Autor: Tamara Beck

  • Die Menstruationstasse, eine Frauensache

    Die Menstruationstasse, eine Frauensache

    Die Menstruationstasse: Fast 4,5 Jahre (also seit meiner ersten Schwangerschaft) bin ich von der Menstruation verschont geblieben. Praktisch durchgehend. Nach der Geburt stillte ich fast 10 Monate, 3 Monate später suchte sie mich zum ersten Mal wieder auf und danach war ich wieder schwanger.

    Ich stille noch aber nach 20 Monaten und 10 Tagen Stillzeit kam sie zurück, leider. Ich hatte sie überhaupt nicht vermisst, nicht die Bohne!

    Und ich schätze fast jede Frau könnte gut ohne leben, aber sie muss eben sein. Schließlich ist sie indirekt dafür verantwortlich, dass wir Babys bekommen. Also sollten wir sie auch ein bisschen schätzen … Die Menstruation.

    Nachdem ich also meine Tage wieder bekommen hatte, erinnerte ich mich an etwas, dass ich in einem Online-Shop fand und das so aussah:

    Menstruationstasse

    Ich war mir nicht ganz sicher, was ich mit diesem Monstrum anfangen sollte, lass die Beschreibung und fand das dann doch ziemlich innovativ. Es war eine Menstruationstasse.

    Ich erinnere mich noch zu gut daran, immer bei Aktionen Multipacks meiner favorisierten Tampons zu horten, da während eines Menstruationszyklusses gut und gerne eine Packung drauf geht und man unterwegs sowieso immer zu wenig dabei hat.

    Mal abgesehen davon, dass man die Dinger mitschleppen und die gebrauchten sowie die Hülle und die Verpackung unauffällig entsorgen muss.

    Die Aussicht darauf, dies nicht mehr tun zu müssen – und Geld zu sparen – denn ich werde wohl oder übel bis zur Menopause (die hoffentlich noch auf sich warten lässt!) an jedem verdammten Monat menstruieren, ließ mich dann doch eine Menstruationstasse bestellen…

    Und heute habe ich ihn zum ersten Mal benutzt, da die Kinder außer Haus waren (und ich dafür Zeit und Muße brauchte, da mich schon den ganzen Tag über eine recht starke Blutung nervte… ;).

    Menstruationstasse – einfacher als erwartet

    Ich sterilisierte ihn erst (im Steamer, Kochtopf tut’s auch…) und guckte mir die Anleitung genau an. Es ist eigentlich simpel. Erst konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich dieses Ding, das zwar nicht länger aber dicker als ein Tampon ist, in mich hineinbringen soll (ähm…) aber es funktionierte.

    Wenn der der Becher nass ist, geht es wirklich problemlos. Man muss die Menstruationstasse nur vorher falten und dafür gibt’s zwei Varianten, die in jeder Packung gut verständlich erklärt sind.

    Einmal richtig drin (und zwar nicht so hoch wie ein Tampon, sondern so tief wie möglich), merkt man ihn nicht. Ich spürte nur ein wenig den Rückhol-Stil, das man individuell etwas stutzen kann.

    Die Menstuationstasse bildet im Innern des Körpers ein Vakuum, so dass nichts „daneben“ läuft. Ich ließ ihn den ganzen Nachmittag drin und wollte ihn dann, nur aus Neugier, nicht etwa weil ich „überlief“, entfernen.

    Das Rausnehmen stellte sich als etwas trickier heraus als das Einführen. Das lag wohl daran, dass er doch etwas zu hoch drin saß und ich meine Fingernägel nicht geschnitten hatte (das wäre ein guter Tipp weil sonst piekst man sich dauernd selber – autsch)!

    Weil, zuerst sollte man das Vakuum lösen. Mit etwas Zug am Röhrchen u/o dem Einsatz der ja hoffentlich noch vorhandenen Beckenbodenmuskulatur und der richtigen Position (Hocke z.B.) bringt man den Menstruationstasse raus.

    Es fühlt sich fast an wie eine kleine Geburt!

    Nein, so arg ist es nicht, tut auch nicht weh und der Becher ist aus weichem, medizinischem Silikon.

    Der Aha-Effekt

    Einmal draußen, begutachtete ich das Ding und hatte einen kleinen Aha-Effekt: Zum ersten Mal seit ich etwa 11 oder 12 war, sah ich, was da an Flüssigkeit aus meinem Körper kommt. Man sieht das Blut ja sonst nur auf Binden, Slipeinlagen und Tampons …

    Spannend … viel war es gar nicht, ich hätte die Tasse noch länger drin behalten können, ich glaub‘ er war nicht einmal halb voll. Das ist einer der vielen Vorteile:

    Man kann sie viel länger drin behalten als ein Tampon. Gut 4 Stunden, problemlos, natürlich individuell je nach Menstruationsstärke etc. Die Tassen in Trichterform sind in zwei Größen, die in Kirschform nur in einer Größe erhältlich, passen aber immer.

    Vorteile der Menstruationstasse

    • Hält länger insgesamt (Jahre) und bietet auch während des Zyklus länger Schutz (muss weniger oft gewechselt werden)
    • hält rund 3x länger als Tampons (also auch über Nacht)
    • Wiederverwendbar: einfach herausnehmen, ausleeren, abwaschen und wieder einsetzen
    • bequem und praktisch, sehr auslaufsicher
    • Kein Abfall
    • günstig im Vergleich zu Tampons etc.
    • sehr hygienisch
    • trocknet die Scheide nicht aus (z.B. an den „leichten“ Tagen)
    • Das Blut wird gesammelt, nicht gestaut
    • weniger Irritationen, wie Hautausschläge, Kneifen, …
    • Nie mehr jemanden um einen Tampon bitten müssen
    • platzsparend (man muss keine Tampon-Boxen mitschleppen)
    • Für unterwegs muss man höchstens eine Wasserflasche mitnehmen um ihn auf der Toilette ausspülen zu können
    • ökologisch / kein Abfall
    • ideal für jegliche Sportarten
    • super für empfindliche Frauen, die zu Allergien/Pilzinfektionen neigen
    • kein „Fädchen“, das raushängt.

    Nachteile gibt es meiner Meinung nach nicht, ich finde es toll, den Menstruationsbecher für mich entdeckt zu haben. Ich habe schon von Frauen gehört, die meinten, dass der Becher ihr Leben verändert habe. Aber schaut selber oder probiert es aus.

    Mens-Tasse „how to“

    Das Einführen ist nicht viel schwieriger als das eines Tampons. Der Menstruationstasse flutscht, mit Wasser angefeuchtet, ganz gut. Man „faltet“ sie und führt sie dann ein und zwar gar nicht so tief…

    Mit Hilfe des „Stängelchens„, das man auf seine individuelle Wunschlänge kürzt, kann man die Tasse auch gut wieder entfernen. Einfach etwas zusammendrücken um das Vakuum zu lösen.

    Während der Mens leert man die Tasse jeweils in der Toilette aus und spült und reinigt sie dann mit sauberen Händen und warmem (Seifenwasser). Nach der Mens kann man sie auskochen. Die Hersteller empfehlen, die Tasse während der Mens alle 4-8h zu leeren.

    Unschlagbarer Vorteil: Menstruationstasse beim Sport

    Ich habe kaum mehr Tampons benutzt und wenn, dann immer mit dem unguten Gefühl, dass es ausläuft. Mit der Tasse hat man höchst selten mal einen „Unfall“, da muss sie echt irgendwie blöd sitzen oder sich nicht entfaltet haben, aber das passiert wirklich kaum. Und man merkt es dann ja…
    Gerade beim (Kampf)Sport ist die wirklich felsenfest sitzende Tasse einfach ein Riesenvorteil! Tampons sind mir mit der Zeit nämlich auch schon eine Etage tiefer gerutscht, warum auch immer, und das ist dann echt nicht mehr bequem. Und es gibt nun mal Situationen, da kann man nicht schnell auf’s Klo rennen *g*.

    Unterwegs musste ich die Tasse bisher kaum wechseln. Wer doch mal auf eine öffentliche Toilette ohne integriertes Lavabo muss, nimmt einfach eine Flasche mit auf’s Klo um die Tasse dort diskret auszuwaschen.

    Kombinationsmöglichkeiten:

    Ich nutze die Tasse manchmal mit waschbaren Slipeinlagen aus Stoff und beim Sport gerne mit den Thinx, Slips, die das Blut auffangen und nach einer Wäsche wieder einsatzfähig sind. Im verlinkten Beitrag ist beides beschrieben – eine tolle Sache und ich muss echt nichts mehr kaufen in punkto Monatshygiene.

    Mittlerweile habe ich den Menstruationsbecher schon gut 2 Jahre und es gibt natürlich bereits verschiedene Anbieter von „Menstassen“. Allerdings bin ich bei meiner erstgekauften Marke geblieben, die passt einfach perfekt.

    Und wann steigst Du um?

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

    Foto im Beitrag: gregory_lee von Photos Pro (über Canva)
  • Reboarder – fährt Dein Kind schon rückwärtsgerichtet?

    Reboarder – fährt Dein Kind schon rückwärtsgerichtet?

    Sicherlich habt Ihr das Wort Reboarder auch schon gehört. Das ist ganz einfach ein rückwärtsgerichteter Kindersitz. Als ich vor 5 Jahren für meine Tochter den Nachfolgesitz nach der Babyschale kaufen wollte, war ich zum ersten Mal auf das Thema Reboarder aufmerksam worden. Für mich war dann auch gleich klar, dass es so einer sein muss. Ich erkläre Euch, warum.

    Vor 5 Jahren gab es bei uns genau einen einzigen Laden, der dann auch nur ein einziges Modell eines rückwärtsgerichteten Kindersitzes führte. Das hat sich mittlerweile zum Glück geändert:

    Reboarder haben stark an Bekanntheit gewonnen, nicht zuletzt vermutlich dank einiger weniger Eltern, die sich dafür stark gemacht haben. Auch ich habe sicher eine ganze Handvoll befreundetet Mamas davon überzeugen können.

    Dabei sollte man sich nicht fragen, warum es ein Reboarder sein muss, sondern, warum sie nicht Standard sind, denn wenn wir einen Blick über die Grenzen wagen, ist Rückwärtsfahren, je nach Land, bis zum 15. Lebensmonat oder länger Pflicht und Reboarder selbstverständlich.

    Reboarder – Die sicherste Wahl

    Warum? Weil sie ganz einfach die sicherste Wahl sind, wenn es um Kinder im Auto geht, auch wenn er in seltenen Fällen zu Verletzungen von Kindern führt, die mit einem vorwärtsgerichteten Kindersitz nicht passiert wären.

    Nichtsdestotrotz passieren diese in wesentlich seltener. Niemand stellt in Frage, dass Babys in der Schale rückwärtsfahren, warum also nicht auch ältere Kinder bis zum 3./4. Lebensjahr? Denn so lange dauert es, bis die Proportionen etwas ausgeglichen sind.

    Je jünger das Kind, desto schwerer und größer ist ihr Kopf im Verhältnis zum Körper – und damit besteht immer eine große Verletzungsgefahr für den Hals-/Nackenbereich, wenn es zu einem Aufprall/Unfall kommt.

    Über 80% kleiner ist die Verletzungsgefahr bei einem Unfall wenn das Kind rückwärts statt vorwärts fährt.

    Es lohnt, sich auf einer entsprechenden Seite (siehe Verlinkung) über das Thema zu informieren. Dort findet man neben Infos zur Entscheidungshilfe auch Links zu Beratern, Händlern etc.

    Ein Unfall ist schnell passiert und die Sicherheit meiner Kinder steht vermutlich nicht nur für mich an erster Stelle, weshalb ich damals keinen Moment zögerte.

    Erstmal fuhr meine Tochter so lange in der Babyschale bis sie mit dem Kopf oben „anstieß“ (mit ca. 15 Monaten war das wohl) und danach kauften wir den damals eben einzig erhältlichen Cybex Sirona, in dem nun auch unsere Jüngste fährt.

    Der Sitz war natürlich ein wenig teurer als ein nach vorne gerichteter, aber für mich jeden Rappen wert, wenn ich weiß, wie gut er mein Kind schützt. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Reboardern auch sichere, schöne und günstige von Cybex.

    Ein an der Kopfstütze befestigter Spiegel, siehe Foto, sorgt dafür, dass ich meine Tochter im Rückspiegel sehe.

    Und? Fährt Euer Kind im Alter von bis zu 4 Jahren auch rückwärts?

    Eure Tamara Beck (Babytalk – Autorin)

    Weitere Informationen und einen onlineshop findet Ihr bei Kindersitzprofis.

    Beitragsfoto: wavebreakmedia / shutterstock
  • Babyschlaf – Na, schläft das Kleine schon durch?

    Babyschlaf – Na, schläft das Kleine schon durch?

    Babyschlaf: Das ist so ungefähr die meist gestellte Frage, die junge Eltern hören. Etwas anderes fällt wohl den Leuten nicht ein, wenn sie einen Smalltalk über das Baby führen wollen. „Wie war die Geburt?“ ist dann eher etwas für sehr nahe stehende. *lach*

    Trotzdem: die meisten seufzen innerlich und antworten selten wahrheitsgemäss, impliziert doch die Frage eine Erwartung, gerade wenn sie von älteren Semestern kommt.

    Die Erwartung, dass man es doch mittlerweile hinbekommen haben sollte, mit dem „Babyschlaf“. Als wenn es sich um eine sportliche Leistung handeln würde. Wissende Jung-Eltern würden sie nie stellen.

    Interessant ist, dass das Durchschlafen weltweit eher spät „erwartet“ wird, wie z.B. eine Tabelle des Kinderartzes Remo Largos in seinem Standardwerk „Babyjahre“ zeigt. Eltern aus Indien erwarten dies z.B. mit 5 Jahren.

    Dasselbe gilt für’s alleine schlafen, das z.B. Eltern aus Costa Rica nicht vor 6 Jahren erwarten. Dass Kinder nachts noch häufig erwachen, ist normal. Bei Babys sowieso.

    Erst wenn sie die entsprechende Reife für’s Durchschlafen entwickelt haben, schaffen sie mehrere Stunden am Stück bzw. die ganze Nacht. Und das kann auch erst mit 5 Jahren der Fall sein. 20-40% der Kinder wachen im Alter von 4-5 Jahren nachts noch auf, wie eine andere Tabelle bei Largo zeigt.

    Der Tag- / Nachtrhythmus muss sich finden

    Zuerst muss sich der Tag-/Nachtrhythmus einpendeln, was normalerweise bis zum Alter von etwa 3 Monaten der Fall ist. Vorher schlafen Babys auch noch häufig und lang tagsüber.

    Mit gleichbleibenden Ritualen, die das Zubettgehen abends langsam einläuten, wie z.B. einer dunklen und ruhigen Schlafumgebung und der Nähe zur Bezugsperson schaffen es Babys bald, zuverlässig in einen (längeren) Nachtschlaf zu finden.

    Viele Mütter nutzen die „Kraft“ des Stillens, um ihr Baby sanft in den Schlaf zu begleiten. Wieder andere legen sich einfach mit dem Baby hin und streicheln es. Väter tragen und wiegen ihr Kind übrigens häufig sehr gerne in den Schlaf.

    Wider der weit verbreiteten Meinung, man könne das Baby nur schlecht wieder von solchen Gewohnheiten, wie einen „schlechten Babyschlaf“ lösen, dem sei gesagt, dass noch jedes Kind mit zunehmender Reife früher oder später auch mit anderen „Einschlafhilfen“ zufrieden ist – sei es ein Nuggi, Kuscheltier oder ein Hörspiel.

    Die Betonung liegt hierbei auf Kind. Babys sollten nicht alleine einschlafen müssen und dies schon gar nicht weinend. Schläft ein Baby jedoch auch problemlos alleine in seinem Bettchen ein, ist auch das nicht verkehrt.

    Es kann sich jedoch plötzlich wieder ändern, denn Babys sind eigentlich von Natur aus darauf „programmiert“, Alarm zu schlagen, wenn man sie alleine lässt. Schließlich wären sie sonst dem hungrigen Säbelzahntiger ausgeliefert gewesen.

    Das Co-Sleeping

    Das sogenannte Co-Sleeping ist für viele eine optimale Lösung um zu genügend Schlaf/Erholung zu kommen während das Baby sicher und geborgen ist, dies gilt besonders für stillende Mamas, da sie so nachts nicht aufstehen müssen.

    Für Eltern mit mehreren kleinen Kindern, die nachts noch viel Nähe brauchen, erweist sich sogar ein großes Familienbett als ideal. In anderen Kulturen und auch in der Vergangenheit war bzw. ist das gemeinsame Schlafen in einem Raum Normalität.

    Werden ein paar Regeln zur Sicherheit beachtet, spricht auch mit einem kleinen Baby nichts dagegen. Ob Familien- oder normales Bett: ein Beistellbett neben der Mutter ist anfangs ideal. Das Baby schläft dort ohne Decken, Kissen etc., nur z.B. in einem Schlafsack (außer wenn es zu heiß ist) und kann, je nach Modell, später in ein normales Bettchen umfunktioniert werden.

    Die Schlafrhythmen von Mutter und Baby gleichen sich übrigens an, wenn beide nebeneinander schlafen, so dass die Mutter weniger aus dem Tiefschlaf gerissen wird – eine praktische Einrichtung der Natur.

    Babyschlaf – Fazit

    Abschließend bleibt zu sagen, dass rund um den Babyschlaf so manche Mythen kursieren mögen und die Erwartungen hoch sind – vermutlich ein Resultat der heutigen Leistungsgesellschaft. Jede Familie darf ihren eigenen Weg finden, um dem Baby eine geborgene Schlafumgebung zu schaffen.

    Und sollte jemand die eingangs erwähnte Frage stellen, darf man gerne augenzwinkernd antworten: „Natürlich schläft es schon durch – immer bis zur nächsten Still-/Milchmahlzeit!“

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

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    Beitragsfoto: RPT.Family / shutterstock
  • Baby led weaning – Wie mein Kind begann feste Kost zu sich zu nehmen

    Baby led weaning – Wie mein Kind begann feste Kost zu sich zu nehmen

    Unsere Autorin Tamara hat uns einen schönen Erfahrungsbericht zum Thema „Baby led weaning“ geschrieben, wie ihre drei Kindern mit dem Essen von fester Nahrung begannen.


    Ich habe meine Kinder stets gerne gestillt. Ich fand es nicht nur schön, sondern auch super praktisch. Und so eilte es mir auch gar nicht, mit Beikost zu beginnen.

    Beim ersten Kind wusste ich noch nichts von „Baby led weaning“ und da mein Mann und ich keine Gläschenkost kaufen wollten, standen wir immer lange in der Küche um für unseren Sohn Brei zu kochen, abzufüllen und einzufrieren.

    Die ganze Arbeit war aber ziemlich sinnlos – außer Apfelmus rührte er kaum etwas an und auch letzteres nahm er nur in Mini-Mengen an während gleichaltrige Babys fast das Vierfache gierig verschlangen. Ich beobachte das erstaunt.

    Erst als er ab ca. 12 Monaten so richtig gut und selber am Familienessen partizipieren konnte, ass er auch größere Mengen.

    Beim zweiten Kind sollte es anders laufen

    Beim zweiten Kind wollte ich mir die Kocherei ersparen und hörte dankbarerweise frühzeitig von „Baby led weaning“.

    Dass das Baby selber entscheiden soll, was es zu sich nimmt und die Muttermilch im ersten Lebensjahr sowieso noch die wichtigste Nahrungsquelle darstellt, klang wunderbar „bequem“ für mich und auch sinnvoll für das Kind, dem nichts in den Mund geschoben wird und das von Anfang an mit der „richtigen“ Konsistenz der verschiedenen Lebensmittel Bekanntschaft macht.

    Auch beim dritten Kind starteten wir das „Erlebnis Beikost“ vor rund 3 Monaten auf diese Weise. Meine Tochter freut sich stets sehr, wenn wir sie in den Hochstuhl an den Tisch setzen und kann es kaum erwarten, in ihr Schüsselchen zu greifen.

    Baby led weaning: Am Anfang musste die Kleine beim Essen noch ab und zu würgen

    Während der ersten Wochen würgte sie noch häufig. Hilfe brauchte sie aber selten. Das Würgen hat sich mittlerweile komplett verloren. Sie bekam anfangs je nach Lebensmittel mindestens daumengrosse Stücke, die sie gut greifen/halten konnte.

    Jetzt, mit 8 Monaten, hat sie den Scherengriff perfektioniert und erhält auch kleinere Stücke. Ich schneide ihr z.B. Weintrauben in 3-4 Scheibchen, weil sie (immer noch zahnlos) diese samt Haut auf diese Weise besser kauen und schlucken kann.

    Manchmal fliegt auch etwas durch die Küche

    Sie zeigt mittlerweile auch deutlich, wenn sie etwas nicht mag, indem sie es einfach auf den Tisch pfeffert. Wir bieten ihr dennoch auch die verschmähten Lebensmittel regelmäßig an. In der Regel bekommt sie Obst, Rohkost, Brot etc. oder ich zweige vor dem Salzen etwas ab wenn ich koche.

    Gestillt wird sie daneben weiterhin nach Bedarf. Brei geben wir ihr selten bis nie. Es wäre für mich natürlich auch kein Problem wenn sie, z.B. in der Kita, Brei bekäme. Aber da sie jeweils eh nur kurz dort ist, war das noch nicht der Fall.

    Mit drei Kindern haben wir am Tisch sowieso keinen Arm zu viel, der sich auch noch ums Füttern kümmern könnte und ihre Freude, wie die Großen am Tisch mitessen zu können, bestätigt uns, wie natürlich und schön das „Baby led weaning“ auch für sie ist.

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

  • Beim Langzeitstillen scheiden sich die Geister

    Beim Langzeitstillen scheiden sich die Geister

    Heute haben wir ein sehr brisantes Thema für Euch. Denn beim Thema Langzeitstillen scheiden sich die Geister. Unsere Babytalk-Autorin Tamara hat hier ein paar Informationen sowie einen Einblick in ihre persönliche Still-Erfahrung aufgeschrieben. Ihren Blog findet ihr übrigens unter http://nestwaerme.li/.


    Langzeitstillen

    „Langzeitstillen“ ist nichts, das man plant, oder: planen kann. Denn zu einer Stillbeziehung gehören immer zwei und im Idealfall beendet man diese einvernehmlich. Die Weltgesundheitsorganisation kurz WHO sagt dazu:

    6 Monate voll stillen ist super und dann gerne 2 Jahre oder darüber hinaus, zusätzlich zur Beikost, wobei die (Mutter)milch zumindest im ersten Jahr noch Hauptnahrungsmittel ist.

    Und auch wenn wir hier durchaus genügend Alternativen zur Muttermilch haben, birgt das Langzeitstillen viele Vorteile für Mutter und Kind.

    Die Muttermilch ist sehr gehaltvoll und schützt die immer mobiler werdenden Kinder vor Krankheitserregern. So sind diese auch nach der Einführung von Beikost optimal mit Nährstoffen, Vitaminen, Abwehrstoffen und Kalorien versorgt.

    So steigt die Zahl der Immunglobuline mit etwa 6 Monaten stark an und dem Bedürfnis nach mehr Energie wird mit einem höheren Fettgehalt der Muttermilch Rechnung getragen.

    Wissenschaftler sind sogar zu dem Schluss gekommen, dass Langzeitstillen späterem Übergewicht vorbeugt und die Möglichkeit an bestimmten Krankheiten zu erkranken, mindert. Auch für die Mutter lohnt es sich, denn je länger sie stillt, desto geringer wird ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Nicht zuletzt liegen auch die praktischen Vorteile auf der Hand, von denen ich weiter unten berichte.

    Meine Erfahrungen mit dem Langzeitstillen

    Um von meinen Erfahrungen zu sprechen: ich habe meine Tochter 4,5 Jahre lang gestillt. Zuletzt vermutlich trocken. Da war ich nämlich mit meinem jetzigen Stillkind schwanger und sie nuckelte nur noch selten und sehr kurz. Da es mir, bedingt durch die Schwangerschaft, auch unangenehm wurde, bat ich sie dann jeweils auch darum, es nicht mehr zu tun, „weil es mir weh mache“.

    Und so war es dann kurze Zeit später das letzte Mal. Wir sind in diese lange Stillbeziehung hineingewachsen und das war richtig spannend. Kurz vor dem 2. Geburtstag trank sie eine Zeit lang seltener an der Brust, so dass ich dachte, sie stille sich ab, danach wurde es dann aber irgendwann wieder mehr. Natürlich ass sie normal vom Tisch. Das Stillen diente nur noch bedingt der Nahrungsaufnahme.

    Mama tanken

    Sie wollte als Kleinkind immer dann an die Brust, wenn sie müde war, so stillte ich sie lange abends und nachts in den Schlaf und sie kam auch kurz an die Brust um „Mama zu tanken“, wenn sie sich weh tat, mit dem Bruder Streit hatte oder ähnliches.

    Auch für mich waren diese Momente immer sehr schön. Ich musste mich aktiv besinnen, alles weglegen und kam so jedes Mal selber zur Ruhe. Ich genoss die Nähe zu ihr, konnte ihr über’s Haar streichen und Pause machen.

    Stillen in der Öffentlichkeit

    Mit der Zeit stillte ich sie eigentlich nur noch zuhause. Nur im Hallenbad wollte sie zwischendurch mal an die Brust, was ich auch zu ließ. Gestört hat das nie jemanden, wobei ich mich weder exponierte, noch mich dafür irgendwo versteckte. Für mich war es nie etwas Unnatürliches.

    Obwohl es gerade mal ein Jahr her ist, dass ich sie nicht mehr stille, wäre es für mich heute nicht mehr vorstellbar. Sie ist, seit das Baby da ist, eben einfach von heute auf morgen ungeheuer groß geworden. Vorher war immer sie das Baby. Jetzt ist sie eben die Große.

    Stillen in der Öffentlichkeit“ ein Beitrag von unserer Autorin Verena, Hinweis der Redaktion.

    Kind entschied den Moment des Abstillens

    Ich bereue es kein bisschen, so lange gestillt zu haben. Ich trug auch trotzdem irgendwann wieder normale BHs. Und ich band keinem auf die Nase, dass wir noch stillen, war aber immer ehrlich, wenn ich gefragt wurde. Niemand störte sich daran. Und das Schönste: ich konnte wirklich mehr oder weniger meine Tochter entscheiden lassen.

    Auch wenn zum Schluss vielleicht ich der ausschlaggebende Punkt war, so „schleifte“ sich das Stillen doch schon zuvor über Monate hinweg immer mehr aus. Es gab schon lange vor dem letzten Stillen mehrere Tage in Folge, an denen sie gar nicht mehr an die Brust wollte, auch wenn ich es ihr anbot.

    Mit 4 Jahren schlief sie auch schon durch und brauchte die Brust nur noch sporadisch zum Einschlafen. Kuscheln reichte ihr meistens.

    Langzeitstillen – Eine wunderbare Erfahrung

    Und so war es für uns eine wunderbare Erfahrung und ein Glück, so lange Stillen zu können und ich bin nun sehr gespannt, wie es mit meinem nun 6 Monate alten, noch voll gestillten Baby wird. Bestimmt wieder spannend, denn ich merke schon jetzt, dass dieses Stillkind wieder einen ganz anderen Charakter hat!

    Verständlicherweise ist Langzeitstillen nicht für jede Mama etwas… manche lassen es für sich offen, andere setzen sich „Deadlines“ (und halten sie dann gar nicht ein) und für wieder andere kommt irgendwann aus verschiedenen Gründen dann doch der Punkt, abzustillen. Was denkt Ihr darüber?

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

    Übrigens haben wir noch einen Linktipp für Euch: Auf Stillkinder.de sind viele gute Tipps zum Stillen zu finden, unter anderem auch, ob es gut für das Kind ist, schon nach dem fünften Monat abzustillen.

    Beitragsfoto: sittipong kitsamran / shutterstock
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    Pinterest 2: Elena_P / Getty Images Pro
  • Babys wollen getragen werden

    Babys wollen getragen werden

    Babys tragen: Der Mensch ist ein Tragling. Von seiner Entstehung an verbringt er seine Zeit im warmen Fruchtwasser im Bauch seiner Mutter, ganz nah an ihrem Herzen, dessen Schlagen etwas vom ersten ist, das er wahrnimmt.

    Rund 40 Wochen, so lange wie eine Schwangerschaft ungefähr dauert, wird er getragen, genährt und gewärmt.

    Bei der Geburt kommt er heraus aus dieser angenehmen Geborgenheit, hinein in eine kühle, grelle Welt. Mit dem Abschneiden der Nabelschnur wird er physisch von seiner Mutter getrennt.

    Doch ihre Nähe wird er noch lange brauchen, denn der Mensch ist, physiologisch gesehen, eine Frühgeburt – unfähig, alleine zu überleben. Laufen kann er nicht, also wird er getragen – von all den lieben Menschen, die ihn umgeben, umsorgen und lieben.

    Und je öfter er getragen wird, desto wohler fühlt er sich. Seit Anbeginn der Menschheit wurden Kinder getragen wie auch kleine Säugetiere getragen werden.

    Bei Naturvölkern und Nomaden sieht man nur getragene Kinder, es ist bis heute auch eine Notwendigkeit. Getragene Kinder weinen weniger, haben ein gutes Urvertrauen, weniger Mühe mit ihrer Verdauung und es fördert alle ihre Sinne.

    So wird z.B. die Motorik durch die Bewegung des Tragenden angeregt; die Traglinge gleichen die Bewegungen automatisch mit ihrem eigenen Körper aus. Häufig getragene Babys sind deshalb in der motorischen Entwicklung oft schneller.

    Babys tragen fördert den Bindungsaufbau

    Aber auch die Kommunikation, quasi auf Augenhöhe, und das Miterleben des Alltags, ist ganz anders aus der Perspektive eines Erwachsenen im Gegensatz zum Liegen im Kinderwagen, das oft nur den Blick zum Stoffdach ermöglicht.

    Während die Bezugsperson, ihre Stimme und ihr Geruch weniger bis kaum wahrgenommen werden können.

    Zudem wird durch häufiges Tragen ein flacher Hinterkopf vermieden. Eltern, die tragen, haben ständigen Körperkontakt zu ihren Kindern, können bonden und haben ihre Hände frei für tägliche Arbeiten, für Geschwisterkinder, zum Einkaufen etc.

    Viel rascher nehmen sie die Bedürfnisse ihres Kindes wahr, wenn sie es so nah bei sich haben.

    Auch Eltern, die gerne draußen aktiv sind, wandern etc. oder sich frei durch die Stadt bewegen wollen, sind so viel flexibler. Treppen, enge oder steinige Wege und Schneematsch sind kein Hindernis.

    Babys tragen Mutter mit Baby in einer Trage

    Im kalten Winter frieren unter einer Trage-Jacke getragene Kinder nicht, da sie stets die Körperwärme des Tragenden spüren. Fiebrige Kinder sind beim Tragen ebenfalls gut aufgehoben, da es temperaturausgleichend wirkt.

    Tragehilfen fürs Baby

    Wer also beschliesst, sein Kind tragen zu wollen, der hat heutzutage die Qual der Wahl. Es gibt zahlreiche Firmen, die verschiedenste Tücher und Tragehilfen in allen möglichen Designs verkaufen. Die Tücher haben unterschiedliche Längen und Materialien, Tragehilfen gibt es zum Binden, mit Schnallen oder beides kombiniert.

    Manche „wachsen“ mit dem Tragling mit, andere eignen sich nur für eine bestimmte Zeit weil sie nicht oder nur begrenzt verstellbar sind. Und alle haben sie ihre Vor- und Nachteile.

    Tragehilfen sind rascher angelegt, mit Tüchern ist man von Geburt an bis zum Ende der Tragzeit, die durchaus einige Jahre dauern kann, wenn man z.B. gerne lange Strecken wandert, gut bedient.

    Zudem stehen einem mit den verschiedenen Bindeweisen alle Möglichkeiten offen. Man muss jedoch ein Flair dafür haben, diese erlernen zu wollen.

    Es rät sich aber in jedem Fall, vorher, wenn möglich auch schon in der Schwangerschaft, eine Trageberatung aufzusuchen.

    Trageberater/Innen

    TrageberaterInnen haben meist ein großes Sortiment an Tüchern und ergonomischen, empfehlenswerten Tragen und nehmen sich Zeit um mit den Eltern das Binden zu lernen oder eine passende Tragehilfe zu finden.

    Das ist nämlich eine sehr individuelle Angelegenheit und es empfiehlt sich in jedem Fall, die Tragehilfen vorher zu testen.

    Denn das Tragen macht nur Spaß, wenn es für beide bequem ist und diesbezüglich gibt es schon ein paar Punkte zu beachten. Beim Kind z.B. muss die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung garantiert sein, die Haltung also, die Babys automatisch einnehmen, sobald sie hochgenommen werden.

    Sie ziehen die Beinchen an – ein Reflex der für’s Tragen gemacht ist, so können sie sich an der tragenden Person „festklammern“. Zudem sollte der Steg oder das Tuch immer von Kniekehle bis zu Kniekehle reichen.

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

    Unter diesem Link erklärt Euch unsere Trageberaterin Mira die Bindeweise einer ring slings (Hinweis der Redaktion).

    Beitragsfoto: Halfpoint / shutterstock
    Foto2: Tamara Beck
    Pinterest: Fidella Tragetuch Sirens raspberry & Halfpoint / shutterstock
  • Windelfrei ab Geburt – wie geht das?

    Windelfrei ab Geburt – wie geht das?

    Hier kommt ein weiterer Teil zum Thema „Windeln“. Tamara Beck schreibt über die windelfreie Erziehung. Für alle, die sich dafür interessieren, oder denen wie bei uns die Ohren schlackern. „Wie, Babys windelfrei??! Wie geht das denn??!“


    Was bedeutet „windelfrei“?

    Man hört es immer öfter, dass Eltern ihre Babys „abhalten“, wenn sie mal müssen. Sie also über ein Lavabo, eine Toilette oder ein Töpfchen halten, damit sie sich entleeren können.

    Diese Babys tragen kaum Windeln, eher sogenannte „Back-ups“, die kleine Unfälle auffangen und dann in die Wäsche geworfen werden können.

    Aber woher wissen die Eltern, dass Ihr Baby muss? Es ist so, dass ein Neugeborenes nicht nur spürt, dass es Hunger hat oder müde ist (und sich dann bemerkbar macht), sondern eben auch, wenn es mal muss. Klingt irgendwie logisch.

    Früher und heute noch in den verschiedensten Kulturen auf der Welt, ging bzw. geht man darauf genauso ein wie auf die anderen Bedürfnisse: ein hungriges Baby wird gestillt, ein müdes in den Schlaf getragen, eins, das sich entleeren muss, wird abgehalten.

    Babys senden verschiedene Signale, die man mit der Zeit immer besser zu deuten weiß. Frischgebackene Eltern haben anfangs noch Mühe damit, zu unterscheiden, ob das quengelnde Baby nun Hunger hat oder müde ist.

    Trial and Error. Mit der Zeit geht das besser. So ist es auch mit den Ausscheidungen.

    Es gibt „sichere Treffer“

    Am einfachsten ist es, das Baby unten relativ frei zu lassen (was zuhause natürlich besser geht) und am Körper zu tragen. So merkt man relativ schnell, wenn es unruhig wird und kann es (ganz) frei machen und abhalten.

    Dabei gibt man einen Laut von sich wie „bssss“, welcher dem Baby später jeweils signalisiert, dass es jetzt pieseln etc. darf.

    Aller Anfang ist schwer: Neugeborene pieseln noch sehr, sehr oft und immer nur wenig, größere Babys seltener. Es kann am Anfang also oft mal was daneben gehen, weil man nicht ständig abhalten kann und vielleicht auch mal ein Zeichen verpasst.

    Das große Geschäft übrigens, merkt man den Kleinen besser an – da verzeichnet man schon bald erste Erfolgserlebnisse.

    „Sichere Treffer“ sind oft die Zeit nach dem Aufwachen (das kennen wir, danach muss man eigentlich immer auf die Toilette) und die Fütterungszeit – also vor, während oder nach dem Stillen bzw. Fläschchen geben.

    Viele Mütter lassen das Baby dabei direkt mal unten ohne und platzieren ein Asiatöpfchen oder ähnliches (ein kleines Töpfchen speziell für windelfreie Babys, im Fachhandel erhältlich) unter Baby’s Po.

    Beobachten, Spass haben

    Und sonst? Beobachtet Euer Baby einfach, mit der Zeit, so sagen viele, spüren sie intuitiv, dass ihr Baby muss, oft, bevor es sich überhaupt bemerkbar gemacht hat.

    Windelfrei soll aber kein Leistungssport sein, sondern Spass machen. Es darf auch mal ganz viel „wischen, waschen und lächeln“ sein.

    Und keiner soll sich unter Druck setzen, sein Baby den ganzen Tag lang beobachten zu müssen und nichts mehr anderes tun zu können. Man kann windelfrei auch „Teilzeit“ machen.

    Dann hält man eben nur bei den sicheren Treffern ab und zieht dem Kind für den Rest des Tages eine Stoffwindel an (diese eignen sich besser dafür, dass das Baby noch merkt, dass etwas kommt. Wegwerfwindeln saugen zu schnell).

    Oder man praktiziert tagsüber windelfrei, nachts aber nicht (Schlaf ist ja sooo wichtig für uns Eltern!) und unterwegs vielleicht auch nicht, weil man sonst Panik bekommt, das Sofa bei der Schwiegermutter zu beschmutzen…

    Damit windelfrei möglichst simpel bleibt, gibt es einige Dinge an Ausstattung, die man sich zulegen kann. Ich liste Euch weiter unten ein paar auf. Und keine Angst: je älter das Baby wird, desto eher kann es auch mal warten und seine Schliessmuskeln kontrollieren.

    Ich habe schon von Müttern gehört, dass sie an der Supermarktkasse, dem Kind im Tragetuch gesagt haben, dass es jetzt rasch warten muss bis man in den Waschraum kann. Und erst dort, nach etwa 10 Minuten, hat sich das Kind auf das „bssss“-Zeichen der Mutter entleert.

    Wann ist der optimale Zeitpunkt für den windelfrei-Start?

    Idealerweise beginnt man mit seinem Windelfrei-Experiment vor dem 3. Monat. Man muss nicht gleich ab Geburt starten, meist erwarten einen im Wochenbett ganz andere Herausforderungen.

    Windelfrei Gepucktes Baby am gähnen

    Allgemein wird beobachtet, dass Babys nach dem 3. Monat (zufälligerweise oft der Zeitpunkt, an dem die „Koliken“ aufhören – manche behaupten, es handle sich dabei lediglich um das verzweifelte darauf aufmerksam machen, dass das Baby mal muss und sich nicht selbst beschmutzen will …) aufgeben, sich mit den Windeln abfinden und das Gespür für ihr Ausscheidungsbedürfnis verlieren.

    Nützliche Accessoires für windelfreie Babys

    Das Töpfchen habe ich bereits erwähnt, das ist gerade beim Stillen sehr praktisch, kann man auch neben dem Bett aufstellen damit man nachts nicht aufstehen muss.

    Nicht immer ist ein Lavabo/eine Toilette in der Nähe… draußen kann man ein Kind auch dezent im Gebüsch abhalten, indem man in die Knie geht und am besten davor überprüft, ob niemand zuguckt – könnte ansonsten für ziemlich erstaunte Blicke sorgen.

    Aus China stammen die Splitpants. Kinder auf dem Land tragen diese ständig. Die hocken sich dann einfach irgendwo hin wenn sie mal müssen und der Po wird frei.

    Diese Hosen sind im Schritt geteilt und gehen auf wenn man die Beine etwas auseinander hält. Im Sommer erfüllen Babylegs, also Stulpen für die Beine diesen Zweck auch.

    Windelfreie Babys tragen darunter nicht „nichts“ wie in China, sondern meist ein Backup-System (da gibt es verschiedene Anbieter). Das ist eine dünne Art von Windel mit Bauchbund, die sich vom Bauch weg rasch runterklappen und wieder schließen lässt.  Meist sind sie einhändig verwendbar, so dass das Abhalten problemlos funktioniert.

    Wie erwähnt, ist das Backup dazu da, mal ein Malheur aufzufangen, danach muss es gleich in die Wäsche oder kann getrocknet werden. Ob man noch eine Mullwindel mit hineinlegt, um das Backup sauber zu halten, ist Geschmackssache.

    Zur windelfreien Kleidung gehören auch Unterhöschen für die ganz Kleinen, bei denen man schon sehr sicher ist. Und anstatt Bodys tragen sie lange Hemdchen oder auch Schlafsäcke mit Gummizug unten, der vor Kälte schützt, aber im Bedarfsfall schnell geöffnet werden kann.

    Viel Spass beim Ausprobieren! Und bei Fragen: schreibt diese einfach in das Kommentarfeld.

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

    Foto 1: Rachwalski Andrzej / shutterstock, 
    Foto 2: Vasiuk Iryna / shutterstock
  • Stoffwindeln für das Baby

    Stoffwindeln für das Baby

    Stoffwindeln haben sich in den letzten 20 Jahren extrem weiterentwickelt. Die Handhabung ist leichter geworden, das Material funktioneller und auch optisch haben sich Stoffwindeln sehr positiv verändert. Viele Eltern fragen sich daher:

    Lohnt sich der Wechsel auf diese umweltfreundlichere und ggf. auch hautfreundlichere Alternative? Muss man Angst vor Wäschebergen haben? Und wie ist die Handhabung mit diesen?

    Im folgenden die Vorteile der Stoffwindeln:

    Sie passen meistens von Geburt an bis zum Ende der Windelzeit (womit kein Wechseln auf eine andere Größe nötig ist, da in Stufen verstellbar).

    Viele Marken bieten auch Neugeborenen-Größen an, da die Kinder aber rasch wachsen, lohnt es sich eigentlich kaum, viele in dieser Größe zu kaufen.

    Sie sind im Grunde, je nach System, so einfach zu handhaben wie Wegwerfwindeln – sie haben dieselbe Form und werden mittels Klettverschluss oder Druckknöpfen verschlossen.

    Startet man früh genug, spart man viel Geld, da man nur ein Set an Stoffwindeln kaufen muss, dass dann für die ganze Windelzeit reicht.

    So zahlt man zwar einmalig mehr Geld, hat danach aber kaum mehr Ausgaben. Und der mühselige Windelkauf und das Schleppen und Unterbringen der Pakete bleibt aus.

    Bei mehreren Kindern rechnet es sich finanziell auf jeden Fall und mittlerweile ist der Stoffwindel-Secondhandmarkt groß genug, dass man entweder die Windeln aus zweiter Hand kauft und/oder nach Gebrauch wieder verkaufen kann. Windeln, die bereits in Benutzung waren, haben auch schon die optimale Saugkraft entwickelt.

    Der Abfallberg schrumpft! Kein wunder Po mehr. Besseres Körpergefühl: Stoffwickler schwören darauf, dass ihre Kinder schneller trocken werden, da sie eher merken, wenn „was kommt“.

    Natürlich saugen auch Stoffwindeln, aber weit weniger schnell als Wegwerfwindeln. Dies kann ich auch bestätigen.

    Mit 20 Monaten merkt meine Tochter mal mehr, mal weniger, dass sie „muss“. Sie merkt es wirklich! Eyecatcher! Stoffwindeln sind heutzutage einfach schön! Es gibt sie in allen Farben und Mustern und zum Teil sogar in Limited Editions.

    Stoffwindeln Stapel mit Stoff- und Einmalwindeln

    Einige Mamas haben einen Narren daran gefressen und zeigen gerne ihr Stoffwindel-Regal, wie andere ihr Schuh- oder Taschenregal.

    Gibt es auch Nachteile?

    Man muss häufiger waschen: Das kommt darauf an, wie oft das Kind in die Windel macht. Neugeborene machen natürlich häufiger in die Windeln.

    Da muss dann schon öfter gewechselt werden, man kann sich zusätzlich noch mit Wegwerfwindeln aushelfen. Oder den Zeitpunkt des Umstiegs verschieben.

    Stoffwindel brauchen ein spezielles Waschmittel: Um die Saugkraft zu erhalten, sind die üblichen Waschmittel-Zusätze nicht geeignet: Es darf keine Tenside enthalten.

    Und Weichspüler sind ein No-Go. Aber diese Waschmittelsind nicht teurer als herkömmliche und auch keineswegs schlechter.

    Für Selbermacher: Im Web findet man auch ein Rezept, um selber ein Waschmittel herzustellen. Auch „Waschnüsse“ o.ä. funktionieren.

    Was passiert mit dem „großen Geschäft“? Es ist anders als viele denken kein Problem! Erwartet man beim Kind Stuhlgang, mit der Zeit weiß man in etwa, wann der zu erwarten ist, legt man ein Windelvlies (in Rollen erhältlich, analog WC-Papier zum Abreissen) auf die Windel.

    Dies fängt den Stuhlgang gut auf, so dass man nur noch das Vlies vorsichtig rausnehmen und dann samt „Geschäft“ in die Toilette spülen kann. Das Vlies ist kompostierbar.

    Ist mal kein Vlies drin gewesen oder was daneben gegangen, hält man die Windel am besten in die Toilette und spült das Gröbste raus.

    Benutzt man All-in-2-Systeme mit herausnehmbaren Einlagen, kann man diese separat waschen. Während man die Höschenwindel aus Stoff mehrmals wieder verwenden kann, ohne diese jedes mal zu waschen.

    Es braucht viele Windeln:

    Man sagt, ca. 20 sind nötig damit man immer Nachschub hat. Das kommt aber darauf an, welches System man nutzt. Wie oft das Kind die Windeln füllt, wie schnell diese trocknen und wie oft man wäscht.

    Mit 10-12 Stoffwindeln hat meine eine gute Grundausstattung, da im Durchschnitt 2-3 Windeln pro Tag gebraucht werden.

    Stoffwindeln „tragen auf“:

    Sie sind tatsächlich breiter und je nach Hersteller und Einlagen auch dicker als Wegwerfwindeln, was Kinder in der Regel nicht stört. Für die Hüftentwicklung bei Neugeborenen ist das sogar ein Pluspunkt („breit wickeln“).

    Und unterwegs hat man einfach immer Reservewindeln dabei und nutzt ein „Wetbag“ mit Reissverschluss, in der man die Windeln transportieren kann.

     Wie aufbewahren/waschen?

    Da findet jeder seinen eigenen Weg. Es gibt Mütter, welche die Windeln nach Benutzung für einen Spülgang in die Maschine legen oder von Hand ausspülen.

    Ein Paar Tropfen Lavendelöl o.ä. im Waschkorb vermindert angeblich den Geruch. Ein abschliessbarer Eimer natürlich auch.

    Während warmer Sommertage kann man die feuchten Windeln gut draußen oder drinnen aufhängen und dann trocken in den Waschkorb legen.

    Je nachdem, wie voll die Windeln sind oder wie stark sie riechen, legt man sie vor dem Waschen für einen Spülgang (ca. 10min) in die Maschine. Dann erst gibt man das Waschmittel hinzu (es braucht nur sehr wenig) und wäscht die Windeln in einem regulären Spülgang.

    Je nach Marke 40° oder 60°. Sauber werden sie auf jeden Fall! Man muss keine Bedenken haben sie nur bei 40° zu waschen.

    Meine Persönliche Meinung zu Stoffwindeln

    Ich mag am liebsten AIOs (All in One) oder AI2s (All in 2s), da sie den Wegwerfwindeln am ähnlichsten sind. Während bei den AIOs die Einlage schon eingenäht ist, ist sie bei den AI2s meist einknüpf- oder einschiebbar. So muss man nicht jedes Mal die ganze Windel waschen, sondern nur die Einlage(n).

    Es gibt auch Systeme, die mit „Überhosen“ funktionieren.

    Das war mir dann zu aufwendig. Es gibt verschiedene Einlagen unterschiedlicher Saugkraft. Gängige dafür verwendete Materialien sind Bambus, Hanf oder Minky.

    Einige saugen mehr und sind z.B. speziell für die Nacht gedacht. Man kann auch zwei oder mehr Einlagen übereinander verwenden. Wenn man aber häufig genug wechselt, reicht eine aus.

    Auch nachts kam ich mit einer gut aus. Es ging nie was daneben. Das muss man aber ausprobieren. Jedes Kind ist individuell und es kommt wohl auch darauf an, wie viel Flüssigkeit es nachts noch durch Stillen oder Fläschchen zu sich nimmt, wie oft es wach wird etc.

    Bei Stoffwindeln hat man zudem, je nach Marke, die Möglichkeit, die Einlagen dem Geschlecht des Kindes anzupassen. Sprich sie werden dort gefaltet, wo das „Pipi“ hinkommt: Bei Jungs im vorderen Bereich, bei Mädchen eher in der Mitte der Winde.

    Es gibt verschiedene Stoffwindelsysteme auf dem Markt und viele Händler bieten „Testpakete“ an, was sehr praktisch ist, wenn man sich nicht entscheiden kann.

    Hier einige Stoffwindel – Marken:

    Blueberry, Blümchenwindel, Bum Genius,Charlie Banana, Pop-In, Rumparooz, Totbots (auch Trainerhöschen und Schwimmwindel),Windelmanufaktur.

    Und hier einige geeignete Waschmittel: Ecover, Rockin’Green Der Preis für eine einzelne Stoffwindel beläuft sich je nach Marke um die CHF 25.-

    Eine Limited Edition kann auch mal CHF 30.- kosten.

    Den Windeln liegt oft auch ein Flyer bei, eine „Gebrauchsanweisung“ und viele nützliche Infos. Die meisten Hersteller bieten Pakete zu 5-10 Windeln an, die dann günstiger sind.

    Dazu kommt noch das Windelvlies, das Waschmittel und allenfalls Zubehör wie zusätzliche Einlagen, ein geruchsdichter Eimer oder eine Nasstasche. (Beutel für unterwegs oder zuhause)

    Trainerhöschen und Schwimmwindeln werden ebenfalls von vielen Herstellern angeboten. Es lohnt sich, auch diese zu kaufen.

    (Die Wickelzeit bietet sich für Fingerspiele an, nachfolgend findet ihr einen schönen und interessanten Beitrag dazu, Hinweis der Redaktion)

    Eure Tamara (Babytalk – Autorin)

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