Schlagwort: Nuckelflasche

  • Weg von der Nuckelflasche

    Weg von der Nuckelflasche

    Nun ist es genug, die geliebte Nuckelflasche soll weg! Das Kind ist aber dagegen und sieht absolut nicht ein, wieso der geliebte Begleiter ausgedient haben soll? Nachfolgend erhaltet ihr hilfreiche Tipps und Hintergrundinformationen, um euren Kleinen das Nuckeln am Fläschchen „abzugewöhnen“.

    Ist das Fläschchen nun wirklich schlecht für die Zähne oder ist das ein Ammenmärchen? Was ist das kleinere Übel – Schnuller, Fläschchen oder gar der Daumen? Oder ist alles halb so wild und das Kind hört irgendwann ganz von selbst mit dem beruhigenden Nuckeln auf?

    Während noch in den 1970ern bedenkenlos mit Zucker gesüßte Getränke und Instant Babytees in Saugflaschen gefüllt wurden, gibt es heute zahlreiche Studien zur Zahngesundheit und zur schädlichen Wirkung von zuckerhaltigen Getränken in Babyflaschen.

    Doch – zumindest hoffe ich das – wissen heute die meisten Eltern, dass zuckerhaltige Tees und andere gesüßte Getränke ebenso wie Säfte, die von Natur aus Fruchtzucker enthalten, in der Babyflasche extrem gefährlich sind.

    Denn neben dem Zucker selbst, ist es für den Zahnschmelz absolut schädlich, wenn Zucker oder andere Süßstoffe ständig die Zähne umspülen. Apropos umspülen. Das ist das zweite No Go in Sachen Fläschchen. Niemals sollte den Kindern das Nuckelfläschchen über einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.

    Die Nuckelflasche als Einschlafhilfe

    Wenn die Flasche dem Kind überlassen bleibt, etwa als Einschlafhilfe, ist häufig zu beobachten, wie es den Sauger wie einen Schnuller im Mund lässt, um immer wieder mal daran zu nuckeln, falls es ein wenig erwacht.

    Die Flüssigkeit umspült beständig die Zähne und so kann selbst ein mit verdünnter Milch gefülltes Fläschchen zum Kariesbringer werden. Dies gilt ebenso für säurehaltige Getränke, wie z.B. Orangensaft. Beides erhöht das Kariesrisiko bei Keinkindern um ein Vielfaches.

    Die Zahngesundheit leidet erheblich. Doch nicht nur das: Eine groß angelegte Studie der Temple University in Philadelphia zeigte auf, dass Zweijährige, die regelmäßig aus der Flasche trinken, mit fünf Jahren stärker zu Fettleibigkeit neigen.

    Viele Eltern bedenken nicht, dass eine Kakao- oder Milchflasche kalorienmäßig gesehen, wie eine kleine Mahlzeit zu werten ist. 200 ml Milch machen laut besagter Studie etwa 12% des täglichen Kalorienbedarfs aus.

    Experten raten schlicht, erst gar nicht mit dem Flasche geben anzufangen. Falls das schon geschehen ist, dann sollen die Kleinen nach dem Trinken ihrer Flasche auf jeden Fall die Zähne geputzt bekommen.

    Nuckelflasche zur Beruhigung

    Schlafendes Baby mit Nuckelflasche

    Denn in der Praxis läuft oft alles anders als in der schönen Theorie. Weil unsere Kinder alle abends viel geschrien haben und wir Bauchweh nicht ausschließen konnten, haben sie schon mit wenigen Wochen ein Fläschchen ungesüßten Fencheltee bekommen. Und schwupps, schnell war die Flasche nicht mehr wegzudenken und ein wichtiger Helfer bei Schreiattacken.

    In der Familie meines Mannes war es üblich, den Babys im Alter von einem Jahr mit Wasser verdünnte Frischmilch im Fläschchen zu trinken zu geben. So bürgerte sich auch dieser Brauch rasch bei uns ein, anstatt wie heute von Fachärzten und Experten geraten mit einem Jahr komplett auf Tassen und/oder Trinklernbecher umzustellen.

    Nachdem unsere drei Kinder die harten Trinkaufsätze der Flaschenhersteller alle rigoros abgelehnt hatten, machte ich mir Sorgen wegen dem Milchzuckergehalt der Kuhmilch.

    Wie auf dem Beipackzettel der Fläschchen empfohlen, hatte ich vor mit einem halben Jahr auf die harten Aufsätze umzustellen. Die anders als die Sauger mit einer größeren Öffnung auf das normale Trinken aus dem Becher vorbereiten sollen.

    Die Kinder mochten diese „neuen“ Fläschchen aber gar nicht und warfen sie, wütend durch die Gegend. Zu den Mahlzeiten tranken sie ein wenig davon.

    Sobald es sich aber um den Abendtrunk auf dem Sofa handelte, klappte das überhaupt nicht. Ihnen lief die Flüssigkeit in den Kragen und die harten Aufsätze boten ihnen einfach keine Saugqualität, was die lieben Kleinen zusehends frustriert.

    Tipps zum Entwöhnen

    Während Milch Laktose (Milchzucker) enthält, war die bei den Zwillingen eingesetzte Pflanzenmilch teilweise sogar noch um einiges süßer. Daher habe ich beides immer sehr mit Wasser verdünnt, um mein Gewissen zu beruhigen.

    Irgendwie konnte ich ihnen ihre „Nuckiflasche“ auch nicht Wegnehmen. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, weil alle drei das Nuckeln offensichtlich als so beruhigend empfanden.

    Doch irgendwann kam der Zeitpunkt – beim ersten Sohn im dritten Lebensjahr, bei den Zwillingen um den zweiten Geburtstag herum – an dem mir wirklich klar war, dass die abendliche Einschlafberuhigung per Fläschchen der Vergangenheit angehören musste.

    Im zweiten Lebensjahr waren jeweils schon etliche halbherzige Versuche vorangegangen. Manchmal klappte es besser, manchmal nur kurz – je nach Phase des Kindes haben wir aber doch wieder auf das Fläschchen als Beruhigungsmittel zurückgegriffen.

    Wenn alles gut lief, gab es Wasser oder Tee und von Beginn an habe ich die Flaschen nach der abendlichen Nuckelrunde stets wieder weggenommen. Als es dann aber ernsthaft an die Entwöhnung gehen sollte, kaufte ich erst einmal neue hübsche Flaschen – mit einem normalen, altersgemäßen Trinkflaschenaufsatz.

    Die fanden sie eine Weile ganz gut, aber sie tranken damit immer nur ein bisschen. Wenn sie ganz grantig wurden, haben wir die alten Nuckelaufsätze auf die neuen Flaschen aufgeschraubt. Nicht ganz so erfolgreich wie gedacht, aber immerhin wurde dem Nuckelbedürfnis nur noch im Ernstfall nachgegeben.

    Nur noch Wasser in die Nuckelflasche

    Irgendwann gab es dann wirklich nur noch Wasser in der Flasche. Mich nervten die ständig irgendwo herumliegenden Flaschen mit den Milchresten einfach zu sehr, als das ich das noch weiter hätte ertragen könnte. Wie beim Abstillen ist das oft der wichtigste Punkt, damit es klappt. Man muss es richtig stark wollen und seinen Kleinen zutrauen, dann klappt es plötzlich.

    Die Kinder waren lange Zeit gar nicht angetan von den Wasserflaschen. Komischerweise tranken sie dann aber plötzlich auch Wasser mit hartem Trinkverschluss. Anscheinend akzeptierten sie das Wasser, wenn sie wirklich Durst hatten und dann war ihnen der Verschluss egal.

    Es ging zu diesem Zeitpunkt anscheinend immer weniger ums Nuckeln. Saft bekamen sie mit zwei Jahren bereits verdünnt im Becher sowie Wasser zu den Mahlzeiten.

    Alle drei Kinder haben mit der Nuckelflasche endgültig erst im Alter von zwei bis drei Jahren aufgehört. Der Große hatte noch einen „Rückfall“: Als er sah wie die kleinen Geschwister ihre Flaschen bekamen. Irgendwie habe ich ihn da auch verstanden.

    Die Nuckelflasche wird mit der Zeit zu einer (scheinbaren) Garantie bzw. Ritual für Geborgenheit und Sicherheit.

    Manchmal hilft allerdings auch die „Fläschchen-Fee“ bei der Entwöhnung. Diese kann die Flasche immer öfter in eine Tasse oder das Einschlaffläschchen in eine Extraportion Kuscheln mit Mama und Papa verwandeln.

    Eure Verena (Babytalk-Autorin)

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  • Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Viele Mamas haben keine Ahnung, wie sie denn ihren kleinen Liebling abstillen bzw. von der Muttermilch entwöhnen können. Irgendwann fühlen sie sich, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgesaugt, leer getrunken.

    Das Stillen kostet auf Dauer ganz schön viel Energie, auch wenn das Baby schon fleißig in der Familie mit isst.

    Es gibt viele Gründe, warum sich Frauen ab einem selbst gewählten Zeitpunkt wünschen, mit dem Stillen aufzuhören.

    Wenn sie so auf ihr Kind blicken, das gerade wieder innig saugend am Busen hängt, können sie sich aber einfach nicht vorstellen, wie sie ihrem Liebling diese zärtlichen, gemeinsamen Augenblicke verwehren könnten.

    Das würde eine riesengroße Protestwelle auslösen, fürchten manche. Das grenze an Liebesentzug denken andere.

    Ich meine: Wenn die Mama aus welchen Gründen auch immer, der Ansicht ist, es sei jetzt genug gestillt, dann ist das  ein triftiger Grund, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Und das beste: Wenn die Mama wirklich nicht mehr stillen will und diese Entscheidung ganz bewusst fasst, dann klappt es mit dem Abstillen erstaunlich rasch.

    Es ist ganz so wie bei dem Entschluss, das Kind in Fremdbetreuung zu geben: Auch das klappt nur, wenn der Nachwuchs spürt, der Mama ist es ganz ernst damit – sie meint, was sie sagt.

    Tipps zum Umsetzen

    Ist dieser Entschluss bewusst und ernsthaft gefasst worden, kann es losgehen. Bei vielen wird dieser Zeitpunkt um den ersten Geburtstag herum gekommen sein.

    Meiner Erfahrung nach isst das Kind in diesem Alter auch bereits so viel andere Nahrung und so regelmäßig bei den Familienmahlzeiten mit, dass sich das Stillen meist nur noch auf eine Abend- bzw. Einschlafmahlzeit und evtl. eine Morgenrunde beläuft.

    Hilfreich ist es, eine Stillmahlzeit nach der anderen wegzulassen und gegen Beikost zu ersetzen, so ist das Abstillen ein schleichender Prozess.

    Uns hat auch geholfen, dass das Baby schon früh Fencheltee im Fläschchen bekam. Er liebte seine Babyflasche und auch das haben wir geschafft, ihn davon wieder zu entwöhnen. Das war aber viel schwieriger und hat erst im Alter von drei Jahren geklappt!

    Angst, dass dem Kind in dieser Situation durch das Abstillen wichtige Nährstoffe fehlen, muss also niemand haben. Das Baby braucht als Ersatz auch keine Milchfläschchen zu bekommen.

    Es kann aber einen Versuch Wert sein, ihm oder ihr eine Nuckelflasche – diese kann mit Wasser verdünnte Kuhmilch, und besser noch Ziegen- oder „Pflanzenmilch“, aber auch nur Wasser oder ungesüßten Tee enthalten – zur Zeit des gemeinsamen Kuschelstündchens anzubieten.

    Meistens brüllt das Kind dann und haut die Flasche wütend weg – so einfach lässt es sich ja nun nicht abspeisen. Es will eindeutig sein gewohntes Abendritual nicht vorenthalten bekommen.

    Mein erster Sohn war neun Monate alt, als ich erfuhr, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Plötzlich wollte ich abstillen. Sonst hätte ich sicher noch weiter gestillt, aber ich hatte das Gefühl wegen der erneuten Schwangerschaft meinen Körper schonen zu müssen.

    Die Fläschchen mit den verschiedenen Sorten Milchpulver, die wir ausprobierten, spuckte der Kleine alle aus, schmiss die Flaschen herum und erkannte deren Geschmack sogar, als ich es einem Fruchtmus beimischte.

    Da war nichts zu machen. Er mochte einfach nur Muttermilch, später Kuhmilch. Natürlich machte ich mir Sorgen, ob es gesund für ihn sei so ganz ohne Milch, denn mit der Kuhmilch sollte ich ja laut Kinderarzt noch ein wenig warten.

    Wir begannen dann aber doch schon ab dem 10. Monat stark verdünnte Kuhmilch zu geben – nach meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren mit meiner Laktose- und Kuhmilcheiweißunverträglichkeit fiele meine Wahl heute eher auf eine pflanzliche Milchalternative wie Hafer- oder Mandelmilch.

    Damals war das noch nicht so verbreitet, die Zwillinge bekamen dann schon Pflanzenmilch zum Abstillen.

    Papa kann beim Abstillen helfen

    Zu diesem Zeitpunkt war unser erster Sohn aber längst abgestillt. Das geschah innerhalb einer Woche! Wir lebten in den ersten neun Monaten eine derartige Mama-Kind-Symbiose, dass mir dieses totale Desinteresse an meinem Busen von einen Tag auf den anderen fast zu abrupt war.

    Geschafft hat das eigentlich der Papa, muss ich zugeben. Ich wäre heillos überfordert gewesen und hätte überhaupt nicht gewusst, wie ich das zuwege bringen sollte.

    Zu besagter Abendstunde, als die Stillzeit nahte, wurde ich schon nervös und der Papa schlug vor, ich solle doch ein wenig spazieren gehen. Er würde das mit dem Kleinen schon hinkriegen. Ich verschwand erleichtert, aber mit sehr gemischten Gefühlen, und er spielte mit ihm, lenkte ihn ab und fütterte ihn.

    Zum Glück war zu dieser Zeit Winter und ich trug meine Wollpullis mit Rollkragen. So war nicht einmal das klitzekleinste bisschen Dekolleté zu erahnen.

    Diesen Tipp, so doof er sich anhört, würde ich jeder abstillenden Mama nahelegen. Eure Kinder sind so schlau, sogar die ganz kleinen:

    Die Kinder erinnern sich eher an etwas, wenn sie es vor Augen haben. Bekommen sie das Wunschobjekt gar nicht zu Gesicht, vergessen sie es auch schnell mal, wenn sie nichts daran erinnert.

    Wir zogen das eine Woche so durch, dass ich den Kleinen immer beim Papa ließ oder zum Papa brachte, wenn die kritische Uhrzeit nahte. Natürlich geht das genauso mit der Oma oder einer guten Freundin.

    Nach ein paar Tagen hatte mein Sohn tatsächlich vergessen, dass er die erste Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Brusttrinker gewesen war. Das Kuscheln haben wir beibehalten.

    Während dieser Abstillphase haben wir einfach zu anderen Tageszeiten gekuschelt, zu denen es ohnehin schon normal für ihn war, sein Essen bei mir bzw. uns am Tisch zu bekommen. Wahrscheinlich hat es damals auch so gut geklappt, weil ich einfach die absolute Notwendigkeit zum Abstillen hatte.

    Wenn das Kind keine Lust mehr hat

    Bei den Zwillingen habe ich ebenfalls fast sechs Monate voll gestillt und dann eine Mahlzeit nach der anderen mit Beikost ersetzt.

    Irgendwie wusste ich diesmal zwar, dass das schon irgendwie klappen würde mit dem Abstillen. Das gab mir mehr Sicherheit, aber wie ich das schaffen sollte, wusste ich nicht.

    Sie waren bereits zwölf Monate alt und ich hatte insgeheim keine Lust mehr weiter zu stillen.

    Die beiden hörten kurz vor ihrem ersten Geburtstag von einen Tag auf den anderen auf, an der Brust zu trinken. Sie mochten einfach nicht mehr!

    Das fand ich auch sehr erstaunlich. Während ich noch überlegte, wie ich das ganze anpacken sollte, vergaßen sie einfach zu trinken. Es war diesmal  Sommer und wir waren viel draußen.

    Vielleicht hatten sie die abendliche Stillrunde vergessen, weil sie so viel im Garten entdeckten? Wir kuschelten jetzt einfach jeden Abend ohne Stillen.

    Der beste Tipp ist wohl, auf seine eigenen Wünsche zu hören und behutsam, aber mit innerer Überzeugung dem Kind nahe zu bringen. Jede Stillgeschichte ist anders, kann kürzer sein oder um viele Monate länger. Wichtig ist, dass es beiden Beteiligten gut dabei geht.

    Wenn wer nicht weiter weiß, hat bestimmt die Hebammen Tipps bereit. Im Netz gibt es auch Kontakt zu den Stillberaterinnen z.B. von La Leche liga.

    Übrigens: Zu den Kräutern, die den Milchfluss verringern, gehören Salbei, Walnussblätter und Pfefferminze. Ein so genannter Abstilltee reduziert die Milchproduktion langsam und bildet das Bindegewebe in der Brust schonend zurück.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Billion Photos / shutterstock

  • Baby led weaning: Baby hilft abstillen

    Baby led weaning: Baby hilft abstillen

    Viele Babys wollen möglichst schnell genau das essen, was alle am Familientisch zu sich nehmen. Das ist ja viel spannender, was die anderen kriegen. Wenn Du beobachtest, dass Dein Baby sich sehr für Lebensmittel und Essen interessiert, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um etwas Neues auszuprobieren = Baby led weaning.

    Baby led weaning (BLW) heißt ein relativ neues Konzept aus Großbritannien, zu deutsch „Vom Baby dirigiertes oder selbst bestimmtes Abstillen“. Bei dieser Methode der Babyernährung im ersten Lebensjahr greifen Eltern nach mehr oder weniger sechs Monaten ausschließlicher Muttermilch (oder Fläschchennahrung) nicht automatisch zum Babybrei.

    Sie ermöglichen ihrem Kind, gleich richtig mit zu essen, und bieten weich gekochte Äpfel, Karotten, Kartoffeln oder frische Himbeeren im Birchler Müsli an. Die Basis des Birchler Müslis besteht aus weichen in Wasser aufgelösten Hafer-, Reis-, Hirse- oder Dinkelflocken, sowie Weizen- oder Maisgrieß. Auch ein Stück Brot oder Breze eignet sich für den Anfang. Eigentlich gibt es keine Tabus außer Salz und Nüsse.

    Weiches Obst könnte dem Baby besser schmecken

    Weiches Obst wie Banane, Avocado oder Birne könnte dem Baby viel mehr Spaß machen als sein Brei. Es ist möglich, das Obst in kleine Stücke zu schneiden. Saftige Apfel oder Fleisch eignen sich zum daran Saugen.

    So bekommt das Baby den vielfältigen Geschmack von Lebensmitteln früh mit. Wenn es sich dann an den Kartoffeln satt gegessen hat, holt es sich seine Nährstoffe eben weiterhin aus der Muttermilch. Das Kind kann sich aber frei etwas aus einer kleinen Auswahl an geeigneten Lebensmitteln aussuchen.

    Wann ist mein Baby für Beikost bereit?

    Abstillen Mutter füttert Kleinkind mit Brei
    Abstillen Mutter füttert Kleinkind mit Brei

    Expertinnen wie die Fachautorin und Journalistin Norau Imlau findet den richtigen und individuellen Zeitpunkt für das Abstillen entscheidend. „Ich finde es wichtig, Babys dann Essen anzubieten, wenn sie dafür bereit sind. Das heißt, wenn sie sichtlich Interesse zeigen, an anderer Kost als Muttermilch. Das kann mit fünf oder auch erst mit neun Monaten sein.

    Es gibt 3 grundsätzliche Beikost-Reifezeichen 

    • der Zungenstoßreflex ist abgeklungen
    • die Hand-Mund-Koordination ist vorhanden und
    • während der Nahrungsaufnahme kann das Baby sich selbstständig im Oberkörper halten -> quasi sitzen. Erst mit dem Sitzen ist der Rumpf von den Muskeln ausgebildet. Die Gefahr sich zu verschlucken ist in Aufrechterhaltung minimierter.

    Wenn alle Anzeichen bei Eurem Kind gegeben sind, könnt ihr davon ausgehen, dass es reif ist mit fester Nahrung zu beginnen.

    Baby led weaning – So ernähren sich Babys optimal

    Wenn Babys dann mit einer gesunden Auswahl auf dem Teller selbstbestimmt essen lernen dürfen, ernähren sie sich optimal, was Nährstoffe und Essensmenge angeht, wenn sie parallel weiter gestillt werden. Wobei der Hauptbestandteil der Baby-Nahrung grundsätzlich die Muttermilch /Pre bleiben sollte.

    Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Babys intuitiv Lebensmittel meiden, die sie nicht vertragen. Beim Breifüttern ist das nicht der Fall.“

    Ein wichtiger Aspekt beim BLW ist neben der selbstbestimmten Auswahl auch die aktive Rolle, die das Baby einnimmt. Es lernt selbständig, kleine Stücke in der Hand zu halten sowie die benötigte Koordination, etwas zum Mund zu führen. Na und wie stolz die oder der Kleine sein wird, darüber wie es ganz alleine essen kann. Versteht sich von selbst, oder?

    Gerade Kinder, die keinen Brei mögen, kommen mit Baby led weaning voll auf ihre Kosten. Moana Mahina Werschler, Gründerin des Mamafoodblogs Miss Broccoli empfiehlt,  BLW mit Brei zu mischen. Es müsse ja nicht immer nur das eine oder das andere sein – Hauptsache, das Baby darf selbst entscheiden. Ihr Kind hat zum Beispiel erst mit 11 Monaten richtig essen mögen, bekam aber seit dem fünften Monat Brei.

    Damit das Kind alle wichtigen Inhaltsstoffe bekommt, die es braucht, rät sie dem Kind Dipps anzubieten. Die könnten aus Mandelmus oder Frischkäse sein. Und natürlich schadet auch ein bisschen hochwertiges Pflanzenöl nicht. Viele Familien lassen die Kinder einfach am normalen Familienessen teilnehmen. Es funktioniert alles von Nudeln mit Tomatensauce bis hin zu gekochtem Gemüse und Pfannkuchen.

    Bekömmliche Familienkost

    Gut geeignete Gemüse sind gedünstete/r Pastinake, Kürbis, Kohlrabi, Karotte, Brokkoli und Süßkartoffel. Als Ausgangsbasis können die Zutaten von Babybreien genommen werden. Nur dass sie eben nicht püriert und zu einem Einheitsbrei vermischt serviert werden.

    Zum Thema Brei sagt Nora Imlau: „Klar gibt es auch Babys, die lieber Brei mögen. Aber auch den können sie ja selber essen, Kartoffelbrei zum Beispiel. Das geht mit den Händen oder mit einem Löffel.“ Eine Alternative sieht die Fachautorin für Familienthemen im sehr achtsamen, langsamen Füttern.

    „Also wirklich nur assistierend, wenn das Baby sichtlich will, aber von der Motorik her noch nicht allein kann. Ohne Ablenkung, ohne zu versuchen, ihm mehr unter zu jubeln als es verlangt“, erklärt sie. Mehr Tipps hat Nora Imlau in ihrem absolut empfehlenswerten Buch „Das kompetente Baby“ gesammelt.

    Auch Moana Mahina Werschler sagt: „Das Gesicht, wenn das Baby mit sechs, sieben oder acht Monaten zum ersten Mal ein Karottenstück in den Mund nimmt, wird nicht pure Freude sein. Die Neugier ist aber meist so groß, dass es weiter probiert!“

    Dass eine solche Haltung, das eigene Bewusstsein für Ernährung fördert und den Kindern von klein auf hilft, ein Gefühl für das Satt sein und die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln, klingt plausibel.

    Baby led weaning – Bedürfnisorientierte Ernährung

    Natürlich gibt es auch viele Kritiker. Anstoß nehmen sie in erster Linie daran, dass die Kinder auf diese Art und Weise nicht ausreichend ernährt und Mangelerscheinungen davontragen würden. Während der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte das Konzept schlichtweg ablehnt, befürwortet es der Hebammenverband.

    Natürlich spielt auch hier wieder der gesunde Menschenverstand eine große Rolle. Wenn ich sehe, dass mein Kind zum Verschlucken neigt und nicht gut mit den angebotenen Lebensmitteln zurecht kommt, lasse ich solche Lebensmittel natürlich weg. Damit wären wir wieder beim Thema „Bedürfnisorientierung“ und bedürfnisorientierte Ernährung.

    Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit im Umgang mit dem Kind hilft auch beim Thema Ernährung. Probiert alles aus und bietet Möglichkeiten an. Und natürlich kriegt ein Breiverweigerer nicht nur Gemüsesticks zum Lutschen, sondern neben vielen leckeren Probierstückchen eben auch die gute Milch der Mama oder die Säuglingsmilch aus dem Fläschchen – ganz so wie bisher.

    Eure Verena Wagner (Babytalk – Autorin)

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