Schlagwort: Geburtsbericht Hausgeburt

  • Warum ich mir so sehr eine Hausgeburt gewünscht hätte

    Warum ich mir so sehr eine Hausgeburt gewünscht hätte

    Für mich waren meine Krankenhausgeburten traumatisch. Vor allem die erste war ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Ich hätte gerne eine Hausgeburt gehabt.

    Das haben wir uns aber nicht getraut, da wir zu der Zeit 30 km vom Krankenhaus entfernt in den Bergen lebten.

    Ich kaufte mir also die Hebammensprechstunde von der Allgäuer Hebamme Ingeborg Stadelmann und bereitete mich voller Freude und Zuversicht auf die Geburt vor.

    Die Schwangerschaft war super und als ich im Krankenhaus ankam, war der Muttermund schon 3 cm weit geöffnet. Ich hatte schon die ganze einstündige Fahrt ins Krankenhaus auf dem Land Wehen. Anders als gedacht befanden wir uns nämlich doch nicht in in der Großstadt am alten Wohnort. Alle im Krankenhaus Anwesenden gingen sofort von einer Blitzgeburt aus.

    Entbindung im Krankenhaus

    Zuerst war alles gut. Ich ging in die Gebärwanne, bekam Musik und Duftlampe. Als mir aber an den Schultern kalt wurde, wollte ich aus der Wanne raus.

    Nicht wissend, das ich damit mein Los beschieden hatte und damit den normalen Krankenhaus-Geburt-Rhythmus wählte. Ich wurde zu diesem (Gynäkologen-) Stuhl geführt und kam mir vor wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wird.

    Ich hatte das Gefühl totaler Ohnmacht, mein Freund war ebenso hilflos und aufgeregt. Als die recht junge Hebamme meinte, die Fruchtblase würde jetzt zum Platzen gebracht werden, wagte ich zu widersprechen.

    Alles was ich darüber gelesen hatte, war negativ. Sie ging zur Ärztin und die sagte dasselbe. Ich wusste nicht, wie ich mich wehren sollte.

    Ich dachte, dass man der Gebärenden Zeit lassen sollte, wie lange sie eben braucht. Nachdem die Fruchtblase nun geplatzt war, wurde nichts besser. Mein Sohn, der einen großen Kopf hat, stieß nun ohne Puffer wieder und wieder auf mein Schambein.

    So schmerzhaft, dass ich um eine PDA bettelte. Aber liebe Frau x, sie haben es doch bald geschafft. Irgendwann kapierten auch Hebamme und Ärztin, dass es sich „bloß noch um Stunden handeln“ konnte und gaben mir die PDA.

    Das Trauma

    Angekommen waren wir im Krankenhaus um 1.30 nachts und geboren wurde unser liebes Kind gegen 11 Uhr vormittags. Mehrere Stunden war es ohne Fruchtblase, bis es mir irgendwann doch gelangen ihn – mit Dammriss – herauszupressen.

    Nach einigen Stunden wurde er mir weggenommen – Neugeboreneninfektion. War daran wohl die Zeit ohne Fruchtblase schuld? Das ist zumindest meine Meinung.

    Die folgende Woche in der Klinik war richtig schlimm. Da wir auf der Intensivstation waren wegen der Antibiotika und der Infektion mussten wir uns auch deren Gepflogenheiten und Regeln unterwerfen.

    Das Kind musste vor und nach jedem Stillen gewogen werden, auch wenn es dann wieder aufwachte. Sicher wichtig bei Frühchen und Babys die zu wenig trinken.

    Mein Wonneproppen wog von Anfang an 3.700 g und schmatzte beim Trinken an der Brust, weil er die viele Milch gar nicht schnell genug wegschlucken konnte.

    Erst nach Tagen hatten die Schwestern erbarmen und erließen mir die Wiegepflicht, die angesichts dieses gut genährten Kerlchens geradezu wie pure Ironie anmutete. Endlich durften wir heim und alles wurde besser.

    Dennoch blieb unser Schatz für 3 Monate lang ein Schreikind. Tagsüber war er glücklich und zufrieden bis es 18 Uhr wurde. Dann weinte er drei Stunden lang und nichts konnte ihn vom Schreien abhalten.

    Ich lasse diesen 1. Teil meiner Geburtserfahrung jetzt einfach so offen stehen. Sie enthält meine Meinung und meine persönlichen Empfindungen. Ich beschreibe darin das, was ich bei meiner ersten Geburt gefühlt habe.

    Das mich diese Erfahrung traumatisiert hat, habe ich erst in den Wochen nach der Geburt gemerkt.

    Erneut verarbeitet und reflektiert habe ich das Erlebte, als ich dann nur 10 Monate später wieder schwanger war und mich auf eine Zwillingsgeburt vorbereitete. 16 Monate nach unserem starken Erstgeborenen haben wir unsere Zwillinge per Kaiserschnitt begrüßen dürfen.

    Teil 2: Die Geburt der Zwillinge

    Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als einmal eine Hausgeburt erleben zu dürfen. Das ging jetzt wieder nicht. Zumindest in Österreich sind Hausgeburten bei Zwillingen nicht erlaubt.

    Deutsche Hebammen gibt es auch nicht viele, die das übernehmen.

    Wir zogen zwar gerade wieder an den Chiemsee, aber bald schon kam die Nachricht, das eines der Kinder verkehrt herum lag. (Sorry, dass ich die ganzen Fachausdrücke nicht mehr weiß.)

    Wie sich zeigte, war es jetzt nicht mal mehr leicht, eine Klinik zu finden, die nicht von vornherein eine normale Geburt ausschloss!

    Das ärgert mich maßlos. Kein Wunder, wenn das Wissen darüber, wie es geht, ein Kind normal auf die Welt zu bringen, weniger und weniger wird.

    Wenn Ärzte ihrer Chance beraubt werden, ihren medizinischen Erfahrungsschatz bei natürlichen Geburten zu erweitern/bereichern, die Hebammen in der Ausübung ihres Berufs geradezu staatlich sabotiert werden, was bleibt dann noch für Deutschland? Der Kaiserschnitt.

    Kaiserschnitt verordnet

    Ich wehrte mich dagegen, als das erste Krankenhaus sagte, Beckenendlage bei Zwillingen macht nur noch der Chefarzt und der ist im August in Urlaub! Na dankeschön: Diesen Satz bekam ich in Rosenheim und in München Großhadern zu hören!

    Das Kind schlug übrigens während der gesamten Schwangerschaft Purzelbäume. Verkehrt herum in der 14. SSW heißt ja keineswegs, dass es immer so bleiben muss.

    Ich wollte aber unbedingt natürlich entbinden und fand schließlich ein kleines privates Krankenhaus.

    Ich hatte Glück, denn meine damalige Frauenärztin war dort Belegärztin.

    So fühlte ich mich diesmal viel sicherer. Ich vertraute ihr und hatte das, was ich schon bei der ersten Geburt gebraucht hätte und mir nach der ersten Erfahrung jetzt sehr wünschte.

    Eine Fachkraft, von der ich wusste, die kommt ins Krankenhaus, wenn es los geht und ist bei mir.

    Dass es dann doch ein Kaiserschnitt wurde, war für mich übrigens überhaupt nicht schlimm. Ich musste zwei Wochen vor Entbindungstermin in die Klinik – es sollte losgehen.

    Für eine Zwillingsschwangerschaft ist zwei Wochen vor ET geradezu grandios und ich hatte einen megagalaktischen Bauch. Es war Sommer, es war heiß, ich freute mich, dass es losgehen sollte.

    Ernst genommen fühlen

    Die Ärztin gab mir Globuli und wir versuchten allerlei, um die Geburt natürlich einzuleiten. Bei einem entspannenden Bad drehte sich der Purzelbaumkandidat schwupps noch mit dem Kopf nach unten.

    Alles schien zu passen. Ich bekam wehenfördernde Mittel. Es ging los. Doch plötzlich hatten die Kinder keine Lust mehr. Das Baby, das sich seit Wochen in der Pole Position befand, schwamm wieder nach oben. Jeder schien abzuwarten und „Bitte nach Dir!“ zum anderen zu sagen.

    Wir brachen ab.

    Die Ärztin sagte mir eine Yogaübung, die ich bis nächsten Vormittag praktizieren sollte. Manchmal würden die Kinder dann wieder in die richtige Position rutschen. Als sich nichts getan hatte bis zum nächsten Mittag, entschieden wir uns gemeinsam für einen Kaiserschnitt.

    Versteht ihr, warum ich mit dieser Entscheidung gut leben konnte? Ich wurde von Anfang bis Ende in die Entwicklung der Geburt mit einbezogen. So fühlte ich mich ernst genommen, mit all meinen Wünschen und Ängsten.

    Auch hier musste ich eine Woche in der Klinik bleiben. Auch hier durfte ich nicht von Anfang an permanent bei den Kleinen sein.

    Ein Kind brauchte Sauerstoff und den zweiten ließ man aus Solidarität beim Geschwisterchen. Immerhin kam man auf die Idee, den Kindern ein gebrauchtes T-Shirt ins Bettchen zu legen, damit sie den Mama-Geruch bei sich hatten.

    Ein Kind durfte ich von Anfang an stillen, das zweite ab dem zweiten Tag. Immerhin. Manchmal kommt eben nicht alles so, wie man es sich wünscht. Ich durfte auf einem Sessel in der Neugeborenenstation sitzen und konnte mit Hautkontakt kuscheln.

    Schade, fand ich auch, dass bei einem Kaiserschnitt, das Kind nicht gleich trinken darf. Ich wollte dem ersten gleich die Brust geben, aber da wurde mir das Kind weggenommen, um es zu versorgen. Ist das wegen der sterilen Umgebung? Ich habe keine Ahnung, aber ich empfand es damals als gemein.

    Aber wie gesagt, ich bin sehr dankbar, dass diese zweite Geburt so verlaufen ist. Sie hat mich ein wenig zumindest mit meinen Geburtserlebnissen versöhnt.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: In The Light Photography / shutterstock
  • Bericht einer Hausgeburt

    Bericht einer Hausgeburt

    In Anbetracht der immer weniger vorhandenen Hebammen wird eine Hausgeburt leider für immer weniger Eltern eine Option sein, deshalb ist es uns ganz besonders wichtig, Euch diese wunderbare Erfahrung lesen zu lassen!

    Denn nur, wenn wir Eltern in Zukunft weiterhin unsere Hebammen unterstützen, können wir erreichen, dass dieser Job nicht ausstirbt.

    DANKE Kerstin (Blog: fraumama.de) für diese wunderschöne Aufzeichnung!


    05.03.2015 – 20:00 Uhr:

    alle Kinder sind im Bett, ich merke hier und da einen hart werdenden Bauch, genau wie die letzten Wochen auch schon. A., meine Hebamme hat mir schon mehrere Mittelchen gegeben, die das Baby vielleicht aus seiner Höhle locken könnten, aber es zeigt sich durchgehend unbeeindruckt von meinen Bemühungen.

    Ich bin bereits 8 Tage über den Entbindungstermin, A. darf mich höchstens bis zum 10. Tag begleiten. Für den nächsten morgen habe ich einen Termin beim Frauenarzt.

    A. möchte, dass er noch einen Ultraschall macht, um zu sehen, dass es dem Baby noch gut geht. Mir ist das recht, langsam werde ich ja selbst nervös. Bis jetzt hatte ich eine Klinikgeburt immer verdrängt.

    Stefan unterbricht meine Gedanken: „wir sollten uns langsam mal unterhalten, was wir machen, wenn das Baby noch länger auf sich warten lässt. Wo gehen wir dann hin?“

    Also schaue ich mir online Bilder von den Krankenhäusern und deren Kreißsälen in der Umgebung an. Es gibt insgesamt 4, die in Frage kommen würden. Ne, denke ich mir wütend – ich will da nicht hin!

    Ich will da nicht die sterilen Gänge auf und ab tigern und mich mit den Krankenhaus-Routinen rumärgern. Ich bin empört. Ich WILL da nicht hin!

    Ich gehe in mein Gebärzimmer, schaue sehnsüchtig auf den Pool, der seit Tagen aufgeblasen da steht und seufze tief.

    21:00 Uhr:

    Zu dem hart werden kommt ein leichtes ziehen hinzu, fühlt sich relativ regelmäßig an. Ich denke mir: na? Willst du mich mal wieder veralbern? Und schaue nebenbei auf die Uhr: Alle 5 Minuten, ziemlich genau.

    22:00 Uhr:

    Ich sage Stefan, dass ich mal in die Wanne gehe, wahrscheinlich ist der Spuk dann eh wieder vorbei, aber dann ist wenigstens Ruhe.

    22:30 Uhr:

    In der Wanne kommen die Wellen weiterhin, werden nicht stärker, aber auch nicht schwächer. Na gut, mal sehen, was draus wird.

    23:00 Uhr:

    Ich gehe wieder aus der Wanne raus und merke schon, wie mir ziemlich viel „Badewasser“ die Beine runterläuft. Sicher Urin, denke ich mir, meine Blase fühlt sich die letzten Tage ständig voll an.

    Ich gehe auf die Toilette, entleere meine Blase, es tröpfelt noch immer leicht aus meiner Scheide.

    Ich fasse in mich hinein – nein das riecht nicht süßlich, riecht nach nichts. Vielleicht doch Badewasser? Ich mache schon wieder viel Lärm um nichts denke ich mir.

    Ziehe meine Schlafanzughose hoch, beim Bücken kommt nun doch einiges aus mir heraus. Das kann nun doch nicht mehr vom Baden sein – mein Herz macht einen Hüpfer – darauf hab ich soooo sehnsüchtig gewartet!

    Ich rufe A. an, sie kommt und freut sich!

    23:30 Uhr:

    A. bestätigt, dass es FW ist. Da ich noch keine starken Wehen habe, schicke ich sie wieder nach Hause. Ich möchte nicht beobachtet werden. Sie geht.

    Dann rufe ich meine Mutter und meine Schwester an, sie haben 1 Stunde Anfahrtsweg. Sie kommen. Meine Mama soll sich während der Geburt um die 4 Kinder kümmern, meine Schwester soll Fotos machen und filmen.

    06.03.2015: 00:30 Uhr:

    Meine Mama und E. kommen, freuen sich. Die Wehen sind minimal stärker, aber ich spüre: das dauert noch.

    Wir sitzen im Wohnzimmer und quatschen, nach und nach werden alle müde, die Augen werden schwerer. Da ich merke, dass es diese Nacht nichts mit dem Entbinden wird, beschließe ich, die Kinder doch am nächsten morgen in Schule und KiGa zu schicken.

    Ich möchte nicht auch noch 4 ungeduldige Kinder herumsausen haben. Außerdem haben wir kaum geschlafen und können alle etwas Ruhe gebrauchen.

    Die Wehen kommen weiterhin unregelmäßig stark, mal recht leicht, dann wieder eine stärkere – was wird das werden, denke ich mir.

    08:00 Uhr:

    A. kommt, hört die Herztöne ab, alles ok da drinnen. Ich schicke sie wieder. Sie hat viele Termine und ich spüre: ich brauche sie noch nicht.

    Sie vergewissert sich mehrmals, ob sie wirklich fahren soll, spricht mit mir ihre Termine in der Umgebung durch und möchte gegen Mittag wieder mit mir telefonieren.

    Es tut sich nicht besonders viel, ich döse vor mich hin, hab keine Lust auf Bewegung, will einfach meine Ruhe.
    Die ganze Zeit über habe ich Schleimabgang.

    Na wenigstens zeigt mir das, dass ich tatsächlich in der Geburt stecke, denke ich mir.

    14:00 Uhr:

    A. kommt erneut, sie wirkt etwas besorgt, wir sprechen es beide nicht aus, aber ich weiß, dass sie sich Gedanken um den Zeitfaktor macht, denn nach Blasensprung darf sie mich nur 24 Stunden betreuen.

    Ich schicke sie wieder weg, die Herztöne sind gut, dem Baby geht es gut, das ist das Wichtigste.

    20:00 Uhr:

    die Kinder sind im Bett, den ganzen Tag bin ich durchs Haus getingelt, hab hier und da Wehen veratmet und nun sind sie so gut wie weg. Nichts lässt auf eine baldige Geburt schließen, mir kommen die abstoßenden Bilder der Kreißsäle in den Sinn.

    Ich gehe da nicht hin! Basta! Dann bleib ich lieber alleine ohne Hebamme daheim. Ich bin leicht verzweifelt und irgendwie trotzdem innerlich ruhig. Etwas sagt mir: es wird schon alles gut.

    21:00 Uhr:

    A. kommt. Sie möchte mir einen Einlauf machen. Ich willige ein – alles, Hauptsache daheim.

    Sie verabschiedet sich – gegen 22.30 Uhr will sie wieder anrufen, sollte ich mich nicht vorher melden. Ich gehe auf die Toilette, fühle mich gut, dann kann ich mich später wenigstens hemmungslos gehen lassen, denke ich mir.

    Ich schicke Stefan ins Bett, er soll schlafen. Hat sich den ganzen Tag um alles gekümmert und ist todmüde, das sehe ich ihm an.

    21:30 Uhr:

    Puh, wo kam das denn jetzt her? Ich hänge gebückt über der Küchentheke und schnaufe richtig fest. Schon die zweite so starke Wehe innerhalb von 5 Minuten.

    Und gleich wieder eine. In meinem Unterleib hallt der Schmerz noch nach. Ich will Wärme! Schnell lasse ich in der Pause Wasser in den Pool laufen. Hoffentlich dauert es nicht so lange.

    Und wieder eine! Ich drücke E., meiner Schwester mein Handy in die Hand und sag ihr, sie soll die Abstände messen.

    Meine Mutter meint aus dem Hintergrund: „jetzt geht aber was weiter, oder?“ Ich antworte etwas genervt: „sieht danach aus, oder?“

    22:00 Uhr:

    Der Pool ist voll, ich kann es kaum erwarten endlich Wärme um mich rum zu haben. Ziehe mich aus und steige schnell rein. Die Wehen kommen alle 2 Minuten und sind so schmerzhaft dass ich bereits richtig tief atme, stöhne, töne.

    Ich weise E. an, Stefan zu wecken. Stefan kommt, total verpennt, kann gar nicht glauben was hier los ist, eben war doch alles ruhig. Ich sage ihm, er soll A. anrufen und dann den Ofen anmachen. Mir ist kalt trotz des warmen Wassers.

    22:30 Uhr:

    A. kommt. Sie tastet nach dem Muttermund 4-5 cm – schöne Scheiße denke ich mir, das kann ja noch heiter werden, wenn das noch lange so weiter geht.

    Ich bin nicht mehr in der Lage zu sprechen, Stefan streichelt mir den Kopf, ich bin bei mir, bei den Wehen, versuche, so gut wie es geht, mit ihnen mitzugehen.

    23:00 Uhr:

    Ich spüre, wie das Köpfchen tiefer kommt, fühle in meine Scheide, spüre etwas festes weiches. Komm Baby, komm raus, ich fange dich auf, ich hab dir das so oft versprochen in den letzten Wochen.

    A. lässt mich ganz in Ruhe. Ich bin so froh, bin daheim in meinem Wohnzimmer und kann endlich mein Baby auffangen.
    Der Kopf kommt, ich spüre es. Ich lehne mich kniend an den Rand des Pools.

    Eine Hand halte ich gegen meine Scheide, dehne vorsichtig nach allen Seiten, möchte etwas Platz schaffen. Das Köpfchen kommt, ich halte vorsichtig dagegen und drücke mit meinem Atem leicht mit. Es brennt und drückt.

    Ich weiß: nur noch ein bisschen und wir haben es geschafft. Ich merke, wie die Panik in mir aufsteigt, kann mich aber gut beruhigen. Ich spüre gar keine Wehen mehr, konzentriere mich auf nichts, lass es einfach kommen.

    Der Kopf ist geboren, ich bin so glücklich! A. meldet sich hinter mir: „wenn das Köpfen kommt, dann geh einfach mit. „Häh? Ich erwidere: „der Kopf ist schon da…“.

    …Verwunderung. Meine Mutter kommt näher.

    Ich wechsle die Position, setze mich wieder in Rückenlage. A. möchte an mich hingreifen, aber ich sage ihr, dass ich es selbst auffangen will. Und das tue ich. Ich drücke noch einmal nach und fange mein Baby auf.

    23.16 Uhr:

    Geschafft, ich hab’s ganz alleine geschafft!

    Die Nabelschnur ist etwas kurz, ich bekomme das Baby gerade bis zum Bauchnabel. Ich versuche ihm zwischen die Beine zu sehen.

    Es ist ein Mädchen, so wie ich es mir gedacht habe. Meine 5. Tochter, Matilda Anna, ist da! Um mich herum kullern die Tränen, ich kann’s noch gar nicht begreifen!

    Da die Nabelschnur so kurz ist, und bereis auspulsiert, nabeln Stefan und A. sie noch im Pool ab. Jetzt können wir kuscheln. Matilda schreit kräftig, es geht ihr gut. Sie fängt sofort an zu saugen.

    Die Plazenta kommt ein paar Minuten später nach. Gegen 24 Uhr steigen wir aus dem Pool, mir ist kalt geworden, und ich möchte nicht, dass Matilda friert.

    Wir ziehen um aufs Sofa, ich habe nur einen kleinen Riss an der Klitoris, wir entscheiden nicht zu nähen. A. erledigt den Papierkram, während wir staunen und kuscheln. Meine Mama und E. verabschieden sich bald, wollen uns unsere Ruhe lassen.

    Die Kinder hab ich letztlich nicht dazu geholt, weil ich mich in dem Moment nicht dabei wohl gefühlt hätte. Am nächsten Morgen wachen sie aber schon früh durch Matilda’s Weckrufe auf und kommen alle zum Begrüßen in unser Bett.

    Ich sehe mich um – 5 Töchter und den besten Mann der Welt – das ist das pure Glück!

    Eure Kerstin (Babytalk – Autorin)

    Foto: Tomsickova Tatyana / shutterstock