Kategorie: Allgemein

  • Pollenallergie in der Schwangerschaft

    Pollenallergie in der Schwangerschaft

    Allergien in der Schwangerschaft sind leider nichts Seltenes. Die häufigste aller Allergien ist die Pollenallergie. Es kommt sogar vielfach vor, dass sich eine Allergie zum ersten Mal in der Schwangerschaft zeigt. Mühsam ist leider, dass gewisse Medikamente in der Schwangerschaft tabu sind.

    Aber was ist eine Allergie überhaupt?

    Welche Symptome hat man bei einer Pollenallergie und was kann in der Schwangerschaft dagegen unternommen werden?

    Eine Allergie tritt auf, wenn das Immunsystem einer Person auf Substanzen in der Umgebung reagiert. Diese Substanzen sind als Allergene bekannt und finden sich vor allem in Hausstaubmilben, Haustieren, Pollen, Insekten, Zecken, Schimmelpilzen, Lebensmitteln und einigen Medikamenten wieder.

    Wenn ihr gegen eine bestimmte Substanz allergisch seid und damit in Kontakt kommt, tritt eine allergische Reaktion auf. Dies beginnt, wenn das Allergen (zum Beispiel Pollen) in den Körper eindringt und eine Antikörperreaktion auslöst.

    Die Antikörper heften sich an spezielle Zellen, sogenannte Mastzellen. Diese reagieren, indem sie bestimmte Substanzen freisetzen, sobald die Pollen mit den Antikörpern in Kontakt kommen. Eine dieser Substanzen ist Histamin. Dieses löst Schwellungen und Entzündungen aus.

    Bei der Pollenallergie sieht das so aus. Allergene werden durch euch eingeatmet. Dies bewirkt die Freisetzung von Histamin. Dieser Stoff lässt die Schleimhaut eurer Nase viel Schleim produzieren, so dass diese anschwillt und sich entzündet.

    Es sorgt dafür, dass eure Nase läuft, juckt und heftiges Niesen auftritt. Oft beginnen auch die Augen an zu jucken und zu wässern. Eine Pollenallergie kann extrem unangenehm sein. Da eure Nasenschleimhäute in der Schwangerschaft hormonell bedingt schon eher erschlafft sind.

    Was hilft bei einer Pollenallergie?

    Achtet darauf, eure Fenster nur zum Lüften zu öffnen, um nicht dauerhaft Pollen in die Wohnung zu lassen. Hilfreich ist es auch sich am besten täglich die Haare zu waschen und regelmäßig Nasenspülungen vorzunehmen. Da sich dort viele Pollen festsetzen. Fürs Auto gibt es sogar spezielle Filter, um das Eindringen von Pollen zu reduzieren. Alternative Methoden, wie Homöopathie oder TCM können auch gut helfen.

    Verwendet Anti-Histamin nur nach Rücksprache mit eurem Arzt, da gewisse Präparate schädlich fürs Baby sein können.

    Niedrig dosierte Cortison Nasensprays könnt ihr jedoch ohne Bedenken anwendet. Das Cortison wirkt auf die Nasenschleimhaut entzündungshemmend und abschwellend. Es wird direkt von der Schleimhaut aufgenommen und geht nicht in den Blutkreislauf über. Ideal wäre es, wenn ihr euch vor der Schwangerschaft einer Allergen-Immuntherapie unterzieht.

    Die Immuntherapie basiert darauf, dass euer Körper über einen längeren Zeitraum minimale Dosen von gewissen Allergenen ausgesetzt und dadurch desensibilisiert wird. Der Körper „lernt diesen Stoff kennen“ und stuft ihn nicht mehr als gefährlich ein. So lernt er, wie er auf diesen am besten reagiert.

    Euer Immunsystem reagiert danach nicht mehr mit unangenehmen Symptomen auf die Allergene. Wichtig ist, dass die Symptome für eine Schwangere erträglich gemacht werden.

    Dies kann mit alternativen Methoden wie Homöopathie, Akupunktur oder doch der Schulmedizin erreicht werden. Die Methode spielt dabei eine Nebenrolle. Hauptsache es wirkt ohne dabei dem Ungeborenen zu schaden.

    Liebe Grüße Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: Ocskay Mark / shutterstock
  • Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Viele Mamas haben keine Ahnung, wie sie denn ihren kleinen Liebling abstillen bzw. von der Muttermilch entwöhnen können. Irgendwann fühlen sie sich, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgesaugt, leer getrunken.

    Das Stillen kostet auf Dauer ganz schön viel Energie, auch wenn das Baby schon fleißig in der Familie mit isst.

    Es gibt viele Gründe, warum sich Frauen ab einem selbst gewählten Zeitpunkt wünschen, mit dem Stillen aufzuhören.

    Wenn sie so auf ihr Kind blicken, das gerade wieder innig saugend am Busen hängt, können sie sich aber einfach nicht vorstellen, wie sie ihrem Liebling diese zärtlichen, gemeinsamen Augenblicke verwehren könnten.

    Das würde eine riesengroße Protestwelle auslösen, fürchten manche. Das grenze an Liebesentzug denken andere.

    Ich meine: Wenn die Mama aus welchen Gründen auch immer, der Ansicht ist, es sei jetzt genug gestillt, dann ist das  ein triftiger Grund, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Und das beste: Wenn die Mama wirklich nicht mehr stillen will und diese Entscheidung ganz bewusst fasst, dann klappt es mit dem Abstillen erstaunlich rasch.

    Es ist ganz so wie bei dem Entschluss, das Kind in Fremdbetreuung zu geben: Auch das klappt nur, wenn der Nachwuchs spürt, der Mama ist es ganz ernst damit – sie meint, was sie sagt.

    Tipps zum Umsetzen

    Ist dieser Entschluss bewusst und ernsthaft gefasst worden, kann es losgehen. Bei vielen wird dieser Zeitpunkt um den ersten Geburtstag herum gekommen sein.

    Meiner Erfahrung nach isst das Kind in diesem Alter auch bereits so viel andere Nahrung und so regelmäßig bei den Familienmahlzeiten mit, dass sich das Stillen meist nur noch auf eine Abend- bzw. Einschlafmahlzeit und evtl. eine Morgenrunde beläuft.

    Hilfreich ist es, eine Stillmahlzeit nach der anderen wegzulassen und gegen Beikost zu ersetzen, so ist das Abstillen ein schleichender Prozess.

    Uns hat auch geholfen, dass das Baby schon früh Fencheltee im Fläschchen bekam. Er liebte seine Babyflasche und auch das haben wir geschafft, ihn davon wieder zu entwöhnen. Das war aber viel schwieriger und hat erst im Alter von drei Jahren geklappt!

    Angst, dass dem Kind in dieser Situation durch das Abstillen wichtige Nährstoffe fehlen, muss also niemand haben. Das Baby braucht als Ersatz auch keine Milchfläschchen zu bekommen.

    Es kann aber einen Versuch Wert sein, ihm oder ihr eine Nuckelflasche – diese kann mit Wasser verdünnte Kuhmilch, und besser noch Ziegen- oder „Pflanzenmilch“, aber auch nur Wasser oder ungesüßten Tee enthalten – zur Zeit des gemeinsamen Kuschelstündchens anzubieten.

    Meistens brüllt das Kind dann und haut die Flasche wütend weg – so einfach lässt es sich ja nun nicht abspeisen. Es will eindeutig sein gewohntes Abendritual nicht vorenthalten bekommen.

    Mein erster Sohn war neun Monate alt, als ich erfuhr, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Plötzlich wollte ich abstillen. Sonst hätte ich sicher noch weiter gestillt, aber ich hatte das Gefühl wegen der erneuten Schwangerschaft meinen Körper schonen zu müssen.

    Die Fläschchen mit den verschiedenen Sorten Milchpulver, die wir ausprobierten, spuckte der Kleine alle aus, schmiss die Flaschen herum und erkannte deren Geschmack sogar, als ich es einem Fruchtmus beimischte.

    Da war nichts zu machen. Er mochte einfach nur Muttermilch, später Kuhmilch. Natürlich machte ich mir Sorgen, ob es gesund für ihn sei so ganz ohne Milch, denn mit der Kuhmilch sollte ich ja laut Kinderarzt noch ein wenig warten.

    Wir begannen dann aber doch schon ab dem 10. Monat stark verdünnte Kuhmilch zu geben – nach meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren mit meiner Laktose- und Kuhmilcheiweißunverträglichkeit fiele meine Wahl heute eher auf eine pflanzliche Milchalternative wie Hafer- oder Mandelmilch.

    Damals war das noch nicht so verbreitet, die Zwillinge bekamen dann schon Pflanzenmilch zum Abstillen.

    Papa kann beim Abstillen helfen

    Zu diesem Zeitpunkt war unser erster Sohn aber längst abgestillt. Das geschah innerhalb einer Woche! Wir lebten in den ersten neun Monaten eine derartige Mama-Kind-Symbiose, dass mir dieses totale Desinteresse an meinem Busen von einen Tag auf den anderen fast zu abrupt war.

    Geschafft hat das eigentlich der Papa, muss ich zugeben. Ich wäre heillos überfordert gewesen und hätte überhaupt nicht gewusst, wie ich das zuwege bringen sollte.

    Zu besagter Abendstunde, als die Stillzeit nahte, wurde ich schon nervös und der Papa schlug vor, ich solle doch ein wenig spazieren gehen. Er würde das mit dem Kleinen schon hinkriegen. Ich verschwand erleichtert, aber mit sehr gemischten Gefühlen, und er spielte mit ihm, lenkte ihn ab und fütterte ihn.

    Zum Glück war zu dieser Zeit Winter und ich trug meine Wollpullis mit Rollkragen. So war nicht einmal das klitzekleinste bisschen Dekolleté zu erahnen.

    Diesen Tipp, so doof er sich anhört, würde ich jeder abstillenden Mama nahelegen. Eure Kinder sind so schlau, sogar die ganz kleinen:

    Die Kinder erinnern sich eher an etwas, wenn sie es vor Augen haben. Bekommen sie das Wunschobjekt gar nicht zu Gesicht, vergessen sie es auch schnell mal, wenn sie nichts daran erinnert.

    Wir zogen das eine Woche so durch, dass ich den Kleinen immer beim Papa ließ oder zum Papa brachte, wenn die kritische Uhrzeit nahte. Natürlich geht das genauso mit der Oma oder einer guten Freundin.

    Nach ein paar Tagen hatte mein Sohn tatsächlich vergessen, dass er die erste Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Brusttrinker gewesen war. Das Kuscheln haben wir beibehalten.

    Während dieser Abstillphase haben wir einfach zu anderen Tageszeiten gekuschelt, zu denen es ohnehin schon normal für ihn war, sein Essen bei mir bzw. uns am Tisch zu bekommen. Wahrscheinlich hat es damals auch so gut geklappt, weil ich einfach die absolute Notwendigkeit zum Abstillen hatte.

    Wenn das Kind keine Lust mehr hat

    Bei den Zwillingen habe ich ebenfalls fast sechs Monate voll gestillt und dann eine Mahlzeit nach der anderen mit Beikost ersetzt.

    Irgendwie wusste ich diesmal zwar, dass das schon irgendwie klappen würde mit dem Abstillen. Das gab mir mehr Sicherheit, aber wie ich das schaffen sollte, wusste ich nicht.

    Sie waren bereits zwölf Monate alt und ich hatte insgeheim keine Lust mehr weiter zu stillen.

    Die beiden hörten kurz vor ihrem ersten Geburtstag von einen Tag auf den anderen auf, an der Brust zu trinken. Sie mochten einfach nicht mehr!

    Das fand ich auch sehr erstaunlich. Während ich noch überlegte, wie ich das ganze anpacken sollte, vergaßen sie einfach zu trinken. Es war diesmal  Sommer und wir waren viel draußen.

    Vielleicht hatten sie die abendliche Stillrunde vergessen, weil sie so viel im Garten entdeckten? Wir kuschelten jetzt einfach jeden Abend ohne Stillen.

    Der beste Tipp ist wohl, auf seine eigenen Wünsche zu hören und behutsam, aber mit innerer Überzeugung dem Kind nahe zu bringen. Jede Stillgeschichte ist anders, kann kürzer sein oder um viele Monate länger. Wichtig ist, dass es beiden Beteiligten gut dabei geht.

    Wenn wer nicht weiter weiß, hat bestimmt die Hebammen Tipps bereit. Im Netz gibt es auch Kontakt zu den Stillberaterinnen z.B. von La Leche liga.

    Übrigens: Zu den Kräutern, die den Milchfluss verringern, gehören Salbei, Walnussblätter und Pfefferminze. Ein so genannter Abstilltee reduziert die Milchproduktion langsam und bildet das Bindegewebe in der Brust schonend zurück.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Billion Photos / shutterstock

  • Die Menstruationstasse, eine Frauensache

    Die Menstruationstasse, eine Frauensache

    Die Menstruationstasse: Fast 4,5 Jahre (also seit meiner ersten Schwangerschaft) bin ich von der Menstruation verschont geblieben. Praktisch durchgehend. Nach der Geburt stillte ich fast 10 Monate, 3 Monate später suchte sie mich zum ersten Mal wieder auf und danach war ich wieder schwanger.

    Ich stille noch aber nach 20 Monaten und 10 Tagen Stillzeit kam sie zurück, leider. Ich hatte sie überhaupt nicht vermisst, nicht die Bohne!

    Und ich schätze fast jede Frau könnte gut ohne leben, aber sie muss eben sein. Schließlich ist sie indirekt dafür verantwortlich, dass wir Babys bekommen. Also sollten wir sie auch ein bisschen schätzen … Die Menstruation.

    Nachdem ich also meine Tage wieder bekommen hatte, erinnerte ich mich an etwas, dass ich in einem Online-Shop fand und das so aussah:

    Menstruationstasse

    Ich war mir nicht ganz sicher, was ich mit diesem Monstrum anfangen sollte, lass die Beschreibung und fand das dann doch ziemlich innovativ. Es war eine Menstruationstasse.

    Ich erinnere mich noch zu gut daran, immer bei Aktionen Multipacks meiner favorisierten Tampons zu horten, da während eines Menstruationszyklusses gut und gerne eine Packung drauf geht und man unterwegs sowieso immer zu wenig dabei hat.

    Mal abgesehen davon, dass man die Dinger mitschleppen und die gebrauchten sowie die Hülle und die Verpackung unauffällig entsorgen muss.

    Die Aussicht darauf, dies nicht mehr tun zu müssen – und Geld zu sparen – denn ich werde wohl oder übel bis zur Menopause (die hoffentlich noch auf sich warten lässt!) an jedem verdammten Monat menstruieren, ließ mich dann doch eine Menstruationstasse bestellen…

    Und heute habe ich ihn zum ersten Mal benutzt, da die Kinder außer Haus waren (und ich dafür Zeit und Muße brauchte, da mich schon den ganzen Tag über eine recht starke Blutung nervte… ;).

    Menstruationstasse – einfacher als erwartet

    Ich sterilisierte ihn erst (im Steamer, Kochtopf tut’s auch…) und guckte mir die Anleitung genau an. Es ist eigentlich simpel. Erst konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich dieses Ding, das zwar nicht länger aber dicker als ein Tampon ist, in mich hineinbringen soll (ähm…) aber es funktionierte.

    Wenn der der Becher nass ist, geht es wirklich problemlos. Man muss die Menstruationstasse nur vorher falten und dafür gibt’s zwei Varianten, die in jeder Packung gut verständlich erklärt sind.

    Einmal richtig drin (und zwar nicht so hoch wie ein Tampon, sondern so tief wie möglich), merkt man ihn nicht. Ich spürte nur ein wenig den Rückhol-Stil, das man individuell etwas stutzen kann.

    Die Menstuationstasse bildet im Innern des Körpers ein Vakuum, so dass nichts „daneben“ läuft. Ich ließ ihn den ganzen Nachmittag drin und wollte ihn dann, nur aus Neugier, nicht etwa weil ich „überlief“, entfernen.

    Das Rausnehmen stellte sich als etwas trickier heraus als das Einführen. Das lag wohl daran, dass er doch etwas zu hoch drin saß und ich meine Fingernägel nicht geschnitten hatte (das wäre ein guter Tipp weil sonst piekst man sich dauernd selber – autsch)!

    Weil, zuerst sollte man das Vakuum lösen. Mit etwas Zug am Röhrchen u/o dem Einsatz der ja hoffentlich noch vorhandenen Beckenbodenmuskulatur und der richtigen Position (Hocke z.B.) bringt man den Menstruationstasse raus.

    Es fühlt sich fast an wie eine kleine Geburt!

    Nein, so arg ist es nicht, tut auch nicht weh und der Becher ist aus weichem, medizinischem Silikon.

    Der Aha-Effekt

    Einmal draußen, begutachtete ich das Ding und hatte einen kleinen Aha-Effekt: Zum ersten Mal seit ich etwa 11 oder 12 war, sah ich, was da an Flüssigkeit aus meinem Körper kommt. Man sieht das Blut ja sonst nur auf Binden, Slipeinlagen und Tampons …

    Spannend … viel war es gar nicht, ich hätte die Tasse noch länger drin behalten können, ich glaub‘ er war nicht einmal halb voll. Das ist einer der vielen Vorteile:

    Man kann sie viel länger drin behalten als ein Tampon. Gut 4 Stunden, problemlos, natürlich individuell je nach Menstruationsstärke etc. Die Tassen in Trichterform sind in zwei Größen, die in Kirschform nur in einer Größe erhältlich, passen aber immer.

    Vorteile der Menstruationstasse

    • Hält länger insgesamt (Jahre) und bietet auch während des Zyklus länger Schutz (muss weniger oft gewechselt werden)
    • hält rund 3x länger als Tampons (also auch über Nacht)
    • Wiederverwendbar: einfach herausnehmen, ausleeren, abwaschen und wieder einsetzen
    • bequem und praktisch, sehr auslaufsicher
    • Kein Abfall
    • günstig im Vergleich zu Tampons etc.
    • sehr hygienisch
    • trocknet die Scheide nicht aus (z.B. an den „leichten“ Tagen)
    • Das Blut wird gesammelt, nicht gestaut
    • weniger Irritationen, wie Hautausschläge, Kneifen, …
    • Nie mehr jemanden um einen Tampon bitten müssen
    • platzsparend (man muss keine Tampon-Boxen mitschleppen)
    • Für unterwegs muss man höchstens eine Wasserflasche mitnehmen um ihn auf der Toilette ausspülen zu können
    • ökologisch / kein Abfall
    • ideal für jegliche Sportarten
    • super für empfindliche Frauen, die zu Allergien/Pilzinfektionen neigen
    • kein „Fädchen“, das raushängt.

    Nachteile gibt es meiner Meinung nach nicht, ich finde es toll, den Menstruationsbecher für mich entdeckt zu haben. Ich habe schon von Frauen gehört, die meinten, dass der Becher ihr Leben verändert habe. Aber schaut selber oder probiert es aus.

    Mens-Tasse „how to“

    Das Einführen ist nicht viel schwieriger als das eines Tampons. Der Menstruationstasse flutscht, mit Wasser angefeuchtet, ganz gut. Man „faltet“ sie und führt sie dann ein und zwar gar nicht so tief…

    Mit Hilfe des „Stängelchens„, das man auf seine individuelle Wunschlänge kürzt, kann man die Tasse auch gut wieder entfernen. Einfach etwas zusammendrücken um das Vakuum zu lösen.

    Während der Mens leert man die Tasse jeweils in der Toilette aus und spült und reinigt sie dann mit sauberen Händen und warmem (Seifenwasser). Nach der Mens kann man sie auskochen. Die Hersteller empfehlen, die Tasse während der Mens alle 4-8h zu leeren.

    Unschlagbarer Vorteil: Menstruationstasse beim Sport

    Ich habe kaum mehr Tampons benutzt und wenn, dann immer mit dem unguten Gefühl, dass es ausläuft. Mit der Tasse hat man höchst selten mal einen „Unfall“, da muss sie echt irgendwie blöd sitzen oder sich nicht entfaltet haben, aber das passiert wirklich kaum. Und man merkt es dann ja…
    Gerade beim (Kampf)Sport ist die wirklich felsenfest sitzende Tasse einfach ein Riesenvorteil! Tampons sind mir mit der Zeit nämlich auch schon eine Etage tiefer gerutscht, warum auch immer, und das ist dann echt nicht mehr bequem. Und es gibt nun mal Situationen, da kann man nicht schnell auf’s Klo rennen *g*.

    Unterwegs musste ich die Tasse bisher kaum wechseln. Wer doch mal auf eine öffentliche Toilette ohne integriertes Lavabo muss, nimmt einfach eine Flasche mit auf’s Klo um die Tasse dort diskret auszuwaschen.

    Kombinationsmöglichkeiten:

    Ich nutze die Tasse manchmal mit waschbaren Slipeinlagen aus Stoff und beim Sport gerne mit den Thinx, Slips, die das Blut auffangen und nach einer Wäsche wieder einsatzfähig sind. Im verlinkten Beitrag ist beides beschrieben – eine tolle Sache und ich muss echt nichts mehr kaufen in punkto Monatshygiene.

    Mittlerweile habe ich den Menstruationsbecher schon gut 2 Jahre und es gibt natürlich bereits verschiedene Anbieter von „Menstassen“. Allerdings bin ich bei meiner erstgekauften Marke geblieben, die passt einfach perfekt.

    Und wann steigst Du um?

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

    Foto im Beitrag: gregory_lee von Photos Pro (über Canva)
  • Reboarder – fährt Dein Kind schon rückwärtsgerichtet?

    Reboarder – fährt Dein Kind schon rückwärtsgerichtet?

    Sicherlich habt Ihr das Wort Reboarder auch schon gehört. Das ist ganz einfach ein rückwärtsgerichteter Kindersitz. Als ich vor 5 Jahren für meine Tochter den Nachfolgesitz nach der Babyschale kaufen wollte, war ich zum ersten Mal auf das Thema Reboarder aufmerksam worden. Für mich war dann auch gleich klar, dass es so einer sein muss. Ich erkläre Euch, warum.

    Vor 5 Jahren gab es bei uns genau einen einzigen Laden, der dann auch nur ein einziges Modell eines rückwärtsgerichteten Kindersitzes führte. Das hat sich mittlerweile zum Glück geändert:

    Reboarder haben stark an Bekanntheit gewonnen, nicht zuletzt vermutlich dank einiger weniger Eltern, die sich dafür stark gemacht haben. Auch ich habe sicher eine ganze Handvoll befreundetet Mamas davon überzeugen können.

    Dabei sollte man sich nicht fragen, warum es ein Reboarder sein muss, sondern, warum sie nicht Standard sind, denn wenn wir einen Blick über die Grenzen wagen, ist Rückwärtsfahren, je nach Land, bis zum 15. Lebensmonat oder länger Pflicht und Reboarder selbstverständlich.

    Reboarder – Die sicherste Wahl

    Warum? Weil sie ganz einfach die sicherste Wahl sind, wenn es um Kinder im Auto geht, auch wenn er in seltenen Fällen zu Verletzungen von Kindern führt, die mit einem vorwärtsgerichteten Kindersitz nicht passiert wären.

    Nichtsdestotrotz passieren diese in wesentlich seltener. Niemand stellt in Frage, dass Babys in der Schale rückwärtsfahren, warum also nicht auch ältere Kinder bis zum 3./4. Lebensjahr? Denn so lange dauert es, bis die Proportionen etwas ausgeglichen sind.

    Je jünger das Kind, desto schwerer und größer ist ihr Kopf im Verhältnis zum Körper – und damit besteht immer eine große Verletzungsgefahr für den Hals-/Nackenbereich, wenn es zu einem Aufprall/Unfall kommt.

    Über 80% kleiner ist die Verletzungsgefahr bei einem Unfall wenn das Kind rückwärts statt vorwärts fährt.

    Es lohnt, sich auf einer entsprechenden Seite (siehe Verlinkung) über das Thema zu informieren. Dort findet man neben Infos zur Entscheidungshilfe auch Links zu Beratern, Händlern etc.

    Ein Unfall ist schnell passiert und die Sicherheit meiner Kinder steht vermutlich nicht nur für mich an erster Stelle, weshalb ich damals keinen Moment zögerte.

    Erstmal fuhr meine Tochter so lange in der Babyschale bis sie mit dem Kopf oben „anstieß“ (mit ca. 15 Monaten war das wohl) und danach kauften wir den damals eben einzig erhältlichen Cybex Sirona, in dem nun auch unsere Jüngste fährt.

    Der Sitz war natürlich ein wenig teurer als ein nach vorne gerichteter, aber für mich jeden Rappen wert, wenn ich weiß, wie gut er mein Kind schützt. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Reboardern auch sichere, schöne und günstige von Cybex.

    Ein an der Kopfstütze befestigter Spiegel, siehe Foto, sorgt dafür, dass ich meine Tochter im Rückspiegel sehe.

    Und? Fährt Euer Kind im Alter von bis zu 4 Jahren auch rückwärts?

    Eure Tamara Beck (Babytalk – Autorin)

    Weitere Informationen und einen onlineshop findet Ihr bei Kindersitzprofis.

    Beitragsfoto: wavebreakmedia / shutterstock
  • Kräuter für Babys und kleine Kinder

    Kräuter für Babys und kleine Kinder

    Aus der Kräuterapotheke gibt es wahre Schätze für junge Mamas und ihre Kleinen. Allerdings möchte ich hier gleich vorwegschicken, dass es auch viele Heilkräuter gibt, die nicht geeignet sind für Babys.

    Auch schwangere Frauen sollten sich sehr genau mit dem Thema Naturheilkunde und Heilkräuter auseinandersetzen. Nicht alles, was sie vielleicht schon ihr ganzes Leben in der Hausapotheke haben, ist jetzt angebracht.

    Sehr viele Hebammen kennen sich richtig gut mit den Themen Kräuter in der Schwangerschaft und passende Heilkräuter für Babys und Kleinkinder aus. Mein liebstes Buch dazu heißt die „Hebammensprechstunde“ von der Allgäuer Hebamme und Kräuterkundigen Ingeborg Stadelmann.

    Sie gibt geniale Tipps für Kräuteranwendungen explizit für Schwangere und für die allererste Zeit mit dem Neugeborenen. Ein weiteres Buch von ihr heißt „Bewährte Aromamischungen – mit ätherischen Ölen leben, gebären, sterben“.

    Die vorgeschlagenen Mischöle haben ihren Ursprung in der Hausgeburtshilfe. Hier geht es auch um Pflanzenöle und ihre Anwendungen. Neben Informationen zu den Wirkungen der Düfte selbst gibt es Wissenswertes darüber zu lesen, etwa welche Trägersubstanzen für die eigene Herstellung naturreiner Bio-Öle infrage kommen.

    Kräuter anwenden

    Wer anstatt mit 100 % natürlichen Duftölen lieber oder zusätzlich mit Kräutern in Rohform arbeiten möchte, findet viele Kräuter in gut sortierten Apotheken oder in speziellen Kräuterläden bereits in getrockneter Form.

    Eine Kombination aus beiden Bereichen ist ideal, denn so ein klassischer Tee wirkt manchmal Wunder, ebenso wie viele andere einfache Hausmittel.

    Selber pflanzen und pflücken geht natürlich ebenfalls. Hier gibt es allerdings wichtige Regeln, die jeder stets beachten sollte. Es ist auf keinen Fall der Gesundheit förderlich, Heilkräuter in der Nähe von Straße zu pflücken.

    Am besten buchen interessierte Laien einen Kräuterkurs oder besuchen einen Kräutergarten in der Nähe. Das Tolle an so einem Besuch ist nämlich, dass mit jeder solchen Aktion, das eigene Wissen um die Kräuter und ihre Verarbeitung wächst.

    Denn Kräuterkundige haben ein umfassendes, seit Generationen überliefertes Wissen angesammelt, das sie gerne weitergeben.

    Bitte nichts pflücken oder sammeln, was unter Naturschutz steht und nichts mitnehmen, was ihr nicht zu 100 % sicher kennt.

    Häufig sieht eine Pflanze ohne Blüten beispielsweise einer anderen giftigen Pflanze sehr ähnlich. Die Blüte, die sie klar unterscheidet, ist aber schon verblüht – also lieber Finger weg, falls ihr auch nur den geringsten Zweifel habt.

    Tipps

    Für alle, die ihre Kinder mit Kräutern verwöhnen möchten, gibt es hier ein paar ganz einfache Tipps.

    Gute Cremes zur Vorbeugung von wunden Popos enthalten Kamille und Calendula, die Ringelblume, eine wunderbare Hautpflege für Groß und Klein.

    Für mich kommt nur Naturkosmetik infrage. Warum? Mineralöle behindern die normale Funktionstätigkeit unserer Haut. Diese verliert damit ihren eigenen Schutzmechanismus.

    Sie dringen nicht in die Haut ein, sondern bleiben an deren Oberfläche. Auch Vaseline und Paraffinöle sind übrigens Produkte aus Erdöl. Zum Schmieren meiner Nähmaschine ist das ok, aber für uns selbst, geschweige denn für zarte Babyhaut?

    Auch raffinierte, also industriell verarbeitete Pflanzenöle haben nicht die Wirkkraft von kaltgepressten und unraffinierten Ölen.

    Kamille, Fenchel, Kümmel, Anis – das Baby-Quartett

    Die Kamille ist ein sehr altes und sehr bekanntes Heilmittel. Sie wirkt beruhigend und entspannend, verdauungsfördernd und schmerzstillend. Daher wird Kamille als Tee ebenso wie in der Duftlampe als sehr beruhigend und wohltuend empfunden.

    Ein Tropfen in Babys Badewanne hilft entspannen und löst Krämpfe. Immer daran denken, nicht mehr als ein Tröpfchen! Ob als Badezusatz oder als Duft, Babys sind kleine, zarte Wesen und Kräuter und Öle können ganz sparsam eingesetzt werden.

    Anis hat ebenfalls verdauungs- sowie auch milchfördernde Wirkung. Auch Fenchel ist so ein wunderbares Kraut mit ähnlichen Eigenschaften. Wie auch der Kümmel wirkt er krampflösend und ebenfalls beruhigend.

    Unsere Hebamme beim ersten Baby hat uns wegen der offensichtlichen Bauchkrämpfe schon in den ersten Wochen zu Fencheltee geraten. Den haben wir abkühlen lassen und dann dem Kleinen lauwarm in sein Fläschchen gefüllt. Das hat geholfen, um sein Bäuchlein zu beruhigen.

    Ich hatte sehr viel Muttermilch und den Eindruck, seine Bauchschmerzen verstärkten sich durch sein rasches Trinken und Schlucken. Es kam so viel Milch, dass er sie viel zu rasch in seinen Bauch bekam.

    Mir haben die Teepausen übrigens auch geholfen, da ich so nicht alle ein bis zwei Stunden dauerstillen musste.

    Kümmel gibt es ebenfalls als Heilmittel in Form von Kümmelzäpfchen. Auch hier hat uns die Hebamme geraten nur ein halbes Zäpfchen zu verwenden. Die sind nämlich ganz schön überdimensioniert für so einen kleinen Popo.

    Also, einfach der Länge nach mit einem scharfen, vorher erwärmten Messer halbieren – so schmilzt das Zäpfchen ein wenig an und beim dritten Mal klappt es schon richtig gut. Die Zäpfchen halfen bei uns übrigens auch prima, wenn es mit dem Stuhlgang nicht klappen wollte.

    Baby Bäuchlein-Öl

    Von Ingeborg Stadelmann gibt es all diese vier Heilkräuter als Ölansatz zu kaufen, auch gemischt. Bekannt sind solche Mischungen auch als Baby Bäuchlein-Öl. Diese sind ebenfalls bei Bauchweh im Einsatz.

    Ich habe sie auch gerne für unsere tägliche Baby-Massage verwendet. Wichtig ist beim Kauf von Bäuchlein-Öl darauf zu achten, dass die verwendeten Trägerstoffe naturreine, unraffinierte Pflanzenöle sind.

    Es lohnt sich wirklich Naturkosmetik zu wählen. Die Molekularbiologin Bettina Görner von Aetherio.de, die selbst eigene Bio-Sprays für die ganze Familie aus Kombinationen ätherischer Öle entwickelt, rät: „Babys können von ätherischen Ölen profitieren, wenn man ein paar Dinge beachtet:

    Ihre Näschen sind empfindlicher als die von Erwachsenen, deshalb muss man ätherische Öle sehr stark verdünnen. Für Babys hat sich eine Verdünnung von fünf Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Trägeröl bewährt.“ Sie empfiehlt Öle wie Lavendel, Vanille, Kamille und Rose als gut für Babys geeignet.

    Schnupfennäschen

    „Öle wie Eukalyptus, Pfefferminze und andere sind dagegen gefährlich. Also erst in seriöser Literatur nachlesen oder hier (https://www.facebook.com/aromamamma) fragen.

    Ansonsten dran denken, dass Neugeborene lieber nur den Elternduft riechen sollten, welches das Bonding unterstützt und dass kleine Näschen auf keinen Fall dauerbeduftet werden dürfen!“, betont sie.

    Eukalyptus, Pfefferminze, Menthol und alle Mischungen mit Campher und Terpentinöl, die alle häufig in herkömmlichen Erkältungsbalsamen und Badezusätzen vorkommen, sollten auf keinen Fall für Kinder unter vier Jahren verwendet werden.

    Pfefferminzöl etwa kann bei Kleinkindern Atemnot auslösen! Also auch im Kindergartenalter nur in sehr sparsamer Dosis oder lieber noch ein Jährchen warten – so habe ich das zumindest gemacht.

    Ich ziehe auch heute noch im Grundschulalter für die Kinder den Thymian, die Schlüsselblume und die Zwiebel vor. Der milde Thymian, eine Pflanze mit fabelhaften schleimlösenden und entzündungshemmenden Inhaltsstoffen, ist eine gute Alternative für Kinder ab etwa zwei Jahren.

    Ein lang gezogener Thymiantee hilft übrigens auch bei Durchfall. Weitere Infos hier in den Pflanzenprofilen der #Kräutermamas.

    Wenn Babys Näschen verstopft ist, helfen zwei einfache Dinge. Die Heilkraft der Zwiebel ist unübertroffen:

    • Eine halbe rohe Zwiebel fein hacken und ca. eine halbe Stunde stehen lassen, bevor ihr das Brett mit der Zwiebel ans Babybett stellt. So sind die sehr scharfen Düfte der Zwiebel bereits verflogen. Das Aroma der Zwiebel hilft dem Baby besser durchzuatmen. Zugegeben, das Zimmer stinkt am nächsten Morgen ganz schön zwiebelig, aber wenn Baby so besser durchschlafen kann.
    • Eine weitere Hilfe ist es, einfach den Wäscheständer mit möglichst feuchter Wäsche im Kinderzimmer aufzustellen. Feuchte Luft erleichtert generell das Atmen bei Erkältungen.

    Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einige hilfreiche Tipps für die Nutzung von natürlichen Heilkräutern geben.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Iakov Filimonov / shutterstock
  • Geburt: Krankenhaus versus Geburtshaus und Hausgeburt

    Geburt: Krankenhaus versus Geburtshaus und Hausgeburt

    Für die meisten Frauen ist es von Anfang an klar, dass sie ihr Kind im Spital gebären möchten. Es gibt jedoch einen kleinen Anteil an Frauen, die sich einen anderen Geburtsort für die Geburt ihres Kindes wünschen. Wie kommt es zu dieser Entscheidung? Ist es überhaupt sicher zu Hause oder im Geburtshaus zu gebären?

    Es haben sich schon viele Studien mit der Sicherheit der Hausgeburt befasst. Eine britische Studie mit über 60.000 Gebärenden kam sogar zum Schluss, dass eine Zweitgebärende nach komplikationsloser erster Geburt weniger Risiken ausgesetzt ist, wenn sie zu Hause oder im Geburtshaus entbindet.

    Für eine Erstgebärende ist die Geburt im Krankenhaus jedoch am sichersten. Die Studie mit dem Titel «The Birthplace cohort study» (dt. «Kohortenstudie Geburtsort») war sehr aussagekräftig bzw. vergleichbar, da effektiv nur die Geburten von gesunden Frauen ausgewertet wurden.

    Alle Frauen in der Studie hatten ein geringes Risiko:

    • sie trugen ein einziges Kind aus,
    • hatten keine genetischen Krankheiten, es gab keine Komplikationen in der Schwangerschaft und
    • sie hatten keine vorherigen Kaiserschnitte gehabt.

    Insgesamt war die Geburt für diese Frauen überall sicher. Es gab bei lediglich 250 von 60.000 Geburten Komplikationen.

    Vertrauen in den Geburtsprozess

    Aber warum ist das so? Laut der weit verbreiteten Meinung müsste ja das Gegenteil der Fall sein und viel häufiger Komplikationen eintreten. Für mich gibt es eine ziemlich einfache Erklärung dafür:

    Die Frauen, die sich für eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus entscheiden, haben Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess und sind eher positiv eingestellt. Sie sind davon überzeugt, dass ihr Körper ohne medizinische Interventionen den Geburtsprozess bewältigen kann und sie ein gesundes Kind gebären.

    Diese Einstellung zum Geburtsprozess wird durch die gehörten Geschichten/Berichte über Geburten und nicht zuletzt durch die eigene Geburts- und andere Krankenhauserfahrungen beeinflusst.

    Die meisten Frauen, die sich für einen anderen Geburtsort als das Krankenhaus entschieden haben, können sich nicht vorstellen, dass sie sich im Krankenhaus gleich gut entspannen können. Vor allem diese Grundeinstellung unterstützt meiner Meinung nach einen guten Geburtsverlauf.

    Das Krankenhaus als Ort der Geburt wird als der Sicherste propagiert

    Die Geburt im Krankenhaus wird als sicherste Variante propagiert. Im Krankenhaus werden die Frauen oft dauerhaft überwacht, um ihnen das Gefühl von Sicherheit zu geben. Diese Dauerüberwachung bedeutet aber auch, dass sofort reagiert werden muss, wenn ein Kind Stress unter der Geburt erfährt.

    Die meisten Kinder haben zu einem gewissen Zeitpunkt während der Geburt einmal Stress. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Geburt pathologisch sein muss und regelmäßige Interventionen braucht. Denn diese wiederholten Interventionen verunsichern die Frauen in den meisten Fällen und geben ihr das Gefühl, ihr Geburtsprozess sei nicht normal und riskant für das Kind.

    Dadurch haben sie mehr Angst. Die Angst führt zu mehr Anspannung. Und die Anspannung führt dazu, dass die Frauen den Geburtsschmerz als intensiver erleben, was wiederum zu mehr Unsicherheit führt.

    Dieser Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf ist ganz schwer zu durchbrechen und führt oft dazu, dass die Frauen eine PDA oder manchmal sogar einen Kaiserschnitt verlangen. Persönlich finde ich, dass jede Frau ein Recht auf eine sichere Geburt und wenn gewünscht auf eine adäquate Schmerztherapie hat.

    Die Moderne Medizin hat bei der Geburt nicht nur Vorteile

    Aber ich glaube auch, dass die moderne Medizin mit all ihren Überwachungsmöglichkeiten nicht nur Vorteile birgt. Manchmal ist es hinderlich, wenn man zu viel Angst verbreitet.

    Ideal fände ich es, wenn bei uns in den Spitälern integrierte Geburtshäuser geführt würden. So könnten alle physiologischen Geburten von den Hebammen geführt und bei Pathologien der Arzt hinzugezogen werden.

    Ich glaube dieser Aufbau von integrierten Geburtshäusern in den Spitälern würde vielen Frauen auch die Sicherheit geben, die sie brauchen, um «entspannt» zu gebären. Gesellschaftlich würde es sicher dazu beitragen die Geburt wieder vermehr als einen natürlichen Prozess anzuschauen und nicht als eine Risikosituation.

    Wenn sich diese Einstellung wieder verbreitet, würden manche Frau mit einem besseren Gefühl in die Geburt gehen. Darum sage ich: Frauen, vertraut auf euren Körper! Er kann den Prozess einer Geburt auf natürliche Weise schaffen.

    Versteht mich bitte nicht falsch. Ich möchte nicht dafür werben, dass alle Frauen von jetzt an zu Hause oder in Geburtshäusern gebären sollen. Aber ich wünsche mir, dass die Geburt wieder als ein natürlicher Prozess angeschaut wird, der in den aller meisten Fällen gut geht.

    Und für die Fälle, wo das nicht der Fall ist, bin ich sehr dankbar um die Ärzte und die Möglichkeiten zu intervenieren. Und dadurch die Gesundheit von Mutter und Kind zu gewährleisten.

    Jede Frau, wenn es ihre Gesundheit und Schwangerschaft erlaubt, soll da gebären können wo sie will. Und weiter sollten Hebammen und Ärzte nicht in Konkurrenz zu einander stehen, sondern zusammen am selben Ziel arbeiten. Nämlich eine gesunde Mutter zu betreuen und ein gesundes Kind zu gebären.

    In diesem Zusammenhang könnte euch auch der Beitrag „Warum ich mir so sehr eine Hausgeburt gewünscht hätte“ interessieren (Hinweis der Redaktion).

    Liebe Grüße Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: (ls) Gorodenkoff & (re) nata-lunata / shutterstock
  • Nachtschreck – Erfahrungsbericht einer Leserin

    Nachtschreck – Erfahrungsbericht einer Leserin

    Hallo, wir freuen uns Euch mal wieder einen sehr interessanten Erfahrungsbericht einer unserer Leserinnen vorstellen zu dürfen. Diesmal geht es um das Phänomen, welches unten den Begriff „Nachtschreck“ bekannt ist.


    Wir haben auch die Erfahrung und Bekanntschaft mit dem Nachtschreck gemacht und zwar durch unsere ältere Tochter Luzia.

    Sie war als Baby schon ein sehr unruhiges und aktives Kind, tagsüber weinte sie kaum. Mir als Mama und Person war ein sehr geregelter Tagesablauf stets wichtig und das versuche ich selbst heute noch umzusetzen.

    Mit einigen Monaten fing es an, kaum wurde es Abend und wir legten sie zum Schlafen in ihr Bettchen, dauerte es 30 min. und sie weinte das erste Mal. Aufstoßen und Nuki geben reichten, dann schlief sie weiter.

    Danach im 30 min. Takt ( wenn nicht kürzer) wurde sie wach, weinte. So stand ich laaaangeeee Zeit bis zu 20 Mal in der Nacht auf. Es war wirklich eine sehr anstrengende Zeit.

    Mit ca. einem Jahr fing es an, das sie im Bettchen oder auch mal bei mir im Bett sass und fürchterlich schrie, sie ließ sich da von mir nicht anfassen und schien „hysterisch“ …….

    Ich zweifelte in dieser Zeit an mir selbst und war schockiert, da es den Anschein hatte mein Kind hätte vor mir Angst.

    In diesem Alter, soweit ich mich erinnere, gab diese Situationen nicht so oft. Den genauen Zeitraum weiß ich leider nicht mehr, ich glaube mit 3 Jahren wurde es immer mehr.

    Als „Nachtschreck“ war sie nicht zu beruhigen

    Ich weiß noch von einschneidenden Situationen, wenn sie wach wurde und so schrie, dass mein Mann und ich sie nicht beruhigen konnten. Da unser Nervenkostüm von dem ständigen Schlafunterbrechungen (in diesem Alter mussten wir auch noch um die 8 mal aufstehen) sehr angeschlagen war.

    So versuchten wir sie die ersten Male zu schütteln und haben sie auch des öfteren sehr scharf und etwas lauter angeredet, wenn nicht sogar das ein oder andere mal “ angeschrien“. Wir glaubten, sie mache das mit Absicht.

    Uns wurde aber bald klar, es ist nicht normal, was sie da tut. Durch eine Nachbarin wurden wir dann auf den Nachtschreck aufmerksam. Somit begannen wir zu googeln. Was unsere Vermutung bestätigte, dass es wirklich der Nachtschreck war.

    Danach waren die Situationen dann für uns entspannter und wir blieben nur in ihrer Nähe, beobachteten sie passten auf, dass sie sich und uns nicht weh oder verletzen konnte.

    Ab und zu haben wir versucht sie anzufassen und zu beruhigen. Und manchmal hatten wir damit sogar Erfolg und sie legte sich hin und schlief weiter, als wenn nieeeeeee etwas gewesen wäre.

    Bei uns kam es eine zeitlang zu unser aller Leidwesen sehr häufig vor. 5 Nächte hintereinander war keine Seltenheit. Meistens dauerten diese zwischen 10 min. und 1 Stunde. Wobei die kurzen Zeiten für uns schon etwas von einem „angenehmen“ Spaziergang hatten. Die längeren kamen uns dagegen wie eine  kleine Ewigkeit vor.

    Manchmal hatte ich richtig gehend Angst vor meiner Tochter

    Es gab Situationen, da hatte ich direkt Angst vor meiner Tochter. Ich hatte das Gefühl, sie sah irgendwelche unschönen Gestalten im Raum.

    Oft zeigte sie panisch in eine Richtung, die Augen weit aufgerissen, die Pupillen riesen gross und ein starrer Blick. Es schien, als versuchte sie vor lauter Angst zu flüchten. Da kam mein Mann auf die Idee  „diese Gestalten aus dem Zimmer zu bringen oder zu verjagen“.

    Oft mit Worten; „aber schnell verschwindet, hier ist kein Platz für euch, lasst Luzia in Ruh“, … . Oder etwas lustiger „ich werd euch gleich kitzeln, damit ihr flüchtet“ … .

    Keine Ahnung warum, aber manchmal hat sie sich danach beruhigt hingelegt und weitergeschlafen oder gar gelacht.

    Trotzdem war dies keine angenehme Zeit, sondern sehr beängstigend für uns.

    Nachtschreck? – Diagnose durch eine Ärztin

    Als es akut war, ging ich mit ihr zu einer Ärztin, die uns ins SMZ – OST überwies, da sie den Verdacht hatte, es könnte auch Epilepsie in Kombination mit dem Nachtschreck (, welchen es tatsächlich gibt) sein.

    Nach einer Nacht dort mit EEG und Videoüberwachung im Raum, wo sie natürlich diese gegebene Nacht sehr ruhig und ohne Vorfall schlief, wurden wir von einer Oberärztin aufgeklärt, dass es “ nur“ der Nachtschreck sei und hat uns sehr gut über dieses Phänomen informiert.

    Ab da waren wir wirklich entspannter.

    Da wir in einer Wohnungssiedlung wohnen, machten wir im Sommer bei den Schreiattaken die Fenster zu. Ich fuhr grundsätzlich in dieser Zeit ungern in den Urlaub, oder zu Bekannte. Ich Angst hatte, dass sie das dort auch hätte und sie dadurch alle in ihrem Schlaf stören oder auch verunsichern könnte.

    Die einzige, die das wirklich von klein an mitbekommen hat und in diesen Situationen mit uns hineinwuchs und sich sehr dafür interessierte, war eine Oma von Luzia.

    Komischerweise konnte diese auch Luzia schneller wieder in die Schlafposition bringen und beruhigen. Luzia hat zu dieser Oma ein sehr inniges Verhältnis.

    Meinem Mann und mich hat es immer verwundert, dass sich in unserer Siedlung nie jemand aufgeregt hat oder mal nachgefragt hat, was bei uns nachts los ist.

    Einmal hat mein Mann einen Nachtschreck von Luzia gefilmt – einfach als Beweis, was da los war. Den haben wir aber nie gebraucht.

    Reaktionen von Bekannten

    Sonst gab es in unserer Umgebung NUR die Kindergärtnerin, die den Nachtschreck kannte, da ihre Tochter auch betroffen war.

    Ansonsten kannte den Nachtschreck niemand und so mussten wir uns des öfteren von Bekannten anhören, „ahhhh die tanzt euch auf der Nase rum“, „Einbildung sowas gibt es nicht“ oder „Ein paar aufn Hintern und Ruh ist“ … . Dies Reaktionen machten es nicht gerade leichter, doch wir wussten, was es war und hielten zusammen.

    Das ganze hat bei uns ca. 5 Jahre gedauert. Vor der Einschulung war es Gott sei Dank vorüber – was angeblich typisch ist für den Verlauf.

    ?

    Manchmal hatte Luzia in den letzten zwei Jahren in der Nacht Momente, wo sie plötzlich aufrecht im Bett sass. Ich ging dann zu ihr. Sie fixierte mich, berührte mein Gesicht und  fing dann an zu lachen.  Ich bekam dann jedesmal einen Lach-Anfall (diese Situationen waren echt lustig).

    Da ihre Pupillen, in diesen Momenten stets gross waren und sie einen starren Blick hatte, wußte ich, sie ist nicht anwesend. Von ein auf die andere Minute legte sie sich dann hin und schlief weiter. Und ich hatte noch weiter mit meinem Lachkrampf zu kämpfen.

    Luzia ist besonders

    Luzia ist heute aber sehr wohl unser „Sorgenkind“ bzw. besonders. Als Kleinkind war sie immer sehr aktiv, konnte kaum ruhig sitzen, war ständig in Bewegung, obwohl wir immer einen geregelten Tagesablauf hatten und noch immer haben (soweit es möglich ist).

    Im Kindergartenalter war es auch extrem, nie war sie müde zu bekommen. Ausdauer beim Basteln, Singen oder Spielen ect. war kaum vorhanden. In der Schule hatte sie bald Konzentrationsschwierigkeiten und war mit vielen Situationen überfordert.

    Mittlerweile ist ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom), Legasthenie bzw. eine LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) diagnostiziert worden.

    ?

    Ob das mit Nachtschreck irgendwie zusammen hängt, kann man nicht feststellen. Nichtsdestotrotz ist sie ein sehr fröhliches und hilfsbereites Kind, was uns natürlich sehr glücklich macht und wir froh sind sie zu haben. Durch Kinder wächst und lernt man. Ich hoffe nur, daß unser drittes Kind (5 Wochen alt) ruhigere Nächte haben wird.

    Es würde mich freuen, wenn ich mit meinem Bericht betroffene Eltern helfen kann, entspannter durch diese Phasen zu kommen.

    Liebe Grüße Martina (Babytalk – Leserin)

    Beitragsfoto: Irina Kozorog / shutterstock
  • Danke Mama: dass Du mich geboren hast

    Danke Mama: dass Du mich geboren hast

    Meine Geburt

    Mama, nachdem es mir dann doch zu eng wurde und ich es nicht mehr ausgehalten habe, habe ich mich auf den Weg gemacht. Wollte doch unbedingt wissen, wie Du aussiehst und ob Du Dich wirklich so über meine Geburt und um mich in deinen Armen halten zu können freust.

    Doch als ich dann hörte, wie laut Du während meiner Geburt geschrien hast, hätte ich mich am liebsten wieder in deinen Bauch verkrochen. Dein Schreien tut mir noch immer in meinem kleinen großen Herzen weh.

    Dein Tor zur Welt war aber auch wirklich dunkel und extrem eng. Da solltest Du unbedingt dran arbeiten, falls ich noch ein Schwester- oder Brüderchen bekommen sollte.

    Ich musste meinen ganzen Mut zusammen nehmen und mich richtig anstrengen und ganz klein machen, um da hindurch zu kommen. Und dann war es so grell bei Dir und erst die ganzen Leute, die um uns herum standen. Da dachte ich schon, ich wäre falsch abgebogen.

    Doch als ich dann gesehen habe, wie Du mich trotz meines zerknitterten Gesichts angeschaut hast, sind meine Beine ganz weich geworden. Wenn ich etwas mehr Zeit gehabt hätte, wäre ich natürlich vorher noch in die Maske gegangen. Ehrenwort!

    Nun weißt Du auch, warum ich noch nicht wieder allein laufen kann und Du mich tragen musst. Aber keine Sorge,  ich habe einen gut ausgearbeiteten Fitnessplan, den ich intensiv durchziehen werde, um wieder ganz schnell auf die Beine zu kommen. Versprochen!

    Dein strahlendes Gesicht sagte mir, dass ich hier trotz der vielen Leute richtig bin und Du mich liebst. So wie Du es mir vor meiner Geburt ganz doll versprochen hast. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie mir dieser Satz mein kleines Herzchen wärmte.

    Und so verspreche ich Dir auch heute wieder mein Bestes zu geben, Dich zum Strahlen zu bringen. Ganz lieben Dank Mama.

    Euer Finn (Babytalk – Charmeur)

    Mehr von Finn findet ihr unter der Babytalk – Kolumne

    Beitragsfoto: Zurijeta / shutterstock
    Pinterest: Zurijeta / shutterstock & Latino Life / Canva
  • Interview mit Dr. Ulrich Chefarzt einer Frühchen – Station

    Interview mit Dr. Ulrich Chefarzt einer Frühchen – Station

    Viele Eltern werden von heute auf morgen mit der Geburt eines Frühchen konfrontiert, mit der erstmal nicht gerechnet wird:

    Sie werden früher als erwartet Eltern.

    Bis kurz vor der Geburt geht man davon aus, eine normale Geburt und eine perfekte Schwangerschaft zu haben.

    Oft ist das aber leider nicht so, aus vielen verschiedenen Gründen kommt das Baby zu früh. Ein Frühchen zu bekommen, ist eine Situation, die  viele Eltern verzweifeln lässt und oft ist man mit den Umständen komplett überfordert.

    Zum Thema Frühchen und Frühgeborene habe ich ein Experteninterview mit Dr. med Florian Urlichs, Chefarzt der Neonatologie St. Franziskus Hospital in Münster und Facharzt für Kinder und Jugendmedizin geführt.

    Arzt auf der Frühchen Intensivstation, Traumjob?

    Sie sind Arzt auf der Frühgeborenen Intensivstation, war das ihr Traumjob? Oder wie sind Sie dazu gekommen?

    Ich habe in Stuttgart während des Praktischen Jahres die Neonatologie kennen und lieben gelernt. Ich war fasziniert von der Vielfältigkeit der Arbeit und den Möglichkeiten am Beginn des Leben zu helfen. Der Umgang mit diesen Themen und das Vorbild meiner damaligen Kollegen hat es mir immer zum Traumjob gemacht.

    Wie lange arbeiten Sie bereits in diesem Beruf?

    Ich arbeite seit 14 Jahren in der Kinderheilkunde und bin seit 4 Jahren hier Chefarzt am St Franziskus Hospital.

    Neben all den schönen Dingen, umgeben von den kleinen Kämpfern zu sein, gibt es auch viele negative Erfahrungen.

    Was war Ihr schlimmster Moment in Ihrer beruflichen Zeit?

    Es gibt nicht einen Moment, der der Schönste oder der Schlimmste war. Es gab viele bedrückende, emotionale und traurige Momente und noch mehr wunderschöne und Glücksmomente. Aber ich habe sie alle immer als Teil meines Lebens und meines Berufes (meiner Berufung) gesehen und als solche akzeptiert. Es gehört alles dazu und vielleicht half mir das, damit umzugehen.

    Wie geht man als Arzt am Besten damit um?

    Das man immer Mensch dabei ist und nicht nur Arzt. Als Mensch lasse ich dies zu und an mich heran um mit den tieftraurigen oder himmelhochjauchzenden Momenten umzugehen.

    Frühchen Dr. med Florian Urlichs, Chefarzt der Neonatologie St. Franziskus Hospital in Münster bei der Untersuchung eines Frühchens

    Eltern-Mitwirkung in der Betreuung

    Die Betreuung der Eltern vor Ort, gehört ebenfalls dazu, wie können Eltern konstruktiv mitwirken, um ihren Kleinen „zu helfen“?

    Die Eltern werden, wenn möglich schon vor der Geburt durch unser Team so an ihr Kind herangeführt, wie zum Beispiel durch die präpartale (vorgeburtliche) Bindungsförderung und präpartale Schwesternsprechstunde, indem sie möglichst in alles eingebunden werden.

    Nach der Geburt geht die psychologische Betreuung der Eltern durch die Bindungsförderung weiter, indem die Eltern ab der Geburt an ihre Kinder durch Bonding, Berührung, mit den Kindern sprechen/vorlesen herangeführt werden. Später geschieht dies durch die Einbindung in die Pflege und Versorgung und ganz wichtig in die Känguruh-Pflege.

    Die Eltern-Kind Beziehung steht während der gesamten Phase neben der gesundheitlichen Behandlung/Pflege im Vordergrund und ist wichtiger Bestandteil der Entwicklungsförderung.

    So werden wichtige Momente und Ereignisse in der Entwicklung der Frühchen für die Eltern durch Bilder, Fußabdrücke und einer Art Tagebuch festgehalten.

    Mitwirkungsmöglichkeiten der Frühchen Eltern

    Sind grundsätzlich alle Eltern dazu bereit, gewisse Maßnahmen zur Mitwirkung zu treffen, oder gibt es da auch Berührungsängste?

    Natürlich gibt es Berührungsängste, aber diese werden versucht möglichst Schritt für Schritt abzubauen, so dass Eltern und Kind immer mitgenommen werden und diesen Weg der Entwicklung selber gehen können.

    Wie wird bei Ihnen die Problematik solcher Berührungsängste gelöst?

    Die Eltern werden Schritt für Schritt an ihre Kinder herangeführt und von Anfang an in alle Ereignisse und Maßnahmen/Entscheidungen eingebunden.

    Zwischen Frühchen unterscheidet man nochmals in Extremfrühchen. Ab wann ist ein Baby ein Extremfrühchen?

    Man muss da nach Gestationsalter (Zeitraum einer Schwangerschaft) und dem Gewicht unterscheiden. Bei Kindern mit einem Gewicht von unter 1500g spricht man von Frühchen. Von Extremfrühchen spricht man bei Babys, die mit einem Gewicht unter 1000g oder unter der vollendeten 28. SSW geboren werden.

    Spätfolgen von Frühchen

    Die Angst von Spätfolgen ist immer da, aber welche sind konkret möglich? Oder welche sind ab einer bestimmten Woche eventuell sogar garantiert?

    Konkret sind bei Geburt, egal in welcher Schwangerschaftswoche keine Spätfolgen vorhersagbar. Die Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab, entscheidend ist aber die Förderung und der Bindungsstatus der Mutter für eine positive Entwicklung. Auch bei Extremfrühchen an der Grenze der Lebensfähigkeit ist es möglich, dass sich diese normal entwickeln.

    Wie werden die Eltern auf Spätfolgen vorbereitet?

    Mit den Eltern werden die Entwicklungsmöglichkeiten, die von einer schweren Behinderung bis zu einer ganz „normalen“ Entwicklung reichen immer wieder, genauso wie die Förderungsmöglichkeiten, mit viel Zuversicht gebend und Mut machendthematisiert.

    Was kann man gegen gewissen Spätfolgen im späteren Verlauf unternehmen? Gibt es Förderungen?

    Das hängt sehr von der Art der Probleme des Kindes ab. Gegen manche Spätfolgen kann man wenig unternehmen. Man kann die Kinder aber mit Physiotherapie, Ergotherapie, Lerntherapie, Logopädie, Motopädie in ihrer Entwicklung unterstützen. Und vor allem auch die Familie psychologisch unterstützen und auf ein Leben mit einem Extremfrühgeborenen vorbereiten.

    Und zum Schluss, kann man irgendwann sagen „Ein Frühchen ist nun aus dem Schneider?“ also sprich ab einem gewissen Alter sieht/merkt man das Frühchen-Sein, dem Kind nicht mehr an?

    Das hängt auch von der Entwicklung ab und die verläuft die ganze Kindheit ab und die ist eigentlich nie wirklich abgeschlossen.

    Yvonne

  • So lernt dein Kind, sich allein zu beschäftigen

    So lernt dein Kind, sich allein zu beschäftigen

    „Mama spielst du mit mir ? “ Jede Mama hört diesen Satz bestimmt mehrmals täglich. Oft in Situationen wo es gerade überhaupt nicht passt. Denn gerade nach dem Einkaufen, dem Kochen oder beim Putzen brauchen Eltern mal kurz ihre Ruhe. Dann ist es natürlich ein Segen, wenn die Kinder sich alleine beschäftigen können.

    Aber die Frage, die sich stellt ist, will das Kind sich nicht alleine beschäftigen, oder kann es dies nicht? Denn immerhin können sich schon Babys von ganz alleine auf etwas konzentrieren und sich Minutenweise alleine beschäftigen. Somit entdecken schon Babys ihr Umfeld mit allen Sinnen und gewinnen so neue Eindrücke.

    Diese Fähigkeit sich alleine beschäftigen zu können, können wir als Eltern unserem Kind allerdings auch abtrainieren. Indem wir es einfach zu gut meinen und unser Kind pausenlos beschäftigen. Ich habe diesen Fehler teilweise auch gemacht. Gerade wo meine Große noch ein Einzelkind war.

    Ich dachte, ich muss sie ständig beschäftigen, ihr immer wieder neue Dinge zum Spielen anbieten, dabei hatte sie eigentlich gerade mehr Spaß die Fliege an der Wand zu beobachten. Denn sie beschäftigte sich schon alleine, nur ich sah dies nicht als Beschäftigung, sondern dachte es wäre Langeweile.

    Wenn unsere Kleinen es dann lernen, sich unabhängig von uns Eltern zu beschäftigen und zu konzentrieren, stärkt es ihr Selbstwertgefühl. Aber wie könnt ihr euer Kind beim alleinigen spielen unterstützen? Diese Frage habe ich mir auch damals gestellt, meine Hebamme gab mir  wirklich tolle Tipps, die ich jetzt gerne an euch weiter gebe.

    Eine aufregende Umgebung schaffen

    Beispielsweise liegt euer Kind gerade auf der Krabbeldecke. Legt ihm einfach mal Spielzeug in greifbare Nähe, nicht zu viel, ein klein wenig Auswahl reicht schon. Wichtig ist, dass euer Kind dieses Spielzeug nur bekommt, wenn es sich alleine damit beschäftigt. Dies erhöht den Anreiz und fördert die Kreativität.

    Doch es muss nicht immer Spielzeug sein, womit euer Kind spielen kann. Auch Alltagsgegenstände wie Tücher, Töpfe, kleine Dosen oder Zeitungen, lassen sich gut zur Beschäftigung nutzen. Wichtig ist, dass sobald das Kind alleine spielt, es nicht gestört wird.

    Schreitet also nur ein, wenn es absolut notwendig ist. Dies kostete mich am Anfang auch viel Überwindung. Ich hatte immer das Gefühl eingreifen zu müssen, aber durch meine Zurückhaltung, erfand meine Tochter ganz eigene Spielwege, die sie so mit mir, vielleicht sonst nicht entdeckt hätte.

    Die meisten Babys und Kleinkinder liegen beispielsweise nach dem Aufwachen erst einmal ruhig in ihrem Bett. Sie spielen mit Händen und Füßen oder plappern vor sich hin. Diese Momente, in denen sich das Kind selbst genug ist, sind der Beginn des selbstständigen Spiels.

    Natürlich könnt ihr diese Phase ganz toll erweitern, in dem ihr Spielzeug an den Gittern befestigt, womit sich das Kind dann noch selbst beschäftigen an.

    Allein Spielzeiten sind wichtig

    Am besten lernen Kinder sich alleine zu beschäftigen wenn, es Alltag wird. Übt dies am besten 2-3 x am Tag für eine kurze Zeit. Bietet ihm Spielzeug an und lasst es sich kurz, für den Anfang werden je nach Alter  5-10 Minuten empfohlen, alleine damit spielen. Sollte euer Kind am Anfang nicht gewillt sein dies alleine zu tun, setzt euch dazu.

    Spielt neben eurem Kind aber nicht mit ihm. Sobald es in seinem eigenen Spiel abgetaucht ist, macht ihr andere Tätigkeiten. Zum Alleinspielen gehört, dass euer Kind weiterspielt, auch wenn ihr es einige Minuten allein im Raum lasst. Dies übt ihr am besten ab einem Alter von 4-5 Monaten.

    Wählt einen Moment, wo euer Kind total im Spiel ist, wenn es abgelenkt ist und gar nicht mitbekommt, dass ihr geht. So könnt ihr die Zeiten nach und nach verlängern. Sollte es am Anfang so überhaupt nicht klappen, erklärt eurem Kind, wohin ihr geht. Kündigt eurem Kind, an das ihr kurz auf die Toilette geht, oder etwas in der Küche machen müsst.

    Nicht zuviel auf einmal erwarten

    Ganz wichtig, wie bei allem in der Kindererziehung, ist es nicht zuviel zu erwarten. Im Alter von 1-3 Jahren ist es ganz normal das nicht Kinder nicht länger als 15-30 Minuten alleine und selbstständig spielen. Natürlich ist dies auch von Kind zu Kind unterschiedlich.

    Es gibt Kinder, die lieber für sich sind und sich ganz in ein spiel vertiefen können. Es gibt aber auch Kinder, die lieber in Gesellschaft spielen, oder sich eben schwer auf das Alleinspiel einlassen können.

    So oder so macht Übung den Meister und ihr als Eltern könnt euch zumindest eine kleine Auszeit gönnen, aber vor allem das Selbstwertgefühl eures Kindes stärken.

    Eure Nicole (Babytalk – Autorin)

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    Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:

    Beitragsfoto: Oksana Kuzmina / shutterstock