Autor: Yasmin Neese

  • Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Die Geburt meines zweiten Kindes: Der erste Geburtstag unserer „Babys“ ist noch nicht so lange her. Da kamen so manche Erinnerungen hoch. Ein Jahr ist die Maus schon bei uns. Dabei kam es mir vor, als wäre ich erst gestern im Krankenhaus gewesen und so ließen wir diese in einen Geburtsbericht einfließen.

    Michael war vor Ort, als Begleiter, als Stütze, als Hilfe. In rund 90 Prozent der Fälle haben Frauen ihre Partner (bzw. die Väter) im Kreißsaal dabei. Vor 40 Jahren wäre das noch nicht so gewesen. Denn erst in den 70er Jahren begannen sich die Kreißsäle auch für Väter zu öffnen.

    Vorher waren sie den Schwangeren, Ärzten und Hebammen vorbehalten. Ich kann mir kaum vorstellen – umgeben von fremden Menschen und unter großen Schmerzen – mein Kind zu gebären. Wie stark müssen diese Frauen gewesen sein …

    Die Idee eines Kreißsaals selbst ist übrigens auch noch gar nicht so alt. Erst vor knapp 250 Jahren wurden diese eingeführt, zuvor gab es die typischen Hausgeburten (die aktuell aber auch wieder im Kommen sind). Doch jetzt zu unserem Geburtsbericht.

    Ein Geburtsbericht – als Dialog zwischen Vater und Mutter

    Mit meinem Mann habe ich ihren besonderen Tag nochmal Revue passieren lassen und unser Gespräch in eine Art Geburtsbericht niedergeschrieben.

    Yasmin: Erinnerst du dich noch an den Tag? Ich hatte den Haushalt gemacht und plötzlich dieses regelmäßige Ziehen bemerkt. Auf Facebook habe ich dir geschrieben, dass ich wohl Wehen habe, aber die Abstände noch zu groß sind.

    Michael: Ohja! Nach deiner Nachricht saß ich wie auf heißen Kohlen. An Arbeiten war gar nicht mehr zu denken. Und nachdem und meintest, die Abstände werden nun kürzer habe ich es aufgegeben produktiv zu sein. Ich habe meinem Chef Bescheid gegeben und mich direkt auf den Heimweg gemacht und…

    Yasmin: … mich in der Badewanne vorgefunden. Die Wehen kamen da schon rund alle 5 Minuten. Trotzdem wollte ich nicht überstürzt aufbrechen und erst noch ein Wurstbrot essen. Ich war echt gechillt.

    Immerhin wollten wir Claire auch noch aus der Kita abholen. Sie musste zu Freunden, um später von der Oma abgeholt werden zu können.

    Angst vor dem Platzen der Fruchtblase

    In der Kita habe ich Wehen auf der Kindercouch veratmet. Ich glaube sie hatten ein bisschen Angst, dass meine Fruchtblase vor den Kindern platzt.

    Michael: Zum Glück ist das nicht passiert, obwohl Claire sich mal wieder ewig Zeit gelassen hat.

    Yasmin: Naja, ganz so dramatisch sollte es ja gar nicht werden. Eigentlich war ich auf der Fahrt ins Krankenhaus noch richtig guter Dinge und hab die Wehen locker weggeatmet.

    Michael: Wäre da nicht die Hebamme gewesen. Oh man, ich hatte ihr den Kopf abreißen können, als sie meinte du hast gar keine Wehen und dich wegschicken wollte. Du lagst da und hast sichtbar Schmerzen veratmet.

    Oarr, weil das olle CTG absolut nichts aufgezeichnet hat… Wie schon damals bei Claire. Zum Glück kam bald darauf schon die Ärztin und hat dich ernst genommen. Nachdem der Zugang lag und alles ausgefüllt war, ging es mir schon etwas besser.

    Yasmin: Im Gegensatz zu mir, da die Wehen durch unseren Spaziergang immer heftiger wurden. Uff. Mein Muttermund hat auf Hochtouren gearbeitet.

    Michael: Japp. Darum sind wir a auch eher um das Krankenhaus herumgeschlichen, weil du quasi alle drei Schritte stehen bleiben musstet…

    Zum Glück warst du unter der Geburt bei mir

    Yasmin: Zum Glück warst du mit dabei und konntest mich stützen, als mich die Welle überkommen hat.

    Michael: Mehr konnte ich ja leider nicht tun.

    Yasmin: Ach was, du hast mir damit so sehr geholfen! Zumal die Hebamme ja immer noch keine Wehen auf dem CTG gesehen hatte und mir nicht ganz glauben wollte, dass da welche sind. Es tat gut, dass du zu mir gehalten und mir geglaubt hast. Das war in der Situation einfach völlig richtig und wichtig.

    Michael: Zum Glück hat sich der Muttermund nach unserer zweiten Runde entsprechend geweitet. Aber die neue super nette Hebamme schien ohnehin entspannter und hat nicht gezweifelt.

    Yasmin: Ach, das war mir aber auch egal. Wichtig war nur, dass du nicht gezweifelt hast und mich voll supported hast. Vor allem als ich in die Badewanne sollte und  es nicht einmal mehr geschafft habe mich ordentlich umzuziehen.

    Ich lag da auch bestimmt wie ein gestrandeter Blauwal drin. Aber es tat so gut, dass du die ganze Zeit dabei warst und mir den Handrücken gestreichelt hast. Du hast mich echt gut aufgebaut und von den Schmerzen ablenken können.

    Ich habe mich so hilflos gefühlt

    Michael: Es fühlte sich allerdings ganz anders an. Zum Glück schienst du entspannter. Du hast  nicht so sehr gelitten. Richtig schlimm gelitten. Ich habe mich da blöd gefühlt. Richtig hilflos, vor allem als du eigentlich auf die Toilette wolltest und dann plötzlich geblutet hast. Da wurde ich auch verdammt nevös.

    Yasmin: Ohje, der Auftakt zu den Presswehen. Plötzlich dachte ich, ich müsse ganz ganz dringend pinkeln, aber es kam und kam nichts. Stattdessen wurden die Schmerzen immer heftiger.

    Mit jeder neuen Welle tat es mehr weh. So als würden Rasierklingen an meiner Vagina entlangstreifen und sie Stück für Stück aufschneiden. Brrrr, ein schlimmer Gedanke.

    Michael: Das hat man dir auch im Gesicht angesehen. Wir [Anmerkung: Hebamme und Michael] wollten dir gern dabei helfen, aber Anfassen war in der Wehe ja völlig tabu.

    Yasmin: Wie du der Hebamme zum Glück klargemacht hast, als sie mein Becken umfasst hat. In dem Moment hätte ich sie fast getreten, weil es so unangenehm war. Zum Glück hast du das sofort bemerkt und sie intuitiv weggeschickt. Mit Worten konnte ich mich einfach gar nicht mehr ausdrücken. Total Crazy.

    Geburtsbericht … und dann habe ich den „Einlauf“ meines Lebens von dir bekommen.

    Michael: Ach, ein ziemlich rüdes „Fass mich nicht an du Arschloch!“ hast du dennoch über die Lippen gebracht, als ich dich ganz leicht aus Versehen am Daumen gestreift habe. Kurz vorher sagtest du noch, „Fass mich jetzt nicht an“. Ich bin extra weggegangen und hab dich dann doch ganz dezent berührt – und dann den Einlauf meines Lebens von dir gekriegt.

    Yasmin: Darüber muss ich heute noch lachen. Ich erinnere mich nicht einmal das gesagt zu haben. Aber daran, wie belustigt du mir das erzählt hast. Zum Glück können wir heute darüber lachen.

    Meine vergebliche Vorgabe zum Geburtsbericht: Was im Kreißsaal passiert, bleibt im Kreißsaal! Wobei mir in den letzten Minuten nicht so sehr zum Lachen zu Mute war. Ich klang sicher wie ein großer Bergorilla, als die letzten Presswehen kamen.

    Michael: Du warst jedenfalls lauter, als ich dich bisher je gehört habe. Und das will was heißen mit deiner Piepsstimme. Ich hatte mich ja dann vor dich gestellt, als du im Vierfüßler warst. Und dann bei der Atmung geholfen.

    Yasmin: Stimmt. Du hast mich immer wieder daran erinnert, wie ich atmen muss und es vorgemacht. Sonst hätte ich manchmal wohl auch vergessen zu atmen.

    Michael: Stimmt. Und ich habe dich auch brav gefüttert. Mit BiFi und RedBull.

    Weißt du noch wie es dir während der Geburt ging?

    Yasmin: Wie ging es dir dabei? Weißt du das noch?

    Michael: Ich war nervös, ich hab mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, weil du Schmerzen hattest. Aber ich wusste, dass du in guten Händen bist. Die Hebamme war ja die ganze Zeit bei dir und hat sich sehr gut gekümmert.

    Yasmin: Ja, ich war auch überrascht, dass sie mich quasi die ganze Zeit begleitet hast. Wir hatten echt Glück, dass keine weitere Geburt gelaufen ist. Der Endspurt war allerdings auch recht zügig. Maximal eine Stunde lag ich in den Presswehen und dann war sie da.

    Michael: Das kam total überraschend. Also, nicht, dass Marie dann herauskam. Die hat sich ja angekündigt. Aber du hattest stundenlang gelitten. Man hat dir das total angesehen und als du Marie dann bei der Geburt aufgefangen hattest, war da nichts mehr.

    Keine Schmerzen in deinem Gesicht. Auf einmal hast du den Eindruck gemacht, als ob nichts gewesen ist. Wirklich gar nichts. Das war für mich auch beeindruckend, denn es war der absolut glücklichste Moment den ich jemals bei dir gesehen habe. Du hast sie auch direkt in den Arm genommen und an dich gedrückt.

    Yasmin: Wie war das denn für dich, als du sie gesehen hast?

    Ich war so glücklich nach der Geburt

    Michael: Ich war auch glücklich! Ich wollte dir das Baby aber in dem Moment auch nicht „wegnehmen“. Das hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt. Du hattest die letzten Stunden geackert, da hast du die erste Zeit mit Marie auch verdient.

    Als ich sie das erste Mal im Arm hatte, war ich überrascht wie winzig sie ist. So unglaublich winzig. Unbeholfen. Ein kleiner Fleischklumpen der einfach noch nichts kann. Voll süß! Die Äuglein noch geschlossen. Sie war schon echt süß.

    Yasmin: Wie würdest du eine Geburt allgemein beschreiben jetzt im Nachhinein?

    Michael: Eklig?! Auf jeden Fall nichts Schönes. Ich sehe, dass du leidest und Schmerzen hast. Das ist scheiße. Aber der Moment der nach der Geburt kommt, der ist wunderschön.

    Yasmin: Das verstehe ich. Trotzdem war es für mich irgendwie eine Geburt wie aus dem Lehrbuch. Und sehr viel schöner als die erste. Sie war so selbstbestimmt. Ich habe meinem Körper und meinem Gefühl vertrauen können. Ganz anders, als bei Claire…

    Michael: Die sich übrigens total gefreut hat, endlich das Baby zu sehen. Und mittlerweile lieben sich die beiden ja abgöttisch.

    Yasmin: Ja, allerdings. Es war eine gute Entscheidung den Höllentrip hinter uns zu lassen und es drauf ankommen zu lassen.

    … und dann könnte ich dich auch gut im Krankenhaus lassen

    Michael: Das ist richtig. Darum konnte ich dich auch entspannt im Krankenhaus lassen. Weil ich wusste es ist jetzt vorbei, du leidest nicht mehr, du bist glücklich…

    Yasmin: Ich hatte die Zeit auch ehrlich gesagt genossen. Drei Tage für mich und Marie allein, ehe sie die Aufmerksamkeit mit ihrer Schwestern teilen musste. Das war für uns beide sehr wichtig und schön. So würde ich es jederzeit wieder machen. Alles. Und hiermit mit endet unser gemeinsamer Geburtsbericht.

    Eure Yasmin und Mann (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Gorodenkoff / shutterstock
  • Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Mein Baby – Liebe auf den ersten Blick

    Geburt: Liebe auf den ersten Blick – Erst kürzlich habe ich darüber berichtet, dass ich meine beiden Mädchen nicht gleich lieben würde – was auch völlig normal sei. Dabei meine ich nicht die Intensität, sondern vielmehr die Art zu lieben.

    Ich habe zwei völlig unterschiedliche, einzigartige Menschen geboren und ebenso einzigartig ist die Liebe zu ihnen. Doch wo lag der Ursprung dieser Liebe? Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es anders ist? Nun, ich denke, der Grundstein wurde im Kreißsaal gelegt.

    Bei Claire war ich eine unerfahrene „Erstlingsmama“. Die erste Schwangerschaft, die erste Geburt, die ersten Fehler. Ich nahm die Geburt auf die leichte Schulter und hatte nicht damit gerechnet, dass es Probleme geben könnte.

    Immerhin war meine Schwangerschaft tadellos. Meine Mutter hat fünf Kinder zur Welt gebracht, warum sollte ich das nicht schaffen? Dementsprechend war ich etwas unvorbereitet und das Unglück nahm seinen Lauf.

    Mehrtägige Einleitung unter Wehen

    Leider hatte „ich“ den Entbindungstermin deutlich überschritten. Am zehnten Tag wurde entschieden, dass man nun einleiten werde. Ich habe den Ärzten vertraut und einen richtigen Höllentrip erlebt. Diese Erfahrung wünsche ich keiner Frau, denn sie endete nach drei Tagen Wehen mit einem Kaiserschnitt.

    Damit möchte ich nicht andeuten, dass der Kaiserschnitt per se schlecht sei! Für mich kam er nur unvorbereitet und mit voller Wucht. Ich hatte mich nicht informiert und der Ablauf hat mich völlig überwältigt: Die Herztöne wurden schlechter, meine PDA wurde hochgedreht und ich kam in den OP. Alles binnen weniger Minuten.

    Dort schnallte man meine Arme am Tisch fest, ich war umgeben von Weißkitteln und grünen Masken. Dann wurde ein Tuch aufgehängt, damit ich meinen Bauch nicht mehr sehen konnte. Ich fühlte mich – Pardon – wie eine Sau auf der Schlachtbank und war mir sicher, ein Kaiserschnitt kann auch anders sein.

    Doch in diesem Moment fühlte ich mich nur hilflos, ausgeliefert und traurig. Ich hatte versagt als Mutter. Ich hatte mein Kind nicht selbstständig gebären können. Diese Gedanken hingen mir noch lange nach, stürzten mich in Depressionen. Es war wahrlich keine schöne Zeit.

    Geburt – Kaiserschnitt – Wie in Trance

    Während ich auf dem OP-Tisch festgeschnallt war, wurden mir ein paar Dinge erklärt, aber ich konnte die Informationen nicht verarbeiten. Ich wollte einfach nur, dass das aufhört und einfach mein Baby im Arm halten. Ich spürte, wie an meinem Bauch etwas passierte, dann einen seltsamen Unterdruck. Und schon sah ich, dass mein Baby aus dem Bauch herausgehoben wurde.

    Eine Schwester hat sich mein Baby geschnappt und in ein Handtuch gewickelt. Erst nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren und nach gefühlten etlichen Stunden Schmerzen und Leid – konnte ich endlich in die Augen meines Babys blicken. Dazu wurde ein Arm vom OP-Tisch gelöst.

    Ich lag noch immer da, einarmig festgeschnallt. Mein Baby wurde mir im Handtuch an den Kopf gehalten, ich konnte es mit einem Arm kurz berühren und habe mein Baby ganz benommen angesehen.

    Ich war wie in Trance, war nicht ganz bei Sinnen und fühlte nur Erleichterung und – Müdigkeit. Fühlte mich unendlich müde von der Tortour, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Ganz kurz flackerte Freude in meinem Herzen auf. Dann wurde sie von meiner Erschöpfung im Keim erstickt.

    Von Liebe auf den ersten Blick konnte …

    Von Liebe auf dem ersten Blick konnte keine Rede sein. Der erste Blick war nicht so romantisch schön, wie man ihn vielleicht aus anderen Erzählungen her kennt. Er wurde überschattet von vielen negativen Erinnerungen und getrübten Sinnen. Als ich im Kreißsaal ankam, wurde mir mein Baby in den Arm gelegt und wir schliefen gemeinsam kuschelnd ein.

    Ich habe sie in den nächsten Tagen nur zum Wickeln und Wiegen aus dem Arm gegeben. Sie schlief und kuschelte die ersten Tage in meinem Arm. Und wir fingen an gemeinsam die Geburt zu verdauen.

    Dies war lange Zeit meine Art ihr Liebe zu zeigen. Nähe, Körperkontakt und Geduld. Während ich sie anblickte, fühlte ich oft Schuld. Es tat mir so Leid, dass ich ihr keinen guten Start ins Leben ermöglichen konnte. Ich war zerfressen von Schuldgefühlen und Angst, eine schlechte Mutter zu sein. Das aktive „lieben“ kam leider erst sehr viel später.

    Der Weg zur selbstbestimmten Geburt

    Völlig anders war es bei Marie. Nach dem schlechten Erlebnis, stellte ich mir die Frage, ob ich es nochmal auf eine natürliche Geburt ankommen lassen wollte oder direkt einen Wunschkaiserschnitt in Betracht ziehen sollte. Hier findet ihr einen Beitrag von Dayo, einer tollen Hebamme, zu dieser Geburtswahl (Hinweis der Redaktion).

    Ich haderte stark, hatte Angst erneut zu versagen. Doch dann las ich – zum Glück – das Geburtsbuch von Nora. Ich hatte das Buch schon früher rezensiert und in der Schwangerschaft mit Marie erneut zur Hand genommen.

    Darin habe ich viel über die selbstbestimmte Geburt gelesen, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten von Geburtsorten vertraut gemacht und letztlich entschieden, dass ich es nochmal versuchen wollte. Zum Glück! Denn bestärkt durch Noras Buch habe ich somit den wohl bisher schönsten Tag meines Lebens erleben können.

    Ein Traum von einer Geburt

    Maries Geburt war wie aus dem Bilderbuch. Sachte Wehen zu Anfang, die ich wegatmen konnte. Stärkere Wehen habe ich in der Badewanne zu Hause und später auch im Krankenhaus durchgestanden.

    Ich habe zuvor bestimmt, dass ich keine PDA möchte und während der Geburt gezeigt, was ich will – und was nicht. Und es lief super. Mein Mann war dabei und hat die Geburt mit mir durchlebt. Die Hebamme hielt sich im Hintergrund und war in den richtigen Momenten voll da: Pressen!

    Erst merkte ich, wie weich und flauschig es zwischen meinen Beinen wurde, mit der nächsten Presswehe habe ich Marie dann aus eigener Kraft geboren und konnte sie sofort auf meine Brust legen. Ich habe sie angesehen und war wie vom Donner gerührt: Sie war wunderschön und ich habe mich sofort tief mit ihr verbunden gefühlt.

    Es ist… Liebe

    Während der Geburt habe ich mit meiner inneren Stimme immer wieder zu ihr gesagt, dass wir ein tolles Team seien und das zusammen hinbekommen. In meinem Arm liegend habe ich dann eine tiefe Verbundenheit, wie nie zuvor gespürt. Und ich wusste: Wir haben das gemeinsam geschaffen. Diese Art der Liebe, die es kein zweites Mal auf der Welt gibt.

    „Du siehst so unglaublich glücklich aus!“, sagte mein Mann direkt nach der Geburt zu mir. Und er hatte Recht. Ich war glücklich, Marie hatte all meine Wunden der ersten Geburt verödet. Es ist Liebe. Bedingungslose, unendliche, reine Liebe. Dies wurde mir sofort klar als ich sie an sah. Für sie wollte ich alles sein und alles werden, was sie jemals brauchen wird. Ich war endlich wieder im Reinen mit mir.

    Und Ja, es gibt die Liebe auf den „ersten“ Blick

    In diesem Moment konnte ich endlich all die glücklichen Mamas verstehen, die sich mit Freude an die Geburt ihrer Babys erinnern, denn trotz der Schmerzen, bleibt letztlich nur das Hochgefühl, einem wunderbaren Menschen in das Leben begleitet zu haben.

    Ich bin so glücklich den Schritt gewagt zu haben und diese leichte, beschwingte Art der Liebe kennengelernt zu haben. Die Liebe auf den ersten Blick, es gibt es ihn wirklich. Mit Marie habe ich sie tatsächlich erlebt und ich bin mir sicher, dass es eine endlose Liebesgeschichte sein wird.

    Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

    Wir würden uns sehr freuen, etwas über Eure Erfahrungen in Bezug auf die „Liebe auf den ersten Blick“ zu erfahren. Ging es Euch genauso oder war es eher ein längerer Weg (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: LittleDogKorat / shutterstock

  • Die Crux bei der Geschlechterbestimmung mittels Ultraschalluntersuchung

    Die Crux bei der Geschlechterbestimmung mittels Ultraschalluntersuchung

    Geschlechterbestimmung: Das Geschlecht ist aktuell ein heißes Thema. Gefühlt dreht sich alles um Gendermarketing, RosaBlauFalle und die Frage danach, wann endlich das veraltete „zwei Geschlechter-System“ aufgebrochen und revolutioniert wird.

    Im krassen Gegensatz dazu gibt es auf der anderen Seite eben Menschen, für die alles noch ganz einfach ist: Entweder das Baby gehört zu #TeamRosa oder #TeamBlau. Junge oder Mädchen. Kaum ist das Geschlecht bekannt, gibt es Freudentränen. Oder eben auch nicht.

    So wie bei mir. Da war nämlich kurzzeitig das blanke Entsetzen. Der reinste Schock.

    Im Traum sah ich ein Mädchen

    Warum? Angefangen hatte es schon bei meiner ersten Tochter. Nachdem überraschenderweise bekannt wurde, dass ich schwanger war, wurde ich mit den üblichen Fragen konfrontiert: Wie weit bist du schon? Ist es geplant? Junge oder Mädchen?

    Interessanterweise war ich mir bei meiner Großen direkt sicher: Das ist ein Mädchen. Es gibt eine Nacht, da habe ich von einem Mädchen mit wunderschönen, langen Haaren in einem Kleid geträumt, dass über eine Wiese getanzt ist.

    Nach dem Aufwachen war mir sofort klar: Das war meine Tochter. Mein Baby wird ein Mädchen.

    Geschlechterbestimmung: Besser als 85 Prozent wird es nicht

    Die Frauenärztin jedoch war sich nie sicher. Nach dem ersten großen Ultraschall hatte sie eine Tendenz: „Das Baby ist zu 60 Prozent ein Mädchen, aber ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen“. Musste sie auch nicht.

    Mein Bauchgefühl wusste ja bereits Bescheid. Es wird ein Mädchen. Ende. Gegen Ende der Schwangerschaft wurden die Schätzungen zwar zielsicherer, aber niemals klar. Am Tag der Geburt war meine Tochter zu „85 Prozent ein Mädchen“.

    Im Kreißsaal war die Spannung für alle Anwesenden groß. Ich wusste, dass mein Bauch mich nicht täuschen würde. Als der Arzt sie in den Händen hielt, hat er mich kurz geschockt: „Ah wie schön, Sie haben ja einen Jungen erwartet, oder? – Kleiner Spaß, es ist ein Mädchen!“. Uff, die zwei heftigsten Sekunden meines Lebens.

    Immerhin war das komplette Kinderzimmer rosa und sämtliche Klamotten hatten Hello Kitty und Co. aufgedruckt. Das wäre schon recht amüsant geworden. Meine Große ist übrigens mittlerweile knapp 5 Jahre alt, hat Haare bis zum Po, trägt nur Kleider und tanzt für ihr Leben gern…

    Geschlechterbestimmung – Bauch vs. Ultraschall

    Als ich dann mit meiner jüngeren Tochter schwanger war, wusste mein Bauch Bescheid: Mädchen. Diesmal habe ich von einer recht schnellen, fast schmerzfreien Geburt geträumt. Im Arm hielt ich anschließend mein süßes MÄDCHEN.

    Mir war klar, dass mein Bauch wieder die korrekte Prognose abgegeben hatte. Allerdings war die Frauenärztin da anderer Meinung. Nachdem ich im Kopf bereits meine beiden Mädchen gemeinsam spielen, kuscheln und toben sah, hieß es: „Es wird ein Junge!“.

    Ich war platt. Sollte mein Bauch sich diesmal so heftig geirrt haben? Sind die Bilder in meinem Kopf, meine Träume alle falsch? Uff, ich musste schlucken. Für mich war das Baby in meinem Bauch ein Mädchen.

    Junge oder doch Mädchen: Ich hatte nur einen Mädchen-Namen. Im Kopf war ich nicht bereit für „Junge“. Mein Kopf hat blockiert, da mein Bauch weiterhin „Mädchen“ ausgestrahlt hat.

    Ich war verwirrt. Traurig. Enttäuscht von meinem Bauchgefühl, dass mich scheinbar betrogen hatte. Was war mit meinem Bauch los? Warum hatte ich all diese Bilder im Kopf?

    Irgendwie konnte ich mein Bauchgefühl aber nicht loslassen. Statt nach Jungennamen zu suchen und neue Klamotten zu shoppen, habe ich meinem Mann gesagt, wir warten ab. Das Gefühl ließ mich nicht los.

    Und dann war der Schniepel plötzlich weg

    Nach einigen Wochen des Wartens stand die nächste, große Untersuchung an. Der 3D-Ultraschall. Und dann sprach die Ärztin ganz selbstverständlich von einem Mädchen.

    Ich musste nochmal nachfragen: Es wird ein Mädchen? Ja.

    Sie sah mich fragend an. Scheinbar ist es nicht üblich, sich über ein zweites Mädchen zu freuen. Ich muss in dem Moment wohl ziemlich verrückt ausgesehen haben, weil ich fast vom Stuhl getanzt wäre.

    Die Prognose Mädchen hielt sich in der restlichen Zeit. Doch was war mit dem Schniepel passiert? Das Stummelchen, was sie wohl mit einem Penis verwechselt hatte, schien ein Teil der Nabelschnur gewesen zu sein, was sich in den Ultraschall gemogelt hatte.

    Egal. Ich war einfach froh, dass mein Bauch mich nicht im Stich gelassen hatte und erneut richtig lag. In ALLEN Punkten. Die Geburt verlief relativ schnell:

    Die Schmerzen waren ohne PDA erträglich und vor allem, war ICH dieses mal die erste, die mein Baby im Arm hatte. Ich konnte im aufrechten Vierfüßler gebären und mein Baby direkt auf mich legen.

    Es war das schönste Gefühl, was ich jemals hatte. „Du siehst so glücklich aus“, waren die ersten Worte meines Mannes. Und das war ich. Glücklich über das wunderbar perfekte Baby. Und vergessen war das hin und her der Geschlechterbestimmung.

    Glücklich, dass ich mich auf mein Bauchgefühl einfach wieder verlassen konnte.

    Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Dragon Images / shutterstock
    Pinterest: Dragon Images & Veronika Galkina / shutterstock
  • Clustern – Wenn sich das Baby zur Raupe Nimmersatt entwickelt

    Clustern – Wenn sich das Baby zur Raupe Nimmersatt entwickelt

    Clustern – Aktuell wird Marie (11 Monate alt) nachts häufig wach, um kurz an meiner Brust zu nuckeln und zurück ins Träumeland zu schweben. Für einige Zeit kam sie mit Pausen von 4 bis 5 Stunden sehr gut klar.

    Das wird im Fachjargon sogar schon als „durchschlafen“ betitelt. Doch es gibt immer wieder Phasen – wie gerade jetzt – da kommt sie stündlich. Oder öfter. Merkt euch: Je dunkler meine Augenringe, desto öfter war sie wach.

    Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

    Oft wird die Phase sogar von einem Wimmern, schnellem Atmen oder heftigen Bewegungen begleitet. An der Brust beruhigt sie sich schnell, der Atem normalisiert sich und schläft friedlich ein.

    Ich erkläre unserer großen Tochter manchmal, dass sie vielleicht schlecht geträumt hat. „Von leeren Titties“ stimmt sie mir zu. Vielleicht hat Marie in Wahrheit aber auch einfach Schmerzen.

    Wachstumsschmerzen, Zahnschmerzen. Egal. Irgendwas löst ein Unwohlsein aus. Und ich bin da. Immer. Jedes Mal.

    Das war nicht immer so. Bei meiner Großen noch, da habe ich mir reinreden lassen: „Das Kind muss durchschlafen“. „Zu viel essen ist doch nicht normal, sie wird nicht satt, fütter zu!“. “Wechsel mal auf 1er-Milch oder mach Schmelzflocken mit rein, damit sie länger satt bleibt!“.

    Es waren gut gemeinte Ratschläge. Aber das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

    Marie clustert einfach nur. Das ist ein natürlicher Prozess, den man mit Zufüttern oder gar dem Schnuller nicht stören sollte.

    Was ist Clustern?

    Der Begriff Clustern kommt aus dem Englischen und bedeutet „anhäufen“. Gerade frischgeborenen Babys wird zugeschrieben, zu clustern. Dieses Anhäufen der Mahlzeiten ist normal und kommt oft vor!

    Das liegt daran, dass sie anatomisch noch gar nicht in der Lage sind, größere Mengen an Nahrung aufzunehmen. Die Mägen von Neugeborenen sind winzig klein und wachsen erst mit der Zeit.

    Doch leider ist ihr Energieverbrauch noch recht hoch, das Stillen erschöpft sie schnell. Also clustern bzw. essen sie in kleinen Abständen immer wieder kleine Portionen.

    Die Babys essen dabei über mehrere Stunden hinweg, schlafen dabei ein, wachen wieder auf, um weiter zu essen. Dieses Clusterfeeding ist ein völlig natürlicher Prozess.

    Durch das häufige Saugen wird Prolaktin freigesetzt, das Hormon bewirkt die Milchbildung und sorgt so langfristig für ordentlich Nachschub. Daher ist es auch contra-produktiv, wenn ihr anfangt zuzufüttern:

    Je öfter und länger Babys angelegt werden, desto mehr Prolaktin wird ausgeschüttet und desto mehr Milch wird produziert. Eine simple Rechnung. Mit steigender Größe des Magens, vergrößern sich automatisch auch die Zeitintervalle des Stillens.

    Warum das Schnullern in dieser Zeit schädlich sein kann

    Durch das lange Stillen beim Clusterfeeding produzieren die Babys ein Hormon (Cholezystokinin) welches ein Sättigungsgefühl auslöst – auch, wenn sie noch nicht satt sind.

    Nach kurzer Zeit fällt der Hormonspiegel, damit das Sättigungsgefühl und die Babys essen, bis sie wirklich satt sind. Würde man hier nun mit einem Schnuller eingreifen, würde man das sensible System aushebeln.

    Das Kind ist vor dem Sättigungsgefühl ruhig gestellt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Es nimmt also auch nicht so stark zu.

    Demnach empfehle ich euch, nur in Extremsituationen zum Schnuller zu greifen und euch einfach nicht irritieren zu lassen. Egal was Opa, Oma, Tante oder beste Freundin (am besten kinderlos) zu euch sagen. (Wenn schon Schnuller, dann empfehlen wir einen entwicklungs- und kiefergerechten Schnuller, Hinweis der Redaktion)

    Clusterfeeding bei älteren Babys

    Mit jedem Wachstums- oder Entwicklungsschub kann es allerdings sein, dass Babys erneut zum Clustern neigen. Auch das ist völlig normal!

    Der Energiebedarf der Kinder ist in dieser Zeit höher, sie brauchen mehr Nahrung. Lasst euch nicht verunsichern, macht Netflix an und versucht diese Zeitspannend möglichst relaxed durchzustehen. Es wird auch wieder besser.

    Clustern auch bei Flaschenkindern?

    In meinem Babykurs war eine junge Mutter, die sich durch das Essverhalten ihres Kindes stark verunsichert zeigte. Es war ein Flaschenkind (4 Monate), welches die Mahlzeiten nicht wie „vorgeschrieben“ auf der Packung einnahm:

    Mal war es mehr, mal war es weniger, als die angeratene Durchschnittsmenge. Dann hat das Baby auch noch sämtliche Zeitpläne der Mutter verworfen und sich entschieden unregelmäßig Hunger zu haben.

    „Ich habe doch keine Lust das Baby jede Stunde zu füttern! Und planen kann ich so auch nichts mehr!“.

    Viele Stillmütter werden bei dieser Frustration wohl nur milde lächeln, immerhin gehört das bei ihnen ja dazu. Gleichmäßige Mengen? Keine Ahnung, wir haben keinen eingebauten Messbecher.

    Regelmäßige Mahlzeiten? Nun gut, es gibt noch Hebammen, die empfehlen das Kind nur alle 4 Stunden zu stillen und es bis dahin „hungern“ zu lassen. Das ist aber ziemlich altbacken, eine Quälerei und einfach nur falsch.

    Aufgeklärte Mütter stillen nach Bedarf – so wie es Naturvölker eben auch tun. Unsere Große bekam die Flasche ab dem 6. Monat.

    Clustern, das Bedürfnis nach Liebe

    Mir kam es aber nie in den Sinn feste Zeiten einzuführen oder dem Kind das Essen zu verweigern, nur, weil es mir nicht in den Zeitplan passt.

    Babys sind Lebewesen und keine Roboter.  Sie müssen früh genug in der Leistungsgesellschaft funktionieren. Aber bitte nicht mit 4 Monaten.

    Auch Flaschenkinder erleben Entwicklungsschübe, benötigen kurzzeitig mehr Energie und damit Nahrung. Was aber ebenfalls zum Tragen kommt: Füttern bedeutet Nähe (hierzu empfehlen wir euch unseren Beitrag „Stillen – mehr als nur Nahrungsaufnahme„, Hinweis der Redaktion.)

    Babys stillen durch das Nuckeln – sei es an der Brust oder der Flasche – oft zudem ihr Bedürfnis nach Nähe. Sie liegen dabei im Arm ihrer Mama. Fühlen sich sicher und geborgen.

    Und manchmal da brauchen sie eben auch mal mehr Sicherheit und Geborgenheit. Zum Beispiel nach einem Tag voller neuer Eindrücke. Unter diesem Gesichtspunkt fällt es den genervten Eltern vielleicht leichter das Clustern zu ertragen.

    Vertraut eurem Gefühl

    Und bitte seht von Schritten ab, die gern in Foren oder anderen Plattformen kommuniziert werden: „Gebt dem Baby endlich Abendbrei, damit es durchschläft!“, “Wechselt doch auf 1er/2er Nahrung“, “Gebt Schmelzflocken in die Flasche, dann ist sie länger satt“.

    Auch wir haben diese Tipps erhalten und umgesetzt. Bis wir festgestellt haben, dass sie nichts bringen. In den meisten Fällen ist das Verhalten des Babys völlig normal.

    Natürlich gilt – wie immer – das Gefühl der Eltern. Wenn ihr denkt, dass euer Baby zu wenig zunimmt oder ein Mangel vorliegt, sprecht mit Experten. Fragt euren Kinderarzt, eine Stillberaterin oder Hebamme.

    Aber bitte unterlasst Experimente auf eigene Faust. Wer zudem unter Schlafentzug durch anhaltendes Clustern leidet, sollte sich ebenfalls Hilfe holen.

    Generell sollte Clustern dem Baby gut tun, ohne die Mama komplett auszulaugen. Ein wichtiges Resümee, welches ich selbst auf die harte Tour gelernt habe.

    Eure Yasmin (Babytalk – Autorin)

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    Beitragsfoto: Tomsickova Tatyana / shutterstock
  • Fingerspiele – Wichtig für die Entwicklung des Kindes

    Fingerspiele – Wichtig für die Entwicklung des Kindes

    Fingerspiele – In den ersten Lebenstagen liegen Babys die meiste Zeit auf Mamas Bauch und genießen den Babyplüsch, der sie umgibt. Wärme, Sicherheit und Essen – mehr als diese Geborgenheit brauchen Babys nicht.

    Allerdings legen sie schnell an Gewicht zu, fangen an das Köpfchen zu heben und ihre Umgebung mehr wahrzunehmen. Da ist es an der Zeit mit dem Baby liebevoll zu interagieren und damit auch all seine Sinne zu aktivieren und spielerisch zu fördern.

    Wir haben schon in der ersten Lebenswoche damit begonnen Fingerspiele in den Alltag zu integrieren. Zusammen mit Inke Hummel – Elterncoach für bindungsorientierte Eltern und Bloggerin ´Bindungs(t)räume` – möchte ich euch erklären, warum sie so wichtig für die Entwicklung eurer Babys sind.


    Warum Fingerspiele so wichtig sind

    In erster Linie macht es den Kleinen unglaublichen Spaß! Ich merke das immer, wenn ich die Melodie zu „Kleine Schnecke“ anstimme. Selbst, wenn mein Baby zuvor etwas angespannt war, ziehen sich automatisch ihre Mundwinkel hoch und sie beginnt zu lächeln.

    Das zeigt auch, dass sich Babys das Fingerspiel und die Melodien merken und wiedererkennen! Um dieses „Wiedererkennen“ zu verstärken, ist es notwendig, die Fingerspiele direkt zu wiederholen. Wir spielen alle Spiele mindestens zweimal – wie auch in unserem Pekipkurs.

    Aber es gibt weitere Vorteile: Fingerspiele fördern die Motorik der Hände, die Konzentration und auch die Sprachentwicklung – denn sie werden stets von einem Sprechgesang oder Reime begleitet.

    Welchen Vorteil bieten Fingerspiele

    Wir Eltern sind für die Babys das wichtigste Spielzeug. Natürlich sind Seh-, Hör- und Fühlerfahrungen mit Gegenständen auch wichtig, um verschiedene Anregungen zu bekommen, aber Mütter und Väter bleiben mit ihrem Geruch, ihren Stimmen und ihrem Aussehen und Tun die sicheren Häfen.

    Beim Fingerspiel wenden wir uns den Kindern bewusst zu, sind einander ganz nah und können sofort auf die Signale des Kindes reagieren. Und so beispielsweise das Tempo verändern, wenn die Augen noch nicht mitkommen, eine andere Melodie wählen oder stets die gleiche wiederholen, wenn sich das Baby offensichtlich wohl fühlt.

    Wir lernen unsere Kinder dabei auch immer besser kennen, weil wir beobachten können, in welchem Abstand sie schon gut sehen können und wie stark ihre Muskeln schon sind. Und wie ihnen ihre Bewegungsabläufe gelingen, wenn sie unseren Fingern folgen oder gar danach greifen und sich zu ihnen drehen.

    „Wir Eltern sind für die Babys das wichtigste Spielzeug.“

    Fingerspiele ganz einfach in den Alltag integrieren

    Wenn etwas bei mir nicht funktioniert, dann ist es „auf Kommando fröhlich sein“. Ähnlich sieht es auch bei Babys aus. Sie wollen nicht auf Kommando spielen. Demnach sollte man die Fingerspiele von deren Stimmung abhängig machen.

    Unser Baby hat morgens, nach dem Aufwachen meistens sehr gute Laune. Daher habe ich es mir zum Ritual gemacht direkt nach dem Windeln wechseln mit ihr zu spielen. Ich lasse dann die Hose direkt aus und den Body offen, damit wir Hautkontakthaben können.

    Das mögen Babys nämlich besonders gern. Da ich mit dem Windeln wechseln meistens ein oder zwei Spiele verbinde, spiele ich so automatisch mehrmals am Tag mit ihr. Vor allem die zehn Zappelmänner stehen da hoch im Kurs!

    Auch Inke empfiehlt das Spielen während des Wickelns, wenn es gut passt. Generell kommt es natürlich immer auf das Baby an:

    Inke: Jedes Kind, jede Familie, jeder Tagesablauf ist anders. Aber man kann Rituale mit Fingerspielen erschaffen, beispielsweise auf dem Schoß zum morgendlichen Erwachen, beim Wickeln, um das Kind eine Weile auf dem Wickeltisch mit nacktem Po zu beschäftigen, der Haut Luft zu gönnen und sich ihm bewusst zuzuwenden, oder einfach im Tagesablauf, auf unseren Beinen oder der Krabbeldecke.

    Je nach Wachheit oder Müdigkeit, kann ein Fingerspiel anregend oder auch entspannend wirken und beruhigen. Oder gar helfen in den Schlaf zu finden. Ich rate zum Ausprobieren und eigene Rituale finden – guten Gewissens mehrfach am Tag.

    Auch große Geschwister oder andere Bezugspersonen können diese recht leicht übernehmen und so eine enge Bindung aufbauen.

    “ Je nach Wachheit oder Müdigkeit, kann ein Fingerspiel anregend oder auch entspannend wirken und beruhigen oder gar beim Finden in den Schlaf helfen.“

    Unsere Top 10 Fingerspiele

    Interessant ist, dass unser Baby scheinbar je nach Person andere Spiele präferiert. Mit ihrer großen Schwester spielt sie am liebsten „Backe, backe Kuchen“. Mit mir „Die kleine Schnecke“ und mit ihrem Papa die Zappelmänner.

    Also probiert gern mal verschiedene Fingerspiele mit unterschiedlichen Personen aus. Hier ist die Top 10 Liste meiner beliebtesten Fingerspiele, die man ausprobieren könnte:

    1. Die kleine Schnecke
    2. Zehn kleine Zappelmänner
    3. Die Maus hat rote Socken an
    4. Guten morgen liebe Füßchen
    5. Daumenspiel
    6. Himpelchen und Pimpelchen
    7. Familie Maus
    8. Der Bär aus Konstanz
    9. In unserem Häuschen gibt’s viele Mäuschen
    10. Backe, backe Kuchen

    Worauf es beim Fingerspielen ankommt

    Mit zunehmenden Alter integrieren wir immer mehr Spiele in den Alltag. Auch kleine Massagen und Hops-Spielchen (ganz klassisch: Hoppereiter) gehören hier zum Tagesablauf dazu. Schon von Anfang an haben wir dazu unsere große Tochter in den Baby-Alltag integriert.

    Große Schwester spielt mit ihrem kleinen Geschwisterchen

    Die auch immer wieder gern für ihre Schwester singt und mit ihr spielt. Je älter ihre kleine Schwester wird, desto mehr kann sie/wir mit ihr machen. Das ist unglaublich toll und sorgt für eine Menge Spaß!

    Habt ihr jetzt Lust bekommen zu spielen? Dann fangt einfach an. Das praktische an den Fingerspielen ist, dass ihr nichts weiter braucht, als euren eigenen Körper und eure Stimme. Das habt ihr zum Glück immer mit dabei.

    Beachtet dabei bitte diese Punkte:

    Worauf es beim Fingerspielen ankommt

    • Fingerspiel immer wiederholen
    • Gern den Hautkontakt fördern und nackt mit den Babys spielen
    • Nur spielen, wenn das Baby sich im Moment dafür aufgeschlossen zeigt
    • Auf die Signale des Babys achten und gegebenenfalls auch abbrechen
    • Nicht zu viele neue Spiele auf einmal einführen

    Lieben Dank an Dich Inke, für dein fachliches Know-How und deine Zeit!

    Eure Yasmin (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Syda Productions / shutterstock
    Foto 2: KIRYAKOVA ANNA / shutterstock
  • Schlafprobleme mit Baby: Warum uns die Federwiege gerettet hat

    Schlafprobleme mit Baby: Warum uns die Federwiege gerettet hat

    Federwiege: An Schlaf war im ersten Jahr mit unserer großen Tochter nicht zu denken. Sie war ein „Schreibaby“ und schrie von 18-23 Uhr in einer Tour durch. Tagsüber schlief sie nie länger als 20 Minuten – es sei denn, ich habe sie abgelegt, dann gar nicht mehr. Über Monate hinweg. Anfangs hatten wir noch versucht das Problem zu bekämpfen: Tragen, Osteopathie, Massage, Zäpfchen…

    Wir haben gefühlt alles ausprobiert und letztlich half einfach akzeptieren und durchhalten. In diesem Jahr habe ich schier meine Lebenslust und Ehe verloren. Aber wir haben es geschafft, zusammengehalten und mittlerweile ist die Große 4 Jahre alt und ein guter Schläfer.

    Und dann fing sie an zu schreien…

    Warum ich das erzähle? Weil das helfen wird unsere Ängste zu verstehen. Vor einigen Monaten hat unsere zweite Tochter die Familie komplett gemacht. Die Geburt war ein Traum, der Aufenthalt im Krankenhaus entspannt und die ersten Nächte zu Hause ganz angenehm.

    Und dann fing es an: Unsere Baby Erbse fing ebenfalls an zu schreien. Mitten in der Nacht, ohne sichtbaren Grund. In dem Moment stürzten alle Bilder wieder auf mich ein: Tränen, Geschrei, Wut auf den Partner. Ich wurde getriggert und hatte Angst davor, dass es nun wieder so werden würde – nein, schlimmer. Immerhin hatte ich noch ein großes Kind zu versorgen und konnte dann nicht einfach in den Standby-Modus gehen.

    Ich versuchte Ruhe zu bewahren, denn mir war auch klar, dass Babys die Unruhe der Eltern merken würden. Wie das aber immer so ist, wenn man versucht an etwas bestimmtes nicht zu denken… Ein kleiner Teufelskreis bahnte sich an.

    Ein Tipp aus heiterem Himmel

    Doch zum Glück hatte ich bereits einen Platz im Pekip-Kurs und von meinen Problemen erzählt. Mir wurde direkt eine Federwiege vorgeschlagen. Bei unserer Großen hatten wir damals eine elektrische Wippe, die vom Kind nicht akzeptiert wurde und ich war skeptisch.

    Also habe ich zunächst in einer regionalen Facebook-Gruppe gefragt, ob mir jemand eine Federwiege testweise ausleihen könnte. Und siehe da: Wir bekamen eine Wiege inklusive Motor zum Ausprobieren. Damit ist die Wiege immer in Bewegung und muss nicht extra angestubst werden.

    Schon in der ersten Nacht zeichnete sich ein Erfolg ab –  scheinbar behalten die Forscher der Universität in Genf Recht: Sie fanden heraus, dass Schaukeln dafür sorgt, dass Menschen schneller und tiefer einschlafen können. Die Hirnforscher Sophie Schwartz und Michel Mühlethaler fragten sich, warum Babys eigentlich gewiegt werden und haben aufgrund dieser Beobachtung ihre Studie zum menschlichen Schlafverhalten aufgebaut.

    Mittlerweile ist die Wiege mehrmals täglich im Einsatz und beschert mir Luft zum atmen und sanften Schlaf für´s Baby. Die Erbse hat die Wiege sofort akzeptiert und verbringt dort ihren Mittagsschlaf sowie die erste Schlafphase in den Abendstunden. Anschließend wandert sie mit uns ins Familienbett. Alles total entspannt!

    Im Alltag, bei Freunden und im Urlaub – Immer dabei

    Mittlerweile nehmen wir unsere Fedewiege überall hin mit, wenn wir eingeladen sind. Durch die Türhalterung können wir sie an jedem Türrahmen anbringen. Selbst im Urlaub im Familienhotel war es kein Thema die Wiege einfach im Aufenthaltsraum anzubringen.

    Es gibt aber auch Halterungen für die Deck und freistehende Gestelle für den Indoor- und Outdoor Bereich. Wir nutzen allerdings nur die Türklammer, da sie sich als sehr flexibel herausgestellt hat.

    Wie funktioniert die Federwiege?

    Das sanfte Schaukeln einer Federwiege soll an den Mutterleib erinnern: Hier befand sich das Baby in einer Art Schwerelosigkeit und wurde stets geschunkelt. Das Baby fühlt sich geborgen und sicher und kann so sanft einschlafen. Durch den Hängemattenstoff wird zudem der Rundrücken des Babys unterstützt.

    Viele Hebammen sind von der Funktionalität der Ferderwiegen überzeugt und empfehlen sie an ihre Schützlinge weiter. Dazu gehören auch Hebamme Rania Neinert aus der Hebammenpraxis Friedrichsdorf, sowie die Hebammen der Praxis Absdorf.

    Die meisten Federwiegen werden allein durch die Bewegungen des Kindes in leichte Schwingungen versetzt. Es gibt aber Babys, die stetige Bewegung brauchen und ansonsten aufwachen (wie unsere Baby Erbse). Da bietet sich ein Motor wie der Kemaly swing2sleep-Motor sehr gut an.

    Aber nicht nur in puncto Schlaf kann die Federwiege unterstützend wirken. Leidet das Baby beispielsweise unter starken Krämpfen, weil es einen schwierigen Start ins Leben hatte, können die sanften Schwingungen dazu beitragen, das Baby zu entkrampfen.

    Wem kann eine Federwiege helfen?

    Plump gesagt allen Eltern. Insbesondere aber Eltern, die einfach gestresst sind, weil sie vielleicht ein „Schreibaby“ haben, welches stetig in Bewegung sein muss. Gerade, wenn ältere Geschwisterkinder im Spiel sind, kann eine Federwiege entlastend wirken.

    Babys, die unter den „Dreimonatskoliken“ leiden, können laut Hebamme Jule Tilgner beruhigt werden und sich spürbar besser fühlen. Auch Frühgeborene sollen von den Wiegen profitieren, um Anpassungsschwierigkeiten zu vermeiden.

    Was kostet eine Federwiege?

    Der Preisrahmen ist groß. Je nach Model, Stoffart und Befestigungsmöglichkeit kosten die Federwiegen zwischen 170 bis 450 Euro.  Einige Anbieter bieten allerdings auch Miet-Konzepte an. So können die Wiegen – zu vergleichsweise kleinem Geld – monatsweise ausgeliehen werden. Alternativ finden sich auf dem Gebrauchtmarkt auch schon etliche Federwiegen inklusive praktischem Zubehör.

    Wer jetzt noch damit hadert eine Federwiege zu kaufen, verdeutliche ich nochmals zusammengefasst die Vorteile dieser Investition:

    Vorteile einer Federwiege auf einen Blick:

    • Unterstützt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
    • Beruhigt Schreibabys/Babys mit Dreimonatskoliken
    • Vermindert Anpassungsschwierigkeiten von Frühgeborenen
    • Positiver Einfluss auf Gleichgewichtssinn und motorische Entwicklung
    • Große Flexibilität, da viele Federwiegen verschiedene Montagemöglichkeiten mitbringen
    • Kann krampflösend wirken
    • Rückenschonend, durch gekrümmtes Liegen (Rundrücken)
    • Geringere Gefahr eines „Plattkopfes“
    • Je nach Wiege und Ausstattung geringe Anschaffungskosten (oder Möglichkeit probeweise für kleine Geld zu mieten)
    • Kein Stubenwagen notwendig

    Unsere Federwiege ist aktuell bis 15 Kilogramm einsetzbar. Es gibt aber auch noch Versionen für ältere Kinder. Je nachdem wie gut die Erbse die Federwiege dann noch annimmt, werden wir dann nochmals in unseren Lebensretter investieren! Für mich gehört die Federwiege zu den klaren „Must-Haves“ junger Eltern – direkt neben Reboardern und Tragesystemen.

    Liebe Grüße Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

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    Beitragsfoto: Yasmin Neese
  • Schwierige Hebammensuche – und wo ihr Hilfe bekommt

    Schwierige Hebammensuche – und wo ihr Hilfe bekommt

    In diesem Beitrag schildert unsere Gastautorin Yasmin ihre problematische Hebammensuche. Dies ist ja leider für viele werdenden Eltern ein großes Problem, doch wie ihr hier lesen könnt, gibt es Anlaufstellen, die Euch helfen:


    Hebammensuche: Was ich anders gemacht habe!

    Aktuell wird in meiner FB-Mummy-Gruppe folgende Frage immer und immer wieder gestellt: Ab wann habt ihr eure Hebamme gesucht? Beziehungsweise Ab wann sollte man die Hebamme suchen?

    Für beide Fragen kenne ich nur eine gute Antwort: Sobald man von der Schwangerschaft erfährt.Bei mir war das dann quasi in Woche 6. Bestätigt vom Arzt war die SSW eine Woche später.

    Sofort habe ich bei verschiedenen Hebammen-Praxen angerufen bzw. sie angemailt, weil ich unbedingt eine Beleghebamme wollte. Leider hatte ich damit keinen Erfolg, weswegen ich mich an die „Hebammenzentrum Rhein-Sieg/Bonn e.V.“ gewandt habe.

    Diese Stelle hat einen Überblick über alle freien Hebamme aus der Region. Ich habe angerufen und meine Daten hinterlassen – ebenso meinen Wunsch, nach einer Beleghebamme.

    Das Hebammen-Zentrum Bonn unterstützt bei der Suche

    Das Zentrum hat sich dann für mich auf die Suche gemacht und bei verschiedenen Hebammen angefragt. Diese haben sich dann auch zurückgemeldet. Allerdings waren es „nur“ normale Hebammen.

    Also keine Beleghebamme, die mich in der Schwangerschaft, der Geburt und danach begleiten würde. Das war ziemlich niederschmetternd für mich, da ich sehr große Angst vor der Geburt habe und mir so sehr eine Hebamme in den Kreissaal wünsche, der ich vertrauen kann…

    Daher habe ich die ersten Rückmeldungen auch abgesagt und darauf verwiesen, dass ich aufgrund eines Geburtstrauma unbedingt eine Beleghebamme möchte.

    Diese Hoffnung wurde mir dann genommen. Dafür sei es einfach zu spät. Tatsächlichen arbeiten hier manche Hebammen nur monatsweise als Beleghebamme.

    So wie Tina (*), für die ich mich letztlich entschieden habe. Sie bietet Beleggeburten nur bis Mai an. Zu blöd für mich… Aber da ich Angst hatte bei meiner Hebammensuche zu scheitern, wollte ich zugreifen.

    Auch, weil Tina sehr sympathisch herüberkam. Ein Eindruck der sich beim Kennenlernen bestätigt hatte.

    Das Kennenlernen nach der Hebammensuche

    Bevor ich zu meiner neuen Hebamme komme, möchte ich euch schnell über meine ehemalige Hebamme berichten. Ich habe sie quasi gewählt, weil sie damals direkt neben meiner Frauenarztpraxis gearbeitet hatte.

    Das hat einfach gut gepasst. Ich wurde direkt von der Frauenärztin in die Hebammenpraxis geschickt und hatte Glück. Mir ging es bei meiner Hebammensuche nicht um Sympathie oder Vertrauen, sondern schlicht weg um die Nachsorge und ein paar Geburtsvorbereitende Maßnahmen.

    Dementsprechend kühl war unsere Verbindung zueinander. Es war nicht unbedingt unangenehm, aber eben distanziert-professionell.

    Nie wurde über mich gesprochen

    Womöglich ein Grund weswegen meine Wochenbettdepression nie zur Sprache kam – wir haben nie von mir gesprochen, sondern einfach immer nur über das Baby.

    Diesmal wollte ich das nicht. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht wieder so werden muss: Tina nahm sich gut anderthalb Stunden Zeit für unser Erstgespräch. Sie hat meine Daten aufgenommen, aber auch Fragen zu mir und die erste Geburt gestellt.

    Sie hat sich die gesamte Geschichte angehört. Dann haben wir über meine Wunschvorstellung der Geburt gesprochen: Der hebammenbegleitete Kreißsaal in Bonn.

    Das ist ein Kreissaal in dem die Hebammen „das Sagen“ haben und Ärzte nur im Notfall dazu stoßen. Es gibt in ganz Deutschland nicht mal zehn solcher Kreißsäle. Und hier in Bonn haben wir einen!

    Ich war happy und hatte Hoffnung, dass die selbstbestimmte Geburt – wenn schon nicht mit Beleghebamme – so klappen würde.

    Meine Hebamme herzlich und ehrlich

    Leider nahm mir Tina diese Hoffnung. So herzlich wie sie zu sein scheint, so ehrlich ist sie:

    „Mit deiner Vorgeschichte und der daraus resultierenden Risikoschwangerschaft, wird es wohl nichts werden, leider“.

    Mittlerweile sollte ich daran gewöhnt sein, dass meine Träume verpuffen. Aber irgendwie war das dennoch ziemlich belastend…

    Bei meiner ersten Schwangerschaft war ich 10 Tage drüber, wurde 3 Tage eingeleitet und erhielt einen Kaiserschnitt nach Geburtsstop. Dieses Risiko würde der Kreißsaal nicht eingehen, um sich „die Quoten“ nicht zu versauen.

    Irgendwie einleuchtend, wenn auch ziemlich wirtschaftlich und unmenschlich. Tina hat mich ermutigt, es dennoch zu versuchen. Sie wollte mich nur darauf vorbereiten, dass mein Wunsch wahrscheinlich eine herbe Enttäuschung erfahren würde.

    Verstanden werden ist sehr wichtig

    Ich bin ihr sehr dankbar für ihre Offenheit. Tina versucht nichts zu umschreiben, sie ist sehr direkt und ehrlich. Etwas, was ich an einem Menschen schätze. Sie sagt, was sie denkt – wie ich.

    Das macht sie sehr sympathisch für mich. Sobald es so weit ist, werde ich mich um einen Termin bemühen, werde aber auch nach Alternativen suchen.

    Beispielsweise auch, wo man einen geplanten Kaiserschnitt machen kann. Tina meinte ganz klar: „Nach deiner Geschichte kann ich deinen Wunsch total nachvollziehen, einen geplanten Kaiserschnitt zu machen.

    Ich stehe da voll hinter dir – egal wofür du dich entscheidest.“ Ich hatte das Gefühl sie meint es ernst. Das war mir sehr wichtig und ich wusste: Die nimmste, die ist cool und akzeptiert dich.

    Regelmäßiges Durchchecken

    Tja und nun komme ich also bei Tina unter und lasse mich im Wechsel zum Frauenarzt alle 4 Wochen von ihr durchchecken. So habe ich alle 2 Wochen eine Vorsorge für´s Baby, was mir nochmal mehr Sicherheit gibt. Das ist ja sehr wichtig für mich.

    Sie weiß auch von meiner Depression und daher bin ich zuversichtlich, dass sie mich bei den ersten Anzeichen zur Brust nimmt und mir den Kopf zurechtrücken wird. Das nimmt mir auch die Angst nochmal in so ein Loch zu stürzen wie nach Claires Geburt.

    Liebe Schwangere: Die Hebammen-Situation – gerade bei Beleghebammen – ist sehr angespannt. Immer wieder lese ich von Frauen, die gar keine Hebamme mehr gefunden haben. Daher mein Rat an euch:

    Sucht frühzeitig, am Besten mit Bekanntwerden der Schwangerschaft nach einer Hebamme und nehmt nicht die Erstbeste, die euch über den Weg läuft. Hört auf euer Gefühl, immerhin erlebt sie viele intime Momente und Gedanken mit euch.

    Was ist mit euch? Seid ihr noch auf Hebammensuche oder habt ihr eine bekommen oder bewusst darauf verzichtet? Gibt es bei euch in der Region auch einen akuten HebammenMangel?

    Kennt ihr übrigens schon unsere Hebammenschülerin Kati? Sie berichtet Euch von ihrer Ausbildung.

    Übrigens engagiert sich das Babytalk-Team mit dem Weltrekord für Hebammen für eine von der Wirtschaftlichkeit entkoppelten Geburtshilfe in Deutschland. Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, findet ihr nähere Informationen unter dem Link Strochenfonds.org, Hinweise der Redaktion.

    Eure Yasmin  (Babytalk – Autorin)

    *Name geändert

    Beitragsfoto: Siegi /shutterstock