Was soll ich machen, wenn mein Kind mich beschimpft oder haut?
Wie soll ich auf mein wütendes Kind reagieren? Zu allererst ist es hilfreich, sich nicht angegriffen zu fühlen. Ihr Hauen oder Beleidigen ist nie Ausdruck von reiner Böswilligkeit, sondern vor allem von Hilflosigkeit!
Ich nenne es „Alles was nicht Liebe ist, ist ein Schrei nach Liebe“. (Dies ist eine Aussage aus „Ein Kurs in Wundern“, Hinweis der Redaktion)
Wenn es deinem Kind gut gehen bzw. wenn es sich nicht hilflos fühlen würde, würde es sein unerfülltes Bedürfnis anders ausdrücken. Dieses unbefriedigte Bedürfnis geht es zu ergründen und zu respektieren, was nicht heißt, es immer auch zu erfüllen.
Euer Kind beschimpft euch
Wenn euer wütendes Kind euch Schimpfwörter „um die Ohren haut“, könntet ihr mit Humor – auf keinen Fall mit Ironie! – darauf reagieren.
„Was Du alles für Schimpfwörter kennst. Ich bin ich wirklich
beeindruckt. Wo hast Du die denn her? Kennst Du noch mehr?
Während ihr euer Kind die Chance gibt seine Wuttirade rauszulassen, entspannt ihr die Situation und die hochgekochten Emotionen eures Kindes. Anschließend könnt ihr entspannt damit beginnen zu erforschen, wer oder was euer Kind verletzt hat und schauen, wie ihr helfen könnt.
Euer Kind haut euch
Wenn euer Kind euch haut, aber noch nicht so stark ist, könnt ihr auch darauf gut mit Humor reagieren. Wichtig dabei ist, euch immer vor versehentlichen Verletzungen zu schützen und wenn möglich auch darauf zu achten, dass euer Kind sich nicht ernsthaft weh tut oder etwas euch Wertvolles dabei kaputt machen kann.
Denn dieses würde es später, wenn es sich wieder beruhigt hat, sehr bedauern und sich „Schuldgefühle in seinen Rucksack packen“. Wir alle tragen solch einen Rucksack voller Schuldgefühle mit uns, solange wir uns nicht vergeben.
Humorvoll könnt ihr auf sein Hauen reagieren in dem ihr ihm etwas weinerlich sagt: „Du bist ja schon richtig kräftig. Das tut ja schon richtig weh. Aua Aua. Vielleicht solltest Du warten bis Papa nach Hause kommt.
Dem machen blaue Flecken nicht so viel aus. Mit dem kannst Du dann einen richtigen Boxkampf machen. …“ Und wenn ihr das Gefühl hat, dass hilft eurem Kind gerade nicht, haltet ein Kissen vor euch. Daran kann euer Kind dann seine angestaute Wut/Aggressionen rauslassen …
Wenn sich euer Kind beruhigt hat und sich die Situation entspannt, könnt ihr euch auf die Suche nach der Ursache für seine Wut machen.
Diese Ursache kann ggf. etwas länger zurückliegen und eine relativ unbedeutende Sache hat die sich angestaute Wut dann zum Ausbruch gebracht.
Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist.
Stellt euch folgende Situation vor, ihr seid mit eurem Kind auf einem beliebten Spielplatz in dessen Verlauf euer Kind ein anderes haut. Die erste Reaktion könnte ein mit lauten „Beschimpfungen“ begleitetes wegreißen sein. Das ist vollkommen verständlich, nicht zuletzt, weil wir in diesem Moment so „enttäuscht“ und wütend auf unser Kind sind und befürchten als Eltern versagt zu haben und die erwartenden Reaktionen in den Gesichtern der anderen Eltern sehen oder erahnen.
Was braucht ihr, um entspannt auf das Hauen eures Kindes zu reagieren?
Wichtig bzw. Voraussetzung für eine unvoreingenommene und überstürzte Reaktion ist es, dass ihr euch so gut wie möglich entspannt. Und selbst dann ist es hilfreich, wenn ihr erstmal ein paar tiefe Atemzüge nimmt und so probiert euch zu beruhigen. Macht euch bewusst, „Euer Kind ist immer noch das gleiche liebenswerte Wesen, wie es bis zu dem Vorfall war“.
Ein Grundsatz könnte euch dabei helfen. „Alles was nicht Liebe ist, ist ein Schrei nach liebe“.
Das heißt, wenn euer Kind sich nicht kooperativ verhält und wie in diesem Beispiel ein anderes Kind haut, geht es ihm gerade nicht gut. Und dann nimmt euch doch noch einen Moment, um zu überlegen, was ihr euch als Kind in dieser Situation von euren Eltern gewünscht hättet.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr gewollt hättet, „am Boden liegend“ noch weiter attackiert zu werden, oder?
Welche Reaktion hättet ihr euch gewünscht?
Und so empfehle ich euch, euch bei dem geschlagenen Kind zu entschuldigen und zu fragen, ob es etwas braucht und ggf. es zu seiner Mutter/Vater zu begleiten. Anschließend geht so entspannt wie möglich auf euer Kind zu und fragt es: „So kenne ich Dich gar nicht. Was ist denn los mit Dir, was fehlt Dir, … (vermutlich weiß es das in diesem Moment selbst nicht) was hat Dich denn so verletzt, dass Du das Kind geschlagen hast?“
Habt keine Angst, dass sich euer Kind vermutlich durch ein Verhalten oder nicht reagieren eurerseits „verletzt“ fühlte. Es war nicht eure Absicht, denn sonst wüsstet ihr es ja. Vermutlich hat euer Kind eine Grenzsetzung oder Kritik von euch, nicht damit in Übereinstimmung bringen können, dass ihr es dennoch uneingeschränkt lieb habt. Natürlich kann sich euer Kind, aber auch von einer anderen Person verletzt fühlen.
Bedenkt dabei: Vor allem Kinder können eine Kritik an ihrem Verhalten nicht von ihrer „Person“ trennen!
Ich kann mir vorstellen, dass ihr euch diese Reaktion vielleicht nicht gleich zutraut, doch gerade in solchen Situationen könnt ihr mit einem entspannten Eingreifen, viel für eine vertrauensvolle Beziehung zu eurem Kind tun. Und selbst wenn die anderen Eltern erstmal irritiert schauen, wird euer Verhalten einen bleibenden und nachdenklich machenden Eindruck hinterlassen.
Ich wünsche euch ganz viel Mut und Vertrauen in eurer
Erziehung.
Deva
Werbung: Unser Buch
Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist.
Mein Baby ablegen: Babys brauchen den Körperkontakt und wenn es nicht der der Mutter ist, dann zu einer anderen vertrauten Bezugsperson. Die Mutter stellt mit ihrer Brust die Versorgung und zudem den Schutz des Babys vor Kälte, Hitze, Nässe und Gefahr sicher, welcher für die Entwicklung eures Babys enorm wichtig ist.
Wenn ihr euer Neugeborenes ablegt, wird es dies zumindest zu Beginn häufig mit Schreien, dem Hilferuf eines Babys, quittieren.
Das große Bedürfnis nach der Nähe zur Mutter ist allen Säugetieren gemeinsam.
Babys ablegen
Wenn Ihr euer Baby ablegt, ist es wichtig, dass ihr ihm dabei die ganze Zeit das Gefühl vermittelt, dass es vollkommen sicher ist. Dafür ist es hilfreich euer Baby mit einer Hand den Kopf zu stützen und mit der anderen Hand die Beine sanft an den Bauch deines Babys zu drücken. Zudem ist es wichtig, dass ihr dabei auf einen sicheren Stand eurerseits achtet und euer Baby während des Ablegens immer nah am Körper haltet.
Das verhindert, dass die Beine runterhängen und euer Baby Angst bekommt und der Moro-Reflex ausgelöst wird und es haltsuchend seine Arme nach vorne oben ausstreckt und zu schreien beginnt.
Anschließend setzt ihr es auf seinen Po und rollt es über die Seite auf den Rücken. Am besten schenkt ihr eurem Baby mit eurer Hand auf dessen Bauch noch etwas länger das Gefühl der Geborgenheit.
Mit der Zeit, nach ca. 8 Monaten, kann euer Baby immer mehr euer das Vertrauen gewinnen, dass es auch dann sicher ist, wenn ihr es nicht tragt und später selbst, wenn es euch nicht sieht.
Kann ich das Ablegen mit meinem Baby üben?
Hilfreich ist es zu Beginn euer Kind nur für wenige Sekunden abzulegen und es anschließend sicher haltend in umgekehrter Form des Ablegens wieder aufzunehmen und am besten in einer Traghilfe am Körper zu tragen. Dadurch stärkt ihr das Vertrauen eures Kindes zu euch.
Mit der Zeit entwickelt ihr immer mehr ein Gespür dafür, wann die Vertrauensgrenze ausgereizt ist. Und wann es besser euer Baby wieder aufzunehmen, bevor es dies durch Schreien einfordert. Ganz fatal dagegen ist es, sein Kind schreien zu lassen! Auch wenn es mit der Zeit aufhört zu schreien, bedeutet dies nicht, dass es ab nun ok ist bzw. verstanden hat, dass ihr gleich wiederkommt, sondern ein Zeichen der Resignation.
Dieser Vertrauensverlust bedeutet für die so wichtige Bindung zur Mutter bzw. Vater einen großen Rückschlag, der sich ohne bewusste Versuche des erneuten Vertrauensaufbaus extrem belastend in der weiteren Beziehung zeigen kann.
Na und?! Was ist eigentlich so erschreckend, traumatisierend, wenn ein Elternpaar leidenschaftlichen, befriedigenden Sex hat und dabei von einem ihrer Kinder überrascht wird. Ist es die Nacktheit der Genitalien? Oder befriedigende ggf. laute Geräusche? …
Auch wenn es für Sex noch viele andere Orte gibt, wird eine schlafendes Baby oder Kleinkind nur sehr selten beim Sex ihrer Eltern wach, wenn sie im elterlichen Schlafzimmer schlafen. Und wenn, dann legen sie sich in den meisten Fällen einfach wieder hin und schlafen entspannt weiter.
Beim Elternsex spielen die inneren Kinder
Beim Sex spielen die inneren Kinder der Erwachsenen, heißt es. Und ermöglicht einen Zugang bzw. neue Kontaktaufnahme der Eltern zu ihren inneren Kindern und somit zu ihren Bedürfnissen und Gefühlen. Dieser Zugang ist Grundvoraussetzung für eine bindungsorientierte Elternschaft.
Wie häufig bekommen unsere Kinder in Stresssituationen unsere „Aggressionen gegen wen oder was auch immer mit? Selbst wenn sie keinen Streit zwischen uns Eltern mitbekommen, spüren sie unsere Gefühle, wie Wut, Angst, Hilflosigkeit und oder Traurigkeit. Egal wie gut wir glauben sie hinter einer Maske der Gelassenheit zu verbergen.
Unsere (Klein-)Kinder fühlen sich für alles verantwortlich
Und sie fühlen sich dafür noch verantwortlich/schuldig. IMMER!
Sex ist ein tolles „Spielzeug“, um Stress ab- und Nähe und Vertrauen aufzubauen. Und unseren zuvor verschlossenen Zugang zu unseren Gefühlen wieder herzustellen.
Ich will damit ausdrücklich keinen über Liebkosungen absichtlichen „Elternsex“ vor Kindern propagieren. Stattdessen will ich Eltern dazu einladen ihre „Beklemmungen“ davor, beim Sex von ihren Kindern überrascht zu werden, abzulegen.
Wie reagiere ich, wenn unser Kind uns darauf anspricht oder sich doch erschreckt hat?
Am hilfreichsten ist es entspannt und wenn möglich humorvoll zu reagieren. Es ist nichts schlimmes, was euer Kind gesehen hat. Es wird auch keine Traumen zurücklassen. (Zumindest wenn wir „Gewaltpraktiken“ außen vor lassen). Sag ihm mit einfachen kindgerechten Worten, was es gesehen hat oder hätte sehen können.
Das Mama und Papa gekuschelt haben, wie es Erwachsene machen und wie auch es selber in den Bauch von Mama gekommen ist. Dass man miteinander getobt hat. Das verstehen Kinder ganz schnell;)
Fazit zum Thema überrascht beim Elternsex
Sex ist das natürlichste der Welt! Und nichts weswegen Eltern / Paare sich schämen sollten. Es ist zum Glück noch immer das „Spiel“, bei dem keiner zu verlieren braucht und welches die allergrößten Gewinne ermöglicht* . Unsere Kindern!
Um es aber noch einmal ganz deutlich auszudrücken, dieser Beitrag soll nicht aussagen, dass man als Eltern Sex vor seinen Kindern haben sollte!!! Es geht darum, wie man reagiert, wenn man dann aber doch einmal von seinen Kindern (wenn sie z.B. plötzlich in der Tür stehen) überrascht wird.
Nicht selten war bei diesen Paaren Nacktheit bei ihren eignen Eltern noch ein Tabu, trotz der sexuellen Revolution in den 60er Jahren. Nicht selten schlummern noch unbewusste Urteile auf Sex oder bestimmte Praktiken in den Köpfen eines oder beider Elternteile.
Soviel wir uns Eltern auch bemühen, unter Stress passiert es immer mal, dass wir „lauter“ werden oder uns vor unseren Kinder streiten. Was nicht so tragisch wäre, wenn unsere Kinder auch mitbekommen würden, wie wir uns anschließend wieder versöhnen. In welchem Verhältnis steht es da, wenn sie uns bei der schönsten Nebensache der Welt überraschen?
Solltet ihr noch weitergehende Fragen haben, scheut euch nicht, mir zu schreiben. Ich werde mein bestes geben, sie zeitnah zu beantworten.
Viel Spaß beim Spielen wünscht euch euer Deva (Familien- und Paartherapeut)
Mehr über unsere Vorstellung von Bindungsorientierter Erziehung findet ihr in unserem Erziehungsratgeber „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“, der 2019 im Humboldt-Verlag erschienen ist.
*Dabei meine ich, dass unsere Kinder bei nicht gleichgeschlechtlichen Eltern glücklicherweise in den allermeisten Fällen noch beim Sex gezeugt werden.
Auch wenn ich es an sich nicht für hilfreich finde, mit seinen Kindern zu schimpfen, passiert es uns Eltern insbesondere in Stresssituationen schon das ein oder andere mal. Doch wenn es doch passiert, ist es wichtig, uns unseren Eindruck auf unsere Kleinen bewusst zu machen.
Macht euch das Größenverhältnis beim Schimpfen bewusst
Wenn ihr entspannt und verbunden mit ihnen seid, nehmen sie euch als einen „riesigen“ Beschützer wahr. Doch stellt euch einmal einen eher gereizten /wütenden Menschen vor. Der zudem fast 3-mal so groß und wesentlich kräftiger ist und euch zudem noch sehr nahe kommt. Und das nicht selten mit einem erhobenen Zeigefinger.
Hinweis: Ein ausgestreckter Zeigefinger wirkt in solchen Situationen häufig wie eine Waffe.
Was macht diese Vorstellung mit euch? Mir macht sie eine „Heidenangst“. Und selbst wenn die Kinder größer werden, ist der Größen- und Kräfteunterschied sowie der damit verbundene Eindruck immer noch sehr groß.
Wenn ihr mit euren Kindern sagen wir bis mindestens zwischen
3 und 4 Jahre von weiter weg „schimpft“, kann es gut sein, dass sie
es nicht mehr mit sich und ihrem Verhalten in Verbindung bringen. Vermutlich
macht es ihnen einfach „nur“ Angst, dass da gerade ein großer und
bedrohlicher Mensch in ihrer Nähe ist. Was ganz bestimmt nicht sehr angenehm
ist.
Wenn ihr gar vor ihnen steht und auf sie runter schaut, kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich aus Todesangst innerlich „wegbeamen“. In solchen Situationen sind sie auf jeden Fall nicht aufnahmefähig für „Kritik“. Und werden ihr Verhalten nicht ändern, was beides nicht das ist, was ihr euch für eure Kinder wünscht.
Mit Kindern schimpfen stärkt deren Überzeugung nicht liebenswert zu sein
Nicht nur euren Kinder auch euch bzw. euerem inneren Kind macht es Angst, wenn es kritisiert wird. Warum? Kinder (auch euer inneres Kind) können Kritik an ihrem Verhalten nicht von Kritik an ihrer Person trennen.
Das heißt, immer wenn ihr sie kritisiert, wenn sie z.B. ein Glas fallen lassen, fühlen sie sich als Person kritisiert und somit verstärkt es ihren Gedanken nicht ok bzw. nicht liebenswert zu sein. Danach schaltet es seine „Ohren auf Durchzug“, um sich vor weiteren Schmerz durch Kritik zu schützen.
Wie es besser klappt
Begibt euch soweit wie
möglich auf Augenhöhe eures Kindes, wenn ihr mit ihnen spricht und vor allem
wenn ihr sie (positiv oder negativ) kritisiert. Wenn ihr sie negativ kritisiert,
atmet zuvor zudem mehrmals tief ein und aus, um eure Stimme, eure Körperhaltung
und Emotionen zu entspannen bzw. zu beruhigen.
Macht euch bewusst, dass
„alles was nicht Liebe ist, ein Schrei nach Liebe ist“, d.h. euer Kind verhält
sich nicht unkooperativ, weil es böse ist oder euch Ärgern will, sondern weil
es sich verletzt fühlt und nach eurer Aufmerksamkeit „schreit“. Es fehlt ihm
also etwas.
Probiert also lieber herauszufinden, was eurem Kind fehlt, anstatt sein Verhalten zu kritisieren. Bestenfalls nach dem Motto: „Erst zuhören dann reden“. Wenn ihr eurem Kind erstmal eure Aufmerksamkeit schenkt, ist es anschließend bereit eure Wünsche oder Verhaltensänderungen aufzunehmen.
Und damit dies immer leichter fällt, ist es hilfreich, gut auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse sowie für ausreichend Entspannung zu achten. Denn nur wenn ihr entspannt sein, könnt ihr entspannt auf das Verhalten eurer Kinder reagieren.
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In unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern – Mit Verständnis, Verantwortung und Vertrauen durch den Familien-Alltag“ findet ihr wertvolle und leicht umzusetzende Tipps und Beispiele, wie ihr euren Kindern Grenzen setzen und auf ihr unkooperatives Verhalten reagieren könnt, ohne zu schimpfen.
Euer Deva
Beitragsfoto: Choreograph / Getty Images Pro
Foto 2: DGLimages / Getty Images Pro
Ich muss gestehen, ich habe lange gehadert mit meiner Entscheidung, ob ich mich zur der im Film „elternschule“ gezeigten Therapiepraxis äußern soll, und tue es noch immer.
Dennoch wünsche ich mir einen anderen „Umgang“ mit dem Film und der berechtigten Kritik.
Aus meiner langjährigen Erfahrungen der Traumabewältigung mit dem „inneren Kind“, weiß ich wie Kinder und Erwachsene mit Verletzungen bzw. Schmerz und Zurückweisung umgehen.
Die vielen Menschen, die in der „elternschule“ zu sehen sind, sind aus meiner Sicht gebrochen bzw. werden gebrochen, indem sie die Kinder nachts schreiend allein lassen und ihnen das Essen in den Mund pressen. Das macht mich einfach nur endlos traurig.
Verlorengegangene Empathiefähigkeit
Unter gebrochen verstehe ich dabei, dass den betroffenen Eltern und Kindern das Mitgefühl bzw. die Empathiefähigkeit, die unserer Gesellschaft (Welt) zur Zeit so sehr fehlt, „abtrainiert“ wird. Dabei ist es gerade das, was sie gerade so sehr brauchen.
Diese Kinder werden empathieunfähig aufwachsen, aus Angst vor Strafe und Zurückweisung versuchen sich entsprechend den Erwartungen ihrer Erziehungsberechtigten zu verhalten. Dabei werden sie aber nicht lernen, was „richtig oder falsch“ ist. Stattdessen werden sie lernen, wie sie dem Schmerz durch Strafe entgehen können.
Diese Kinder werden als Erwachsene, sofern sie keine Heilung erfahren, sehr wahrscheinlich ohne Selbstbewusstsein aufwachsen. Und entweder nachdem Motto „ich zu erst“ (das zur Zeit leider sehr populär ist) leben oder ohne zu wissen, was sie wollen, versuchen zu „überleben“ ohne weiterhin verletzt zu werden.
Beide Wahrscheinlichkeiten des Umgangs nach diesen Therapieformen wünsche ich niemanden.
Das Verhalten des Klinikpersonals kann nur von Menschen durchgeführt werden, die diese Fähigkeit nicht mehr besitzen.
Das Klinikpersonal wird sich ihre Empathiefähigkeit entweder bereits in der Kindheit aus Schutz vor Verletzungen unterdrückt haben oder als Personal in der Klinik wegzudrücken lernen müssen. Ansonsten würden sie den Schmerz, den sie den Eltern und Kindern in gut gemeinter Absicht zufügen, nicht aushalten.
Kinder sind frei von Schuld
Kinder, die das Licht der Welt erblicken, sind unschuldig und kennen keinen Schmerz bzw. Verletzungen, außer sie erlebten während der Schwangerschaft und/oder Geburt schwere Traumata. Und wenn dies der Fall war, fühlen sie sich ausnahmslos selbst dafür verantwortlich und handeln nicht „rachsüchtig“.
Kinder brauchen generell keine Therapie, was nicht heißt, dass sie keine Unterstützung vor allem in Form von Verständnis, Aufmerksamkeit und aus Liebe gesetzten Grenzen bauchen, in denen sie sich und die Welt erkunden und weder sich noch andere „verletzen“ können.
Und wenn sie den Ansprüchen dieser „Welt“ anscheinend nicht gerecht werden, was aber an unserer „Wirtschaftlichkeit und auf Erfolg über andere“ geprägten Gesellschaft liegt, werden sie „zurechtgebogen“ und bestenfalls beim „Verbiegen“ liebevoll unterstützt.
Doch sie sind, wie jeder andere Mensch auch, OK so wie sie sind!
Elternschaft ist eine der schwierigsten Aufgaben, zu der es aber keine Ausbildung gibt
Wenn, dann sind es immer die Eltern, die Unterstützung brauchen. Was in keinem Fall den Schluss beinhaltet, dass sie keine guten Eltern oder gar „schlechte“ Menschen sind! Sie geben immer ihr Bestes, zudem sie in diesem Moment (ohne Unterstützung) fähig sind.
Sie sind diejenigen, die sich die meisten Sorgen und Gedanken machen und in der Regel nicht weniger unter den Situationen leiden, wie ihr Kinder.
Finger in die Wunden legen
Kinder haben ein untrügerisches Talent ihre Finger immer auf die schmerzhaftesten Wunden ihrer Eltern zu legen. Welche dann die alten Verletzungen der Eltern aus deren Kindheit hochholen. Aus dem damit verbundenen Schmerz und Hilflosigkeit heraus, reagieren sie häufig unüberlegt und verletzend.
Und so wünsche ich mir, dass wir in Bezug auf die Personen in dem Film „elternschule“ und dieser Klinik nicht mit Wut und Aggressivität, ob verbal oder nonverbal reagieren.
Stattdessen wünsche ich mir Verständnis und Empathie für die Betroffenen, denn „Alles was nicht Liebe ist, ist ein Schrei nach Liebe“.
Zudem ist es das, was diese Therapieform am schnellsten in „Liebe“ umwandeln kann.
Mir ist es wichtig klar zu stellen, dass ich nicht für eine „grenzenlose“ Erziehung stehe. Kinder brauchen Grenzen. Sie geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit. Näheres findet ihr in meinem Beitrag „Grenzen setzen, heißt Verantwortung übernehmen“.
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Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:
Erziehung ohne Nein: Habt ihr schon einmal darauf geachtet, wie häufig ihr zu euren Kleinen „Nein“ oder „das geht nicht“, „dass kannst du nicht haben“ etc. sagt? Studien meinen es sind weit über 100 verneinende Aussagen dieser Art pro Tag.
Was ist an einem NEIN verwerflich?
An sich nichts. Nur verstehen vor allem eure Kleinen unter einem NEIN nicht nur den „Ausschlag eines Wunsches“, sondern: „Ich bin nicht OK“, was für sie gleichbedeutend ist, mit „Ich bin nicht liebenswert !!!„. Das liegt daran, dass Kleinkinder ihre Bedürfnisse und Wünsche noch nicht von ihrer „Person“ trennen können. Dies fällt übrigens auch noch vielen Erwachsenen sehr schwer.
Viele von Euch können sich bestimmt nicht mehr daran erinnern, was sie empfunden haben. Das liegt vor allem daran, weil sich das Meiste davon vor allem auf einer uns unbewussten Ebene abspielt.
Was nun? Sollt ihr jetzt euren Kindern etwa immer alles geben, was sie sich wünschen und keine Grenzen mehr setzen???? – Nein.
Doch ihr könnt eure Kommunikation bzw. Formulierungen verändern. Dies ist zwar zu beginn etwas „mühseelig“, doch es ist eine lohnenswerte Investition in die Beziehung zu eurem Kind.
Hier ein paar Beispiele wie ihr ein NEIN umgehen könnt:
Kind: „Ich will jetzt fernsehen!“ – Mama: „Nein, Du darfst jetzt kein Fernsehen mehr schauen!“
– besser: „Ich kann verstehen, dass Du jetzt gerne Fernsehen möchtest. Was ich Dir anbieten kann, ist, dass wir jetzt erst in Ruhe zu Abendessen und wenn wir gemeinsam den Tisch abgeräumt haben, lese ich Dir gerne noch eine Geschichte vor. „
Kind (im Geschäft): „Ich will diese Puppe!!!!!“ – Mama: „Nein, die gibt es nicht.“
– Unsere Vorschläge: „Oh, ja, diese Puppe ist wirklich schön. Die hätte ich auch gerne gehabt. (Hier geht es darum, unserem Kind Verständnis für ihr Bedürfnis/ihren Wunsch zu schenken.)
oder „Diese Puppe werde ich Dir zwar nicht kaufen, doch was ich Dir vorschlagen kann, ist, dass wir, wenn ich mit dem Einkaufen fertig bin, ein Eis essen gehen“.
Es ist besser, euren Kindern Verständnis für ihre Bedürfnisse/Wünsche entgegen zu bringen und ihnen eine Alternative anzubieten. Dies ist aber nicht immer zwingend notwendig. Es hilft aber in Stresssituationen häufig, euer Kind schneller zu beruhigen. Es sollte jedoch nicht zur Gewohnheit werden.
Ebenso ist es gerade bei Kleinkindern hilfreicher ihnen je nach Alter eine oder mehrere Alternativen vorzuschlagen, als sie „offen/frei“ nach ihren Wünschen zu fragen. Denn das überfordert sie.
Papa: „Na, was sollen wir am Wochenende unternehmen?“ Kind: Ich will ins Disney Land.“
Wenn ihr eure Kleinen häufiger nach ihren Wünschen fragt und dann ablehnen (müsst), fühlen sie sich nicht ernstgenommen und nehmen auch eure Fragen nicht mehr ernst. Und verlieren dann schnell ihr Vertrauen, in euren Wunsch sie glücklich zu machen und an eure Liebe.
Ich möchte noch ausdrücklich betonen, dass einzelne Neins das Selbstbewusstsein von Kleinkindern nicht unbedingt schwächen werden, da sie ansonsten bestimmt noch viel Anerkennung, Wertschätzung und Bestätigung von euch erhalten.
Erziehung: Das Vertrauen unserer Kinder wächst mit jeden JA.
Je mehr ihr eine Nein vermeidende Kommunikation übt, umso stärker wächst das Vertrauen eurer Kinder euch gegenüber und zu sich selbst.
Vor allem in Gefahrensituationen sind Neins wenig hilfreich. Da ihnen in diesen Momenten die Aufforderung fehlt, was sie stattdessen machen sollen.
Ich empfehle euch in diesen Situationen klar auszudrücken, was euer Kind machen soll, wie z.B. „Bleib stehen!“ oder „Stopp!“, „Komm zu mir!“ (…). Dabei gilt: je kürzer und klarer umso besser!
Hilfreich ist es, wie in allen Anweisungen euren Kindern zu sagen, was ihr euch von ihnen wünscht und nicht, was ihr euch nicht wünscht. „Betrete nicht den Rasen“, „Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten“.
Diese Anweisungen gehen häufig in die „Hose“. Da unser Gehirn mit Bildern arbeitet und es für die Worte „nicht“ und „verboten“ (und vielen gleichbedeutenderen) keine klaren Bilder gibt, werden diese Worte in unseren „Bildern“ weggelassen. Und es bleiben Bilder übrig, wie sie den Rasen betreten oder es taucht ein Rosa Elefant vor ihrem inneren Auge auf.
Ich weiß aus eigener Erfahrung als Papa, dass es eine sehr anstrengende, aber auch lohnenswerte Investition, in ein entspannteres Familienleben und in das Selbstbewusstsein unserer Kinder ist und kann euch dies nur nahelegen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen, Fragen und Ideen in diesem Zusammenhang mitteilt, z.B. Welche „Neins“ findet ihr besonders schwer, umzuformulieren?
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Wenn ihr gerne noch mehr darüber erfahren möchtet, wie ihr eure Kinder liebevoll in die Selbstständigkeit begleiten könnt, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist, wertvolle Tipps.
Wie oft habe ich den Satz : ,, du brauchst nicht weinen “ oder „ du gefällst mir aber gar nicht, wenn du weinst “, von Eltern gehört. Leider muss ich immer wieder feststellen das Erwachsene immer noch positive und negative Gefühle trennen und bewerten.
Warum haben Eltern immer den Drang das Weinen beenden zu wollen? Ich kann’s echt nicht verstehen, warum man als Eltern denkt, man habe die Pflicht sein Kind „ruhig zu stellen“. Oder ist es etwa nicht gesellschaftsfähig, wenn es nörgelt , wütend ist oder halt weint!
Denkt dann jemand man wäre eine schlechte Mutter und hätte sein Kind nicht im Griff? Ich find es definitiv total unpassend seinem Kind beizubringen, seine Gefühle zu unterdrücken.
Für das spätere Leben kann dies schwere Folgen haben.
Ganz wichtig ist es, zu verstehen das Weinen neben Schreien eines der ersten Fähigkeiten ist, die Kinder beherrschen – wenn sie sich verletzen, unwohl fühlen, Hunger haben oder einfach Müde sind.
Zweitens bin ich der Ansicht, wir Eltern haben die Pflicht unser Kind durch diese Trauer / diesen Schmerz zu begleiten und das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
Wir alle haben doch Emotionen in uns, die wir raus lassen möchten, egal ob Ärger, Angst, Trauer, Freude oder Glück!
Sie haben alle etwas gemeinsam, sie wollen wahrgenommen/gehört werden!
Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr weinen „müsst“?
Stellt euch vor, euch wäre zum Heulen – euch geht es richtig beschissen – und jemand sagt: ach Mensch hör doch auf zu weinen, das war/ist ja wohl echt nicht so schlimm! Oder psshhhhh!
Es würde sich alles in euch anstauen und Ihr würdet noch trauriger sein als zuvor. Was würdet ihr euch in so einem Moment wünschen? Richtig !!!!
Ein lieber Mensch, der euch durch die Trauer begleitet und auffängt! Und dabei nicht „vollquatscht“.
Also nehmen wir uns als Eltern doch auch einmal Zeit und schauen, warum unser Kind weint, begleiten es durch die Emotion(en). Und umhüllen es mit all der Liebe, die wir haben. Weinen ist Heilsam!
„Was Seife für den Körper ist, sind die Tränen für die Seele.“ besagt ein altes jüdisches Sprichwort.
Durch die eigene Erfahrung mit meinem Sohn durfte ich feststellen, dass sich ausweinen sehr positiv auf die Psyche meines Kindes ausgewirkt hat.
Nach meinem Gefühl wirkt er danach viel entspannter und die Phasen in denen er weint verkürzen sich.
Ich sehe es als positives Ereignis, wenn mein Zwerg zu mir kommt und sich ausweinen möchte. Ich habe dann das Gefühl, dass er weiß , dass er bei mir genau so sein kann, wie er ist, ob glücklich, traurig oder ängstlich.
Über eine Babytalk-Leserin bin ich auf das Problem aufmerksam gemacht worden, dass viele Eltern sich fragen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sich ihr Kind nicht die Zähne putzen will.
„Was tun, wenn das Kind sich nicht die Zähne putzt und auch alle Versuche mit zuckerfreien Süßmitteln, gesunder Ernährung etc. nicht verhindern, das letztendlich die Zähne so kaputt sind, das eine Behandlung unter Vollnarkose notwendig ist? Ist dann die Behandlung und alles was dazu gehört für das Kind nicht genauso traumatisch, als wenn es zum Putzen gezwungen worden wäre?“
Auf die Frage, was zu tun ist, kann man Eltern zwar hunderte von Tipps geben, doch letztendlich müssen sie die Entscheidung treffen und damit die Verantwortung dafür selber tragen. Selbst, wenn es so aussieht, als wenn eine Vorgehensweise „besser“ ist als die andere, kann man das im vorhinein nicht wirklich sagen.
In diesem Sinne werde ich nachfolgend darauf eingehen, „wie man Kinder ans Zähneputzen heranführen kann“, „welche Folgen ein „gewaltsames Zähneputzen haben kann“ und „wie man Kinder auf eine Zahnbehandlung vorbereiten kann“, eingehen.
Wie kann ich mein Kind dazu motivieren sich die Zähne zu putzen?
Zu aller erst, beginnt frühzeitig mit dem Zähne putzen, das heißt mit den ersten Milchzähnen und den ersten Beikostmahlzeiten (6-9 Monate). So baut sich das Zähneputzen von „Anfang“ an in das Aufsteh- bzw. Zubettgeh-Ritual ein.
Nimmt eure Kinder so oft wie möglich mit, wenn ihr euch die Zähne putzt, denn Kinder haben eine Art inneren Drang uns alles nach zu machen. Und Kinder lernen am allermeisten durch Nachahmung. Dies insbesondere von ihren Eltern und größeren Geschwistern.
Vielleicht lasst ihr ihnen auch euch die Zähne putzen und schaut, ob ihr anschließend mit der Zahnbürste in ihren Mund dürft. Seid nicht enttäuscht, wenn sie es nicht wollen. Manchen Kindern macht es einfach noch Angst.
Falls sie es nicht wollen, fragt, ob sie es vielleicht selber mal probieren wollen. Und wenn sie dies auch noch nicht wollen, sind sie vermutlich aber bereit ihrer Puppe oder Kuscheltier die „Zähne zu putzen“.
Wie auch immer, bleibt entspannt und geht nicht mit der Erwartung heran, dass es jetzt aber langsam mal klappen muss.
Kinder lernen am besten auf einer humorvollen und entspannten Art und Weise
Vielleicht führt ihr auch ein Belohnungssystem ein, indem ihr ihnen einen Smiley oder ähnliches Bildchen stempelt oder in eine Liste malt. Ab dem Erreichen einer bestimmten Menge könntet ihr dann etwas mit ihnen unternehmen, was sie besonders mögen oder eine Kleinigkeit schenken.
Ich habe mir damals so mein erstes Taschengeld zusammengespart. Dabei ist zu beachten, dass dies nicht als ein Tauschhandel gemeint und kommuniziert wird, was dann dazu führen kann, dass eure Kinder nur noch für eine Gegenleistung machen, was ihr wollt.
Achtet zudem darauf, dass ihr eine weiche Zahnbürste verwendet, denn besonders bei Kindern ist das Zahnfleisch häufig noch sehr empfindlich. Übrigens auch unsere Zähne mögen am liebsten sanft geputzt werden.
Belohnung wirkt immer besser als Bestrafung
Erinnert euch mal an die ersten Aufsteh- und Gehversuche eures Kindes. Habt ihr sie kritisiert, wenn sie hingefallen sind oder habt ihr sie motiviert es immer wieder zu probieren und sie bei jeden Versuch überschwänglich bestärkt und gelobt?
Vielleicht lest ihr auch mal gemeinsam Geschichten von den Zahnmonstern Karius und Baktus, diese werden den meisten Eltern bestimmt bekannt sein. Selbst ausgedacht wirken sie aber auch.
Bis zum Erlangen der Schreibschrift ist es zudem wichtig die Zähne täglich mindestens einmal gründlich nachzuputzen.
Ein „gewaltsame“ Zähneputzen oder erzwingen ist nicht hilfreich.
Wenn ich mein Kind gegenseinen Willen die Zähne putze, sollte ich mir bewusst sein, dass dies vom Kind als Grenzüberschreitung wahrgenommen wird.
Dies muss zwar nicht, kann aber zu einem Trauma führen. Auf jeden Fall wird es die Beziehung zu den Eltern bzw. das Vertrauen zu ihnen für eine gewisse Zeit schädigen.
Und das kann schwerwiegendere Folgen für euer Kind haben und für kariöse Folgezähne sorgen, obwohl man genau das Gegenteil bewirken wollte.
Denn so würde das Zähneputzen für eine sehr lange Zeit mit etwas sehr negativem verbunden. Was zu Folge hätte, dass sie aus freien Stücken wohl eher nicht mehr machen würden. Somit hätte man das Problem noch verstärkt und verlängert.
Meine Empfehlung, macht euch immer wieder bewusst: Auch bzw. gerade Kinder haben das Recht Fehler zu machen. Und wie wir, haben sie anschließend auch die „Verantwortung“ für ihre Entscheidungen zu tragen.
Und da wir sie lieben, helfen wir ihnen dabei, anstatt, wenn sie bereits „auf dem Boden liegen, noch nachzutreten“.
Kinder lernen nicht aus Verurteilung und Bestrafung, sondern aus Erfahrung.
Überlegt euch, ob ihr euren Kindern nicht „die Verantwortung“ für ihr Zähne putzen überlasst.
Unsere Verantwortung als Eltern endet an dem Punkt, an dem wir sie immer wieder (in Abständen) „kindgerecht“ darauf Aufmerksam machen, wie wichtig das Zähne putzen ist. Es ihnen zeigen bzw. mit ihnen üben und sie daran erinnern es zu tun. Zumindest solange bis es eine „Selbstverständlichkeit“ für sie geworden ist.
Wie kann ich eine Zahnarztbesuch/-OP meines Kindes vorbereitend unterstützen?
Dies kann damit beginnen, dass wir für und ggf. gemeinsam mit unserem Kind einen Zahnarzt suchen (hierzu einVideo von Lauras Stern „Laura muss zum Zahnarzt„), der eine Gespür hat, wie man in Kontakt mit (ängstlichen) Kindern kommt und weiß, wie man ihr Vertrauen gewinnt.
So sollte der erste Zahnarztbesuch auch nur eine Art Kontroll- und Diagnosebesuch sein. Und wenn möglich keine Behandlung beinhalten. Für Kinder ist es sehr hilfreich, wenn die ersten Besuche beim Zahnarzt in positiver Erinnerung bleiben.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Zähne kontrollieren zu lassen bevor die ersten Probleme auftreten. Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag „Der erste Besuch beim Zahnarzt„.
Man sollte Kinder bei nötigen Behandlungen nicht belügen, indem man ihnen z.B. sagt, es wird nicht weh tun. Denn das muss es zwar nicht, doch kann es. Und zudem ist es auch von der Schmerztoleranz abhängig.
Eine tolle Idee ist es, die Geräte des Zahnarztes mit Geschichten zu verbinden:
Der Bohrer macht die Häuser von den „Auamonstern“ kaputt.
Der Sauger fängt sie alle ein und schmeißt sie ins Gefängnis.
Die Füllung macht die Zähne wieder wunderschön glatt, sodass „Auamonster“ in Zukunft immerzu ausrutschen und keine Chance haben, sich anzusiedeln.
Wenn möglich und vom eurem Kind gewünscht, ist es gut seine Hand zu halten oder auf eine andere Art in körperlichem Kontakt während der Behandlung zu bleiben.
Auch eine anschließende Belohnung und Lob kann eine unschöne Erfahrung gerade bei Kindern häufig ins positive umkehren.
Als erstes sollte man sich davor hüten, dies mit Kommentaren wie „Wer nicht hören will, muss fühlen“ oder „Das hast Du nun davon“. Damit probieren wir nur unsere eigenen Schuldgefühle zu mindern.
Ich hoffe Euch damit die Entscheidung etwas leichter gemacht zu haben.
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Weitere Beispiele, wie ihr eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit begleiten könnt, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern„, welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:
Mit Kind beim Arzt: Fremde Umgebung, ein fremder Geruch – und dann auch noch fremde Menschen, die einem viel zu nahe kommen: Kein Wunder, dass Babys und Kleinkinder sich in Arztpraxen nur selten wohlfühlen. Nachfolgend findet ihr Tipps, wie ihr euer Kind beim Arztbesuch unterstützen könnt.
Doch Arztbesuche sind eben notwendig. Das gilt für die U-Untersuchungen, gegebenenfalls Impfungen und auch, wenn das Kind mal krank oder verletzt ist. Wir als Eltern können unsere Kinder liebevoll begleiten, indem wir ihnen Sicherheit geben und ihnen eine Stütze sind. Das geht in mehrerlei Hinsicht:
-1- Auswahl des Arztes
Kinder haben sehr feine Antennen: Sie spüren genau, wenn wir Vorbehalte gegenüber einem Arzt haben. Daher macht es Sinn den Arzt sorgfältig zu wählen. Bei der Auswahl ist es hilfreich darauf zu achten, dass sich der Arzt Zeit nimmt, vor der „Behandlung“ in direkten Kontakt mit dem Kind zu gehen. Dies ist für den Vertrauensaufbau sehr wichtig. Egal wie alt das Kind ist.
Dass wir Eltern dem Arzt und seiner Expertenmeinung vertrauen, ist auch für unsere Kinder wichtig. Wer selbst mit einem mulmigen Gefühl zum Arzt geht, dem wird es schwerfallen, seinem Kind Sicherheit zu geben.
-2- Vorbereitung auf den Arztbesuch
Ein Arzt ist jemand, der es gut mit Dir meint, er will Dir helfen gesund zu werden (oder zu bleiben). Mit diesem Grundtenor sollten wir vor unseren Kindern über den Arzt sprechen.
Wenn wir unseren Kindern außerdem vorher schon sagen, was ungefähr passieren wird, dann können sie sich darauf einstellen. Dass sich ein Kind bei der U-Untersuchung ausziehen muss, sollten wir ihm zum Beispiel unbedingt vorher schon sagen. Auch wenn es eine Spritze bekommen soll, ist das wichtig vorher zu wissen.
Es kann auch helfen mit dem Kind und seinen Kuscheltieren oder Puppen die typische Untersuchungen und Behandlungen durchzuspielen.
-3- Ich bin bei Dir
In der fremden Umgebung der Arztpraxis tut es Kindern gut zu wissen, dass jemand da ist, dem sie vertrauen: Eltern oder zur Not andere Bezugspersonen. Wir Eltern sollten bestärken, Gefühle wahrnehmen und ein Wir-Gefühl schaffen.
Das geht indem wir unseren Kindern zuhören, ihre Gefühle nicht kleinreden, sondern ernst nehmen und die klare Message senden: „Wir schaffen das gemeinsam“.
-4- Gefühle zugestehen
Eine Spritze ist nicht „nichts“. Und wenn Eltern sagen das tue nicht weh, dann lügen sie. Natürlich kann eine Spritze weh tun. Wer das abstreitet macht sich unglaubwürdig.
Besser wäre es da etwas zu sagen wie: „Ich weiß, dass das unangenehm ist. Ich kann mich noch gut an meine letzte Spritze erinnern, das war ganz schön doof. Aber schau – es ist wieder verheilt. Bei Dir wird das genauso sein“.
-5- Ich gebe Dir Sicherheit
Natürlich könnten wir Eltern mitweinen, wenn das Baby eine Spritze bekommt. Besser ist es aber, sich nicht mit in die Opferrolle zu begeben, sondern auch hier Sicherheit zu geben:
Gleich haben wir es geschafft! Wenn wir Eltern zögern oder selbst zurückweichen, sendet das falsche Signale. Besser ist es, entschlossen und klar Position zu beziehen.
-6- Ich bleibe bei Dir
In Krankenhäusern und auch in manchen Arztpraxen werden Eltern gebeten nach draußen zu gehen, wenn ihrem Kind Blut abgenommen oder ein Zugang gelegt wird. Das ging mir auch schon so. Beim ersten Mal habe ich es tatsächlich gemacht. Im Nachhinein bereue ich es sehr. Alle folgenden Male bin ich geblieben. Und zwar aus gutem Grund:
In Momenten größter Not, in denen ihnen fremde Menschen Schmerzen zufügen, brauchen Babys und Kinder jemand Vertrauten um sich, der ihnen Halt gibt.
Wenn man es als Eltern wirklich nicht aushalten kann, dass Kind leiden zu sehen, ist das vielleicht die beste Option den Raum zum Blut abnehmen zu verlassen.
Und wenn möglich, ist es in diesem Fall hilfreich eine andere Vertrauensperson mit zu nehmen. Doch wir sollten uns auch ernsthaft fragen, ob es uns nicht doch möglich sein kann, unserem Kind beizustehen. „Egal was kommt: Ich lass Dich nie alleine“ – diese Message spüren schon die Kleinsten.
-7- Ablenken
Wenn es geht, dann ist Ablenkung nicht die schlechteste Strategie. Bei manchen Kindern hilft das ganz gut. Zumindest wenn es um kurze Schmerzen wie eine Spritze geht.
Vorsicht ist allerdings geboten, denn die Spritze sollte natürlich nicht heimlich gegeben werden, sondern durch die Ablenkung einfach eine Nebenrolle erfahren.
Wenn der Arzt eine kleine Geschichte erzählt oder das Kind in ein Gespräch verwickelt, dann konzentriert sich eben auch nicht alles auf die Spritze und die Situation wird entkrampft. Manchmal klappt es. Und manchmal nicht.
Jedes Kind ist anders, manche sind sensibler, einigen machen geänderte Umstände wenig aus, manche sind zurückhaltend, andere selbstbewusst.
So braucht jedes Kind eine etwas andere Begleitung. Aber der Grundtenor ist für alle gleich hilfreich: Ich bin bei Dir, wir schaffen das! Das brauchen Kinder – im Leben und auch in der Arztpraxis. Hier findet ihr einen ähnlichen Artikel „Der erste Besuch beim Zahnarzt„, Hinweis der Redaktion)
Eure Katharina Müller-Sanke (Babytalk-Autorin)
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Weitere Praxisbeispiele, wie ihr eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit begleiten könnt, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:
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