Schlagwort: Geburtsbericht

  • Was ist ein Geburtstrauma und wie kann man es bearbeiten / heilen?

    Was ist ein Geburtstrauma und wie kann man es bearbeiten / heilen?

    Der Begriff „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie „Wunde“, genau genommen seelische Wunde bzw. Verletzung. Von einer traumatischen Erfahrung spricht man, wenn sich ein Mensch in einer lebensbedrohlichen Situation befindet bzw. empfindet, in der er keinen Ausweg mehr sieht durch Kampf oder Flucht zu entkommen. Dabei kann es zu einer extremen Belastung des Gefühlsleben kommen. Nicht selten endet diese in einer Überforderung, da das Gehirn alles daransetzt, die verletzende Erfahrung zu verarbeiten. Daraufhin fällt das Gehirn in eine Art „Starre“. 

    Unser inneres Kind – dieser ursprüngliche unschuldige und schutzlose Teil von uns bleibt, erstarrt, sprachlos und verletzt tief verborgen in uns zurück.

    Alle Lebendigkeit und Fähigkeit zu fühlen und uns mitzuteilen scheint verloren gegangen. Unser Nervenenden arbeiten stehen in Flammen auf Hochtouren.

    Wir funktionieren nur noch im Automodus.

    Geburtstrauma entstehen in den seltensten Fällen allein durch starke körperliche Schmerzen unter der Geburt. In der großen Mehrzahl entsteht ein Trauma, wenn es während der Geburt zu einer Situation kommt, in der die Gebärende sich ausgeliefert und nicht in der Lage fühlt die „Kontrolle“ über den Prozess zurückzugewinnen. Dabei spielen fast immer andere Menschen, in aller Regel unbeabsichtigt, eine maßgebliche Rolle. Wobei in vielen Fällen eine Überforderung des Klinikpersonals eine Rolle spielt.

    Ursachen eines Geburtstrauma

    Der Rahmen bzw. die Atmosphäre in der die Geburt von statten geht, trägt entscheidend zur der Verletzlichkeit der Gebärenden bei. Und so fühlen sich sehr viele Frauen vor allem bei einem weiterfortgeschrittenen Geburtsprozess und der damit verbundenen „Nacktheit“ in diesem fremden Rahmen extrem verletzlich.

    Typische Auslöser sind nicht klar kommunizierte Interventionen, wie zum Beispiel das Setzen einer Injektion/Tropfs, eine nicht selten unter Stress unsanft ausgeführte vaginale Untersichungen oder fehlerhaft ausgeführte Kristeller-Handgriffe, etc.

    Sich unter der Geburt einem „schmerzhaften“ Angst verursachendem Geschehen hilflos ausgeliefert zu fühlen.

    Auch wenn sich womöglich viele dieser betroffenen Frauen bei durch mangelnde Kommunikation in einer weniger von Hormonen beeinflussten Situation nicht so ausgeliefert gefühlt hätten, fühlen sie sich unter der Geburt häufig schneller hilflos.

    Angst ist das prägende Gefühl. Diese kann durch Unwissenheit, Schmerz oder Hilflosigkeit bedingt sein. Angst bedeutet für unser Stammhirn, welches auf unsere tierischen Vorfahren zurückgeht, immer gleich Todesangst.

    Die typischen Verhaltensmuster bei Angst bestehen in Weglaufen, Angreifen und Erstarrung, wobei unter der Geburt aufgrund der Umstände vor allem die Erstarrung auftritt. Hauptkennzeichen der Erstarrung ist ein stockender Atem. Die Hilflosigkeit ohne eine Idee, wie man sich aus dieser Situation „befreien“ kann, lässt einen Verzweifeln und die Luft anhalten. Dabei werden unsere Muskeln mit weniger Sauerstoff versorgt, die daraufhin immer mehr fest werden.

    „Die Zeit heilt alle Wunden“, auch wenn der Spruch sehr populär ist, entspricht er nicht der Wahrheit. Die Zeit lässt die Wunden bestenfalls „vergessen“, doch nichtsdestotrotz schlummert sie weiterhin im Verborgenen unserer Seele und können durch verschiede Vorkommnisse wieder „erweckt“ werden.

    Phasen nach einem Geburtstrauma

    Auch wenn das Erleben nach einem traumatischen Erlebnis recht individuell ist, lassen sich bei den meisten traumatisierten Müttern folgende drei Phasen beobachten:

    1. Die betroffene Mutter ist häufig verwirrt, vergesslich und wirkt benommen. Diese sogenannte Schockphase dauert bei vielen traumatisierenden Erlebnissen bis zu einer Woche. Durch die Besonderheit, dass eine traumatisierte Mutter sich in dieser Zeit nicht allein um sich kümmern kann, sondern sich noch für ihr hilfloses Baby sorgen muss, durch welches sie zudem immer wieder an das traumatisierende Erlebnis erinnert wird, kann diese Phase auch bis zu mehreren Wochen andauern. Hierdurch verschieben sich die folgenden Phasen nach hinten.
    2. In der darauffolgenden Einwirkungsphase, welche sich bis zu 2 Wochen hinzieht, haben viele Betroffene das Verlangen, immer wieder über das traumatische Geburtserlebnis zu sprechen. Häufig wird dieses Verhalten von Selbstzweifeln und -vorwürfen, Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühlen und Depressionen begleitet. Zudem leiden viele unter Einschlaf- und Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Albträume.
    3. Auf die Einwirkungsphase folgt die Erholungsphase, die typischerweise vier bis acht Wochen nach der Geburt beginnt. In dieser Phase beginnt die Mutter wiederInteresse am normalen Leben und ihren Mitmenschen zurückzugewinnen. Die Mutter beginnt wieder an eine positivere an Zukunft zu glauben.

    Folgestörungen eines Traumas bzw. Geburtstraumas

    Die Folgestörungen eines Geburtstraumas können sehr verschieden und auch unterschiedlich belastend sein. Nachfolgend findet ihr die am häufigsten auftretenden Störungen aufgelistet:

    Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, verbunden mit erhöhter Wachsamkeit, Alpträume, Flashbacks (wiederkehrende traumatische Bilder); Ängstlichkeit bis hin zu Panikzustände, extreme Wut sowohl auf sich, wie auch auf andere; Anflüge von Depressionen, bzw. von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Lebensmüdigkeit.

    Schwerwiegende posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) in Folge von besonders schweren Traumatisierungen schränken das Erleben, Fühlen, Denken sowie das Zusammenleben mit anderen Menschen ein.

    Der schwierige Umgang mit den eigenen unangenehmen Gefühlen, vor allem mit Wut und Trauer *, kann sowohl zu starken Wutausbrüchen, sowie zu Selbstverletzungen und / oder Drogenkonsum führen, mit dem Ziel sich „wegzubeamen“, den Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen.

    Aufgrund von Schuld- und Schamgefühlen kann es aber auch ebenso in einem Einigeln bzw. Rückzug von der „Welt“ enden.

    Da die Verantwortung in den meisten Fällen nicht nur einem selber zugeschrieben wird, bringt es in vielen Fällen ein Misstrauen gegenüber (fremden) Menschen mit sich, welches unter Umständen ein lebenslang anhält. Wie bei vielen psychisch nicht behandelten „Erkrankungen“ kann auch ein nicht bearbeitetes Geburtstrauma körperliche Beschwerden nach sich ziehen, für die es keine organischen Erklärungen gibt. Hierzu zählen z.B. Schwindel, Erschöpfung, Herz- und Atembeschwerden.

    Geburtstrauma heilen

    Wenn die „Heilung“ eines Geburtstraumas erst spät angegangen wird, kann es sein, dass sich die Folgestörungen so stark ausgeprägt haben, dass sie auch „therapiert“ werden müssen.

    Ohne professionelle Hilfe zurück ins Leben zu finden

    Viel Ruhe, Verständnis und Zeit ermöglicht es vielen Betroffenen ins Leben zurück zu finden, doch das Trauma bleibt weiter im Verborgenen. Sobald der Körper der Mutter es zulässt, kann Bewegung, insbesondere in der Natur, helfen aus der Starre und / oder depressiven Stimmung herauszukommen. Auch Yoga, Meditation und Sport können je nach persönlicher Vorliebe den „Heilungsprozess“ unterstützen. Viele Betroffene von traumatischen Erlebnissen finden Entspannung im Aufschreiben ihrer Erfahrungen und aktuellen Empfindungen.

    Doch gerade Mütter mit einer traumatischen Geburt fällt dies besonders schwer. Sie fühlen sich nach der Geburt ihres Kindes nicht in der Lage ihrem Kind, neben der Versorgung, die Liebe zu schenken, die vom Trauma überdeckt in ihnen schlummert. Auch wenn sie nichts dafür können, verurteilen sie sich dafür. Deshalb ist es wichtig, dass sie vor allem in der Zeit des Wochenbetts viel Unterstützung im Haushalt und rund um das Baby erhält.

    Die durch das Trauma verursachte Wunde vernarbt zwar mit der Zeit, bleibt aber immer „sichtbar“, zumindest für die Traumatisierten. Ähnlich einer schlecht verheilten Narbe ist es auch bei einem nicht geheilten Trauma notwendig es wieder „aufzureißen“, damit es heilen kann. Dies sollte, wie bei einer körperlichen Narbe, von einer dafür ausgebildeten Person vorgenommen werden, sobald die Mutter sich dazu in der Lage fühlt.

    Auch wenn manche betroffene Mütter und ihre Kinder mit einem Geburtstrauma später ein glückliches Leben führen können, erschwert ihnen diese besonders prägende Zeit einen guten Start in ihre lebenslange Beziehung.

    Geburtserfahrung aufschreiben

    Wenn die betroffene Mutter den „Mut“ hat sich ihren Ängsten zu stellen, zeigt es sich als heilsam, ihre schmerzhafte Erfahrung aufzuschreiben. Verstärkt wird dieses Heilung, wenn im Anschluss die Geburt, so aufgeschrieben wird, wie sie sich die Geburt ihres Kindes gewünscht hätte. Dies ist in vielen professionellen Heilungsmethoden ein essenzieller Bestandteil.

    Vielen betroffenen Müttern gelingt es ihr Trauma zu überwinden, indem sie sich während einer folgenden Schwangerschaft bewusst umfassend auf die bevorstehende Geburt vorbereiten und mit klaren Vorstellungen in diese hineingehen. Nicht wenige finden anschließend ihre Berufung darin andere Mütter eine vor einer traumatischen Geburt zu bewahren und bilden sich zur Doula (Geburtsbegleiterin) aus oder werden sogar Hebamme.

    Bearbeitung mit professioneller Hilfe

    Bei stärkeren Traumata ist die Chance ohne professionelle Hilfe das Trauma zu heilen, eher gering und die Unterstützung eines Psychotherapeuten angeraten. In der Behandlung eines Geburtstraumas geht es vornehmlich darum der Betroffenen ihre „Selbstwirksamkeit“ zurückzuerstatten. Das bedeutet, das sie die Sicherheit zurückgewinnt, dass sie nicht machtlos, sondern in der Lage ist, für ihre Grenzen, sowie Bedürfnisse und Wünsche einzustehen.

    Eine sehr wirkungsvolle professionelle Traumabearbeitung besteht darin, die traumatisierte Mutter über einen verbundenen Atem in die Geburtssituation zurück zu begleiten. Um zu schauen, worin die Hilflosigkeit begründet lag und zu schauen, wen oder was sie gebraucht hätte, um sich nicht hilflos zu fühlen. Der verbundene Atem unterstützt die Mutter dabei nicht in den auftretenden „Schmerz“ feststecken zu bleiben. Und anschließend den Geburtsprozess anschließend mit dem, was die Mutter gebraucht hätte, noch einmal „neu“ und selbstbestimmt zu erleben. Diese Unterstützung liegt z.B. in Mut, im Vertrauen in sich, einer vertrauensvollen Person, den Geburtsprozess oder das Leben. Da diese Ressourcen unter der Geburt nicht „greifbar“ waren, wird in der Sitzung geschaut, in welcher Lebenssituation sie vorhanden waren oder von wem sie sie erhalten können.

    Um innerhalb dieser Rückerinnerung nicht in Schmerz zu verharren,  ist es wichtig die gesamte Zeit über, so gut es geht, immer wieder bewusst einzuatmen.

    Die schmerzhafte Erinnerung verschwindet danach zwar nicht, doch es gibt neben ihr nun eine positive Geburtserinnerung. Wann immer das traumatische Geburtserlebnis erinnert wird, hat es durch die Verarbeitung seine Kraft verloren, die betroffene Mutter in Schmerz, Trauer, Wut und Hilflosigkeit gefangen zu halten.

    Telefonseelsorge

    Wer in einer akuten Krise steckt, kann und sollte sich bei der bundesweiten Telefonseelsorge (0800 111 oder 0800 222) rund um die Uhr von kompetenten Ansprechpartnern Rat holen. Dieser Anruf ist kostenlos. Unter www.telefonseelsorge.de besteht die Möglichkeit seine Sorgen auch anonym per E-Mail zu beschreiben und erhält zeitnah eine  Antwort. 

    Beiträge unserer Leserinnen zur Gewalt unter der Geburt:

    Erfahrungsbericht 1

    Erfahrungsbericht 2

    Euer Deva (Persönlichkeitsentwickler und Atemtherapeut)

     

    Erklärung

    * Die Gefühle Wut und Trauer treten bei Schmerz im Allgemeinen auf. Meistens besteht ein Urteil auf eines dieser Gefühle, so dass nur eines zugelassen wird. Wut wird häufig eher gezeigt, da es mit körperlicher „Stärke“ einhergeht, wobei Trauer eher mit Hilflosigkeit und „Schwäche“ assoziiert wird.

  • Doula aus Berufung

    Doula aus Berufung

    Ich freue mich sehr auf Einladung von Mira und Deva Euch von meiner Arbeit als Doula berichten zu dürfen.

    Doula zu sein erschien mir als etwas Wunderbares und doch sehr weit entferntes. Ich hatte gerade mein viertes Kind geboren, als ich das erste Mal von dieser Möglichkeit der Unterstützung von Gebärenden hörte. Ich fand diese Form der Begleitung sofort außerordentlich wertschätzend und sinnhaft.

    Mit dem Erkennen, dass mit dem Doula sein eine rund um die Uhr Rufbereitschaft verbunden ist, parkte ich den Gedanken mit der Option auf „später gerne“. Nicht zuletzt, da das aktuell letzte meiner vier geborenen Kinder zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr alt war.

    Wie so oft im Leben entwickeln sich die Wege unverhofft und doch vollendet anders.

    Hospitationen bei einer Doula

    Für eines meiner Zertifikate musste ich eine Hospitation zu Geburten vorlegen. Ein kleines Klinikum in einem Landkreis bei Stuttgart nahm mich an und so durfte ich zu Pfingsten diese Hospitation antreten.  Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und durfte bei allen Arbeiten dabei sein, die von Hebammen ausgeführt wurden. Ich profitierte auch von den geburtenfreien Tagen, da ich mit vielen Hebammen wie Assistenzärztinnen Gespräche führen konnte, aus denen ich sehr viel Erfahrung mitnahm.

    Am vierten Tag meiner Hospitation nahmen wir eine Frau mit Verdacht auf akutem HELLP Syndrom auf. Als der Befund schließlich vorlag, fiel die Entscheidung für einen Notkaiserschnitt umgehend. Die Frau fragte mich, ob ich bei ihr bleiben kann, was ich natürlich von Herzen gerne machte. Ich streichelte ihre Hand und ließ sie nicht allein.

    Es gab einen kurzen Moment der Unsicherheit, ob ich das schaffe und im nächsten Moment stand ich aber auch schon im OP und streichelte weiter den Arm der Mutter. Ich erklärte ihre diverse Vorgänge und konnte sehen, wie ihr Blutdruck sich im Zaum hielt. Während ich ihr über ihren Kopf streichelte und ihr versicherte sie nicht allein zu lassen.

    Wie bei einem Kaiserschnitt üblich ging es sehr schnell und schon lag das kleine Mädchen auf der Mama. Die Hebamme half es zu halten und so konnten Mama und Baby sich beschnuppern. Und ich ihr zu ihrem wunderbaren kleinen Kind gratulieren.

    In der Zwischenzeit erreichte auch endlich der Vater die Klinik und die Familie war endlich vereint.

    Diverse Anpassungsschwierigkeiten und Danksagungen

    Nach der Versorgung der Bauchwunde und Verlegung ins Kreiszimmer hielt ich mich im Hintergrund und ließ der Familie ihren Raum. Durch diverse Anpassungsschwierigkeiten wurde das Baby spezieller untersucht. Es wurde die Entscheidung getroffen, dass das Kindlein in eine andere Klinik mit Kinderstation verlegt werden sollte.

    Der Vater stand versteinert neben dem Bett der Mutter. Die Mutter regte sich mit jedem Wort mehr auf, was man ihrem Blutdruck erkennen konnte. So gab ich dem Vater, der von den Ereignissen völlig überrumpelt und paralysiert war einen kleinen Hinweis, dass er ruhig die Hand seiner Frau halten darf. Er war sehr erleichtert und griff sofort zu. Der Blutdruck senkte sich und ein erleichtertes Ausatmen war zu hören.

    Immer wieder, wenn ich mit der Mutter später über die Geburt sprach, bedankte sie sich für drei Dinge:

    • Danke, dass Du die ganze Zeit so ruhig und positiv an meiner Seite warst
    • Danke, dass Du mir zu meinem Kleinen Mädchen gratuliert und Dich mit mir gefreut hast und
    • das Du meinem Mann den kleinen Schubs gegeben hast meine Hand zu halten

    Ich erinnere mich noch gut an den Adrenalinspiegel, mit dem ich um ein Uhr nachts heimfuhr und noch lange nicht einschlafen konnte. Aufgewühlt und zugleich beseelt von diesem Erlebnis.

    Als Doula – Ruhe in den Geburtsprozess bringen

    Am nächsten Morgen kam ein Anruf, dass zwei wehende Frauen in der Klinik angekommen sind. Nach Ankunft durfte ich eine junge Frau und ihren Partner begleiten, die zum ersten Mal Eltern wurden. Die Mutter war guter Dinge hatte einen sehr guten Fokus auf ihre Pausen. Die Geburt schritt flott voran und es ging allen Beteiligten gut. Intuitiv wusste ich auch in dieser Situation, welchen Handgriff die Mutter brauchte. Die sie mit fortschreitendem Verlauf auch zunehmend einforderte.

    Durch eine unklare CTG Interpretation stand plötzlich das Thema Kaiserschnitt im Raum. Die Mutter war der Überzeugung, dass es dem Baby gut geht und hatte eine sehr positive Einstellung zum Verlauf. Der Vater fühlte sich sehr überrumpelt von den Informationen. Beide waren daraufhin vehement aus ihrer klaren und positiven Geburtsarbeit gerissen.

    Alternativen zum Kaiserschnitt erfragen

    Intuitiv kam es mir über die Lippen die Eltern anzuregen nach Alternativen zum Kaiserschnitt zu fragen.

    Die Eltern besprachen sich mit der Assistenzärztin und diese schlug eine Untersuchung zur Messung des ph-Wertes vor. Dies wurde von den Eltern dankbar angenommen.

    Die nun eingenommene Rückenlage und damit verbundenen extremen Schmerzen für die Mutter zeigten sich durch Übertragung der Aufregung auf das Baby, das nun stärkere Ausschläge produzierte. Der Vater stoppte nach dem dritten Versuch das Prozedere (*), weil seine Frau sehr litt. Da das CTG ja nun „besser“ aussah, verwarf man den OP Gedanken und die Frau gebar flotte 90 Minuten später einen gesunden Jungen.

    Diese Mutter bedankte sich nach der Geburt ebenfalls bei mir:

    • „Du hast so viel Ruhe reingebracht und mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. Vor allem als das Thema Kaiserschnitt im Raum stand und
    • dass Du meinen Mann an die Hand genommen hast – das war eine enorme Hilfe.“

    Eine Stunde nachdem der kleine Junge geboren war, wurde ich in das Nachbarzimmer gerufen und durfte meine dritte Geburt innerhalb von 18 Stunden erleben.

    Berufung zur Doula

    Nach diesen drei Geburten sprach mich die Hebamme an, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Doula zu arbeiten. Sie erklärte mir, dass ohne meine Begleitung vermutlich beide Geburten im Kaiserschnitt geendet hätten.

    Im ersten Moment war ich von dieser Frage überrumpelt. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, dass eine Doula eine Ausbildung und verliehene Befähigung braucht.

    Mit dem Reflektieren über diese und in Folge noch weitere Geburten wurde mir jedoch klar, dass Doula sein eine Berufung ist. Sie verlangt Fähigkeiten, die man nicht trainieren kann oder muss. Diese Fähigkeiten sind Empathie, Ruhe, Geduld, Vertrauen in die Kraft und Fähigkeit einer Gebärenden, Intuition und Liebe.

    In diesen Tagen meiner Hospitation spürte ich, mit all dem was ich bin und vertrete, am richtigen Ort und angekommen zu sein. Seit diesem Tag begleite ich Frauen in der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Elternzeit als Doula.

    Wie es für mich als Doula weiterging, welche Lektionen ich lernen musste, wie ich an meine Grenzen stieß, was das Doula sein im Alltag bedeutet, warum ich selbst eine Erweiterungsfortbildung ins Leben gerufen habe und welche unglaublichen Geburten ich erleben durfte, darf ich ab nun für Euch in regelmäßigen Abständen hier beschreiben.

    Ich freue mich Euch meine Arbeit näher zu bringen und verabschiede mich bis zum nächsten Mal,

    Eure Doula Sylvia

    Erklärung

    (*) mbu – Mikroblutuntersuchung. Dazu wird eine ein Blutstropfen aus der Kopfschwarte des Kindes durch Anritzen entnommen, um den pH-Wert im Blut zu messen. Das Blut darf nicht durch Fruchtwasser „verunreinigt“ sein, da das Messgerät den Wert dann nicht korrekt bestimmen kann. Ab einem p-Wert von unter 7.10 muss die Geburt, zum Schutz des Kindes, umgehend zügig beendet werden.

    Beitragsfoto: Kzenon / shutterstock
  • Schwangerschaftsübelkeit – der Fluch der ersten Wochen – ein Erfahrungsbericht

    Schwangerschaftsübelkeit – der Fluch der ersten Wochen – ein Erfahrungsbericht

    Schwangerschaftsübelkeit: Ich liege erschöpft in der Sonne und bekomme Schüttelfrost, das erste Zeichen für mich. Es geht wieder los. Genervt stehe ich mit einem kurzen Blick auf die Uhr – 15.38 Uhr von meiner Liege auf. Schleppe meinen müden Körper auf seinen Weg. Auf dem Weg zu meinem Gemach verabschiede ich mich von meinem Freund und meinen Kindern. Ich verschwinde bist morgen früh irgendwann.

    Mein Zufluchtsort ist für die nächsten Stunden und die Nacht, mein Schlafzimmer. Mein Elend kann beginnen, die Schwangerschaftsübelkeit oder auch unter dem Begriff Hyperemesis bekannt, hat mich wieder im Griff. Es dauert nicht lange und ich würge, stoße wie wahnsinnig Luft auf, erbreche immer und immer wieder. Gefühlt habe ich eine symbiotische Beziehung zu meiner grünen Schüssel. Sie begleitet mich in diesen Momenten.

    Die Schwangerschaftsübelkeit läßt meine Zuversicht weichen

    Ich leide, fühle mich elendig. Meine Zuversicht weicht dem Gejammer. Die Geräusche außerhalb meines Zimmers nerven mich. All meine Sinnesorgane würde ich gerne verschenken. Ich kann nichts riechen, selbst mich nicht. Und laute Geräusche werden wieder unerträglich. Geschmacklich kann mich nicht mal meine geliebte Cola zum trinken überzeugen.

    Alle Lebensmittel werden nach ihrer Erbrechbarkeit analysiert. Apfelmus ist gerade mein Favorit. 5 Löffel habe ich heute geschafft. Das geht nun schon 4 Wochen so, 4 Kilogramm weniger, nichts hilft. Auch Medikamente bringen keine Besserung, außer noch mehr Müdigkeit. Sie wird eine meiner täglichen persönlichen Wiederauferstehungen.

    Jeden Tag auf´s neue, Jammern, Kübeln, auf Schlaf hoffen. Irgendwann in den Schlaf finden, um am anderen Morgen aufzustehen und zu hoffen, dass meine Schwangerschaftsübelkeit vorbei oder wenigstens ein wenig besser geworden ist. Dann frühstücken (lächerlich kleine Portionen), mich erholen, um dann spätestens ab 14.00 Uhr zu merken, sie schleicht wieder um mich.

    Lebensqualität ist was anderes

    In diesen von  Schwangerschaftsübelkeit geprägten Wochen verliert man alle Lebensqualität. Es ist ein reines Existieren.  An manchen Tagen sogar weniger als das. Das in dieser Zeit der Gedanke an einen Abbruch hochkommt, kann ich gut nachvollziehen. Dies würde zu einer sofortige Verbesserung der Situation führen. Hätte aber langwierige Folgen. Es ist ein Kampf an das Positive zu denken und guter Hoffnung zu bleiben. Wir Gebärende brauchen dann mehr als nur Medikamente. Eine Haushaltshilfe, positive Worte – wir brauchen Ganzheitliche Unterstützung und das am besten 24 Stunden am Tag.

    Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

    P.S Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen hielten leider weitere Wochen an. Irgendwann war ein Krankenhausbesuch nicht mehr umgänglich. Ambulant lies ich mir Infusionen geben. Schon bei meiner anderen Tochter lag ich 4 Wochen stationär, das wollte ich dieses Mal auf keinen Fall.

    Wie dann später die Geburt verlief, könnt ihr hier nachlesen.

    Beitragsfoto:  Dean Drobot / Canva
  • Meine erste selbstbestimmte Geburt

    Meine erste selbstbestimmte Geburt

    Selbstbestimmte Geburt trotz „Risikoschwangerschaft“?

    43 Jahre alt, chronische Erkrankung, Zustand nach Kaiserschnitt, Mehrgebärende, großes Kind und viel Fruchtwasser, ET+8 – rein Geburtsmedizinisch eine Risikoschwangerschaft. So fühlten sich auch die ersten Monate, durch die starke Hyperemesis bzw. Schwangerschaftsübelkeit an. Dieses kleine Wesen überraschte uns mit seinem Ankommen. War unter diesen Umständen eine selbstbestimmte Geburt möglich?

    Sofort war mir bewusst ich wollte dieses Mal keinen Kompromiss unter der Geburt weder im Geburtsort, der Geburtsform, noch in der Betreuung eingehen. Bei allen vorherigen Geburten war dies der Fall.

    Kein Kompromiss hieß für mich die Hebamme meines Vertrauens bei einer geplanten Hausgeburt. Leider musste die Hebamme aus persönlichen Gründen ihre Zusage widerrufen. Was nun?  Neu orientieren? Nein, das erschien mir alles zu anstrengend. Mein Partner und ich redeten viel in den nächsten Wochen. Er bestärkte meinen Wunsch der Geburt im Kreise meiner Familie und zur Not auch ohne anwesende Hebamme.

    Beunruhigende Probleme

    Plötzlich dann medizinische Probleme. Querlage der Kleinen (was mich nicht so beunruhigte, da ich Mehrgebärende war), eine erhöhte Menge Fruchtwasser und ein plötzlicher Perzentilen Sprung im Geburtsgewicht (diese beiden Dinge beunruhigten mich dann schon). „Schaffe ich die Geburt eines 4000g Kindes? Habe ich einen unentdeckten Schwangerschaftsdiabetes, der dann meine Geburt zu Hause im Kreis der Familie kosten würde?“

    Da war ich nun, wo ich dieses Mal nicht hinkommen wollte. Fremdgesteuert, nachdenklich, weit ab von meinen ureigenen Wünschen. Kurz kam ich von meinem Weg ab, Tränen flossen. Ich wollte dieses Menschenkind so unbedingt zu Hause willkommen heißen.

    Zurück ins Vertrauen kommen

    Ich musste mich fangen, wieder in mein Vertrauen in mich, dem Menschenkind und meinen Körper kommen. Was mir half war die Natur, der Wald und das Element Wasser. Ich spürte, dass das beobachten eines Bachlaufes mich mir wieder näher brachte. Und auch mein Partner bestärkte mich in meinem Wesen.

    Die kommenden, wehenden Nächte verbrachte ich mit meiner Hündin zu den Füssen am Kamin. Ich lud mir eine Wehenapp runter, um in meinen Geburtsvorbereitungskursen irgendwann mitreden zu können. Am ET passierte nichts – obwohl es doch immer hieß, die Kleine wäre 2 Wochen voraus.

    Unzählige Tassen Himbeerblättertee, Heublumendampfsitzbäder, Datteln (nie verzehrt), Nelkenöltampons, Leinsamen, meine Hypnose CD, den dicken Bauch anmalen, Bauchfotos und einen Bauchabdruck versüßten mir das warten.

    Dann am ET+7 die CTG Kontrolle in der Klinik. Die Klinik in der ich mich widerwillig zur Geburt angemeldet hatte. Die Klinik konnte nichts für meine Nichtakzeptanz. Ich wollte dort einfach nicht hin, nicht diskutieren über Oxytocingaben, Braunülen, Geburtspositionen usw. Vielleicht hätte ich diese dort nie gehabt, aber das Wissen, dass es unter der Geburt so kommen könnte, reichte aus. Prompt war das CTG mit Wehen durch Brustwarzenstimulation nicht 100%ig. Stunden später dann die erneute Fahrt zur CTG Kontrolle in die Klinik. Genau diese Unruhe wollte ich nicht.

    ET + 8 mit der Geduld am Ende

    Geburt - Schangerschaftsbauch mit Herzchen

    ET+8 war meine Geduld am Ende. Leichte Wehen, aber keine Regelmäßigkeit trotz Wehenapp zu erkennen. Sonnenschein. Am späten Nachmittag gönnte ich mir einen Spaziergang mit meiner Tochter Fee im Wald. Mitten im Wald dann eine Wehe, die mich nichts mehr halten ließ.

    Ich musste so etwas von lachen. Da stand ich mitten im Wald mit völlig nasser Hose. Für alle Leser – es war kein Blasensprung. Zu Hause bekochte ich noch meine Lieben. Mitten drinnen dann die erste Wehe, die mich doch sehr an die 4 anderen Geburten erinnerte. Die erste echte Wehe. Ich freute mich – Jetzt geht es los.

    Ähm und wie!!! Vielleicht doch lieber jetzt noch nicht. Wir informierten die Geburtsfotografin und das Kamerateam. Eine Hebamme hatten wir keine mehr gefunden.

    Ein kraftvoller Wehensturm

    Die Geburt begann mit einem Wehensturm, kraftvoll, überrumpelt, kaum Pausen, Druck wie verrückt, peinliche Situationen, der Schrei nach einer Pause – nur einer Pause. Für alle Fachleser – ich schrie nach Partusisten ;). Diese unfassbar starken Rückenschmerzen, dieses Becken was gefühlt zerbrach, kurz der Gedanke – „wie geht es wohl Ida mit diesem Wehensturm?“

    Ich versuchte die Herztöne zu finden, die für eine Sekunde gefundenen Herztöne 133 spm, beruhigten mich. Mein Freund drückte wie verrückt gegen mein Becken, um mir den Schmerz zu erleichtern. Er war meine Rettung, seine Arme zitterten. Die Kinder, die um mich rum waren, nahm ich kaum wahr.

    Mehr als kurze Wehenpausen

    In den mehr als kurzen Wehenpausen, kurze klare Gedanken. Wie sollte man mich jetzt verlegen? Schreiend mit diesen Wehen? Unmöglich, dass würde nie gehen. Es musste alles klappen. „Ob der Muttermund wohl auf geht?“ Ich sah kurz unter mich. Zeichenblutung und Druck. Der Muttermund ging auf. Ich verschrie die Wehen im Stehen am Seil. „Aber passt auch der Kopf ins Becken?“

    „In die Wanne, ich will jetzt in die Wanne.“ In der Wanne brachte selbst das Wasser keine Ruhe. Druck, Druck und noch mehr Druck. Dieser Druck. „Auaaah“. Irgendwas kam da. Der Schmerz des Fire Ring, die Glückshaube war geboren, dann der Kopf und dann schwamm sie dort vor mir. Ich griff nach ihr und nahm sie hoch.

    Eine glückselige Geburt

    Ida – geboren nach nur 60 min ab der ersten Wehe. Glückseligkeit im Raum mit allen Familienmitgliedern. Für einen großen Moment stand die Zeit still.

    Meine erste (Allein-) Geburt, in der ich mich so gar nicht alleine fühlte. Ich war noch nie so nahe bei der Kraft meines Körpers. Diese 60 Minuten waren die Versöhnung für alle Kompromisse der vorherigen Geburten. Sie waren nicht risikoreich oder verantwortungslos. Sie waren der Geburtsweg den ich mir für uns gewünscht und erseht hatte.

    In tiefer Dankbarkeit Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

    Ein sehr persönliches, aber zu wundervolles Video der Geburt von Ida, um es nicht zu zeigen.

    Cerstin Jütte – Video: Doula & Geburtsfotografie Cerstin Juette

    Anzeige:

  • Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Die Doula – helfende Elfe unter der Geburt

    Eine Doula ist eine Person – meistens eine Frau – die eine Gebärende vor, während und nach der Geburt seelisch, moralisch sowie körperlich unterstützt. Sie ist keine medizinische Fachperson im eigentlichen Sinne, hat aber mehrere entsprechende Kurse besucht und wird mit einem Diplom ausgezeichnet.

    Ein ganz großer Vorteil ist, dass die Frauen ihre Betreuerin lange vor der Geburt auswählen, kennenlernen und somit eine weitere, vertraute Person als zusätzliche Unterstützung im Gebärsaal haben, auf die sie sich verlassen und deren Hand sie unter den Wehen getrost ordentlich quetschen kann.

    Diese «Fremd-Unterstützung» während der Geburt hat sich nicht nur bewährt, sondern senkt nachweislich das Risiko für Mutter und Kind. Die Sterblichkeitsrate, das Risiko einer instrumentell unterstützten Geburt oder eines Kaiserschnitts, die Schmerzmittelgabe sowie die Anzahl der Wehenstunden sind bei Geburten mit Doula-Begleitung deutlich geringer.

    Ich unterstütze die Doula-Arbeit, denn eine kontinuierliche, positive, emotionale Unterstützung während der Geburt ist unglaublich wichtig. Zudem berichten Frauen, die mit Doulas gebären, von weniger negativen Geburtserfahrungen.

    Seit wann gibt es eigentlich Doulas?

    Der Begriff stammt aus dem Griechischen, bedeutet soviel wie «Dienerin» und ist seit ca. 1969 gebräuchlich. Früher war Gebären reine Frauensache und außer einer Hebamme war noch eine weitere Person zur Unterstützung dabei.

    In der westlichen Welt hat sich das in letzten 50 Jahren stark verändert, auch der Mann ist nun mit dabei. Grundsätzlich finde ich es gut und wichtig, dass Väter bei der Geburt ihrer Kinder dabei sind.

    Leider erstarren aber viele Männer wie hypnotisierte Kaninchen, sobald Blut oder andere Körperflüssigkeiten sichtbar werden und sind gar nicht mehr fähig, ihren Frauen beizustehen. Dann kommt die Doula zum Zug, was auch viele Männer begrüssen, lastet so die Verantwortung nicht allein auf ihren Schultern.

    Ich habe eine Doula gefragt, warum sie sich zur Doula ausbilden ließ. Sie erzählte mir, sie habe sich bei ihrer ersten Geburt allein gefühlt, da die Hebamme nicht so viel Zeit hatte, ihr Mann wie gelähmt war und sie kaum unterstützen konnte. Er wollte es zwar, doch der Anblick seiner leidenden Frau machte ihn komplett hilflos.

    Sie mache ihm keine Vorwürfe, habe aber gemerkt, dass sie beim nächsten Mal eine zusätzliche Unterstützung möchte und bräuchte. Und so war bei ihrer zweiten Geburt eine Doula dabei. Ein riesiger Unterschied: Sie erlebte die Geburt als sehr positiv, trotz relativ langer Dauer.

    Und nach dieser positiven Erfahrung habe sie sich dazu entschieden, selber Doula zu werden. Mittlerweile hat sie vier Kinder und begleitet 5-7 Frauen pro Jahr durch die Geburt.

    Eine Doula bietet moralische Unterstützung im Kreissaal

    Ich persönlich schätze die Arbeit von Doulas im Gebärsaal sehr. Die moralische Unterstützung, die sie der Gebärenden bietet, ist in den meisten Fällen deutlich größer, als wenn sie alleine von ihrem Partner begleitet wird. Zudem integrieren Doulas meist auch den Mann besser in den Geburtsprozess.

    Noch nie hat mir eine Doula bei meiner Arbeit reingeredet. Ich nehme sie stets als positiv unterstützender Faktor für die Gebärende wahr und finde die Zusammenarbeit sehr spannend. Vor allem, wenn viel los ist und ich mehrere Frauen gleichzeitig bei der Geburt begleite, schätze ich eine Doula umso mehr.

    Eine Geburt ist ein extremes Ereignis und wenn eine Frau entsprechend adäquate, fachliche und emotionale Hilfe erhält, geht das meistens gut aus und bleibt als positives, schönes Erlebnis in aller Erinnerung.

    Eure Dayo  (Hebamme)

    Bist Du interessierst an dieser wundervollen Arbeit einer Geburtsbegleiterin? Wir bilden Doulas nach internationalen Standards aus. Nähere Informationen zu dieser sehr fundierten Ausbildung findest Du hier. Falls Du mindestens 15 Stunden pro Woche beschäftigt bist (und/oder gerade in Elternzeit), hast Du die Chance auf  eine Bildungsprämie/-scheck im Wert von 500 Euro. (Hinweis der Redaktion)

    Beitragsfoto: Kzenon / shutterstock
    Pinterest: Kzenon & ALPA PROD / shutterstock
  • Osteopathie beim Baby – Geburtsberichte einer Mutter

    Osteopathie beim Baby – Geburtsberichte einer Mutter

    Osteopathie beim Baby: Im folgenden Beitrag berichtet eine Leserin von ihren komplikationsreichen Schwangerschaften und Geburten und wie ihren Kindern Osteopathie Behandlungen halfen.

    Die Geburt meiner Tochter

    Meine  Tochter wurde im Oktober 2013 bei 40+6 per Kaiserschntt geholt. Warum? Makrosomie und Verdacht auf einen Wasserkopf. Zudem hatte ich noch eine schwere Symphysenlockerung und eine Stauniere.

    Die Geburt wurde montags eingeleitet, doch es haben sich keine wehen gebildet. So wurde der KS Termin für Donnerstagmorgen geplant.

    Mittwochnachmittags fingen die Wehen dann aber an und man hat den KS auf Mittwoch vorverlegt bzw. der Arzt kam um 16:30 und meinte sofort in den OP .

    Um 17:07 kam meine Tochter mit 4380g, 56 cm und 37,5 cm Kopfumfang auf die Welt. Ein Wasserkopf wurde nicht bestätigt.

    Circa um die 6. Lebenswoche meiner Tochter wurde festgestellt, dass sie sich kaum bewegt und den Kopf nur auf der linken Seite abliegt. (Dies kann ein Hinweis auf das KISS-SYNDROM sein, Hinweis der Redaktion.) Meine Hebamme meinte dann, wir sollten Mal einen Osteopathen aufsuchen.

    Haben wir dann auch sofort gemacht. Eine Sitzung und das Kind konnte sich bewegen und den Kopf endlich drehen. Seit dem war sie wie ausgewechselt, fing an neugierig zu werden und zu reagieren, wenn wir sie angesprochen haben.

    Die Geburt meines Sohnes

    Mein Sohn wurde im Mai 2018 per eilige Sectio in der 34+2 Schwangerschaftswoche geholt. Geplant war dieser KS allerdering bei 38+1 wegen meinem Geburtstrauma im letzten Jahr (Zwillingstotgeburt in der 23+4. aufgrund eines Fetofetales Transfusionsyndrom.

    (Abgekürzt FFTS, Synonym Zwillings-Syndrom; englisch twin-to-twin transfusion syndrome, ist eine vergleichsweise seltene, aber in ihren Auswirkungen in der Regel sehr schwerwiegende Durchblutungs- und Ernährungsstörung von eineiigen Zwillingen.

    Sie tritt speziell bei Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen auf, die sich einen Mutterkuchen (Plazenta) teilen. Hinweis der Redaktion, Quelle). 

    Dies war einer der Gründe, warum mein Sohn so früh geholt wurde.

    Der Grund warum mein Sohn in der 34+2 geholt wurde, war eine angehende Plazentaablösung und ein Fetomaternales Transfusionsyndrom (FMT).

    (Blutübertritt vom Fetus in den Kreislauf der Mutter; meist infolge Verletzung der Blutkapillaren der Mutterkuchenzotten (z.B. bei Placenta praevia, anlässlich geburtshilflicher operativer Eingriffe, bei vorzeitiger Plazentalösung; kann zu einer lebensgefährlichen Anämie des Kindes führen, aber auch zur Sensibilisierung der Mutter i.S. einer Rhesus-Inkompatibilität, Hinweis der Redaktion, Quelle.)

    Mein Sohn wurde mit 3260g, 49cm und 34,5 cm Kopfumfang um 22:10 geboren.

    12 Tage auf der Intensivstation

    Er lag anschließend 12 Tage wegen Blutarmut (HB von 5), eingefallener Lunge und Bildung eines Stresshormones (welches zu Organversagen führen kann) auf der Intensivstation.

    Er wurde 48 Stunden mit Morphin „stillgelegt“ und wir mussten bangen, dass er es überlebt und nicht zu seinen Brüdern geht. Gott sei Dank hat er sich super gemacht und ist jetzt 10 Wochen alt.

    Wir haben relativ schnell fest gestellt, dass er auch nur zu einer Seite guckt, diesmal nach links, dadurch hatte sich auch schon sein Kopf verformt. Er konnte die Arme nicht an den Körper anlegen und hatte die Beinchen immer am Körper angezogen. Sie waren auch alle sehr steif, was man beim Umziehen immer wieder merkte.

    Er überstreckt sich enorm. Teilweise fand er nicht mehr in den geraden Zustand zurück, so dass ich ihn beruhigen und helfen musste. Er war nachts sehr unruhig, weinte sobald man ihn ablegte und war ruhig, sobald ich ihn auf dem Arm hatte.

    Er spuckte sehr viel, ist aber kein Speikind. Dafür kam alles sehr viel später nach dem Trinken wieder hoch und lief einfach nur raus.

    Osteopathie bei Säuglingen - Die 5 häufigsten Gründe mit Säuglingen zu einem Osteopathen zu gehen

    Osteopathie beim Baby – Besuch beim Osteopathen

    Die Behandlungsmöglichenkeiten sind vielfältig und nach einer Geburt „immer“ sinnvoll, da die Kräfte, die auf den Körper der Mutter und des Babys  einwirken extrem sind.

    In der 8. Lebenswoche waren wir auf Anraten von seinem Kinderarzt bei einem Osteopathen. Mein Sohn hatte diverse Dornfortsätze ausgerenkt, durch das schnelle rausheben beim Kaiserschnitt.

    Zudem hatte er ein verdicktes Zwerchfell, was auf seinen Magen drückte und Sodbrennen auslöste. Daher kam sein Schreien im Liegen.

    Einer seine Dornfortsätze war direkt in der Mitte der Wirbelsäule verschoben, wodurch er seine Ärmchen und Beinchen nicht frei bewegen konnte.

    Dieser klappte ihn quasi einmal in der Mitte zusammen. Beim Einrenken stöhnte er auf und seine Arme und Beine fielen an den Seiten „runter“.

    Verbessert durch den Besuch hat sich auch sein Verhalten. Er schläft auch Mal im Laufstall, trinkt besser, stößt auf ohne zu spucken und ohne es später Retour zu geben.

    Er hat nun auch regelmäßig Stuhlgang, bewegt seine Arme und Beine, und Überstreckt sich nicht mehr so arg. Ende September haben wir noch einen Termin. Ich kann nur jeder Mutter „Osteopathie beim Baby“ empfehlen.

    Meine Empfehlung an KS Mütter

    Ich kann jeder KS Mutter nur dazu raten, selber mindestens einmal einen Osteopathen aufzusuchen.

    Während und nach den Schwangerschaften war ich jeweils einmal da. Und mindestens einmal habe ich ihm die Kinder vorgestellt.

    Mein Sohn hat so schrecklich geschrien, dass mir ganz mulmig war. Was ja eigentlich auch klar war. Er hatte Schmerzen, seit dem Termin nur noch „Gemecker“ bei Hunger oder wenn ein Pups quer saß.

    Ich bereue beide Kaiserschnitte absolut nicht. Erstens, weil mir der erste ein gesundes Kind und zweitens der nachfolgende ein lebendes Kind geschenkt hat.

    Glücklicherweise stelle ich mir auch nie vor, wie man mir die Kinder aus dem Körper zerrte oder ich irgendwas verpasst habe.

    Die Geburt ist bzw. war für mich nur ein relativ kleines Erlebnis, was ich mit meinen Kindern hatte. Für mich zählt es, sie aufwachsen zu sehen, nicht wie sie zur Welt kamen.

    Ich würde alle Geburten wieder so machen, auch die Zwillinge auf natürlichem Weg.

    Eine Babytalk-Leserin

    Beitragsfoto: Dmitry Naumov / shutterstock
    Pinterest: Dmitry Naumov & bmf-foto.de / shutterstock
  • Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Ein dialoggeführter Geburtsbericht – aus Elternsicht

    Die Geburt meines zweiten Kindes: Der erste Geburtstag unserer „Babys“ ist noch nicht so lange her. Da kamen so manche Erinnerungen hoch. Ein Jahr ist die Maus schon bei uns. Dabei kam es mir vor, als wäre ich erst gestern im Krankenhaus gewesen und so ließen wir diese in einen Geburtsbericht einfließen.

    Michael war vor Ort, als Begleiter, als Stütze, als Hilfe. In rund 90 Prozent der Fälle haben Frauen ihre Partner (bzw. die Väter) im Kreißsaal dabei. Vor 40 Jahren wäre das noch nicht so gewesen. Denn erst in den 70er Jahren begannen sich die Kreißsäle auch für Väter zu öffnen.

    Vorher waren sie den Schwangeren, Ärzten und Hebammen vorbehalten. Ich kann mir kaum vorstellen – umgeben von fremden Menschen und unter großen Schmerzen – mein Kind zu gebären. Wie stark müssen diese Frauen gewesen sein …

    Die Idee eines Kreißsaals selbst ist übrigens auch noch gar nicht so alt. Erst vor knapp 250 Jahren wurden diese eingeführt, zuvor gab es die typischen Hausgeburten (die aktuell aber auch wieder im Kommen sind). Doch jetzt zu unserem Geburtsbericht.

    Ein Geburtsbericht – als Dialog zwischen Vater und Mutter

    Mit meinem Mann habe ich ihren besonderen Tag nochmal Revue passieren lassen und unser Gespräch in eine Art Geburtsbericht niedergeschrieben.

    Yasmin: Erinnerst du dich noch an den Tag? Ich hatte den Haushalt gemacht und plötzlich dieses regelmäßige Ziehen bemerkt. Auf Facebook habe ich dir geschrieben, dass ich wohl Wehen habe, aber die Abstände noch zu groß sind.

    Michael: Ohja! Nach deiner Nachricht saß ich wie auf heißen Kohlen. An Arbeiten war gar nicht mehr zu denken. Und nachdem und meintest, die Abstände werden nun kürzer habe ich es aufgegeben produktiv zu sein. Ich habe meinem Chef Bescheid gegeben und mich direkt auf den Heimweg gemacht und…

    Yasmin: … mich in der Badewanne vorgefunden. Die Wehen kamen da schon rund alle 5 Minuten. Trotzdem wollte ich nicht überstürzt aufbrechen und erst noch ein Wurstbrot essen. Ich war echt gechillt.

    Immerhin wollten wir Claire auch noch aus der Kita abholen. Sie musste zu Freunden, um später von der Oma abgeholt werden zu können.

    Angst vor dem Platzen der Fruchtblase

    In der Kita habe ich Wehen auf der Kindercouch veratmet. Ich glaube sie hatten ein bisschen Angst, dass meine Fruchtblase vor den Kindern platzt.

    Michael: Zum Glück ist das nicht passiert, obwohl Claire sich mal wieder ewig Zeit gelassen hat.

    Yasmin: Naja, ganz so dramatisch sollte es ja gar nicht werden. Eigentlich war ich auf der Fahrt ins Krankenhaus noch richtig guter Dinge und hab die Wehen locker weggeatmet.

    Michael: Wäre da nicht die Hebamme gewesen. Oh man, ich hatte ihr den Kopf abreißen können, als sie meinte du hast gar keine Wehen und dich wegschicken wollte. Du lagst da und hast sichtbar Schmerzen veratmet.

    Oarr, weil das olle CTG absolut nichts aufgezeichnet hat… Wie schon damals bei Claire. Zum Glück kam bald darauf schon die Ärztin und hat dich ernst genommen. Nachdem der Zugang lag und alles ausgefüllt war, ging es mir schon etwas besser.

    Yasmin: Im Gegensatz zu mir, da die Wehen durch unseren Spaziergang immer heftiger wurden. Uff. Mein Muttermund hat auf Hochtouren gearbeitet.

    Michael: Japp. Darum sind wir a auch eher um das Krankenhaus herumgeschlichen, weil du quasi alle drei Schritte stehen bleiben musstet…

    Zum Glück warst du unter der Geburt bei mir

    Yasmin: Zum Glück warst du mit dabei und konntest mich stützen, als mich die Welle überkommen hat.

    Michael: Mehr konnte ich ja leider nicht tun.

    Yasmin: Ach was, du hast mir damit so sehr geholfen! Zumal die Hebamme ja immer noch keine Wehen auf dem CTG gesehen hatte und mir nicht ganz glauben wollte, dass da welche sind. Es tat gut, dass du zu mir gehalten und mir geglaubt hast. Das war in der Situation einfach völlig richtig und wichtig.

    Michael: Zum Glück hat sich der Muttermund nach unserer zweiten Runde entsprechend geweitet. Aber die neue super nette Hebamme schien ohnehin entspannter und hat nicht gezweifelt.

    Yasmin: Ach, das war mir aber auch egal. Wichtig war nur, dass du nicht gezweifelt hast und mich voll supported hast. Vor allem als ich in die Badewanne sollte und  es nicht einmal mehr geschafft habe mich ordentlich umzuziehen.

    Ich lag da auch bestimmt wie ein gestrandeter Blauwal drin. Aber es tat so gut, dass du die ganze Zeit dabei warst und mir den Handrücken gestreichelt hast. Du hast mich echt gut aufgebaut und von den Schmerzen ablenken können.

    Ich habe mich so hilflos gefühlt

    Michael: Es fühlte sich allerdings ganz anders an. Zum Glück schienst du entspannter. Du hast  nicht so sehr gelitten. Richtig schlimm gelitten. Ich habe mich da blöd gefühlt. Richtig hilflos, vor allem als du eigentlich auf die Toilette wolltest und dann plötzlich geblutet hast. Da wurde ich auch verdammt nevös.

    Yasmin: Ohje, der Auftakt zu den Presswehen. Plötzlich dachte ich, ich müsse ganz ganz dringend pinkeln, aber es kam und kam nichts. Stattdessen wurden die Schmerzen immer heftiger.

    Mit jeder neuen Welle tat es mehr weh. So als würden Rasierklingen an meiner Vagina entlangstreifen und sie Stück für Stück aufschneiden. Brrrr, ein schlimmer Gedanke.

    Michael: Das hat man dir auch im Gesicht angesehen. Wir [Anmerkung: Hebamme und Michael] wollten dir gern dabei helfen, aber Anfassen war in der Wehe ja völlig tabu.

    Yasmin: Wie du der Hebamme zum Glück klargemacht hast, als sie mein Becken umfasst hat. In dem Moment hätte ich sie fast getreten, weil es so unangenehm war. Zum Glück hast du das sofort bemerkt und sie intuitiv weggeschickt. Mit Worten konnte ich mich einfach gar nicht mehr ausdrücken. Total Crazy.

    Geburtsbericht … und dann habe ich den „Einlauf“ meines Lebens von dir bekommen.

    Michael: Ach, ein ziemlich rüdes „Fass mich nicht an du Arschloch!“ hast du dennoch über die Lippen gebracht, als ich dich ganz leicht aus Versehen am Daumen gestreift habe. Kurz vorher sagtest du noch, „Fass mich jetzt nicht an“. Ich bin extra weggegangen und hab dich dann doch ganz dezent berührt – und dann den Einlauf meines Lebens von dir gekriegt.

    Yasmin: Darüber muss ich heute noch lachen. Ich erinnere mich nicht einmal das gesagt zu haben. Aber daran, wie belustigt du mir das erzählt hast. Zum Glück können wir heute darüber lachen.

    Meine vergebliche Vorgabe zum Geburtsbericht: Was im Kreißsaal passiert, bleibt im Kreißsaal! Wobei mir in den letzten Minuten nicht so sehr zum Lachen zu Mute war. Ich klang sicher wie ein großer Bergorilla, als die letzten Presswehen kamen.

    Michael: Du warst jedenfalls lauter, als ich dich bisher je gehört habe. Und das will was heißen mit deiner Piepsstimme. Ich hatte mich ja dann vor dich gestellt, als du im Vierfüßler warst. Und dann bei der Atmung geholfen.

    Yasmin: Stimmt. Du hast mich immer wieder daran erinnert, wie ich atmen muss und es vorgemacht. Sonst hätte ich manchmal wohl auch vergessen zu atmen.

    Michael: Stimmt. Und ich habe dich auch brav gefüttert. Mit BiFi und RedBull.

    Weißt du noch wie es dir während der Geburt ging?

    Yasmin: Wie ging es dir dabei? Weißt du das noch?

    Michael: Ich war nervös, ich hab mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, weil du Schmerzen hattest. Aber ich wusste, dass du in guten Händen bist. Die Hebamme war ja die ganze Zeit bei dir und hat sich sehr gut gekümmert.

    Yasmin: Ja, ich war auch überrascht, dass sie mich quasi die ganze Zeit begleitet hast. Wir hatten echt Glück, dass keine weitere Geburt gelaufen ist. Der Endspurt war allerdings auch recht zügig. Maximal eine Stunde lag ich in den Presswehen und dann war sie da.

    Michael: Das kam total überraschend. Also, nicht, dass Marie dann herauskam. Die hat sich ja angekündigt. Aber du hattest stundenlang gelitten. Man hat dir das total angesehen und als du Marie dann bei der Geburt aufgefangen hattest, war da nichts mehr.

    Keine Schmerzen in deinem Gesicht. Auf einmal hast du den Eindruck gemacht, als ob nichts gewesen ist. Wirklich gar nichts. Das war für mich auch beeindruckend, denn es war der absolut glücklichste Moment den ich jemals bei dir gesehen habe. Du hast sie auch direkt in den Arm genommen und an dich gedrückt.

    Yasmin: Wie war das denn für dich, als du sie gesehen hast?

    Ich war so glücklich nach der Geburt

    Michael: Ich war auch glücklich! Ich wollte dir das Baby aber in dem Moment auch nicht „wegnehmen“. Das hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt. Du hattest die letzten Stunden geackert, da hast du die erste Zeit mit Marie auch verdient.

    Als ich sie das erste Mal im Arm hatte, war ich überrascht wie winzig sie ist. So unglaublich winzig. Unbeholfen. Ein kleiner Fleischklumpen der einfach noch nichts kann. Voll süß! Die Äuglein noch geschlossen. Sie war schon echt süß.

    Yasmin: Wie würdest du eine Geburt allgemein beschreiben jetzt im Nachhinein?

    Michael: Eklig?! Auf jeden Fall nichts Schönes. Ich sehe, dass du leidest und Schmerzen hast. Das ist scheiße. Aber der Moment der nach der Geburt kommt, der ist wunderschön.

    Yasmin: Das verstehe ich. Trotzdem war es für mich irgendwie eine Geburt wie aus dem Lehrbuch. Und sehr viel schöner als die erste. Sie war so selbstbestimmt. Ich habe meinem Körper und meinem Gefühl vertrauen können. Ganz anders, als bei Claire…

    Michael: Die sich übrigens total gefreut hat, endlich das Baby zu sehen. Und mittlerweile lieben sich die beiden ja abgöttisch.

    Yasmin: Ja, allerdings. Es war eine gute Entscheidung den Höllentrip hinter uns zu lassen und es drauf ankommen zu lassen.

    … und dann könnte ich dich auch gut im Krankenhaus lassen

    Michael: Das ist richtig. Darum konnte ich dich auch entspannt im Krankenhaus lassen. Weil ich wusste es ist jetzt vorbei, du leidest nicht mehr, du bist glücklich…

    Yasmin: Ich hatte die Zeit auch ehrlich gesagt genossen. Drei Tage für mich und Marie allein, ehe sie die Aufmerksamkeit mit ihrer Schwestern teilen musste. Das war für uns beide sehr wichtig und schön. So würde ich es jederzeit wieder machen. Alles. Und hiermit mit endet unser gemeinsamer Geburtsbericht.

    Eure Yasmin und Mann (Babytalk-Autorin)

    Beitragsfoto: Gorodenkoff / shutterstock
  • Als werdender Vater bei der Geburt

    Als werdender Vater bei der Geburt

    Als werdender Vater bei der Geburt – Wie geht es Vätern während der Geburt des Kindes? Eine Antwort auf diese Frage will ich nachfolgend aus meiner immer noch sehr präsenten Erinnerung erzählen?

    Es ist mittlerweile 20 Jahre her, dass meine/unsere Tochter zu Hause in unserem Schlafzimmer, dass Licht der Welt erblickte.

    Wir bzw. meine Frau hatte sich auf meine Idee unser Kind zu Hause auf die Welt zu bringen angeschlossen, was nicht zuletzt an unserer sehr vertrauenswürdige und kompetenten Hebamme Raphaela Hoyer lag. Denn als wir dies unseren Eltern erzählten, ernteten wir sehr viel Kopfschütteln und Warnungen.

    Die ersten Wehen

    Morgens gegen halb 5 Uhr begannen die Wehen meiner Frau. Was sie mir aber erst zwei Stunden später mitteilte, als mein Wecker klingelte. Ich hatte als Dozent eine Klausur in einem 100 km entfernten Institut zu stellen.

    Kurz vor acht rief ich im Institut an, um mitzuteilen, dass ich die Klausur nicht persönlich stellen könnte. Ich sollte sie dann faxen. Das war damals leichter gesagt als getan. Faxe gehörten damals noch nicht zur Standardausstattung von Privathaushalten.

    Wir wohnten damals in einem kleinen Vorort von Münster und so fuhr über eine Stunde lang verschiedene Läden in der Umgebung ab, bis ich in einem Supermarkt fündig wurde und ein „öffentliches Faxgerät“ vorfand. Internet gab es noch nicht (kaum zu glauben).

    Erste Untersuchung durch unsere Hebamme

    Gegen 9 Uhr rief meine Frau ihre Hebamme an, die kurz darauf vorbei kam, den Abstand der Wehen und die Öffnung des Muttermundes prüfte. Es waren ca. 2 cm.

    Sie beruhigte uns und teilte uns mit, dass es wohl noch etwas dauern und wie ich meine Frau unterstützen könnte die Wehen zu veratmen. Dann fuhr sie wieder mit der Auskunft, dass sie in ca. 2 Stunden wieder vorbei kommen würde.

    Wir riefen meine Schwägerin an. Die kam direkt aus Hamburg angefahren und unterstützte uns am „Geburtstag“ unserer Tochter.

    Am frühen Nachmittag kam Raphaela wieder. Die Öffnung betrug nun 5 cm. „Warten“ bzw. Durchstehen der Wehen war angesagt. Denn die Wehen meiner Frau waren mittlerweile schon sehr schmerzhaft.

    Abwechseln machte ich mit meiner Schwägerin einen Buckel in gebeugter Haltung an dem meine Frau sich „entspannen“ und die in immer kürzer werdenden Abständen kommenden Wehen veratmen sollte.

    Hilflos als Vater bei der Geburt

    Zu diesem Zeitpunkt war es schon sehr arg für mich, „hilflos“ als Vater bei der Geburt mit ansehen zu müssen, wie sehr meine Frau „leidet“ ohne wirklich etwas tun zu können. Dies wurde mit dem Näherrücken der Geburt immer ärger. 

    Auch wenn es ein nicht ganz passender Vergleich ist. Stellt euch vor, euer Kind hat sich verletzt, schreit und weint unerbittlich und ihr könnt nichts tun, um ihren Schmerz zu lindern.

    Mit ihrer Souveränität nahm mir Raphaela zumindest die Angst vor der Geburt. Wenn sie mir auch nicht das Leiden meiner geliebten Frau leichter machen konnte. Sie schlug meiner Frau vor, erstmal noch in die Wanne zu gehen, was diese machte, wenn sie auch wieder recht schnell draußen war.

    Dann ging es für die letzten nicht enden wollenden „25 Minuten“ aufs Bett. Ich saß am Bettrand mit leicht gespreizten Beinen, meine Frau hockte halb auf meinen Beinen und halb dazwischen. Raphaela vor uns am Boden.

    Das Zimmer war abgedunkelt und es lief „Que sera“ von Doris Day, was wir gefühlt die gesamte Schwangerschaft durch hörten und womit wir unsere Tochter begrüßen wollten.

    Als die Geburtswehen begannen, war es für mich kaum noch auszuhalten. Meine Beinen wollten nicht mehr und meine Hilflosigkeit zerriss mich fast.

    Ich konnte ihr den Schmerz nicht nehmen noch lindern. Immer wieder meinte sie, sie wolle und könnte nicht mehr und wolle das es aufhört. Abgesehen davon war ich ja auch nicht ganz unbeteiligt bzw. „unschuldig“ an ihrer Situation.

    Zum Schluss musste es dann ganz schnell gehen, da unsere Tochter die Nabelschnur um ihren Hals gewickelt hatte. Die letzten Geburtswehen waren der Horror für meine Frau. Aber auch für ihre Schwester und mir.

    Wenn ich mich nur zweiteilen könnte

    In diesem Moment wusste ich einfach nicht, um wen oder was ich mich gerade als erstes kümmern sollte.

    Ich war hin und hergerissen zwischen das Wunder des Lebens, wie da ein lebensfähiger, vollständiger Mensch aus den Bauch kommt und den Schmerzen meiner Frau.

    Doch zum Glück hatte Raphaela alles im Griff, legte unsere Tochter auf den Bauch ihrer Mutter und nähte ihren kleinen Riss. Nachdem ihre Nabelschnur auspulsiert war, durfte ich sie durchschneiden.

    Gerne hätte ich dieses überwältigende und freudige Gefühl länger ausgekostet. Dieses wunderschöne und allein lebensfähige Menschenskind (alle Eltern finden ihre Babys wunderschön) einfach nur auf dem Bauch ihrer zu „bestaunen“.

    Anschließend badete ich sie mit Raphaela zusammen, die sie gleichzeitig untersuchte. Während meine Frau sich etwas von ihren Strapazen und Schmerzen ausruhte.

    Wie schlafen?

    Wir wollten unsere Kleine Maus unbedingt in unserer Nähe haben. Doch da meine Frau Angst hatte sich versehentlich auf sie zu legen, nahm ich sie auf meinen Bauch. Dort schlief sie ihre erste Nacht auf dieser Erde.

    Ich konnte in dieser Nacht „kein Auge zu machen“, da ich meinen Blick nicht von diesem wunderschönen Menschenkind lassen konnte und eh nicht auf dem Rücken einschlafen kann.

    (Ps. Wenn sie auch später (bis ca. 10 Jahre) nicht einschlafen konnte und ich mich zu ihr legte, legte sie ihren Kopf auf meinen Brustkorb und weg war sie).

    Am nächsten Tag als meine beiden Frauen schliefen, bin ich einkaufen gefahren und habe für die nächsten Tage vorgekocht. Auch wenn es viel Theater von Seiten der lieben Verwandten gab, haben wir für die erste Woche ein Besuchsverbot durchgesetzt, was wir nicht bereut haben.

    Zum Glück konnte ich mir für die ersten vier Wochen unbezahlten Urlaub nehmen (ich war damals schon freiberuflich tätig). Das war das Beste, was ich damals machen konnte und nie bereut habe. Es wäre wünschenswert alle Väter bzw. Eltern hätten diese Wahl und könnten es „finanzieren“.

    Es ist als Vater schon so schwer genug sich in der neuen Rolle und Familienkonstellation zurecht zu finden. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter lässt häufig erstmal keinen Platz für einen Vater.

    Viele frisch gebackene Mütter haben erstmal kein Bedürfnis nach Sex und/oder Nähe zu ihrem Partner. Die Nähe zu ihrem Kind füllt sie häufig ganz aus. Hierzu empfehlen wir euch den Beitrag „Eine kleine Auszeit vom Elternsein“ (Hinweis der Redaktion).

    Damit will ich nicht sagen, dass es für die junge Mutter nicht auch schwer ist, sich in die neue Rolle einzufinden, doch dies wird ihr zumindest in den ersten Wochen von ihrem Baby „gezeigt“.

    Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

    Ps: Wie freuen uns sehr zu erfahren, wie eure Männern die Situation als Vater bei der Geburt erlebt haben.

    Beitragsfoto: LightField Studios / shutterstock
    Pinterest: LightField Studios & gorodenkoff von G Images Pro (über Canva)
    Pinterest 2: gorodenkoff & LightField Studios / shutterstock
  • Wassergeburt – Ein Trend unserer Zeit?

    Wassergeburt – Ein Trend unserer Zeit?

    Wassergeburt: Kinder kommen an vielen verschiedenen Orten auf viele verschiedene Arten zur Welt. Einer davon ist im Wasser. Man könnte meinen, dies sei ein moderner Trend unserer Zeit. Aber wenn man ein bisschen Recherche betreibt, gibt es Hinweise, dass es schon im alten Ägypten und in der Antike Wassergeburten gab. Bei den Griechen hat es anscheinend sogar Tempel mit Wasserbecken gegeben, wo die Frauen zum Gebären hingingen.

    Weiter wird angenommen, dass auf den Hawaii-Inseln hunderte von Generationen im Wasser geboren wurden. Historisch gesehen, erscheint also die Wassergeburt als keine innovative Praxis, sondern eher als eine traditionelle. Das Aufkommen der modernen Medizin brachte einen Tiefpunkt in die Geschichte der Wassergeburten. Erst seit den 70er Jahren geniesst die Wassergeburt in der westlichen Welt wieder an Ansehen.

    Wanne in der Eröffnungsphase des Geburtsprozesses

    Es gibt Frauen die nutzen die Wanne nur in der Eröffnungsphase des Geburtsprozesses und gehen dann für die eigentliche Geburt wieder an „Land“. Andere Frauen möchten auch die Austreibungsphase und die eigentliche Geburt im Wasser erleben. Wenn ein Kind tatsächlich im Wasser geboren wird, spricht man von einer Wassergeburt. Aber warum überhaupt soll man im Wasser gebären oder ein Teil der Geburt im Wasser verbringen? Es gibt mehrere Gründe die dafür sprechen.

    Das warme Wasser scheint wie ein Schmerzmittel zu wirken. Es gibt bereits viele Studien, die deutlich aufzeigen, dass Frauen die in der Eröffnungsphase in der Badewanne sind, deutlich weniger Schmerzmittel benötigen. Vor allem bei den Erst-Gebärenden zeigt sich ein großer Unterschied bezüglich des Einsatzes von Schmerzmitteln.

    Das Gleiten durch das Element Wasser ist für die meisten Menschen etwas Entspannendes, manchmal schon fast etwas Spirituelles. Während der Geburt scheinen für viele Frauen genau diese Attribute des Wassers wichtig zu sein.

    Wegen des entspannenden Effekts des Wassers ist es für sie einfacher die Ruhe zwischen den Wehen zu finden. Zudem hat man im Wasser eine deutlich größere Bewegungsfreiheit. Die Gebärende kann fließend von einer Geburtsposition in die nächste wechseln. Auch dies hilft der Entspannung und fördert den Geburtsfortschritt.

    Geringeres Dammschnitt-/riss – Risiko bei Wassergeburt

    Ein weiterer Grund für eine Wassergeburt ist die deutlich niedrigere Rate an Dammschnitten und -rissen. Das warme Wasser fördert die Elastizität des Dammes und senkt somit das Risiko einer Geburtsverletzung.

    Auch für das Kind scheint die Wassergeburt sanfter zu sein. Das Baby hat im Geburtskanal einen starken Druck auf den Kopf. Kinder die im Wasser geboren werden, haben durch das Gewicht des Wassers einen deutlich schonenderen Druckabbau. Zudem werden Licht und Geräusche zu Beginn nur gedämpft wahrgenommen.

    Das Kind wird ganz langsam aus dem Wasser gehoben. Dies kann bis zu einer Minute dauern. Da das Kind noch via Nabelschnur mit Sauerstoff angereichertem Blut versorgt ist, besteht keine Erstickungsgefahr für das Neugeborene.

    Und Dank des Tauch-Reflexes bekommt das Neugeborene erst dann den Impuls Luft zu holen, wenn das Gesicht mit der Luft in Kontakt kommt. Aufgrund all dieser Gründe spricht meiner Meinung nach sehr viel für eine Wassergeburt oder ein Entspannungsbad. Ich gehöre selber auch zu den Hebammen die sehr gerne Wassergeburten betreuen.

    Eure Dayo (Hebamme)

    Beitragsfoto:  Vladimir Mucibabic / shutterstock
  • Warum ich mir so sehr eine Hausgeburt gewünscht hätte

    Warum ich mir so sehr eine Hausgeburt gewünscht hätte

    Für mich waren meine Krankenhausgeburten traumatisch. Vor allem die erste war ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Ich hätte gerne eine Hausgeburt gehabt.

    Das haben wir uns aber nicht getraut, da wir zu der Zeit 30 km vom Krankenhaus entfernt in den Bergen lebten.

    Ich kaufte mir also die Hebammensprechstunde von der Allgäuer Hebamme Ingeborg Stadelmann und bereitete mich voller Freude und Zuversicht auf die Geburt vor.

    Die Schwangerschaft war super und als ich im Krankenhaus ankam, war der Muttermund schon 3 cm weit geöffnet. Ich hatte schon die ganze einstündige Fahrt ins Krankenhaus auf dem Land Wehen. Anders als gedacht befanden wir uns nämlich doch nicht in in der Großstadt am alten Wohnort. Alle im Krankenhaus Anwesenden gingen sofort von einer Blitzgeburt aus.

    Entbindung im Krankenhaus

    Zuerst war alles gut. Ich ging in die Gebärwanne, bekam Musik und Duftlampe. Als mir aber an den Schultern kalt wurde, wollte ich aus der Wanne raus.

    Nicht wissend, das ich damit mein Los beschieden hatte und damit den normalen Krankenhaus-Geburt-Rhythmus wählte. Ich wurde zu diesem (Gynäkologen-) Stuhl geführt und kam mir vor wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wird.

    Ich hatte das Gefühl totaler Ohnmacht, mein Freund war ebenso hilflos und aufgeregt. Als die recht junge Hebamme meinte, die Fruchtblase würde jetzt zum Platzen gebracht werden, wagte ich zu widersprechen.

    Alles was ich darüber gelesen hatte, war negativ. Sie ging zur Ärztin und die sagte dasselbe. Ich wusste nicht, wie ich mich wehren sollte.

    Ich dachte, dass man der Gebärenden Zeit lassen sollte, wie lange sie eben braucht. Nachdem die Fruchtblase nun geplatzt war, wurde nichts besser. Mein Sohn, der einen großen Kopf hat, stieß nun ohne Puffer wieder und wieder auf mein Schambein.

    So schmerzhaft, dass ich um eine PDA bettelte. Aber liebe Frau x, sie haben es doch bald geschafft. Irgendwann kapierten auch Hebamme und Ärztin, dass es sich „bloß noch um Stunden handeln“ konnte und gaben mir die PDA.

    Das Trauma

    Angekommen waren wir im Krankenhaus um 1.30 nachts und geboren wurde unser liebes Kind gegen 11 Uhr vormittags. Mehrere Stunden war es ohne Fruchtblase, bis es mir irgendwann doch gelangen ihn – mit Dammriss – herauszupressen.

    Nach einigen Stunden wurde er mir weggenommen – Neugeboreneninfektion. War daran wohl die Zeit ohne Fruchtblase schuld? Das ist zumindest meine Meinung.

    Die folgende Woche in der Klinik war richtig schlimm. Da wir auf der Intensivstation waren wegen der Antibiotika und der Infektion mussten wir uns auch deren Gepflogenheiten und Regeln unterwerfen.

    Das Kind musste vor und nach jedem Stillen gewogen werden, auch wenn es dann wieder aufwachte. Sicher wichtig bei Frühchen und Babys die zu wenig trinken.

    Mein Wonneproppen wog von Anfang an 3.700 g und schmatzte beim Trinken an der Brust, weil er die viele Milch gar nicht schnell genug wegschlucken konnte.

    Erst nach Tagen hatten die Schwestern erbarmen und erließen mir die Wiegepflicht, die angesichts dieses gut genährten Kerlchens geradezu wie pure Ironie anmutete. Endlich durften wir heim und alles wurde besser.

    Dennoch blieb unser Schatz für 3 Monate lang ein Schreikind. Tagsüber war er glücklich und zufrieden bis es 18 Uhr wurde. Dann weinte er drei Stunden lang und nichts konnte ihn vom Schreien abhalten.

    Ich lasse diesen 1. Teil meiner Geburtserfahrung jetzt einfach so offen stehen. Sie enthält meine Meinung und meine persönlichen Empfindungen. Ich beschreibe darin das, was ich bei meiner ersten Geburt gefühlt habe.

    Das mich diese Erfahrung traumatisiert hat, habe ich erst in den Wochen nach der Geburt gemerkt.

    Erneut verarbeitet und reflektiert habe ich das Erlebte, als ich dann nur 10 Monate später wieder schwanger war und mich auf eine Zwillingsgeburt vorbereitete. 16 Monate nach unserem starken Erstgeborenen haben wir unsere Zwillinge per Kaiserschnitt begrüßen dürfen.

    Teil 2: Die Geburt der Zwillinge

    Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als einmal eine Hausgeburt erleben zu dürfen. Das ging jetzt wieder nicht. Zumindest in Österreich sind Hausgeburten bei Zwillingen nicht erlaubt.

    Deutsche Hebammen gibt es auch nicht viele, die das übernehmen.

    Wir zogen zwar gerade wieder an den Chiemsee, aber bald schon kam die Nachricht, das eines der Kinder verkehrt herum lag. (Sorry, dass ich die ganzen Fachausdrücke nicht mehr weiß.)

    Wie sich zeigte, war es jetzt nicht mal mehr leicht, eine Klinik zu finden, die nicht von vornherein eine normale Geburt ausschloss!

    Das ärgert mich maßlos. Kein Wunder, wenn das Wissen darüber, wie es geht, ein Kind normal auf die Welt zu bringen, weniger und weniger wird.

    Wenn Ärzte ihrer Chance beraubt werden, ihren medizinischen Erfahrungsschatz bei natürlichen Geburten zu erweitern/bereichern, die Hebammen in der Ausübung ihres Berufs geradezu staatlich sabotiert werden, was bleibt dann noch für Deutschland? Der Kaiserschnitt.

    Kaiserschnitt verordnet

    Ich wehrte mich dagegen, als das erste Krankenhaus sagte, Beckenendlage bei Zwillingen macht nur noch der Chefarzt und der ist im August in Urlaub! Na dankeschön: Diesen Satz bekam ich in Rosenheim und in München Großhadern zu hören!

    Das Kind schlug übrigens während der gesamten Schwangerschaft Purzelbäume. Verkehrt herum in der 14. SSW heißt ja keineswegs, dass es immer so bleiben muss.

    Ich wollte aber unbedingt natürlich entbinden und fand schließlich ein kleines privates Krankenhaus.

    Ich hatte Glück, denn meine damalige Frauenärztin war dort Belegärztin.

    So fühlte ich mich diesmal viel sicherer. Ich vertraute ihr und hatte das, was ich schon bei der ersten Geburt gebraucht hätte und mir nach der ersten Erfahrung jetzt sehr wünschte.

    Eine Fachkraft, von der ich wusste, die kommt ins Krankenhaus, wenn es los geht und ist bei mir.

    Dass es dann doch ein Kaiserschnitt wurde, war für mich übrigens überhaupt nicht schlimm. Ich musste zwei Wochen vor Entbindungstermin in die Klinik – es sollte losgehen.

    Für eine Zwillingsschwangerschaft ist zwei Wochen vor ET geradezu grandios und ich hatte einen megagalaktischen Bauch. Es war Sommer, es war heiß, ich freute mich, dass es losgehen sollte.

    Ernst genommen fühlen

    Die Ärztin gab mir Globuli und wir versuchten allerlei, um die Geburt natürlich einzuleiten. Bei einem entspannenden Bad drehte sich der Purzelbaumkandidat schwupps noch mit dem Kopf nach unten.

    Alles schien zu passen. Ich bekam wehenfördernde Mittel. Es ging los. Doch plötzlich hatten die Kinder keine Lust mehr. Das Baby, das sich seit Wochen in der Pole Position befand, schwamm wieder nach oben. Jeder schien abzuwarten und „Bitte nach Dir!“ zum anderen zu sagen.

    Wir brachen ab.

    Die Ärztin sagte mir eine Yogaübung, die ich bis nächsten Vormittag praktizieren sollte. Manchmal würden die Kinder dann wieder in die richtige Position rutschen. Als sich nichts getan hatte bis zum nächsten Mittag, entschieden wir uns gemeinsam für einen Kaiserschnitt.

    Versteht ihr, warum ich mit dieser Entscheidung gut leben konnte? Ich wurde von Anfang bis Ende in die Entwicklung der Geburt mit einbezogen. So fühlte ich mich ernst genommen, mit all meinen Wünschen und Ängsten.

    Auch hier musste ich eine Woche in der Klinik bleiben. Auch hier durfte ich nicht von Anfang an permanent bei den Kleinen sein.

    Ein Kind brauchte Sauerstoff und den zweiten ließ man aus Solidarität beim Geschwisterchen. Immerhin kam man auf die Idee, den Kindern ein gebrauchtes T-Shirt ins Bettchen zu legen, damit sie den Mama-Geruch bei sich hatten.

    Ein Kind durfte ich von Anfang an stillen, das zweite ab dem zweiten Tag. Immerhin. Manchmal kommt eben nicht alles so, wie man es sich wünscht. Ich durfte auf einem Sessel in der Neugeborenenstation sitzen und konnte mit Hautkontakt kuscheln.

    Schade, fand ich auch, dass bei einem Kaiserschnitt, das Kind nicht gleich trinken darf. Ich wollte dem ersten gleich die Brust geben, aber da wurde mir das Kind weggenommen, um es zu versorgen. Ist das wegen der sterilen Umgebung? Ich habe keine Ahnung, aber ich empfand es damals als gemein.

    Aber wie gesagt, ich bin sehr dankbar, dass diese zweite Geburt so verlaufen ist. Sie hat mich ein wenig zumindest mit meinen Geburtserlebnissen versöhnt.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: In The Light Photography / shutterstock