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  • Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Eine Doula ist eine Person – meistens eine Frau – die eine Gebärende vor, während und nach der Geburt seelisch, moralisch sowie körperlich unterstützt. Sie ist keine medizinische Fachperson im eigentlichen Sinne, hat aber mehrere entsprechende Kurse besucht und wird mit einem Diplom ausgezeichnet.

    Ein ganz großer Vorteil ist, dass die Frauen ihre Betreuerin lange vor der Geburt auswählen, kennenlernen und somit eine weitere, vertraute Person als zusätzliche Unterstützung im Gebärsaal haben, auf die sie sich verlassen und deren Hand sie unter den Wehen getrost ordentlich quetschen kann.

    Diese «Fremd-Unterstützung» während der Geburt hat sich nicht nur bewährt, sondern senkt nachweislich das Risiko für Mutter und Kind. Die Sterblichkeitsrate, das Risiko einer instrumentell unterstützten Geburt oder eines Kaiserschnitts, die Schmerzmittelgabe sowie die Anzahl der Wehenstunden sind bei Geburten mit Doula-Begleitung deutlich geringer.

    Ich unterstütze die Doula-Arbeit, denn eine kontinuierliche, positive, emotionale Unterstützung während der Geburt ist unglaublich wichtig. Zudem berichten Frauen, die mit Doulas gebären, von weniger negativen Geburtserfahrungen.

    Seit wann gibt es eigentlich Doulas?

    Der Begriff stammt aus dem Griechischen, bedeutet soviel wie «Dienerin» und ist seit ca. 1969 gebräuchlich. Früher war Gebären reine Frauensache und außer einer Hebamme war noch eine weitere Person zur Unterstützung dabei.

    In der westlichen Welt hat sich das in letzten 50 Jahren stark verändert, auch der Mann ist nun mit dabei. Grundsätzlich finde ich es gut und wichtig, dass Väter bei der Geburt ihrer Kinder dabei sind.

    Leider erstarren aber viele Männer wie hypnotisierte Kaninchen, sobald Blut oder andere Körperflüssigkeiten sichtbar werden und sind gar nicht mehr fähig, ihren Frauen beizustehen. Dann kommt die Doula zum Zug, was auch viele Männer begrüssen, lastet so die Verantwortung nicht allein auf ihren Schultern.

    Ich habe eine Doula gefragt, warum sie sich zur Doula ausbilden ließ. Sie erzählte mir, sie habe sich bei ihrer ersten Geburt allein gefühlt, da die Hebamme nicht so viel Zeit hatte, ihr Mann wie gelähmt war und sie kaum unterstützen konnte. Er wollte es zwar, doch der Anblick seiner leidenden Frau machte ihn komplett hilflos.

    Sie mache ihm keine Vorwürfe, habe aber gemerkt, dass sie beim nächsten Mal eine zusätzliche Unterstützung möchte und bräuchte. Und so war bei ihrer zweiten Geburt eine Doula dabei. Ein riesiger Unterschied: Sie erlebte die Geburt als sehr positiv, trotz relativ langer Dauer.

    Und nach dieser positiven Erfahrung habe sie sich dazu entschieden, selber Doula zu werden. Mittlerweile hat sie vier Kinder und begleitet 5-7 Frauen pro Jahr durch die Geburt.

    Eine Doula bietet moralische Unterstützung im Kreissaal

    Ich persönlich schätze die Arbeit von Doulas im Gebärsaal sehr. Die moralische Unterstützung, die sie der Gebärenden bietet, ist in den meisten Fällen deutlich größer, als wenn sie alleine von ihrem Partner begleitet wird. Zudem integrieren Doulas meist auch den Mann besser in den Geburtsprozess.

    Noch nie hat mir eine Doula bei meiner Arbeit reingeredet. Ich nehme sie stets als positiv unterstützender Faktor für die Gebärende wahr und finde die Zusammenarbeit sehr spannend. Vor allem, wenn viel los ist und ich mehrere Frauen gleichzeitig bei der Geburt begleite, schätze ich eine Doula umso mehr.

    Eine Geburt ist ein extremes Ereignis und wenn eine Frau entsprechend adäquate, fachliche und emotionale Hilfe erhält, geht das meistens gut aus und bleibt als positives, schönes Erlebnis in aller Erinnerung.

    Eure Dayo  (Hebamme)

    Bist Du interessierst an dieser wundervollen Arbeit einer Geburtsbegleiterin? Wir bilden Doulas nach internationalen Standards aus. Nähere Informationen zu dieser sehr fundierten Ausbildung findest Du hier. Falls Du mindestens 15 Stunden pro Woche beschäftigt bist (und/oder gerade in Elternzeit), hast Du die Chance auf  eine Bildungsprämie/-scheck im Wert von 500 Euro. (Hinweis der Redaktion)

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  • Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen und wie man sie lindern kann

    Geburtsschmerzen sind die einzigen Schmerzen, die wirklich Sinn machen, sagt der Volksmund. Er wird sehr individuell wahrgenommen. Aber warum ist das so und warum tut Kinderkriegen überhaupt weh? Wie kann die Frau mit den Schmerzen unter der Geburt umgehen und wie kann man sie lindern?

    Dieser besondere, einzigartige Schmerz entsteht, wenn sich die Gebärmutter sehr stark zusammenzieht (Kontraktion). Sie wird durch Bänder stabilisiert, die wiederum mit der Wirbelsäule verbunden sind.

    Deshalb beschreiben fast alle Frauen, dass unter den Wehen auch ihr Kreuz schmerzt.

    Die Wehen

    Wehen kommen in Wellen und ebben wieder ab. Am Anfang der Geburt fühlen sie sich meistens wie ziehende Menstruationsschmerzen an und werden im Fortschreiten der Geburt immer stärker.

    Steht eine Frau unter der Geburt, hat sie ca. alle drei Minuten eine Wehe. Eine Minute davon ist die eigentliche Kontraktion, zwei Minuten ruht die Gebärmutter.

    Diese Pause ist extrem wichtig, damit sich die Gebärende erholen und vor der nächsten Kontraktion wieder einen normalen Atem-Rhythmus finden kann.

    Es gibt verschiedene Methoden, mit dem Schmerz umzugehen. Wir Hebammen sind unter anderem dafür da, den Frauen dabei zu helfen. Wir unterstützen sie auch beim Entspannen zwischen den Kontraktionen.

    Denn je verspannter eine Gebärende ist, umso schmerzhafter empfindet sie die Wehen. Viele Frauen gelangen irgendwann an den Punkt, wo der Schmerz allen Raum einnimmt und sie nicht mehr mit ihm umgehen können.

    Dann kommen meistens Schmerzmittel zum Zug. Opiate bringen Linderung, eine Rückenmarksanästhesie (PDA) schaltet den Schmerz fast komplett aus.

    Es gibt nicht wenige Frauen, die ihr Kind ganz ohne Schmerzmittel zur Welt bringen.

    Warum gelingt dies den einen, den anderen aber nicht?

    Das Schmerzempfinden ist sehr individuell. Als Hebamme kann ich bestätigen, dass es große Unterschiede in der Schmerzempfindung bei Gebärenden gibt.

    Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Ist die Frau erholt? Hat sie Erfahrung mit Schmerzen? Fühlt sie sich sicher und gut aufgehoben? Je nachdem variiert auch das Schmerzempfinden.

    Studien haben gezeigt, dass Frauen, die über den Geburtsprozess gut informiert sind und wissen, was mit ihrem Körper passiert, besser mit dem Schmerz umgehen können.

    Dies ist absolut logisch. Denn wer Angst hat vor dem Unbekannten, verspannt sich. Und Verspannungen führen zu mehr Schmerz.

    Dieses Prinzip der Angst-Spannung-Schmerz-Spirale ist in der Geburtshilfe ein bekanntes Phänomen. Sie zu durchbrechen gelingt nicht immer und endet meist im Wunsch nach starken Schmerzmitteln oder einer PDA.

    Die sogenannte sanfte Geburt

    Die sogenannte sanfte Geburt, auch Hypnobirthing genannt, ist ein „neuer Trend“ bzw. eine Rückkehr zur natürlichen Geburt. Hier versetzt sich die Gebärende in eine tiefe Entspannung bzw. eine Art Selbsthypnose und nimmt dadurch die Geburtsschmerzen (fast) nicht mehr wahr.

    Diese Frauen gehen mit einer positiven Einstellung in Bezug auf den Schmerz in die Geburt. Dies allein ist meiner Meinung nach schon das halbe Ticket.

    Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Frauen, die diese Methode in der Frühschwangerschaft zu trainieren beginnen, deutlich besser mit ihren Wehen umgehen und meist natürlich und ohne Schmerzmittel gebären können.

    Wichtig ist mir, dass eine Frau selber entscheiden kann und soll, wie sie gebären will und welche Schmerzmittel sie wann haben möchte.

    Oft erlebe ich, dass Männer nach einer PDA fragen, weil es ihnen sehr schwerfällt, ihre Liebste leiden zu sehen.

    Ja, eine Geburt ist ein schmerzhaftes Ereignis! Aber wir Frauen sind dafür gemacht, diesen Prozess durchzustehen. Dank der modernen Medizin kann das auch fast schmerzfrei geschehen.

    Kaiserschnitt versus Geburtsschmerzen

    Immer wieder entscheiden sich Schwangere aus Angst vor den möglichen Geburtsschmerzen für einen Kaiserschnitt. Trugschluss!

    Denn ein Kaiserschnitt ist eine Operation. Die Schmerzen folgen unmittelbar nach dem Ereignis und sind oft mehrere Wochen nach der Geburt noch spürbar.

    Solange es Mutter und Kind gut geht, lohnt es sich meiner Meinung nach immer, eine natürliche Geburt anzustreben. Wenn die Schmerzen zu groß werden, kann jederzeit auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden.

    Nach einer Spontangeburt erholt man sich schneller und hat nicht mehrere Wochen lang Schmerzen.

    Das Schöne am Geburtsschmerz ist, dass sein Ende absehbar ist. In den allermeisten Fällen wird man mit einer der größten Freuden des Lebens belohnt: Einem Kind.

    Viele Frauen vergessen zudem vor lauter Freude über das Baby ihre Schmerzen sehr schnell und erleben nicht selten nach wenigen Monaten oder Jahren dasselbe ein weiteres Mal.

    Zusammenfassend: Faktoren, die das Empfinden der Geburtsschmerzen beeinflussen

    • „ausgeruht“ und vorbereitet bzw. gut informiert über den Geburtsverlauf
    • eine positive Einstellung Schmerzen und der Geburt gegenüber
    • fühlt sich sicher, informiert und vertraut den sie begleitenden Personen

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: PixieMe / shutterstock
  • Reisen mit Babys – ein lohnendes Abenteuer

    Reisen mit Babys – ein lohnendes Abenteuer

    Reisen mit Baby: Du wirst wahrscheinlich in den ersten Wochen nach der Geburt Deines Babys nicht viel ans Reisen denken. Zwischen Fütterungen und Windelwechseln erfordert ein neues Baby praktisch Deine gesamte Aufmerksamkeit. Das ist anstrengend und anspruchsvoll. Viele Mütter haben auch davor Angst, dass sich Neugeborene auf Reisen etwas einfangen könnten. Darum findet ihr nachfolgend ein paar hilfreiche Tipps.

    Zum Glück sind Säuglinge nicht so «zerbrechlich», wie die Eltern manchmal fürchten. Ab dem Alter von rund drei Monaten sind Babys im Grunde bereit fürs Reisen. Viele Eltern haben das Gefühl, sie müssten ihren halben Hausrat mitnehmen, damit sich das Kind wohl fühlt.

    Dem ist jedoch nicht so. Für ein kleines Baby ist das Zuhause genau da, wo seine Eltern sind. Das Reisen mit einem kleinen Baby gestaltet sich oft einfacher als mit einem Kind, das bereits krabbeln, klettern und somit in Schwierigkeiten geraten kann. Also nutze die Gunst der Stunde und gehe mit Deinem noch nicht allzu agilen Baby auf Reisen. Folgendes ist dabei zu beachten:

    Anziehsachen fürs Baby auf Reisen

    Wichtig auf Reisen: Immer genügend Kleider einpacken. Denn: Wenn die «Kaka-Explosions-Phase» – wie ich sie nenne – einmal da ist, dann hat man idealerweise Ersatzkleider zur Hand.

    Ich habe mich schon oft gefragt, wie es möglich ist, dass ein derart kleines Geschöpf innert wenigen Sekunden bis nach oben zu den Schulterblättern voll sein kann. Meine drei Kids haben mir regelmäßig bewiesen, dass dies ohne weiteres geht.

    Falls Ihr mit dem Auto reist, lohnt es sich einen Stoffbezug als Ersatz für den Autositz zu haben. Ich habe meist ein normales Frottiertuch dazu umfunktioniert.

    Reisen mit Babys im Flugzeug

    Die meisten Fluggesellschaften bieten für lange Flüge kleine Babybetten an. Die lohnen sich sehr, da es Deinem Baby ein bequemes Schlafen ermöglicht. Diese Betten werden mit einer Vorrichtung an der Wand direkt vor Dir montiert. Praktisch!

    Das Wichtigste beim Fliegen mit Babys ist jedoch, ihnen beim Starten und Landen mit dem Druckausgleich zu helfen. Da das Kind beim Starten und Landen nach vorne gerichtet sein sollte, ist Stillen leider keine Möglichkeit. Ich würde darum eine Flasche mit Wasser, Tee oder Pulvermilch dabeihaben und darauf achten, dass Dein Kind davon trinkt.

    Während des Fluges kann natürlich gestillt werden. Da das Wasser im Flugzeug mit extra Chemikalien angereichert ist, sollte es nicht für Pulvermilch verwendet werden. Es lohnt sich nach dem Sicherheitscheck am Flughafen, eine Thermoskanne mit heissem Wasser in einer Bar oder einem Restaurant aufzufüllen.

    Ratsam beim Fliegen ist auch ein Set Ersatzkleider für dich und dein Baby. Ich erinnere mich, wie unser Sohn seinen Papa während eines Fluges voll gekotzt hat. Mein Mann hatte keine Ersatzkleider dabei und musste über mehrere Stunden mit stinkenden Kleidern dasitzen. Heute lachen wir beide darüber. Damals (vor allem er) nicht.

    Wenn du in eine andere Zeitzone reist und dir Sorgen um den Tagesrhythmus Deines Babys machst, gibt es ein paar einfache Tricks. Beginne schon ein paar Tage vor der Reise den Schlafrhythmus deines Babys zu verschieben. Mehr als eine Stunde pro Tag ist jedoch sehr schwierig.

    Es lohnt sich daher, früh genug damit anzufangen. Wenn ihr am Reiseziel angekommen seid, solltest du dein Baby für kurze Zeit dem direkten Sonnenlicht aussetzen. Dies signalisiert dem Kind, dass es noch Tag ist.

    Reisen mit dem Auto

    Viele Kinder schlafen automatisch ein bei langen Autofahrten. Dies ist praktisch für die Eltern, kann sich aber sehr negativ auf den Rhythmus des Babys auswirken. Ich würde daher genügend Pausen machen und das Kind immer wieder bewusst wecken. Eventuell eine Decke mitnehmen, die ihr auf den Boden legen könnt, damit das Baby auch mal strampeln kann. Ein Kind braucht immer wieder etwas Bewegung.

    Babys nicht ungeschützt der Sonne aussetzen

    Die Haut von Babies ist nur ein Zehntel so dick wie die von Erwachsenen. Ein Baby kann bereits nach fünf bis zehn Minuten direkter Sonneneinstrahlung einen Sonnenbrand erleiden. Dies kann mit einer schweren Verbrennung verglichen werden und löst oft Fieber aus. Darum ist es extrem wichtig, die Babys vor Sonneneinstrahlung zu schützen.

    Da sich eine Sonnencreme mit chemischem UV Filter negativ auf die Gesundheit von Babys auswirken kann, ist eine Sonnencreme mit Mikropigmenten zu empfehlen. Die Kinder sollten ca. 30 Minuten vor der Exposition eingecremt werden, damit sich die Wirkung voll entfalten kann.

    Nach ausgiebigem Baden sollte die Creme wiederholt aufgetragen werden, um den Hautschutz aufrechtzuerhalten. Bei Strandferien lohnt es sich, Kleider mit UV Schutz zu kaufen, um die Haut noch besser zu schützen.

    Hygiene

    Der Hygienefaktor auf Reisen mit Babys ist sicher von Bedeutung. Wenn ein Kind in der oralen Phase ist, lohnt es sich darauf zu achten, dass das Kind nicht alles in den Mund nimmt. Aber gerate nicht gleich in Panik, wenn dein Kind doch mal etwas ableckt oder am Strand Sand ins Maul stopft.

    Viel wichtiger ist es, sauberes Trinkwasser zu verwenden. Und vergesse nicht, jedes Mal wenn dein Kind «Dreck» isst, stärkt es sein Immunsystem. Wenn es auch nicht ausarten sollte.

    Reiseapotheke für Reisen mit Babys

    Eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Medikamenten dabei zu haben, lohnt sich auf jeden Fall und ist sehr zu empfehlen. Es kann ziemlich mühsam sein, in einem fremden Land, das richtige Medikament für dein Baby zu finden. Je nach Destination lohnt es sich, den Kinderarzt zu fragen, was ihr dabeihaben sollt.

    Aber das Wichtigste ist, dass euch die Reise Spass macht. Wenn die Eltern glücklich sind, Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen, übertragt sich das meistens auch auf das Baby. Ich habe das Reisen mit meinen Kindern immer sehr genossen und kann es allen wärmstens empfehlen.

    Liebe Grüße

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto: NadyaEugene / shutterstock
    
  • Natürliche Geburtseinleitung – Expertenrat

    Natürliche Geburtseinleitung – Expertenrat

    Geburtseinleitung: Wie mühsam ist es doch, wenn der Geburtstermin überschritten wurde. Wenn die Wehen nicht bald von alleine starten, „muss“ bzw. wird nachgeholfen.

    Eine Einleitung der Wehen nach dem errechneten Geburtstermin wird häufig mit chemischen Mitteln vorgenommen.

    Betachte: Jeder Eingriff in den natürlichen Verlauf kann zu Komplikationen führen.

    Weil medikamentös ausgelöste Wehen unangenehmer sein können als natürliche, probieren viele Frauen alternative Methoden der Geburtseinleitung. Hier noch einige natürliche Tipps die evtl. vorher oder als Ersatz benutzt werden können.

    Alle diese Maßnahmen sollten jedoch frühestens angewendet werden, wenn die vierzigste Schwangerschaftswoche erreicht wurde oder die Hebamme bzw. der Arzt es empfohlen hat. Denn eine Schwangerschaft dauert bis zu 42 SSW und jede Frau und jede Schwangerschaft hat ihre individuelle Tragzeit. Nicht zuletzt werden nur 3% aller Kinder am berechneten Geburtstermin geboren.

    Alternative Methoden der Geburtseinleitung

    Bewegung

    Geburtseinleitung Spazieren gehen

    Zu Hause sitzen und auf Wehen warten, hilft wahrscheinlich nicht viel. Spaziergänge oder generell mehr Bewegung können Wehen auslösen. Mehrmals die Treppe rauf und runter steigen, vielleicht mal einen steilen Hügel hinauf gehen oder ein bisschen Powerwalken.

    Weit verbreitete Geburtseinleitung – Stimulieren der Brustwarzen

    Geburtseinleitung Belastungs CTG nach Brustwarzenstimmulation

    „Natürliches“ Belastungsctg am ETPlus3. Morgens um 9.00 Uhr ist eine Gebärmutter nämlich eigentlich ruhig.

    Es lohnt sich aber nicht, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein – auch Ruhe ist angesagt. Wenn eure Wehen wirklich einsetzen, solltet ihr nicht bereits erschöpft sein. Das Stimulieren beziehungsweise Massieren der Brustwarzen kann auch zu Wehen führen. Dies sollte jedoch über einige Tage praktiziert werden.

    Die Methode ist einfach: Massiert euch die Brustwarzen sanft während einer Minute. Nach einer kurzen Pause ca. zwei bis fünf Minuten weiter massieren. Die Brustmassage löst im Körper die Ausschüttung des Wehenhormons Oxytocin aus. Die werdenden Papis sind meistens recht motiviert, behilflich zu sein.

    Liebe machen

    «All you need is love!» – das sangen bereits die Beatles. Eines der effektivsten Dinge ist, Liebe zu machen. Obschon dies mit einem großen und schweren Bauch zugegeben nicht immer einfach ist. Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen.

    Der Spassfaktor sollte natürlich weit oben stehen. Alles was Spass macht, macht glücklich und entspannt. Bereits der mechanische Reiz vom Penis im Muttermund kann Wehen auslösen. Der Druck auf den Muttermund führt zum sogenannten Ferguson-Reflex, welcher eine Oxytocin-Ausschüttung im mütterlichen Körper bewirkt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Sperma.

    Im Sperma sind Prostaglandine drin, die dafür zuständig sind, den Gebärmutterhals weich zu machen und ihn zu verkürzen. Bei der medikamentösen Einleitung werden genau diese Prostaglandine eingesetzt. Die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur beim Orgasmus der Frau fördert ebenfalls die Wehen. Sanfter, liebevoller Sex mit der schwangeren Frau ist ein Akt der Liebe und fördert die Wehen und unterstützt somit die Geburtseinleitung.

    Geburtseinleitung: Bauchmassage und Bad

    Eine Bauchmassage oder ein warmes Bad kann helfen ebenfalls, die Wehen auszulösen – vor allem, wenn schon ein bisschen Vorwehen da sind. Es ist ratsam, als Hochschwangere nur dann ein Bad zu nehmen, wenn jemand zu Hause ist.

    Die Bauchmassage sollte immer im Uhrzeigersinn gemacht werden. Mit einer Massage im oberen Drittel der Gebärmutter können die Wehen verstärkt werden. Dies wird bei Wehenschwächen auch unter der Geburt von vielen Hebammen so gemacht.

    Manchmal genügt auch schon ein Einlauf, um eine Geburt einzuleiten. Dies ist vor allem dann wirksam, wenn eine Frau verstopft ist. Der Darm und die Gebärmutter liegen aneinander und sind von der gleichen Muskulatur beschaffen. Wenn der Darm arbeitet, arbeitet die Gebärmutter mit.

    Wehencocktail

    Ein sehr effektives und alternatives Mittel, um eine Geburt einzuleiten, ist der sogenannte «Wehencocktail». Er birgt jedoch auch einige Risiken und sollte daher nur unter medizinischer Kontrolle angewendet werden.

    Beim Cocktail werden Aprikosensaft, Rizinusöl und Sekt zusammengemischt und getrunken. Diese Mischung bewirkt eine gesteigerte Darmaktivität (meistens Durchfall) und eine leichte lokale Entzündung im Darm.

    Die lokale Entzündung bewirkt, dass Prostaglandine ausgeschieden werden. Prostaglandine werden wie oben beschrieben auch bei der medikamentösen Geburtseinleitung verwendet. Dies erklärt, warum der Wehencocktail so erfolgreich ist.

    Aber wie bereits erwähnt: immer nur in Rücksprache mit einer medizinischen Fachperson anwenden und nicht mit anderen anregenden Methoden mischen.

    Nelkenöltampons

    Mischung:

    Hierbei werden 50 Tropfen Nelkenblätteröl mit 30ml Mandelöl gemischt, wovon 5 Tropfen auf ein handelsübliches Tampon gegeben werden. Liegedauer: eine Stunde. Wiederholung der Anwendung nach sechs Stunden.

    Indikation:

    Bei Terminüberschreitung oder kurz vor der geplanten Einleitung z.B. insulinpflichtiger Schwangerschaftsdiabetes.

    Anwendung:

    Die Anwendung von Nelkenöltampons löst bei ca. 32% aller Frauen Wehen aus. (Dörken et al. Geburtseinleitung mit Nelkenöltampons – erste Studienergebnisse – aus: „Die Hebamme“ 2004/1)

    Datteln essen zur Geburtseinleitung

    In Irbid an der jordanischen University of Science and Technology wurde der Effekt des Verzehrs von Datteln auf den Verlauf der Geburt untersucht. In dieser prospektiven Studie aßen 69 Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche sechs Datteln pro Tag bis zu ihrem errechneten Geburtsdatum.

    Zusammenfassend lässt sich ein regelmäßiger Konsum von Datteln in den letzten vier Wochen vor der Geburt empfehlen.

    Geburtseinleitung mit Akupunktur

    Erkundigt euch bei euer Hebamme oder im Krankenhaus, ob sie Akupunktur zur Geburtseinleitung anbieten. Ich selber habe schon viele positive Erfahrungen damit gemacht und konnte so bei vielen Frauen die Geburt einleiten.

    Wehen-Tagesprogramm

    Bei so vielen Methoden könnte man sich fast schon ein Tagesprogramm zusammenstellen. Ich nenne es den «Wehen-Tag». Ein mögliches Programm kann so aussehen:

    • Starte den Tag damit, Liebe mit eurem Partner zu machen. Massiert euch anschließend unter der Dusche sanft und gleichmässig den Bauch. Danach gönnt euch ein gutes Frühstück. Dann ab zum Spazieren gehen und Treppensteigen.
    • Zum Mittagessen etwas Scharfes essen und einen Schweppes Tonic trinken (enthält Chinin, eine wehenanregende Substanz). Nach dem Essen hilft ein Powernap, um Energie für einen weiteren Spaziergang zu finden. Mitten im Nachmittag wieder einmal so richtig gründlich Staubsaugen und dabei so oft wie möglich in die Hocke gehen.
    Geburtseinleitung Hochschwangere beim Staubsaugen
    • Am Abend mit dem Schatz fein essen gehen. Nach Hause spazieren und dann noch mal Lieben machen.

    Hmmmh, ich finde, das hört sich gar nicht so schlecht an. Ganz unter uns: Wenn es nicht gleich auf Anhieb hilft, dann habt ihr wenigsten vor der Geburt noch einen schönen Abend mit eurem Schatz verbracht.

    Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es nach der Geburt wahrscheinlich einen Moment dauern wird, bis ihr wieder einen schönen Abend zu zweit genießen könnt. Und daher nenne ich das eine Win-Win-Situation.

    Viel Erfolg und gutes Gebären! Eure Dayo (Hebamme)

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  • Hypnobirthing, die sanfte Geburt – Expertenrat

    Hypnobirthing, die sanfte Geburt – Expertenrat

    Hypnobirthing ist eine sogenannte „sanfte“ Geburt. Die Frau lernt, sich in Hypnose bzw. Tiefenentspannung zu versetzen – diese löst Ängste und somit körperliche Anspannungen auf.

    Somit kann die Frau deutlich besser mit Wehen und Schmerzen umgehen und sich voll auf die «Arbeit» ihres Körpers und auf die Geburt konzentrieren bzw. einlassen.

    Sie ist auf diese Weise nicht von Ängsten blockiert, und der natürliche Geburtsvorgang kann ohne mentale Blockaden ablaufen. Die Frauen machen dies mit Visualisierungen, Affirmationsübungen, Mantras und aktiver Kontaktaufnahme mit dem ungeborenen Kind.

    HypnoBirthing: Tiefenentspannt gebären

    Manche bezeichnen das ganze als «Hokus Pokus», als unmöglich oder unrealistisch. Ich habe bislang viele Frauen während der Geburt betreut, die es geschafft haben mittels Tiefenentspannung die Geburtsschmerzen zu minimieren. Hypnobirthing beruht auf altbekannte Ratschläge und Erfahrungen, bloß etwas neu verpackt und zusammengeführt.

    Zugegeben: Es ist schwierig, sich im sterilen Klinikalltag und in der instrumentalisierten Geburtshilfe auf diese Werte zu besinnen. Daher besuchen die meisten Frauen Kurse, um sich auf die Geburt einzustimmen. Es gibt auch lesenswerte Bücher dazu. Die «erfolgreichen» Hypno-Geburten, die ich erlebt habe, waren vorwiegend mit Frauen, die einen Kurs besucht hatten.

    Übung macht den Meister

    Mein Fazit: Je früher die Frauen in der Schwangerschaft mit dem Training begannen, desto besser konnten sie es während der Geburt umsetzen.

    Eine meiner eindrücklichsten Erfahrungen war die Wassergeburt einer zweitgebärenden Frau. Sie hat mit kurzen Unterbrüchen ca. vier Stunden in der Wanne gesessen und war während der Wehen wirklich komplett bei sich, wie in einer Art Trance (Tiefenentspannung).

    In den Wehenpausen hat sie wenn nötig kommuniziert. Außer der hörbaren Atemgeräusche der Gebärenden war es still im Gebärsaal. Sie hat während den Wehen ein Mantra stetig wiederholt und sich dadurch entspannt.

    Als es zu den Presswehen kam, ist sie kurz unruhig und nervös geworden. Ihr Mann hat ihr dann unter Blickkontakt das Mantra immer wieder laut vorgesagt bis sie ihren Entspannungszustand wieder erreichte.

    Schließlich hat sie das Kind in drei sanften Presswehen herausgeatmet und geboren. Diese Geburt war geradezu spirituell und war auch für mich ein sehr schönes Erlebnis.

    HypnoBirthing – Mentaltraining hilft zu entspannen

    Aus meiner Erfahrung braucht es gewisse Grundvoraussetzungen, damit ein HypnoBirthing funktioniert. Es ist sicher hilfreich, wenn die Frau bereits Erfahrung mit Mentaltraining hat.

    Sie ist entweder erfahren in der Meditation oder war vielleicht im Leistungssport aktiv, wo sie Erfahrungen mit Mentaltraining gemacht hat.

    Auch sollten die Frauen wissen, was mit ihrem Körper während der Geburt passiert. Denn das Unwissen über die konkreten Abläufe und die starken Schmerzen machen den Frauen viel Angst. Wenn man etwas versteht, kann man es nachvollziehen und sich viel besser darauf einlassen.

    Eins-zu-Eins-Betreuung während der Geburt

    Eine weitere wichtige Grundvoraussetzung ist, dass sich die Gebärende an ihrem Geburtsort mit ihrer Hebamme wohl fühlt. Studien belegen, dass Frauen, die bei ihrer Geburt eine Eins-zu-Eins-Betreuung hatten, tendenziell ein besseres Geburtserlebnis erleben. Leider ist dies in den meisten Kliniken nicht möglich, was auch für uns Hebammen sehr enttäuschend ist.

    Es gibt nichts frustrierendes, als wenn eine von mir betreute Frau eine Periduralanästhesie (PDA) bekommt, weil ich ungenügend Zeit hatte, sie durch die Wehen zu begleiten. Nicht, dass ich generell etwas gegen die PDA habe.

    Sie kann auch ein absoluter Segen sein. Jedoch ist der wichtigste Teil meiner Arbeit als Hebamme, die Frau bei ihren Wehenschmerzen zu unterstützen und ihr das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.

    Im Prinzip ist das Gebären eine Situation, der man sich einfach «hingeben» muss. Dieses Hingeben und Akzeptieren scheint den Frauen, die sich mittels HypnoBirthing auf die Geburt vorbereitet haben, gut zu gelingen.

    In diesem Video findet ihr weitere Informationen zu HypnoBirthing.

    Eure Dayo (Babytalk)

    Foto: Jacob Lund / shutterstock