Schlagwort: gewaltfreie Kommunikation

  • „elternschule“ – Ein Kommentar zum Film

    „elternschule“ – Ein Kommentar zum Film

    Ich muss gestehen, ich habe lange gehadert mit meiner Entscheidung, ob ich mich zur der im Film „elternschule“ gezeigten Therapiepraxis äußern soll, und tue es noch immer.

    Dennoch wünsche ich mir einen anderen „Umgang“ mit dem Film und der berechtigten Kritik.

    Aus meiner langjährigen Erfahrungen der Traumabewältigung mit dem „inneren Kind“, weiß ich wie Kinder und Erwachsene mit Verletzungen bzw. Schmerz und Zurückweisung umgehen.

    Die vielen Menschen, die in der „elternschule“ zu sehen sind, sind aus meiner Sicht gebrochen bzw. werden gebrochen, indem sie die Kinder nachts schreiend allein lassen und ihnen das Essen in den Mund pressen. Das macht mich einfach nur endlos traurig.

    Verlorengegangene Empathiefähigkeit

    Unter gebrochen verstehe ich dabei, dass den betroffenen Eltern und Kindern das Mitgefühl bzw. die Empathiefähigkeit, die unserer Gesellschaft (Welt) zur Zeit so sehr fehlt, „abtrainiert“ wird. Dabei ist es gerade das, was sie gerade so sehr brauchen.

    Diese Kinder werden empathieunfähig aufwachsen, aus Angst vor Strafe und Zurückweisung versuchen sich entsprechend den Erwartungen ihrer Erziehungsberechtigten zu verhalten. Dabei werden sie aber nicht lernen, was „richtig oder falsch“ ist. Stattdessen werden sie lernen, wie sie dem Schmerz durch Strafe entgehen können.

    Diese Kinder werden als Erwachsene, sofern sie keine Heilung erfahren, sehr wahrscheinlich ohne Selbstbewusstsein aufwachsen. Und entweder nachdem Motto „ich zu erst“ (das zur Zeit leider sehr populär ist) leben oder ohne zu wissen, was sie wollen, versuchen zu „überleben“ ohne weiterhin verletzt zu werden.

    Beide Wahrscheinlichkeiten des Umgangs nach diesen Therapieformen wünsche ich niemanden.

    Das Verhalten des Klinikpersonals kann nur von Menschen durchgeführt werden, die diese Fähigkeit nicht mehr besitzen.

    Das Klinikpersonal wird sich ihre Empathiefähigkeit entweder bereits in der Kindheit aus Schutz vor Verletzungen unterdrückt haben oder als Personal in der Klinik wegzudrücken lernen müssen. Ansonsten würden sie den Schmerz, den sie den Eltern und Kindern in gut gemeinter Absicht zufügen, nicht aushalten.

    Kinder sind frei von Schuld

    Kinder, die das Licht der Welt erblicken, sind unschuldig und kennen keinen Schmerz bzw. Verletzungen, außer sie erlebten während der Schwangerschaft und/oder Geburt schwere Traumata. Und wenn dies der Fall war, fühlen sie sich ausnahmslos selbst dafür verantwortlich und handeln nicht „rachsüchtig“.

    Kinder brauchen generell keine Therapie, was nicht heißt, dass sie keine Unterstützung vor allem in Form von Verständnis, Aufmerksamkeit und aus Liebe gesetzten Grenzen bauchen, in denen sie sich und die Welt erkunden und weder sich noch andere „verletzen“ können.

    Und wenn sie den Ansprüchen dieser „Welt“ anscheinend nicht gerecht werden, was aber an unserer „Wirtschaftlichkeit und auf Erfolg über andere“ geprägten Gesellschaft liegt, werden sie „zurechtgebogen“ und bestenfalls beim „Verbiegen“ liebevoll unterstützt.

    Doch sie sind, wie jeder andere Mensch auch, OK so wie sie sind!

    Elternschaft ist eine der schwierigsten Aufgaben, zu der es aber keine Ausbildung gibt

    Wenn, dann sind es immer die Eltern, die Unterstützung brauchen. Was in keinem Fall den Schluss beinhaltet, dass sie keine guten Eltern oder gar „schlechte“ Menschen sind! Sie geben immer ihr Bestes, zudem sie in diesem Moment (ohne Unterstützung) fähig sind.

    Sie sind diejenigen, die sich die meisten Sorgen und Gedanken machen und in der Regel nicht weniger unter den Situationen leiden, wie ihr Kinder.

    Finger in die Wunden legen

    Kinder haben ein untrügerisches Talent ihre Finger immer auf die schmerzhaftesten Wunden ihrer Eltern zu legen. Welche dann die alten Verletzungen der Eltern aus deren Kindheit hochholen. Aus dem damit verbundenen Schmerz und Hilflosigkeit heraus, reagieren sie häufig unüberlegt und verletzend.

    Und so wünsche ich mir, dass wir in Bezug auf die Personen in dem Film „elternschule“ und dieser Klinik nicht mit Wut und Aggressivität, ob verbal oder nonverbal reagieren.

    Stattdessen wünsche ich mir Verständnis und Empathie für die Betroffenen, denn „Alles was nicht Liebe ist, ist ein Schrei nach Liebe“.

    Zudem ist es das, was diese Therapieform am schnellsten in „Liebe“ umwandeln kann.

    Mir ist es wichtig klar zu stellen, dass ich nicht für eine „grenzenlose“ Erziehung stehe. Kinder brauchen Grenzen. Sie geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit. Näheres findet ihr in meinem Beitrag „Grenzen setzen, heißt Verantwortung übernehmen“.

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    Mehr dazu, eure Kinder bindungsorientiert und liebevoll in die Selbstständigkeit zu begleiten, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist:

    Deva (Trauma-, Familien- und Atemtherapeut)

    Beitragsfoto: Nadezhda1906 / Getty Images Pro
  • Erziehung – Was Kinder unter einem NEIN verstehen

    Erziehung – Was Kinder unter einem NEIN verstehen

    Erziehung ohne Nein: Habt ihr schon einmal darauf geachtet, wie häufig ihr zu euren Kleinen „Nein“ oder „das geht nicht“, „dass kannst du nicht haben“ etc. sagt? Studien meinen es sind weit über 100 verneinende Aussagen dieser Art pro Tag.

    Was ist an einem NEIN verwerflich?

    An sich nichts. Nur verstehen vor allem eure Kleinen unter einem NEIN nicht nur den „Ausschlag eines Wunsches“, sondern: „Ich bin nicht OK“, was für sie gleichbedeutend ist, mit „Ich bin nicht liebenswert !!!„.  Das liegt daran, dass Kleinkinder ihre Bedürfnisse und Wünsche noch nicht von ihrer „Person“ trennen können. Dies fällt übrigens auch noch vielen Erwachsenen sehr schwer.

    Viele von Euch können sich bestimmt nicht mehr daran erinnern, was sie empfunden haben. Das liegt vor allem daran, weil sich das Meiste davon vor allem auf einer uns unbewussten Ebene abspielt.

    Was nun? Sollt ihr jetzt euren Kindern etwa immer alles geben, was sie sich wünschen und keine Grenzen mehr setzen???? – Nein.

    Doch ihr könnt eure Kommunikation bzw. Formulierungen verändern. Dies ist zwar zu beginn etwas „mühseelig“, doch es ist eine lohnenswerte Investition in die Beziehung zu eurem Kind.

    Hier ein paar Beispiele wie ihr ein NEIN umgehen könnt:

    Kind: „Ich will jetzt fernsehen!“  –  Mama: „Nein, Du darfst jetzt kein Fernsehen mehr schauen!“

    – besser: „Ich kann verstehen, dass Du jetzt gerne Fernsehen möchtest. Was ich Dir anbieten kann, ist, dass wir jetzt erst in Ruhe zu Abendessen und wenn wir gemeinsam den Tisch abgeräumt haben, lese ich Dir gerne noch eine Geschichte vor. „

    Kind (im Geschäft): „Ich will diese Puppe!!!!!“  –  Mama: „Nein, die gibt es nicht.“

    – Unsere Vorschläge: „Oh, ja, diese Puppe ist wirklich schön. Die hätte ich auch gerne gehabt. (Hier geht es darum, unserem Kind Verständnis für ihr Bedürfnis/ihren Wunsch zu schenken.)

     oder „Diese Puppe werde ich Dir zwar nicht kaufen, doch was ich Dir vorschlagen kann, ist, dass wir, wenn ich mit dem Einkaufen fertig bin, ein Eis essen gehen“.

    Es ist besser, euren Kindern Verständnis für ihre Bedürfnisse/Wünsche entgegen zu bringen und ihnen eine Alternative anzubieten. Dies ist aber nicht immer zwingend notwendig. Es hilft aber in Stresssituationen häufig, euer Kind schneller zu beruhigen. Es sollte jedoch nicht zur Gewohnheit werden.

    Ebenso ist es gerade bei Kleinkindern hilfreicher ihnen je nach Alter eine oder mehrere Alternativen vorzuschlagen, als sie „offen/frei“ nach ihren Wünschen zu fragen. Denn das überfordert sie.

    Papa: „Na, was sollen wir am Wochenende unternehmen?“ Kind: Ich will ins Disney Land.“

    Wenn ihr eure Kleinen häufiger nach ihren Wünschen fragt und dann ablehnen (müsst), fühlen sie sich nicht ernstgenommen und nehmen auch eure Fragen nicht mehr ernst. Und verlieren dann schnell ihr Vertrauen, in euren Wunsch sie glücklich zu machen und an eure Liebe.

    Ich möchte noch ausdrücklich betonen, dass einzelne Neins das Selbstbewusstsein von Kleinkindern nicht unbedingt schwächen werden, da sie ansonsten bestimmt noch viel Anerkennung, Wertschätzung und Bestätigung von euch erhalten.

    Erziehung ohne Nein - Kind greif beim Einkaufen in die Eistruhe

    Erziehung: Das Vertrauen unserer Kinder wächst mit jeden JA.

    Je mehr ihr eine Nein vermeidende Kommunikation übt, umso stärker wächst das Vertrauen eurer Kinder euch gegenüber und zu sich selbst.

    Vor allem in Gefahrensituationen sind Neins wenig hilfreich. Da ihnen in diesen Momenten die Aufforderung fehlt, was sie stattdessen machen sollen.

    Ich empfehle euch in diesen Situationen klar auszudrücken, was euer Kind machen soll, wie z.B. „Bleib stehen!“ oder „Stopp!“, „Komm zu mir!“ (…). Dabei gilt: je kürzer und klarer umso besser!

    Hilfreich ist es, wie in allen Anweisungen euren Kindern zu sagen, was ihr euch von ihnen wünscht und nicht, was ihr euch nicht wünscht. „Betrete nicht den Rasen“, „Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten“.

    Diese Anweisungen gehen häufig in die „Hose“. Da unser Gehirn mit Bildern arbeitet und es für die Worte „nicht“ und „verboten“ (und vielen gleichbedeutenderen) keine klaren Bilder gibt, werden diese Worte in unseren „Bildern“ weggelassen. Und es bleiben Bilder übrig, wie sie den Rasen betreten oder es taucht ein Rosa Elefant vor ihrem inneren Auge auf.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung als Papa, dass es eine sehr anstrengende, aber auch lohnenswerte Investition, in ein entspannteres Familienleben und in das Selbstbewusstsein unserer Kinder ist und kann euch dies nur nahelegen.

    Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen, Fragen und Ideen in diesem Zusammenhang mitteilt, z.B. Welche „Neins“ findet ihr besonders schwer, umzuformulieren?

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    Wenn ihr gerne noch mehr darüber erfahren möchtet, wie ihr eure Kinder liebevoll in die Selbstständigkeit begleiten könnt, findet ihr in unserem Buch „Glückliche Kinder brauchen entspannte Eltern“ welches im Humboldt-Verlag erschienen ist, wertvolle Tipps.

    Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

    Beitragsfoto: HTeam / shutterstock
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