruhig ein und aus. Die Wehenpausen muss man auf jeden Fall zum Verschnaufen und Kräftesammeln nutzen.

    Wichtig ist es bei der Atmung darauf zu achten, dass man nicht zu schnell ein- und ausatmet, denn sonst kann dies zu Kreislaufproblemen und Hyperventilation führen.

    Achtet beim Pressen bzw. beim Schieben darauf nach unten in Richtung euer Beckenboden zu schieben. Dabei ist es hilfreich, wenn ihr euch dies beim Atmen bildlich vorstellt.

    Geburtsschmerzen und -verletzungen vermeiden

    Sobald eine Wehe beginnt, atmet ihr tief ein. Mit eurem Ausatem schiebt ihr unterstützt durch ein Tönen, egal ob mit einem langgezogenen „Aaaah“, „Jaaaaa“ oder einem langen und sanften „Ffffff“ (bei dem ihr eure Lippen leicht vibrieren lasst“) euer Baby immer weiter aus euch heraus. So wird euer Damm entlastet und mögliche Geburtsverletzungen vermieden.

    Während einer Welle schiebt ihr so oft, wie es sich für euch gut anfühlt, was vermutlich drei- bis fünfmal sein wird, euer Kind Richtung Ausgang.

    Zwischen den Wellen hilft es euch auf ein tiefes Ein- und langes Ausatmen zu konzentrieren. Dies ist erholsam und verhindert, dass eure Muskulatur fest wird.

    Pausen beim Pressen

    Hinweis: In dem Moment, wo eure Hebamme euch auffordert, mit dem Pressen aufzuhören, vertraut ihr, hört auf mit dem Pressen und atmet weiter.

    Wenn ihr länger oder stärker als von eurer Hebamme empfohlen, presst, kann sich euer Damm nicht langsam dehnen, was leicht in einer Geburtsverletzung endet. In dieser Phase ist bereits das Köpfchen eures Babys sichtbar und ein zusätzlicher Druck auf den Damm gefährlich. Atmet in dieser Situation etwas flacher ein und aus, ohne es aber ganz zu vergessen.

    Euer Partner bzw. Begleitung sollten euch immer wieder liebevoll und bestimmt daran erinnern, tief Luft zu holen und lang und gedehnt auszuatmen.

    Auch wenn es euch schwerfällt und die Schmerzen schon sehr groß sind, widersteht dem Impuls die Luft anzuhalten. In der Regel ist die Angst unten zu zerreißen der Grund.

    Nutzt die Wirkung eines lockeren Kiefers auf eure Beckenmuskulatur.

    Das Tönen von öffnenden A-Lauten unterstützt die Weitung eures Beckens und hat somit einen unterstützenden Einfluss auf den Geburtsverlauf und lindert die Geburtsschmerzen.

    Macht euch immer wieder bewusst, „Euer Körper weiß, was zu tun ist! Vertraut dem natürlichen Prozess der Geburt. Euer Baby wird den Weg durch euer Becken finden. Eine liebevolle und mutmachende Begleitung wird euch dabei unterstützen, eure letzten Kräfte zu mobilisieren. Genauso wie die folgenden Atemübungen;

    Die Luftballon-Übung

    Atmet nach jeder Wehe einmal tief in den Bauch als wolltet ihr einen inneren Luftballon aufblasen. So bekommt euer Baby mehr Platz und eine Extraportion Sauerstoff.

    Die Eisenbahn-Übung

    Falls der Muttermund noch nicht weitgenug geöffnet ist, atmet wie eine Lokomotive auf tsch, tsch, tsch, tsch – Laute aus, um den Pressdrang zu unterdrücken.

    Die Zählmethode

    Das Zählen beim Einatmen und Ausatmen hilft euch ganz auf eure Atmung zu konzentrieren. Mit dem Effekt, dass ihr nicht gleichzeitig Grübeln und euch in Angst schürenden Gedanken verlieren könnt. Ängste lassen uns Verspannen und das ist etwas, was wir unter der Geburt absolut nicht gebrauchen können.

    Anspannungen und Ängste führten dazu, dass wir den Kiefer und damit gleichzeitig das Becken zusammenpressen.

    Übt gemeinsam die Zählatmung, in dem ihr dreimal so lange ausatmet, wie ihr einatmet. Zählt: „1, 2, 3“ beim Einatmen und „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9“ beim Ausatmen. Diese Methode nennt man Zählmethode und wird u.a. beim Hypnobirthing praktiziert.

    Geburtsmantras einsetzen

    Das „Aufsagen“ von oder Meditieren mit Mantras hilft sich zu fokussieren und alle anderen Gedanken immer wieder, wie bei einem Film, vorbeilaufen zu lassen. Das laute oder stille Aufsagen von Geburtsmantras hilft euch neben der Konzentration auf die Geburt sich durch ihre enthaltenden „Bilder“ zu öffnen. Ihr könnt die untenstehenden Mantras verwenden oder euch von ihnen inspirieren lassen und eigene formulieren.

    Geburtsschmerzen lindern - Geburtsmantras
    Geburtsmantras

     

    Massage und Reflexzonenmassage bei der Geburt

    Alles was während des Geburtsprozesses zur Entspannung der werdenden Mutter beiträgt ist willkommen. Alle sanften Berührungen und vor allem Massagen sind eine hervorragende Methode zur Entspannung und Schmerzlinderung, so kann sich die Muskulatur viel leichter und somit weniger schmerzhaft dehnen. Voraussetzung ist eine gute bzw. ausreichende Sauerstoffversorgung der Muskeln.

    Am besten immer wieder probieren, welche Körperstellen gerade als berührungsbedürftig empfunden werden.

    Es gibt aber auch Frauen, die zeitweise während der Schwangerschaft und vor allem während der Geburt nicht berührt werden möchten. Auch wenn es manchmal schwer verständlich ist, es sollte nicht als Zurückweisung aufgefasst und so von ihrem Partner respektiert werden.

    Als besonders wohltunend werden Druckmassagen im Bereich des Kreuz-bzw. Steißbeins empfunden. Auch das Rollen von sauberen Tennisbällen, Igelbällen sowie Massagestäben wirkt sehr entspannend.

    Zusätzliche Tipps

    Entspannungsübungen während der Schwangerschaft können euch dabei unterstützen, der Geburt mit Freude entgegenzusehen und bei den ersten Wehen ruhig zu reagieren.

    Viele Frauen verspüren bereits vor der notwendigen Öffnung des Muttermunds den Drang zu pressen, obwohl es dafür noch zu früh ist. In diesen Fällen kann es helfen, wenn ihr in den Vierfüßlerstand geht, dabei das Gesäß in die Höhe streckt und eine Wange auf den Boden ablegt. Und sobald eine Welle ankommt, atmen ihr immer wieder viermal stoßweise kurz aus und anschließend schnell wieder ein. Zwischen den Wehen atmen ihr wieder normal.

    Trotz möglichen Übens ist es völlig normal, dass es während der Geburt dennoch mal dazu kommt, dass ihr euch verkrampft. Dann ist es wichtig, dass ihr von eurem Partner und oder Doula dabei unterstützt werdet, euch wieder auf eure Atmung und euren Atemrhythmus zu konzentrieren.

    Falls ihr das Bedürfnis habt lauter zu atmen, zu tönen oder zu schreien, gibt eurem Bedürfnis nach. Für eure Geburtshelfer ist dies völlig verständlich und normal.

    Sie erleben dies tagtäglich. Euer Partner sollte zuvor, z.B. in einem Geburtsvorbereitungskurs darauf vorbereiten werden. Damit dieser sich nicht erschreckt und Angst bekommt. Denn dies könnte zur Folge haben, dass ihr dann den Wunsch verspürt euren Partner zu beruhigen und den Fokus auf eure Geburt verliert. Oder dass seine Angst auf euch überschwappt und ihr euch immer mehr verspannt.

    Auch in der Nachgeburtsphase kann die Atmung schmerzlindernd wirken, wenn es darum geht, die Plazenta abzustoßen. In dieser Phase hilft die Atmung aus der Eröffnungsphase: Tief durch die Nase ein- und lange durch den Mund wieder auszuatmen.

    Euer Deva (Atemtherapeut und Autor)

    Beitragsfoto: gorodenkoff / Getty Images Pro
    Foto2: inarik / Getty Images Pro