Schlagwort: Abstillen

  • Der Stillstreik – wenn dein Baby die Brust anschreit

    Der Stillstreik – wenn dein Baby die Brust anschreit

    Stell dir vor, dein Stillbaby hat Hunger und anstatt zu trinken, schreit es völlig verzweifelt die Brust an. Es streckt sich in deinem Arm durch, ist völlig außer sich und man merkt, dass es gerade sehr verzweifelt ist. Dies nennt man einen Stillstreik. Nur WARUM fragt ihr euch sicherlich.

    So einen Stillstreik erleben die meisten Stillmamis mindestens einmal in der Zeit, in der sie ihr Kind stillen. Und es ist für alle zunächst einmal sehr irritierend. Ist das Stillen bisher Beruhigungsmittel Nummer Eins für das Baby gewesen, so hat man nun das Gefühl, dass seine Wut noch mehr wächst, sobald man es anlegen möchtest …

    Erst einmal: Verfallt nicht in Panik. Der Instinkt von uns Mamas setzt in uns Stresshormone frei, sobald unser Baby schreit. Und wenn wir dann auch noch Sorge haben müssen, dass unser Baby satt wird bzw. genug Flüssigkeit zu sich nimmt, sind unsere Nerven extrem unter Druck gesetzt.

    Doch gerade in dieser Situation heißt es: Einen kühlen Kopf bewahren!

    Frage 1: Warum schreit euer Baby die Brust an?

    Die Antennen von Babys sind so unfassbar fein justiert, dass es für Erwachsene sehr schwer ist, den Grund für das Abwenden von der Brust der Mama herauszufinden.

    Zunächst einmal könnte es an der Ernährung in den letzten Tagen liegen. Habt ihr etwas gegessen, was dem Kind eventuell Bauchschmerzen verursachen könnte? Es ist kaum zu glauben, aber Babys riechen so etwas schon, bevor sie die Milch aus der Brust probiert haben!

    Aber auch ein Störfaktor in der Umgebung könnte ein Grund für einen Stillstreik sein. Hat sich im Raum, in dem ihr stillt etwas verändert? Riecht der Raum anders? Hat sich das „Gefühl“ des Raumes verändert?

    Ein Baby braucht zum Trinken das Gefühl, dass die Situation um Euch beide herum gerade absolut keine Gefahr beinhaltet. In diesem Zusammenhang prüft auch einmal eure eigenen Emotionen im Augenblick:

    Regt ihr euch gerade über etwas auf? Liegt Streit in der Luft? Oder: Seid ihr gerade sehr in Freude geraten (auch sehr starke positive Gefühle irritieren Babys)?

    Frage 2: Was mache ich, damit mein Baby nicht verhungert?

    Hier ist eure ganze Aufmerksamkeit gefragt. Denn instinktiv greifen viele Mamis zur Flasche, um das Baby zu sättigen. Das ist auch absolut nachvollziehbar und nicht direkt verkehrt.

    Macht dies aber bitte nur in Begleitung einer Hebamme oder Stillberaterin, denn ohne eine kompetente Begleitung passiert es vielen Müttern, dass das Baby aus Versehen abgestillt wird.

    Die Flasche trinkt sich viel leichter als die Brust. Und auch, wenn ihr die Milch abpumpt, ist dieser Vorgang nicht gleichzusetzen mit dem Trinken des Babys.

    Spürt in euch hinein, ab wann es besser wäre jemanden zur Hilfe hinzuziehen. Wenn das Baby nur einmal zum Zeitpunkt einer Mahlzeit in einen Stillstreik verfällt, ist das alles natürlich kein Problem. Ihr könnt die Milch abpumpen und dem Baby in der Flasche anbieten, ohne gleich Hilfe holen zu müssen.

    Sollte der Stillstreik aber über Tage hinweg aufrecht erhalten bleiben und ihr gerne wieder voll stillen möchtet, lass euch beraten. So verhindert ihr, dass ihr traurig nach mehreren Tagen feststellen müsst, dass die Milch weniger wird .

    Ich wünsche euch, dass diese Phase möglichst schnell vorüber geht. Bei LA LECHE LIGA  findet ihr übrigens professionelle Hilfe bei Stillproblemen:

    In Deutschland: LA LECHE LIGA

    Österreich: LA LECHE LIGA

    Schweiz: LA LECHE LIGA

    Luxemburg: LA LECHE LIGA

    Liebe Grüße

    Eure Mira (Babytalk-Redaktion)

    Kommentar einer Leserin:

    Mein Sohn hat solche Phasen immer wenn er grad einen „Wachstumsschub“ hat.. also diese Entwicklungsschübe, die im ersten Jahr in gewissen Abständen auftreten ca. um die 5. 8. 12. etc… Woche. Er ist dann immer ein bis drei Tage (meistens beginnt es am Nachmittag bis zum späten Abend) ziemlich durch den Wind.

    Man kann ihm dann nichts recht machen und auch die Brust, die sonst alles wieder gut macht wird nur angeschrien … Bei ihm hilft es gut es einfach immer wieder zu probieren und auszusitzen … irgendwann trinkt er dann doch (Hunger ist halt der beste Koch) und nach ein paar Stunden ist der Spuk zum Glück meistens wieder vorbei.

    Kann da nur das Buch „Oje, ich wachse“ empfehlen! Ich finde man versteht die Kleinen dann einfach besser wenn sie mal wieder Terror machen und du weist was da grad im Gehirn von so einem Baby abgeht welche neuen Eindrücke es gerade verarbeiten muss usw.

    Und das tolle ist es steht dann auch immer was sie danach alles neu können bzw. lernen und dann hat man auch immer was auf das man sich freuen kann, wenn die Phase vorbei ist.

    Nicole Schernhorst

    Beitragsfoto:Stillstreik: Thawornnurak / shutterstock
  • Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Abstillen – wie es ohne Stress klappt

    Viele Mamas haben keine Ahnung, wie sie denn ihren kleinen Liebling abstillen bzw. von der Muttermilch entwöhnen können. Irgendwann fühlen sie sich, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgesaugt, leer getrunken.

    Das Stillen kostet auf Dauer ganz schön viel Energie, auch wenn das Baby schon fleißig in der Familie mit isst.

    Es gibt viele Gründe, warum sich Frauen ab einem selbst gewählten Zeitpunkt wünschen, mit dem Stillen aufzuhören.

    Wenn sie so auf ihr Kind blicken, das gerade wieder innig saugend am Busen hängt, können sie sich aber einfach nicht vorstellen, wie sie ihrem Liebling diese zärtlichen, gemeinsamen Augenblicke verwehren könnten.

    Das würde eine riesengroße Protestwelle auslösen, fürchten manche. Das grenze an Liebesentzug denken andere.

    Ich meine: Wenn die Mama aus welchen Gründen auch immer, der Ansicht ist, es sei jetzt genug gestillt, dann ist das  ein triftiger Grund, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Und das beste: Wenn die Mama wirklich nicht mehr stillen will und diese Entscheidung ganz bewusst fasst, dann klappt es mit dem Abstillen erstaunlich rasch.

    Es ist ganz so wie bei dem Entschluss, das Kind in Fremdbetreuung zu geben: Auch das klappt nur, wenn der Nachwuchs spürt, der Mama ist es ganz ernst damit – sie meint, was sie sagt.

    Tipps zum Umsetzen

    Ist dieser Entschluss bewusst und ernsthaft gefasst worden, kann es losgehen. Bei vielen wird dieser Zeitpunkt um den ersten Geburtstag herum gekommen sein.

    Meiner Erfahrung nach isst das Kind in diesem Alter auch bereits so viel andere Nahrung und so regelmäßig bei den Familienmahlzeiten mit, dass sich das Stillen meist nur noch auf eine Abend- bzw. Einschlafmahlzeit und evtl. eine Morgenrunde beläuft.

    Hilfreich ist es, eine Stillmahlzeit nach der anderen wegzulassen und gegen Beikost zu ersetzen, so ist das Abstillen ein schleichender Prozess.

    Uns hat auch geholfen, dass das Baby schon früh Fencheltee im Fläschchen bekam. Er liebte seine Babyflasche und auch das haben wir geschafft, ihn davon wieder zu entwöhnen. Das war aber viel schwieriger und hat erst im Alter von drei Jahren geklappt!

    Angst, dass dem Kind in dieser Situation durch das Abstillen wichtige Nährstoffe fehlen, muss also niemand haben. Das Baby braucht als Ersatz auch keine Milchfläschchen zu bekommen.

    Es kann aber einen Versuch Wert sein, ihm oder ihr eine Nuckelflasche – diese kann mit Wasser verdünnte Kuhmilch, und besser noch Ziegen- oder „Pflanzenmilch“, aber auch nur Wasser oder ungesüßten Tee enthalten – zur Zeit des gemeinsamen Kuschelstündchens anzubieten.

    Meistens brüllt das Kind dann und haut die Flasche wütend weg – so einfach lässt es sich ja nun nicht abspeisen. Es will eindeutig sein gewohntes Abendritual nicht vorenthalten bekommen.

    Mein erster Sohn war neun Monate alt, als ich erfuhr, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Plötzlich wollte ich abstillen. Sonst hätte ich sicher noch weiter gestillt, aber ich hatte das Gefühl wegen der erneuten Schwangerschaft meinen Körper schonen zu müssen.

    Die Fläschchen mit den verschiedenen Sorten Milchpulver, die wir ausprobierten, spuckte der Kleine alle aus, schmiss die Flaschen herum und erkannte deren Geschmack sogar, als ich es einem Fruchtmus beimischte.

    Da war nichts zu machen. Er mochte einfach nur Muttermilch, später Kuhmilch. Natürlich machte ich mir Sorgen, ob es gesund für ihn sei so ganz ohne Milch, denn mit der Kuhmilch sollte ich ja laut Kinderarzt noch ein wenig warten.

    Wir begannen dann aber doch schon ab dem 10. Monat stark verdünnte Kuhmilch zu geben – nach meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren mit meiner Laktose- und Kuhmilcheiweißunverträglichkeit fiele meine Wahl heute eher auf eine pflanzliche Milchalternative wie Hafer- oder Mandelmilch.

    Damals war das noch nicht so verbreitet, die Zwillinge bekamen dann schon Pflanzenmilch zum Abstillen.

    Papa kann beim Abstillen helfen

    Zu diesem Zeitpunkt war unser erster Sohn aber längst abgestillt. Das geschah innerhalb einer Woche! Wir lebten in den ersten neun Monaten eine derartige Mama-Kind-Symbiose, dass mir dieses totale Desinteresse an meinem Busen von einen Tag auf den anderen fast zu abrupt war.

    Geschafft hat das eigentlich der Papa, muss ich zugeben. Ich wäre heillos überfordert gewesen und hätte überhaupt nicht gewusst, wie ich das zuwege bringen sollte.

    Zu besagter Abendstunde, als die Stillzeit nahte, wurde ich schon nervös und der Papa schlug vor, ich solle doch ein wenig spazieren gehen. Er würde das mit dem Kleinen schon hinkriegen. Ich verschwand erleichtert, aber mit sehr gemischten Gefühlen, und er spielte mit ihm, lenkte ihn ab und fütterte ihn.

    Zum Glück war zu dieser Zeit Winter und ich trug meine Wollpullis mit Rollkragen. So war nicht einmal das klitzekleinste bisschen Dekolleté zu erahnen.

    Diesen Tipp, so doof er sich anhört, würde ich jeder abstillenden Mama nahelegen. Eure Kinder sind so schlau, sogar die ganz kleinen:

    Die Kinder erinnern sich eher an etwas, wenn sie es vor Augen haben. Bekommen sie das Wunschobjekt gar nicht zu Gesicht, vergessen sie es auch schnell mal, wenn sie nichts daran erinnert.

    Wir zogen das eine Woche so durch, dass ich den Kleinen immer beim Papa ließ oder zum Papa brachte, wenn die kritische Uhrzeit nahte. Natürlich geht das genauso mit der Oma oder einer guten Freundin.

    Nach ein paar Tagen hatte mein Sohn tatsächlich vergessen, dass er die erste Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Brusttrinker gewesen war. Das Kuscheln haben wir beibehalten.

    Während dieser Abstillphase haben wir einfach zu anderen Tageszeiten gekuschelt, zu denen es ohnehin schon normal für ihn war, sein Essen bei mir bzw. uns am Tisch zu bekommen. Wahrscheinlich hat es damals auch so gut geklappt, weil ich einfach die absolute Notwendigkeit zum Abstillen hatte.

    Wenn das Kind keine Lust mehr hat

    Bei den Zwillingen habe ich ebenfalls fast sechs Monate voll gestillt und dann eine Mahlzeit nach der anderen mit Beikost ersetzt.

    Irgendwie wusste ich diesmal zwar, dass das schon irgendwie klappen würde mit dem Abstillen. Das gab mir mehr Sicherheit, aber wie ich das schaffen sollte, wusste ich nicht.

    Sie waren bereits zwölf Monate alt und ich hatte insgeheim keine Lust mehr weiter zu stillen.

    Die beiden hörten kurz vor ihrem ersten Geburtstag von einen Tag auf den anderen auf, an der Brust zu trinken. Sie mochten einfach nicht mehr!

    Das fand ich auch sehr erstaunlich. Während ich noch überlegte, wie ich das ganze anpacken sollte, vergaßen sie einfach zu trinken. Es war diesmal  Sommer und wir waren viel draußen.

    Vielleicht hatten sie die abendliche Stillrunde vergessen, weil sie so viel im Garten entdeckten? Wir kuschelten jetzt einfach jeden Abend ohne Stillen.

    Der beste Tipp ist wohl, auf seine eigenen Wünsche zu hören und behutsam, aber mit innerer Überzeugung dem Kind nahe zu bringen. Jede Stillgeschichte ist anders, kann kürzer sein oder um viele Monate länger. Wichtig ist, dass es beiden Beteiligten gut dabei geht.

    Wenn wer nicht weiter weiß, hat bestimmt die Hebammen Tipps bereit. Im Netz gibt es auch Kontakt zu den Stillberaterinnen z.B. von La Leche liga.

    Übrigens: Zu den Kräutern, die den Milchfluss verringern, gehören Salbei, Walnussblätter und Pfefferminze. Ein so genannter Abstilltee reduziert die Milchproduktion langsam und bildet das Bindegewebe in der Brust schonend zurück.

    Eure Verena (Babytalk – Autorin)

    Beitragsfoto: Billion Photos / shutterstock

  • Baby led weaning: Baby hilft abstillen

    Baby led weaning: Baby hilft abstillen

    Viele Babys wollen möglichst schnell genau das essen, was alle am Familientisch zu sich nehmen. Das ist ja viel spannender, was die anderen kriegen. Wenn Du beobachtest, dass Dein Baby sich sehr für Lebensmittel und Essen interessiert, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um etwas Neues auszuprobieren = Baby led weaning.

    Baby led weaning (BLW) heißt ein relativ neues Konzept aus Großbritannien, zu deutsch „Vom Baby dirigiertes oder selbst bestimmtes Abstillen“. Bei dieser Methode der Babyernährung im ersten Lebensjahr greifen Eltern nach mehr oder weniger sechs Monaten ausschließlicher Muttermilch (oder Fläschchennahrung) nicht automatisch zum Babybrei.

    Sie ermöglichen ihrem Kind, gleich richtig mit zu essen, und bieten weich gekochte Äpfel, Karotten, Kartoffeln oder frische Himbeeren im Birchler Müsli an. Die Basis des Birchler Müslis besteht aus weichen in Wasser aufgelösten Hafer-, Reis-, Hirse- oder Dinkelflocken, sowie Weizen- oder Maisgrieß. Auch ein Stück Brot oder Breze eignet sich für den Anfang. Eigentlich gibt es keine Tabus außer Salz und Nüsse.

    Weiches Obst könnte dem Baby besser schmecken

    Weiches Obst wie Banane, Avocado oder Birne könnte dem Baby viel mehr Spaß machen als sein Brei. Es ist möglich, das Obst in kleine Stücke zu schneiden. Saftige Apfel oder Fleisch eignen sich zum daran Saugen.

    So bekommt das Baby den vielfältigen Geschmack von Lebensmitteln früh mit. Wenn es sich dann an den Kartoffeln satt gegessen hat, holt es sich seine Nährstoffe eben weiterhin aus der Muttermilch. Das Kind kann sich aber frei etwas aus einer kleinen Auswahl an geeigneten Lebensmitteln aussuchen.

    Wann ist mein Baby für Beikost bereit?

    Abstillen Mutter füttert Kleinkind mit Brei
    Abstillen Mutter füttert Kleinkind mit Brei

    Expertinnen wie die Fachautorin und Journalistin Norau Imlau findet den richtigen und individuellen Zeitpunkt für das Abstillen entscheidend. „Ich finde es wichtig, Babys dann Essen anzubieten, wenn sie dafür bereit sind. Das heißt, wenn sie sichtlich Interesse zeigen, an anderer Kost als Muttermilch. Das kann mit fünf oder auch erst mit neun Monaten sein.

    Es gibt 3 grundsätzliche Beikost-Reifezeichen 

    • der Zungenstoßreflex ist abgeklungen
    • die Hand-Mund-Koordination ist vorhanden und
    • während der Nahrungsaufnahme kann das Baby sich selbstständig im Oberkörper halten -> quasi sitzen. Erst mit dem Sitzen ist der Rumpf von den Muskeln ausgebildet. Die Gefahr sich zu verschlucken ist in Aufrechterhaltung minimierter.

    Wenn alle Anzeichen bei Eurem Kind gegeben sind, könnt ihr davon ausgehen, dass es reif ist mit fester Nahrung zu beginnen.

    Baby led weaning – So ernähren sich Babys optimal

    Wenn Babys dann mit einer gesunden Auswahl auf dem Teller selbstbestimmt essen lernen dürfen, ernähren sie sich optimal, was Nährstoffe und Essensmenge angeht, wenn sie parallel weiter gestillt werden. Wobei der Hauptbestandteil der Baby-Nahrung grundsätzlich die Muttermilch /Pre bleiben sollte.

    Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Babys intuitiv Lebensmittel meiden, die sie nicht vertragen. Beim Breifüttern ist das nicht der Fall.“

    Ein wichtiger Aspekt beim BLW ist neben der selbstbestimmten Auswahl auch die aktive Rolle, die das Baby einnimmt. Es lernt selbständig, kleine Stücke in der Hand zu halten sowie die benötigte Koordination, etwas zum Mund zu führen. Na und wie stolz die oder der Kleine sein wird, darüber wie es ganz alleine essen kann. Versteht sich von selbst, oder?

    Gerade Kinder, die keinen Brei mögen, kommen mit Baby led weaning voll auf ihre Kosten. Moana Mahina Werschler, Gründerin des Mamafoodblogs Miss Broccoli empfiehlt,  BLW mit Brei zu mischen. Es müsse ja nicht immer nur das eine oder das andere sein – Hauptsache, das Baby darf selbst entscheiden. Ihr Kind hat zum Beispiel erst mit 11 Monaten richtig essen mögen, bekam aber seit dem fünften Monat Brei.

    Damit das Kind alle wichtigen Inhaltsstoffe bekommt, die es braucht, rät sie dem Kind Dipps anzubieten. Die könnten aus Mandelmus oder Frischkäse sein. Und natürlich schadet auch ein bisschen hochwertiges Pflanzenöl nicht. Viele Familien lassen die Kinder einfach am normalen Familienessen teilnehmen. Es funktioniert alles von Nudeln mit Tomatensauce bis hin zu gekochtem Gemüse und Pfannkuchen.

    Bekömmliche Familienkost

    Gut geeignete Gemüse sind gedünstete/r Pastinake, Kürbis, Kohlrabi, Karotte, Brokkoli und Süßkartoffel. Als Ausgangsbasis können die Zutaten von Babybreien genommen werden. Nur dass sie eben nicht püriert und zu einem Einheitsbrei vermischt serviert werden.

    Zum Thema Brei sagt Nora Imlau: „Klar gibt es auch Babys, die lieber Brei mögen. Aber auch den können sie ja selber essen, Kartoffelbrei zum Beispiel. Das geht mit den Händen oder mit einem Löffel.“ Eine Alternative sieht die Fachautorin für Familienthemen im sehr achtsamen, langsamen Füttern.

    „Also wirklich nur assistierend, wenn das Baby sichtlich will, aber von der Motorik her noch nicht allein kann. Ohne Ablenkung, ohne zu versuchen, ihm mehr unter zu jubeln als es verlangt“, erklärt sie. Mehr Tipps hat Nora Imlau in ihrem absolut empfehlenswerten Buch „Das kompetente Baby“ gesammelt.

    Auch Moana Mahina Werschler sagt: „Das Gesicht, wenn das Baby mit sechs, sieben oder acht Monaten zum ersten Mal ein Karottenstück in den Mund nimmt, wird nicht pure Freude sein. Die Neugier ist aber meist so groß, dass es weiter probiert!“

    Dass eine solche Haltung, das eigene Bewusstsein für Ernährung fördert und den Kindern von klein auf hilft, ein Gefühl für das Satt sein und die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln, klingt plausibel.

    Baby led weaning – Bedürfnisorientierte Ernährung

    Natürlich gibt es auch viele Kritiker. Anstoß nehmen sie in erster Linie daran, dass die Kinder auf diese Art und Weise nicht ausreichend ernährt und Mangelerscheinungen davontragen würden. Während der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte das Konzept schlichtweg ablehnt, befürwortet es der Hebammenverband.

    Natürlich spielt auch hier wieder der gesunde Menschenverstand eine große Rolle. Wenn ich sehe, dass mein Kind zum Verschlucken neigt und nicht gut mit den angebotenen Lebensmitteln zurecht kommt, lasse ich solche Lebensmittel natürlich weg. Damit wären wir wieder beim Thema „Bedürfnisorientierung“ und bedürfnisorientierte Ernährung.

    Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit im Umgang mit dem Kind hilft auch beim Thema Ernährung. Probiert alles aus und bietet Möglichkeiten an. Und natürlich kriegt ein Breiverweigerer nicht nur Gemüsesticks zum Lutschen, sondern neben vielen leckeren Probierstückchen eben auch die gute Milch der Mama oder die Säuglingsmilch aus dem Fläschchen – ganz so wie bisher.

    Eure Verena Wagner (Babytalk – Autorin)

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  • Meine Stillgeschichte

    Meine Stillgeschichte

    Wir freuen uns Euch einen Beitrag über das sehr persönliche Stillerlebnis von Berenice, besser bekannt als Phinabelle (Der Blog über Kinder, Chaos und ganz viel Glück) vorstellen zu dürfen. Probleme beim Stillen sind absolut keine Seltenheit, alleine das zu wissen kann schon beruhigen.

    Um Euch ein paar Ratschläge an die Hand zu geben, werden wir in der kommenden Woche zusätzlich einen Beitrag von einer Stillexpertin über Tipps und Tricks für den Start beim Stillen veröffentlichen. Danke an Berenice für die sehr persönlichen Einblicke!


    Stillen, ein sehr kontroverses Thema

    Das Thema „Stillen“ ist ja schon `ne harte Nummer. Jeder hat seine Meinung und wehe dem, der es anders macht… Gar nicht zu stillen, sorgt genauso für Bluthochdruck wie Langzeitstillen, sprich: am Anfang stillst Du selbstverständlich – ist ja auch das Beste für das Kind – aber nach maximal 12 Monaten ist dann bitte auch Schluss.

    Dies war mein Plan, klang in der Theorie auch ganz einfach. Doch die Praxis sah anders aus … Während meiner ersten Schwangerschaft war mir klar, dass ich auf jeden Fall stillen möchte.

    Die Vorteile lagen ja auf der Hand: die besten Nährstoffe für das Kind, immer frisch und wohl temperiert, man musste unterwegs nicht auch noch Fläschchen mitnehmen und die Pfunde sollten dadurch auch eher purzeln. Bravo!

    Ich machte mir lediglich Gedanken um das Stillen in der Öffentlichkeit, war mir aber sicher, auch das zu wuppen. Dass meine Tochter dann unerwartet per Kaiserschnitt auf die Welt kam, sorgte für die erste Verunsicherung. Wollte ich mein Kind doch auf jeden Fall natürlich entbinden.

    An der Brust trinkendes Baby

    Aber ein Geburtsstillstand und schlechte Herztöne machten eine Operation notwendig. Dennoch ging es uns beiden nach der Geburt sehr gut, ich legte die Kleine direkt an und sie probierte auch direkt zu saugen.

    Stillen und Flasche, die Zufütter-Falle

    Als Erstlingsmama ist man natürlich in allem sehr unsicher. Trinkt sie genug? Schläft sie zu lange? Warum hat sie schon wieder Hunger? Und auch die Hebammen und Schwestern im Krankenhaus steuerten ihren Teil bei: ständig kam jemand herein.

    Blutdruck und Temperatur messen bei mir, Mülleimer leeren und wischen, Zuckerwert messen beim Baby, Physiotherapie … Im Nachhinein weiß ich, dass das einfach zu viel war.

    Ich hatte permanent das Gefühl, es nicht gut genug zu machen. Ständig wurden die Werte meiner Kleinen gemessen und die Schwester kam zu dem Entschluss, dass wir zufüttern müssen.

    Der Zuckerwert war schlecht und wir sollten etwas Glukose geben. Dann nahm sie auch die normalen 10% ihres Gewichts an nur einem Tag ab, was der Schwester Schweißperlen auf die Stirn trieb: „Sie müssen zufüttern! Da führt kein Weg dran vorbei!“ Na toll.

    Ich hatte mir das alles so ganz anders vorgestellt und jetzt das … Natürlich wusste ich, dass das Stillen noch nicht optimal lief, aber dauert das nicht seine Zeit!? Ich war seit zwei Tagen Mama und der Milcheinschuss war noch immer nicht eingetreten. Aus diesem Grund fütterten wir mit der Flasche zu – der Anfang vom Ende.

    Schmerzen, Frust und Angst

    Dennoch sollte ich weiterhin viel anlegen, um den Milchfluss anzuregen. Doch irgendwie klappte auch das Anlegen nicht richtig und einen weiteren Tag später tat mir einfach alles weh.

    Mir schmerzte höllisch die Brust sobald das Baby schrie und ich wusste, dass sie trinken will. Ich verkrampfte und machte mir selbst großen Druck, dass es doch jetzt endlich klappen muss!

    Die Angst, dass mein Kind nicht satt wird und das Stillen gar nicht mehr klappt, wurde mit jedem Mal größer. Mein Tag bestand aus Anlegen, Zufüttern und Abpumpen. Und nach zwei Stunden ging das Gleiche wieder von vorne los. Ich war mit meinen Kräften am Ende.

    Stillen

    Abstillen nach 4 Wochen

    Ich merkte, dass meine Kleine mit der Flasche viel besser zurechtkam. Ich legte sie immer seltener an und pumpte nicht mehr so häufig ab. Auf diese Weise ging die Milchbildung stark zurück, sodass ich am Ende nur noch zwei Tassen Tee trinken musste, bis ich keine Milch mehr hatte.

    Für uns beide war es damals die beste Entscheidung, denn unser Alltag verlief viel entspannter.

    Wenn ich jetzt zurückblicke, weiß ich, dass ich zu früh aufgegeben habe. Ich hätte uns mehr Zeit geben und mich auf mein Bauchgefühl verlassen sollen. Denn ich bin mir sicher, dass jede Stillbeziehung toll werden kann.

    Eure Berenice (Babytalk – Autorin)

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